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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürsehung bis fürsetzig (Bd. 4, Sp. 808 bis 816)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürsehung, f. , s. vorsehung. ahd. begegnet weder ein furisëhunga noch ein forasëhunga, eben so wenig mhd. ein vürsëhunge oder ein vorsëhunge; erst im 15. jh. taucht fursehung auf und zwar in der hernach unter 3) angegebenen bedeutung. im 16. jh. scheint nur fürsehung oder, wie Frisius und Maaler schreiben, auch schon vorher Dasypodius 260b neben fürsehung 423a hat, fürsähung gebraucht, und selbst noch im 17. jh. haben Henisch, Schönsleder, Stoer blosz fürsehung. doch setzt bereits Hulsius in seinem 1605 herausgegebenen dictionar. 2, 226b fürsehung wie vorsehung und führen das von Widerhold in Basel verlegte neue dictionarium von 1669, Matthias Kramer in seinem 1678 gedruckten deutsch-ital. wortbuch, Reyher in seinem 1686 erschienenen lexicon sowol fürsehung als auch vorsehung an, jedes an seiner stelle im alphabete; nur Stieler 2026 nimmt allein das letzte auf, während er doch »für- sive vorsehen« bietet (s. vorhin

[Bd. 4, Sp. 809]


sp. 805). im 18. jahrh. haben Wilhelmi, Rädlein, Dentzler, Weismann, Kirsch fürsehung wie vorsehung nach der alphabetischen ordnung, die beiden ersten jedoch das letzte wort mit hinweisung auf fürsehung, das ihnen demnach vorzuwiegen scheint. Matthiä folgt in der ersten ausgabe seines lexicons ganz seinem vorbilde Kirsch, setzt dagegen in der dritten ausgabe (1761) 2, 161a bei fürsehung gleich vorsehung bei und dann s. 435b wieder, wie in jener ausgabe, dieses für sich, ein zeichen, dasz jenes als schwindend angesehen wurde, was noch stärker hervortritt, wenn in Webers deutschlat. universalwb. (1770) vorsehung, das ebenfalls an seiner stelle im alphabete steht, s. 319a bei fürsehung in klammern beigefügt ist. Frisch, Hederich und dessen nachtreter Nieremberger nehmen auch bereits fürsehung gar nicht mehr auf, eben so wenig Haas in seinem deutschen u. franz. wb. (Leipz. 1786), ferner Scheller, während Adelung kurzweg auf vorsehung verweist und hier anmerkt, pro in dem lat. providentia habe vermuthlich die irre geführt, welche fürsehung geschrieben und gesprochen wissen wollten, indem doch der begrif des vorhersehens sehr merklich hervorsteche. er, der die geschichte des wortes nicht kannte, hatte hier offenbar nur die unten unter 6) angegebene bedeutung im auge, aber von dieser gieng das wort nicht zunächst aus, sondern findet sich am frühsten in der unter 3) angegebenen, indem es, wie die bei dieser angeführte stelle aus dem vocabular. theut. von 1482 zeigt, das lat. provisio ausdrückt, für das es auch zuerst gebildet scheint. seine berechtigung kann aber fürsehung nicht abgesprochen werden, wenn es auch heute durch das jüngere vorsehung verdrängt ist. ähnlicher ansicht, wie Adelung, ist Campe, der unter vorsehung, auf welches er ebenfalls bei fürsehung kurz verweist, dieses verwirft, nicht allein weil der begrif des vorhersehens und des anordnens im voraus hier besonders hervorsteche, sondern auch weil das sehen und sorgen für uns oder für unser bestes nur ein damit verbundener nebenbegrif sei. aber gerade diese bezeichnung tritt in der entstehung des wortes eben so stark hervor, wie das vorhersehen. dasz übrigens, wie Heynatz antibarb. 1, 436 angibt, fürsehung gleich fürsehen gegen ende des 18. jh. trotz dem verdrängtwerden durch vorsehung noch seine vertheidiger gefunden, zeigt Bauers deutschlat. lex. (1798), wo sp. 1082 fürsehung und sp. 2824 vorsehung verzeichnet ist und zwar das letzte mit dem beisatz in klammern besser fürsehung. es ist auch hier die unter 6) gegebene bedeutung gemeint, bei der noch der spätere Heyse 2, 1733 unter vorsehung bemerkt: oberd. auch fürsehung u. versehung. eine völlig irrige ansicht Heinrich Brauns wird unten erwähnt werden.
Nun zu den bedeutungen, welche sich, da fürsehung von fürsehen abgeleitet ist, nach denen dieses verbums in folgender weise ordnen:
1) die handlung des vorhersehens oder des voraussehens, die voraussicht. für die fürsehung, dasz er nicht komm, soll mans also salben. Paracelsus 1, 693a.
2) die aus voraussicht und vorausbedenken hervorgehende vorkehrung, die aus voraussicht hervorgehende anordnung zu einem zwecke. fürsähung, fürsorg, provisio, cautio. Maaler 149d, nach Frisius (1556) 1085a. zeigten jm jren rahtschlag, so sie uber sein handel entschlossen, an, welcher, nach gantz undertheniger beschehener dancksagung unnd zu fürsehung und verrichtung seines geschäffts also bald auff dasselbig urlaub von jnen name. Amadis 56, 108. fürsehung thun, in voraussicht vorkehrung treffen, wie auch das einfache fürsehen steht. s. DWB fürsehen I 4). derhalben und auff dasz er dem unraht unnd nachtheil, so sich zutragen unnd entspringen möcht, fürsehung that, stelt er sein volck in ein schlachtordnung. 372, 795; Polybius sagt, das von künftigen dingen, als wann sie schon geschehen weren, beständige fürsehung nicht zu tuhn, nemlich in den jenigen, welche sich von natur anders zutragen können, sondern es müsten teils derselben dem unvorsehenen ausgange gelassen werden. Butschky kanzlei 499. bei Dentzler 1, 740b prospicere, vorsehen, vorsehung thun, aber 2, 118b mit dat. der person einem fürsehung thun, prospectum velle alicui. übrigens fällt der ausdruck hier und unter 3) so wie hier und unter 4) nicht selten zusammen.
3) die von voraussicht und vorausbedenken ausgehende bestrebung, dasz das erforderliche da oder vorhanden sei. fursehung, provisio. voc. theut. 1482 i 7b. providentia, prospicientia, provisio, cura, fürsehung, versorgung, sorg. Alberus dictionar. T 4b. copia, fürsehung und fürsorg, mit speysz. Frisius 332a und danach Maaler 149a; annona salaria, fürsehung des saltzes. Frisius 99b und danach Maaler a. a. o., es ist hier der salzvorrath gemeint und der lat. ausdruck aus Livius 29, 37, 2; conditivus

