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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürleuchten bis fürm (Bd. 4, Sp. 768 bis 770)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürleuchten, s. vorleuchten. fürleichten, praelucere. Henisch 1302, 24. kere dich wider da zu Israel und nim es (das gesetz), wandel solchem leicht nach, das dir furleuchtet. Bar. 4, 2; ein mensch, dessen belobter wandel vilen andern exemplarisch fürleuchtet. Butschky Patmos 414. noch bei Kirsch (1723) 2, 125a und damit auch bei Matthiä 2, 160a. Hederich und Nieremberger verweisen auf vorleuchten.
 
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fürlieb, adv., das, für gut, für übel nachgebildet, erst im 17. jh. auftaucht. es ist hiernach die praep. für mit dem starken acc. sg. des neutrums des adj. lieb. s. DWB für oben sp. 627. lange schrieb man getrennt für lieb, aber in der zweiten hälfte des 18. jh. zog man bald zusammengeschoben fürlieb vor; doch setzte man das wort immer nur in der verbindung mit nehmen: für lieb nehmen, fürlieb nehmen, sich freundlich genügen lassen. zuerst fügte man es mit dem acc., und es lassen sich hier neben den sp. 627 angezogenen stellen von Butschky und Wieland noch weitere beibringen: auf lauter schönes haben wir nicht gerechnet und verstehn es, nach sonnenschein auch einen regen fürlieb zu nehmen. Voss br. 2, 151;

[Bd. 4, Sp. 769]


weinenden auges entliesz die lieben gäste die hausfrau,
viel noch bittend, fürlieb zu nehmen die schlechte bewirthung.
Kosegarten inselfahrt 6, 36.

auch für lieb annehmen:

nim du für lieb nur an
diesz, was nicht, wie es soll, ist, aber wie es kan.
Logau 1, 167, 14.

aber zugleich neben dieser fügung mit dem acc., die der von für gut, für übel ganz gemäsz war, erstand die mit der praep. mit und wurde die gewöhnliche:

wann das beste nicht zu haben, neme man für gut das gute,
auch für lieb, ist nicht ein tapffrer, dennoch mit dem frohen mute.
Logau 2, 51, 89;

wir bitten nur, damit
fürlieb zu nehmen.
Wieland 26, 226.

doch sie lassen wir in ruh und frieden der ehre genieszen, mit der sie nun so fürlieb nehmen wollen. Klopstock 12, 53. häufig auch allgemein ohne weitere fügung: als wenn dem, der nicht so geradezu fürlieb nimmt, euer nichts entscheidendes lob nicht gleichgültig wäre. 140;

für dieszmal nimm fürlieb!
Göthe 7, 74;

ich fühl es wohl, dasz mich der herr nur schont,
herab sich läszt mich zu beschämen,
ein reisender ist so gewohnt
aus gütigkeit fürlieb zu nehmen:
ich weisz zu gut, dasz solch erfahrnen mann
mein arm gespräch nicht unterhalten kann. 12, 160.

sprichwörtlich: nimm fürlieb, bisz es besser wird. Dentzler 2, 118b.
mit jemand fürlieb nehmen, in beziehung auf das essen. hiermit empfahl sich der braune mann, ungeachtet einer höflichen einladung der frau wirthinn, mit ihnen fürlieb zu nehmen. J. G. Müller Siegfr. v. Lindenb. (1790) 1, 139, = bei ihnen mit dem essen. nehmen Sie mit uns fürlieb! = bleiben Sie bei uns zum essen und nehmen Sie, wie wir dieses Ihnen bieten, fürlieb.
Häufig genug und zwar gleich bei dem aufkommen des wortes, mit vertauschung von für und vor, auch vorlieb (s. d.), selbst, mit abschwächung der praep., verlieb (s. d.), wie sich mhd. statt vür guot auch mit abschwächung des vür verguot findet (s. oben sp. 627). jenes verlieb hört man nicht selten noch im gewöhnlichen leben, mitunter auch aus misverstand verliebt.
 
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fürliegen, s. vorlügen.

den nechsten felschlich zbetriegen
und ihm mit schwencken fürzliegen
ein jederman gevlissen ist.
Ulenberg ps. s. 37 str. 2.


 
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fürliegen, s. vorliegen. in dem sinne »vor etwas liegen, vor etwas der länge nach auf einer fläche ruhen«: prejacet, furleit. Eychman q ija. Stieler 1120 hat noch vorliegen und fürliegen neben einander.
 
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fürling, m.
1) einer der der zeit nach in demselben verhältnisse vor einem andern ist, so dasz dieser auf ihn folgt, ein vorgänger, ein vorfahr. ... hielt jm ouch für die vile der kindern, so sie bi einanderen gezügt, die jren grafenstaat dest minder würdind erhalten mögen, so der jünger brder graf Fridrich ein solchen fürling haben sölte. Tschudi chron. 1, 121.
2) der überrest. ebenfalls schweiz., s. Stalder 1, 405. in betref dieser bedeutung s. DWB für II 7) sp. 653.
 
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fürlistigkeit, f. eine einer handlung und zwar in absicht auf sie vorausgehende list, eine in einer absicht angelegte list. mues aber gedenngken, daz (dasz) solhs ewr. kays. mt. (majestät) zu verachtung derselben declaracion und aus ainer sonnder furlistigkait beschehen. Chmel urk. zur gesch. Max. I. s. 418.
 
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fürloben, durch loben hervorheben, durch loben auszeichnen. bei Stieler 1172, zugleich mit vorloben, s. d.
 
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furm, f., m., bei H. Sachs und Ayrer für form, wie schon 3, 1898 bemerkt wurde. das u für o beruht auf süddeutscher aussprache und noch sagen der Schwabe, der Baier, der Tiroler furm. Schmid 211. Schmeller 1, 563. Schöpf 163.
zunächst wahrt das wort das geschlecht des lat. forma, dem es entlehnt wurde, und bedeutet so viel als gestalt. s. DWB form 1).

auch lag da noch vom sturm
kriegsrüstung mancher furm.
H. Sachs I (1590) 246c;

samb (als) wöll er thon ein sturm
in solcher masz und furm. 306d.

aber fast durchweg steht es bei diesem dichter als masc., wie form z. b. in den von F. v. Krenner herausgegebenen bair. landtagshandlungen 6, 130 sich findet und heute noch furm in der volkssprache Schwabens, Baierns, Tirols gebraucht wird. Schmid, Schmeller, Schöpf. den pl. bildet dieses masc. fürm. zuerst hat es auch hier die bedeutung gestalt:

[Bd. 4, Sp. 770]


auff die mawren und zu dem sturm
in grosser zal und bestem furm
ins feld auch für ein gantzes heer
schantzzeug, sturmzeug, harnisch und weer.
H. Sachs I (1590), 150d;

gifftige thier mancherley fürm,
als schlangen, frösch und crocodilln. 314d;

ohn zahl vil gewürm
schedlich und gifftig mancher fürm,
als kröten, edechs, attern, schlangen. 316a;

erschien sichtbarlich an dem mon
ein langer zugespitzter schwantz
mit brennendem goldfarben glantz
der sich streckt gegen mitternacht,
sein schein in solchem furm verbracht
ein gute zeit, bisz schier wolt tagen. II (1591). 3, 140c;

man sagt von eim grewlichen wurm
der hab ein erschröcklichen furm,
mit langem schwantz, gleich einem trachen. III (1588). 2, 197c;

einsmals ein bader fraget mich,
wie er mit seinem werckzeug sich
verbutzen möcht in solchen furm
dasz er seh gleich eim wilden wurm. 3, 77b;

potz macht, was ist das für ein furm!
bist du ein mensch oder ein wurm?
du sichst so grausam ungelachsen.
Ayrer fastnachtsp. 127a = Keller 2970, 27;

Constantinopel ... gewahn in einem sturm
ausz ihr macht ein seltzamen furm. 147b;

dasz jhr beed erschlagt einen wurm,
einen sehr erschrecklichen furm,
der sich nicht weit helt von der statt. bei
Keller 1495, 29;

allhie erwarten wir den wurm.
»er kompt inn eim schröcklichen furm,
sicht grausam, wilt und ungeheür.« 1497, 21.

dann steht es in der bedeutung art, ansehen, anschein:

streytbüchsen und das hagelgschosz,
so laut knallet in allem furm,
als ob man schüsz ein statt zum sturm.
H. Sachs I (1590), 150c;

also mancher verbergen musz
sein heimlich creutz, nagenden wurm,
sich stellen in frölichem furm,
als ob er leb in stiller rhu. 294c;

noch schwäbisch, bairisch, tirolisch in diesem sinne: es hat doch einen furm. Schmid a. a. o. es hat keinen furm. ich wette, es regnet bald, es hat allen furm dazu. es hat noch keinen furm zum schönwerden. Schmeller a. a. o. es hat den furm, als ob er sterben wollte. es hat noch keinen furm, dasz er sich bessert. Schöpf a. a. o., vgl. Frommann 5, 337.
ungewis ob fem. oder masc. steht das wort in folgenden stellen:

als er eins tags wolt thon ein sturm,
rüst er sich zu nach krieges furm.
H. Sachs I (1590), 118a;

derhalb Hanibal grimmig gar
drey grosser thüren fellen war
mit seim sturmzeug, durch krieges furm. IV. 2, 88c;

bey jhm möcht ich wohnen kein stund,
dann er hat weder gstalt noch furm.
ein alter wucherischer geltwurm.
Ayrer (Keller) 2262, 28.


Göthe 13, 129 setzt in der schönen dichtung Hans Sachsens poetische sendung, in der er die weise dieses dichters mit unvergleichlicher frische nachbildet, einen unrichtigen sg. fürm, indem er den pl. bei dem dichter als sg. auffaszt:

bespöttet eines jeden (narren) fürm,
treibt sie ins bad, schneidt ihnen die würm.


 
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furm, statt fürm, d. i. für dem, vor dem: bei Stetin furm frauen thore. Micrälius altes Pommern 5, 368.
 
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fürm, f., alterthümlich bei Göthe 13, 129, s. vorhin den schlusz von furm f. m.
 
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fürm, zusammengezogen aus für dem. s. auch vorhin furm = für dem.

 

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