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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürlang bis fürlaufen (Bd. 4, Sp. 763 bis 766)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürlang, adv. vor langer zeit. niederrhein., s. Frommann 5, 415, 38. gebildet aus für und dem starken acc. sg. neutr. des adj. lang. Vgl. DWB fürlängst, DWB vorlängst.
 
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fürlangen, hervorlangen, hervorholen, promere, expromere. Kirsch (1723) 2, 125a und danach Matthiä 2, 160a. heute vorlangen, s. d.
 
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fürlängst, adv. vor sehr langer zeit, pridem. zusammengesetzt anscheinend mit dem superl., während mit dem positiv furlang (s. d.) gebildet ist. furlengst. Alberus wider Witzeln L 3a;

denn dieser lose bösewicht (es ist Witzel gemeint)
ist schon für gottes angesicht
für lengst mit dem strang gericht. dessen controfactur A 4a;

sey nicht untrew, bey seinem (deines herrn) brodt,
viel besser wers, das dich der todt
in deiner kindtheit auff dem bett
fürlengest auffgerieben hett. dessen Esop 226;

der fried ist auch für längst gar recht, gar wol bestellt.
Logau 1, 2;

verdampte laster! welcher lohn
wird sein der höllen plag und hohn
wie du fürlengst gedreuet.
Rist himml. lieder 5;

als welch ohn allen zweifel
fürlängst entsprossen ist
von dem verfluchten teufel.
Mühlpfort geistl. ged. 25 (47).

doch zugleich bei Alberus dict. BB ijb vorlengst, wie heute schriftdeutsch nur vorlängst gilt. bei Luther Jes. 60, 9 vor langes, Micha 7, 20 vor langs, welches zeigt dasz lengst, längst hier nicht eigentlicher superlativ, sondern aus dem gen. des neutrums von lang durch antritt eines t hervorgegangen ist. näheres s. unter DWB vorlängst.
 
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fürlasz, m. ein gebilde, das entweder aus zwei zusammengebundenen groszen vogelfittichen oder aus einem büschel federn oder aus einem stück rothen tuches mit daran befestigten federn oder endlich aus einem mit einem schnabel, schwingen und fängen versehenen, mit federn besetzten holze besteht und beim abrichten des falken oder eines andern raubvogels zur jagd an einer dünnen

[Bd. 4, Sp. 764]


leine in die luft geworfen wird, damit derselbe auf den vogel fliegen und diesen bringen lerne, auch auf der jagd selbst, wenn er nicht gefangen hat und deshalb in der höhe bleibt, wieder herbeigelockt werde. eben so wol und heute nur vorlasz. forst-, fisch- u. jagdlex. 1, 283 f. Heppe wohlred. jäger 389b. weidmänn. taschenwb. 493. bei der abrichtung eines jungen hühnerhundes heiszt dem hunde fürlasz oder vorlasz geben, ihm ein lebendiges feldhuhn, das man an einer dünnen leine oder einer schnur in einer furche laufen läszt, vorzeigen, um ihn daran zur hühnerjagd zu üben. ein todtes wird zu diesem zwecke an der schnur gezogen. Heppe a. a. o. weidmänn. taschenwb. a. a. o. soll der hund zur jagd auf wachteln eingeübt werden, so gibt man fürlasz, indem man eine wachtel gleich dem feldhuhn benutzt. Dörel jägerpractica (1754) 1, 110b f., wo übrigens stets vorlasz geschrieben ist. furlasz oder vorlasz haben sagt man vom hunde, wenn er in der angegebenen weise mit einem feldhuhn oder einer wachtel eingeübt wird. s. ebenda 111a.
hiernach ist fürlasz, vorlasz gleichsam ein lockmittel und wird deshalb, wenn auch in der folgenden stelle in bildlicher anwendung, mit köder zusammengestellt: der teuffel, welcher dem müssigen David ein fürlasz oder köder leget mit der schönen frawen. do nimbt David den angel ahn. Mathesius Sarepta 114b (1562 161a). beim kriege bildlich etwas das zum heranlocken des feindes oder der feinde dient: die unsern ... hielten in einer huet bei Schelnberg und lieszen ein paurn 1 fuder heus laden zu einem fürlaʒ. also rant der Hans Motschidler heraus mit etlichen gesellen und wolt den pawern fahen. chron. d. d. städte 2, 173, 3; also lieszen die feint unsern gereisigen vil fürlasz, dasz sie gern hinter sie chomen weren. 184, 5. häufig aber von einem theil der mannschaft oder einem heerestheil, der vorgeschoben ist, um den feind zu einem angrif und so in eine falle zu locken:

herr, ich sage euch fürwar,
das (dasz) die veindt haben fürgnomen,
an heut aus der stat zkhomen,
und wellen ziehen auf ein pewt ...
so will ich auf den morgen fr
vor tags halten in disem wald
unnd mein volck versteckhen im hald.
so gebt ir in einen fürlas,
alszdann wil ich zrechter masz
kumen unnd in mit meim hauffen
erst der rechten kirchweich kauffen. Theuerdank 93, 15;

so haben wir unsern raisigen zeug in guter maasz heimlichen beyeinander gehabt und unser freundt der bischoff zu Meentz ist heimlich mit 300 pferden zu uns gestoszen, und wir seind den feinden nachgezogen und ihnen ein fürlasz gegeben und wollten sie ihn da nit nehmen. schreiben v. j. 1462, in Görres volks- u. meisterl. 240. in diesen beiden stellen ist das obige fürlasz geben angewandt. zu morgens zohe Maximilian selbs im fürlasz, hett sein volck in der halt versteckt, liesz sich im streyff sehen und stellt sich als wolt er treffen. Frank teutsch. nation chron. 287b. bildlich steht endlich das wort auch in Brants narrenschif 103, 1:

sidt ich den fürlosz han gethon
von denen, die mit falsch umbgon,
so fynd ich noch die rechten knaben
die by dem narren schiff umb traben,
wie sie sich und sunst vil betriegen,
die heilig gschrifft krümmen und byegen.

die betrieger und fälscher ziehen als lockmittel erst noch die rechten fälscher her, dasz die um das narrenschif sind. vgl. übrigens fürlauf 6). weidmännisch vorlosz für vorlasz führt das weidmänn. taschenwb. 493 an. S. DWB vorlasz.
 
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fürlassen , s. vorlassen.
1) vornhin lassen.
2) vor das angesicht jemandes oder anderer kommen lassen, vor jemand oder andern sich einstellen lassen, in die gegenwart jemandes oder anderer kommen lassen. einen nit eynhin oder fürlassen, prohibere accessum. Maaler 148d. admissionem dare, einen fürlassen oder verschaffen das er für den herren komme. Frisius (1556) 38b und danach Maaler 149a, woher noch fürlassen in dem sinne bei Dentzler 2, 118a. eben so auch bei Weismann 2, 136a. einen fürlassen, für gericht unnd radt lassen, dare actionem. Maaler 148d. noch bei Rädlein 312b in dem sinne.
3) vorn zur bedeckung herablassen: welcher, so bald er jne in der nähe sahe, sein visier für liesz. Amadis 404, 866.
4) vorwärts lassen.
5) vorauslassen.
6) vorüberlassen, vorübergehn lassen, unbeachtet lassen. das gt wätter fürlassen unnd übersähen, tempestatem praetermittere. Maaler 148d.

[Bd. 4, Sp. 765]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürlässig, adj. aus trägheit vorübergehn lassend, bei der arbeit nicht recht hand anlegend, zum thun saumselig:

Seyfrid. darffst du (der schmied ist angeredet) nit hie noch ein schmidknecht?
sag an wilt du mir arbeit geben?
schmiedknecht. ja, du kompst mir recht und eben,
wenn du wolst weydlich schlagen drein,
und nit fürlessig noch faul sein.
H. Sachs III. 2, 234c = 1588 175a, wo aber fürläszig.

s. hinlässig, nachlässig.
 
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fürlassung, f., das subst. der handlung von fürlassen.
 
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fürlaube, f. äuszerer gang um ein oberes stockwerk. Schmeller 1, 554. eine vorhalle. voc. inc. teut. f 3b. s. vorlaube.
 
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fürlauf, m. , s. vorlauf.
1) der lauf vornhin. daher
2) das was auszen an etwas hinläuft d. h. es umgibt. so heiszt schweiz. fürlauf ein nur auf kurze zeit, besonders für die herbstweide oder an den fuszwegen durch die wiesen aufgeschlagener leichter zaun. Stalder 2, 160. Weber ökonom. lex. 174a.
3) das hervorlaufen.
4) der lauf vorwärts.
5) der rasche fortgang einer sache.
6) das was vorhergeht so dasz anderes daraus oder darauf folgt:

usz dantzen vil unratts entspringt:
do ist hochfahrt und uppikeyt
und für louff der unlutterkeyt,
do schleyfft man Venus by der hend,
do hatt all erberkeyt eyn end.
Brants narrensch. 61, 14;

falsch, untruw, bschyssz würt gätz gspürt,
das ist dem endkrist gt fürlouff. 102, 91.

in beziehung auf diese letzte stelle hat sich denn auch 103, 1 in die späteren ausgaben des narrenschiffs fürlouff statt des eigentlich weidmännischen, vielen lesern nicht oder doch kaum mehr verständlichen fürlosz (s. DWB fürlasz) eingeschlichen.
7) das was bei bereitung geistiger flüssigkeit zuerst, d. h. vor der menge der übrigen, abläuft. so beim abziehen des brantweins in der brennerei der zuerst übergehende, der der stärkste ist, beim keltern oder treten der weinbeeren der von selbst aus diesen laufende most, ehe sie gepreszt oder getreten werden. doch gilt heute schriftdeutsch nur vorlauf.
8) der lauf voraus, der lauf vor anderes oder andere.
9) das vorbeilaufen, vorüberlaufen. in transcursu ea attigere nostri, in einem fürlouff, obenhin. Frisius (1556) 1323b und danach bei Maaler 149a fürlauff (der).
 