[Bd. 4, Sp. 810]


cibus, fursehung der speysz die man hindersich legt oder gehalt, fürsorg, vorradt. Frisius 286b; penus, vorraat, oder fürsähung, unnd das järlich eynkauffen für das hausgesind. 970a und danach Maaler a. a. o. auch hier erscheint fürsehung thun, natürlich in der engern bedeutung: aus voraussicht das erforderliche beschaffen, wie das verbum fürsehen gesetzt wird. s. DWB fürsehen I 4) u. II 5). der bey einer gemeine ein amt hat, sol jhme angewönen, güttig zu seyn, damit er, wo ein mangel erscheinet, fürsehung tuh. Butschky kanzlei 295.
4) die in voraussicht gegründete wahrung oder bewahrung, das in voraussicht gegründete behüten. dann überhaupt so viel als obhut, obsorge: die kinder, die noch in gwalt und fürsehung jrer eltern steen. Nürnberger reformation 171b.
auch hier wird der ausdruck fürsehung thun gleich dem verbum fursehen gebraucht. vgl. fürsehen II 7). provideo, ich fürsihe, vermeyde, verware, thn fürsähung. Dasypodius 260b und danach bei Serranus cc 3a, der fürsehung schreibt, die infinitive.
5) aus voraussicht hervorgehende vorsicht, ein sich vorsehen vor bevorstehendem. auch czewissen thn wie eyn münch von sant Antoni orden mit eyner schnellen fürsehung flohe eyn grosses ungelücke und schand, das im von zweien jungen gesellen bereyt und zgericht was. Boccaccio 2, 196 (Steinhöwel decam., ausg. v. Keller, s. 400, 8), im ital. texte steht con subito riparo.
Alle diese bedeutungen erlöschen in der ersten hälfte des 18. jh. schriftdeutsch und es bleibt nur die folgende:
6) das vorhersehen und die damit verbundene bestimmung und leitung des zukünftigen, providentia. von gott gebraucht. diese bedeutung, welche von der unter 2) angegebenen ausgeht, taucht erst im 16. jh. auf, aus welchem wol ältester beleg die folgende stelle aus dem zu Wittemberg 1523 gedruckten sendbrief Luthers über die frage »ob auch yemant, on glauben verstorben, selig werden muge« A iiija: und ob der spruche mer wurden auffbracht, müssen alle der massen verstanden werden, sonst were dye gotliche fursehung und erwelung von ewickeyt nichts, darauff doch s. Paulus harrte dringt. es ist dies aber auch das einzigemal, dasz, nach der sorgfältigen forschung von Ph. Dietz wb. zu Luthers deutschen schriften (Leipzig 1870) 1, 755b, Luther das wort gebraucht, denn in seiner bibelübersetzung apostelgesch. 2, 23 und 1 Petr. 1, 2, wo fürsehung stehn konnte, setzt er das in gleichem sinne gebrauchte versehung, das auch in der eben angeführten stelle die Jenaer ausgabe der werke 2, 268a hat. trotzdem aber und dasz Alberus in seinem dictionar. fürsehung in der bedeutung hier nicht anführt, sondern in der vorhin unter 3) angegebenen, scheint es in jener mehr im gebrauch gewesen zu sein, denn bei Dasypodius 423a lesen wir »die göttlich fürsehung, oder gott, mens mundi, providentia«. später wurde es in diesem sinne geläufiger:

heist das nicht grob gelestert gott
und sein fürsehung gar verspot.
Fischart v. s. Dominici N 2a.

