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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürlernen bis fürloben (Bd. 4, Sp. 768 bis 769)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürlernen, s. vorlernen. fürlehrnen, in antecessum discere. Dentzler 2, 118a.
 
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fürlesen, s. vorlesen. ist nach vilfeltiger handlung die christliche confession unser religion ... inn des bischofs von Augspurg hofe öffentlich inn deutscher sprach fürgelesen und darauff lateinisch unnd deutsch dem keyser uberantwort worden. Mathesius Luther (1566) 94a. fürlesen, praelegere. Henisch 1302, 23. Stieler 1167 hat eben so wol fürlesen als vorlesen, doch in den beispielen blosz die letzte form, der er demnach den vorzug gibt. Rädlein 312b u. 1013a verzeichnet beide formen, ohne dasz sich eine vorwiegend zeigte, eben so Dentzler 2, 118a u. 337b, Weismann 2, 136a u. 429b, Kirsch (1723) 2, 125a u. 1, 855b, welchem letzten dann, wie gewöhnlich, Matthiä folgt. Hederich und Nieremberger verweisen bei fürlesen kurz auf vorlesen und Weber endlich hat nur dieses.
 
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fürleser, m., s. vorleser. noch bei Rädlein 312b, der aber 1013a eben so wol vorleser hat. dagegen ist es bei Dentzler, Weismann, Kirsch, Hederich, Nieremberger, die doch noch fürlesen (s. d.) verzeichnen, nicht mehr anzutreffen. selbst schon vor Rädlein führt es der überaus reichhaltige Stieler nicht mehr an.
 
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fürlesung, f., s. vorlesung. Rädlein 312b. mit dem erlöschen der form verhält es sich ganz so wie bei fürleser, s. d.
 
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fürleuchten, s. vorleuchten. fürleichten, praelucere. Henisch 1302, 24. kere dich wider da zu Israel und nim es (das gesetz), wandel solchem leicht nach, das dir furleuchtet. Bar. 4, 2; ein mensch, dessen belobter wandel vilen andern exemplarisch fürleuchtet. Butschky Patmos 414. noch bei Kirsch (1723) 2, 125a und damit auch bei Matthiä 2, 160a. Hederich und Nieremberger verweisen auf vorleuchten.
 
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fürlieb, adv., das, für gut, für übel nachgebildet, erst im 17. jh. auftaucht. es ist hiernach die praep. für mit dem starken acc. sg. des neutrums des adj. lieb. s. DWB für oben sp. 627. lange schrieb man getrennt für lieb, aber in der zweiten hälfte des 18. jh. zog man bald zusammengeschoben fürlieb vor; doch setzte man das wort immer nur in der verbindung mit nehmen: für lieb nehmen, fürlieb nehmen, sich freundlich genügen lassen. zuerst fügte man es mit dem acc., und es lassen sich hier neben den sp. 627 angezogenen stellen von Butschky und Wieland noch weitere beibringen: auf lauter schönes haben wir nicht gerechnet und verstehn es, nach sonnenschein auch einen regen fürlieb zu nehmen. Voss br. 2, 151;

[Bd. 4, Sp. 769]


weinenden auges entliesz die lieben gäste die hausfrau,
viel noch bittend, fürlieb zu nehmen die schlechte bewirthung.
Kosegarten inselfahrt 6, 36.

auch für lieb annehmen:

nim du für lieb nur an
diesz, was nicht, wie es soll, ist, aber wie es kan.
Logau 1, 167, 14.

aber zugleich neben dieser fügung mit dem acc., die der von für gut, für übel ganz gemäsz war, erstand die mit der praep. mit und wurde die gewöhnliche:

wann das beste nicht zu haben, neme man für gut das gute,
auch für lieb, ist nicht ein tapffrer, dennoch mit dem frohen mute.
Logau 2, 51, 89;

wir bitten nur, damit
fürlieb zu nehmen.
Wieland 26, 226.

doch sie lassen wir in ruh und frieden der ehre genieszen, mit der sie nun so fürlieb nehmen wollen. Klopstock 12, 53. häufig auch allgemein ohne weitere fügung: als wenn dem, der nicht so geradezu fürlieb nimmt, euer nichts entscheidendes lob nicht gleichgültig wäre. 140;

für dieszmal nimm fürlieb!
Göthe 7, 74;

ich fühl es wohl, dasz mich der herr nur schont,
herab sich läszt mich zu beschämen,
ein reisender ist so gewohnt
aus gütigkeit fürlieb zu nehmen:
ich weisz zu gut, dasz solch erfahrnen mann
mein arm gespräch nicht unterhalten kann. 12, 160.

sprichwörtlich: nimm fürlieb, bisz es besser wird. Dentzler 2, 118b.
mit jemand fürlieb nehmen, in beziehung auf das essen. hiermit empfahl sich der braune mann, ungeachtet einer höflichen einladung der frau wirthinn, mit ihnen fürlieb zu nehmen. J. G. Müller Siegfr. v. Lindenb. (1790) 1, 139, = bei ihnen mit dem essen. nehmen Sie mit uns fürlieb! = bleiben Sie bei uns zum essen und nehmen Sie, wie wir dieses Ihnen bieten, fürlieb.
Häufig genug und zwar gleich bei dem aufkommen des wortes, mit vertauschung von für und vor, auch vorlieb (s. d.), selbst, mit abschwächung der praep., verlieb (s. d.), wie sich mhd. statt vür guot auch mit abschwächung des vür verguot findet (s. oben sp. 627). jenes verlieb hört man nicht selten noch im gewöhnlichen leben, mitunter auch aus misverstand verliebt.
 
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fürliegen, s. vorlügen.

den nechsten felschlich zbetriegen
und ihm mit schwencken fürzliegen
ein jederman gevlissen ist.
Ulenberg ps. s. 37 str. 2.


 
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fürliegen, s. vorliegen. in dem sinne »vor etwas liegen, vor etwas der länge nach auf einer fläche ruhen«: prejacet, furleit. Eychman q ija. Stieler 1120 hat noch vorliegen und fürliegen neben einander.
 
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fürling, m.
1) einer der der zeit nach in demselben verhältnisse vor einem andern ist, so dasz dieser auf ihn folgt, ein vorgänger, ein vorfahr. ... hielt jm ouch für die vile der kindern, so sie bi einanderen gezügt, die jren grafenstaat dest minder würdind erhalten mögen, so der jünger brder graf Fridrich ein solchen fürling haben sölte. Tschudi chron. 1, 121.
2) der überrest. ebenfalls schweiz., s. Stalder 1, 405. in betref dieser bedeutung s. DWB für II 7) sp. 653.
 
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fürlistigkeit, f. eine einer handlung und zwar in absicht auf sie vorausgehende list, eine in einer absicht angelegte list. mues aber gedenngken, daz (dasz) solhs ewr. kays. mt. (majestät) zu verachtung derselben declaracion und aus ainer sonnder furlistigkait beschehen. Chmel urk. zur gesch. Max. I. s. 418.
 
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fürloben, durch loben hervorheben, durch loben auszeichnen. bei Stieler 1172, zugleich mit vorloben, s. d.

 

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