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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürfällig bis fürfenster (Bd. 4, Sp. 726 bis 727)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürfällig, adj. vorkommend, widerfahrend, zukommend, zufällig zukommend. von fürfallen. wir Johannes sind verpflicht, die scheferey des herrn, so uns befohlen, nicht allein für den gegenwertigen, sondern auch künfftigen und allenthalben zustendigen und fürfelligen fehrligkeiten der seelen zu bewaren. Luther 1, 214a (des bischofs zu Meiszen ausschreiben wider Luthers predigt vom h. sacr.). Davon dann ein gleichlautendes adv.
s. auch vorfällig.
 
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fürfälligkeit, f. das vorkommen, ereignis, zukommen im laufe der dinge. das wort verzeichnet Schottelius 361a unter den bildungen mit keit.
 
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fürfang, m.
1) vorläufige empfangnahme einer an den richter zu zahlenden gebühr durch diesen. Schmeller 1, 554. s. das folgende fürfangen.
2) nachtheil, eintrag. belegstellen bei Haltaus 1991. vornehmlich: beanspruchung und beschlagnahme eines gestohlnen oder abhanden gekommenen gutes ohne richter und richterlichen befehl. Haltaus ebenda. ferner: beschlagnahme eines gestohlnen oder geraubten gutes durch den richter vor der untersuchung des beklagten vor gericht. Westenrieder glossar. 175. aber auch: die gebühr die für diese beschlagnahme an den richter zu entrichten ist. Haltaus a. a. o. in diesen bedeutungen, der der beschlagnahme und der der gebühr ist bereits mhd. vürvanc gebraucht. Ben. 3, 211a. nhd. über wyndt er in (den schädlichen mann) aber mit dem rechttn, so ist er nicht mer schuldig dann zwen und dreyssigk pfennyg ain fürfannck dem landtrichtter, der da pan und acht hat von unsserm genädign herrn von Freysing. weisth. 3, 659. s. auch Birlinger 171a so wie Schmid 210 und vgl. DWB schub.
 
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fürfangen, vorläufig in empfang nehmen. Schmeller 1, 554. bairisch wird stark und schwach conjugiert. ahd. furifâhan, furefâhen, mit starker, furifangôn, bei Notker furefangôn, mit schwacher flexion; dieses bedeutet vorher erfassen, vorher nehmen, zuvorkommen, überholen (Boeth. 270), vorgehn, übertreffen (Boeth. 258), jenes vorwegnehmen, zuvorkommen, anfangen (Mart. Cap. 31).
 
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fürfaren, s. DWB fürfahren.
 
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fürfart, f., s. DWB fürfahrt.
 
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fürfassen, s. vorfassen. in der bedeutung: vorausnehmen, vornehmen, zur betrachtung oder verhandlung vornehmen.

bisz hewt uber acht tag
so kumpt herwider mit ewer clag,
so wirt man ewer sach fürfaszen
zu dem flederwisch in der kerer gaszen.
Rosenblut, in Gottscheds nöth. vorrath 2, 69.

[Bd. 4, Sp. 727]


dann in der bedeutung: im geiste festhaltend sich vorstellen. wilt du den teufel recht abgemalet sehen, so fasse dir für einen bösen gifftigen menschen, der u. s. w. Luther 5, 337a.
 
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fürfechten, heute vorfechten (s. d.). vgl. Heynatz antibarb. 1, 434.
 
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fürfechter, m.
1) einer der »für« einen andern, d. h. an der stelle eines andern und zu dessen gunsten, ficht oder kämpft, ein stellvertretender fechter oder kämpfer: wer der vir magni nominis seye, welcher euch (ein magister Bernhard Schmid ist gemeint) zu dieser ritterthat auffgemuntert und sich viel zu grosz darzu gehalten, dasz er selbst sich in einen streit mit mir einlassen solte, sondern hat euch als seinen fürfechter oder capitain lieutenant gebrauchen wollen. Schuppius 790.
2) einer der beim fechten oder beim kampfe vorn, also der vorderste ist. 3) einer der im fechten vorangeht oder anführt, ein anführer beim fechten. 4) einer der andern zum muster und zur nachahmung ficht oder kämpft, ein fechter der andern die fechtkünste zur nachahmung vormacht, ein musterfechter.
In den drei letzten bedeutungen heute vorfechter (s. d.), was für die vierte Heynatz antibarb. 1, 434 entschieden ausspricht.
 
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fürfell, n.
1) ein schurzfell. mhd. furfël (voc. opt. nr. 11, 21), d. i. vürvël. nhd. »anticorium, fürfel, das die schmid für sich henckend«. vocabular. rerum v. j. 1478 55b; furfel, als die schmid haben. Brack 23b. s. Tobler 201b. furfel oder schurtzfel, antecorium. voc. theut. v. 1482 i 6b. furfäl, schurtz. Henisch 1299, 67. leute, die sonst immer die sonntagskleider anzogen, wenn sie an die gemeinde giengen, kamen jetzt in werktagsröcken und fürfellen. Pestalozzi Lienhart und Gertr. 2, 129 (1831 s. 129 werktagshosen); er nahm das kätzchen lustig ins fürfell. 65; er wuszte nicht, wie er es mit der katze im fürfell anfangen sollte. 68; der murrbär fragte ihn, was er da im fürfell hätte. ebenda; als er mit seiner katze im fürfell wieder heimging. ebenda; ich wollte, ich hätte sie nie ins fürfell genommen. ebenda. s. auch DWB fürleder 2).
2) das leder, das der weber um den bauch bindet, um seine kleider zu schonen. schweiz., wo förfel, förfêl gesprochen wird und beide bedeutungen üblich sind. Tobler a. a. o.
 
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fürfenster, n. ein auszen vor dem eigentlichen fenster befindliches fenster, um den strengen winterfrost von jenem abzuhalten, überhaupt um das zimmer gegen diesen zu schützen. Weismann 2, 133b. heute vorfenster (s. d.).

 

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