Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürspinnen bis fürsprechen (Bd. 4, Sp. 831 bis 837)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürspinnen, zur täuschung vorgeben, zum vorwande brauchen, vorwenden. fürspinnen, fürwenden, praetendere, praetexere. Henisch 1307, 35. eigentlich: zum täuschen vornhin spinnen, um damit etwas anderes, das in absicht ist, zu verdecken.
S. vorspinnen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürspitzen, s. vorspitzen. 1) vorn zuspitzen, vorn spitz machen. 2) vorn mit einer spitze oder spitzen zum schutze versehen. für- sive vorspitzen, inspicare ferrô, cuspide praemunire. Stieler. 2064.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürsprach, m.
1) einer der als rechtskundiger für jemand einen rechtsstreit führt, ihn bei gericht vertritt, ein anwalt, ein sachwalter, ein rechtskundiger vertreter. von fürsprachen und procuratoren. dieweil nicht allein durch ungeschicklichkeit, sondern auch durch unfleisz der fürsprachen, und dasz sie sich mit vielen sachen überladen und sich vorher deroselben nicht nottürfftlich berichten lassen, offtmals die partheyen an ihren rechten versehen und verkürzet werden ... als sollen die fürsprachen mit fleisz die sachen vorher erkunden. verordnung des hadlerischen landgerichts thl. 1 tit. 5; es soll auch keinem theil zugelassen werden, mehr dann einen fürsprachen oder redener zu haben. ebenda;

mein fürsprach, artzt und raht.
Weckherlin 332.

überhaupt einer der das wort der vertheidigung führt, zu gunsten des rechts in einer sache spricht:

Ihr, guter bruder, müszt mein fürsprach seyn,
wenn hasz und gleisznerey sich gegen mich
erheben sollten.
Lessing 2, 323 (Nath. 4, 7).


2) einer der für eine gesammtheit von personen, für eine genossenschaft, in ihrem namen spricht, ein wortführer, ein worthalter. der dockmann, der brüderschaft (zunftgenossenschaft) fürsprach, der mittelsmann zwischen eltestenbank und gemeine. bei Gutzeit 1, 302a.
Die beiden bedeutungen sind die ursprünglichen des wortes, das aus dem niederdeutschen, wo es vorsprake lautete, mit übergang des vor in das oberdeutsche und früher nhd. auch da, wo wir es heute nicht mehr setzen, so geläufige für in die schriftsprache vordrang. vorsprake hat jene bedeutungen, deren zweite das brem. wb. 5, 459 in folgender stelle aus einer Bürener urk. v. j. 1507 nachweist: to deme êrsten so schal de dîkgreve ... kesen ute den swornen einen vorspraken und twê rekenslude, de dar nutte to sîn, zum ersten so sol der deichgräfe wählen aus den geschwornen einen wortführer und zwei rechnungsführer, die dazu tauglich sind. hervorgegangen aber scheint dieses masc. vorsprake aus dem ebenfalls im brem. wb. a. a. o. verzeichneten fem. vorsprake, unserm nhd. die fürsprache, indem man dieses auf die sprechende oder das wort führende männliche person übertrug, womit sich dann natürlich verband, dasz das ursprüngliche fem. in ein masc. überschlug. hat doch Herder z. sch. lit. u. k. 11, 152 in der übersetzung der dritten sat. des Persius statt fürsprecher vor gericht, vertreter und sprecher vor gericht, auch das masc. gerichtssprach (s. d.) und nimmt, wenn gleich spät, selbst ohne übertragung auf eine sprechende männliche person und also ohne wandlung des begriffes, sprache in zweisprach, zwiesprach neben und aus zweisprache, zwiesprache männliches geschlecht an:

so dräut' er einst, als er in hartem zweisprach
aufs eis warf den beschlitteten Polacken.
A. W. Schlegel Hamlet 1, 1;

zum zwiesprach musz ich jetzo gehn
in Baldurs hain
mit meinen nornen.
Amalia v. Helwig, s.
Göthe 46, 305.

