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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürsätzlich bis fürschicken (Bd. 4, Sp. 793 bis 795)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürsätzlich, adj., s. das adj. vorsätzlich. bei Steinbach 2, 358 fürsätzlich, spontaneus, ultroneus, doch schreibt er in den beispielen nur vorsätzlich, dann hat er auch noch mit e »für-, vorsetzlich«. vgl. auch fürsetzlich.
 
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fürsätzlich, adv. mit vorsatz, mit willen und bedacht: wenn jemand seinen nehesten schlegt, nicht fürsetzlich und hat vor hin keinen hasz auff jn gehabt. 5 Mos. 19, 4; mit heyliger schrifft gnugsam widerlegt und sie gleichwol fursetzlich darbey verharrten. Mathesius Luther (1566) 102b; hat die diener und liebhaber des heyligen evangelii plagen und verjagen helffen und fürsetzlich, mutwillig, durstigklich drauff bisz an sein ende beharret. 119a; wie solches (dasz Lazarus zu Bethanien in todesnöthen) der herr erfehret, verzeucht er fürsetzlich zwen tage. dessen leichpredigten 2, 14a;

[Bd. 4, Sp. 794]


veracht allein
alle gottesforcht, vermon und lehr
und fellt in sünd je lenger mehr
fürsetzlich, gert nicht abzulassen.
H. Sachs IV. 1, 86a.

fürsetzlich, wissentlich, mit fleisz, gern, williglich, mit willen, ausz fürsatz, mutwilliglich, ohne noth, ausz freiem willen, mit bedacht. Ulner s. 206. fürsetzlich, wissentlich, mit fleisz, mit, ausz fürsatz, muthwilligklich, studio u. s. w. Henisch 1305, 10; fürsetzlich etwas thun. 14; fürsetzlich von sich werffen, studio, data, dedita opera projicere. 15. fursetzlich, wissentlich, mit fleisz. Rädlein 313a, der aber eben so wol s. 1015a vorsetzlich, vorsätzlich hat und zwar diese noch mit beispielen, ein zeichen dasz bereits die form mit vor- überwiegt, wie denn auch Hederich blosz vorsetzlich und Nieremberger nach seiner schreibweise nur vorsäzlich, vorsezlich hat. Weismann verzeichnet eben so wol fürsetzlich wie vorsetzlich. Kirsch aber, der nur fürsatz (s. d.) aufnahm, bringt auch allein, wie vor ihm Dentzler 2, 119a, fürsetzlich, eben so noch Matthiä, trotzdem dasz er, von seinem vorbilde Kirsch abweichend, neben fürsatz auch vorsatz und zwar dieses überwiegend hat (s. DWB fürsatz). später gilt schriftdeutsch allein vorsätzlich, und fürsätzlich dauert nur mundartlich fort. S. vorsätzlich und vgl. auch DWB fürsetzlich.
 
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fürsatzung, f. die handlung dasz sich jemand etwas vorsetzt, d. h. im sinne fest vornimmt, dann das was sich jemand vorsetzt, d. h. im sinne fest vornimmt. aber alle dise wort Toffano seiner eynfeltigenn fürsaczunge nicht bekeren möchten. Steinhöwel decamerone (Keller) s. 425, 244d, wobei auch auf bekeren mit einem gen. zu achten ist, der gleich der praep. von mit dat. steht; also Fortaringo grosze subtile listickeit betrübet und überwant Angioliere gte fürsaczung wie wol ein söliches mit der zeit von im nicht ungerochen beleybe. 561, 27, bei Boccaccio steht avviso.
abgeleitet von fürsetzen mit rückkehr zum ursprünglichen a. vgl. DWB fürsetzung.
 
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fürsaum, m. der rand, der an einem acker als nothwendiger spielraum für das umkehren des pflügenden gespanns entweder zu gras liegen bleibt oder zum schlusz in einer den eigentlichen beeten entgegengesetzten richtung umgepflügt wird. auch wol ein mit den beeten parallel laufender ungepflügt bleibender rand am acker. Schmeller 3, 246. 1, 555.
 
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fürschalten , s. vorschalten.
1) vornhin stoszen, mit schnelligkeit vornhin bewegen: mitteld.

