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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
furierung bis fürkaufen (Bd. 4, Sp. 753 bis 755)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) furierung, f. die von dem furier gemachte anordnung oder bestimmung der quartiere, des einlagers. fuhrirung, furirung. Rädlein 309b. 312b. von furieren.
 
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furierzettel, m. eine für den furier angefertigte namenliste zur bestellung und anordnung der wohnungen oder quartiere, namentlich bei reisen. wie im furierzettel stehet. Schweinichen 1. 87, es sind in demselben die namen der fürstlichen reisenden angegeben. ey ey! sagte er (der graf) lächelnd, ich sehe wohl, dasz man dem zufalle überlassen hat, den fourierzettel zu machen ... jedermann wird unbequem wohnen. Göthe 20, 291. ehedem auch bei den deutschen kaiserwahlen die liste, welche von den kurfürstlichen gesandten über das gefolge der kurfürsten dem erbmarschallamt überschickt wurde, damit der reichsfurier die gehörigen quartiere besorgen konnte. Adelung 2, 368. Haas d. fr. wb. 1, 1151.
insbesondere beim heerwesen die quartierliste des quartiermeisters, pagina metatoria. so fourierzettel bei Kirsch (1723) 1, 684a u. 2, 118b, dann auch bei Weber universalwb. 308b, der aber, wie für fourierbrief, auszerdem noch die bedeutung urkundlicher beleg für eine fuhre, documentum vecturae, hat, denn auch die aufsicht über die fuhren kam früher dem furier zu (vgl. Stieler 412).
 
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furig, fürig, adj., s. fuhrig, führig oben sp. 466. den dort gegebenen belegen füge ich noch bei furig seyn, wol furen nehren, multum alimenti praestare. Dentzler 2, 118a.
 
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fürig, adj. , abgeleitet von dem adv. für.
1) übrig, reliquus. Dentzler 2, 118a. »fürige zeit, otium« (ebenda), also was musze. s. DWB für II 7).
2) In dem elsäss., schweiz., bair. wasfürig, was für ein, was für eine, welcherlei. straszburg.

Gläsler. s gebirgg isch in der næche,
do sinn viel schlösser druf. Christinel. was fürrigi?
Gläsier. mer räche (wir rechnen)
gar vieli, un i wüszt see nit glych so.
Arnold pfingstmontag 74.

schweiz. wasfürige leute, was für leute; wasfürigs, welcherlei. Stalder 1, 405. masc. wasföriga, fem. wasförigé, neutr. was förigs, en was förige. en wasföriga wi isch ĕs? was für ein wein ist es? was förig bera sönds? was für birnen sinds? Tobler 202a. bair. der die das waszfürige, welcher, welche, welches von den in rede stehenden dingen? Schmeller 1, 555.

[Bd. 4, Sp. 754]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) füritzt, adv., eins mit fürjetzt und heute gegen diese form, wie überhaupt itzt für jetzt, als alterthümlich angesehen. auch voritzt, wie vor für älteres für:

hätt ich die scheere nicht voritzt zur hand genommen,
wir wären noch zuletzt um haus und hof gekommen.
Lichtwer fabeln 4, 25.


 
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fürjahen, voraus mit »ja« bekräftigen, voraus als fest und sicher annehmen, voraus behaupten? und dis solt die widderteuffer für dechtig machen, ... das si eben ynn dem, da sie die tauffe der kinder verleugnen, ein gantz ungewis ding für jahen, als das vergebung der sunde yrgent sey, da nicht das wort und sacrament sey. Justus Jonas übersetzung von Melanchthons unterricht wider die lehre der widertäufer 11.
 
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fürjetzt, adv. für die gegenwart, für den augenblick, vorläufig. Adelung. Haas d. fr. wb. 1, 1152). häufig vorjetzt, s. d.
 
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fürkauen, fürkäuen, s. vorkauen, vorkäuen. praemando, ich kew für. Alberus dict. ee 4a; praemansus, furgekewet. ebenda. fürkewen. Henisch 1302, 10. auch: vorsagen zum nachsprechen. dann was wolten sie ohn solch fürgekawet arbeit und das grosz buch von Tübingen den bawren predigen? Fischart Garg. 243b (1608 Ff 5b). freilich geringschätzig gebraucht in beziehung auf den nachsprechenden.
 
