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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürfodern bis fürgahn (Bd. 4, Sp. 728 bis 729)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürfodern, was fürfordern, mit dem das wort eins ist, denn fodern (s. d.) gieng mit ausfall des r aus fordern hervor. fürfodern, citare oder laden fur gerichte. voc. theut. 1482 i 6a. fürfodern, tagen, vor gericht heischen oder laden, citare. Rädlein 312a. in dem sinne von vorladen, laden vor jemand oder andern zu erscheinen: der hirt sey darauff fürgefodert und ihm commission auffgetragen worden, dasz er solle ambassadeur seyn. Schuppius 142. heute vorfodern.
 
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fürfoderung, f. was fürforderung. vgl. fürfodern.
 
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fürfordern, vorladen, laden vor jemand oder andern zu erscheinen, im besondern vor gericht. der selb, so also fürgefordert. Wormser reformation (1542) 1b. mit ausfall des r fürfodern (s. d.). heute vorfordern.
 
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fürforderung, f. eine ladung vor gericht, eine citation. Rädlein 312a. so der kläger auff den bestimpten tag der fürforderung persönlich, oder jemandts von seinet wegen, erscheinet unnd sein klag mündtlich oder schrifftlich fürbringt. Wormser reformation 3b. auch fürfoderung. s. fürfordern.
 
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fürführen , s. vorführen.
1) vornhin führen, zum gegenwärtigsein, zur schau oder zu einem andern zwecke herbeiführen. mhd.

diu Minne fuort die tohter für,
dô bleip diu maget vor dër tür. tohter Syon (Schade) 507 = Heidelb. hs. 117b.

nhd. und rüfft eilends dem Gandalin, dasz er jm sein pferd fürfürt. Amadis 282. zur vernehmung, aburtheilung, bestrafung vornhin oder herbeiführen, producere. zwo frawen wurden fur gefurt, das (dasz) sie jre söne beschnitten hatten. 2 Macc. 6, 10.
2) hervorführen.
3) voranführen, vornher führen.
4) vorwärts führen, weiter führen, insbesondere auf einem fuhrwerke, einem handkarren oder handwagen, oder auf einem fahrzeuge. überhaupt: vorwärts fortbewegen. (dasz) die arbeit in der grub von stat gehe, das ertz nach geschlagen und fleissig geschiden, gepocht, fürgefürt, geröst, gebrent und geschmeltzt werde. Mathesius Sarepta (1562) 223b. provehere, weyter führen, fürfüren. Frisius (1556) 1084a und danach Maaler 147c, dann bei Henisch 1281, 51.
5) vorbeiführen, vorüberführen.
 
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fürfusz, m.
1) der blosze fusztheil des strumpfes, der untere theil des strumpfes bis zum knöchel oder auch etwas über diesen, eine socke. mhd. vürvuoʒ vom untersten die bedeckung des fuszes bildenden theile der hose im mittelalter: wo ein jude sweren sal, der sal haben einen grâwen rok âne ermelen unde zwû hosen âne furfûʒe. Mones anz. 4, 305, = er soll in bloszen

[Bd. 4, Sp. 729]


füszen stehn. vgl. DWB füszling. fur fusz, pedale. Diefenbach 419c. für füsz, fürfsz, fürfsse. dessen nov. glossar. 284a. furfusz oder sock, pedile. voc. theut. 1482 i 6b. noch bair. fürfuesz. Schmeller 1, 554. schweiz. fürfusz, der untere theil des skrumpfes. Stalder 1, 406. Rütte 26 (Gotthelf 13, 266). in der Wetterau mit abschwächung des zweiten theiles des wortes fírwĕs, der am knöchel abgeschnittene untere theil des strumpfes als fuszbekleidung statt eines schuhes getragen und so selbst über den eigentlichen strumpf gezogen. beim gäten eines zwiebelackers musz man firwes tragen, um die jungen zwiebeln nicht zu zertreten. mit verhärtung des aus f erweichten w zu b im ehemaligen kurhessischen Oberhessen fürbes, der füszling von strümpfen, die socke. Vilmar 112. s. auch vorfusz.
2) der vorschusz am stiefel, der untere theil am stiefel vom knöchel herab. so in der Zips fürbs m. Schröer 52. in gleichem sinne siebenbürg. vörbes, wörbes. ebenda. aber Haltrich s. 24a u. 101 verzeichnet wérbes m. = bundschuh wie ihn Walachen und Zigeuner tragen, dann so viel als die sohlen dazu, endlich durch übertragung der bundschuhträger.
 
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fürfuszen, einen »fürfusz«, d. h. den unteren theil der fuszbekleidung bis zum knöchel, an die bekleidung des beines ansetzen: xiiij sz von Stracken lerhosen (lederhosen) zu furfussen und zu salen (sohlen), als er in dem graben durch die stat nutzit. rechenbuch von 1403 im archive zu Frankfurt am Main. noch schweiz. in der bedeutung einen fürfusz an die strümpfe machen. Stalder 1, 406.
 
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fürfüszeln, an den fürfüszen stinken, überhaupt an den füszen stinken. dann: nach schmutziger wäsche stinken, sich unreinlich halten. endlich: nach altem, faulem käse stinken. In der Schweiz, s. Stalder 1, 407.
 
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fürfüszgen, fürfüsznen, was fürfuszen (s. d.). schweiz., s. Stalder 1, 406. wie dieses, von fürfusz abgeleitet, bei fürfüszgen mittelst -ig-en, so dasz die eigentliche, vollständige form fürfüszigen lautet. den umlaut wirkt hier i in -ig.
 
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fürgabe, f.
1) eine angabe. diese bedeutung setzt Jacob Grimm mit recht an für das wort in folgender stelle:

habt ir die sach als grob gemacht,
als hie die furgab von euch sagt,
so seit ir wol einer groszer straf wert. fastnachtsp. 852, 5.


2) etwas das zum voraus vor andern gegeben wird, etwas gegebenes durch welches der empfangende einen vorzug vor andern hat. prerogativa, furgab vor anderen. Eychman q ijb. s. vorgabe.
Vgl. fürgeben.
 
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fürgahn, fürgan, eins mit fürgehn, das gewöhnlich fürgehen geschrieben wird. ahd. furigân. vergl. DWB fürgehen und DWB gehen. der edelmann ... stelt sich offt an orten und enden, da er dann wusst, das sy fürgan wurde. Wickram rollwagenb. (Kurz) 134, 24, = vorübergehn; als Christus fürgadt, sitzt ein blinder am wäg. Funckelin Lazarus E 1a, = vorübergeht;

sag lieber gsell, wär gadt hie für? ebenda.

sonst schreibt Funckelin gewöhnlich gon.

 

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