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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürfliehen bis fürfusz (Bd. 4, Sp. 727 bis 728)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürfliehen, 1) hervorfliehen, herausfliehen. 2) fortfliehen, weiterfliehen. 3) vorbeifliehen, vorüberfliehen.
 
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fürflieszen, 1) vornhin flieszen. 2) hervorflieszen, herausflieszen. 3) fortflieszen, weiterflieszen. 4) was fürüberflieszen, vorüberflieszen, vorbeiflieszen. Weismann 2, 135b. bey dem fürfliessenden bach aber lag der schön lustgarten. Fischart Garg. 281a (1608 Kk 8b); neben welchem (es ist von einem gemach die rede) ein lustig wasser fürflosz. Amadis 26; an dem see, der bey ihrem schlosz zu aller nahst fürflosz. Wigalois in prosa 69. das fürflieszende wasser, s. Gutzeit 301b.

[Bd. 4, Sp. 728]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürflucht, f. das fort- oder wegfliehen einer schuld oder schulden halber, eine flucht schulden halber: brënget Metze vorgenant mit dës gerichts bûch zû, daʒ ir solich ûfgift geschëhen sî, daʒ daʒ dan billich macht habe, Johannes vorgenant wulde dan gewîsen als rëcht ist, daʒ ir solich ûfgift durch vurflucht geschëen wêre. urk. v. j. 1401 bei Thomas der oberhof zu Frankfurt a. M. s. 546, 103. begert an meyster Bartholomeus nach dem und als Else deszelben Heynrichs seligen husfrauwe yme soliche cleynoit (es ist ein bei Bartholomäus von der Elsen mann, dem goldschmide Heinrich Knebeck zu Mainz, zur aufbewahrung niedergelegtes vergoldetes halsband gemeint) fur allen komerern und ane (ohne) schurunge, schirmunge und furflucht uffgegeben und uffgelaszen hette, als der stete zu Frankfurt recht were. urk. v. j. 1468 ebenda s. 355.
 
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fürflüchtig, adj. schulden halber flüchtig. von fürflucht. es sey dann dasz er bewise, sie seyen furfluchtig oder lantrünnig. urk. v. j. 1430 in Thomas oberhof s. 552, 115; nach clage, antwurt und rechtsetzen beider parthie han unser herrn die scheffen mit ortel gewiset, dwile die schult Sluden und nit der frauwen geglaubet und inne der forderunge nit furgewant hat, dasz Slude furfluchtig sy, das dan desz Kathrine (Sludens frau) noch zur zyt nit pflichtig sy zu betzalenn. urk. v. j. 1479 ebenda s. 502. s. auch s. 430, 8.
 
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fürflug, m.
1) das fliegen vornhin vor jemand oder etwas.
2) das hervorfliegen, das ausfliegen.
3) das vorwärtsfliegen, der flug vorwärts, der flug in ferne gegenden, der wanderflug: man nennet jhn (den frembdlingfalck) aber darumb einen frembdlingfalcken, dieweil er im fürflug, wenn er ausz frembden landen in ein ander frembd land fleuget, auffgefangen wirt. weidwerk 2, 15a; es kommen auch ausz Norwegen etliche, und etliche im fürflug in Teutschlandt auffgefangen werden. 16a; man nennet jhn aber darumb einen tartarischen falcken ausz Barbarey, dieweil er seinen fürflug und fürzug durch das königreich Tunis nimmt. 15b.
4) der vorüberflug, das vorüberfliegen.
 
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fürfodern, was fürfordern, mit dem das wort eins ist, denn fodern (s. d.) gieng mit ausfall des r aus fordern hervor. fürfodern, citare oder laden fur gerichte. voc. theut. 1482 i 6a. fürfodern, tagen, vor gericht heischen oder laden, citare. Rädlein 312a. in dem sinne von vorladen, laden vor jemand oder andern zu erscheinen: der hirt sey darauff fürgefodert und ihm commission auffgetragen worden, dasz er solle ambassadeur seyn. Schuppius 142. heute vorfodern.
 