göttliche fürsehung. Emmelius Hh 8c. fürsehung gottes, fatum, providentia dei. Henisch 1305, 54; durch fürsehung gottes, fataliter, necessario. 55. aber im 17. jh. macht sich in dér bedeutung daneben auch vorsehung geltend, wie denn das Genfer deutschfranz. »wb. für einen reisenden« v. 1683 s. 116a bei fürsehung auf vorsehung verweist, dann s. 408a bei diesem worte die vorsehung gottes ansetzt, und Stieler 2026 nur gottes vorsehung hat. im 18. jh. schreibt Wilhelmi 2, 103 wieder fürsehung gottes, während Rädlein wol 313a das blosze fürsehung, jedoch 1016a unter vorsehung ausdrücklich die vorsehung gottes und die vorsehung gottes nöthiget niemand anführt. Dentzler 2, 115b bietet dann nur fürsehung gottes und Kirsch 2, 125a so wie sein nachtreter Matthiä (1761) 2, 161a führen an die welt wird nicht durch die klugheit der menschen, sondern durch gottes fürsehung regieret. allein fürsehung wird hier schriftdeutsch durch vorsehung bald fast ganz verdrängt und kommt nur noch vereinzelt vor:

sie (Lenore) fuhr mit gottes fürsehung
vermessen fort zu hadern.
Bürger Lenore, im götting. musenalm. 1774 s. 218. ged. 1778 s. 86;

einer von den guten landesvätern, womit die göttliche fürsehung noch dann und wann ein kleines ländgen beglücket. J. Möser patriot. phant. 3, 169. alterthümlich:

fischer. ists möglich? aber Ihr? wie seid Ihr hier?
seid Euren banden und dem sturm entkommen?
Tell. durch gottes gnädge fürsehung —
Schiller Tell 4, 1 (erster druck s. 160),

ohne entsprechende stelle bei Tschudi.

[Bd. 4, Sp. 811]



aber das wort wird im 18. jh. auch ohne den beisatz gottes, göttliche und dergleichen gesetzt, blosz für sich, und hat dann die bedeutung: die voraussicht, bestimmung und leitung gottes in ansehung der veränderungen im laufe der dinge. es ist dies so viel als gott selbst in dieser voraussicht, bestimmung und leitung. auch in dieser übergetragenen bedeutung erscheint fürsehung nur vereinzelt: die fürsehung hat dich der welt geschenkt und hat dich mir geschenkt, denn ach! was wäre ich ohne dich! E. v. Kleist neue ged. (1758) s. 82, wo man später ohne berechtigung vorsehung besserte, wahrscheinlich weil der dichter allerdings sonst dieses setzt: die vorsehung wird schon die rechte der tugend behaupten. s. 95; wenn wirst du deine rechte schützen, o vorsehung! 124;

die vorsehung,
die über alles wacht, sah seine treu
und seine groszmuth an, und liesz das meer
ihm nicht zum grabe sein. 29.

die fürsehung, d. i. gott selbst, deus, numen, voluntas dei. Bauer deutsch-lat. lex. (1798) 1082, der, wie oben erwähnt, fürsehung für den besseren ausdruck erklärt, aber auch sp. 2824 wider die vorsehung streiten, deo repugnare, dann ob eine vorsehung sey? u. s. w. hat.
Eine unterscheidung, wie die von Heinrich Braun in seinem deutsch-orthographischen wb. s. 105b fürsehung, wenn gott für jemanden fürsieht und 247a vorsehung, in gott, wodurch er alles vorhinein sieht, ist sprachkünstelei, weder dem ursprunge noch der geschichte des wortes gemäsz und somit verwerflich.
 
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fürsein , zumeist unzusammengeschoben für sein, s. vorsein.
1) vornhin sein. daher
2) vor jemand, d. h. vor dem angesichte jemandes, sich eingestellt haben, in die gegenwart jemandes sich begeben haben auf befehl, nach ladung, zur besprechung, zur vernehmung u. s. w. noch wetterauisch z. b. er ist alleweil (eben) für, zur verhandlung in einer klage vor dem richter oder zur vernehmung vor diesem.
3) gegenstand der besprechung oder verhandlung sein, besprochen werden, verhandelt werden. was weltlich hendel allda (bei der groszen versammlung der protestierenden zu Schmalkalden) fürgewesen, des cammergerichtes, geystlicher lehen, ... auch vom krieg des herren keysers wider den Frantzosen, ist die theologen nichts angangen. Mathesius Luther (1566) 128a.
4) sich begeben, geschehen. so noch wetterauisch, wenn man z. b. bei einem zusammenlaufe von menschen, über den man nichts weisz, fragt was ist für?
5) hervor sein, aus etwas heraus sein.
6) voran sein.
7) voraussein.
8) vorstehn, insbesondere zu aufsicht und obsorge. mit dat.: (der vormund schwört, dasz er) personen und güter getreulich und ehrbarlich wolle fürseyn. Mainzer landrecht 1755 tit. 5 a. e.
9) vorüber sein, vorbei sein. so wol dem orte als auch der zeit nach gesetzt. s. DWB für II 4) sp. 650. in beziehung auf die zeit s. an dem eben angeführten orte die stelle aus dem Ambraser liederbuche.
 
