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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürnehmlich bis furnieren (Bd. 4, Sp. 780 bis 782)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürnehmlich, adj. vorzüglich, hochansehnlich. fürnemlichste red, prothologus, sermo principalis. voc. inc. teuton. f 4a, wo aber auch furnamligeste, principalis. fürnemlich, principalis. Dasypodius 333c. 193d; praecipuus, furnämlich, furtrefflich. 191c und danach bei Serranus dict. t 5a fürnemlich. praecipuus, cardineus, cardinalis, specialis, specificus, singulus, sonderlich, furnemlich. Alberus dict. Ss 4a. sende menner aus, die das land Canaan erkunden, das ich den kindern Israel geben wil, aus jglichem stam jrer veter einen fürnemlichen man. 4 Mos. 13, 3; die alle fürnemliche menner waren unter den kindern Israel. 4; acht personen von jhren fürnehmlichen bürgern. Luther briefe 5, 798; gottes wort ist grösser und fürnemlicher, denn der glaube. dessen werke 4, 332a. später erlischt das adj., das überdies nicht häufig vorzukommen scheint

[Bd. 4, Sp. 781]


(s. auch das adj. vornehmlich). weit üblicher dagegen und viel länger im gebrauch ist das folgende adv.
 
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fürnehmlich, adv. , das erst im 15. jh. erscheint und von dem vorigen adj. abgeleitet ist. mhd. würde es vurnæmlîche gelautet haben. furnemlich, intelligibiliter, principaliter. voc. incip. teut. f 4a. Bedeutungen:
1) vorzüglich, vortreflich. furnemlich reden, meisterlich reden, autenticare, autorisare. voc. theut. v. 1482 i 7a.
2) aus und vor allem, vor allem, vor allem zuvörderst, über alles, vorzugsweise. in dém sinne ein im 16. und 17. jh. geläufiges wort. praecipuè, fürnemlich, zuvorausz. Alberus dict. Ss 4a. denn es (das evangelium Christi) ist eine krafft gottes, die da selig machet, alle, die daran gleuben, die Jüden furnemlich und auch die Griechen. Röm. 1, 16, vgl. 2, 9; aber darumb ist mir barmhertzigkeit widerfaren, auff das an mir furnemlich Jhesus Christus erzeigete alle gedult. 1 Tim. 1, 16; im buch stehet furnemlich von mir geschrieben, das (dasz) ich thun sol gott deinen willen. Ebr. 10, 7;

doch wil ich ...
dir kurtz und warhafftig erzeln,
wie das die götter thetn bestelln,
fürnemlich dasz der götter gaben
auff erd die leut nit mögen haben
ohn sunder arbeit, müh und fleisz.
H. Sachs I (1590), 181b;

durch den (es ist ein platzregen mit sturmwinden gemeint)
die schiff zerstrewet wassen (waren),
fürnemlich der Locröer schiff. V, 281d;

weils nun aber nicht simpliciter durchausz geschicht, sunder secundum quid von den fürwitzen predigkäutzen fürnemlich geschehen ist. Nasus Nasenesel 42b; eya da triffts fürnemlich die predigkautzen an. 43a. fürnemlich, praesertim. Mich. Neander bedenken 20b. fürnemlich, sonderlich, primo loco, praecipuè, in primis, prae ceteris u. s. w. Henisch 1302, 59. der apostel redet fürnemlich von der vorsorge für die seele. Schupp 188, aber sieben zeilen vorher da redet Paulus nicht vornehmlich von der vorsorge des leibs, wobei dasselbe gilt, was oben spalte 734 unter fürgehen 4) bemerkt worden ist; dasz das volck fürnemblich macht gehabt habe, tüchtige personen zu erwehlen oder untüchtige zu verwerffen. 643. noch Stieler 1364 hat das wort, ohne daneben vornemlich anzuführen, ebenso Dentzler, Weismann und Kirsch, während Rädlein und Nieremberger beide, fürnehmlich wie vornehmlich, jedes an seiner stelle, verzeichnen, Hederich und Crichton fürnehmlich oder vornehmlich ansetzen mit zahlreichen beispielen, in welchen blosz jenes erste vorkommt, Steinbach 2, 135 für-, vornehmlich mit beispielen für jenes wie dieses hat und Matthiä, gleich Kirsch, blosz fürnehmlich, doch in der dritten ausg. (1761) mit der bemerkung am schlusse, dasz vornemlich richtiger sei, was in der ersten ausg. (1748) noch nicht beigefügt ist. Frisch, sowol in seinem französischen wie in seinem teutschen wörterbuche, kennt nur vornehmlich, und Webers deutsch-lat. universalwb. (1770) 789a fügt zwar bei diesem worte bei siehe fürnehmlich, hat aber dieses selbst nicht besonders verzeichnet. in allen späteren wörterbüchern findet sich, wie bei Frisch, kein fürnehmlich mehr und Heynatz antibarb. 1, 435 erklärt ganz entschieden, es müsse »schlechterdings vornehmlich heiszen«. aus alledem geht hervor dasz fürnehmlich sich in der ersten hälfte des 18. jh., wenn es auch manche nicht mehr erwähnen, noch neben vornehmlich erhielt, dann aber, nach der mitte des jh., rascher schwindet, bis es mit beginn des achten jahrzehnts, in welchem die drei ersten theile von Adelungs wörterbuch erscheinen, ganz verdrängt ist, weshalb es auch dieser nicht mehr anführt. S. DWB vornehmlich.
 
