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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürschauen bis fürschiffen (Bd. 4, Sp. 794 bis 796)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürschauen , s. vorschauen.
I. intrans.
1) vornhin schauen, vornhinausschauen.
2) zur vorsicht vornhin schauen, zur vorsicht vor sich sehen, vorsichtig sein.

[Bd. 4, Sp. 795]



II. trans.
1) voraussehen.
2) zuerst sehen, eher als andre sehen.
III. reflexiv sich furschauen, sich vor sich sehend in acht nehmen, vorsichtig sein.

derhalben frawen und jungfrawen
sollen sich mit fleisz wol fürschawen,
das solche lieb sie nit betrieg.
H. Sachs I (1590), 120a;

desz mag sich ein herrschaft fürschawen
den gefangnen nicht weyt vertrawen. II (1591). 3, 105c;

sonder thu sich weiszlich fürschauen,
bedenck das sprichwort an dem end:
wer seine finger oder hend
selbs legt zwischen thür und angel
der klemmet sich. 72c;

dasz sich ein herr sol wol fürschawen
und einem losen knecht nit trawen. 83c.


 
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fürscheinen, s. vorscheinen. 1) hervor scheinen, heraus scheinen. 2) zuerst scheinen. 3) mehr scheinen als anderes das dadurch zurücksteht, durch übertreffen im scheinen vorgehn. für- sive vor- et hervorscheinen, eminere, praefulgere, praelucere. Stieler 1751. mit dat.

schaw ob der klare glantz meiner anblicken nicht
dem glantz der sternen selbs ruhmhafftig kan fürscheinen.
Weckherlin 731.


 
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fürschell, adj. überaus laut tönend, überaus lärmend, überaus unsinnig, überaus toll. s. DWB schell.

mein liebe fasnacht, lasz dir sagen, ...
ich wolt dir ungern sein unterthan,
wann du machst fürschell weib und man,
und solt dein toben wern über jar,
es behielt mancher weder haut noch har. fastnachtsp. 629, 5.


 
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fürschicken, vorausschicken, vorherschicken. für- sive vorschicken, praemittere. Stieler 1776. S. vorschicken.
 
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fürschieb, m. ein riegel, repagulum, pessulus. Reyher lex. 1, 2193. 2, f 3b. vgl. fürschieben 1) und fürschub.
 
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fürschieben , s. vorschieben.
1) vornhin schieben, besonders zum verschlieszen oder sperren. fürschieben, obmoliri. Henisch 1304, 16. namentlich aber einen riegel zum schlieszen oder sperren einer thüre:

do klopfet an der thür der pawer.
sy furn auf in der stuben
den rigel sy für schuben
und liessen den pawern an possen
bis sich der pfaf het verstossen
in ain finster ecken unter dem dach.
Rosenblut fahrender schüler 42, Gieszner hs. 19b. fastnachtsp. 1173;

du schiebest einen riegel
nicht nur dir selber für.
Opitz 1, 11.

für- sive vorschieben, obdere, occludere. Stieler 1785. auch Steinbach 2, 485 hat beide wörter neben einander, doch in den beispielen nur vorschieben. Dentzler, Weismann verzeichnen jedes von beiden an seiner stelle im alphabete, dagegen verweist Kirsch, auch Matthiä bei vorschieben auf fürschieben, umgekehrt Hederich bei diesem auf jenes. fürschieben verbleibt dann nur noch mundartlich.
2) hervorschieben, herausschieben.
3) vorwärts schieben, fortschieben. Davon dann
4) zum entkommen fördern, zur flucht fördern, zur flucht verhelfend entkommen machen, promovere. doch also, das dieselben ir widersacher und vyende die zitt diser veraynung in unsern landen, stett, schlosz noch gebietten nicht gehalten, gehuset, gehoffet, geesset, getrenket, hin noch fürgeschoben werden sullen. aus dem jahre 1443 bei Haltaus 558. dieselbige (nemlich vergwältiger, thäter u. s. w.) ... hausen und fürschieben. erklärung des landfriedens v. j. 1522 xiii, in der ausgabe Frankfurt a. M. 1707 s. 215b dagegen ist gesetzt auch von jemand behauset, behöfft oder fortgeschoben ... werden; von niemands behauset ... oder fürgeschoben. reichsabschied zu Speyer v. j. 1526 §. 8. Ferner geht von 3) aus
5) weiter schieben, weiter hinaus zur verhandlung bestimmen, verschieben, proferre, producere. unn wann wir vernommen haben das ettlich gebresten zwischent dir unn den obgenanten stetten sind, darumb wir uch beyden partyen tage fur uns bescheiden hatten uff mittvasten nechst vergangen, den tag wir aber unser unn des richs anligenden sachen halb fürgeschoben unn verlengret hant gen Regenspurg uff dissen nechsten phinsten. aus dem j. 1422 bei Haltaus 558, der dazu richtig bemerkt, dasz heute verschieben gesagt werde.
6) durch fürschub vorwärts bringen, fürschub leistend fördern, behilflich sein, suppeditare. Dentzler 2, 118b.
7) vorbeischieben, vorüberschieben.

