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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürnamen bis fürnehmen (Bd. 4, Sp. 773 bis 778)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürnamen, häufiger fürnamens, fürnames,adv. vorzugsweise, eigentlich, im vollen sinne des wortes, ganz und gar, penitus, omnino. ahd. furnomenes (aus Reichenauer glossen bei Graff 2, 1078), bei Notker durch ausstoszung des en furnomes, furenomes, mhd. mit senkung des o zu a oder aus misverstand, weil man sich die bildung nicht mehr zu erklären wuste und deshalb an das im klange nahe liegende subst. name dachte, vürnamens, vürnames, vürnams, aber auch unorganisch mit abfall des s vürnamen, als wenn vür mit dem acc. sg. jenes name gefügt wäre, was doch nicht ist. denn in jenem ahd. fürnomenes, eigentlich in strenger schreibung furinomanes, läszt sich, worauf schon gramm. 3, 90 hingewiesen wird, der gen. sg. neutr., vielleicht auch masc. von furinoman, furenomen, dem part. praet. von furi nëman, unserm nhd. fürnehmen (s. d.), erkennen. s. Wilh. Wackernagel wb. zum altd. leseb. 359b. das wort ist im mhd., wo auch vornamenes, vornamens, vornames, vornams sich findet, mit abschwächung der ersten silbe vernames (vgl. vergut, verlieb, verübel), selbst vernemes, sehr geläufig und dürfte sich auch noch hier und da ins nhd. verloren haben. einen beleg aber vermag ich weder aus Diefenbachs glossarium noch aus irgend einer schrift beizubringen, die der zweiten hälfte des 15. oder dem 16. jh. angehört.

[Bd. 4, Sp. 774]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürnamlich, adj., was das adj. fürnehmlich (s. d.). furnamligeste, principalis, praeeminentior. vocab. inc. teuton. f 4a. soll es wol eine ohne umlaut des a gebliebene form für fürnehmlich sein. welches mhd. vürnæmelich gelautet haben musz?
 
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fürnämlich, adv., s. das adv. fürnehmlich. unnd zm beschlusz, das (dasz) man fürnämlich gott die ehr geb und sprech: wer ist der, so auch dem meer und wind gebeut? Nasus kriegs- u. siegspredig E 5a; fürnämlich die catholischen sein geplagt worden. L iiijb; (wann man nur) in allen sachen, furnämblich nach der göttlichen hülff, an betrug trachtete und nicht also mit pur weltlichen practicken umbgieng. C 5b.
 
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furne, f. cyprinus leuciscus, der weiszfisch. um das auslautende e verkürzt furn. leuciscus, furn. Golius onomast. (1579) 299 = (1590) 374. Frisch 1, 309a.

vil furnen, karpfen und schnotvisch.
Wickram irr. bilger 17 (E 3).

ein furn ist wie auch der rottel, winterzeit aber ist er sehr gut. Feierabend fischweidwerk 72b.
 
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fürne, adj., für firne (s. 3, 1675). um das auslautende e verkürzt fürn. mit ü für i. versehen mit ... grawbebartetem röschem wein von fürnen und heurigem. Fischart Garg. 57b (1608 G ija); that darauff ein guten trunck fürnewein. 238a (vgl. 1608 Ee 8a. Scheible 446);

ja was musz es für ein wein sein,
ein fürner oder ein ablasz.
Ayrer 78a;

aus den alten und fürnen nüssen wird ein öl gepresst. Tabernämontanus kräuterb. 1384, übrigens schreibt er gewöhnlich firn. auch bei Hulsius 51a, der fürne und fürnerwein hat.
 
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fürnehm, n. was fürnehmen n., vornehmen n.

wer recht z tn den willen hett
der acht nit, was eyn yeder redt,
sunder blyb uff sym fürnem stiff (steif),
ker sich nit an der narren pfiff.
Brant narrenschif 41, 15.


ob gekürzt aus fürnemen, fürnemn n.?
 
