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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürsorglich bis fürsparen (Bd. 4, Sp. 828 bis 830)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürsorglich, adj. »fürsorge« in sich tragend, fürsorge an sich tragend, fürsorge kund gebend. ja warum sollte sie nicht hoffen, dasz er (Eduard) selbst nun bald wiederkommen, dasz er die fürsorgliche dienstlichkeit, die sie dem abwesenden geleistet, dankbar gegenwärtig bemerken werde? Göthe 17, 306 (wahlverwandtsch. 2, 9); aber jener nahm es (das geschriebene) mir so zierlich aus der hand, bat mich um irgend eine fürsorgliche einhüllung. 22, 187. ein junges, wie es scheint erst zu anfange des 19. jh. gebildetes wort.
Davon ein gleichlautendes adv.
 
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fürsorglichkeit, f., ein aus dem adj. fürsorglich sich ergebendes subst.
 
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fürspan, n. eine spange als haft des gewandes wie als schmuck. ahd. noch kein furispan, denn das wort taucht, wie vurspan im Athis s. 105 (C*, 69) zeigt, erst in der zweiten hälfte des 12. jh. auf, worauf dann gleich mit dem beginne des 13. jh. vürspan, fürspan sehr geläufig ist, aber im 15. jahrh. durch das in seiner zusammensetzung mit spange deutlichere fürspange wieder schwindet. jenes vürspan nemlich ist zusammengesetzt aus mhd. vür und span = spannung (Parz. 181, 1), von ahd. spannan, mhd. u. nhd. spannen, und bezeichnet hiernach die spange die vornen vor die brust zum zusammenhalten des gewandes »gespannt« wird, wie denn auch der Pleier in seinem Meleranz 3621 singt:

daʒ fürspan für den buosem sîn
wart im gespannen alzehant.
beʒʒer fürspan man niendert vant.

aber der gedanke an die abstammung des wortes erlosch nach und nach, und so gieng es, zumal da span und spange in den lauten nahe liegen, um so leichter in dem deutlicher erscheinenden fürspange auf. ein zeichen dieses aufgehens läszt sich auch erblicken, wenn das aus diesem fürspange (s. d.) verkürzte fürspang in dem geschlechte von fürspan erscheint: so wirt dir widergeben das fingerlin des rechten glouben und das fürspang die genaden gottes und dann das tch rechtter minne z gott. die sieben weiszen meister, hs. des 15. jahrh., in Baracks fürstl. fürstenberg. handschriften zu Donaueschingen s. 148 nr. 145.
Neben dem hochd. fürspan findet sich auch, wie nicht anders zu erwarten stand, in niederdeutschen und ins niederdeutsche einschlagenden vocabularen u. s. w. des 15. jh. vorspan. Diefenbach 366c. 522b. 530a. nov. glossar. 337a. dieses vorspan führt dann selbst noch Haas in seinem 1780 erschienenen deutsch-franz. wb. 2, 1809 bei vorspange, aber mit diesem als alt an. s. DWB vorspan.
 
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fürspange, f. eine spange zum zusammenhalten des kleides, auch zugleich zum schmucke vornen vor der brust. die ältere und im 13. und 14. jh. geläufige benennung ist vürspan, fürspan; mhd. vürspange dagegen taucht erst im 13. jh. bei dem bruder Berthold 416, 21 auf und wird dann im 15. jh. recht geläufig, so dasz fürspan schwindet oder vielmehr gleichsam in ihm aufgeht. s. DWB fürspan. furspang oder rinck oder spang, fibula, bractea. voc. theut. v. 1482 i6b; furspang, monile, murenula, oder halszpand als ein slang. i7a; furspang oder hefftel, scutula, serpentum. i7b. es geht aus diesen anführungen hervor, dasz in dem letzten viertel des 15. jh. die schlangengestalt bei der

[Bd. 4, Sp. 829]


fürspange üblich gewesen sein musz. furspang, monile. voc. incip. teuton. f 4a. auszerdem im 15. jh. furspang bei Diefenbach 80a b und in dessen nov. glossar. 337a. dagegen findet sich in niederdeutschen oder ins niederdeutsche einschlagenden vocabularen desselben jahrhunderts vorspang, forspang. Diefenbach 80. 233b. monile quoddam ornamentum pectoris, ein vorspang. vocab. gemmagemmar. von 1505 qijc. dieses vorspange führt dann auch, freilich als alt bezeichnet, noch Haas in seinem 1780 herausgegebenen deutsch-franz. wb. 2, 1809 mit vorspan an. s. DWB vorspange, DWB fürspan, DWB vorspan.
eine besondere mhd. bildung, die bald nach 1200, also noch vor vürspange sich zeigt, ist vürgespenge, zusammengesetzt, wie jenes mit mhd. spange, mit dem von diesem in zusammensetzung mit ge- gebildeten gespenge n., spangenwerk. es steht Nib. 536, 1 und Neidhart 51, 21 und hat ganz die bedeutung des einfacheren vürspange, scheint aber frühe wieder erloschen zu sein. aus dem nhd., in dem man fürgespenge, fürgespänge geschrieben haben würde, vermag ich es nicht nachzuweisen.
 
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fürspann, f., s. vorspann. tirol. (Schöpf 162. 683), bair. (Schmeller 3, 569), wetterauisch, oberhessisch u. s. w.
Verschieden hiervon ist fürgespänne n., der schwanzriemen des zugthieres in beziehung auf den aufgelegten sattel, ein wort, das oben sp. 736 hätte stehn sollen, dort aber entgangen ist und nun hier nachgeholt wird. der einzige beleg für dasselbe ist der folgende: »postilena, ein gurt, quae ponitur sub cauda, hinderbug, fürgespenn am sattel. dicitur lignum incurvum, sive crassius lorum, quod sub jumentorum cauda ponitur, affterrieme.« Alberus dictionar. Riija. es ist also das gemeint was vor dem sattel, denselben von der hintern seite des thieres aus gesehen, spannung gibt. zusammengesetzt ist das wort mit gespänne, gespenne, n., das aber nicht in einer zusammensetzung des ge- mit spannen, sondern mit einem von diesem abgeleiteten gleichbedeutenden mhd. spennen (Ben. 2, 2, 482b) erwuchs.
 
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fürspannen , s. vorspannen. fürspannen wie vorspannen findet sich erst nhd., denn es läszt sich weder ein ahd. furispannan, mhd. vürspannen, noch ein ahd. foraspannan, mhd. vorspannen, nachweisen. es bedeutet
1) ausdehnend vornhin spannen. trans.: (der teufel) hat ein netz furgespant. Luther wie das gesetz u. evang. zu unterscheiden B 1b, s. Ph. Dietz 1, 757a. fürspannen, obtendere. Dasypodius 428b, daneben vorspannen 242a, aber nach jener stelle dann bei Serranus aa6a blosz für spannen. obtendo, tego, ich spann für .i. (i. e.) deck. Alberus dictionar. Hhiija. fürspannen, vor oder für etwas spannen, praepandere, obtendere, praetegere. Maaler 150c, nach Frisius (1556) 1042b. fürspannen, fürstrecken, für etwas herziehen bei Emmelius (1630) Hh 1a, fürspannen, fürhencken bei Dentzler 2, 119a, und auch Weismann hat in dem nemlichen sinne nur fürspannen, kein vorspannen. beide wörter aber nehmen Reyher, Kirsch, Matthiä auf so wie Steinbach 2, 633, der jedoch in den beispielen immer vorspannen setzt, das allein sich, wie schon im vocab. gemma-gemmar. von 1505 t 8c, bei Rädlein, Ludwig, Hederich, Nieremberger, Weber, Haas, Bauer, Scheller, namentlich auch bei Frisch, Adelung und Campe verzeichnet findet, woraus sich schlieszen läszt dasz schriftdeutsch schon vor der mitte des 18. jh. fürspannen durch vorspannen verdrängt ist. jenes dauert dagegen nur noch mundartlich fort.
2) vor ein zuggeräth zum ziehen desselben spannen. bei Maaler, Emmelius, Henisch in dieser bedeutung fehlend, doch schriftdeutsch vorkommend:
a) intrans.: das jr hülffe suchet und für spannet und alle ein ander helffet mit schreien und ruffen, den wagen heben und schieben. Luther das 16. cap. sanct Johannis (1538) X 1b. mit dat. der person: einem fürspannen, zugthiere, die diesem nicht zugehören, vor den wagen, karren, pflug u. s. w. spannen.
b) trans.:

o wol dem und mehr als wol, dem welcher weit vom kriegen,
von sorgen, müh und angst, sein vatter gut kan pflügen, ...
spannt rosz und ochsen für.
Opitz 1, 159 (1624 s. 10).

Rädlein hat in dem sinne nur dieses fürspannen, und Weismann nimmt überhaupt blosz dasselbe auf, dagegen bieten Kirsch, Matthiä so wie Steinbach fürspannen und vorspannen. auf dieses letzte beschränken sich dann, wie bei der ersten bedeutung, Ludwig, Hederich, Nieremberger, Weber, Haas, Bauer, Scheller, ferner namentlich Frisch, Adelung, Campe, so dasz auch für diese bedeutung fürspannen vor der mitte des 18. jh. in der schriftsprache verdrängt ist und nur noch mundartlich fortlebt.

[Bd. 4, Sp. 830]



3) zu vermehrtem oder verstärktem ziehen vor angespanntes zugvieh spannen. in diesem sinne bei Hulsius 51b. für- sive vorspannen, praejungere equos antecessores. Stieler 2070. eben so bei Rädlein 313b fürspannen, mit seinem viehe oder geschirr einem andern fortfahren helfen und 1016b vorspannen, voranspannen, metter i cavalli inanzi agli altri. für das weitere, was fürspannen und vorspannen betrift, gilt dasselbe, was bei der vorhergehenden bedeutung angegeben wurde. noch wetterauisch, oberhessisch u. s. w. fürspannen.
sprichwörtlich: wer nicht anspannt, dem kann man nicht fürspannen. Lehmann 23, wer nicht zuerst selbst thätig ist, dem kann man nicht fördernd helfen.
 
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fürspannen, n., der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums, s. vorspannen n.
 
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fürspannpferd, m., s. vorspannpferd.
 
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fürspannung, f., s. vorspannung. beide wörter neben einander bei Steinbach 2, 633.
 
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fürsparen , voraus sparen, aufsparen, auf die zukunft sparen. s. DWB vorsparen, mitteld. vor sparn (Herbort 2130).
1) mit beigesetztem acc. oder einem accusativisch zu fassenden adv.: der gute wird erben auf kinds kind, aber des sünders gut wird dem gerechten furgespart. spr. Sal. 13, 22; sie wolten der schatzkamer gewaltig werden, in der ein fürsichtiger rat nach lauf der zeit ein wenig fürgespart het. Sigmund Meisterlin chron. v. j. 1488 in den chron. d. deutschen städte 3, 142, 27; da hat man nach silber unnd goldt getrachtet, damit ... die handels leut ein mittel hetten zum gleichkauff und fromme eltern ... den jrigen was fürsparen und ein schetzlein einsamlen unnd ein zehrpfenning haben köndten. Mathesius Sar. (1562) 230a.
2) intransitiv: derselb wirdig vatter mit seinem convent ist begabt mit zeitlichen güetern, doch dasz er und sie nit mugent fürsparen, wann sie geben auch grosz durch got. Sigmund Meisterlin chron. in den chron. d. d. st. 3, 73, 24; noch schweiz.: er liebte seine kinder, aber mit groszer ängstlichkeit, er fürchtete, sie möchten arm werden, wenn in so viele theile das vermögen zerfalle, er sparte für, wie er nur konnte, und gewann damit zuweilen fast den schein, als ob er ihnen nichts gönne. Gotthelf d. sonntag des groszvaters, in gesammelte schr. 1861 10, 276.
 
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fürsparen, n., s. vorsparen n.

 

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