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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürsagen bis fürsaum (Bd. 4, Sp. 792 bis 794)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürsagen, n., praedictio. Steinbach 2, 334. es ist der inf. fürsagen als subst.
 
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fürsager, m. einer der zukünftiges voraussagt, ein prophet, vates. Steinbach ebenda. s. DWB fürsagen 5).
 
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fursal, n., s. DWB fuhrsal.
 
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fürsänger, m., s. vorsänger. praecentor, der fürsenger. Alberus dict. c ija. noch wetterauisch.
 
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fürsatz, m.
1) ein zu beharrlichem streben in den sinn gefasztes, ein zur ausführung oder erreichung fest in den sinn gefasztes. ahd. noch nicht vorhanden, man sagte dafür foracasezzida (gl. hrab. 967a), forakisezida (Diut. 1, 513b = 1 kön. 18, 24). erst mhd. findet sich vürsaz, fürsaz. Ben. 2, 2, 344b. nhd. fursatz oder gantzer wille, prositum, proposito. voc. theut. v. 1482 i 7a; fursatz oder bedenckung, de industria .i. (= i. e.) deliberatione vel proposito. ebenda. finis, eyn ziel oder fürsatz. Dasypodius 74c und danach Serranus dict. h 7a. fursatz, propositum. Alberus dict. HH iija. dasz die persone usz keynem boszhafftigem fursatz solich geld gehabt. (ungedrucktes) rechenbuch der stadtcasse zu Frankfurt a. M. von 1495; das (dasz) er allen seinen fleysz an ker und sein conscientz ersch, wie er sich in todtsünden schuldig weisszt, dz er die trüwlich bycht und dornoch ein fürsatz hab, nymmerme wöllen sünden, echter tödtlich und ursach der sünden zefliehen. Keisersberg post. 2, 113b; gleych sollichen lon meinem vermögen nach wirdt ich dir geben, wa du in disem deinem fürsatzs wirdst verharren. Wirsung Cal. (1520) A 6b; besser unnd hailsamer wer jm, dasz ich hinein gieng, jm z sprech und in uber wunde in seinem aygensinnigen fursatz und jn (ob ich möcht) tröstet. A 7a. wir wissen aber, das (dasz) denen, die gott lieben, alle ding zum besten dienen, die nach dem fursatz beruffen sind. Röm. 8, 28, = nach gottes rathschlusz, wie schon mhd. fürsaz sich findet in dën êwigen fürsaz vollebringen bei Berthold (Pfeiffer) 199, 9; in gleichem sinne steht das wort in durch welchen wir auch zum erbteil komen sind, die wir zuvor verordnet sind, nach dem fursatz des, der alle ding wircket, nach dem rat seines willens. Ephes. 1, 11; eben so in der uns hat selig gemacht und beruffen mit einem heiligen ruff, nicht nach unsern wercken, sondern nach seinem fursatz und gnade. 2 Tim. 1, 9. und das (dasz) alle so wirdiglich, mit buszfertigem hertzen unnd im glauben an Christi wort unnd gutem fürsatz, darvon (vom brot und wein) essen und trincken. Mathesius Luther (1566) 96b;

gott hailiger gaist o tröster gt,
behalt der kirchen frid in ht
und wöhr nun allem fürsatz eben,
so ketzer und der Türck angeben.
Joh. Nasus kriegs- u. sigspredig F 1a;

hierumb ward Galaor fürhabens, viel ehe zusterben, dann jhn in seiner feind gewalt zulassen, und mit diesem endlichen fürsatz nähert er sich gegen jnen (es ist von zehen rittern die rede) hinzu, liesz sein visier fürfallen und setzet under die fünff fördersten hinein. Amadis 368, 784; als gleich ob gott in seinem fürsatz hätte, dasz creaturen in der hölle sein sollen oder müssen. Jac. Böhme Aurora (Stuttg. 1835) s. 171;

[Bd. 4, Sp. 793]


dann sunst möcht sein zorn ewer pochen
und eigensinnigen fürsatz
und anschlag wider sein gesatz
nicht länger lassen ungerochen.
Weckherlin 6 (ps. 2, 14);

in unserm thun, fürsatz und wandel. 196 (ps. 20, 24);

witzlos war die fürwitz, aufsätzig der fürsatz, creutzgeitzig der ehrgeitz. ausg. Amsterdam 1641 s. 207.

