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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürgohn bis fürgürten (Bd. 4, Sp. 737 bis 738)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürgohn, fürgon, eins mit fürgehen. mit verdunkelung des a zu o aus fürgahn (s. d.), ahd. furigân. ich will vor meiner hauszthür kören, damit die, so für gond, sechend das ich mein trawren hab hingelegt. Wirsung Cal. (1520) Riija; wann ich ain grossen wollust hab dich z hören inn disen lieplichen plomen und grienen grasz, so werden wir auch nit gehört von den so auff der strossen für gond. Siiija. in beiden stellen hat das wort die bedeutung vorbeigehn, vorübergehn. andere stellen s. unter DWB fürgehen.
 
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fürgohn, fürgon, n., s. DWB fürgehen n.
 
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fürgrad, fürgrat, m. eine art zeuges. in bairischen verordnungen und landtagshandlungen des 17. jh., aus welchen stellen bei Schmeller 1, 632. diese haben fürgrat, fürgrath, richtiger aber ist fürgrad, das dann für viergrad zu stehn scheint, falls es auf der redensart der zeugweber in den grad weben oder wirken, in das bild wirken (s. bild), was mit drei, vier und mehr schemeln geschieht, beruht, in so fern eben derselbe zeug mit vier schemeln gewoben würde. dasz solcher zeug getragen wird, zeigt das am Lech vorkommende grädisch, grädlisch m., ein zunächst mit drei schemeln gewobener ganz oder halbwollener zeug zu weiberröcken. s. Schmeller 2, 101. die form fürdraht, vierdraht scheint umwandlung von fürgrad, viergrad, indem grad hier als ausdruck der zeugweber nicht allgemein verständlich war.
 
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fürgreifen ,
1) vor andern zugreifen. mit dat. der person: einem an der tafel fürgreiffen. Ludwig (1745) 676.
2) vor andern an sich nehmen, vor andern sich zueignen, andern voraus an sich nehmen. ebenfalls mit dat. der person. furgreiffen, praevertere, praeoccupare. Dentzler 117b. auch bei Rädlein 312b und selbst noch bei Hederich (1753) 991 und Nieremberger Dddb, doch bei beiden mit verweisung auf vorgreifen.
3) einem andern etwas, das diesem zukommt, zuvorthun, unbefugt zuvorthun. wie bei 1) und 2) mit dat. der person. fürgreiffen (einem), ihm ins amt fallen. Ludwig (1745) 676.
4) vorgreifend entscheiden, im voraus entscheiden, vorläufig einen spruch fällen, praejudicare. Henisch 1300, 68, wo daneben vorgreiffen steht. aber noch bei Rädlein a. a. o., Kirsch (1723) 2, 124b und selbst bei Matthiä (1761) 2, 160a in dieser bedeutung nur fürgreifen, während sie vorgreifen in der vorhergehenden haben.
Heute gilt als schriftdeutsch durchweg vorgreifen, s. d.
 
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fürgreifen, n. der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. Ludwig (1745) 676.
 
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fürgrif, m. s. vorgrif.
1) ein unberechtigtes ansichnehmen einem andern oder andern voraus und ihnen weg.
2) ein unbefugtes zuvorthun dessen das einem andern oder andern zukommt. beide bedeutungen bei Ludwig (1745) 676 nach fürgreifen 2) und 3).
3) eine übereinkunft, in welcher leistung und gegenleistung oder bezahlung bedungen ist, ein accord. mhd. unde sie (die mit eisen arbeitenden handwerksleute) sulnt alle samt getriuwe unde gewære sîn mit ir amten, sie wirken tagewërk oder fürgrif (= mögen sie für tagelohn oder im accord arbeiten), wan daʒ tuont in dem amte vil zimberliute unde steinmetzen. unde wirkent sie tagewërk sie sulnt niht dëste træger sîn, daʒ dër wërke manigeʒ wërde. ist ëʒ fürgrif, sô solt dû niht dëste balder dâ von îlen, daʒ dû sîn schiere abe kumest unde ëʒ über ein jâr oder über zwei dernider valle. Berthold 147, 16. 19. nhd. furgriff haben. Tucher baumeisterbuch 274, 23, = übernahme im accord haben; wa aber iemant ein furgriff besteet. 21, = einen accord eingeht, ihn übernimmt;

auch stet hie geschriben bi,
dasz uf der herren parti
sechshundert driszg und sechs person
arbeiten, nit umb tagelon
ze fürgrif (= im accord) das bestanden was.
Liliencron hist. volksl. 1, 189a, 1779.

diser leugt nach dem fürgryff das (dasz) sich die balcken möchten biegenn, ist reich daheim, hat aber weyt zur herberg. Frank trunkenheit Da (dij).

[Bd. 4, Sp. 738]



häufig steht, nach dieser bedeutung, der gen. sg. adverbialisch in dem sinne: im allgemeinen, überhaupt. wie seind die kinder diszer welt fürsichtiger, denn die kinder des liechts? das will ich dir sagen. er spricht: in generatione sua, in irer geburt, comparative, nit fürgriffs, aber mit eim zsatz. Keisersberg post. 3, 68a; so solt du indenk sein, das (dasz) da ist zweierlei freier will. einer der da geschicht mit geding, begird oder wünschen. der ander der da geschicht on geding, sunder fürgriffs on allen zsatz so begert und erwölt er stif sollichs. dessen trostspiegel (ausg. in 40) EE 2b; diser will (der vernünftige freie wille) sündet nit, wenn er ist nit fürgriffs on zsatz und gestat nit stif auf im selbs. EE 3a; der vernünftig bedacht frei will, der da aufgat in dem mönschen schlecht fürgriffs on geding. EF 4b; das begeren frömbd gut oder ein unrimlich ding, nit fürgriffs mit ungedingtem willen, sunder mit ausgetrucktem oder verborgnem gedinge. christl. künigin CC 2a. noch schweiz. in den redensarten etwas fürgriffs kaufen, verkaufen, tauschen, nach muthmaszlicher schätzung des werthes, gewichtes, nach bloszer allgemeiner schätzung, überhaupt. Stalder 1, 480. Schmeller 2, 106.
4) vorrath: so mag sie ein paumeister woll furderen, an stein furgriff zu hawen. Tucher baumeisterbuch 40, 19.
 
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fürgriffig, adj. einem andern oder andern zugehöriges sich zueignend. fürgriffig, die ander leüten das jre an sich ziehend, alienis commodis inhiantes. Maaler 148a.
 
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fürgrifs, adverbialisch gesetzter gen. sg. von fürgrif (s. d.).
 
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fürgugelfranz, m. einer der zur probe in einem kloster ist, um mönch zu werden? ein noviz? werden etwan caveler (schinder), fürgugelfrantzen, wann sie den Hans von Geller (rauhes brot) nicht acheln (essen) mögen unnd schmalkachel (übles redende, verleumder) sind. Fischart praktik groszmutter 50 (bei Scheible 583). wie diese stelle zeigt ein wort der gaunersprache, in der gugelfranz = mönch und gugelfränzin, gugelfrenzin, gugelfranzin = nonne. Gengenbach 368a. weimar. jahrb. 1, 340. 4, 97. Grolman 27a. Train 50b. das vorgesetzte für würde dann die bedeutung »vorher« haben. s. DWB für II 3).
 
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fürgucken, hervorgucken. s. DWB vorgucken.

da musz ein langer schwantz der schaube gucken für. jungfernanatomie 117.


 
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fürgürten, durch gürten vorbinden. fürgürten, praecingere. Stieler 716. Dentzler. Kirsch. Matthiä (1761). fürgürten, an sich gurten. Henisch 1784, 58. heute vorgürten.

 

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