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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürkäuflerin bis furkeln (Bd. 4, Sp. 756 bis 758)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürkäuflerin, f. was furkäuferin, trödlerin, interpolatrix. Weismann 1, 247a. der fürkeuflerin leden, die alle jerlich zins geben. chron. d. d. städte 3, 159, 26.
 
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fürkaufsrecht, n., s. vorkaufsrecht.
 
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furke, f. eine grosze gabel. ahd. furkâ in folgender stelle: under dien fuoʒen barg ër eina drizinga furkûn, diu Neptuni ist. N. Mart. Cap. 57. es ist hier Neptuns dreizack gemeint. mhd. furke von einem gabelförmigen zweig, einer zwiesel und einem geräthe daraus.

eine zwisele hiu ër an die hant,
daʒ die dâ furke nennent,
die die furkîe (das befestigen der eingeweide des hirsches an einem gabelförmigen zweige) erkennent:
doch ist niht sunders an dën zwein,
furke und zwisele deist al ein. Trist. (Maszm.) 75, 17. 20.

noch schwäbisch furke, eine dreizinkige heugabel (Schmid 211), schweiz. furke, gabel, namentlich grosze gabel mit zwei zinken, mistgabel (Stalder 1, 405). nd. forke, gabel, besonders gröszere zur ernte und in stall und hof gebrauchte gabel. mnl. vorke, nnl. vork, gabel, ags. forc, engl. fork, gabel, gabelzinke, altfries. furke, forke, gabel, altn. forkr m., stange, besonders schifsstange, schwed. fork m., schifsstange, störstange der fischer, dän. fork gabel. entlehnt aus lat. furca, zweizackige gabel, doch im mhd. auch auf die aus diesem furca gewordenen franz. formen fourque, fourc gestützt.
in den folgenden stellen ist die dreizinkige mistgabel oder eine andere grosze dreizinkige gabel gemeint:

ein rostigs panczer truog er an,
ein fuorggen (lies furggen) auch, da mit der man
gab, so er wolt rüren sich,
wunden drey in einem stich. ring 48d, 4 (s. 214);

der Leybinger mit seiner furggen
Reussen, hayden und auch Turggen
stach er all in einem stich. 54c, 34 (s. 243).

bestimmter in der zusammensetzung mistfurke: ich fürchte mich aber für mistgabeln oder mistfurken. Schuppius 803.
auch forke, von der mist- oder der zweizinkigen heugabel. s. DWB forke. nd. messforke, mistgabel, hauforke, heugabel, und das sprichwort weten wo de forke im stêl stickt, wissen wo die gabel im stiel steckt, = den zusammenhang einer sache wissen. kurhess. und zwar nur in der nähe Westfalens und Sachsens heiszt einzig die zweizinkige heugabel forke, dagegen die dreizinkige mistgabel greipe, nd. grêpe. Vilmar 108. 136.
 
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fürkehr, m. das sich fortwenden, das sich wenden vorwärts weg und fort. so, wenn die frau, welcher der drache den mann und elf ritter verschlungen hatte, dem ankommenden Wolfdieterich klagt:

in mînem hërzensêrebegreif ich dën bôm mit dër hant,
an dëm fürkêrezerret ër hin (risz er mir ab) mîn gewant. Wolfdieterich (Holzmann) 1599, 4,

in der Donaueschinger hs. in dëm fürgange, in dem weggehn, in dem fortfliehen. s. DWB kehr m.
 
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fürkehr, f.
1) das hervorkehren, herauskehren.
2) die vorkehrung. allgemeiner anz. der Deutschen 1845 s. 3695.
 
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fürkehren , s. vorkehren.
1) hervor kehren, vornhin wenden.

welche vil artlicher dan wir
können den schaafsbeltz kehren für.
Fischart jesuiterhütlein B 3b.


2) die richtung nach etwas hin nehmen, entgegenkehren, entgegenwenden, obvertere. Kirsch (1723) 2, 125a und danach Matthiä (1561) 2, 160a.
3) worauf fördernd verwenden, fördernd anwenden, adhibere. in allen sachen dâ mit unser bestis tûn furkêren. v. j. 1379 in Schannats samml. alter docum. 13, s. Haltaus 554. fleisz fürkern. beschl. des reichsreg. v. j. 1501 §. 1 (2, 93). diese bedeutung hat noch Hederich bei vorkehren, auf welches er bei fürkehren verweist.