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fürnehm [fürnem], adj. , s. das adj. vornehm. ahd. noch kein furinâmi, aber mhd. vürnæme, fürnæme, in mitteld. quellen vornæme, vornême, d. i. unser heute schriftdeutsches vornehm (s. d.). zusammengesetzt aus dem adv. für und dem mhd. nur in zusammengesetzten adjectiven als letztes wort stehenden næme, das aber ahd. als selbständiges adj. in dem sinne von »genehm« erscheint, freilich spärlich genug, denn es findet sich nur O. I, 9, 20 und N. ps. 81, 1, in welcher letzten stelle der comp. gesetzt ist. goth. nêms dagegen kann wieder nur in einer zusammensetzung nachgewiesen werden, nemlich in andanêms, angenehm, wolgefällig, gnädig, von andniman (s. angenehm).
fürnehm, bei Dasypodius, Serranus fürnem, bei Frisius, Maaler fürnäm, doch bei dem letzten im superl. fürnembst, bei Henisch fürnemm, fürnem, lebt noch mundartlich, z. b. bair., wetterauisch u. s. w., fort. schriftdeutsch dagegen scheint, nach Stieler 1364, der vornem und nur nebenbei fürnem in der fürnemste herr hat, bereits in der zweiten hälfte des 17. jh. vornehm vorherschend. doch verzeichnet noch im 18. jh. Dentzler 118b nur fürnemm, fürnem, und Kirsch zieht, indem er bei vornehm auf fürnehm kurz verweist, offenbar dieses vor. Rädlein und Weismann führen fürnehm wie vornehm an, und Steinbach 2, 134 setzt eben so wol das eine als das andere, jedoch bei Nieremberger wiegt vornehm vor, und Hederich (1753), der sp. 991 fürnehm oder vornehm hat, verweist zwar bei vornehm sp. 2542 auf fürnehm, fügt aber die bemerkung bei: schreib aber doch auch lieber vornehm, dafern du vor und für nicht allerdings mit vielen für eins ansehen wilst. damit stimmt auch der sonst immer Kirsch nachtretende Matthiä, wenn er in der ersten auflage seines lexicons (1748) 2, 152a unter fürnehm die form vornäm als richtiger bezeichnet, was er auch in der dritten auflage (1761) 2, 160b, in der er vornehm schreibt, beibehält, doch gleich zu anfange des artikels »fürnehm, vornehm« setzt. Weber deutsch-lat. universalwb. 319 verweist bei fürnehm ohne weiteres auf vornehm. Heinrich Braun in seinem deutsch-orthographischen wb. 105b bezeichnet jenes als falsch, und Heynatz antibarb. 1, 435 verwirft es geradezu. überhaupt führen in den beiden letzten jahrzehnten des 18. jh., wie schon vor der mitte desselben Frisch 2, 13b und später Adelung, fürnehm gar nicht mehr an, und schriftsteller setzen es, wie unten die beiden stellen von Schiller (aus Wallensteins lager) zeigen, fast nur noch in volksmäsziger rede. als schriftdeutsch gültig wird in und seit jenen jahrzehnten allein vornehm angesehen.

[Bd. 4, Sp. 775]



Bedeutungen:
1) sich voraus nehmend, verwegen.

ob ich euch gern zu hilfe kem,
man sprech (würde sprechen), ich wer selbs also furnem,
die fursten wurden mir gehasz. fastnachtsp. 548, 32.


2) vor anderen oder anderem ansehnlich, vorzüglich, ausgezeichnet, hauptsächlich. furnemer oder meisterlicher, autenticus. voc. theut. v. 1482 i 6b, in demselben sinne aber in einem vocab. v. j. 1419 fürgenæm (s. Schmeller 2, 693). der fusz beneidet och das herz nit, welches gar ein fürnemer ampt hat weder er. Keisersberg pred. (Straszb. 1508) 110a; ich. wil den bogen Elam zubrechen, jre furnemeste gewalt. Jer. 49, 35, in der vulgata summam fortitudinem eorum; und hilet jn fur seinen furnemesten freund. 1 Macc. 11, 27; es war der furnemesten schriftgelerten einer Eleasar. 2 Macc. 6, 18; dis ist das furnemest und gröste gebot. Matth. 22, 38; das furnemest gebot fur allen geboten ist das. Marc. 12, 29, vgl. v. 28; die furnemen artikel. Melanchthon an Albrecht ep. 7; dieses soll das furnemist end und ziel seyn loblicher regierung. dessen anrichtung der lat. schul b 1a; wie wol nu die gemelten ursachen die furnemisten sind. b 2a; diser punct ist stracks wider den fürnembsten und haupt grund des Luthers und aller lutrischen. Eck christenl. underricht 14b; es seind vier fürnemme wind. Frank weltbuch 3a; die euphonia, das ist des lauts wolstand und lieblicheyt, die diser ding fürnämste meisterin und lererin ist, soll hie auch gelten. Ickelsamer gramm. C 5b; die fürnembsten nomina. Mich. Neander bedenken 20b;