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fürnehmlichen, adv. was das vorige fürnehmlich. mhd. eben so wenig nachzuweisen, wie dieses fürnehmlich; es würde vürnæmlîchen lauten. das wort erscheint erst im 16. jh.: darab sich meniglich erfrewet, fürnemlichen das schöne freuwlin Olinda. Amadis 257, 540; von welchem (dem frauenzimmer) sie gantz lieblich, fürnemblichen der königin, empfangen wurden. 257, 541; und dieses sagt sie lachend, und mit sonder lieblichkeit, fürnemblichen damit sie hiedurch jren bruder allein bey seiner bulschafft liesz. 259, 544; da sie (die drei ritter) mit grosser freud und besser empfangen wurden, wenn (als) lange zeit keine andere ritter, fürnemblichen, dieweil Galaor noch nie am selbigen gewest. 303, 642; den hohen, hertzlichen, guten eyffer, so unser allergnedigster herr und könig ... nicht allein gegen gemeinen nutz seines königreichs unsers allergeliebten vatterlandts, sonder auch fürnemlichen zu erhöhung unnd mehrung der ritterschafft ...

[Bd. 4, Sp. 782]


gnedigst tregt. 322, 686. eben so wol kommt in diesem werke aber auch fürnemlich vor, dem gegenüber fürnemlichen bald erlischt, so dasz dieses im 17. jh. kaum mehr sich finden dürfte.
 
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fürnehmung, f. , das subst. der handlung von fürnehmen sp. 776. es bedeutet
1) das nehmen vor augen oder vor die hand zur behandlung, beschäftigung u. dgl. s. DWB fürnehmen I 2).
2) das fassen in die augen zur that mit ausführung derselben. s. DWB fürnehmen I 4).
3) das bewirken dasz jemand vorkommt oder erscheint zur vernehmung, prüfung, ausforschung, zu einem verweise u. s. w. die fürnehmung vor gericht. s. DWB fürnehmen I 5).
4) eine gefaszte richtung des willens zu etwas, eine entscheidung des willens zu einer handlung. s. DWB fürnehmen I 6) und III 1). propositum, furnemung, fursatz. Eychman q 7a; pretextu justicie fecit, furnemung halb. q iiija. institutum, ein fürnämung. Dasypodius 231d; fürnemmung. 389b. nach jenem fürnämung ist dann fürnemung bei Serranus dict. z 6b gesetzt. in gleichem sinne hat auch noch Rädlein 313a fürnehmung.
5) unternehmung. s. DWB fürnehmen I 6) und besonders fürnehmen n. 3) sp. 780. fürnemmung, conatus et conamen. Dasypodius a. a. o.; susceptio, underwindung und fürnemmung. Frisius (1556) 1279a und danach dieses letzte wort bei Maaler 149c. auch diese bedeutung hat Rädlein a. a. o., wenn er das wort durch franz. entreprise übersetzt.
6) überhebung. presumptio, hoffart, furnemung, vel hoffertig gedenck, unvernunfftig vermessung, übergreiffung u. s. w. Eychman q iijb. s. DWB fürnehmen II 2).
 
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fürnen, n., s. DWB fürnehmen n. sp. 779.
 
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furner, n., s. furnier.
 
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furnichten, was vernichten. warumb verleuckestu Christum und furnichtest, schendest und lesterst ihn? Laurentius Döner bei Luther 6, 334a. es ist, ins hochdeutsche umgebildet, das mitteld. vornichten, dessen vor- mit unserm hochd. ver- zusammenfällt.
 
