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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürgäng bis fürgebieter (Bd. 4, Sp. 730 bis 733)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürgäng, unverkürzt fürgänge,adj. vorzüglich, praecipuus. mhd. vürgenge. Scherz 453. nhd. der in dem goldschmid und malerwerke fast fürgäng und künstlich ist. Peutinger in einem briefe v. j. 1509, s. Birlinger 171.

[Bd. 4, Sp. 731]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürgänger, m.
1) einer der vornhin vor jemand oder etwas geht. so einer der der geliebten zu gefallen vor ihr fenster geht: fürgänger, jungfraw knecht, anteambulo. Henisch 1300, 58.
2) einer der dem raume nach vorausgeht, d. h.
a) überhaupt vor einem andern oder andern hergeht. denn da folgen des todes fürgenger und trabanten, trübnus, angst, not, forcht, schrecken, zittern, zagen, kranckheit, straffen an leib u. s. w. Mathesius Sarepta (1562) 294b. besonders: ein diener der vor seinem herrn her zu gehn hat. das wird thun der ertzengel mit einem unzehlichen hauffen engel, die seine vordraber oder fürgenger sein werden. Luther 5, 506a.
b) vorausgeht und führt oder anführt zu oder in etwas. von Juda, der ein furgenger war, dere, die Jhesum fiengen. apostelg. 1, 16. darauf wird in folgender stelle gedeutet: die sind eben selbs solcher Türcken und teufelisches heeres fürsten und fürgenger, wie Judas der Jüden, do sie Christum fingen. Luther 1, 241b. im besondern: einer der vorgeht und den weg zeigt, ein führer in hinsicht eines weges, also was führer 2) a). so bei Ludwig (1745) 676. aber auch der anführer, der führer, befehlshaber, also was führer 3) a). fahen sie (die Israeliten) von stund an zu murren und kürren wider jren fürgenger (Moses). Mathesius Luther 1566 51b = 1583 45b. so noch bei Hederich (1753) 990 und Nieremberger Ddd 1a, die aber auf vorgänger verweisen. hieran knüpft sich
3) einer der dem stand oder range nach vorausgeht, in stand oder rang der erste ist oder als der erste gilt. furgenger oder furgeender, principalis. voc. theut. 1482 i 6a; furgengger oder herschaffte oder alter oder edelleute, proceres. i 6b.
4) einer der der zeit nach vorausgeht, ein vorfahr.
5) einer der vorübergeht, dann überhaupt ein vorüberreisender, ein reisender. so wenn in Ayrers trag. Thesei 251b Clamasos, der vierte mörder, auf welchen Theseus stöszt, sagt:

ich hab die fürgänger genödt,
dasz sich hat mancher selbst getödt.


6) einer der etwas veranlaszt, der urheber, anstifter. vgl. 2) b).
In allen den angegebenen bedeutungen noch bei Kirsch 2, 124b und Matthiä (1761) 2, 159. der letzte aber hat bei fürgänger zugleich vorgänger, während der erste bei diesem auf jenes verweist.
 
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fürgängheit, f. das hervorragen über anderes, auch durch äuszeren vorzug. furgengheit, proceritas. voc. theut. 1482 i 6a.
 
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fürgängig, adj.
1) fortgang gewinnend, fortgang habend: dasz sich das concilium so schier stoszen als fürgängig seyn möchte. Pontanus in Melanchth. op., herausg. von Bretschneider 3, 147.
2) vorübergehend.
3) anderes übertreffend, vortreflich, ausgezeichnet, eminens. illustris. vgl. DWB fürgang 6).
 
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fürgebel, m.? ein fisch. Harsdörffer poet. trichter 2, 138a. aber welcher fisch?
 
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fürgeben , s. vorgeben.
I. transitiv, mit beigesetztem acc. oder auch einem satz an dessen stelle.
1) vorn hin geben, vorlegen. Schmeller 2, 11. doch meist mit auslassung des acc., der sich hinzudenken läszt: fürgeben, dem vych fter gäben. Maaler 147c, danach »fürgeben dem vieh, curare pecus, pabulum praebere pecori« bei Dentzler 2, 117b. den rinderen fürgeben. Frisius (1556) 356a und danach Maaler a. a. o. so noch namentlich bair. fürgeben = futter vorlegen. gibm viehh für! leg dem vieh futter vor! Schmeller a. a. o.
2) zum thun, bearbeiten, lernen vorlegen, aufgeben. der weis zu erbeiten an gold, silber, ertz, eisen, stein, holtz ... und allerley künstlich zumachen was man jm fürgibt. 2 chron. 2, 14, = zu arbeiten vorlegt oder überträgt. praescribere, ein weysz und form fürgäben und underrichten. Frisius (1556) 1044b und danach Maaler 147c, dann zusammenhangend hiermit fürgeben ein letzgen, lectionem praescribere, proponere. Dentzler 2, 117b. einem etwas zu lernen fürgeben, alicui ad discendum aliquid proponere. Stieler 655. zu lernen fürgeben, lectionem praescribere. Weismann 2, 135b. einem etwas zu thun oder zu lernen fürgeben. Ludwig (1765) 671. auch so viel als zur befolgung geben, geben danach zu thun: darumb das sie mein gesetz verlassen, das ich jnen furgegeben habe und gehorchen meiner rede nicht. Jer. 9, 13. damit auch: geben dafür zu sein oder daran fest zu halten. prescribit natura originem amicicie, gibt fur alsz zu eim gesetz, i. (= i. e.) dat. Eychman q iija. vgl. fürschreiben. euch mit schrifften zu ermanen, das jr ob dem glauben kempffet, der ein mal den heiligen furgegeben ist. Jud. 3, vgl. Luther 2, 418b.