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fürsein, n. der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums.
 
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fürsel, n., s. fürsil. beide silben gedehnt.
 
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fürseln, adj. wie ein fürsel oder fürsil gemacht, wie ein fürsel oder fürsil stark. ein par gute fürselne stricke und taue. aus dem ältesten livländ. landrecht bei Gutzeit 1, 302a.
 
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fürsenden, vorsenden, vorhersenden, voraussenden, praemittere. ahd. iro rosken sin fure sendet sî. N. Mart. Cap. 83; daʒ êvangelium zelit uns daʒ unser hêrro Jêsus Christ zuo dên heiligen boton imo irweliti sibinzig unta ziwêni jungirun, dër ër ie ziwêni unte ziwêni furesante mit sînera prëdige in iegilîche burch unte stat, dare ër sëlbi chomen wolti. Diut. 3, 120. mhd. die boten dâ vur sante, daʒ was sant Ysaias unde andere wîssagen. Kelle spec. eccles. 8;

an dëm næhsten morgendô wart vür gesant,
wie sî komen soltein dës vürsten lant. Gudr. 17, 1;

ich gesach dën walt und al die heide
nie vor manegen zîten in sô liehter ougenweide.
die hât dër meie vür gesant
daʒ sî künden in diu lant
sîne kunft dën vruoten.
Neidhart 23, 1;

ir wartliute si vür sanden,
die wol diu lant erkanden. Mai 113, 29;

dën marschalc man vür senden sol. 209, 26.

nhd. fursenden oder furlasen, premittere. voc. theut. 1482 i 7a
S. vorsenden.
 
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fürsetzen , s. vorsetzen. ahd. furisezan, furisezzan, daneben nur einmal foresezan (unser nhd. vorsetzen), dessen part.

[Bd. 4, Sp. 812]


