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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
furm bis fürmasz (Bd. 4, Sp. 769 bis 772)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) furm, f., m., bei H. Sachs und Ayrer für form, wie schon 3, 1898 bemerkt wurde. das u für o beruht auf süddeutscher aussprache und noch sagen der Schwabe, der Baier, der Tiroler furm. Schmid 211. Schmeller 1, 563. Schöpf 163.
zunächst wahrt das wort das geschlecht des lat. forma, dem es entlehnt wurde, und bedeutet so viel als gestalt. s. DWB form 1).

auch lag da noch vom sturm
kriegsrüstung mancher furm.
H. Sachs I (1590) 246c;

samb (als) wöll er thon ein sturm
in solcher masz und furm. 306d.

aber fast durchweg steht es bei diesem dichter als masc., wie form z. b. in den von F. v. Krenner herausgegebenen bair. landtagshandlungen 6, 130 sich findet und heute noch furm in der volkssprache Schwabens, Baierns, Tirols gebraucht wird. Schmid, Schmeller, Schöpf. den pl. bildet dieses masc. fürm. zuerst hat es auch hier die bedeutung gestalt:

[Bd. 4, Sp. 770]


auff die mawren und zu dem sturm
in grosser zal und bestem furm
ins feld auch für ein gantzes heer
schantzzeug, sturmzeug, harnisch und weer.
H. Sachs I (1590), 150d;

gifftige thier mancherley fürm,
als schlangen, frösch und crocodilln. 314d;

ohn zahl vil gewürm
schedlich und gifftig mancher fürm,
als kröten, edechs, attern, schlangen. 316a;

erschien sichtbarlich an dem mon
ein langer zugespitzter schwantz
mit brennendem goldfarben glantz
der sich streckt gegen mitternacht,
sein schein in solchem furm verbracht
ein gute zeit, bisz schier wolt tagen. II (1591). 3, 140c;

man sagt von eim grewlichen wurm
der hab ein erschröcklichen furm,
mit langem schwantz, gleich einem trachen. III (1588). 2, 197c;

einsmals ein bader fraget mich,
wie er mit seinem werckzeug sich
verbutzen möcht in solchen furm
dasz er seh gleich eim wilden wurm. 3, 77b;

potz macht, was ist das für ein furm!
bist du ein mensch oder ein wurm?
du sichst so grausam ungelachsen.
Ayrer fastnachtsp. 127a = Keller 2970, 27;

Constantinopel ... gewahn in einem sturm
ausz ihr macht ein seltzamen furm. 147b;

dasz jhr beed erschlagt einen wurm,
einen sehr erschrecklichen furm,
der sich nicht weit helt von der statt. bei
Keller 1495, 29;

allhie erwarten wir den wurm.
»er kompt inn eim schröcklichen furm,
sicht grausam, wilt und ungeheür.« 1497, 21.

dann steht es in der bedeutung art, ansehen, anschein:

streytbüchsen und das hagelgschosz,
so laut knallet in allem furm,
als ob man schüsz ein statt zum sturm.
H. Sachs I (1590), 150c;

also mancher verbergen musz
sein heimlich creutz, nagenden wurm,
sich stellen in frölichem furm,
als ob er leb in stiller rhu. 294c;

noch schwäbisch, bairisch, tirolisch in diesem sinne: es hat doch einen furm. Schmid a. a. o. es hat keinen furm. ich wette, es regnet bald, es hat allen furm dazu. es hat noch keinen furm zum schönwerden. Schmeller a. a. o. es hat den furm, als ob er sterben wollte. es hat noch keinen furm, dasz er sich bessert. Schöpf a. a. o., vgl. Frommann 5, 337.
ungewis ob fem. oder masc. steht das wort in folgenden stellen:

als er eins tags wolt thon ein sturm,
rüst er sich zu nach krieges furm.
H. Sachs I (1590), 118a;

derhalb Hanibal grimmig gar
drey grosser thüren fellen war
mit seim sturmzeug, durch krieges furm. IV. 2, 88c;

bey jhm möcht ich wohnen kein stund,
dann er hat weder gstalt noch furm.
ein alter wucherischer geltwurm.
Ayrer (Keller) 2262, 28.