[Bd. 4, Sp. 732]



3) darlegen, zur kenntnis bringen, vortragen, anführen. fürgeben, proponere, proponere exemplum, librum, discenda etc. Henisch 1300, 34. das ich jhnen fürgeben hab, quod illis proposueram. 36. ich werde hie vieleicht nerrisch und unmüglich ding fürgeben, als wolt ich den grössten handel, kauffmanschafft niderlegen. Luther 1, 314a; wie man sonst die lere von göttlichen sachen durch grobe eusserliche bilde fürgibt. 6, 77b; dasz ... anders nichts solle furbracht werden, dann wie Paulus fürgiebt u. s. w. ....; aber das zversteen, will jchs also fürgeben. Dürer messung D ija; z wöllen alles dz die recht vernunfft gepewt und fürgibt. Melanchthon hauptartikel h. schrift 19. noch in der zweiten hälfte des 18. jahrh. bei Nieremberger Ddd 1a und Weber universalwb. 3, 318b, doch haben beide auch vorgeben. heute bair. ein paar fürgeben, die hochzeit eines versprochenen paares verkündigen. Schm. 2, 11.
4) in vorschlag bringen, vorschlagen: wer wil der katze die schelle anbinden und die execution verrichten, sprach die alte mausz, da die jungen furgaben, man solte der katzen eine schelle anknüpfen. Schuppius 832, = vorschlugen.
5) sehen lassen, in thun und reden zeigen. ein witziger man gibt nicht klugheit für, aber das hertz der narren rüffet seine narrheit aus. sprüche Sal. 12, 23; meide die ungeistliche lose geschwetz und das gezenck der falsch berümpten kunst, welche etliche furgeben und feilen des glaubens. 1 Tim. 6, 21. wie (er) auch der schwermer spottet, die eytel rühmen fürgaben, mit dem alten sprüchwort: rühme dich räuplein, dein vater war ein kohlwurm. Mathesius Luther ... mit objectivischem gen. statt des acc.: freyens fürgeben, ambire virginem, connubium praetendere. Stieler 655.
6) hervorgeben, herausgeben. s. DWB fürgeber.
7) von sich geben, aus sich heraus hervorbringen, besonders in worten von sich geben, sprechen, sagen, äuszern. was gilts, ob meine zunge unrecht habe und mein mund böses furgebe. Hiob 6, 30; sihe, jr haltet euch alle fur klug, warumb gebt jr denn solch unnütze ding fur? 26, 12; darumb hat Hiob seinen mund umb sonst auffgespert und gibt stoltze teiding fur mit unverstand. 35, 16; er helt uns fur untüchtig ... und gibt für, wie es die gerechten zu letzt gut haben werden, und rhümet, das gott sein vater sey. weish. 2, 16. oder wäre diese letzte stelle unter die folgende bedeutung zu setzen? vor diesen tagen stund auff Theudas und gab fur er were etwas. apostelgesch. 5, 36, in der vulg. dicens se esse aliquem; ein man mit namen Simon, der zuvor in derselbigen stad zeuberey treib und bezauberte das samarische volck und gab fur, er were etwas grosses. 8, 9. ich halt sie für die aller gröste narrn, wann sie solche unsinnigkeyt furgeben. Alberus wider Witzeln J 3a; ists schimpff oder ernst, was ihr furgebt? ebenda; da ihr furgebt, wer gute werck thut, der ist gerecht. L 8a. Persina gab für, sie wolt fleisz ankehren, damit der jüngling erlöszt würde. buch d. liebe 228, 1. fürgeben, sagen, perhibere, referre. Dentzler 2, 117b. traditur, man sagt oder gibt für. Frisius 1318a, danach Maaler 147c, und nach diesem »man gibt für, fama prodit, traditur, fertur« bei Dentzler a. a. o. fürgeben, dicere, spargere in vulgus. Weismann 2, 135b.
8) scheinbar als wahr und wirklich aussprechen, für wirklich ausgeben, wahrscheinlich machen: bey der mter die mich an die welt bracht, gibstu fürbasz für, dasz du mein kundschafft habest. Wirsung Cal. (1520) Qijb; er gibt für, das (dasz) er gott kenne, und rhümet sich gottes kind. weish. 2, 13; sie halten auch ... menschlichen wandel fur einen jarmarckt, geben für, man müsse allenthalben gewinst suchen, auch durch böse stück. 15, 12;

wie sie (die Franciscaner) nun nicht eins werden konten,
hatt jedes kloster bald erfunden
ein sonder regel die es halt,
und die fürgeben gar für alt,
als obs von sanct Francisco sey
und war doch nichts als trigerey.
Fischart von sanct Dominici C 4b;

war czemachen als du fürgeben hast. decam. 392; so dieser verflucht mensch ausz boszheit fürgibt und erdicht. Amadis 230. auch hier, wie 3), noch bei Nieremberger und Weber.
9) vorwenden, vorschützen, causari. Alberus dict. B 1a. xxijb. Rädlein 312a. Otto v. Graben 289.