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fürfoderung, f. was fürforderung. vgl. fürfodern.
 
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fürfordern, vorladen, laden vor jemand oder andern zu erscheinen, im besondern vor gericht. der selb, so also fürgefordert. Wormser reformation (1542) 1b. mit ausfall des r fürfodern (s. d.). heute vorfordern.
 
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fürforderung, f. eine ladung vor gericht, eine citation. Rädlein 312a. so der kläger auff den bestimpten tag der fürforderung persönlich, oder jemandts von seinet wegen, erscheinet unnd sein klag mündtlich oder schrifftlich fürbringt. Wormser reformation 3b. auch fürfoderung. s. fürfordern.
 
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fürführen , s. vorführen.
1) vornhin führen, zum gegenwärtigsein, zur schau oder zu einem andern zwecke herbeiführen. mhd.

diu Minne fuort die tohter für,
dô bleip diu maget vor dër tür. tohter Syon (Schade) 507 = Heidelb. hs. 117b.

nhd. und rüfft eilends dem Gandalin, dasz er jm sein pferd fürfürt. Amadis 282. zur vernehmung, aburtheilung, bestrafung vornhin oder herbeiführen, producere. zwo frawen wurden fur gefurt, das (dasz) sie jre söne beschnitten hatten. 2 Macc. 6, 10.
2) hervorführen.
3) voranführen, vornher führen.
4) vorwärts führen, weiter führen, insbesondere auf einem fuhrwerke, einem handkarren oder handwagen, oder auf einem fahrzeuge. überhaupt: vorwärts fortbewegen. (dasz) die arbeit in der grub von stat gehe, das ertz nach geschlagen und fleissig geschiden, gepocht, fürgefürt, geröst, gebrent und geschmeltzt werde. Mathesius Sarepta (1562) 223b. provehere, weyter führen, fürfüren. Frisius (1556) 1084a und danach Maaler 147c, dann bei Henisch 1281, 51.
5) vorbeiführen, vorüberführen.
 
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fürfusz, m.
1) der blosze fusztheil des strumpfes, der untere theil des strumpfes bis zum knöchel oder auch etwas über diesen, eine socke. mhd. vürvuoʒ vom untersten die bedeckung des fuszes bildenden theile der hose im mittelalter: wo ein jude sweren sal, der sal haben einen grâwen rok âne ermelen unde zwû hosen âne furfûʒe. Mones anz. 4, 305, = er soll in bloszen

[Bd. 4, Sp. 729]


füszen stehn. vgl. DWB füszling. fur fusz, pedale. Diefenbach 419c. für füsz, fürfsz, fürfsse. dessen nov. glossar. 284a. furfusz oder sock, pedile. voc. theut. 1482 i 6b. noch bair. fürfuesz. Schmeller 1, 554. schweiz. fürfusz, der untere theil des skrumpfes. Stalder 1, 406. Rütte 26 (Gotthelf 13, 266). in der Wetterau mit abschwächung des zweiten theiles des wortes fírwĕs, der am knöchel abgeschnittene untere theil des strumpfes als fuszbekleidung statt eines schuhes getragen und so selbst über den eigentlichen strumpf gezogen. beim gäten eines zwiebelackers musz man firwes tragen, um die jungen zwiebeln nicht zu zertreten. mit verhärtung des aus f erweichten w zu b im ehemaligen kurhessischen Oberhessen fürbes, der füszling von strümpfen, die socke. Vilmar 112. s. auch vorfusz.
2) der vorschusz am stiefel, der untere theil am stiefel vom knöchel herab. so in der Zips fürbs m. Schröer 52. in gleichem sinne siebenbürg. vörbes, wörbes. ebenda. aber Haltrich s. 24a u. 101 verzeichnet wérbes m. = bundschuh wie ihn Walachen und Zigeuner tragen, dann so viel als die sohlen dazu, endlich durch übertragung der bundschuhträger.

 

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