s. zweisprach, zwiesprach.
die ältesten belege für das masc. fürsprach sind die oben aus der verordnung des hadlerischen oder Hadler landgerichts angeführten, die 1583 gegeben wurde. es reicht im schriftdeutschen also nicht bis vor die zweite hälfte des 16. jh. zurück, während vorhin das nd. vorsprake bereits aus dem ersten jahrzehent desselben nachgewiesen wurde. das diesem vorsprake in vor treu gebliebene der vorsprach findet sich bei Ludwig (1745) sp. 2348, der aber, obgleich er zwei zeilen vorher in vorsprache oder fürsprache das fem. hat, ein schriftdeutsches masc. fürsprach nicht zu kennen scheint. übrigens führt er neben dem masc. vorsprach in demselben sinne auch vorspruch an, wodurch das hervorgehn jenes wortes aus vorsprache, fürsprache bestätigt wird.
aber die volle form scheint sich nur in nd. vorsprake zu finden, schriftdeutsch ist das wort eben so zu fürsprach, vorsprach

[Bd. 4, Sp. 832]


gekürzt, wie mhd. vürsprëche mit mitteld. vorsprëche nhd. zu fürsprech, vorsprech. s. DWB fürsprech. die declination kann, wie bei diesem, nur die schwache sein, die sich auch in den belegen zeigt. doch macht sich im ungefühle der entstehung des wortes auch ein überschwanken in die starke bemerklich, wie dies die gleich nachher folgende stelle von Schiller zeigt, in der es zugleich eine neue bedeutung hat, die aus den beiden angegebenen bedeutungen spät im 18. jh. sich entwickelte, nemlich die:
3) einer der zu gunsten oder zum besten, zur empfehlung jemandes oder einer sache spricht, für dieselbe bittet, sich fördernd für sie verwendet.

wer eine gunst bei mir erlangen will,
wird keines andern fürsprachs nöthig haben,
als eines winks aus ihrem schönen aug.
Schiller 606b (Tur. 5, 1).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürsprache, m., s. das vorhergehende fürsprach.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürsprache, f. , ein, worauf auch das nd. fem. vorsprake (brem. wb. 5, 459) in seiner bedeutung weisen dürfte, auf älterem, wenn gleich in anderem sinne gebrauchten vorsprache (s. d.), ahd. forasprâhha, beruhendes, aber unter der starken einwirkung von fürsprechen (s. d.) entstandenes wort, das am frühesten in Matthias Kramers 1719 erschienenem nd. - hochd. u. hochd. - nd. wb. auftaucht, und zwar findet sich da thl. 2, 77b fürsprach nebst fürspruch als synonym mit fürbitte, doch 1, 487a vorsprach. dabei an beiden stellen steht nnl. voorspraak, an der letzten hauptsächlich nnl. voorspreeking. dagegen hat er in dem von ihm 1678 herausgegebenen deutsch-ital. wb., vor welchem er sich Krämer nennt, weder fürsprache noch vorsprache, woraus sich schlieszen läszt, dasz keins von beiden wörtern damals im gebrauche gewesen ist. in den wörterbüchern des 18. jh. nimmt, nach Kramer, zunächst Frisch 2, 307b vorsprach auf, aber nur in der ersten bedeutung, dann Ludwig 2348 vorsprache oder fürsprache in der ersten und der zweiten bedeutung. wenn nun auch Hederich keins der wörter verzeichnet, so bringt doch der ihm sonst nachtretende Nieremberger Ddd 1b fürsprache und Ssssss 1d vorsprache, doch als synonym von fürbitte mit dem erklärenden lat. deprecatio, und fügt bei vorsprache die bemerkung hinzu beszer fürsprache. Matthiä in der 1761 erschienenen dritten ausgabe seines lexicons erhebt sich aber nicht bis zur anführung der wörter seinem vorgänger Kirsch gegenüber, der gleich Hederich beide unbeachtet läszt. auch Steinbach scheinen sie unbekannt oder der aufnahme nicht werth gewesen zu sein. dagegen hat Weber deutschlat. universalwb. 790b vorsprache (fürsprache) nöthig haben und für einen, und Moerbeek führt beide wörter in seinem nieuw woordenboek, einer späteren ausg. von Kramers nd. u. hochd. wb. u. s. w., fort. auch Haas im deutsch-franz. wb. bringt beide und noch vor ihm Adelung, der fürsprache in das eigentlich deutsche wb. einführt und zu seinen gunsten spricht, indem er namentlich bei vorsprache bemerkt, dasz fürsprache in seinen beiden bedeutungen richtiger, auch bereits gewöhnlicher sei. dieselbe ansicht blickt bei Bauer und Scheller durch, wenn sie bei vorsprache kurz auf fürsprache verweisen; Campe aber, offenbar Adelung folgend, erklärt bei jenem worte ausdrücklich, dasz dieses, weil hier der begrif vorsteche, das sprechen geschehe für einen andern, für das beste eines andern, besser sei. damit stimmt dann auch Heinsius, aber der weit jüngere Heyse 2, 1736 läszt vorsprache in dem sinne von fürsprache nur als landschaftlich gelten, ohne zu bedenken, dasz jenes von den mustergültigsten schriftstellern, wie Lessing, Göthe u. s. w., gebraucht ist. vgl. vorsprache und auch vorwort. die geschichtliche begründung von vorsprache wie fürsprache ergibt sich aus dem oben angegebenen, im ganzen gleichzeitigen erscheinen beider im nhd. Bedeutungen:
1) das sprechen für jemanden in vertretung desselben vor gericht, besonders wenn diese vertretung durch einen rechtskundigen geschieht, advocati sive patroni oratio, patrocinium. diese bedeutung, im gedanken an fürsprach m. und fürsprech entstanden, scheint die älteste, ist aber gegen die folgende mehr und mehr zurückgetreten und wird mit ablauf des 18. jh. von ihr verdrängt, weshalb sie z. b. Scheller auch gar nicht mehr anführt.
2) das sprechen zu gunsten jemandes oder zu seinem vortheile, seinem besten, das sprechen zu jemandes empfehlung. dies die geläufige bedeutung, in der älterer ausdruck fürspruch (s. d.) ist. fürsprache thun. Adelung. eine fürsprache oder auch ohne artikel blosz fürsprache für jemand einlegen. auf deine fürsprache will ichs thun. Scheller (1804) 1034a. damit wir aber nicht über oder gar für dén zu reden scheinen, der unsrer fürsprache gar nicht bedarf, so wollen wir lieber die materie rein erfassen. Herder z. sch. lit. u. k. 12, 339 = Adrastea 5, 297;