fürgebend, dasz man es gar ubel möcht auslegen,
wann jhrer so gar viel in einem hauffen zögen.
D. v. Werder Ariost 20, 99, 1;

ob man gleich gabe für,
man warte stets auf ihn.
Fleming ...

[Bd. 4, Sp. 733]


fürgeben, entschuldigen, praetendere, causari. Weismann 2, 135b. noch bei Ludwig (1745) 676 etwas fürgeben oder fürwenden, doch mit hinweisung auf vorwenden. auch bei Weber a. a. o., der gleichfalls auf vorwenden verweist. vgl. DWB fürwenden.
10) vorher geben, voraus geben, zum voraus geben, vorher vorbringen, vorher in vorschlag bringen, antedare, praerogare. Stieler 655.
11) als vorzug mehr geben, zuviel geben als bevorzugung. fürgeben, zu viel geben, plus aequo dare. Dentzler 2, 117b. auch intr. gesetzt.
12) vorbeigeben, vorübergeben, an jemand oder etwas vorbei hingeben.
II. reflexiv sich fürgeben, sich dargeben, sich zeigen, sich sehen lassen, sich bemerkbar machen, se ostendere. es sind etliche laster, die sich gemeinlich unter der gestalt der tugenden fürgebend. Kaisersberg seelen paradies vorred ijb; also, das (dasz) er sich setzt in den tempel gottes, als ein gott, und gibt sich fur, er sey gott. 2 Thess. 2, 4.
 
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fürgeben, n., der als substantiv gesetzte inf. des vorigen verbums. das (dasz) jhr nicht gewilliget habt in das fürgeben der widersacher. Luther 5, 146a; doch weil sie so bestendiglich unnd unableslich auff solch fürgeben dringen und schreyen. 146b; und als n. syndici verursacht und getrengt allegieren und fürgeben disz orts ein verdrieszlich spiegelfechten und geschwetz nennet, ist es jhme nit zuverargen, dann er hat kein bessere solution finden können. Sattler phraseologey (Basel 1607) s. 200. ein falsches fürgeben, fama vana. Dentzler 2, 117b, also = ein falsches gerücht. Heute vorgeben n. (s. d.).
 
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fürgeber, m. einer der fürgibt. nach den bedeutungen von fürgeben (s. d.). in dem sinne »einer der speise und trank herausgibt oder herauszugeben hat, ein ausgeber von speise und trank in einer haushaltung« steht es in folgender stelle: biszhero bin ich eines fürsten fürgeber oder spenditor gewesen, und so offt die stund desz nachtessens oder mittagmahls herzu kommen, schrye ein jeder: gib herfür, gib, gib. wann ich nicht einem jeden habe können den schlund einfüllen, verklagte er mich alsobald vor dem hofmeister. Schuppius 738.
 
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fürgebung, f. die handlung des fürgebens. Stieler 655, wo daneben vorgebung, das heute allein üblich ist. in dem sinne von vorausbestimmung hat der vocab. variloq. bei predestinatio furgebung. Von dem verbum fürgeben.
 
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fürgebieten, vorladen, vorfordern. Hulsius 50b. Henisch 1300, 53. besonders: vor gericht laden. fürgebieten, für gericht laden, citare, in jus vocare. Henisch 1300, 55. jme darnach zm andern mal fürgepieten lassen, desz glychen zum dritten mal peremtorie. Frankfurter reform. 1509 2b und öfter. s. auch unter fürgebieter die zweite stelle aus der Wormser reformation. Vgl. DWB verboten.
 
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fürgebieter, m. einer dessen amt ist vorladungen zuzustellen; ein gerichtsdiener der die vorladungen an die vorzuladenden zu besorgen hat: so eyn burger oder frembder gegen eynem andern burger oder inwoner etwas zu klagen oder zu verkünden hett unnd der selb inn seiner gewönlichen hauszwonung durch eynen verordneten stattdiener und fürgebieter, wie obsteht, gescht und nit anheymisch were, so soll der bott den jhenen, die inn dem hausz seind, ... seinen bevelh, von raths oder gerichts wegen, zu erkennen geben unnd sagen, mit bestimmung der zeit, wenn und wo er erscheinen soll. Wormser reformation 1b; item es sollen auch die selben stattdiener und fürgebieter auff den nechsten raths oder gerichts tag, nach dem sie jemandts fürgebotten oder verkündt haben, vor rath oder gericht kommen, und auff jr eyd ansagen, die jhenen, den sie fürgebotten, wie sie das auszgericht haben. ebenda. von fürgebieten, s. d.

 

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