praet. foresezit, praelatus, sich nemlich gl. jun. 244 findet. mhd. vürsetzen. nhd. bietet der voc. theuton. von 1482 so wie der vocab. gemma-gemmar. von 1505 t 7d u. vijc fursetzen und vorsetzen, der voc. incip. teuton. blosz fursetzen, dagegen der niederdeutsche Leipziger vocabularius optimus v. 1501 X 6a u. Y iij vorsetten. Dasypodius, Serranus dictionar., Alberus dictionar., Frisius, Maaler, Hulsius, Henisch haben nur fürsetzen, während Emmelius J iijc d und Stieler 2040 sowol für- als vorsetzen anführen. auch Dentzler, Weismann, Kirsch u. Matthiä verzeichnen beide, jedes an seiner stelle in dem alphabete, doch die beiden letztgenannten vorsetzen mit hinweisung auf fürsetzen, welches bei ihnen demnach noch vorzuwiegen scheint. Steinbach 2, 357 dagegen bringt fürsetzen wie vorsetzen mit vorherschen des letzten in den beispielen, und Frisch 2, 270 setzt bei jenem kurz sein s. vorsetzen, hat aber nachher neben diesem oder fürsetzen. Hederich verweist bei fürsetzen ohne weiteres auf vorsetzen, eben so der ihm folgende Nieremberger bei fürsezen auf vorsezen. jenes schon gegen die mitte des 18. jahrh. kaum mehr auftauchende fürsetzen erscheint dann bald nach derselben völlig verdrängt, weshalb es auch Weber in seinem deutschlat. universalwb., Haas, Bauer, Scheller und selbst Adelung gar nicht mehr anführen, sondern blosz vorsetzen, das schriftdeutsch fortan allein gebraucht ist. fürsetzen dauert nunmehr nur noch mundartlich fort, z. b. schweiz., bair., wetterauisch, oberhessisch u. s. w. jene schweiz. form ist försetza, s. unten I 3) und 7).
das part. praet. lautet fürgesetzt, aber im 15. und 16. jh. ist rückumlautendes fürgesatzt gleichberechtigte form, die freilich später veraltet und erlischt. der vocab. gemma-gemmarum v. 1505 t 7c hat vorgesatzt, könnte aber eben so gut fürgesatzt haben. vgl. vorsetzen und setzen.
Das wort steht
I. transitiv und bedeutet
1) vornhin setzen, vorn vor jemand stellen. mit acc. der bezeichnung dessen, was zum essen oder trinken aufgetragen wird, und mit dat. der person. ahd. ëʒentê inti trinkentê thiu man iwih furisezze. Tat. 44, 7. mhd. alsô gât dër knëht ûʒ unde gewinnet krût ûf dëm vëlde unde gât wider hain unde snîdet daʒ krût in dën haven, unde dô ëʒ gesôt dô sazte ër ëʒ dën wîssagon für unde hieʒ sî ëʒʒen. Grieshaber pred. 2, 51; und solt eine iclîche spîse für guot hân, die man dir fürsetzet. Friederich v. Niuwenburg in Pfeiffers Germania 3, 229a. nhd. und satzte jm essen fur. 1 Mos. 24, 33; und er trug auff butter und milch, und von dem kalbe das er zubereitet hatte, und satzts jnen fur. 18, 8; da nu die priester hinaus waren, lies der könig dem Bel die speise fürsetzen. Bel zu Babel 13; isz wie ein mensch, was dir furgesetzt ist. Sir. 31, 19; ich wil dir einen bissen brots fursetzen, das du essest, das du zu krefften komest. 1 Sam. 28, 22; setze jnen brot und wasser fur, das sie essen und trincken und las sie zu jrem herrn ziehen. da ward ein gros mal zugericht. 2 kön. 6, 22; und ich satzte den kindern von der Rechabiter hause becher vol weins und schalen fur und sprach zu jnen: trinckt wein. Jer. 35, 5; und wie man den todten opffer fursetzet, also setzet mans jnen auch fur. Baruch 6, 26.
auch ohne acc. gesetzt, der dann in gedanken vorschwebt, mit bloszem dat. der person: sie haben die kuchen und keller besser bestellet, denn wir, und können uns vol auff fursetzen und herrlich speisen. Luther von den letzten worten Davids (Wittemberg 1543) R iija, eine stelle, die Ph. Dietz 1, 756a beibringt.
2) vor augen stellen, zum vor sich haben stellen. mit einem bloszen acc. oder einem satz an dessen stelle. zu mercken, das er nu beschreibt und fürsetzet, was ein rechtes leben sey. Luther 1, 21a. danach auch: vor der seele sein oder sich befinden machen, vor dem geiste sich befinden machen. mit bloszem acc. oder auch zugleich mit dat. der person: mhd. alrêrst sint uns suntâren vur gesezzet siben laster houbethafter sunden, dâ wir uns vone behuoten sculen. Kelle spec. eccles. 178. nhd. denn David spricht von jm: ich habe den herrn allezeit furgesetzt für mein angesichte. apostelgesch. 2, 25, es ist hier ps. 16, 8 gemeint ich hab den herrn allezeit fur augen. aber dann weiter so viel als in aussicht stellen, fest und bestimmt in aussicht stellen. promittere, fursetzen. Eychman q 6b. mit bloszem acc.: aber ein verdienst ist nicht unbereit auff seinen lohn, sondern wol bedacht und fürgesetzt in das lohn. Luther 1, 488a.
3) vorstrecken, dargeben, leihen. commodare, auszleyhen, fürsetzen. Frisius (1556) 262a und danach fürsetzen, fürstrecken,

[Bd. 4, Sp. 813]


commodare, leyhen bei Maaler 150a; einem vertrauwen, leyhen und fürsetzen, ire in creditum. ebenda; gält leyhen und fürsetzen, credere pecuniam. ebenda. fürsetzen, leihen, commodare. Dentzler 119a. noch appenzellisch försetza, vorschieszen, vorstrecken. Tobler 203b. bat ein (einen), er solt ihm etlich gelt fürsetzen. Pauli schimpf 139a; thu so wol und setze mir etlich gelt für. 139b; ein armer schuler hat niemand, der ihm fürsetzt, das (dasz) er studieren mag. 141b.
4) in der ordnung der stelle nach setzen eh ein anderes kommt, der ordnung gemäsz seine stelle vorher geben. mit acc., neben dem zugleich noch ein dat. stehn kann. dieweil das v, einem lautbchstaben fürgesetzt, für ein f gelesen würt, so habens etlich genötigt, dz (dasz) es auch vor andern bchstaben ein f msz sein, als vor dem l in dem wörtlin vleis und etwa vorm r als in dem wörtlin vreüntlich. Ickelsamer gramm. C iija.
5) vorwärts setzen, auf eine stelle voraus bewegen zum feststehn auf derselben. mit bloszem acc.: so setzt sie den rechten fusz für und was jr die recht seyt und brust spitziger als die linck. Fischart Garg. 82a (1608 K jb).
6) entgegensetzen, zunächst zum schutze. mit acc. und dat. der person oder sache.

frey, sicher bist du, so du wilt,
wan ichzit (irgend etwas) dich ja wolt verlötzen,
der warheit stehts wehrhafften schilt
des unglücks stosz fürsetzen.
Weckherlin 197.