dann er (es ist Jesus gemeint) ein gar fürnemmer man
der uns und andren helffen kan.
Funckelin Lazarus B 1a;

er war der weisest und fürnemmest auff das kriegen. buch d. liebe 281, 1; fürneme, glaubwirdige, bewerthe scribenten, scriptores classici, autores. Henisch 1302, 50; ein fürnehmer gelehrter mann. Olearius pers. rosenthal 4, 4 u. 7, 19, an der ersten stelle in der ausg. von 1775 erklärend geändert in ein angesehener gelehrter; o tod wie bitter bist du einem reichen menschen? das ist das fürnehmst, mit welchem sich die übelgewunnene reichthum peinigen. Schuppius 699; der furnehmste sinn, das gesicht. Butschky Patmos 392; es ist meine fürnehmste sorge, nihil mihi antiquius aut prius. Kirsch (1723) 2, 125a. noch bair. ein fürnehmer ochs, brantwein, rock u. s. w., ein vortrefflicher. Schmeller 1, 693. in der Zips fürnæm, fie'næm, schön. Schröer nachtr. 27a.
3) äuszeres ansehen habend, ansehen und würde habend, das was ansehen und würde gibt habend. so volksmäszig:

spreizen sich, werfen sich in die brust,
thun als wenn sie zu fürnehm wären,
mit dem bauer ein glas zu leeren.
Schiller 320a.

insbesondere: an rang oder stand hoch angesehen, von rang oder stand hochstehend. und Asarja der priester, der fürnemest im hause Zadok. 2 chron. 31, 10; und die zal der fürnemesten veter unter den starcken kriegern war zwey tausent und sechs hundert. 26, 12; Michael der furnemesten fursten einer. Dan. 10, 13; und nam der furnemesten leute kinder zu geisel. 1 Macc. 9, 53; der furnemesten weiber nicht wenig. apostelgesch. 17, 4, in der vulgata mulieres nobiles; mit den heubtleuten und furnemesten menner der stad. 25, 23. orchestra, die brüge oder platz mitten im schawhausz, theatro, auff welchem die fürnemesten herren und rathsleüt ihre sitze hatten und auff welchem auch die spilleüt jre geberden und übung triben. Dasypodius 163c und danach mit einigen unwesentlichen abweichungen Serranus dict. r 1a, der fürnembsten schreibt. principalis, das dem fürsten zu gehört, fürnem, fürstlich. Serranus dict. t 7a.

bey Jove dem fürnembsten gott.
Spreng Ilias (1610) 91b;

wann fürnehme und frembde leut ihn besucht haben. Schuppius 149; die fürnembste in patria beförderen und haben ihren anhang. 548; fürnehme herrenheuser. Butschky Patm. 424, wo fürnehme zu herren gehört. führnehmste stadt, hauptstadt. Rädlein 313a.
früh nhd. wird fürnehmer auch als ehrenwort in dem titel eines rathsmitgliedes, eines bürgermeisters gesetzt:

ihr edln weisen und fürnemen (anrede an Roms rathsherrn),
eurm ampt und stand will gezemen
auff gmeine statt (stadt) zu geben acht.
Ayrer 1, 78c.

später in dem titel eines kaufmannes, eines groszhändlers (Stieler 1364), noch in der zweiten hälfte des 18. jh. eines fürstlichen fechtmeisters, eines kauf- oder handelsmannes. s. die adjective vornehm und wohlfürnehm.

[Bd. 4, Sp. 776]



4) äuszeres ansehen zeigend, würde und ansehen zeigend, das was würde und ansehen eigen ist an sich habend. so bei Schiller 324a (Wallenst. lager 7) in volksmäszig gehaltenem ausdrucke:

mit dem helm da und wehrgehäng
schlieszt er sich an eine würdige meng,
musz ein fürnehmer geist jetzt in ihn fahren.

insbesondere: hohen rang oder stand im äuszern zeigend, sich hohes ansehen gebend, das was hohem ansehen eigen ist an sich habend. fürnehmes leben, fürstliches brod. volksmäszig als überschrift eines abschnittes in Auerbachs frau professorin.
 
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fürnehm, adv., s. das adv. vornehm.
 
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fürnehme, f. hohes ansehen und würde, hoher stand und würde. von dem adj. fürnehm. in titeln. so kommt nach dem 1556 zu Frankfurt a. M. gedruckten formular, allerlei schriften u. s. w. zu stellen, 5a einem kanzler und rath des kaisers u. s. w. zu ewer fürnemen und hocherbarkeyt. vgl. das adj. vornehm.
 