[Bd. 4, Sp. 833]


aufschub sollt ich ihr verschaffen,
rath schaffen sollt ich — bei der majestät
fürsprach einlegen.
Schiller 606a (Tur. 5, 1);

muth gefaszt, la Roche! wenn meine fürsprache etwas gilt, so ist Ihre sache noch nicht verloren. 639a (parasit 3, 10); sollte sie so hinten um nach dem mädchen sich erkundigen oder geradezu die frau um rath und fürsprache ersuchen. Gotthelf Käthi cap. 21 (schrift. 1861 4, 322).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürsprech, m. , verkürzt aus fürspreche, welche volle form aber nhd. selten ist. ahd. furisprëhho, orator (gl. hrab. 970b), mhd. vürsprëche, fürsprëche, woneben aber auch schon und zwar zu anfange des 12. jh. vorsprëche, wortführer (exodus 96, 22. 99, 6 = Milstäter hs. 132, 12. 135, 12), später mitunter bereits gekürzt vorsprëch (Ben. 2, 2, 534 f.). das wort ist mit dem einfachen ahd. sprëhho, sprecher, zusammengesetzt, wobei natürlich einflusz des ahd. furisprëhhan, durch rede oder schrift vertreten oder vertheidigen, in einer sache vertreten, waltete.
1) einer der jemand in einer rechtssache vor gericht vertritt und für diesen das wort führt, ein sachwalter, ein anwalt, auch ein anwalt der zugleich fürbittend spricht oder fürbitte einlegt. nhd. fürspreche, ravilla, est causidicus. voc. theut. von 1482 i7b; fursprech, sindicus. ebenda. daneben aber auch, wie vorhin mhd., vorsprech, meredicus i. e. causidicus. mm 3b. advocatus, ein fursprech, der fur eins bitt, ein vogt, ein zugeruffter sach treiber, coram judice procurator. Eychman a 7a. fursprech, cummuniter loquendo, procurator causarum, orator, advocatus, causidicus. vocab. incip. teuton. f 4a. advocatus heiszt in tütsch ein fürsprech oder ein ratgeb, den man berüfft z einer sach, das er darinn raten sol. procurator heiszt auch ein fürsprech und ist der, der da redt usz angeben des advocaten, seiner parthen (clientibus) denen er bystendig sein sol. Keisersberg Marie himmelf. 2c; die advocaten und fürsprechen und notarii und ihres gleichen, die lerent im rechten. dessen narrensch. 141b; das si sich selb verantwort zu allen stunden vor dem gericht und wolt keinen fursprechen haben. H. v. Müglin 108b; ein fründ hat mich vom markt gefürt un zu einem fürsprech. Terentius teutsch 1499 104a;