hieran schlieszt sich, wenn fürsetzen in dem sinne von »widerstehn, widerstand leisten, sich widersetzen«, mit dat. der person oder sache, aber ohne acc. steht, so dasz es als intransitiv verwendet erscheint: denn es ist nicht genug (wie ich droben gesagt habe) das man sich für dem feinde wol verwaret habe und könne jm fürsetzen, wenn er uns angreiffet, das wir nicht geschlagen werden, welches heisset eine schutzkrafft, sondern gehört auch dazu die wehrkrafft, damit man dem feind nachjage und in die flucht schlahe. Luther 5, 526a. diese intransitive verwendung tritt noch entschiedener hervor, wenn selbst auch der dat. mangelt. opponere, fürsetzen, entgegen setzen, wider etwas setzen. Frisius (1556) 921b und danach Maaler 150a, bei dem aber der letzte ausdruck fehlt, was auch bei dem aus Maaler schöpfenden Dentzler 119a stattfindet. steiff und starck fürsetzen, obfirmare. Kirsch (1723) 2, 125a und danach Matthiä (1761) 2, 161a. besonders aber tritt sie hervor, wenn das wort die bedeutung annimmt: mit der waffe drauf los gehn. das erste dienet dazu, das ich nicht uberwunden werde, das ander, das ich den feind uberwinde und siege. jenes ist eine schützekrafft (nemlich zum schutze der stadt, zur abwehr dasz sie nicht erobert werde), aber dies heisset eine wehrekrafft oder siegekrafft (nemlich zum ausfall aus der stadt, den feind in die flucht zu schlagen), die nicht allein für sich fest stehet und starck ist, sondern kan auch fürsetzen und umb sich hawen unter die feinde. 512b. es ist dies die stelle, auf die die vorher angeführte hindeutet.
7) vor eingespanntes zugvieh vorspannen. fürsetzen, ein zugrossz oder rinder (es sind ochsen gemeint) für den anderen setzen. Maaler 150a. fürspannen, fürsetzen, praejungere, ante jugum collocare. Dentzler 2, 119a. vorsetzen oder fursetzen, hiesz vor diesem pferde im nothfall vor eines andern pferde spannen, dasz sie ziehen helfen. Frisch 2, 270c. noch zu Werdenfels in Oberbaiern: vorspannen vor pferden, die schon eingespannt sind. Schmeller 3, 298. appenzellisch försetza, vorspannen. Tobler 203b.
8) zum oberen setzen, zum oberen bestimmen, zur behörde bestimmen oder machen. fürgesetzte obrigkeit, magistratus praefectus. Stieler 2040. mit acc. der person und dat. der person oder sache. schon ahd. furisezan, praeficere. gl. mons. 33 (glosse zu praefecisset Jer. 40, 7). Graff 6, 300. nhd. »praeficio, ich setz oder stel für«. Alberus dictionar. HH 4a. fürsetzen, zu einem fürgesetzten und obmann machen, praeficere, praeponere. Maaler 150a nach Frisius 1043a und 1039a. fürsetzen einem land, praeficere, praeponere. Dentzler 119a. fürsetzen, preponere. voc. theut. 1482 i 7a. Henisch 1304, 63. dann Ruodbertus und ander lieb vätter, die bey got yetz seinn und vor zeiten dem volck der kirch Saltzburg fürgesetzt gewest, haben dasselb volckh, auch ander christglawbig lieb gehabt. Berthold von Chiemsee cap. 23, 8 (s. 161); darauf ermon jch die ablässigen christen, daʒ jr ewr engel und heyling (heilige), die ew hie und dort seinn von gott gegeben und fürgesetzt, nit dermasz, wie jr biszher ain zeyt gethan, verachtet. ebenda; mer hat er (Jesus) gesagt: seint gehorsam

[Bd. 4, Sp. 814]


denen die euch fürgesetzt sint. Schade sat. u. pasqu. 2, 86, 36. auch statt des dativs mit einem abhängigen, die bestimmung ausdrückenden satze: ich verwundere mich, dasz die leut in bestellung der schaffhirten und küehirten, auch anderer taglöhner so aberglaubig und scrupulos seyn, aber die jugend zu unterweisen oft die jenigen, welche bälder schaden als dociren können, fürsetzen thun. Schuppius 743.
ein fürgesetzter, einer der zum oberen gesetzt ist, einer der zu befehl, anordnung, leitung über einen andern, andere oder etwas gesetzt ist. praefectus, ein fürgesetzter, obmann u. s. w. Frisius (1556) 1039b und danach Maaler 147d. praefectus, fürgesetzter, vogt, schaffner. Dentzler 1, 255a.
9) vorziehen. mit acc. und gewöhnlich auch dat. der person oder sache. ahd. fure sezzent spiritalia carnalibus (keistlîchiu fleisclîchen). N. ps. 97, 5; tie dës lîchamen froma (nutzen) fure sezzent tien fromôn dëro sêlô. Boeth. 138. s. auch Graff 6, 300. nhd. »preferre, furwenden, fursetzen, uberheben« u. s. w. Eychman q ija. fursetzen, preferre. voc. inc. teuton. f 4a. wann on zweiffel dein sitlich geperd und edels gemtt inn meinem hertzen vor allen andern meinen dienern für gesötzt gewesen und noch ist. Wirsung Cal. (1520) C ija;

das (dasz) Roboam der jungen radt
der alten fürgesetzet hat.
Schwartzenberg 108, 1, statt dem der alten;

in dem du (es ist eine fichte angeredet) aber dir läst meinen grund gefallen,
ey so gefällt mir auch dasz dieser andren allen
von dir bleibt fürgesetzt.
Logau 1, 193.