[Bd. 4, Sp. 796]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürschieber, m. , s. vorschieber.
1) etwas das man zum sperren oder verschlieszen vorschiebt, obex. Diefenbach 387a aus Frisius, in dessen druck v. j. 1556 aber das wort sich nicht findet.
2) einer der fürschiebt, im besondern einer der zum entkommen behilflich ist, einer der zur flucht verhilft, promotor. vgl. DWB fürschieben 4). aber gegen seine mitverwandten, anhenger, enthalter, fürschieber, gönner und nachfolger sollet ir dieser weise handeln. Luther 1, 461a. gewöhnlich in übelm sinne: alle ihr helffer, helffershelffer, fürschieber und anhänger ... in die acht gethan. aus d. j. 1504 bei Haltaus 558; sammt jren wissentlichen fürschiebern, enthaltern und helffern. aus d. j. 1516 ebenda; anhänger und fürschieber. reichsabsch. v. j. 1512 §. 8; die thäter, ihre helffer ... und fürschieber. landfr. v. 1521 iv §. 4. von unterschleifern und fürschiebern. aus Gadebusch livländ. jahrb. bei Gutzeit 1, 301b.
 
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fürschiebung, f., das subst. der handlung von fürschieben. fürschiebung, objectio. Steinbach 2, 485, also nach fürschieben 1). S. vorschiebung und vgl. DWB fürschub.
 
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fürschieszen , s. vorschieszen.
I. intrans.:
1) vornhin schieszen, sich mit raschheit vorhin bewegen. hiervon als abgeleitete bedeutung: mit raschheit dasein haben, mit raschheit als begebenheit eintreten. das (dasz) man jhm (es ist gott gemeint), im fall da mangel fürscheust, nicht misztrawen, oder sich mit vergebnen sorgen dermattere. Mathesius Sar. 26a (1562 36b), vgl. fürsichtigkeit.
2) sich mit raschheit vorn hinaus bewegen. im besondern in abgeleiteter bedeutung
a) mehr werden, übertreffend mehr werden, übertreffen: mitteld.

sîn name an êren wîte vlouc,
dës ër zur wërlde genôʒ:
vil kurzelîch ër vurschôʒ
an êren, die man ûf in las. pass. K. 157, 22.

mit sulchen tugenden vurschôʒ
Martînus. 697, 4.

s. auch Ben. 2, 2, 172b.
b) zu nutz kommen, procedere. Dentzler 2, 118b.
c) an länge übertreffen, über anderes vorn hinaus sich erstrecken, über anderes hervorstehn. item so man die sibeneck mit den seyten nach einander an eynander setzt, alsz das aussen zwey unnd innen ein eck für schieszen. Dürer messung (1525) F ijb; menianum, eyn für geschossen gebew, das auszgeschossen ist obenhalb, oder eyn erckerle. Dasypodius 133d und danach Serranus o 4a; bei jenem 279c auch fürgehenckt für geschossen gebew. anguli prostantes, die fürschiessenden eck, die sich erzeigend und sähen lassen. Frisius (1556) 1083a. eben so fürschiessen, extare, bei Dentzler 2, 118b; mit verweisung auf fürstrecken bei Kirsch (1723) 2, 125a und dessen nachtreter Matthiä. Steinbach 2, 500 hat fürschiessen, vorschiessen. das erste erhält sich später dann nur mundartlich.
3) sich mit raschheit hervorbewegen. in der hier bei Ben. a. a. o. beigebrachten stelle pass. Hahn 54, 22 ist vur gesetzt gegen den druck, der vor hat.
4) sich mit raschheit vorbei oder vorüber bewegen.
5) übrig sein, restare, residuum esse. Dentzler 2, 118b.
II. trans.:
1) vornhin schieszen, mit raschheit vornhin bewegen. namentlich einen riegel zum verschlusse: mhd.

sun, du solt dîner zungen pflëgen ...
schiuʒ rigel für und nim ir war. Winsb. 24, 5,

sie sluog nâch ir zuo die tür
dën rigel schôʒ sie vaste vür. heidin 1753.

auch bildlich einen riegel fürschieszen = ein hindernis bereiten. Schmeller 3, 408. übrigens könnte nhd. auch blosz fürschieszen stehn ohne den acc. riegel, so dasz dieser hinzuzudenken wäre, z. b. schiesz für! schiebe durch einen stosz an den riegel diesen zu.
2) an darlehn geben. noch mundartlich einem geld fürschieszen. vgl. DWB fürschusz 3). Hederich hat fürschieszen nur in diesem sinne, verweist aber ohne weiteres auf das bereits damals fast allein herschende vorschieszen.
3) sich erstreckend überragen, in der länge überragen: ahd. horn irwachset ex carne (ûʒʒer dëmo fleisce) unde fureskiuʒʒet carne (daʒ fleisc), sô fureskieʒʒent ouh ir carnem mente (daʒ fleisc mit muote). N. ps. 97, 5; samo sô ahtô leiterûn obe ein anderên geleinet wërdên und iogelîchiu dia andera fure skieʒe eines sproʒen. Mart. Cap. 126.
 
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fürschieszen, n. der inf. fürschieszen als subst.
 
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fürschiffen, 1) vornhin schiffen. 2) hervorschiffen, herausschiffen. 3) vorwärts schiffen, weiter schiffen. 4) vorherschiffen, vorausschiffen. 5) vorbeischiffen, vorüberschiffen: praenavigare, fürfaren, fürschiffen oder darbey hinschiffen. Frisius (1556)

[Bd. 4, Sp. 797]


1042b und danach Maaler 149d, der noch »praeternavigare« erklärend dazusetzt. dahin bat Hercules ein wunderbarliche seül gesetzt, die man nit leichtlich fürschiffen kan, gleich als ein ort oder stützseül der welt, die aber key. may. volck fürschifft hat. Frank weltbuch 70b. S. vorschiffen.

 

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