das (dasz) ich disem guoten man
kain unrecht nicht enthuon,
ob ich im erlaub ain fürsprechen.
das frag ich hie an disem rechten. fastnachtsp. 473, 34;

herr der richter weis und wol gelart, ...
erlaubt uns frauen ainn fürsprechen,
der uns künn geben ain rechte ler! 704, 15;

ein fürsprech sei euch hie erlaupt,
dem ir der sach getraubt und glaupt. 19;

er darf auch hie (vor dem burgermeister) kainn fürsprechen weln,
sein sach er selber mit worten ercler. 746, 11;

herr marschalk, was welt ir rechen,
das ir mir habt versagt ainen fürsprechen?
ir thut mir groszen gewalt
mit euren gerichten manigvalt. 475, 14.

advocatus, beystand oder fürsprech. vocabula pro juvent. von 1517 17b. fürsprech. Dasypodius 333d. Serranus r 1b. u 7b. denn das ist das ampt eins fürsprechen, das er die richter bericht die urtheil mit der wahrheit, wenn der fürsprech soll gut, fromb und warhafftig sein. Pauli schimpf u. e. 26b (21); wenn er denn ein lügner were, so were er kein fürsprech. ebenda; der lugete, dasz er denselben fürsprechen odder procurator uberkame unnd als denn die fürsprechen ihr sach setzen das sie u. s. w. 30b; von einem, der ein fürsprechen uber listet und hatt jn der fürsprech das selbs gelert. Wickram rollwagenb. 46b (Kurz s. 59. 2. 3); hie fragistu weytter, ob denn auch die bottel, hencker, juristen, fursprechen und was des gesinds ist, christen seyn mügen. Luther von weltl. oberkeyt (1523) Ciiijb; richter, fursprechen, notarius. dessen dasz man kinder zur schule halten solle (1530) Eiiijb; wer seyn (es ist der ehestand gemeint) braucht, der unkeuscheyt zu weren, hallt ich, der habe hie s. Paulus zum fürsprechen und schutzherrn. dessen das 7. cap. s. Pauli z. d. Cor. (1523) C 1a, s. Ph. Dietz 757a;

da hab ich einen fürsprech kent.
B. Waldis Esopus 4, 38, 5 (bl. 254a);

freilich ein ausbündiger patron und fürsprech, welcher aus dem scharren des volks irre gemacht, kaum mocht die halbe red aussprechen und heraus bringen. Frank moriae encomion 18b; und trawet allein auff jhn (es ist Christus gemeint) als den eynigen mitler unnd fürsprech, der selbs die versönung für euch worden ist. Matthesius Sarepta 43b (1562 61b). vgl.

[Bd. 4, Sp. 834]