fürsetzen, vorziehen, praeferre, anteponere. Dentzler 2, 119a.
10) fest bestimmen, als bestimmung zur befolgung festsetzen, fest und bestimmt anordnen. mit acc. der sache: mhd.

diu furgesazzitiu nôtdiu wirt iu niht geminnerôt. ...
ich wil alle tagehaben dër ziegil zale. exodus, Milst. hs., s. 133, 31,

vgl. die vulgata exod. 5, 18, aber auch den exod. in den fundgruben 97, 35. nhd. fürsetzen, fürschreiben. Henisch 1304, 59; der präceptor hat nichts fürgesetzt, praeceptor praetermisit aliquid discendum praescribere. 61.
11) der bestimmung gemäsz vornehmen, der anordnung gemäsz ausführen. vollnstreckung der urtheil mit gewalt fürsetzen. cammergerichtsordn. von 1521 31 §. 10. vgl. unten II 3).
12) fortsetzen.
13) mhd. weidmännisch in einen hunt vürsetzen, ihn auf die spur des wildes, auf die fährte schicken.

swër Wâgen (es ist der jagdhund Wâge gemeint) wol kan hetzen
und kan ouch in verhalten
und weidenlich fürsetzen,
so mag dës hundes wol gelücke walten.
Laber 288.


14) ebenfalls mhd. auch: fest in den sinn fassen, den sinn richten auf —, den sinn gerichtet halten auf —, erwartend den sinn gerichtet halten auf —.

sus sazte ich alleʒ (allezeit, immer) beʒʒerunge für.
Walther 95, 21,

= hoffte ich fest auf besserung.
nhd. scheint fürsetzen = »in den sinn fassen« hier und da vorzukommen, doch liesze sich auch annehmen, dasz das reflexive pronomen ausgelassen sein könnte. mihi certum est, ich bin eigentlich desz sinns, ich habs gewüszlich fürgesetzt. Frisius (1556) 214a und danach Maaler 147d. inn sich fürsetzen, concipere animo. Henisch 1305, 5. vgl. nachher II 2).
II. reflexiv, sich fürsetzen, in den bedeutungen:
1) sich vor augen stellen, sich im geiste vorstellen. vgl. oben DWB I 2). mit acc. oder einem satz an dessen stelle. mhd.

in was ûf die reise gâch:
dës (deshalb) sazten sie in wênic vür,
wëder unvuor noch gevüer
in dâ von widervüer. krone 28313.

die bedeutung kann auch nhd. noch vorkommen, einen beleg aber weisz ich nicht anzuführen.
2) fest in den sinn fassen, sich fest vornehmen. vgl. vorhin 14). ich hab bey mir selbs beschlossen unnd mir fürgesetzt, deliberatum et constitutum est mihi, sic sententia est. Maaler 147d; si istuc ita certum est tibi, wenn du dir also hast fürgesetzt. Frisius 214a und danach Maaler a. a. o. hierbei ist unbestimmt gelassen, ob ein acc. oder ein satz oder an dessen stelle ein inf. mit zu folgt.
zuerst mit acc. der sache. mhd. daʒ ist daʒ aller bœste daʒ ir getuon müget, die in bœsiu dinc für setzent, wan dû weist niht ob dich got unz morgen læt lëben. Berthold 513, 22;

[Bd. 4, Sp. 815]


sie næmen die maget guotevon dëm swærem muote
dën sie ir habte furgesat.
Wernhers Maria 166, 10 (Otter s. 69).

nhd. wolt gott, alle bergkherrn setzten jn Salomonis weyse regierung und kluges hauszhalten zum exempel für, so würden reich unnd bergkwerck biszweylen auff bessern füssen stehen. Mathesius Sarepta (1562) 31b;

warumb setzt du dirs so scharff für,
noch wol kommen zusammen wir.
Ayrer 223b;

der mensch setzt ihm wol ein ding für, aber gott schickts wie er will. Weismann 2, 136b. häufig aber steht an der stelle des acc. ein satz: mitteld.

nu hân ich mir vur gesât,
daʒ ich tôte dën vater mîn.
Albrecht Ovid nr. 18, 148.

