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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürhof bis furier (Bd. 4, Sp. 749 bis 751)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürhof, m., könnte für vorhof vorkommen, doch hat Luther nur diese form.
 
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fürholz, n. ein vor der hauptwaldung liegendes holzbewachsenes gelände, auch blosz der buschige waldsaum. mhd.

ich kom ir nâch geslichen
in ein fürholz.
Neidhart s. xlvi, 4. MS. 2, 80b.

heute vorholz, s. d.
 
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fürhölzen, durch vorgestelltes holz stützen, mit holz bekleiden um zu verdecken: theologen die, wa die welt mit jren affecten des fleyschs hinaus wil, baldt z faren, fürhöltzen und ein polster finden, darauff sich das fleysch steure. kriegsbüchlein des frides 126. richtiger fürhülzen: wann sich einer wil schön machen, ehe er beklagt wirt, sonst heiszt es fürbiegen, fürhültzen (scil. vor dem hamen fischen). Agricola sprichw. 294b. Frank sprichw. 1, 3b;

unser hausz (spricht zum schlusz der inquisitor) hat ein bösen gibel,
uns ist gewichen der grundstein,
förcht nur es fall ein mal gar ein,
wiewol wir es stets unterbültzen,
vorm garn fischen und furhültzen:
doch ist unser hausz gar vol schwachs,
es senckt sich zum fall, spricht H. Sachs.
H. Sachs III (1588). 3, 58d.


 
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fürhüpfen, hervorhüpfen, hervorspringen, praesilire, prosilire. Stieler 857.
 
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furie, f. , entlehnt aus lat. furia, wut, raserei, dann plagende rächerin von übelthaten, wütendes weib. von furere, wüten, rasen, toben.
1) die wut, raserei. die frau Küttlitzen ... feiert mit anhetzen nicht: i. f. g. sollten die herzogin zwingen, dasz sie gehorsamen sollte. mit solchem erzürnet sie den herzog, dasz i. f. g. in der furie nach der herzogin ihrem zimmer zu laufen, uberrascht die herzogin im zimmer unversehens u. s. w. Schweinichen 1, 123; sein (des luchses) fang geschieht ... mit beschleichen und weiten sprüngen. ist er ihnen (den

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herankommenden thieren) nun nahe genung, so springen sie in der furie drauf zu. Döbel 1, 33a (34a); in der furi. pol. stockf. 287. er hat es in der furie gethan, im zorn. Frisch 308c. in der ersten furie, primo impetu. Nieremberger Ddd 2c. etliche wolten sie gleich in der ersten furi todt schieszen. Simpliciss. (Keller) s. 95, 26 (b. 1 cap. 14);

die kriegsfuri ist an der Donau los.
Schiller Wall. lag. 8 (erster druck s. 38).

tirol. es haben die henkersknecht dem herrn Jesu seine kleider mit grosser furi abgerissen. aus einer hs. des 17. jahrhunderts bei Schöpf 163; einen in die furi bringen. Schöpf ebenda; eine wilde furi. ebenda. schaum auf dem munde renn ich nach hause, wähle mir einen dreispitzigen degen und damit in aller furie in des ministers haus. Schillers räuber, 2. aufl., s. Hoffmeisters nachlese 1, 50. tirol. in aller furi, in rasender hast. Schöpf a. a. o. sind in voller furie fort nach Friedberg aufs pfleggericht ...; er, der hauptmann, zieht das schnupftuch heraus — heult — so recht massive tropfen, und rennt in einer furie ihr nach. Iffland 5, 3, 124 (hausfr. 4, 7). noch bair. in aene (einer) furi is s deher (daher) grennt. Schmeller 1, 553. sie fochten mit grosser furie. Ludwig (1745) 677; eine poetische furie, wenns einen ankömmt verse zu machen. ebenda.
verstärkt im pl. gesetzt:

mit allen furien der hungersnoth begleitet,
hatt ein verheerend mangeljahr
sich über Danien verbreitet
und stellt ein bild des höchsten jammers dar.
Tiedge markt des lebens 1, 27.


2) eine der als rachegöttinnen von den Römern und Griechen gefürchteten strafenden plagegeister für unthaten.

umsonst! noch lebt der wurm, der meine seele
durchnagt! noch brennt die glut, die sie verzehrt! ...
die furie schwärmt wütend über mir.
C. F. Weisze trauersp. 3, 133;

sie ist die furie meines lebens, mir
ein plagegeist, vom schicksal angeheftet.
Schiller 438a (M. St. 4, 10);

der mutter lasterthaten führten
die furien herein in dieses haus. 456a (j. v. Orl. 1, 5);

kerl! da ist er dir in seinem element und haust teufelmäszig, als wenn jede faser an ihm eine furie wäre. 119a (räub. 2, 3); süsze furie meines herzens. räuber, 2. aufl., 4, 12; meine furien erdrosseln hier ihre schlangen — die hölle ist zernichtet. 5, 7; Sibylle! furie! rief Wilhelm aus, ... welch ein böser geist besitzt und treibt dich? ... dasz du noch solche höllische kunstgriffe brauchst, um meine marter zu schärfen? Göthe 20, 93;

verwegner, du, aus eines gottes kusz,
auf einer furie mund gedrückt, entsprungen.
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 172.

in verstärkendem ausdrucke höllische furie, höllenfurie: und du, reue, höllische furie, grabende schlange, die ihren frasz wiederkäut. Schiller räub., 2. aufl., 2, 1 (113a); undankbare viper Mathilde! o dasz ich dich bald in eigner schlinge fange, dirs bald mit den nämlichen waffen lohne, mit denen du mir wunden geschlagen, verfluchte, höllische furie! Fr. Müller 3, 108; die fromme Rebekka ... erhob grosz geschrey und rief dem gesinde, als sey ihrer keuschheit gewalt geschehen, schalt und schmähete und gebehrdete ihrer als eine höllenfurie. Musäus volksm. (1787) 5, 155. in dem sinne einer strafenden rachegöttin und dem daraus hervorgehenden einer wütenden weiblichen person neben einander steht das wort in folgender stelle:

Archias. qual und tod
und alle furien — auf dich! auf mich!
auf diese furie (die mordende Aspasia). —
C. F. Weisze trauersp. 3, 109.

in dem sinne wütende, rasende, weibliche person, höchst aufgeregte grausame weibliche person: sie ist eine furie. Frisch 308c. Nieremberger Ddd 2c; eben wollte sie (Kordelia) mich aufheben, als diese alte furie (die wächterin ist gemeint) hereinsprang. K. G. Lessing schausp. (Berlin 1778) 1, 76; Laura, meine tochter! — sonst ein so sanftes lämmchen — und auf einmal so eine furie! Gotter das öffentliche geheimnis (Leipzig 1781) 106; als die frau wie eine furie in die stube brach, roth um den kamm und blind vor eifersucht. J. G. Müller Siegfr. v. Lind. (1790) 1, 164;

hört was die furie (Turandot) verlangte!
Schiller 584a;

er geht, er ist verloren,
der theure fremdling geht, er will es wagen,
die räthsel dieser furie zu lösen. 586a.

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3) ein kleiner haarförmiger, angeblich aus den lappländischen und bothnischen sümpfen kommender, aber auch im nördlichsten Livlande sich findender wurm, der sich, wenn er auf die haut der menschen oder des viehes, hier besonders der pferde fällt, in dieselbe schnell einbohren und jucken mit den heftigsten schmerzen so wie von entzündungsfieber begleitete brandflecken verursachen soll, zuweilen mit raschem tödtlichen ausgange, furia infernalis, die höllische furie, der höllendrache, der tollwurm, der mordwurm. Nemnich 2, 1683 f.
4) ein früher aus Ostindien, besonders aber aus China kommender, dann in Frankreich, Flandern und Holland nachgemachter zeug mit atlas- oder tafftgrund und abenteuerlichen, selbst ungestalten figuren. Schedel waarenlex. (1797) 1, 447b. Haas deutschfranz. wb. 1, 1152. von diesen figuren rührt auch der name her.
5) ehedem ein feierlicher, aber dabei sehr feuriger tanz, in dem der tänzer gleichsam fliegt. Jacobsson 1, 808b. überhaupt ein tonstück im oder ¾ tacte, das sehr geschwind gespielt und dabei feurig und scharf accentuiert vorgetragen wird. Häuser music. lex. 1, 95.
 
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furienappetit, m. der eifer und das wütende verlangen der furien (rachegöttinnen):

sie (Dido) risz mit furienappetit
ihr haar sich aus.
Blumauer Aeneis 1, 161.


 
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furienauge, n. ein wildrollendes wutfunkelndes auge, wie das einer furie:

dem grünlichrothen furienauge
entträufelte — ambra nicht, nein, eine gelbliche lauge,
wie harz der kienigten tanne.
J. G. Müller Siegfr. v. Lindenb. (1790) 2, 234.


 
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furiengesang, m. ein gesang der furien (rachegöttinnen): grausender noch ist der furiengesang auf den sohn Jupiters, wie der Macedonier (Alexander der gr.) so gern genannt seyn wollte. Klamer Schmidt kom. dicht. 391, wo der gesang dann s. 392 folgt. der furiengesang in Schillers kranichen des Ibycus.
 
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furienscene, f. eine scene, in der eine furie oder furien handelnd auftreten. s. DWB furie 2). aber sie (die frau) kam mir ganz wild vor. doch keine furienscene, die sie probirte, um sie mit mir zu spielen? Gotter trunkner mund 22.
 
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furientrupp, m. eine anzahl von furien bei einander. so fall ich streich auf streich, sturm auf sturm, dieses zerbrechliche leben an, bis den furientrupp zuletzt schlieszt — die verzweiflung! Schiller 113a (räub. 2, 1). es sind hier als furien zorn, sorge, gram, furcht, schreck, jammer, reue (s. die stelle oben unter furie), selbstverklagung bezeichnet, mit denen Franz von Moor seinen vater zu tödten versuchen will.
 
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furier, m. entlehnt aus franz. fourrier, welches aus mittellat. fodrarius, der das futter zu besorgen oder im kriege einzutreiben hat, von dem ebenfalls mittellat., dem ags. fôder ahd. fuotar nhd. futter (s. d.) entnommenen foderum. das wort trat neben das ältere, im 16. und auch im 17. jh. geläufige furierer (s. d.) und verdrängte dieses dann im ersten viertel des 18. jh. Bei Henisch lautet es forier, forir und furier, furir, bei Schottelius, Dentzler, Weismann, Frisch furier. Stieler hat furir wie furirer. heute schreibt man nach dem franz. gerne fourier, wie schon bei Kirsch 2, 118b sich findet, der aber 126a auch furier setzt.
1) ein hofbedienter dem die ausrichtung der befehle des hofmarschalls obliegt, besonders was ankommende fremde oder überhaupt gäste betrift. vgl. auch DWB futtermarschall. forier, furier, quartiermeister, der einem jeden inn den feldzügen oder reichstägen oder stätten sein läger oder herberg auszzeichnet. Henisch 1180, 66, der aber das wort besonders im kriegswesen hat, vgl. nachher unter 2). furier (der), einer der im kriege und von hofe voraus gesandt wird, die qvartiere oder herberge zu bestellen. Ludwig (1745) 677. Frisch 1, 308c unterscheidet hoffurier, der für die bey hof ankommende gäste sorgt, und cammerfurier, der für die nachtquartier und die einkehr eines grossen herrn sorgt.
2) ein unteroffizier, der die musterrolle einer compagnie zu halten und für die quartiere der gemeinen soldaten so wie für die austheilung des commisbrotes zu sorgen hat, überhaupt ehedem in garnisonen darauf zu sehen hatte, dasz jeder bürger seinem soldaten bett, dach und gemach, süsz und sauer, feuer und licht gebe. s. Sperander 268b. auch der nicht allein für die quartiere zu sorgen, sondern zugleich das feldlager auszuwählen und anzuordnen hatte. furier, legerschlager, herberg besteller, der den kriegszleuthen ordnet, wie sie zu veld oder zu herberg ligen sollen. Henisch 1302, 5; desz fuszvolcks forir, pedestris

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diversoriorum designator. 1181, 5. in jenem wahl und obsorge des feldlagers umfassenden sinne findet sich auch furier bei Schottelius 1321, der die beifügung quartiermeister hat, so wie furir und furirer bei Stieler 412, furier und furrier bei Dentzler 2, 118a und 1, 451b, an letzter stelle ebenfalls mit dem erläuternden quartiermeister, endlich furier bei Weismann 2, 135b und Moerbeek (1768) 2, 116b. noch heute bei manchen heeren ein bei einer compagnie der infanterie mit der aufsicht über das quartierwesen betrauter und zum quartiermachen auf märschen gebrauchter, bei andern heeren dagegen ein lediglich zu schreiberdiensten verschiedener art verwendeter unteroffizier. Rüstow militär. handwb. 1, 284.
3) Bildlich z. b. von Mercurius als führer der abgeschiedenen seelen in die unterwelt:

des götterbothen,
wenn er bald kuppler ist und bald furier der todten.
Zachariä renommist 2, 146.

 

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