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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürsetziglich bis fürsichbasz (Bd. 4, Sp. 816 bis 818)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürsetziglich, ein adj., das sich nicht nachweisen, aber aus dem folgenden adv. erschlieszen läszt.
 
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fürsetziglich, adv. vorsetzlich, mit vorsatz, aus vorsatz. obs (das evangelium) jnen gleich gesagt wird ... wollen sie es nicht sehen noch wissen, sondern fursetziglich in jrer blindheit bleiben. Luther das 16. cap. s. Johannis E iijc, s. Ph. Dietz 1, 756a. prospicue, fürsetziglich. Dentzler 1, 741a. wenn aber in diesem letzten dem ersten viertel des 18. jh. angehörigen buche in dem mit fürsätzig zusammengesetzten worte noch der alte umlaut e gewahrt blieb, so findet sich dagegen schon in dem letzten jahrzehnt des 16. jh. bei Emmelius fursätziglich, und diese schreibung würde, im falle nicht und zwar bereits lange vor der mitte des 18. jh. völlige verdrängung durch fürsätzlich und noch viel mehr durch vorsätzlich stattgefunden hätte, auch die fortan durch eben dieses jh. gültige gewesen sein. die bedeutung des wortes gibt Emmelius ausführlich und bestimmt an, indem er ausz fürsatz, mit fleisz, mit wolbedachtem mut, mit wissen und willen, mit rath, nicht ungefähr beisetzt.
 
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fürsetzlich, adj., in der schreibung des 15., 16. jh. bis tief in das 18. jh. für fürsätzlich (s. d.). ich bringe hier nach: so doch viel drunter ist, daran ich selbs zweivel, etliches nicht verstehe, auch etlichs verneine, aber nichts fürsetzlichs schlisze, als müste es recht sein. Luther 1, 53b.
 
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fürsetzlich, adv., von dem, als vom adj. abgeleitet, dasselbe gilt, was vorhin von diesem gesagt ist. s. das adv. fürsätzlich. hier noch folgende stelle:

was machst? es sind geschehen die ding
unwissent und gar nicht mit willen:
drumb kanstu wol dein gwissen stillen,
weil dusz nicht hast fürsetzlich than.
Ayrer 318a.

es spricht dies Ursus zu Valentin, der, ohne es zu wissen, im kampfe seinen vater erschlagen hat und nach der entdeckung darüber untröstlich ist.
 
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fürsetzlichen, adv. was das adv. fürsetzlich, fürsetzlichen und verräthlichen. aus dem 16. jh. bei Gutzeit 302a.
 
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fürsetzung, f. , das subst. der handlung in allen bedeutungen des verbums fürsetzen, von welchem es abgeleitet ist. von bedeutungen lassen sich folgende belegen:
1) das vornhinsetzen, voransetzen. fursetzung, prepositio. voc. theut. 1482 i 7a. vgl. DWB fürsetzen I 1) und 4), auch 7).
2) das was sich jemand vornimmt oder in den sinn nimmt zu thun, ein vorsatz. fursetzung im hertzen oder gedenckung, convicium i. e. perpendium. voc. theut. 1482 i 6b; fursetzung, propositio. i 7a. vgl. DWB fürsetzen I 14) und II 2).
3) das setzen zum obern, das setzen über jemand oder andere oder etwas zu anordnung, leitung, befehl, aufsicht u. dergleichen. prelatio, fuersetzung, fuerwesenlichkeyt, fuerweserey, wirdigkeyt, ampt des verwesersz. Eychman q ijb. vgl. DWB fürsetzen I 8).
 
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fürsetzzeug, n. m. geschirr, das man den vorspannpferden anzieht, wann sie helfen müssen, helcium cum loramentis suis anterioribus et posterioribus. eben so wol vorsetzzeug (s. d.). Frisch 2, 271, der dabei Fronsperger kriegesrüstung 15a u. 21a citiert.
 