unten 3). dennoch, spricht hie der evangelist (Joh. 16), haben wir armen sünder einen ewigen fürsprech beim vatter, der unser mitler ist unnd bleibet nach beyden naturen und vertritt und verbit uns on unterlasz. dessen leichpred. 3, 58b; denn das heyszet eigentlich ein advocat oder fürsprech, der bey einem stehet unnd redet jhm das wort oder erinnert jhn, was und wie er reden solle, und da einer zagen und sincken wil, der einem hertz unnd muth einredet. diesen fürsprechen lernet jhr kinder kennen, der ist gehöret beym vatter. 59a, daneben vorrede bija vorsprech; dasz ich einen ewigen patron und fürsprech bei meinem vater im himmel hette. dessen hist. Christi (1579) 1, 21b. auch findet sich in Alberus dict. ss 1a »causidicus, fürsprech« so wie ss 1b »procurator, fürsprech, ... der des abwesenden sach treibt«, dann ebenda »quem judicem habituri, eundem sentiemus advocatum, der unser richter sein wirt, der wirt auch unser fürsprech und gtter freund sein .i. (i. e.) Christus«, ferner ebenda »syndicus, der sich des gerichts händel versteht, fürsprech u. s. w. rabula, latrator, ein schwetziger fürsprech, für dem niemandt hörn odder zkommen kann, ... zungendrescher«, und »actio, des fürsprechen klag«. procuratoren, fürsprechen, advocaten und zungendrescher. Kirchhof wendunmuth 128; ein umb einen fürsprechen bitten. dessen milit. discipl. 241. forensis homo, ein fürspräch, redner, der sich der gerichtshändlen bt. Frisius (1556) 581a und danach Maaler 150c; advocatus, ein advocat, fürspräch, beystender. Frisius 45a; invocare advocatum ad causam defendendam, ein fürsprechen anruffen zu schirm seiner sach. ebenda und danach Maaler 150c; advocatio, eins fürsprächen ampt. Frisius ebenda und danach Maaler. fürsprech, advocatus. Calepinus. fursprech, patronus. Frischlin nomenclator 477. fürsprech, advocat, anwald, beistand, beiständer im rechten, ... der in gericht für den kläger oder verklagten das wort thut. Emmelius sylva (Argentorati, Rihel) Kkiijb (1630 Hhiijb). ein vürsprech. Frey gartengesellsch. 59. da rieth der herr burgermeister ... meinem fürspräch. Th. Plater 161; ist bösz zu gericht gehen, wann der fürsprechen zungen müssen sein mit gulden ketten gezwungen. Fischart groszm. 66. fürsprecher, fürsprech, anwald, verwalter, beystandt. Henisch 1307, 42.

auff dasz du, mein fürsprech, mir armen möchtest rahten.
Weckherlin 320;

welchen lärmen zu stillen, ein mit gelt bestochener fürsprech herbey trat. Philander 1, 294. fürsprecher, fürsprech, sachwalter. Matth. Kramer deutsch. ital. wb. (1678) 494b. ein fursprech seyn, causam alicujus agere, defendere. Wilhelmi 2, 103b. causidicus offensator, unglückhaffter fürsprech, der sein sach offt verlieret. Dentzler 1, 126a; sein sach einem fürsprechen darthun, deferre causam suam ad patronum. 2, 119a. werden wir mit einem bauern oder sonst einem, dem wir gearbeitet, unrichtig und müssen wir zu einem rechtsagenten oder fürsprech, wie man solchen kosaken jetzt sagt (ehedem hiesz man sie prokuratoren ...). Gotthelf Jakobs wanderungen cap. 29 (schriften 1861 11, 462). doch beschränkt sich schon im 17. jh. das wort mehr auf Süddeutschland, im besondern die Schweiz, weshalb es auch der sonst so fleiszig aufsammelnde Erfurter Stieler nicht verzeichnet. eben so wenig haben es im 18. jh. Rädlein, Weismann, Kirsch, Steinbach, Frisch, Ludwig, Hederich, Nieremberger, Matthiä, Moerbeek, Weber im dl. universalwb.; es war durch das wegen seines -er der jüngeren zeit geläufigere fürsprecher (s. d.), bei dem es Adelung blosz beiläufig erwähnt, selbst in Süddeutschland verdrängt, noch mehr aber durch das schon im 15. und besonders mit dem 16. jh. sich einbürgernde advocat. nur der Schweiz, welcher der vorhin angeführte Dentzler angehört, bei dem allein das wort aufnahme fand, verblieb dieses, und mit recht sagt Clemens Brentano gesammelte schriften (Frankfurt a. M. 1852) 6, 446 in einer anmerkung fürsprech ist ein treffliches wort für advocat und in der ganzen Schweiz gebräuchlich. als schweizerisch hat es auch Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 77: es macht mich etwas lächeln, dasz du so partheiisch sein fürsprech bist. im jahr 1822 wird über das appellationsgericht des cantons Bern berichtet, es prüft, ernennt und beaufsichtigt auch alle anwälde im ganzen kanton und ordnet sie — je nach ihren kenntnissen, fähigkeiten und erfüllten requisiten — entweder in die erste classe der 12 fürspreche, welche einzig das recht haben, partheyen vor dem appellationsgerichte persönlich zu assistieren, oder der 20 prokuratoren, die alle rechtsgeschäfte, mit ausnahme der oberinstanzlichen assistenzen, zu besorgen befugt