[Bd. 4, Sp. 757]



4) zuvorkommend anwenden, vorbeugend anwenden, abhaltend anwenden. vorkehren et fürkehren, praevertere, praetendere, praetexere, excusationem afferre. Stieler 945. noch bei Nieremberger Ddd 1b, der auf vorkehren verweist, wo aber diese bedeutung nicht angegeben ist.
 
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fürkehrung, f.
1) fördernde verwendung, förderndes anwenden. allen fleisz und fürkerung thun. Haltaus 554.
2) zuvorkommende anwendung, vorbeugende anwendung, vorbeugende that. furkehrung, excusatio, purgatio, defensio, exceptio. Stieler 945.
Heute vorkehrung.
 
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furkel, f. eine gabel. ahd. furcula, uncinus. Graff 3, 685, vgl. unten 5), wo stellstangen mit haken oben erwähnt sind. furkel. voc. incip. teuton. f 3b. Diefenbach 253a. entlehnt aus mittellat. furcula, einem dim. von lat. furca (s. DWB furke). auch forkel (s. d.). Bedeutungen:
1) eine gröszere gabel.
2) ein gabelzweig oder eine zwiesel: denn Moseh hat dise schlang auff ein pfal oder furckel, oder wie man es den kindern fürmalet, auff ein schecherkreutz, in die höhe auffgehenckt. Mathesius Sarepta (1562) 101b. eben so wol eine als gestell zugerichtete oder auch künstlich gemachte zwiesel. so heiszt z. b. hie und da in Sachsen, im Erzgebirge der unten gabelförmige stiel des rechens, die rechfurchel oder rechforchel.
3) eine aus einer zwiesel gemachte gabel zum schütteln des strohes beim ausdreschen und zum wegnehmen des strohes in den scheunen. Zincke ökon. lex. 1, 806. vgl. schüttelgabel.
4) ein stab, ursprünglich gabel- oder zwieselstab, mit welchem die ketten an den heu- und den erntewagen in die höhe gestemmt werden. ebenda.
5) in der weidmannssprache eine stange von tannenholz, fichtenholz u. s. w. oben mit einer gabel, ursprünglich wol einer zwiesel, in welche bei aufstellung der jagdnetze, jagdtücher und anderer zum fange des wildes und der wölfe erforderlichen zeuge die oberleinen aufgelegt werden, um die genannten jagdzeuge in die höhe zu ziehen und aufgezogen zu erhalten, eine stellstange. zu den hohen tüchern sind solche stangen oben statt der gabel auch mit einem ring und einem eisernen haken beschlagen, worauf das tuch mit der oberleine zu liegen hat. auch furchel, forkel, forchel. s. Jacobsson technol. lex. 1, 772a. Zincke forst-, fisch- u. jagdlex. 1, 885 ff. Heppe wohlred. jäger 158b, der aber die namen nur auf die stellstangen bei sau-, wolfs- und hasengarnen beschränkt. dieselbe beschränkung hat auch das weidmännische taschenwb. 154. vor zwölf furckeln von dannenholtz mit eisern hacken 2 thlr. Flemming teutsch. jäger 1, 215a. auch hier sind die eisernen haken erwähnt, was oben das lat. uncinus bei ahd. furcula zu erläutern scheint. seine (das lauschnetz ist gemeint) furkeln sind nur dünne stellreiser, etwan 1 und eine halbe elle hoch und als starke spieszruthen dick. 230b. bei Döbel (1754 2, 39b) furchel: die ober- und unterleinen werden auch nicht so gar scharf angezogen, damit es auch nicht so schwer und also geschwinder auf die furcheln zu heben sey. die furcheln werden zwischen der unterleine und dem garne eingestoszen, aber nicht tief, sondern nur knapp, dasz sie stehen und das garn oben tragen, wie denn oben nur eine flache lorve (kerb) an der furchel ist, darinn die oberleine gar knapp liege. furckel do mit man die netze stellt, amis, ames. voc. theut. v. 1482 i 6a. i 8b. amis, ames hiesz bei den Römern die stellgabel zum aufspannen der netze beim vogelfange. furckel oder stiffel, hamis virga sustinens rethe quo capiunter fere vel aves. i 6b.
6) an der Salzach, am Inn ein gabelstecken der dazu dient, querstangen zu halten. bestimmter zaunfurkel. Schmeller 1, 563.
7) in den schmelzhütten eine gestielte zweizackige an den enden etwas gebogene eiserne gabel, mit der der hüttenarbeiter die scheibensteine und schlacken von den geschmolzenen metallen, dem schmelzgute, abnimmt und auf die seite hebt. Jablonski 223a. mineral- u. bergwerkslex. 225b. Richter 1, 346. Lampadius handwb. 79 gibt an, sie diene zum scheibenabziehen des roh- und bleisteins, wenn derselbe auf der oberfläche in dem stichherd erstarrt, und die etwas gröszere furkel, die zum scheibenziehen des kupferbleches und des schwarzkupfers gebraucht werde, heisze kupferfurkel.
8) ehedem in der Wetterau ein von bauern getragener vorn offener, aber mit knöpfen versehener kittelartiger leinener rock, der sich vom rücken abwärts in zwei theile spaltete und so gabelförmig gestaltete. übrigens gebrauchte man das wort männlich und man sprach forkel, das aber, der mundart gemäsz, hochd. furkel zu schreiben ist.