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fürkauf, m. s. vorkauf.
1) auf einem vorrechte beruhender kauf, kauf bevor bei einem verkaufe ein anderer kaufen darf. Haltaus 553. s. vorkaufsrecht.
2) der alleinhandel, der alleinige ein- und verkauf einer waare oder von waaren. fürkauff, der allein ein- und verkauff, einhandel, monopole. Rädlein 312b. fürkauff, monopolium. Dentzler 118a. die keyserlichen recht verbieten monopolia, die fürkäuffe, aber ietzt ... Agricola spr. 125b.
3) aus gewinnsucht hervorgehender kauf zu nachherigem oder späterem wiederverkaufe, dann im besondern wucherischer kauf unmittelbar vor dem markte. ahd. findet sich noch kein fürchouf, aber mhd. mehrfach vürkouf in der eben angegebenen bedeutung:

schatzung, fürkouf und gesuoch
hât manegen unkustigen fluoch. renner 4909;

neid und haʒ hât seinen lauf,
liegen, wuecher, fürchauf.
Suchenwirt nr. 30, 204.

nhd. alle verborgene kouffe und fürkouffe, domit fromme lüt um das ir und die statt an iren zollen betrogen werden mögen. Straszburger rechtsb. 113, bei Scherz 165 und daraus von Zarncke in Brants narrensch. 437a; wann der gemein burger oder bauersman solt den zaum z lang haben, so merkt iezt der gemein man den groszen wcher, bedriegerei, fürkauf, eigennützigkeit oder bedeurung (vertheuerung) aller gewar und kaufmanschaft, dasz nichts sicher uf der welt ist, es sei under den groszen kaufleuten oder derselben geselschaften gewalt oder verbüntnüs. Schade sat. u. pasqu. 2, 56, 10; der wucherer mit seinem fürkauff. Agricola sprichw. 235a;

fürkhauff hat diese beschaffenheit:
wann einer dem andern zu jederzeit
was usz dem weeg khauff umb werth oder gelt,
so ihn der ander albereit bestölt.
der verlustiget (verlustbringende) thail würdt gestrafft
umb 12 und 6 schilling der ritterschafft.
so aber in deme ein geordneter lohn
und fangt ein anderer einen fürkhauff an,
er geb wohl acht und merckhe eben,
musz doppelte straf 72 pfenning geben.
Adrians mitth. 41;

derhalb treibt dich desz geitzes tück
auff ohn zahl tausent böser stück,
auff wucher, fürkauff und finantz.
H. Sachs I (1590), 165a;

in wuocher (zu ergänzen hând wir) doppel gwinn genuoch!
im fürkouff, gremplen gar vernuocht. trag. Joh. Cj;

wcher und fürkauff hatt fürgang.
Wickram pilger T 69.


besonders verrufen war das vorweg- und aufkaufen des getreides, des weines und des futters, um dadurch eine künstliche theurung hervorzubringen und den preis in der gewalt zu haben. dies aber geschah nicht blosz von einzelnen reichen leuten, sondern von förmlichen gesellschaften, die sich zu dem behufe gebildet hatten (s. Köhlers vier dialoge von H. Sachs 46, 23—27) und das erforderliche capital zusammenschossen. solche gesellschaften bildeten sich schon seit dem 14. jh. und der fürkauf ist im 14., 15. und 16. jh. der gegenstand steter klagen. aus jenem erstgenannten jh. enthält z. b. das alte Meraner stadtrecht vorbeugende bestimmungen und strafen. s. Haupt 6, 414 f. 422f. zu Regensburg durfte an markttagen kein fürkäufer eher aufkaufen, als bis mit einer glocke vom Heiden- oder Römerthurme ein bestimmtes zeichen gegeben war, und zu Salzburg diente als solches eine ausgesteckte fahne. s. Zarncke zu Brants narrenschiff 436a. weitere gegen den fürkauf

[Bd. 4, Sp. 755]


gerichtete bestimmungen aus dem 16. jh. gibt Haltaus 553 f. vgl. DWB käufel.
Das wort wird übrigens nicht über das erste viertel des 18. jh. schriftdeutsch sich mehr finden.
 
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fürkäufel, m. was fürkäufer. furkeuffel, furkauffer, preemptor. voc. theut. 1482 i 6b. den wierten, fragnern und andern fürkheufln. kärnt. policeiordn. v. j. 1578 23b, s. Haltaus 553.
 
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fürkaufen, vorweg kaufen, wucherisch vorweg kaufen, wucherisch vorweg und aufkaufen. vgl. DWB fürkauf 3).

fürchaufen, simonei phlëgen,
die sünde chanst du ring wëgen:
du wcherst paide tag und nacht.
Suchenwirt nr. 40, 187.

s. auch unter fürkaufer die stelle aus einem dialoge von H. Sachs. fürkauffen, compravendere. Hulsius 51a. aufkaufen et fürkaufen, praemercari, in lucrum mercari. Stieler 939. fürkauffen, auskauffen. Rädlein 312b. fürkauffen, praemercari. Kirsch (1723) 2, 118a. später erloschen.

 

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