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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürpassieren bis fürpochen (Bd. 4, Sp. 785 bis 787)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürpassieren, sich vorüber begeben, vorüber kommen: wolte er ... auch alle und jede tag sie in dem bronnen der drey olivenbäum führen, daselbsten dann alle reysige fürpassieren

[Bd. 4, Sp. 786]


musten. Amadis 430, 933. im besondern auch: im rennen vorbeikommen oder vorüberkommen. folgendts legt er widerumb von neuwen wider den Galaor ein, welcher (dergleichen thuend, als ob er jhn empfahen wolt) gleich wie darvor sich beseits that und ohn allen verzug für passiert, und zum stercksten ... rennet, so lang dasz der ritter sein genommen ritt vollbracht. 365, 778; hierauff legten sie jre lantzen ein, rennten eylendts zusammen ... aber Florestan mit seiner lantzen noch gantz unnd one zerbrochen fürpassieret. nacher keret er gegen dem ritter umb. 426, 921.
In ähnlichem sinne steht fortpassieren, doch hat es mehr den: weithin vorüberkommen, vorüber kommen und weiter hin. umb dieses willen wartet unnd verhart Galaor nicht, sonder stach in sein pferdt und passieret fort. als dieses der ander ersahe, schrie er jm: o Federleshansz, jr fliecht. Amadis 365, 778.
 
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fürpassieren, n., der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. da er im fürpassieren ein klein fewer in ainem thal ersahe. Amadis 367, 782.
 
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fürpasz, statt fürbasz (s. d.), wo sich belegstellen finden, und über das p sieh vorhin fürpasser.
 
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fürpet, n. ein gebet das eine fürbitte ist, dann überhaupt was fürbitte. s. DWB bet. mit bewahrten strengahd. p (vgl.fürpete): wann dieselb pen erstatt ist an des übeltäters leib oder guoet oder mit seinem abpet oder durch annderr lewt fürpet. Berthold von Chiemsee theologey s. 41; nichtsweniger wirt dasselb fürpet und gotszdienst angelegt in gemain allen glawbigen. 579; so seinn auch kainer frömbder hilf oder fürpets bedürffend die erwelten geist zuo himel. ebenda; also haben Moyses unnd Aaron mit jrem fürpet dem volck ersprossen. 583; auch mit jrem fürpete von got erwerben. ebenda. eigentliche nhd. form würde fürbet sein.
 
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fürpete, f. was fürbitte. mit dem in süddeutschen mundarten erhaltenen strengahd. p (vgl. DWB fürpasser), denn die eigentliche nhd. form würde fürbete sein. s. DWB bete. vor denen (nemlich böser engel einflüssen) uns aber got der allmächtig behueett auf fürpete guoter engel. Berthold von Chiemsee theologey s. 161; hilf und fürpete. 279; solh fruhtbar fürpete. 583.
 
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fürpitter, m., eben so statt fürbitter, wie fürpet statt fürbet, fürpete statt fürbete. daʒ auch der fürpitter bey gott angenäm sey. Berthold von Chiemsee theol. s. 579, 8.
 
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fürpfand, n. ein für ein anlehen voraus gegebenes pfand, ein unterpfand, eine hypothek. und darüber ze besser gewisheit haben wir jm ze furphant gesetzt unser aigen datz hard. monum. boica 2, 21; dasz jm der (es ist ein hof gemeint), als ain verschriben fürpfandt, mit gerichtshande solte eingeantwurt werden. 9, 308. s. Schmeller 1, 317. seine behausung darumben zu einem für- und unterpfand ... zuverschreiben anerbieten würde. bei Haltaus 558. auch ein einsatz auf eine bestimmte zeit beim verkauf eines liegenden gutes zur gewähr, dasz der verkäufer einen während jener zeit wegen des gutes etwa entstehenden process statt des käufers führen wolle. dieser einsatz bestand aus andern güterstücken des verkäufers und dieser muste wegen dieses fürpfandes so lange, als die gewährschaft dauerte, jedes jahr, um das gedächtnis derselben zu wahren, etwas liefern, z. b. ein huhn. übrigens konnte der verkäufer auch statt eines fürpfandes bewährte gutsteher oder bürgen stellen, doch muste dies so geschehen, dasz, wenn einer starb, unverzüglich ein andrer an dessen stelle trat. s. monum. boica 21, 269. Westenrieder glossar. 175. aus einem gut, worauf man rechtliche ansprüche macht, fürpfant nemen, einem daraus fürphant ertailen, fürpfant geben. monum. boica 25, 244. 246. s. Schmeller 1, 317. 318.
 
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fürpflicht, f., s. vorpflicht.
 
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fürplatten, auf dem blatte vorblasen, in angenehmer weise vorstellen, lockend vorstellen: da der Belial mit schnarchen, schnauben, trotzen, bochen, trowen nichts auszrichten kondte, stellet er etliche auff die spitzen des tempels, plattet jn für, sie weren gottgelerte unnd hochgelerte leute im ackerbaw gottes. Mathesius Luther (1566) 102a; ein ander leret und lase nur, was jm ander fürplatteten und einkeweten. 136a.
weil zusammensetzung mit blatten (s. d.), richtiger fürblatten.
 
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furplatzig, fürplätzig, adj. im sprechen voreilig, im sprechen übereilt, vorlaut, naseweis. östr. bair., s. Loritza 46b und Schmeller 1, 339, von welchen dieser die umlautende, jener die umlautlose form hat. seyd nicht fürplätzig mit worten. Gemeiner regensburg. chron. 3, 816, bei Schmeller a. a. o. Davon ein gleichlautendes adv.
Das einfache adj. platzig, plätzig ist von platzen, blatzen, ausplaudern, blaterare (Alberus dict. HH iija. s. DWB blatzen und

[Bd. 4, Sp. 787]


platzen), bletzen, pletzen, klatschen, schwatzen (Schmeller, 2. ausg. 1, 334), in gleicher weise abgeleitet, wie schwätzig, bei Alberus dict. G 4b schwetzig, von schwatzen, schwätzen. noch ist wetterauisch blatzen = ausplaudern landläufiges wort. hiernach bedeutet fürplatzig, fürplätzig ursprünglich: voreilig ausplaudernd, im voraus plauderig.
 
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fürpochen, voraus pochen, zuerst trotzig entgegentreten. auch fürpuchen: sollen den räubern auf den straszen, stegen und altwegen stracks nacheilen oder fürpuchen, wie sie dann zur eroberung der thäter für gut ansehen würde. Krenner bayr. landtagshandlungen 17, 142. 145. 18, 390. s. Schmeller 1, 276.

 

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