[Bd. 4, Sp. 758]



9) in Baiern auch verächtlich für weibsperson. Schmeller a. a. o. als schelte du alte furkel du! Delling 1, 189. eine übertragung von 2) in vergleichung der beine.
 
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furkelhake, furkelhaken, m. der eiserne hake, mit dem die furkel zum tragen hoher tücher beschlagen ist. s. DWB furkel 5). 42 furckelhaacken, jeden 1 gl. gerechnet, macht 1 thlr. 18 gl. Flemming teutsch. jäger 1, 215b.
 
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furkellippe, m. in der Wetterau einer der gespaltenen theile des furkels. s. DWB furkel 8) und lippe, rocklippe.
 
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furkeln ,
1) vom hirsche in beziehung auf einen andern, überhaupt ein anderes thier oder einen menschen: mit dem gewicht oder geweih stoszen. doch sagt man weidmännisch gewöhnlich forkeln. Heppe wohlred. jäger 347. Wilckens weidmänn. spr. 57, 250. weidmänn. taschenwb. 154. auch gabeln, spieszen. s. DWB forkeln und vgl. DWB forkel 1).
2) mit stellstangen aufrichten. Jacobsson technol. wb. 1, 772a. auch forkeln, furcheln, forcheln. s. DWB furkel 5).
3) Schles. furkeln, forkeln, forcheln.
a) intrans.: hin- und herfahren, schwanken.

was vor ein Röpel mit forkelndem hinken.
Scherffer ged. 111.

s. Weinhold 24b. oberpfälz. kärnt. furkeln, mit etwas hin- und herfahren, damit unvorsichtig umgehn, z. b. mit einem lichte, einem messer. Schmeller 1, 563. Lexer 105.
b) trans.: hin- und herfahren machen, hin- und herzerren, hin- und herreiszen, hin- und herwerfen, jemand oder etwas ungestüm reiszen und werfen dasz es bald dahin bald dorthin fährt. auch, wie die folgende stelle zeigt, in Franken, Nürnberg

(das boshaftige weib) vertreibt mir gsellen und gesind,
und furckelt hin und her die kind
bey einem flügel in ein ecken,
thut sie hart schlagen und erschrecken.
H. Sachs I, 449d (1590 337d).

ob die unter firgeln, firkeln 3, 1672 gebrachte stelle fastn. 332, 6 nicht eher hierher zu setzen wäre, wo sie schon Weinhold a. a. o. bei der bedeutung vergleicht? sie passt auch hier besser als bei jenen wörtern. freilich müste dann firkeln i für ü haben und eine form fürkeln angenommen werden, die allerdings leicht möglich ist.

 

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