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fürnehmen , s. vornehmen. ahd. furi nëman, s. unten. bei Dasypodius, Frisius, Maaler fürnemmen, bei Serranus im dictionar., Alberus, Henisch fürnemen. der letzte hat auch 1303, 28 neben einander fürnemen, vornemen, eben so Stieler 1364 »fürnemen, et vornemen«, Steinbach 2, 134 »für et vorgenommen «, also für- wie vornehmen. Rädlein, Dentzler, Hederich verzeichnen fürnehmen und vornehmen, jedes an seiner stelle im alphabete, ohne eins zu bevorzugen, während Weismann, Kirsch, Matthiä bei vornehmen schlechthin auf fürnehmen verweisen, Nieremberger am ende des diesem gewidmeten artikels s. vornehmen beifügt, aber Frisch 2, 13a und Weber in seinem deutsch-lat. universalwb. 319a diese hinweisung bei fürnehmen ohne weiteres setzen. spätere wörterbücher führen dann, wie vorher bereits Ludwig, fürnehmen nicht mehr an, zumal da vornehmen schriftdeutsch allein gültige form geworden war.
I. transitiv, mit beigesetztem acc.
1) vornhin nehmen.
2) vor sich nehmen, vor augen nehmen, vor die hand nehmen zur behandlung, beschäftigung u. dgl. im besondern: vor gericht verhandeln, gerichtlich verhandeln. obe der judde it billich solichen furgnomen frabel selbst verbuszen solle. urk. v. j. 1486 in Thomas oberhof s. 417, fortsetzung der zweiten unter 5) angeführten stelle.
3) zur that nehmen und gebrauchen, zur that nehmen und anwenden. in beziehung auf werkzeuge und mittel. dann diser ritter ... die gemainen instrument, männer zfellen, fürnimbt. Nasus Nasenesel 54b.
4) vor sich nehmen im kampf u. dgl., ins auge fassen zur that mit ausführung derselben. Dramis name (bei dem anrennen der ritter gegen einander) den Amadis für unnd erreichet jhn also, dasz er jhm den schilt durchrennet. Amadis 420.
5) vorkommen machen zur vernehmung, prüfung, ausforschung, zu einem verweise u. s. w., aber auch so viel als belangen, vorladen, citieren. wie er, als er synen gesasten gerichtstag zu Roitwyle geyn syner wiederparthy verhutten wulte, von unserer gnedigen fruwen von Osterich ungnediglich furgenommen und zu gefengnisz gelaicht wurde. urk. v. j. 1466 in Thomas oberhof s. 388; dwile der judde jne (ihn) eyns frabels (frevels) halber, er an jme begangen haben solle, gerichtlich furgenomen gehayt habe und des mit ortel und recht unschuldig funden sy. urk. v. j. 1486 ebenda s. 417; also dasz ein jeder in dem gerichte ... fürgenommen ... würde. landgerichtsordnung v. j. 1521 30. mit recht fürnehmen, vor gericht laden, citieren, vor gericht kommen machen, in jus vocare: ain yeder der einen andern mit recht fürnemen will, der soll zuvorderst bey dem richter ansuchen. Nürnberger reformation 1564 6a.
6) mit entscheidung des willens zur ausführung vor sich nehmen, mit entscheidung des willens zur ausführung beginnen, mit entschiedenem willen thätig beginnen, durch entschlusz im sinne haben. sie werden nicht ablassen von allem, das sie furgenomen haben zu thun. 1 Mos. 11, 6; auff das gantze Israel höre und furchte sich und nicht mehr solch ubel fürneme unter euch. 5 Mos. 13, 11; auff das die andern hören, sich fürchten und nicht mehr solche böse stück furnemen zu thun unter dir. 19, 26; merckt und sehet, wie böse ers furnimpt. 1 kön. 20, 7; und da sie zu Salomo kam, redet sie mit jm alles was sie im sinn hatte fürgenommen. 2 chron. 9, 1; was nimpt dein hertz fur? was sihestu so stoltz? Hiob 15, 12; was du wirst furnemen, wird er dir lassen gelingen. 22, 28; welchs ich itzt gleich unverschampt fürneme zu volbringen. Luther 1, 6a; in zeyt fürgenommenen und werenden Türckenzugs. königin Marie wider den herzog von Cleve b iija;

was unser münch hat fürgenomen.
Fischart v. s. Dominici P 1b;

