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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürkaufer bis furkel (Bd. 4, Sp. 755 bis 757)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürkaufer, fürkäufer, m.
1) einer der wucherisch vorweg- und aufkauft und so vertheuert. mhd. daʒ sint trügener an ir koufe und an ir antwërke: ... sô wuocherer, sô pfender, sô dingesgëber, sô fürköufer umbe daʒ næher. Berth. 393, 33. 1458 wird gegen die sich im bairischen wald und im bairischen unterland herumtreibenden fürkäufer, die man vellschloszer heiszt, schwere klage geführt. s. Krenners bair. landtagshandlungen 2, 186 und Schmeller 3, 461. es sind hier wol solche fürkäufer gemeint, die aufkaufen und aufspeichern, um die preise recht zu steigern und dann loszuschlagen (vgl. DWB fellschlosz). bei diesem treiben aber kann es nicht wundern, dasz die fürkäufer dem volke im höchsten grade verhaszt waren. nhd. furkauffer. voc. theut. 1482 i 6b, vgl. DWB fürkäufel. dardanarius, propola, fürkeuffer, der all ding uffkaufft. Alberus dict. b 4a. ich red nit von fürkaufen, da man nutz sucht einer ganzen gemein und gleich einen zimlichen pfenning z gewin nimbt, und noch vil weniger, wo ein oberkeit fürkauft und gemeinen nutz sucht, sonder allein red ich von den fürkaufern von eigennutz und gewins halb, und dem fürkaufer leid wer, das nachmals wein, getreid und anders wol geriet, frolocken in dem ungeraten jar, verbergen den fürrat in der not, wo sie verhoffen mer gelts daran z erhalten. H. Sachs vier dialoge 46, 4 f.; den bankbrüchigen, arszblaterigen, bitterteschigen, ubelsessigen, land unnd tischraumigen kaufleuten und fürkeufern. Fischart Garg. 54b (1608 F 7a), vgl. bankbrüchig. Rädlein 312b hat furkäuffer und vorkäuffer neben einander, Weismann dieses bei propola 1, 433a, jenes 2, 136a; auch Kirsch setzt 1, 882b vorkäuffer, dagegen 2, 125a fürkauffer, und so findet sich denn auch bei dem ihm nachtretenden Matthiä (1761) 2, 160a diese und 1, 1132b jene form, die dann schriftdeutsch die alleinherschende ist, während fürkäufer, wie fürkauf und fürkaufen, nur noch mundartlich fortdauert.
2) ein kleinhändler der markt mit lebensmitteln hält, ein höker.
3) ein feilträger alter gegenstände, besonders alter kleider, einer der alte gegenstände zum verkauf umherträgt, auch sie zu demselben neu aufputzt, interpolator, qui vestes, merces promercales circumfert. Weismann 2, 136a. vgl. DWB fürkäufler 3).
 
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fürkäuferin, f. eine feilträgerin alter gegenstände, besonders alter kleider, die zum verkaufe aus- und neu aufgeputzt sind, interpolatrix. Weismann 2, 136a. vgl. fürkäuflerin.
 
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fürkaufler, meistens aber fürkäufler,m. was fürkäufer:
1) in dessen erster bedeutung.

wir sind die wuocherer und haustierer,
fürköuffler, wechsler und banckierer. trag. Joh. C i.

den nechsten marcktag ... wurde ich (der gehechelte hanf) beschauet, vor gerechte kaufmannswahr erkannt und abgewogen, folgends einem fürkäuffler verhandelt, auf einen wagen verdingt, nach Straszburg geführt, ins kauffhausz gelieffert u. s. w. Simpl. (Keller) 890.

[Bd. 4, Sp. 756]



2) in der zweiten bedeutung. ir (der reichen Juden) heuser waren voll köstlicher pfant, desgleichen der fürkeufler uff dem markt. chron. d. d. städte 3, 146, 21. noch ist wienerisch fürkäufler ein mann, der gröszere voreinkäufe macht. Loritza 46a. östr., bair. einer der eszwaaren auf dem lande einkauft zum wiederverkaufe in den städten und märkten. Höfer 1, 254. Delling 1, 190.
3) in der dritten bedeutung von fürkäufer. propola, eyn fürkauffler, grempler. Dasypodius 196b. interpolator, ein solcher (nemlich alte waaren auf den kauf aufputzender) fürkäuffler. Weismann 1, 247a. Weismann war ein Schwabe und noch wird zu Ulm der trödler fürkäufler genannt. Schmid 210.
S. käufler.
 
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fürkäuflerin, f. was furkäuferin, trödlerin, interpolatrix. Weismann 1, 247a. der fürkeuflerin leden, die alle jerlich zins geben. chron. d. d. städte 3, 159, 26.
 
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fürkaufsrecht, n., s. vorkaufsrecht.
 
