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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürname bis fürnehme (Bd. 4, Sp. 773 bis 776)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürname, m.
1) ein fürwort, pronomen. s. DWB fürwort. furname, pronomen. voc. theut. 1482 i 6b. pronomen, furnamen. Eychman q 6b. warumb ... pronomen, verteütscht ain fürnam, haisse ain wort das an aines wesenlichen dings stat steht. Ickelsamer gramm., 2. ausg., A 2a. die erste ausg. enthält die stelle noch nicht.
2) was heute vorname (s. d.). praenomen, der fürnam. Alberus dict. Dd ija. wol, da Alberus in der Wetterau erzogen, später dort unterlehrer zu Büdingen, auch mehrere jahre pfarrer zu Staden war, aus der wetterausichen mundart, die heute noch fîrnôme d. i. fürname für vorname hat.
 
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fürnamen, m., begegnet schon im 15. jh. mit dem aus den obliquen casibus im nom. angetretenen n für fürname. s. unter dieser form Eychman.
 
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fürnamen, häufiger fürnamens, fürnames,adv. vorzugsweise, eigentlich, im vollen sinne des wortes, ganz und gar, penitus, omnino. ahd. furnomenes (aus Reichenauer glossen bei Graff 2, 1078), bei Notker durch ausstoszung des en furnomes, furenomes, mhd. mit senkung des o zu a oder aus misverstand, weil man sich die bildung nicht mehr zu erklären wuste und deshalb an das im klange nahe liegende subst. name dachte, vürnamens, vürnames, vürnams, aber auch unorganisch mit abfall des s vürnamen, als wenn vür mit dem acc. sg. jenes name gefügt wäre, was doch nicht ist. denn in jenem ahd. fürnomenes, eigentlich in strenger schreibung furinomanes, läszt sich, worauf schon gramm. 3, 90 hingewiesen wird, der gen. sg. neutr., vielleicht auch masc. von furinoman, furenomen, dem part. praet. von furi nëman, unserm nhd. fürnehmen (s. d.), erkennen. s. Wilh. Wackernagel wb. zum altd. leseb. 359b. das wort ist im mhd., wo auch vornamenes, vornamens, vornames, vornams sich findet, mit abschwächung der ersten silbe vernames (vgl. vergut, verlieb, verübel), selbst vernemes, sehr geläufig und dürfte sich auch noch hier und da ins nhd. verloren haben. einen beleg aber vermag ich weder aus Diefenbachs glossarium noch aus irgend einer schrift beizubringen, die der zweiten hälfte des 15. oder dem 16. jh. angehört.

[Bd. 4, Sp. 774]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürnamlich, adj., was das adj. fürnehmlich (s. d.). furnamligeste, principalis, praeeminentior. vocab. inc. teuton. f 4a. soll es wol eine ohne umlaut des a gebliebene form für fürnehmlich sein. welches mhd. vürnæmelich gelautet haben musz?
 
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fürnämlich, adv., s. das adv. fürnehmlich. unnd zm beschlusz, das (dasz) man fürnämlich gott die ehr geb und sprech: wer ist der, so auch dem meer und wind gebeut? Nasus kriegs- u. siegspredig E 5a; fürnämlich die catholischen sein geplagt worden. L iiijb; (wann man nur) in allen sachen, furnämblich nach der göttlichen hülff, an betrug trachtete und nicht also mit pur weltlichen practicken umbgieng. C 5b.
 
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furne, f. cyprinus leuciscus, der weiszfisch. um das auslautende e verkürzt furn. leuciscus, furn. Golius onomast. (1579) 299 = (1590) 374. Frisch 1, 309a.

vil furnen, karpfen und schnotvisch.
Wickram irr. bilger 17 (E 3).

ein furn ist wie auch der rottel, winterzeit aber ist er sehr gut. Feierabend fischweidwerk 72b.
 
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fürne, adj., für firne (s. 3, 1675). um das auslautende e verkürzt fürn. mit ü für i. versehen mit ... grawbebartetem röschem wein von fürnen und heurigem. Fischart Garg. 57b (1608 G ija); that darauff ein guten trunck fürnewein. 238a (vgl. 1608 Ee 8a. Scheible 446);

ja was musz es für ein wein sein,
ein fürner oder ein ablasz.
Ayrer 78a;

aus den alten und fürnen nüssen wird ein öl gepresst. Tabernämontanus kräuterb. 1384, übrigens schreibt er gewöhnlich firn. auch bei Hulsius 51a, der fürne und fürnerwein hat.
 
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fürnehm, n. was fürnehmen n., vornehmen n.

wer recht z tn den willen hett
der acht nit, was eyn yeder redt,
sunder blyb uff sym fürnem stiff (steif),
ker sich nit an der narren pfiff.
Brant narrenschif 41, 15.


ob gekürzt aus fürnemen, fürnemn n.?
 