[Bd. 4, Sp. 777]


meinest du dasz ich mein urtheil felschen und etwas anders fürnemmen wölle, denn disz, so ich bey mir selbs entschlossen. Amadis 186; aber ich, sagt die ander, wil einen andern weg fürnemmen. 128; wenn jr herberg finden wolt, so müszt jr diesen fürgenommen weg verlassen. 63; namen jren weg, von dem sie abgewichen, widerumb für. 296; bisz er zu eim zwerchweg kam, daselbst er nicht wissen oder abnemmen mochte, welchen er under denselben zweyen furnemmen solt. 235; und bedunckte mich das best, dasz jr diese euwer fürgenommene weisz underliessen. 221. aber im Amadis findet sich auch, z. b. s. 298, 632, vornemen.

und uns besprachen der gebür,
was sey im krieg zunemen für.
Spreng Il. (1610) 318b.


mit einem inf. mit zu an der stelle des acc. oder einem diese stelle einnehmenden durch einen inf. mit zu gebildeten satze: niemands auszgenommen, der darwider zu handeln oder zu thun fürnehme. reichsabsch. v. j. 1512 §. 3; darumb die ritterschaft, der frawen verwant, furnemen thun möchten, jre gesipte freunde zu erledigen. Chmel urk. Max. I. 35; dieser Clemens nam für, da er noch hofemeister Leonis war, seinen geitz (das unmüglich war) zu settigen. Luther 1, 491b;

wenn sie (die frau) bullbrieff (buhlbriefe) zu schreibn fürnumb,
so schüt er jhr die dinten umb.
H. Sachs II (1591). 4, 66a;

also nam er eins tags für, erlaubnusz zu nemmen von seinem herrn, sein vatter und mutter zu besuchen. buch d. liebe 41, 2.
7) bestimmen. rathschlagen, wie man die obberürten furgenommen ordnung in wesen bringen, behalten und der vollstreckung mache. abschied des reichsregiments v. j. 1501 §. 1 (2, 94). dann: für das amt bestimmen, in das amt einweisen. haben ... zwo und zwanzig personen ... zu unserm regiment im römischen reich geordnet, gesetzt und fürgenommen. reichsabsch. v. j. 1521 §. 1 (2, 172); die fürgenommene und geordnete hauptleut. erklär. des landfr. v. j. 1522 31.
II. intransitiv gesetzt.
1) zuvorkommen, hindernd oder vorbeugend vorauskommen. fürnemen et vornemen, anticipare, praeripere. Stieler 1364. mit dat. der person oder sache: wo nun solche kranckheiten seind, so soll der artzet auch ein wissen darvon haben, dasz also wirdt müssen fürgenommen werden dem zorn. Paracelsus 1, 702c.
2) sich herausnehmen, sich gröszere freiheit erlauben als zukommt oder zusteht. presumere, furnemen, vermessen. Eychman q iijb. vgl. fürnehmigkeit 1), fürnemischheit und fürnehmung.
3) darauf bedacht sein, darauf aus sein. mit einem eine absicht bezeichnenden satze: alsdann soll der hauptmann in dem bezirck, da die thäter, ihre helffer oder anhänger wohnen oder seynd, mit samt seinen zugeordneten, zusammen kommen, rathschlagen und fürnehmen, damit der landfried gehandhabt und die beschädiger gestrafft werden. reichsabsch. v. j. 1512 §. 8; rathen, fürnehmen und helffen, damit solch urtheil vollnzogen werde. ebenda §. 9. übrigens kann dieser satz auch durch einen inf. mit zu oder um zu gebildet sein.
III. reflexiv sich fürnehmen.
1) in der vorhin unter 6) angegebenen bedeutung von fürnehmen. hier steht das reflexive pronomen im dat. und als object der acc.: ich neme mir keine böse sache fur. ps. 101, 3; ich hab einen tag der rache mir furgenomen. Jes. 63, 4; nim dir etwas fur zu erbeiten. Sir. 31, 27; der ihm viel fürnimmt, aber bald müd ist. Dentzler 2, 118a mit einem satze statt des als object stehenden acc.:

doch hab ich mir fürgnommen heut,
ich wöll einen guten muth haben.
H. Sachs I (1590), 358b;

und haben da mit hertzenleidt
gesehen desz kaisers abscheidt
und unser schwester, der keiserin,
jhr fürgnommen (= die sich fürgenommen), das (dasz) sie vorthin
in dem kloster Confugia
wöll jhr leben zubringen da u. s. w.
Ayrer 144a;

und hab mir fürgenommen, dasz, so lang ich lebe, solle allezeit am sontag des mittags ein armer mensch brod in meinem hausz essen. Schuppius 188. mit einem durch einen inf. gebildeten satze: iunckfrawe ... grosses leydes halben sich mit jr selbes bedacht und jr fürnam nit lenger auf erden wöllen leben. Steinhöwel decam. (Keller) 322, 7. besonders wenn der inf. ein inf. mit zu ist: beyd sein grosz freünd und