[Bd. 4, Sp. 835]


sind, — oder endlich der agenten, welche blosz prozeszschriften von wenig erheblichem belange und gewöhnliche assistenzen vor untern gerichtsstellen zu machen befugt sind. helvetischer almanach für 1822 s. 8. aus dieser stelle werden manche stellen bei Gotthelf, in welchen die drei benennungen: fürsprecher, prokuratoren, rechtsagenten, gebraucht sind, besseres licht erhalten. die folgenden stellen haben alte Züricher gerichtseinrichtungen zum gegenstande: der landgraf (obervogt im Freiamt als leiter eines wegen eines todeswürdigen verbrechens berufenen gerichtes) fragt einen der anwesenden, der nun als fürspreche bezeichnet wird, wie hoch gebannt werden solle. Bluntschli staats- und rechtsgesch. der stadt und landschaft Zürich 1, 201; nachdem nun der kläger einen fürsprechen erhalten und sich mit demselben beredet hat, so eröffnet er die klage, insofern das verbrechen nicht geläugnet wird. 202; zu ihnen (den untervögten) gehörten jedenfalls auch die fürsprechen des klägers und des beklagten. 203; die befugniss, urtheiler zu sein und als fürspreche für den kläger oder den beklagten zu reden, beruhte auf den nämlichen gründen. die fürsprechen wurden aus denen genommen, welche zugleich auch urtheilten. und so darf man mit sicherheit aus der verbreiteten befugniss, fürspreche zu sein, auch schlieszen auf die eben so grosze verbreitung der befugniss als urtheiler zu fungiren. wenn daher noch im jahre 1335 nicht blosz alle 36 räthe (des schultheiszengerichtes, stadtgerichtes), sondern auch die zugezogenen burger schwören müssen, als fürsprechen vor dem schultheiszen keine miethe (kein sie bestechendes geschenk) zu nehmen, so ersieht man daraus, sowie dasz alle diese möglicher weise fürsprecher als auch dasz sie urtheiler sein konnten. 392. in dieser letzten stelle ist also neben fürspreche noch fürsprecher, das auch auf der folgenden seite neben jenem wiederholt wird: da überhaupt jeder ehrbare burger, der vor dem gerichte erschienen, verpflichtet ist, auf die frage des schultheiszen zu antworten, als fürsprecher zu dienen, wenn er den auftrag erhält, und das urtheil zu finden, so können auszer jenen vier fürsprechen auch die andern burger zu beidem genöthigt werden. zwar hält der canton Zürich an fürsprech fest, aber anderwärts in der Schweiz, z. b. in den cantonen Luzern und Zug, ist heute fürsprecher der gebräuchlichere ausdruck, und auch Gotthelf hat diesen oft, wo man das ursprünglichere fürsprech erwarten sollte.
aus dieser bedeutung geht dann die nahe liegende folgende hervor:
2) einer der für eine gesammtheit von personen oder eine genossenschaft und in ihrem namen spricht oder das wort führt, ein wortführer, worthalter. nach einigen stürmischen (es ist von comitialtagen die rede) wäre, da es den fürsprechen der gemeinde (es sind die volkstribunen gemeint) an ausdauer nicht fehlte, der zweck erreicht. Niebuhr röm. gesch. 2. ausg. 2, 242, aber in der nach Niebuhrs tod erschienenen dritten ausg. geändert in fürsprechern. s. DWB fürsprecher 2) und vgl. DWB fürsprach 2).
3) einer der fürsprache einlegt, der zu gunsten jemandes spricht um für ihn zu wirken, der ein gutes wort für jemand oder andere einlegt. mhd.

sol ër mîn vürsprëche wësen,
ër frume mich alsô gelësen,
daʒ man für guot dulde mich.
Rudolfs Wilh. v. Orleans, in Wilh. Wackernagels altd. leseb. 602, 35.