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furke, f. eine grosze gabel. ahd. furkâ in folgender stelle: under dien fuoʒen barg ër eina drizinga furkûn, diu Neptuni ist. N. Mart. Cap. 57. es ist hier Neptuns dreizack gemeint. mhd. furke von einem gabelförmigen zweig, einer zwiesel und einem geräthe daraus.

eine zwisele hiu ër an die hant,
daʒ die dâ furke nennent,
die die furkîe (das befestigen der eingeweide des hirsches an einem gabelförmigen zweige) erkennent:
doch ist niht sunders an dën zwein,
furke und zwisele deist al ein. Trist. (Maszm.) 75, 17. 20.

noch schwäbisch furke, eine dreizinkige heugabel (Schmid 211), schweiz. furke, gabel, namentlich grosze gabel mit zwei zinken, mistgabel (Stalder 1, 405). nd. forke, gabel, besonders gröszere zur ernte und in stall und hof gebrauchte gabel. mnl. vorke, nnl. vork, gabel, ags. forc, engl. fork, gabel, gabelzinke, altfries. furke, forke, gabel, altn. forkr m., stange, besonders schifsstange, schwed. fork m., schifsstange, störstange der fischer, dän. fork gabel. entlehnt aus lat. furca, zweizackige gabel, doch im mhd. auch auf die aus diesem furca gewordenen franz. formen fourque, fourc gestützt.
in den folgenden stellen ist die dreizinkige mistgabel oder eine andere grosze dreizinkige gabel gemeint:

ein rostigs panczer truog er an,
ein fuorggen (lies furggen) auch, da mit der man
gab, so er wolt rüren sich,
wunden drey in einem stich. ring 48d, 4 (s. 214);

der Leybinger mit seiner furggen
Reussen, hayden und auch Turggen
stach er all in einem stich. 54c, 34 (s. 243).

bestimmter in der zusammensetzung mistfurke: ich fürchte mich aber für mistgabeln oder mistfurken. Schuppius 803.
auch forke, von der mist- oder der zweizinkigen heugabel. s. DWB forke. nd. messforke, mistgabel, hauforke, heugabel, und das sprichwort weten wo de forke im stêl stickt, wissen wo die gabel im stiel steckt, = den zusammenhang einer sache wissen. kurhess. und zwar nur in der nähe Westfalens und Sachsens heiszt einzig die zweizinkige heugabel forke, dagegen die dreizinkige mistgabel greipe, nd. grêpe. Vilmar 108. 136.
 
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fürkehr, m. das sich fortwenden, das sich wenden vorwärts weg und fort. so, wenn die frau, welcher der drache den mann und elf ritter verschlungen hatte, dem ankommenden Wolfdieterich klagt:

in mînem hërzensêrebegreif ich dën bôm mit dër hant,
an dëm fürkêrezerret ër hin (risz er mir ab) mîn gewant. Wolfdieterich (Holzmann) 1599, 4,

in der Donaueschinger hs. in dëm fürgange, in dem weggehn, in dem fortfliehen. s. DWB kehr m.
 
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fürkehr, f.
1) das hervorkehren, herauskehren.
2) die vorkehrung. allgemeiner anz. der Deutschen 1845 s. 3695.
 
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fürkehren , s. vorkehren.
1) hervor kehren, vornhin wenden.

welche vil artlicher dan wir
können den schaafsbeltz kehren für.
Fischart jesuiterhütlein B 3b.


2) die richtung nach etwas hin nehmen, entgegenkehren, entgegenwenden, obvertere. Kirsch (1723) 2, 125a und danach Matthiä (1561) 2, 160a.
3) worauf fördernd verwenden, fördernd anwenden, adhibere. in allen sachen dâ mit unser bestis tûn furkêren. v. j. 1379 in Schannats samml. alter docum. 13, s. Haltaus 554. fleisz fürkern. beschl. des reichsreg. v. j. 1501 §. 1 (2, 93). diese bedeutung hat noch Hederich bei vorkehren, auf welches er bei fürkehren verweist.

[Bd. 4, Sp. 757]



4) zuvorkommend anwenden, vorbeugend anwenden, abhaltend anwenden. vorkehren et fürkehren, praevertere, praetendere, praetexere, excusationem afferre. Stieler 945. noch bei Nieremberger Ddd 1b, der auf vorkehren verweist, wo aber diese bedeutung nicht angegeben ist.
 
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fürkehrung, f.
1) fördernde verwendung, förderndes anwenden. allen fleisz und fürkerung thun. Haltaus 554.
2) zuvorkommende anwendung, vorbeugende anwendung, vorbeugende that. furkehrung, excusatio, purgatio, defensio, exceptio. Stieler 945.
Heute vorkehrung.
 
