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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
furie bis furiererin (Bd. 4, Sp. 749 bis 753)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) furie, f. , entlehnt aus lat. furia, wut, raserei, dann plagende rächerin von übelthaten, wütendes weib. von furere, wüten, rasen, toben.
1) die wut, raserei. die frau Küttlitzen ... feiert mit anhetzen nicht: i. f. g. sollten die herzogin zwingen, dasz sie gehorsamen sollte. mit solchem erzürnet sie den herzog, dasz i. f. g. in der furie nach der herzogin ihrem zimmer zu laufen, uberrascht die herzogin im zimmer unversehens u. s. w. Schweinichen 1, 123; sein (des luchses) fang geschieht ... mit beschleichen und weiten sprüngen. ist er ihnen (den

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herankommenden thieren) nun nahe genung, so springen sie in der furie drauf zu. Döbel 1, 33a (34a); in der furi. pol. stockf. 287. er hat es in der furie gethan, im zorn. Frisch 308c. in der ersten furie, primo impetu. Nieremberger Ddd 2c. etliche wolten sie gleich in der ersten furi todt schieszen. Simpliciss. (Keller) s. 95, 26 (b. 1 cap. 14);

die kriegsfuri ist an der Donau los.
Schiller Wall. lag. 8 (erster druck s. 38).

tirol. es haben die henkersknecht dem herrn Jesu seine kleider mit grosser furi abgerissen. aus einer hs. des 17. jahrhunderts bei Schöpf 163; einen in die furi bringen. Schöpf ebenda; eine wilde furi. ebenda. schaum auf dem munde renn ich nach hause, wähle mir einen dreispitzigen degen und damit in aller furie in des ministers haus. Schillers räuber, 2. aufl., s. Hoffmeisters nachlese 1, 50. tirol. in aller furi, in rasender hast. Schöpf a. a. o. sind in voller furie fort nach Friedberg aufs pfleggericht ...; er, der hauptmann, zieht das schnupftuch heraus — heult — so recht massive tropfen, und rennt in einer furie ihr nach. Iffland 5, 3, 124 (hausfr. 4, 7). noch bair. in aene (einer) furi is s deher (daher) grennt. Schmeller 1, 553. sie fochten mit grosser furie. Ludwig (1745) 677; eine poetische furie, wenns einen ankömmt verse zu machen. ebenda.
verstärkt im pl. gesetzt:

mit allen furien der hungersnoth begleitet,
hatt ein verheerend mangeljahr
sich über Danien verbreitet
und stellt ein bild des höchsten jammers dar.
Tiedge markt des lebens 1, 27.


2) eine der als rachegöttinnen von den Römern und Griechen gefürchteten strafenden plagegeister für unthaten.

umsonst! noch lebt der wurm, der meine seele
durchnagt! noch brennt die glut, die sie verzehrt! ...
die furie schwärmt wütend über mir.
C. F. Weisze trauersp. 3, 133;

sie ist die furie meines lebens, mir
ein plagegeist, vom schicksal angeheftet.
Schiller 438a (M. St. 4, 10);

der mutter lasterthaten führten
die furien herein in dieses haus. 456a (j. v. Orl. 1, 5);

kerl! da ist er dir in seinem element und haust teufelmäszig, als wenn jede faser an ihm eine furie wäre. 119a (räub. 2, 3); süsze furie meines herzens. räuber, 2. aufl., 4, 12; meine furien erdrosseln hier ihre schlangen — die hölle ist zernichtet. 5, 7; Sibylle! furie! rief Wilhelm aus, ... welch ein böser geist besitzt und treibt dich? ... dasz du noch solche höllische kunstgriffe brauchst, um meine marter zu schärfen? Göthe 20, 93;

verwegner, du, aus eines gottes kusz,
auf einer furie mund gedrückt, entsprungen.
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 172.

in verstärkendem ausdrucke höllische furie, höllenfurie: und du, reue, höllische furie, grabende schlange, die ihren frasz wiederkäut. Schiller räub., 2. aufl., 2, 1 (113a); undankbare viper Mathilde! o dasz ich dich bald in eigner schlinge fange, dirs bald mit den nämlichen waffen lohne, mit denen du mir wunden geschlagen, verfluchte, höllische furie! Fr. Müller 3, 108; die fromme Rebekka ... erhob grosz geschrey und rief dem gesinde, als sey ihrer keuschheit gewalt geschehen, schalt und schmähete und gebehrdete ihrer als eine höllenfurie. Musäus volksm. (1787) 5, 155. in dem sinne einer strafenden rachegöttin und dem daraus hervorgehenden einer wütenden weiblichen person neben einander steht das wort in folgender stelle:

Archias. qual und tod
und alle furien — auf dich! auf mich!
auf diese furie (die mordende Aspasia). —
C. F. Weisze trauersp. 3, 109.

in dem sinne wütende, rasende, weibliche person, höchst aufgeregte grausame weibliche person: sie ist eine furie. Frisch 308c. Nieremberger Ddd 2c; eben wollte sie (Kordelia) mich aufheben, als diese alte furie (die wächterin ist gemeint) hereinsprang. K. G. Lessing schausp. (Berlin 1778) 1, 76; Laura, meine tochter! — sonst ein so sanftes lämmchen — und auf einmal so eine furie! Gotter das öffentliche geheimnis (Leipzig 1781) 106; als die frau wie eine furie in die stube brach, roth um den kamm und blind vor eifersucht. J. G. Müller Siegfr. v. Lind. (1790) 1, 164;

hört was die furie (Turandot) verlangte!
Schiller 584a;

er geht, er ist verloren,
der theure fremdling geht, er will es wagen,
die räthsel dieser furie zu lösen. 586a.

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3) ein kleiner haarförmiger, angeblich aus den lappländischen und bothnischen sümpfen kommender, aber auch im nördlichsten Livlande sich findender wurm, der sich, wenn er auf die haut der menschen oder des viehes, hier besonders der pferde fällt, in dieselbe schnell einbohren und jucken mit den heftigsten schmerzen so wie von entzündungsfieber begleitete brandflecken verursachen soll, zuweilen mit raschem tödtlichen ausgange, furia infernalis, die höllische furie, der höllendrache, der tollwurm, der mordwurm. Nemnich 2, 1683 f.
4) ein früher aus Ostindien, besonders aber aus China kommender, dann in Frankreich, Flandern und Holland nachgemachter zeug mit atlas- oder tafftgrund und abenteuerlichen, selbst ungestalten figuren. Schedel waarenlex. (1797) 1, 447b. Haas deutschfranz. wb. 1, 1152. von diesen figuren rührt auch der name her.
5) ehedem ein feierlicher, aber dabei sehr feuriger tanz, in dem der tänzer gleichsam fliegt. Jacobsson 1, 808b. überhaupt ein tonstück im oder ¾ tacte, das sehr geschwind gespielt und dabei feurig und scharf accentuiert vorgetragen wird. Häuser music. lex. 1, 95.
 
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furienappetit, m. der eifer und das wütende verlangen der furien (rachegöttinnen):

sie (Dido) risz mit furienappetit
ihr haar sich aus.
Blumauer Aeneis 1, 161.


 
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furienauge, n. ein wildrollendes wutfunkelndes auge, wie das einer furie:

dem grünlichrothen furienauge
entträufelte — ambra nicht, nein, eine gelbliche lauge,
wie harz der kienigten tanne.
J. G. Müller Siegfr. v. Lindenb. (1790) 2, 234.


 
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furiengesang, m. ein gesang der furien (rachegöttinnen): grausender noch ist der furiengesang auf den sohn Jupiters, wie der Macedonier (Alexander der gr.) so gern genannt seyn wollte. Klamer Schmidt kom. dicht. 391, wo der gesang dann s. 392 folgt. der furiengesang in Schillers kranichen des Ibycus.
 
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furienscene, f. eine scene, in der eine furie oder furien handelnd auftreten. s. DWB furie 2). aber sie (die frau) kam mir ganz wild vor. doch keine furienscene, die sie probirte, um sie mit mir zu spielen? Gotter trunkner mund 22.
 
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furientrupp, m. eine anzahl von furien bei einander. so fall ich streich auf streich, sturm auf sturm, dieses zerbrechliche leben an, bis den furientrupp zuletzt schlieszt — die verzweiflung! Schiller 113a (räub. 2, 1). es sind hier als furien zorn, sorge, gram, furcht, schreck, jammer, reue (s. die stelle oben unter furie), selbstverklagung bezeichnet, mit denen Franz von Moor seinen vater zu tödten versuchen will.
 
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furier, m. entlehnt aus franz. fourrier, welches aus mittellat. fodrarius, der das futter zu besorgen oder im kriege einzutreiben hat, von dem ebenfalls mittellat., dem ags. fôder ahd. fuotar nhd. futter (s. d.) entnommenen foderum. das wort trat neben das ältere, im 16. und auch im 17. jh. geläufige furierer (s. d.) und verdrängte dieses dann im ersten viertel des 18. jh. Bei Henisch lautet es forier, forir und furier, furir, bei Schottelius, Dentzler, Weismann, Frisch furier. Stieler hat furir wie furirer. heute schreibt man nach dem franz. gerne fourier, wie schon bei Kirsch 2, 118b sich findet, der aber 126a auch furier setzt.
1) ein hofbedienter dem die ausrichtung der befehle des hofmarschalls obliegt, besonders was ankommende fremde oder überhaupt gäste betrift. vgl. auch DWB futtermarschall. forier, furier, quartiermeister, der einem jeden inn den feldzügen oder reichstägen oder stätten sein läger oder herberg auszzeichnet. Henisch 1180, 66, der aber das wort besonders im kriegswesen hat, vgl. nachher unter 2). furier (der), einer der im kriege und von hofe voraus gesandt wird, die qvartiere oder herberge zu bestellen. Ludwig (1745) 677. Frisch 1, 308c unterscheidet hoffurier, der für die bey hof ankommende gäste sorgt, und cammerfurier, der für die nachtquartier und die einkehr eines grossen herrn sorgt.
2) ein unteroffizier, der die musterrolle einer compagnie zu halten und für die quartiere der gemeinen soldaten so wie für die austheilung des commisbrotes zu sorgen hat, überhaupt ehedem in garnisonen darauf zu sehen hatte, dasz jeder bürger seinem soldaten bett, dach und gemach, süsz und sauer, feuer und licht gebe. s. Sperander 268b. auch der nicht allein für die quartiere zu sorgen, sondern zugleich das feldlager auszuwählen und anzuordnen hatte. furier, legerschlager, herberg besteller, der den kriegszleuthen ordnet, wie sie zu veld oder zu herberg ligen sollen. Henisch 1302, 5; desz fuszvolcks forir, pedestris

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diversoriorum designator. 1181, 5. in jenem wahl und obsorge des feldlagers umfassenden sinne findet sich auch furier bei Schottelius 1321, der die beifügung quartiermeister hat, so wie furir und furirer bei Stieler 412, furier und furrier bei Dentzler 2, 118a und 1, 451b, an letzter stelle ebenfalls mit dem erläuternden quartiermeister, endlich furier bei Weismann 2, 135b und Moerbeek (1768) 2, 116b. noch heute bei manchen heeren ein bei einer compagnie der infanterie mit der aufsicht über das quartierwesen betrauter und zum quartiermachen auf märschen gebrauchter, bei andern heeren dagegen ein lediglich zu schreiberdiensten verschiedener art verwendeter unteroffizier. Rüstow militär. handwb. 1, 284.
3) Bildlich z. b. von Mercurius als führer der abgeschiedenen seelen in die unterwelt:

des götterbothen,
wenn er bald kuppler ist und bald furier der todten.
Zachariä renommist 2, 146.


 
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furierbrief, m. was furierzettel. Weber universalwb. 308b, wo aber bereits fourierbrief geschrieben ist.
 
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furieren , entlehnt aus franz. fourrer, in ein futteral stecken, einschieben, in ein haus bringen, hineinbringen, welches aus mittellat. foderare, unterfüttern, von dem ebenfalls mittellat., dem goth. fôdr, scheide, entnommenen fodrus, scheide, vagina. das wort ist im 16. und 17. jh. sehr geläufig.
1) eine wohnung anweisen, einlogieren. aliquem collocare apud hospitem, eim herberg bestellen oder furieren. Frisius (1556) 247b und danach bei Maaler 152d einem furieren, das dann nach diesem weiter Henisch 1302, 8 hat. hier also mit dat. der person, dann aber mit acc., und dieser casus ist anzunehmen, wenn Schönsleder furiern, einfuriern mit der redensart seyen einfuriert worden verzeichnet (vgl. Schmeller 1, 553), auch noch 1711 Rädlein 309b fuhriren und 312b furiren, indem er an dieser letzten stelle einloschiren, einquartiren erklärend beifügt. hierauf erlischt das wort gänzlich. häufiger jedoch, als dieses einfache furieren, ist das zusammengesetzte einfurieren (s. d.):

alsbald befahl der satan drauff
dasz flugs ein gantzer teuffelshauff
gleich wie heuschrecken dahin flogen
welche disz kuttenhorn voll plogen
durch die gantz welt hin theten führen
und in all winckel einfuhriren.
Fischart jesuiterhütlein A 5b;

ein todtengräber, ein marckatenter und gartküchner, welche katzen für hasen, pferdsfleisch für wildpret und mucken für rosinen verkaufft hatten, sind (in der hölle) bey die pastetenbecken einfurirt. Philander 1, 20.
insbesondere: ein quartier anweisen, einquartieren.
2) einkehren, zur herberge sein, im quartiere liegen. eine bedeutung, die Stieler 412 furiren mit der erklärung »diversari« jenem zusammengesetzten einfurieren gegenüber beilegt. doch schon bei Schottelius 1321 furieren, »diversari«, aber auch »ordonner les quartiers«, also in der ersten bedeutung.
 
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furierer, m. einer der für herberge, für quartier zu sorgen hat, besteller der herberge, des quartiers. überhaupt was furier, das früh im 17. jh. neben das ältere furierer trat und dieses dann in dem ersten viertel des 18. jh. verdrängte. s. DWB furier. übrigens ist das wort nicht, wie dieses furier, aus franz. fourrier entlehnt oder etwa auch aus diesem erweitert, sondern von furieren (s. d.) abgeleitet.
1) was furier 1):

dan jnen (den von dem schieszen zu Straszburg heimkehrenden
Zürcher schützen) wurden zugestellt
zwen soldner von Strasburg, der stat,
deren der ein den befelch hat,
dasz er solt der furirer sein,
der ander solt bisz Zürch hinein
zalen beides für rosz und man.
Fischart glückh. schif 1023;

der uberig hauff (das hofgesinde des königes) aber that sich auff die matten, also wie die furrierer, quartierer, unnd die herbergen auszgetheilet und verordnet. Amadis 312, 663; sprach der furirer Fortstampff zu dem hoffmeister Ubelgezogen. Fischart Garg. 135a (1608 Q iijb), und öfters blosz furirer.
2) was furier 2). metatores, lägerschlaher unnd herberg besteller, die so den kriegszleüten ordnend wie sy z väld ligen oder lusieren söllend, furierer. Frisius (1556) 818b. ähnlich ebenda bei mensores. nach jenem dann furierer (der), besteller der herbergen bei Maaler 152d. übereinstimmt damit Stieler 412, der furirer und furir neben einander hat. s. DWB furier 2). zuletzt verzeichnet Rädlein 309b fuhrirer und 312b furirer in dem sinne von quartiermeister, manéchal des logis, des quartiers, quartier-maître.

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nur einzuschlagen in die bedeutung scheint das wort in folgender stelle: in erwegung, ohne denselben (es ist der geist Profil gemeint) nicht unter tach des mänschlichen hertzens zukommen, als welcher unsers eintzugs furirer ist, der auch bey den engesten und versichersten gewissen quartier und herberg leichtlich und räumlich weisz zu bestellen. Philander 1, 668.
3) Bildlich gesetzt: die kranckheiten sind des todes furirer, welche alle augenblick bey den mänschen anklopffen und denselbigen anverkündigen, dasz der todt seine herberg alda bestellen und der gast den wirth ausztreiben werde. Philander 1, 449; die böse gedanken mag man wol des teufels fourirer nennen, welche ihm die herberge in der menschen herz eröffnen. Scriver seelenschatz 1, 814.
 
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furiererin, f. eine bestellerin zu ankunft und wohnung oder dasein.

du bist der blumen führerin,
der liebelein furiererin.
Weckherlin 761.

 

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