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furnier, n. bei dem schreiner oder tischler dünngeschnittene feine holzblätter, mit welchen er eine von ihm gefertigte künstliche arbeit, ein von ihm künstlich gefertigtes geräth auslegt oder belegt. Krünitz 15 (1786), 474. Adelung. bei Sperander 267b fornier. früher bei Henisch 1304, 3 furner. ein, wie es scheint, erst im 18. jh. bei jenen handwerkern aufgekommener, von furnieren abgeleiteter ausdruck.
 
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furnierarbeit, f. bei dem schreiner oder tischler eine von ihm gefertigte und mit dünngeschnittenen feinen holzblättern, oder mit silber, perlmutter, schildpat, elfenbein u. dgl. zu bildern und figuren aus- oder, was dasselbe ist, eingelegte, auch im ganzen mit solchen blättern belegte arbeit. auch furnierte arbeit, völlig deutsch eingelegte arbeit. Jacobsson 1, 512b. vgl. furnier.
 
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furnierblatt, n. ein dünngeschnittenes feines holzblatt zum »furnieren«. s. furnieren 2) und furnier.
 
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furnieren , bei Sperander 267b forniren, ein, wie unten die stelle von Mathesius zeigt, schon im 16. jh. vorkommendes wort, entlehnt aus ital. fornire, franz. fournir, versehen, versorgen, verschaffen, dargeben, ausstatten, das, wie es nach provenzal. formir, furmir, vollbringen, ausführen, befriedigen, ein genüge thun, neben fornir und nach dem freilich blosz ital. fronire neben jenem fornire allen anschein hat, aus ahd. frumjan, fördern, vollbringen, schaffen (s. DWB frummen), hervorgegangen ist, indem diese bedeutungen leicht in die angegebenen versehen, versorgen, verschaffen übergehn konnten. s. Diez wb. der rom. spr., 2. ausg., 1, 189. Bedeutungen.
1) versorgend dargeben, versehend dargeben, an die hand gehend geben, vorschieszen, vorstrecken, verschaffen. mit acc. der sache und dat. der person: einem die kosten furniren, praebere alicui sumtus. Hederich (1753) 955. Nieremberger Bbb 1d; einem geld fourniren, subministrare alicui pecuniam. Nieremberger ebenda. beide, Hederich wie Nieremberger, verweisen dabei auf darreichen und geben. dieselbe verweisung mit hinzufügung der auf vollstrecken hat dann Weber in seinem deutsch-lat. universalwb. 308b bei fourniren, praebere, subministrare, suppeditare alicui aliquid. namentlich kommt das wort bei den kaufleuten vor in dem sinne von vorschieszen, vorstrecken, leihen, anschaffen, mit waaren verlegen (s. verlegen). Krünitz 15 (1786), 474.
2) bei schreinern oder tischlern so wie bei drechslern und andern holzarbeitern: mit dünngeschnittenen feinen holzblättern auslegen oder im ganzen belegen, auch mit silber, perlmutter, schildpat, elfenbein u. dgl. auslegen oder einlegen. Krünitz. Adelung. Jacobsson 1, 808bf. vgl. auch Karmarsch handb. der mechan. technol.,

[Bd. 4, Sp. 783]


3. aufl., s. 790. bei Weber deutsch-lat. universalwb. (1770) 308a fourniren = »eingelegte arbeit machen« mit dem belege fournirter schrank, scrinium vermiculatum. daher die hoffart kompt, dasz man (1562: daher die leidige vergebne und schedliche hoffart, nun) hausz unnd stuben decken mit golt beschmiert, kupffer vergüldet (1562 verguldet), und die stuben mit dünnen (1562 dünnem) flader furnieret. Mathesius Sarepta 54a (vgl. flader), aber in der ausgabe von 1562 75b formiret, welches schwerlich durch anlehnung an formieren (3, 1901) gesetzt ist, sondern vielmehr an die oben angegebenen provenz. formen formir, furmir erinnert. zu der furnirten arbeit schickt sich, sowohl auf nuszbaumart, an tischen, schränken, bretspielen und commoden, als im schattieren der laubwerke und figuren, unter den einheimischen landhölzern das ahornholz am vorzüglichsten und nach diesem das birn-, weiszbüchen und elsenholz. Krünitz a. a. o. Vgl. furnier.

 

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