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fürlaufen , s. vorlaufen.
1) vornhin laufen.
2) hervorlaufen, herauslaufen.
3) vorwärts laufen, sich eilends vorwärts bewegen. ahd. dô stuont ër sëlbo ûf gagen in unde hieʒ in sîne musas furloufendo begagenen. N. Mart. Cap. 30. nhd. jhr son Achamenes ersieht sie, dasz sie weynet. er fraget sie: ist etwas unglücks fürgefallen? sie antwort: ey du fragest vergebens, lieff damit für. er erwüschet sie bey der hand, fraget, ob sie nicht jrem eygenen son jhr anligen vertrawen dörfft? buch d. liebe 212, 3.
4) vorherlaufen, ankündigend oder vorbereitend, überhaupt mitthätig vorhergehen. besonders der zeit nach: es gehet ein höffliche rede inn hütten, der herr Christus sey auch ein schmeltzer gewesen, denn Johannes der tauffer sey jm fürgelauffen, wie denn ein jeder schmeltzer seinen fürlauffer haben musz, der jhm handtlanget und hilffet. Mathesius Sarepta (1562) 209b.
5) voranlaufen, vorhinlaufen.
6) vorauslaufen, vorbei- und sofort vorauslaufen. ahd., mit acc.: unde doh Mercurius ofto fureloufen wërde fone dëro sunnûn, unde ër durh sih stânde denche wio ër aber sia fure loufe. ... Mercurium fure loufet tiu sunnâ, sô ër stationarius ist: tanne geskihet taʒ ër erwegetêr unde sia ëtewaʒ fure loufender retrogradus wirt. N. Mart. Cap. 36; tër dëro sunnûn ros fure loufende. 82. nhd. »antecedere quempiam magnis itineribus, einen fürlauffen oder weyter gon auff grosz tagreisen«. Frisius (1556) 100b und danach Maaler 149a. auch bei Dentzler 2, 118a und Weismann 2, 136a noch fürlauffen in dem sinne.
7) zuvorlaufen, durch geschwindigkeit zuvorkommen, zum zuvorkommen und vorwegnehmen in eile überbieten. mit dat. der person und acc. der sache. die paueren das grosse geschrey gar wol hörten, unnd on czweyfel meinten, im (Forteringo) wer, als er schrey, dan in nackent nach dem reyter lauffen sachen palde im den weg fürluffen und mit gewalt auff hielten und in fingen. Steinhöwel decameron 561, 4 = Bocc. 2, 146a. obsepire iter ad honores, eim den wäg fürlauffen z eerenämpteren, einen verhinderen, eim den wäg verschlahen und

[Bd. 4, Sp. 766]


verhalten. Frisius (1556) 896a und danach Maaler a. a. o. mit bloszem acc. der sache:

der edelman erwischt ein ast,
fürloff den weg und redt jn (den ritter) an.
H. Sachs I (1590), 124b.

iter intercipere, den wäg fürlauffen, versperren, den passz vorhalten. Frisius (1556) 719a und danach so wie nach andern stellen Maaler 149a, nach welchem dann bei Dentzler 2, 118a.
8) vorbeilaufen, vorüberlaufen. transcurrere, fürlauffen. uberhin lauffen, eylents lauffen. Frisius 1323b und danach Maaler a. a. o.; fürlauffen, fürüber lauffen. Dentzler 2, 118a.
9) sich zutragen, sich begeben, sich ereignen, vorkommen: nachdem aber in bestellung der pfarren diese unordnung fürlauffen möchte. corpus constitt. brandenb.-culmb. 1, 269; bis auf diese in newlichkeit fürgeloffene erlösung. Ayrer proc. 1, 8;

wenn einer solt erzehln schir,
was nur loff uf der hochzeyt füer
für seydenspiel u. s. w.
Ayrer (Keller) 3399, 23;

hernacher thet ich mich erhebn,
zum königlichen schlosz gar ebn,
wolt sehen was der enden dort
fürlieffe an demselben ort.
Spreng Aeneis 40b.


10) zum vorliegen einlaufen, zur be- oder verhandlung einlaufen, zur be- oder verhandlung vorkommen: wenn seines freundts sach fürgelauffen. Ayrer proc. 1, 1.
 
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fürlaufen, n. der inf. fürlaufen als subst.

 

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