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fürnehm [fürnem], adj. , s. das adj. vornehm. ahd. noch kein furinâmi, aber mhd. vürnæme, fürnæme, in mitteld. quellen vornæme, vornême, d. i. unser heute schriftdeutsches vornehm (s. d.). zusammengesetzt aus dem adv. für und dem mhd. nur in zusammengesetzten adjectiven als letztes wort stehenden næme, das aber ahd. als selbständiges adj. in dem sinne von »genehm« erscheint, freilich spärlich genug, denn es findet sich nur O. I, 9, 20 und N. ps. 81, 1, in welcher letzten stelle der comp. gesetzt ist. goth. nêms dagegen kann wieder nur in einer zusammensetzung nachgewiesen werden, nemlich in andanêms, angenehm, wolgefällig, gnädig, von andniman (s. angenehm).
fürnehm, bei Dasypodius, Serranus fürnem, bei Frisius, Maaler fürnäm, doch bei dem letzten im superl. fürnembst, bei Henisch fürnemm, fürnem, lebt noch mundartlich, z. b. bair., wetterauisch u. s. w., fort. schriftdeutsch dagegen scheint, nach Stieler 1364, der vornem und nur nebenbei fürnem in der fürnemste herr hat, bereits in der zweiten hälfte des 17. jh. vornehm vorherschend. doch verzeichnet noch im 18. jh. Dentzler 118b nur fürnemm, fürnem, und Kirsch zieht, indem er bei vornehm auf fürnehm kurz verweist, offenbar dieses vor. Rädlein und Weismann führen fürnehm wie vornehm an, und Steinbach 2, 134 setzt eben so wol das eine als das andere, jedoch bei Nieremberger wiegt vornehm vor, und Hederich (1753), der sp. 991 fürnehm oder vornehm hat, verweist zwar bei vornehm sp. 2542 auf fürnehm, fügt aber die bemerkung bei: schreib aber doch auch lieber vornehm, dafern du vor und für nicht allerdings mit vielen für eins ansehen wilst. damit stimmt auch der sonst immer Kirsch nachtretende Matthiä, wenn er in der ersten auflage seines lexicons (1748) 2, 152a unter fürnehm die form vornäm als richtiger bezeichnet, was er auch in der dritten auflage (1761) 2, 160b, in der er vornehm schreibt, beibehält, doch gleich zu anfange des artikels »fürnehm, vornehm« setzt. Weber deutsch-lat. universalwb. 319 verweist bei fürnehm ohne weiteres auf vornehm. Heinrich Braun in seinem deutsch-orthographischen wb. 105b bezeichnet jenes als falsch, und Heynatz antibarb. 1, 435 verwirft es geradezu. überhaupt führen in den beiden letzten jahrzehnten des 18. jh., wie schon vor der mitte desselben Frisch 2, 13b und später Adelung, fürnehm gar nicht mehr an, und schriftsteller setzen es, wie unten die beiden stellen von Schiller (aus Wallensteins lager) zeigen, fast nur noch in volksmäsziger rede. als schriftdeutsch gültig wird in und seit jenen jahrzehnten allein vornehm angesehen.

[Bd. 4, Sp. 775]



Bedeutungen:
1) sich voraus nehmend, verwegen.

ob ich euch gern zu hilfe kem,
man sprech (würde sprechen), ich wer selbs also furnem,
die fursten wurden mir gehasz. fastnachtsp. 548, 32.


2) vor anderen oder anderem ansehnlich, vorzüglich, ausgezeichnet, hauptsächlich. furnemer oder meisterlicher, autenticus. voc. theut. v. 1482 i 6b, in demselben sinne aber in einem vocab. v. j. 1419 fürgenæm (s. Schmeller 2, 693). der fusz beneidet och das herz nit, welches gar ein fürnemer ampt hat weder er. Keisersberg pred. (Straszb. 1508) 110a; ich. wil den bogen Elam zubrechen, jre furnemeste gewalt. Jer. 49, 35, in der vulgata summam fortitudinem eorum; und hilet jn fur seinen furnemesten freund. 1 Macc. 11, 27; es war der furnemesten schriftgelerten einer Eleasar. 2 Macc. 6, 18; dis ist das furnemest und gröste gebot. Matth. 22, 38; das furnemest gebot fur allen geboten ist das. Marc. 12, 29, vgl. v. 28; die furnemen artikel. Melanchthon an Albrecht ep. 7; dieses soll das furnemist end und ziel seyn loblicher regierung. dessen anrichtung der lat. schul b 1a; wie wol nu die gemelten ursachen die furnemisten sind. b 2a; diser punct ist stracks wider den fürnembsten und haupt grund des Luthers und aller lutrischen. Eck christenl. underricht 14b; es seind vier fürnemme wind. Frank weltbuch 3a; die euphonia, das ist des lauts wolstand und lieblicheyt, die diser ding fürnämste meisterin und lererin ist, soll hie auch gelten. Ickelsamer gramm. C 5b; die fürnembsten nomina. Mich. Neander bedenken 20b;