daneben auch vorsprëche, s. vorsprech. nhd. berührt fürsprech in manchen der vorhin unter 1) angeführten stellen diese bedeutung oder schlägt selbst in dieselbe über. der gangbare ausdruck aber in dieser bedeutung ist fürsprecher, s. d.
4) darleger, erklärer: da were aber nit ain wunder das (dasz) under so vil tolmetschen und fursprechen mercklich endrung und abfal geschehen, also dasz vil falsch darin were. Reuchlin augenspiegel 16b.
Das wort hat seiner bildung gemäsz schwache declination, doch ist mitunter, wie auch bei fürst (s. d.), im dat. und acc. sg. die schwache flexionsendung abgestreift, so dasz es stark zu declinieren scheint. dies aber ist allerdings auch nur scheinbar; wirklich stark würde in der vorhin aus dem helvetischen almanach von 1822 angeführten stelle der pl. fürspreche sein und ein überschlagen des gekürzten fürsprech in die starke declination bekunden, wie sie auch bei fürsprach vorkommt. s. DWB fürsprach 3).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürsprechamt, n. die pflichtmäszige wirksamkeit eines advocaten, die anwaltschaft, advocatio. wohlredendes teutsch-franz.-lat. wb. 2, 144b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürspreche, m., s. DWB fürsprech.

[Bd. 4, Sp. 836]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürspreche, f., ein schönes, früh im 15. jh. leider erloschenes wort, das eigentliche fem. zu fürspreche m., fürsprech. mhd. vürsprëche, verkürzt vürsprëch, findet sich bei dem Teichner, vorsprëche im Reinh. 2156. s. Ben. 2, 2, 535a. ein ahd. furisprehhâ ist nicht nachzuweisen, aber möglich. zu dem erlöschen des wortes mögen die beliebter gewordenen bildungen auf -in: fürsprechin und fürsprecherin beigetragen haben, die sich neben demselben und dann für dasselbe geltend machten.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürsprechen ,
1) stellvertretend zu gunsten oder zum besten jemandes oder einer sache sprechen, ihn oder sie vertheidigen, für ihn oder sie mit wort und rede einstehn. ahd. furisprëhhan, durch rede oder schrift vertreten, vertheidigen, verfechten, dann so viel als berathschlagen, befriedigen (für etwas). alle diese bedeutungen schlagen in die unter 3) über, die sich in mhd. vürsprëchen entwickelt hat. dasselbe tritt ein bei nhd. für- sive vorsprechen, intervenire, intercedere, causam alicujus tueri, defendere dictis. Stieler 2100. Rädlein setzt s. 1016b in dem sinne »einem das wort reden«, d. h. als anwalt reden, vor gericht als sachwalter eine sache vertreten, vorsprechen, während er s. 313b fürsprechen auf die bedeutung fürsprache für jemand thun beschränkt; er scheidet also beide wörter, ohne jedoch dafür einen grund geltend zu machen. bei dem Züricher Dentzler fehlt fürsprechen und hat vorsprechen einen ganz andern sinn. dagegen nimmt Kirsch (1723) 2, 125b fürsprechen nur in der bedeutung für jemand als anwalt in einer rechtssache sprechen, »causidicari, advocat sein«, d. h. als advocat eine rechtssache führen, und gleicherweise bringt auch sein nachtreter Matthiä (1761) 2, 161a das wort. in dem sinne aber hat später kein wörterbuch fürsprechen mehr.
2) im namen einer gesammtheit von personen oder einer genossenschaft das wort führen, wortführer sein, worthalter sein.
3) zu jemandes gunsten oder bestem sprechen, zu jemandes gunsten oder bestem in rede oder schrift sich thätig erweisen, zu jemandes gunsten oder bestem sich verwenden, sei dies bittend oder überhaupt um für ihn und seine sache oder angelegenheit zu wirken, ein gutes wort einlegen. so im hochd. um 1100, vielleicht noch kurz vor 1100.

dër vur sprëchintin giloubin ginîʒʒin wir.
Diemer 100, 23—24;