eine weitere stelle dieses dichters s. unter empfinden n.

abschlag und falscher zorn macht mich nicht lassen ab,
bis meinen fürsatz ich ins werck gesetzet hab.
Werders Ariost 1, 58, 8;

da steht sie auff vom stuhl und orth, der jhr geburt,
dem könig jhr gewerb und fürsatz zuberichten. dessen Gottfried 17, 42;

und wann er es gerne und ausz fürsatz und nicht ausz unwissenheit gethan hätte, so könt ihn niemand absolvieren als der pabst selbst. Schuppius 608. eben so fürsatz auch bei Butschky Patmos 403. Stieler kennt kein fürsatz mehr, nur vorsatz; dagegen haben Rädlein, Dentzler, Weismann eben so wol fürsatz als vorsatz, wie sich denn auch bei Steinbach 2, 358 »für- et vorsatz« findet, und wenn Hederich bei fürsatz ohne weiteres eingehn auf vorsatz, dann der ihm folgende Nieremberger bei fürsaz gleicherweise auf vorsaz verweist, also beide damit vorsatz, vorsaz als die geläufige form anerkennen, so verzeichnet Kirsch nur fürsatz. allein dessen nachtreter Matthiä führt schon in der ersten auflage seines lex. germ.-lat. fürsatz wie vorsatz, jedes in einem besonderen artikel, an und zwar, indem er auch neben jenes an seiner stelle s. 152a vorsatz setzt, gleichsam um das übergewicht dieses ausdruckes anzudeuten, den er dann in der dritten aufl. (1761) s. 160b selbst unter dem eben bezeichneten artikel in den beispielen überall hat, ein beweis, dasz nach der mitte des 18. jh. fürsatz schriftdeutsch als verdrängt angesehen wurde. diese beispiele lauteten noch bei Kirsch einen fürsatz fassen, der einen guten fürsatz hat und auf seinen fürsatz bleiben.
2) ein gefäsz das vor ein anderes gröszeres gesetzt wird zum auffangen oder aufnehmen aus diesem: thu vitriol in ein kolbenglas wol beschlagen, stell jhn in ein sublimierofen in ein freyes fewer unnd setz ein helm darauff, vermache denselbigen wol, stell ein fürsatz darunder, alles von glasz. Würtz practica der wundarznei 389. vgl. fürsätzlein und fürglas.
3) ein mit zeug bespannter rahmen vor dem untern theile des fensters, um das hineinsehen zu verhindern. gond heim in mein haus, da wert jr ein guten neuwen fursatz finden, dunckt der euch nit gut gnug sein, will ich umb einen besseren und sterckeren besehen. Wickram rollwagenbüchlein (Kurz) 157, 25.
4) vorgeliehenes geld, vorgeschossenes geld, vorschusz. fürsatz an geld, creditum. Wilhelmi 2, 103a und danach Dentzler 2, 118b; fürsatz thun, leihen, ebenda. also schweiz., wie denn heute noch appenzell. försatz für vorschusz an geld gesagt wird. Tobler 203b. s. DWB fürsetzen I 3). auch überhaupt: darlehn, schuld.
5) ein für etwas zur sicherheit eingesetztes, ein pfand. aus dem mhd. in Wilhelm Wackernagels wb. zur 4. ausgabe des altd. leseb. 359b.
 
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fürsätziglich, adj. was das adj. fürsätzlich. Davon das gleichlautende und gleichbedeutende adv., bei Emmelius (1630) K 5d. Ddd. S. fürsetziglich, adv.
 
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fürsätzlein, n. ein kleines gefäsz oder glas zum vorsetzen vor ein anderes gröszeres, damit es aus diesem ablaufendes oder abtropfendes in sich auffange. überhaupt ein kleines gefäsz oder glas, das vorgesetzt wird, damit abflieszendes oder abtröpfelndes sich in dasselbe sammle: seh, wie ligt der taw dem (der weintrinker ist gemeint) auff dem bart, wie geifferst? wie tropffelenst? ein fürsetzlin her: deiner frawen wird kein essig manglen. Fischart Garg. 87a (1608 K 6b).
 