dann er (es ist Jesus gemeint) ein gar fürnemmer man
der uns und andren helffen kan.
Funckelin Lazarus B 1a;

er war der weisest und fürnemmest auff das kriegen. buch d. liebe 281, 1; fürneme, glaubwirdige, bewerthe scribenten, scriptores classici, autores. Henisch 1302, 50; ein fürnehmer gelehrter mann. Olearius pers. rosenthal 4, 4 u. 7, 19, an der ersten stelle in der ausg. von 1775 erklärend geändert in ein angesehener gelehrter; o tod wie bitter bist du einem reichen menschen? das ist das fürnehmst, mit welchem sich die übelgewunnene reichthum peinigen. Schuppius 699; der furnehmste sinn, das gesicht. Butschky Patmos 392; es ist meine fürnehmste sorge, nihil mihi antiquius aut prius. Kirsch (1723) 2, 125a. noch bair. ein fürnehmer ochs, brantwein, rock u. s. w., ein vortrefflicher. Schmeller 1, 693. in der Zips fürnæm, fie'næm, schön. Schröer nachtr. 27a.
3) äuszeres ansehen habend, ansehen und würde habend, das was ansehen und würde gibt habend. so volksmäszig:

spreizen sich, werfen sich in die brust,
thun als wenn sie zu fürnehm wären,
mit dem bauer ein glas zu leeren.
Schiller 320a.

insbesondere: an rang oder stand hoch angesehen, von rang oder stand hochstehend. und Asarja der priester, der fürnemest im hause Zadok. 2 chron. 31, 10; und die zal der fürnemesten veter unter den starcken kriegern war zwey tausent und sechs hundert. 26, 12; Michael der furnemesten fursten einer. Dan. 10, 13; und nam der furnemesten leute kinder zu geisel. 1 Macc. 9, 53; der furnemesten weiber nicht wenig. apostelgesch. 17, 4, in der vulgata mulieres nobiles; mit den heubtleuten und furnemesten menner der stad. 25, 23. orchestra, die brüge oder platz mitten im schawhausz, theatro, auff welchem die fürnemesten herren und rathsleüt ihre sitze hatten und auff welchem auch die spilleüt jre geberden und übung triben. Dasypodius 163c und danach mit einigen unwesentlichen abweichungen Serranus dict. r 1a, der fürnembsten schreibt. principalis, das dem fürsten zu gehört, fürnem, fürstlich. Serranus dict. t 7a.

bey Jove dem fürnembsten gott.
Spreng Ilias (1610) 91b;

wann fürnehme und frembde leut ihn besucht haben. Schuppius 149; die fürnembste in patria beförderen und haben ihren anhang. 548; fürnehme herrenheuser. Butschky Patm. 424, wo fürnehme zu herren gehört. führnehmste stadt, hauptstadt. Rädlein 313a.
früh nhd. wird fürnehmer auch als ehrenwort in dem titel eines rathsmitgliedes, eines bürgermeisters gesetzt:

ihr edln weisen und fürnemen (anrede an Roms rathsherrn),
eurm ampt und stand will gezemen
auff gmeine statt (stadt) zu geben acht.
Ayrer 1, 78c.

später in dem titel eines kaufmannes, eines groszhändlers (Stieler 1364), noch in der zweiten hälfte des 18. jh. eines fürstlichen fechtmeisters, eines kauf- oder handelsmannes. s. die adjective vornehm und wohlfürnehm.

[Bd. 4, Sp. 776]



4) äuszeres ansehen zeigend, würde und ansehen zeigend, das was würde und ansehen eigen ist an sich habend. so bei Schiller 324a (Wallenst. lager 7) in volksmäszig gehaltenem ausdrucke:

mit dem helm da und wehrgehäng
schlieszt er sich an eine würdige meng,
musz ein fürnehmer geist jetzt in ihn fahren.

insbesondere: hohen rang oder stand im äuszern zeigend, sich hohes ansehen gebend, das was hohem ansehen eigen ist an sich habend. fürnehmes leben, fürstliches brod. volksmäszig als überschrift eines abschnittes in Auerbachs frau professorin.
 
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fürnehm, adv., s. das adv. vornehm.
 
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fürnehme, f. hohes ansehen und würde, hoher stand und würde. von dem adj. fürnehm. in titeln. so kommt nach dem 1556 zu Frankfurt a. M. gedruckten formular, allerlei schriften u. s. w. zu stellen, 5a einem kanzler und rath des kaisers u. s. w. zu ewer fürnemen und hocherbarkeyt. vgl. das adj. vornehm.

 

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