wan diu wërch dër erbermhërzechait, diu dër mensch hât hie begangen, diu wërdent rëht ze worten dës tages unde diu fürsprëchent dëm menschen unde fürtrëtent in unde lëdegônt in mit rëhter urtailde ab dëm jungesten gerihte. Grieshaber pred. 1, 60. nhd. fürsprechen, intercedere. Henisch 1307, 41. intercedere, mitteln, fürsprechen. wohlredendes teutschfranz.-lat. wb. 2, 144b. dasz Stieler 2100 fürsprechen so wie vorsprechen in diesen sinn überschlagend nimmt, ergibt sich aus dem bei der ersten bedeutung angeführten; zugleich ist da bemerkt, dasz Rädlein in dem sinne hier blosz fürsprechen verzeichnet, das allein in demselben auch Weismann, Hederich aufnehmen, während Nieremberger Ddd 1d bei fürsprächen noch auszerdem die unten unter 4) angegebene bedeutung hat. Ludwig, Weber im deutschlat. universalwb. lassen fürsprechen unangeführt und bringen in dem sinne hier vorsprechen (s. d.), welches Adelung in ebendemselben wie in dem »in eines andern namen sprechen« als nicht üblich bezeichnet und bemerkt, dasz es dann »eigentlich fürsprechen heiszen müszte.« mit recht hat Campe dieses fürsprechen auf grund zweier der gleich hiernach angeführten belegstellen wieder aufgenommen, aber, wie sich aus der oben angegebenen geschichte des wortes ergibt, mit unrecht durch ein zeichen es für ein neugebildetes erklärt. ihm folgend bringt auch Heinsius fürsprechen, aber auffallender weise fehlt es wiederum bei Heyse. es ist freilich nicht gerade häufig gebraucht, kommt aber doch vor, zumal in edler sprache. ruhest du, vater? sprach sie (nemlich Pallas zu Jupiter, ihn ans versunkene menschengeschlecht erinnernd): kannst du ruhen und dir verzeihen, dasz du unglückliche gemacht hast? »ich habe sie nicht zum unglück erschaffen wollen«, sprach er und schwieg. das beruhigt dich, vater, fuhr die fürsprechende göttin fort, aber auch dich nicht ganz, noch weniger jene unglückliche selbst. Herder z. schön. lit. u. k. 6, 178; haben sie die güte, sagte der Engländer, bei diesem herrn für uns fürzusprechen, dasz er uns eine probe seiner kunst sehen lasse. Schiller 720b (geisters. 1);

Olivarez. prinzessin Eboli, Sie haben uns
noch nicht gesagt, ob Gomez hoffen darf?
ob wir Sie bald als seine braut begrüszen?
königin. ... (zur prinzessin) man bittet mich, bei Ihnen fürzusprechen.
wie aber kann ich das? der mann, den ich
mit meiner Eboli belohne, musz
ein würdger mann seyn. 247b (Karlos 1, 3).

[Bd. 4, Sp. 837]


dasz aber, wie schon früher, auch später noch vorsprechen in dieser bedeutung vorkommt, wird unter diesem worte belegt werden.
4) in gegenwart sprechend zu wissen thun, zum nachsprechen sprechend kund thun, zum nachschreiben sprechend kund thun. mit dat. der person in dem sinne: zum nachsprechen sprechend kund thun, zum nachsagen vorsagen: einem fürsprächen, praeire verba. Nieremberger Ddd 1b, der hierbei auf vorsprächen verweist, und vorsprechen (s. d.) ist auch das geläufige und bald danach allein gebrauchte wort. bei dem lat. ausdrucke ist an Livius 42, 28 gedacht. wir werden gewislich feylen (fehlen), wo wir nicht einfeltiglich yhm nachsprechen wie er uns fur spricht. Luther vom abendmal Christi (1528) vja. auch ohne dat., der sich hinzudenken läszt: odder wie ein fromer schulmeister, wenn jm ein junger knabe sol das abc aufsagen, kan seer wol gedult haben ... und jmer fürsprechen das (dasz) er jn dabey behalte und fortbringe. dessen das 16. cap. Johannis (1538) Ddjb, s. Ph. Dietz 1, 757a u. 694a.
5) im vorbeigehen einsprechen, im vorbeigehen eintreten zu kurzem aufenthalte. mit bei und einem davon regierten dat. der person. schon im 18. jh. war hier nur vorsprechen (s. d.) gebraucht.
6) mit sprechen zuvorkommen. dies die bedeutung, wenn zu praevenit eum dicens in der vulgata Matth. 17, 24 eine von Mone anz. 4, 84, 101 mitgetheilte ahd. glosse furesprâhin hat. übrigens möchte nhd. diese bedeutung kaum vorkommen und dann würde in ihr auch vorsprechen (s. d.) gesetzt sein.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürsprechen, n. der als subst. gesetzte inf. fürsprechen. in dem besonderen sinne das einleitende voraussprechen, die vorausgehende rede, hat es Steinbach 2, 642, wo er anführt für et vorsprechen (das), verborum praefamen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: