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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürkäufel bis fürkehr (Bd. 4, Sp. 755 bis 756)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürkäufel, m. was fürkäufer. furkeuffel, furkauffer, preemptor. voc. theut. 1482 i 6b. den wierten, fragnern und andern fürkheufln. kärnt. policeiordn. v. j. 1578 23b, s. Haltaus 553.
 
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fürkaufen, vorweg kaufen, wucherisch vorweg kaufen, wucherisch vorweg und aufkaufen. vgl. DWB fürkauf 3).

fürchaufen, simonei phlëgen,
die sünde chanst du ring wëgen:
du wcherst paide tag und nacht.
Suchenwirt nr. 40, 187.

s. auch unter fürkaufer die stelle aus einem dialoge von H. Sachs. fürkauffen, compravendere. Hulsius 51a. aufkaufen et fürkaufen, praemercari, in lucrum mercari. Stieler 939. fürkauffen, auskauffen. Rädlein 312b. fürkauffen, praemercari. Kirsch (1723) 2, 118a. später erloschen.
 
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fürkaufen, n., der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums:

welche (die bösen) mit jhren trachendappen
auch täglich nach dem reichthumm schnappen
mit wuchern, betrug und fürkauffen.
H. Sachs II. 4, 51c (39d).

von wannen kumbt das fürkaufen, als wein, getreid und salz und alles, was man erdenken mag? kumbt es nicht ausz dem geiz? H. Sachs vier dialoge 45, 25. s. aus diesen auch die stelle nachher unter fürkaufer.
 
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fürkaufer, fürkäufer, m.
1) einer der wucherisch vorweg- und aufkauft und so vertheuert. mhd. daʒ sint trügener an ir koufe und an ir antwërke: ... sô wuocherer, sô pfender, sô dingesgëber, sô fürköufer umbe daʒ næher. Berth. 393, 33. 1458 wird gegen die sich im bairischen wald und im bairischen unterland herumtreibenden fürkäufer, die man vellschloszer heiszt, schwere klage geführt. s. Krenners bair. landtagshandlungen 2, 186 und Schmeller 3, 461. es sind hier wol solche fürkäufer gemeint, die aufkaufen und aufspeichern, um die preise recht zu steigern und dann loszuschlagen (vgl. DWB fellschlosz). bei diesem treiben aber kann es nicht wundern, dasz die fürkäufer dem volke im höchsten grade verhaszt waren. nhd. furkauffer. voc. theut. 1482 i 6b, vgl. DWB fürkäufel. dardanarius, propola, fürkeuffer, der all ding uffkaufft. Alberus dict. b 4a. ich red nit von fürkaufen, da man nutz sucht einer ganzen gemein und gleich einen zimlichen pfenning z gewin nimbt, und noch vil weniger, wo ein oberkeit fürkauft und gemeinen nutz sucht, sonder allein red ich von den fürkaufern von eigennutz und gewins halb, und dem fürkaufer leid wer, das nachmals wein, getreid und anders wol geriet, frolocken in dem ungeraten jar, verbergen den fürrat in der not, wo sie verhoffen mer gelts daran z erhalten. H. Sachs vier dialoge 46, 4 f.; den bankbrüchigen, arszblaterigen, bitterteschigen, ubelsessigen, land unnd tischraumigen kaufleuten und fürkeufern. Fischart Garg. 54b (1608 F 7a), vgl. bankbrüchig. Rädlein 312b hat furkäuffer und vorkäuffer neben einander, Weismann dieses bei propola 1, 433a, jenes 2, 136a; auch Kirsch setzt 1, 882b vorkäuffer, dagegen 2, 125a fürkauffer, und so findet sich denn auch bei dem ihm nachtretenden Matthiä (1761) 2, 160a diese und 1, 1132b jene form, die dann schriftdeutsch die alleinherschende ist, während fürkäufer, wie fürkauf und fürkaufen, nur noch mundartlich fortdauert.
2) ein kleinhändler der markt mit lebensmitteln hält, ein höker.
3) ein feilträger alter gegenstände, besonders alter kleider, einer der alte gegenstände zum verkauf umherträgt, auch sie zu demselben neu aufputzt, interpolator, qui vestes, merces promercales circumfert. Weismann 2, 136a. vgl. DWB fürkäufler 3).
 
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fürkäuferin, f. eine feilträgerin alter gegenstände, besonders alter kleider, die zum verkaufe aus- und neu aufgeputzt sind, interpolatrix. Weismann 2, 136a. vgl. fürkäuflerin.
 
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fürkaufler, meistens aber fürkäufler,m. was fürkäufer:
1) in dessen erster bedeutung.

wir sind die wuocherer und haustierer,
fürköuffler, wechsler und banckierer. trag. Joh. C i.

den nechsten marcktag ... wurde ich (der gehechelte hanf) beschauet, vor gerechte kaufmannswahr erkannt und abgewogen, folgends einem fürkäuffler verhandelt, auf einen wagen verdingt, nach Straszburg geführt, ins kauffhausz gelieffert u. s. w. Simpl. (Keller) 890.

[Bd. 4, Sp. 756]



2) in der zweiten bedeutung. ir (der reichen Juden) heuser waren voll köstlicher pfant, desgleichen der fürkeufler uff dem markt. chron. d. d. städte 3, 146, 21. noch ist wienerisch fürkäufler ein mann, der gröszere voreinkäufe macht. Loritza 46a. östr., bair. einer der eszwaaren auf dem lande einkauft zum wiederverkaufe in den städten und märkten. Höfer 1, 254. Delling 1, 190.
3) in der dritten bedeutung von fürkäufer. propola, eyn fürkauffler, grempler. Dasypodius 196b. interpolator, ein solcher (nemlich alte waaren auf den kauf aufputzender) fürkäuffler. Weismann 1, 247a. Weismann war ein Schwabe und noch wird zu Ulm der trödler fürkäufler genannt. Schmid 210.
S. käufler.
 
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fürkäuflerin, f. was furkäuferin, trödlerin, interpolatrix. Weismann 1, 247a. der fürkeuflerin leden, die alle jerlich zins geben. chron. d. d. städte 3, 159, 26.
 
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fürkaufsrecht, n., s. vorkaufsrecht.
 
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furke, f. eine grosze gabel. ahd. furkâ in folgender stelle: under dien fuoʒen barg ër eina drizinga furkûn, diu Neptuni ist. N. Mart. Cap. 57. es ist hier Neptuns dreizack gemeint. mhd. furke von einem gabelförmigen zweig, einer zwiesel und einem geräthe daraus.

eine zwisele hiu ër an die hant,
daʒ die dâ furke nennent,
die die furkîe (das befestigen der eingeweide des hirsches an einem gabelförmigen zweige) erkennent:
doch ist niht sunders an dën zwein,
furke und zwisele deist al ein. Trist. (Maszm.) 75, 17. 20.

noch schwäbisch furke, eine dreizinkige heugabel (Schmid 211), schweiz. furke, gabel, namentlich grosze gabel mit zwei zinken, mistgabel (Stalder 1, 405). nd. forke, gabel, besonders gröszere zur ernte und in stall und hof gebrauchte gabel. mnl. vorke, nnl. vork, gabel, ags. forc, engl. fork, gabel, gabelzinke, altfries. furke, forke, gabel, altn. forkr m., stange, besonders schifsstange, schwed. fork m., schifsstange, störstange der fischer, dän. fork gabel. entlehnt aus lat. furca, zweizackige gabel, doch im mhd. auch auf die aus diesem furca gewordenen franz. formen fourque, fourc gestützt.
in den folgenden stellen ist die dreizinkige mistgabel oder eine andere grosze dreizinkige gabel gemeint:

ein rostigs panczer truog er an,
ein fuorggen (lies furggen) auch, da mit der man
gab, so er wolt rüren sich,
wunden drey in einem stich. ring 48d, 4 (s. 214);

der Leybinger mit seiner furggen
Reussen, hayden und auch Turggen
stach er all in einem stich. 54c, 34 (s. 243).

bestimmter in der zusammensetzung mistfurke: ich fürchte mich aber für mistgabeln oder mistfurken. Schuppius 803.
auch forke, von der mist- oder der zweizinkigen heugabel. s. DWB forke. nd. messforke, mistgabel, hauforke, heugabel, und das sprichwort weten wo de forke im stêl stickt, wissen wo die gabel im stiel steckt, = den zusammenhang einer sache wissen. kurhess. und zwar nur in der nähe Westfalens und Sachsens heiszt einzig die zweizinkige heugabel forke, dagegen die dreizinkige mistgabel greipe, nd. grêpe. Vilmar 108. 136.
 
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fürkehr, m. das sich fortwenden, das sich wenden vorwärts weg und fort. so, wenn die frau, welcher der drache den mann und elf ritter verschlungen hatte, dem ankommenden Wolfdieterich klagt:

in mînem hërzensêrebegreif ich dën bôm mit dër hant,
an dëm fürkêrezerret ër hin (risz er mir ab) mîn gewant. Wolfdieterich (Holzmann) 1599, 4,

in der Donaueschinger hs. in dëm fürgange, in dem weggehn, in dem fortfliehen. s. DWB kehr m.
 
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fürkehr, f.
1) das hervorkehren, herauskehren.
2) die vorkehrung. allgemeiner anz. der Deutschen 1845 s. 3695.

 

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