[Bd. 4, Sp. 778]


günner waren, doch in fürnamen und sich ... berieten im eyn schalckheit ze thn. 401, 25; ich habe mir furgenomen ein haus zu bawen. 1 chron. 29, 2; wenn einer aber jm fest furnimpt ... und beschleusst solches in seinem hertzen, seine jungfraw also bleiben zu lassen, der thut wol. 1 Cor. 7, 37. weil ich (Witzel spricht) mir fürgenummen hab, den Luther anzugreiffen. Alberus wider Witzel K 5a;

fürnam jhm auch in disen nöten
von jr (der stolzen jungfrau) zu wenden all sein gunst.
H. Sachs I (1590), 124b;

ich het mir fürgenommen
zu dienen stetiglich. Gassenhauerlein (1535) nr. 13;

jm fürnemmen und sich rüsten einem handel nachzetrachten. Frisius (1556) 711a und danach Maaler 149b; damit die junge vom adel jnen fürnemmen, dem tugenthafften nachzufolgen. Amadis 138; dieselbige (freude) nu desto mehr zuerzeigen, nam er jm für, zu jhrer ankunfft königlichen unnd herrlichen hof zu halten. 298.
auffällig mit acc. des reflexiven pronomens statt des dat.: hielte ich darfür mich mit gegenwertigem schreiben nichts ungefügtes fürzunemmen. Fischart ehzuchtbüchlein 2;

ihr nam (hab ich mich fürgenommen)
soll nicht uff meine lippen kommen.
Ulenberg ps. s. 49, str. 3;

dem hab ich also nachzkommen
mich fürgenommen. dessen ps. s. 52 str. 3;

darum hab ich mich fürgenommen,
mit meinn brandopffern einzkommen. dessen ps. s. 266 str. 12.


In gleichem sinne, wie sich fürnehmen, steht für sich nehmen: welches alles keyserliche mayestat gesehen unnd gemerckt haben, hat er für jn genommen, solches zu rechen. röm. kaiserl. maj. glück und sieg wider den herzog von Cleve ija, = sich fürgenommen. auch mit vollständigem satze statt des durch einen inf. mit zu gebildeten: Arsace hat für sich genommen, mag feuwer nicht tödten, so sol es doch an stricken, schwerdt und wasser nicht fehlen, und solte man ein unerhörte neuwe pein und todt erdencken. buch d. liebe 217, 2.
2) sich denken, sich vorstellen, sich einbilden: wer da im glauben zweivelt, der neme es im nicht für, das er etwas von gott empfahe. Luther 1, 87b; wir müssen nicht, wie die rottengeister, uns fürnemen, das uns gott on mittel und on sein wort im hertzen tröste. 5, 50b; dann es sind vil wort in der geschrifft, die mögen zogen werden auf den synn, den jm ein yeder fürnimpt, es msz aber nit also sein. J. Eck christenliche unterricht (Ingolstadt 1533) 14a. nempt euch für ein schlacht, darinn zwentzig tausend mann geschossen mit pfeilen und kuglen werden. Paracelsus 1, 713a.
3) sich vorweg nehmen, vorweg an sich nehmen. mhd.

dër dritte (nemlich finger, der mittelfinger) heiʒet ungezogen wande ër îlit sich furnëmen,
suare diu hant reichetaller êriste ër iʒ pegrîfet. genesis (Hoffm.) 14, 11.


4) ahd. sih fure nëmen hat die bedeutung: sich hervorthun, sich auszeichnen, hervorragen, praecellere, eminere. N. Boeth. 68. 101. 191. nhd. furgenger oder furgeender oder furnemender, principalis. voc. theut. 1482 i 6a. vgl. DWB fürgänger 3), fürgehen 4) und fürnehm. in dem sinne ist fürnehmen später erloschen.
Zum schlusse noch die bemerkung, dasz das part. praet. mundartlich auch fürgenummen lautet.
 