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fürsätzlich, adj., s. das adj. vorsätzlich. bei Steinbach 2, 358 fürsätzlich, spontaneus, ultroneus, doch schreibt er in den beispielen nur vorsätzlich, dann hat er auch noch mit e »für-, vorsetzlich«. vgl. auch fürsetzlich.
 
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fürsätzlich, adv. mit vorsatz, mit willen und bedacht: wenn jemand seinen nehesten schlegt, nicht fürsetzlich und hat vor hin keinen hasz auff jn gehabt. 5 Mos. 19, 4; mit heyliger schrifft gnugsam widerlegt und sie gleichwol fursetzlich darbey verharrten. Mathesius Luther (1566) 102b; hat die diener und liebhaber des heyligen evangelii plagen und verjagen helffen und fürsetzlich, mutwillig, durstigklich drauff bisz an sein ende beharret. 119a; wie solches (dasz Lazarus zu Bethanien in todesnöthen) der herr erfehret, verzeucht er fürsetzlich zwen tage. dessen leichpredigten 2, 14a;

[Bd. 4, Sp. 794]


veracht allein
alle gottesforcht, vermon und lehr
und fellt in sünd je lenger mehr
fürsetzlich, gert nicht abzulassen.
H. Sachs IV. 1, 86a.

fürsetzlich, wissentlich, mit fleisz, gern, williglich, mit willen, ausz fürsatz, mutwilliglich, ohne noth, ausz freiem willen, mit bedacht. Ulner s. 206. fürsetzlich, wissentlich, mit fleisz, mit, ausz fürsatz, muthwilligklich, studio u. s. w. Henisch 1305, 10; fürsetzlich etwas thun. 14; fürsetzlich von sich werffen, studio, data, dedita opera projicere. 15. fursetzlich, wissentlich, mit fleisz. Rädlein 313a, der aber eben so wol s. 1015a vorsetzlich, vorsätzlich hat und zwar diese noch mit beispielen, ein zeichen dasz bereits die form mit vor- überwiegt, wie denn auch Hederich blosz vorsetzlich und Nieremberger nach seiner schreibweise nur vorsäzlich, vorsezlich hat. Weismann verzeichnet eben so wol fürsetzlich wie vorsetzlich. Kirsch aber, der nur fürsatz (s. d.) aufnahm, bringt auch allein, wie vor ihm Dentzler 2, 119a, fürsetzlich, eben so noch Matthiä, trotzdem dasz er, von seinem vorbilde Kirsch abweichend, neben fürsatz auch vorsatz und zwar dieses überwiegend hat (s. DWB fürsatz). später gilt schriftdeutsch allein vorsätzlich, und fürsätzlich dauert nur mundartlich fort. S. vorsätzlich und vgl. auch DWB fürsetzlich.
 
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fürsatzung, f. die handlung dasz sich jemand etwas vorsetzt, d. h. im sinne fest vornimmt, dann das was sich jemand vorsetzt, d. h. im sinne fest vornimmt. aber alle dise wort Toffano seiner eynfeltigenn fürsaczunge nicht bekeren möchten. Steinhöwel decamerone (Keller) s. 425, 244d, wobei auch auf bekeren mit einem gen. zu achten ist, der gleich der praep. von mit dat. steht; also Fortaringo grosze subtile listickeit betrübet und überwant Angioliere gte fürsaczung wie wol ein söliches mit der zeit von im nicht ungerochen beleybe. 561, 27, bei Boccaccio steht avviso.
abgeleitet von fürsetzen mit rückkehr zum ursprünglichen a. vgl. DWB fürsetzung.
 
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fürsaum, m. der rand, der an einem acker als nothwendiger spielraum für das umkehren des pflügenden gespanns entweder zu gras liegen bleibt oder zum schlusz in einer den eigentlichen beeten entgegengesetzten richtung umgepflügt wird. auch wol ein mit den beeten parallel laufender ungepflügt bleibender rand am acker. Schmeller 3, 246. 1, 555.

 

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