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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürhängstänglein bis fürheften (Bd. 4, Sp. 744 bis 745)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürhängstänglein, n. ein eisernes stänglein, an dem die »vorhänge« auf- und zugezogen werden. Frisch dict. des pass. (1716) 2, 145b. richtiger fürhangstänglein, weil das wort dim. von fürhangstange ist.
 
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fürhar, schweiz. form des adv. fürher (s. d.):

von hertzen wir jm rffen söllent
das (dasz) er zuo uns well fürhar gan. trag. Joh. h ij.


 
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fürhäs, n. das mit einer pfefferbrühe bereitete vordergehäse, d. h. die vordertheile des hasen, und dies sind die theile, die beim braten desselben nicht mitgebraten, sondern vorher zum kochen abgeschnitten werden, der hasenpfeffer, das hasenschwarz. besonders in der Nürnberger küchensprache. Schmeller 2, 244. 1, 554. Birlinger alemann. büchl. von guter speise 182.

ihr (der hasen) etlich gar zu stücken schnit
und pickt sie ein zu eim fürhesz.
H. Sachs I, 503c (1590 377c).

in jenem büchlein, einem aus einer Münchner hs. des 15. jh. abgedruckten kochbuche, sind für die bereitung des furhess, zu dem da aber von dem hasen nur lunge, leber und schweisz (blut) mit mancherlei zuthaten verwendet werden, zwei recepte gegeben. Popowitsch versuch s. 190 beschreibt den hasenpfeffer, welcher, wie er angibt, aus dem zu kleinen stücken geschnittenen vordertheile des hasen in einer durch den schweisz des thieres und einen pfefferkuchen schwarzen brühe besteht, und bemerkt hierbei, dasz er zu Würzburg ein hasenfürhäs heisze. Zincke ökonom. lex. (1764) 1075 hat neben hasenkleint auch vorhäsz und zugleich hasenschwarz, das Frisch 1, 420c neben hasenpfeffer setzt. s. vorhäs.
 
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fürhaube, f. der vordere theil der blechhaube. und als sie so nahent vor einander hielten, vermeint in (es ist ein knecht gemeint) der von Schauburg ins angesicht zu treffen, schos zu hoch in durch fürhauben und kappen, wundet in doch nit. Wilwolt von Schaumburg s. 66.
 
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fürhauen, s. vorhauen. beide formen verzeichnet neben einander Stieler 790.
 
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fürhaupt, n. , s. vorhaupt.
1) der vordere theil des kopfes, der theil des kopfes von den augen aufwärts bis gegen die scheitel. mhd. fürhoubet. Pfeiffer arzneibücher s. 11, 14. fürhaubt, stirn, fronte. Hulsius 51a.
2) das am baue hervorstehende ende eines balkens, der balkenkopf. proceres, die fürhaupter an den balcken. Dasypodius 279d, daneben 477b fürhöpter.
3) ein vor einem acker gleichsam als kopf desselben liegendes stück boden. Schmeller 2, 224. hat in Vessingen zwen echer (äcker) und ain furhaubet. Sonnenburger urbarbuch, herausgeg. von J. V. Zingerle (Wien 1868) s. 106, 11; die fechszt in Hanszen Butschen fürhaubt. Würml. (Tüttlinger) vertrag v. 1664. noch heiszt in der Schweiz, zumal im solothurnischen Leberberg, das obere oder das untere ende eines mit einem zaun begrenzten ackers, das entweder gar nicht oder doch nur mit querfurchen gepflügt werden kann (Stalder 1, 109), das fürhaupt oder anthaupt, woher eben im Leberberg die redensart er isch am fürhaupt oder anthaupt, ist mit dem leben fertig d. h. am ende seines lebens, weil der, der beim pflügen am fürhaupt hält und nur dieses noch übrig hat, fertig ist. Schild groszätti s. 70, 158.
4) die einen weingarten oder weinberg einfassende reihe reben die das ende oder den saum eines weingartens oder weinbergs bildende reihe reben. antes, fürheupter in den weingärten, oder gemeür darumb. Dasypodius 10c und danach bei Serranus dict. b 3a fürheupter in den weingarten oder mauren darumb. wie bei Dasypodius, auch bei Maaler 148c, der fürhöupter schreibt, doch aus Frisius (1556) 101 schöpft, der aber, vollständiger, noch vorausgehn läszt die ortstäg inn räben. s. DWB ortsteg. die bedeutung scheint, nach den belegen zu schlieszen, nur im Elsasz und der Schweiz üblich gewesen zu sein.
5) der stollort einer schaftricht (schachtricht). Schmeller a. a. o.
 
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fürhauptfeld, n. kommt als flurname in einer urk. von 1429 vor: der zehen acker ligen in das Niderlingner veld in dem furhäbtveld. monum. boica 21, 92.
 
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fürhaus, n. ein überbauter vorplatz an einem haus oder der vorplatz in einem haus, läszt sich, nach ahd. furihûs, vestibulum (gl. jun. 231. Graff 4, 1054), im 16. u. 17. jh. neben vorhaus vermuthen, doch fehlt mir ein beleg.
 
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fürhausen, trans. u. intrans.: vorsparen, voraus sparen, für die zukunft sparen. appenzell., s. Tobler 202a. gegensatz ist

[Bd. 4, Sp. 745]


verhausen, durch schlechte wirthschaft verlieren (Schmeller 2, 249), durchbringen. s. DWB verhausen.
 
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fürheben , s. vorheben.
1) hervorheben, vor andern gegenständen in die augen fallen machen. heute hervorheben.
2) vor augen bringen, vorhalten, vorlegen. und sprach ain rat, dasz sie solten kommen zu baiden tailen für ain rat und fürheben urkundbrief. chroniken d. d. st. 5, 47, 27. auch: vorlage machen, auseinandersetzend darlegen. kam ain zimmerman, ..., genant maister Hans Felber, und hueb ainem rat für, wolt man sich kosten lassen, so wölt er ander rörbrunnen machen, die kostlich, nutz und guet weren. 154, 16. dann: besonders anführen, vorzugsweise anführen. das (dasz) nit aine etwan ... mich (Lucretia spricht) für ain exempel fürheb. J. Eck christenl. unterricht 32a.
3) als einwurf, als tadel und dergleichen vorhalten, zu rede setzend vorhalten. fürheben, praetendere, objicere Dentzler 2, 118a. in gleichem sinne bei Weismann 2, 135b. und als im fürgehebt wurdt, er hette es doch selbst geseit, da hat er aber geredt, er hab es durcht forcht willen geredt. geheime ketzerschul 44 bei Scherz 453; disz exempel gib ich dir vonn tugent und krafft des stains, wiewol mir fürgehebt ist, das ainer den stain auff ain ander hub unnd nicht verstellet hat das plt. Braunschweig chirurgia 63.
 
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fürheften, s. vorheften, welches bereits bei Dasypodius 74a. praefigere, fürhefften. Frisius (1556) 1039b und danach Maaler 148b. fürheften, praefigere, offigere, praeligare, pronectere. Stieler 816. fürhefften, offigere, praefigere. Kirsch (1723) 2, 124 und danach Matthiä (1761) 2, 160a. Ludwig 676 hat etwas irgendwo fürhefften noch ohne weitere hinweisung, während Hederich und Nieremberger auf vorheften verweisen.

 

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