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fürnehmen, n. , der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. im 16., 17. jh. und selbst noch bis in die erste hälfte des 18. jh. sehr geläufig. bei Dasypodius 333c fürnemen. propositum, das fürnemen. Alberus dict. Ee 1a; argumentum, ein furnemen, sach, handel. ebenda. bei Frisius und Maaler fürnemmen, aber bei Henisch, wie vorhin bei Dasypodius, fürnemen. Stieler 1364 hat »die, et das fürnemen«, also das wort auch als femininum, was völlig ungewöhnlich ist und als verwerflich erscheint. Rädlein, Hederich verzeichnen fürnehmen und vornehmen, jedes an seiner stelle, ohne bevorzugung des einen vor dem andern, während Dentzler, Weismann, Kirsch nur fürnehmen anführen, Nieremberger Ddd 1b zwar fürnehmen aufnimmt und die lateinischen ausdrücke beisetzt, aber auf vornehmen verweist und sonach dieses für das üblichere erklärt, endlich Matthiä schon in der ersten aufl. seines lexicons 2, 152a bei fürnehmen unmittelbar noch das vornehmen setzt, wie noch vor ihm Steinbach 2, 135 für-, vornehmen. spätere wörterbücher enthalten fürnehmen nicht mehr, ein zeichen dasz es von vornehmen, welches allein bereits bei Frisch 2, 13b verzeichnet ist, mit den

[Bd. 4, Sp. 779]


siebziger jahren des 18. jh. aus der schriftsprache gänzlich verdrängt war. heute dauert es nur noch mundartlich fort.
Nun zu den bedeutungen.
1) die allgemein übliche ist: die in der seele gefaszte festigkeit zu einer ausführung, die entscheidung des willens zur ausführung.

ir bösz furnemen und anschlag.
Brant narrensch. 32, 6;

ich will nur ain argument daruss nemen, das den Juden gar nach all ir furnemmen mag brechen. Reuchlin augenspiegel 7b; in der theologi ist der thalmud an vil ortten unser handthab wider der Juden unglaubigs fur nemmen. 9a; dasz wir ... unser ... fürnemen mit guten staten nit haben mogen volnstrecken. reichsabsch. v. j. 1507; dein belohnung soll sein, alsz dein thorecht fürnemen verdientt. Wirsung Cal. (1520) A 6b; noch dannocht wirdstu nit vermögen, das ich underlasz z volströcken mein begirlich fürnemen. P ijb; ich will das thor beschliessen damitt mich nyemant müg verhindern an meinem fürnemen oder meinen todt verziechen. T 1b; sie fielen nicht von jrem furnemen, noch von jrem halsstarrigen wesen. richt. 2, 19; schüldige sie, gott, das sie fallen von jrem furnemen. ps. 5, 11; sihe, ich kenne ewer gedancken wol und ewer frevel furnemen wider mich. Hiob 21, 27; es hat alles furnemen seine zeit und alle werck. pred. Sal. 3, 16; alles fürnemen unter dem himel hat seine stund. 1; da aber der sudwind webd, und sie meineten, sie hetten nu jr furnemen, erhuben sie sich gen Asson, und fuhren an Creta hin. apostelgesch. 27, 13, = könnten ihr fürnehmen ausführen; aber der unterheubtman wolte Paulum erhalten und weret jrem furnemen (die gefangnen zu tödten). 43; und habe dis meines furnemens guten grund. Luther 1, 55a; das (dasz) die obersten heüpter der römischen kirchen mein fürnemens und abfals gewar werden. Alberus wider Wizel J ia; uff das ich jhm so bald mein furnemen anzeygt. Jib; an solchem ehrlichen furnehmen will mich die amechtige vermaledeite vetel hindern. K 3a; bedenckt ob ewer furnehmen auch eyn gut end werd gewinnen. L 1a; Carlstad name ausz Mose, was jhm daucht zu seiner schwermerey fürderlich sein, was aber seinem fürnemen zu wider war, das uberhüpfft er. dessen wider die verk. lehre der Carlstader Z 1b; also muste zurück gehn das fürnemen Nimroths (mit dem thurmbau zu Babel). Agricola sprichw. 6a; solch thetlich fridbrüchig fürnemen. königin Marie wider den herz. v. Cleve a ijb; jhre scheinbarliche furnemen. Melanchthon hauptartikel 450; was aber demnach sein fürnemmen und bedencken, solche grillenbücher zu stellen, belanget, ist es, wie ers selbst meldet, dieses. Fischart Garg. 12 (1608 A 6b); o jhr unsinnigen, was thut jr? lasset ab von euwerem fürnemmen. buch d. liebe 219, 3; dasz der jungfrawen endtlich fürnemmen, k. m. (königliche majestät) in grosse gefahr zu stellen. Amadis 300, 635; damit ich erfare, wasz auszgang ewer fürnemen gewinnen wölle. 366, 781;