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fürsich , mit dem ton auf für, die praep. für und der von ihr regierte acc. sich zusammengeschoben. aber am häufigsten auch ehedem, wie nach den ersten jahrzehnten des 18. jh. und heute immer, wieder getrennt für sich geschrieben. s. DWB für I A 1) b). jenes fürsich bieten Frisius, Maaler, Rädlein, Dentzler in ihren wörterbüchern und zwar hat es Rädlein mit der beifügung in klammern »nicht: für sich«, also mit ausdrücklicher misbilligung der trennung beider wörter. neben fürsich setzt er aber auch sowol erklärend als gleichgeltend vorsich (s. d.). mundartlich erscheint fürsich heute noch als éin wort. das zeigt wetterauisch frschĭch, noch mehr aber die völlige schwächung und kürzung des sich in schweiz. fürsi (Rütte 26), fürschi, förschi (Tobler 203a), tirol. fürschi (Schöpf 162. Frommann 5, 337), bair. fürsi, fürschi (Schmeller 1, 555), schwäb. fürsche

[Bd. 4, Sp. 817]


(Schmid 209). gegensatz ist, wie auch unten angeführte stellen mehrfach zeigen, hinter sich, im 15. und 16. jh. oft genug auch hindersich geschrieben. Bedeutungen:
1) vornhin vor die eigne person. fürsich sehen. Rädlein 313b, wozu noch unten das belegende beispiel mit seht fürsich = »seht für euch« zu vergleichen ist. dann: vornhin vor augen, vornhin in gegenwart. fürsich lassen, dare aditum, accessum. Maaler 150b; einen ein oder fürsich lassen und verhören, dare alicui accessum. ebenda, nach Frisius (1556) 14b, der aber yn für ein und diesmal getrennt für sich schreibt. aus Maaler schöpft dann Henisch 1306, 13 u. 14 die beispiele. davon: vor den geist, in absicht, durch entschlusz in ausführung. fürsich nemmen, destinare, decernere. Maaler 150b, nach Frisius 366a; eine reisz oder fart fürsich nemmen, profectionem suscipere. ebenda, nach Frisius 1278b, = sie unternehmen.
2) vorwärts, und zwar
a) auf die blosze richtung gehend:

sein helm ist auch ausz stro gemacht,
bedeut, dasz er (ein schlemmer ist gemeint) nicht fursich tracht,
darhinder er bleibt sicher fro.
H. Sachs I (1590), 254b.

hierher gehören auch der schlusz der nachher angeführten stelle von Dürer und unten die stelle von Plater.
b) bewegung in dieser richtung bezeichnend. propellere, fursich treiben. Eychman q 7a; predo (in späteren drucken »prodeo«) euszerlich erscheynen, fursich auszhin geen. q 6a. selbst in einer in eine zusammensetzung übergehenden verbindung: processio, ein procesz (procession), creuczgangk, eusserlich fursich ganck. q 5b. nachfolgent will ich ein instrument machen damit man an vil end, hoch, nyder, zn seytten, fürsich oder hyndersich, eyn schlangenlini deten und reiszen mag, solchs instrument wirdt an stangen gebogen gewandt und umbgeryben unnd in glidern der stangen söllen scheiben seyn. in der centrum söllen die bg sein darin es (das instrument) umb geet, ein teil mag fürsich, das ander hyndersich oder wo man hyn will gebogen werden oder alle mit eynander fürsich oder hyndersich. Dürer messung D 1b; hindersich kern tregt mir weder danck noch nutz, so mangelt auch der beharrung kain sorg, wasz sol ich thon (fürsich gen oder wider kern). Wirsung Cal. (1520) E 4b; wie so zwen mit eynander über veld gon, so kombt ettwan der eyn der halben zeit eh heym, der ernstlich on rgen fürsich gaht, dann der mit jm usz gangen ist und allen schatten der baum, alle lustige brünlin besehen und eyn ieden klen lufft schlucken will. Herr ackerwerk Columelle 105b. mit den unchristen, der die welt vol ist, kan niemand hindersich noch fürsich. Luther 5, 237b; haemorrhoia, haemorrois, ist rot und schwartz, kreucht langsam, nit fürsich, sondern zwerisch, wont in felsichten orten. Alberus dictionar. kija;

wer sein zeit musz darinn (in dem tadel der welt) vertreiben,
der musz sich nit anfechten lan,
dasz er der welt nit recht kan than,
sonder geh jmmer fürsich hin
den nechsten weg und bleib darinn.
H. Sachs I (1590), 324a.