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furkel, f. eine gabel. ahd. furcula, uncinus. Graff 3, 685, vgl. unten 5), wo stellstangen mit haken oben erwähnt sind. furkel. voc. incip. teuton. f 3b. Diefenbach 253a. entlehnt aus mittellat. furcula, einem dim. von lat. furca (s. DWB furke). auch forkel (s. d.). Bedeutungen:
1) eine gröszere gabel.
2) ein gabelzweig oder eine zwiesel: denn Moseh hat dise schlang auff ein pfal oder furckel, oder wie man es den kindern fürmalet, auff ein schecherkreutz, in die höhe auffgehenckt. Mathesius Sarepta (1562) 101b. eben so wol eine als gestell zugerichtete oder auch künstlich gemachte zwiesel. so heiszt z. b. hie und da in Sachsen, im Erzgebirge der unten gabelförmige stiel des rechens, die rechfurchel oder rechforchel.
3) eine aus einer zwiesel gemachte gabel zum schütteln des strohes beim ausdreschen und zum wegnehmen des strohes in den scheunen. Zincke ökon. lex. 1, 806. vgl. schüttelgabel.
4) ein stab, ursprünglich gabel- oder zwieselstab, mit welchem die ketten an den heu- und den erntewagen in die höhe gestemmt werden. ebenda.
5) in der weidmannssprache eine stange von tannenholz, fichtenholz u. s. w. oben mit einer gabel, ursprünglich wol einer zwiesel, in welche bei aufstellung der jagdnetze, jagdtücher und anderer zum fange des wildes und der wölfe erforderlichen zeuge die oberleinen aufgelegt werden, um die genannten jagdzeuge in die höhe zu ziehen und aufgezogen zu erhalten, eine stellstange. zu den hohen tüchern sind solche stangen oben statt der gabel auch mit einem ring und einem eisernen haken beschlagen, worauf das tuch mit der oberleine zu liegen hat. auch furchel, forkel, forchel. s. Jacobsson technol. lex. 1, 772a. Zincke forst-, fisch- u. jagdlex. 1, 885 ff. Heppe wohlred. jäger 158b, der aber die namen nur auf die stellstangen bei sau-, wolfs- und hasengarnen beschränkt. dieselbe beschränkung hat auch das weidmännische taschenwb. 154. vor zwölf furckeln von dannenholtz mit eisern hacken 2 thlr. Flemming teutsch. jäger 1, 215a. auch hier sind die eisernen haken erwähnt, was oben das lat. uncinus bei ahd. furcula zu erläutern scheint. seine (das lauschnetz ist gemeint) furkeln sind nur dünne stellreiser, etwan 1 und eine halbe elle hoch und als starke spieszruthen dick. 230b. bei Döbel (1754 2, 39b) furchel: die ober- und unterleinen werden auch nicht so gar scharf angezogen, damit es auch nicht so schwer und also geschwinder auf die furcheln zu heben sey. die furcheln werden zwischen der unterleine und dem garne eingestoszen, aber nicht tief, sondern nur knapp, dasz sie stehen und das garn oben tragen, wie denn oben nur eine flache lorve (kerb) an der furchel ist, darinn die oberleine gar knapp liege. furckel do mit man die netze stellt, amis, ames. voc. theut. v. 1482 i 6a. i 8b. amis, ames hiesz bei den Römern die stellgabel zum aufspannen der netze beim vogelfange. furckel oder stiffel, hamis virga sustinens rethe quo capiunter fere vel aves. i 6b.
6) an der Salzach, am Inn ein gabelstecken der dazu dient, querstangen zu halten. bestimmter zaunfurkel. Schmeller 1, 563.
7) in den schmelzhütten eine gestielte zweizackige an den enden etwas gebogene eiserne gabel, mit der der hüttenarbeiter die scheibensteine und schlacken von den geschmolzenen metallen, dem schmelzgute, abnimmt und auf die seite hebt. Jablonski 223a. mineral- u. bergwerkslex. 225b. Richter 1, 346. Lampadius handwb. 79 gibt an, sie diene zum scheibenabziehen des roh- und bleisteins, wenn derselbe auf der oberfläche in dem stichherd erstarrt, und die etwas gröszere furkel, die zum scheibenziehen des kupferbleches und des schwarzkupfers gebraucht werde, heisze kupferfurkel.
8) ehedem in der Wetterau ein von bauern getragener vorn offener, aber mit knöpfen versehener kittelartiger leinener rock, der sich vom rücken abwärts in zwei theile spaltete und so gabelförmig gestaltete. übrigens gebrauchte man das wort männlich und man sprach forkel, das aber, der mundart gemäsz, hochd. furkel zu schreiben ist.

[Bd. 4, Sp. 758]



9) in Baiern auch verächtlich für weibsperson. Schmeller a. a. o. als schelte du alte furkel du! Delling 1, 189. eine übertragung von 2) in vergleichung der beine.

 

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