das rauschen Polyphemus merckt,
dardurch er sein fürnemen sterckt.
Spreng Aeneis 59a;

unsers fürnehmens längern aufschub nicht gestatten. Weckherlin 850; wie eine frau nicht leichte aus dem hause gehet, sie habe denn zuvor in spiegel gesehen, also sollen wir unser fürnehmen vor den spiegel der vernunft stellen. Butschky Patmos 394; kom lasz uns gehen und uns verstecken, damit wir nicht ersehen und unser furnemen verraten werde. Heinr. Jul. v. Braunschweig Susanna 1, 5. noch in schriften der ersten hälfte des 18. jh.: dasz, wie der prediger sagt, ein jegliches seine zeit, und alles fürnehmen unter dem himmel seine stunde habe. Liscow 756, vgl. oben pred. Sal. 3, 1.
Eine hierhergehörige, durch zusammenziehung entstandene form, zu der fürnemn den übergang bildet, ist im 16. jh. fürnen:

min fürnen gfürdert wirdt hiemitt.
Funckelin Lazarus E 6a.


Der gen. sg. des fürnehmens oder blosz fürnehmens tritt auch adverbial auf in dem sinne: das fürnehmen in sich tragend, sich fürnehmend. zucket er das wehr, des fürnemmens, jm das haupt abzuschlagen, doch verfehlet er. Amadis 249, 524; da stundt Olivas unnd mit sampt jhm grosse anzahl anderer ritter auff. alle bedacht und fürnemens, diesen zwispalt wider den hertzogen auff sich zunemmen. 385, 824. besonders steht er in der verbindung mit sein: des furnehmens sein, fürnehmens sein. seyd jr noch des fürnemmens? Amadis 271, 571; so entbeut sie euch durch mich, dasz wo jhr noch desz fürnemmens seid, sie hieher zween ritter bringen und füren

[Bd. 4, Sp. 780]


wölle. 415, 895; als nun Galaor seinen vetter so gar überhauffen geworffen sahe, war er fürnemmens jhne zurechen. 395, 845; dasz ich wol fürnemmens bin, dasz sich unser streit nicht so leichtlich enden soll. 406, 871. eines fürnehmens sein, mit einem die beschaffenheit des fürnehmens anzeigenden adj. nach dem artikel: du wirst nichts auszrichten bey der jungfrauwen, denn ich sihe, dasz sie eines steiffen gemühts und starcken fürnemmens ist. buch d. liebe 212, 4. gleicherweise steht des fürnehmens werden, fürnehmens werden, sich fürnehmen. als die ander jungfraw ... sich von jhrer gespielen verlassen gegeben, warde sie fürnemmens, bey dem junckher etliche tag zu bleiben. Amadis 63, 123. eigens furnemens, suo instinctu. Henisch 1303, 50.
2) in die bedeutung »standpunct, stand in einer sache« scheint fürnehmen überzuschlagen, wenn Dasypodius 333c anführt wieder in sein fürnemen stellen, in gradum reponere. es ist hier die stelle Quintil. 5, 7, 11 gemeint.
3) aber fürnehmen kann auch so viel als ein unternehmen bedeuten und bereits in manchen der vorhin angeführten stellen so verstanden werden. deutlicher tritt die bedeutung hervor in folgenden: dasz Galaor gar nichts schlieff, dieweil er gantz begirig war, das ende disz seines fürnemmens zuerfaren. Amadis 267, 563; nun erkenn ich jetzunder gewiszlich, dasz ich keines treffenlichen fürnemmens noch hoher that würdig. 268, 563; wie Balais in seinem fürnemen sich gehalten, inn dem er dem ritter nachfolget u. s. w. 293, 617; hierumb ward er vorhabens, diese meinung umbzustossen, durch welche er gantz beschwerlich seyn fürnemmen, so er angefangen, volfüren möchte. 324, 689; allda (zu London) man jn berichtet, was fürnemens der Barsiman gehabt unnd wasz widerstands der könig Arban jm gethan. 382, 815. vgl. DWB fürnehmen I 6).

 

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