s. auch unten die stelle aus Aimon p 2, die unter diese bedeutung gehört. Maaler 150a führt an: fürsich geneigt oder geheldt, pronus, propensus; fürsich gon, gressum dirigere; fürsich halden, prominere, proclinare, mit fürsichhaldende maur, murus proclivis, praeruptus; fürsich machen, yferig arbeiten; fürsich sencken, fürauszsencken, proclivare. fast alle sind nach Frisius angeführt, aus dem sich noch weitere beibringen lassen, z. b. proclivis, nidsich oder fursich haldende. s. 1063a. wer nicht fürsich gehet, der gehet hindersich. Henisch 1305, 46, der in den belegen, auch in den Maaler entnommenen, wol fürsich, meist aber getrennt für sich schreibt. dagegen erklärt sich Rädlein, indem er 313a fürsich (nicht: für sich), vorsich, fürwärts, vorwärts setzt, ausdrücklich für das ungetrennte fürsich, das er auch in seinen belegen streng festhält: fürsich (vorsich) gehen, vorwärts gehen; fürsich hangen. ebenda. Dentzler hat wieder schwankend fürsich und getrennt für sich, aber die spätern Weismann, Kirsch u. s. w. haben nur diese letzte schreibung, die auch fortan festgehalten wird.
3) weiter. eine von der vorigen kaum zu scheidende bedeutung, die W. Grimm bei aufzeichnung der nächsten stelle beigesetzt hat. und giengen also gemach fürsich. Pauli schimpf 50b; und (hiesz) die sein (seine leute) fürsich reiten. Aimon S; nach den worten gingent Reynhart und Magis fürsich. B iiij; darnach gingent Reynhart und die sein jren weg fürsich. Y ij.
4) nach wunsch vorwärts, in günstiger weise vorwärts, vorwärts so dasz es fördert, in förderlicher weise vorwärts. eine bedeutung,

[Bd. 4, Sp. 818]


die aus den beiden vorigen sich entwickelt. ich het erlangt den tittel eines frölichen manns, wa das glück het wöllen fürsich farn. Wirsung Cal. (1520) P ija = guten fortgang haben, günstig sein; fürsich bringen, fortkommen, erwerben. Rädlein 313a, wozu dann nachher noch ein belegendes beispiel mit fürsich = für mich kommt; fürsich (vorsich) gehen, fortgang haben, geschehen, was draus werden. 313b; seine heyrath wird nicht fürsich gehen, es wird aus seiner heyrath nichts werden. ebenda; der vorgeschlagene friede wird nicht fürsich gehen. ebenda.
Das die bedeutungen, die auch dem gemäsz sind, wie sich das wort im volksmunde gebraucht findet: wetterauisch, oberhessisch fîrschĭch, vornhin vor die eigne person, vorwärts; koburg. fürschich, vorwärts geneigt, in fürschich gehn (Frommann 2, 85, 35); schwäb. fürschĕ, vor sich vorwärts, gerade aus; oberschwäb. fürrsi, voran (Kuen oberschwäb. wb. der bauernsprache, Buchau 1844, s. 17a); bair. fürsi, fürschi, tirol. fürschi, vor sich hin, vorwärts; kärnt. fürschi, vorwärts (Lexer 232). Aber fürsich steht eben so wol, wie von der dritten person oder einer sache, auch wo wir sonst für mich, für dich, für uns, für euch sagen, sich also hier für den acc. sg. und pl. der pronomina der ersten und der zweiten person: dann ich fiel mehrtheils fürsich. Th. Plater 22; trettent jr ferner fürsich, ich zerspalt euch ewer haupt. Aimon P ij. ich kann nichts fürsich bringen. Rädlein 313a, der hier bei fürsich noch ausdrücklich in klammern setzt nicht: für mich. seht fürsich, dasz ihr nicht fallt. 313b. bei getrennter schreibung im 15. jh.:

so will ich für sich komen schier.
Vintler s iiij, s. Zarncke zu Brants narrensch. s. 317a;

so aber wir went narren sin,
in sunden leben für sich hin.
Brant epigramme 11, 14 (Brants narrensch. s. 155b);

ich bit dich, liebes kind, du wöllest deinen jrgang verlassen unnd schlecht für sich gehen, als dein vater und nit neben noch hinder sich, dardurch würstu gelobt. Steinhöwel in Brants narrensch. s. 317b. s. DWB für I A 1) b), wozu diese drei stellen hier nachgebracht werden. das ist aus der volkssprache geschöpft, die gleicherweise auch bei andern praepositionen sich statt mich, dich, uns, euch verwendet. s. DWB hintersich, DWB nidsich, DWB übersich, untersich. es scheinen diese ausdrücke sämmtlich, wie schon gramm. 4, 320 mit scharfem blick vermuthet wurde, adverbiale verhärtungen, deren sich das volk von der dritten person aus ungefühlt mit der regierenden praep. auch auf die erste und zweite person übertrug. aus der verhärtung erklärt sich dann auch die zusammenschiebung der praep. mit ihrem sich in der schreibung zu éinem worte.
Dasz eben so wol, als fürsich, auch vorsich gesagt wurde, ergibt sich aus belegen oben von Rädlein, der auch bei jenem worte auf vorsich verweist, jedoch dieses im V nicht verzeichnet. Zusammengesetzt fursichvallen, precidere, findet sich in dem um 1500 erschienenen vocabular. incip. teuton. f 4a, aber die späteren wörterbücher haben das verbum immer von fürsich getrennt und nur, wie oben an einem beispiele sich zeigt, im part. praes. zusammensetzung. im 18. jh. schreibt Ludwig deutsch-engl. wb. 2346 vor-sich-bringen, vor-sich-gehen. doch ist dies eine nur ausnahmsweise vorkommende erscheinung, denn das übliche ist zu der zeit, wie heute, getrennte schreibung der drei wörter, also vor sich bringen, vor sich gehen u. s. w.
Einen andern sinn, als fr sich, hat für sích, welches so viel als »von andern getrennt, auf sich beschränkt, ohne anderes oder andere allein«, ausdrückt. s. DWB für I A 4) i) u. vgl. oben sp. 621.
 
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fürsich, n., das vorhergehende fürsich als subst. gesetzt. die betonung ist danach frsich und also verschieden von der des folgenden substantivs.
 
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fürsich, n. das getrennt- und abgeschiedensein von anderem oder andern, das zurückgezogensein auf sich allein, das beschränktsein auf sich: den Deutschen ist nichts daran gelegen zusammen zu bleiben, aber doch für sich zu bleiben. jeder, sey er auch welcher er wolle, hat so ein eignes fürsich, das er sich nicht gern möchte nehmen lassen. Göthe 49, 61. das wort ist die verbindung für sích, die Henisch 1305, 22 auch ausnahmsweise fürsich schreibt, als subst. gesetzt mit wahrung des tones auf sich, der also durch das anschieben dieses pronomens an seine praep. keine veränderung erleidet.
 
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fürsichbasz, adv. vorwärts. das bair. förschibasz. Schmeller 1, 555. substantivisch ebenfalls bair. aufm fürsichbasz hausen, für die zukunft hausen, sparen, wirthschaften. ebenda.

 

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