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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürpfand bis fürquet (Bd. 4, Sp. 786 bis 787)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürpfand, n. ein für ein anlehen voraus gegebenes pfand, ein unterpfand, eine hypothek. und darüber ze besser gewisheit haben wir jm ze furphant gesetzt unser aigen datz hard. monum. boica 2, 21; dasz jm der (es ist ein hof gemeint), als ain verschriben fürpfandt, mit gerichtshande solte eingeantwurt werden. 9, 308. s. Schmeller 1, 317. seine behausung darumben zu einem für- und unterpfand ... zuverschreiben anerbieten würde. bei Haltaus 558. auch ein einsatz auf eine bestimmte zeit beim verkauf eines liegenden gutes zur gewähr, dasz der verkäufer einen während jener zeit wegen des gutes etwa entstehenden process statt des käufers führen wolle. dieser einsatz bestand aus andern güterstücken des verkäufers und dieser muste wegen dieses fürpfandes so lange, als die gewährschaft dauerte, jedes jahr, um das gedächtnis derselben zu wahren, etwas liefern, z. b. ein huhn. übrigens konnte der verkäufer auch statt eines fürpfandes bewährte gutsteher oder bürgen stellen, doch muste dies so geschehen, dasz, wenn einer starb, unverzüglich ein andrer an dessen stelle trat. s. monum. boica 21, 269. Westenrieder glossar. 175. aus einem gut, worauf man rechtliche ansprüche macht, fürpfant nemen, einem daraus fürphant ertailen, fürpfant geben. monum. boica 25, 244. 246. s. Schmeller 1, 317. 318.
 
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fürpflicht, f., s. vorpflicht.
 
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fürplatten, auf dem blatte vorblasen, in angenehmer weise vorstellen, lockend vorstellen: da der Belial mit schnarchen, schnauben, trotzen, bochen, trowen nichts auszrichten kondte, stellet er etliche auff die spitzen des tempels, plattet jn für, sie weren gottgelerte unnd hochgelerte leute im ackerbaw gottes. Mathesius Luther (1566) 102a; ein ander leret und lase nur, was jm ander fürplatteten und einkeweten. 136a.
weil zusammensetzung mit blatten (s. d.), richtiger fürblatten.
 
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furplatzig, fürplätzig, adj. im sprechen voreilig, im sprechen übereilt, vorlaut, naseweis. östr. bair., s. Loritza 46b und Schmeller 1, 339, von welchen dieser die umlautende, jener die umlautlose form hat. seyd nicht fürplätzig mit worten. Gemeiner regensburg. chron. 3, 816, bei Schmeller a. a. o. Davon ein gleichlautendes adv.
Das einfache adj. platzig, plätzig ist von platzen, blatzen, ausplaudern, blaterare (Alberus dict. HH iija. s. DWB blatzen und

[Bd. 4, Sp. 787]


platzen), bletzen, pletzen, klatschen, schwatzen (Schmeller, 2. ausg. 1, 334), in gleicher weise abgeleitet, wie schwätzig, bei Alberus dict. G 4b schwetzig, von schwatzen, schwätzen. noch ist wetterauisch blatzen = ausplaudern landläufiges wort. hiernach bedeutet fürplatzig, fürplätzig ursprünglich: voreilig ausplaudernd, im voraus plauderig.
 
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fürpochen, voraus pochen, zuerst trotzig entgegentreten. auch fürpuchen: sollen den räubern auf den straszen, stegen und altwegen stracks nacheilen oder fürpuchen, wie sie dann zur eroberung der thäter für gut ansehen würde. Krenner bayr. landtagshandlungen 17, 142. 145. 18, 390. s. Schmeller 1, 276.
 
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fürprächtig, adj. vor andern glänzend und herlich, sich in äuszerem glanze hervorthuend. in früherer schreibung fürbrächtig. das (das hebräische wörtlein ariz ps. 36, 35) bedeut auch das er dazu thut: er brustet sich und war furbrächtig, thät sich herfur, was etwas sonderlich vor allen, macht sich breit und hoch, gleichwie ein lorbaum fur andern bäumen allzeit grunet und etwas sonderlich pranget fur allen. Luther br. 2, 81.
 
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fürprahlen, sich prahlend über einen andern oder andere erheben. für- und vorpralen, bei Stieler 1473. s. vorprahlen.
 
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fürprangen, mit prangen es einem andern oder andern zuvorthun, mehr prangen im vergleiche zu einem andern oder andern. bei Stieler 1473 »für- et vorprangen, seu pralen«, also in gleicher bedeutung mit fürprahlen (s. d.), vorprahlen.
S. vorprangen.
 
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fürpredigen, s. vorpredigen. drumb haben die alten den jungen nur fürgeprediget. Mathesius Sarepta (1562) 146a.
 
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fürpuchen, s. DWB fürpochen.
 
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fürquet, n., ein wort fremdländischer bildung, dessen bedeutung aus folgender stelle erhellt, in welcher, nachdem von 4 durch herzog Philipp Julius 1623 geworbenen compagnien geredet ist, die damalige tracht der musketiere angegeben wird so wie ihre bewafnung mit einer luntenflinte und einem degen: zur luntenflinte gehörte noch das fürquet, welches der soldat gleichfalls bei sich führen muszte. es war eine stange, oben mit gabelförmigem beschlage. wenn der soldat feuern wollte, stemmte er die kolbe der muskete an seine brust, stellte mit der linken hand das fürquet vor sich hin, legte die spitze der muskete auf die gabel des fürquetes und brachte dann die brennende lunte, nachdem er deren asche abgeblasen, in die geöffnete pfanne. in Wallhausens kriegskunst ist der musketier in allen stellungen bei der handhabung der muskete abgebildet. baltische studien 15, 37.
Rüstow 1, 297 schreibt furket. franz. eigentlich fourquette, abgeleitet von altfranz. fourque, gabel, zwiesel. s. DWB furke.

 

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