nhd. ich hab mir fur gesetzt, das (dasz) mein mund nicht sol ubertretten. ps. 17, 3; ich habe mir furgesetzt, ich wil mich hüten, das ich nicht sündige mit meiner zungen. 39, 2; aber Daniel setzt jm fur in seinem hertzen, das er sich mit des konigs speise ... nicht verunreinigen wolt. Dan. 1, 8; der mensch setzt jm wol fur im hertzen, aber vom herrn kompt was die zunge reden sol. spr. Sal. 16, 1, wo der letzte satz objectivsatz der beiden vorhergehenden ist. aber der satz kann auch durch einen inf. mit zu vertreten werden: da das ausgerichtet war, satzte jm Paulus fur im geiste, durch Macedonian und Achaian zu reisen. apostelgesch. 19, 21; ich wil euch aber nicht verhalten, lieben brüder, das ich mir offt habe furgesetzt, zu euch zu komen. Röm. 1, 13;

hat jr offt fürgsetzt in den tagen
mit eim flegel jhn zu erschlagen
oder den heimlich zu erstechen.
H. Sachs II (1591). 3, 140a;

ein weyb die jren selbs fürgesetzt hat ein bösen duck zethn. Maaler 147d, nach Frisius 214b. dasz ... er sich nichts entsetzet, sonder mit jhm zustreiten fürgesetzt. Amadis 140, 291; dieweil Balais ... jm fürgesetzt, diesen ritter zusuchen. 296, 624; ich setzte mir etliche mahl für, von meinem herrn urlaub zu nehmen. Ulenhart historien von Lazarillo de Tormes (1624) s. 44. endlich kann auch bei sich fürsetzen nur ein adv. stehn: dasz sich der mensch (offtermal) jhm anderst fürsetzt, denn jhm von oben herab nicht geordnet ist. Amadis 299, 632.
An diese bedeutung schlieszt sich aufs engste die folgende an:
3) als zu erstrebendes ziel fest sich vornehmen, als zu erstrebendes ziel fest in den sinn fassen. mit acc.:

der künig Nabuchodonosor,
do jm z fyel me glück dann vor
und er Arfaxat uber wandt,
meynt er erst haben alle landt
und setzt eyn götlich gwalt jm für:
wart doch verwandelt jn eyn thyer.
Brant narrenschif nr. 56, 31.

vgl. Zarncke in seiner ausg. s. 392a zu der stelle.
4) sich vorziehen, sich über andre setzen, sich über andere erheben. nit sprich, warumb wolt ich es dem tn, man tt es mir nit, ich bedörfft sein auch wol. nitt setz dich selbs ymmertzu für, als ob du yederman in dich richten wöllest, truck dich under got und under alle menschliche creaturen. Keisersberg predigen 111d.
 
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fürsetzen, n. der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. nach der bedeutung I 3): einen feynd machen und überkommen mit gält fürsätzen, emere talento inimicum. Maaler 150a.
 
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fürsetzer, m.
1) einer der speise oder trank aufträgt und hinsetzt. fursetzer, essentrager, prepositor, prepositarius. voc. theut. 1482 i 7a.
2) einer der etwas vor augen legt, einer der etwas eindringlich vor jemand bringt um diesen davon in kenntnis zu setzen oder zu bestimmen oder ihm deswegen anzuliegen. es ist aber alles verkündiget, das (dasz) zu der zeit, wenn gott am höchsten zürnet und die christenheit am meisten not leiden wird, das (dasz) denn nicht erfunden sollen werden fürbitter und fürsetzer gegen gott. Luther 1, 241b (sermon von guten werken).
3) einer der einem ein darlehn gibt oder ihm geld vorschieszt, ein gläubiger. creditor, ein glöubiger, oder ein fürsetzer der eim gält leycht oder fürsetzt, ein auszleyher. Frisius (1556) 342b und danach bei Maaler 150a fürsetzer (der), creditor.
4) ein vorgesetzter, einer der als befehlender und anordnender über etwas gesetzt ist. prepositus, furweser vel amptman, ein fursetzer fur zu sein, ein fürst, ut Michael prepositus paradisi. Eychman q ijb. fürsetzer ist hier eine nicht zu rechtfertigende bildung statt fürgesetzter, denn, nach fürsetzen I 8),

[Bd. 4, Sp. 816]


kann es nur einen bedeuten, der fürsetzt d. h. zum obern setzt, als obern bestimmt.
 
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fürsetzerin, f. 1) die frau eines fürsetzers. 2) eine weibliche person, deren thätigkeit die eines fürsetzers ist. creditrix, eine auszlyherin oder fürsetzerin. Frisius (1556) 342b.
 
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fürsetzig, adj. widerstrebend, feindselig. ich bringe hier folgende stelle zu fursätzig nach: aber weil die schwermer solche nötige zucht verspotten, kan man wol mercken, das (dasz) jr hoher geist nichts anders ist, denn ein boshafftiger, fürsetziger, hasz und neid ... Luther 6, 110b. als umlaut des a setzt Luther immer e.

 

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