Hector karte sich wider,
sînen schilt ër vur schielt.
Herb. 5050.


2) hervor stoszen, durch stoszen mit schnelligkeit aus etwas hervor oder heraus bewegen.
3) vorwärts stoszen, durch stoszen mit schnelligkeit fortbewegen, angestemmt fortschieben. fürschalten, promovere, protrudere. Dasypodius 409c; promoveo, ich schalte für, ich nim z in der bewegung, ich fare weiter. 143d und danach »promovere, für sich bewegen, fürschalten, weiter faren, füdern« bei Serranus p 3a. davon dann so viel als fördern: mitteld.

als ist ër och in hôher kur (weise)
an miltekeit geschalten fur
daʒ ër giht unde och lîhet
genâde und dër niht verzîhet. Martina 198, 90 (s. 500).

nhd. in dem sinne: helfend fördern, die helfende kraft wenden auf —. auxiliari, furschalten, zu batten kummen. Schöpper syn. nr. 9, über ze batten kummen s. batte.
4) als vermehrung einschalten: dann do Christ us gelitten hett, im selben jor, do hond die Juden gehaben ein schalt jor, und mstent zwen tag fürschalten oder z geben dem schaltjor. und die selben zwen tag hand gemacht, dz der ostertag eben gefiel uff den sabbath noch dem karfrytag, unnd was der grosz ostertag und ein zwyffaltig fest, er wer sust gefallen uff den grienen donderstag. Keisersberg post. 3, 13a, vgl. Frisch 2, 160a und Scherz 455.
 
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fürscharren, 1) hervorscharren: ich will als ein guter hahn zu beyder nahrung wol fürscharren. pedant. schulfuchs 235; ein guter hahn musz sein huhn nicht allein drücken, er musz ihm auch fürscharren. 66. diese stellung leitet über auf die bedeutung 2) zuerst scharren. S. DWB vorscharren.
 
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fürschätzen, 1) im voraus schätzen, zum voraus schätzen. 2) höher schätzen als der wirkliche werth ist, über den werth schätzen, über gebühr schätzen. für- seu vorschätzen, pluris habere, facere, optimum dijudicare. Stieler 1741. S. vorschätzen.
 
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fürschauen , s. vorschauen.
I. intrans.
1) vornhin schauen, vornhinausschauen.
2) zur vorsicht vornhin schauen, zur vorsicht vor sich sehen, vorsichtig sein.

[Bd. 4, Sp. 795]



II. trans.
1) voraussehen.
2) zuerst sehen, eher als andre sehen.
III. reflexiv sich furschauen, sich vor sich sehend in acht nehmen, vorsichtig sein.

derhalben frawen und jungfrawen
sollen sich mit fleisz wol fürschawen,
das solche lieb sie nit betrieg.
H. Sachs I (1590), 120a;

desz mag sich ein herrschaft fürschawen
den gefangnen nicht weyt vertrawen. II (1591). 3, 105c;

sonder thu sich weiszlich fürschauen,
bedenck das sprichwort an dem end:
wer seine finger oder hend
selbs legt zwischen thür und angel
der klemmet sich. 72c;

dasz sich ein herr sol wol fürschawen
und einem losen knecht nit trawen. 83c.


 
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fürscheinen, s. vorscheinen. 1) hervor scheinen, heraus scheinen. 2) zuerst scheinen. 3) mehr scheinen als anderes das dadurch zurücksteht, durch übertreffen im scheinen vorgehn. für- sive vor- et hervorscheinen, eminere, praefulgere, praelucere. Stieler 1751. mit dat.

schaw ob der klare glantz meiner anblicken nicht
dem glantz der sternen selbs ruhmhafftig kan fürscheinen.
Weckherlin 731.


 
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fürschell, adj. überaus laut tönend, überaus lärmend, überaus unsinnig, überaus toll. s. DWB schell.

mein liebe fasnacht, lasz dir sagen, ...
ich wolt dir ungern sein unterthan,
wann du machst fürschell weib und man,
und solt dein toben wern über jar,
es behielt mancher weder haut noch har. fastnachtsp. 629, 5.


 
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fürschicken, vorausschicken, vorherschicken. für- sive vorschicken, praemittere. Stieler 1776. S. vorschicken.

 

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