Göthe 13, 129 setzt in der schönen dichtung Hans Sachsens poetische sendung, in der er die weise dieses dichters mit unvergleichlicher frische nachbildet, einen unrichtigen sg. fürm, indem er den pl. bei dem dichter als sg. auffaszt:

bespöttet eines jeden (narren) fürm,
treibt sie ins bad, schneidt ihnen die würm.


 
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furm, statt fürm, d. i. für dem, vor dem: bei Stetin furm frauen thore. Micrälius altes Pommern 5, 368.
 
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fürm, f., alterthümlich bei Göthe 13, 129, s. vorhin den schlusz von furm f. m.
 
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fürm, zusammengezogen aus für dem. s. auch vorhin furm = für dem.
 
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fürmachen , s. vormachen. mit acc.
1) vornhin vor etwas errichten oder ziehen zum ab- oder einschlieszen oder begrenzen oder schutze u. s. w. desselben. einen zaun fürmachen, praesepire. Kirsch (1723) 2, 125a und danach Matthiä (1761) 2, 160a. einen graben fürmachen, praeducere fossam. ebenda. in dem sinne von vorbauen, vorn verbauen bei Hederich und Nieremberger, aber mit verweisung kurzhin auf vormachen.
2) vornhin machen oder thun zum zusein, zum verschlusz, zumachen, z. b. einen riegel, eine thüre u. s. w. Dentzler 2, 118a.

[Bd. 4, Sp. 771]


Weismann 2, 136a. vornhin spannen zur be- oder verdeckung u. s. w., obtendere, praetendere. Matthiä a. a. o.
3) in gegenwart machen oder thun zur täuschung. zugleich mit dat. der person. eben so in der bedeutung
4) in gegenwart machen oder thun zum nachmachen oder nachthun.
5) ersparen. dies nur schweiz., wo förmacha, fürmacha, aber auch vormacha gesagt wird. Tobler 202b.
 
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fürmalen , s. vormalen.
1) vor augen malen zum sehen oder erkennen. Dentzler 2, 118a. Weismann 2, 136a. Hederich und Nieremberger aber verweisen bei dem worte auf vormalen.
2) der einbildungskraft, dem geiste in einem gebilde oder bilde vorstellig machen. mit einem acc. oder einem satz an dessen stelle: damit ers ja auffs allersüssest und freundlichst fürmale, ... wie ein köstlich ding es sey, wenn ein mensch dahin kompt, das (dasz) er gott und den nehesten von hertzen liebe. Luther 6, 46b; und ist nur mit dieser erscheinung fürgemalet, als zum ewigen vorbilde (wie gesagt ist), das allzeit die gottliche majestet selbs bey der tauffe wil sein. 286b;

wenn du die christenlieb
von aussen fürgemahlt, gottsförchtig dich gestellet,
heimtükkisch aber dich dem teüfel zugesellet.
Rompler 89.

auch zugleich mit dat. der person: disz haben vernünfftige lerer euch ... zur guten lehr und trewer vermanung wöllen fürmalen. Mathesius Sar. (1562) 34a;

mit solcher farb hat deine hand
den allerstreitbarsten soldaten
in Ungarn und in Niderland
schön fürgemahlet manche thaten.
Weckherlin 371 (od. 1, 6);

nach den sonnenstralen,
so ihr (der seele) die wollust pflegt falschfärbig fürzumalen.
Rompler 73.

überhaupt: anschaulich vorstellig machen, anschaulich und lebhaft vorstellen. umb forch (furcht) deren ding, so e. k. may. mir fürgemalet. Amadis 48, 90; dasz man die kunst, latein zu reden, der jugend in latein fürmahlet. Schuppius 538.
3) vor augen malen zum nachbilden, zum lernen. Weismann a. a. o. mit acc. der sache und dat. der person.
4) entwerfen, in einem abrisse darstellen, effingere, delineare. Kirsch (1723) 125a und danach Matthiä 2, 160b.
 
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fürmalen, voraus malen, zum voraus malen. wann sie hetten etwe vil melbs (mehles) fürgemalen auf fürsorg. chron. d. d. städte 2, 306, 25 f.; auch ist zu mercken, ob man hinfür meer melbs fürmalen wolt, es wer auf teurung oder krieg. 307, 12. heute vormalen, gewöhnlich vormahlen geschrieben.
 
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fürmals, adv., s. vormals. mitteld. unsir gûd dâsëlbis, daʒ frauwe Gezele, hie fur mâlis hërn Johans wirten von Rockinbërg, dën god gnâde, von uns besëʒin hatte. urk. v. j. 1379 in Baurs hess. urkunden 1, 742, 1115; in sulichem kriege, den sie mit iren vienden furmals gehabt haben. chron. d. d. städte 4, 174, 21.
 
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fürmann, m. , s. vormann.
1) einer der etwas begünstigt, dasz es verborgen ist und bleibt, der also gleichsam »vor« dasselbe sich stellt dasz es unbemerkt bleibt und statthaben kann: und ist kain anderwege, dann daz (dasz) du dich uns gebest z ainem fürman unser liebe, und achtest dasz unser verborgen füre (feuer) nit werd geoffnet. ich enpfilch, gib und verhaisz mich dir. N. v. Wyle translationen (Keller) 64, 5.
2) einer der in einem thun oder einer wirksamkeit zur nachfolge in derselben vorangeht: welches sich nach absterben d. Luthers, welcher auch sein (nemlich Melanchthons) furman war, mehr ereuget und geeussert. Joh. Wigandus ob die newen Wittenberger u. s. w. 8b.
3) einer der für einen andern oder andere verhandelt, ein fürsprecher. in diesem sinne kommt frühe, schon gegen ende des 15. jh., vormann vor. auch von einer frau gesagt: sye (die apostel Jacobus und Johannes) schampten sich solichs selber an den herren zbringen, dz (dasz) er sye solt z jm in das regiment nemen unnd jnen grossze ämpter entpfelhen, dorumb trgent sye die sach in die mter und erwiszent sye und battent sye, dz sye solt vorman sein und solt solichs werben an den herren. Keisersberg post. 4, 13b.
 
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fürmarschieren, führend im marsch vorausgehn, befehligend in und bei soldatischem schritt und tritt vorausgehn:

Malec marschiret' uns als haupt und führer für,
wir folgten, voller hitz und eifer, deinem wort.
Brockes bethlehemitischer kindermord, Hamburg 1742, s. 303, 33 (bch. 4 st. 33).

heute vormarschieren, s. d.

[Bd. 4, Sp. 772]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürmasz, n.
1) die auf einmal in die öffnung des schmelzofens einzuschüttende menge von erzen und kohlen: weyl denn mein silber und lehr unrein, ungetrieben und ungebrant oder mit zusatz verfelscht ist, so wil ich, spricht der son gottes, die lehr wider durch den ofen gehn lassen oder sie seygern, damit ich sie nach dem fürmasz und prob der propheten wider ausz den schlacken bringe und auffs dürreste abtreybe und reineste brenne und alle unreinigkeit davon weck thue. Mathesius Sarepta 93b. heute vormasz, das Scheuchenstuel 256 verzeichnet. s. DWB vormasz.
2) ein bestimmtes trockenmasz von kleinerem umfange: nun sagt s. Johannes (nemlich offenb. 6, 6), es sol disz bescheyden theyl oder des gesindes fürmasz achtmal so vil gelten, als wenn bey uns, da gott für sey, ein strich korn acht gülden groschen gülte, das man sonst zu gemeynen jaren umb ein kauffet. Mathesius Sarepta (1562) 242b.

 

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