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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürfallen bis fürfell (Bd. 4, Sp. 725 bis 727)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürfallen , s. vorfallen.
1) vornhin niederfallen. hierauff liessen sie jre visier fürfallen. Amadis 88; liesz sein visier fürfallen. 356. 368; derwegen liessen Amadis unnd Agraies jhre visier fürfallen. 419; newe schlösser zu gewelben unnd kisten, die (deren deckel?) fürfallen mit einem schlüssel. Fischart Garg. 193b (1608 Z iiijb).
2) vorwärts fallen.
3) hervorfallen, nach auszen hervortreten, zum hervorstehn hervortreten. furfallen, procidere. voc. theut. 1482 i 6b.
4) vorkommen, vor augen oder vor die seele kommen, in die seele kommen. mit dat. der person. und wenn einer des nachts auff seinem bette rugen und schlaffen sol, fallen jm mancherley gedancken für. Sir. 40, 5; demnach haben e. kön. w. als der weise leichtlich zu ermessen, das uns schwer fürfallen wolt, on göttlich schrifft und als die solcher sachen nicht gnugsam bericht und erfaren sind, ichts zu handeln oder fürzunemen. Luther 2, 218b (antwort der chur und fürsten zu Sachsen auf könig Heinrichs von Engelland schreiben); und er, wiewohl ihm solches schwer fürgefallen, dennoch diesem brief zu folgen gewilligt. Melanchthon werke 6, 102. mir hat nichts liebers können fürfallen, nihil mihi optatius contingere potuit. Henisch 986, 19, vorher 18 »fürfallen, gerathen, cadere.«

[Bd. 4, Sp. 726]


drum sage mir,
fällt dir ein ort beqvemer für,
als, Dölitz, ausser dir,
der zur entzückung besser dienet?
Picander ernstscherzh. ged. 108.


auch ohne dat., in so fern sich dieser hinzudenken läszt: ob sie (die mönche) auch wol fahrten machen, in klöstern, stifften, klausen und kammern, wils doch wol schwer fürfallen, drauff übersich und gen himmel zu faren. Mathesius leichpred. 2, 33a. an diese bedeutung knüpft sich die folgende allgemeinere.
5) vorkommen, sich zutragen, sich begeben, geschehen: zum wenigsten wenn dazu gelegenheit fürfellet. Luther 1, 9b; in merckhlichen fürfallennden sachen. beschlusz des reichsreg. v. 1501 §. 1 (2, 92);

fiel schon ein nötig handel für,
sagt mans durch ein thürhüter an.
H. Sachs II (1591), 3, 88a;

wie aber die verenderung der herrschafft im 45. jar (= 1545) fürfiel, nam m. Steude seliger seinen abschied. Mathesius Sarepta (1562) 194a; wie auch, so lang ich das pfarrampt gefüret, nicht einige verenderung einiger ceremonien ist fürgefallen. ebenda; etlich exempel von fürfallenden händeln unnd geschäfften, die er oder andere practiciret hetten. Fischart Garg. 173b = 1608 X 1d. noch in dem zweiten jahrzehent des 18. jahrh. bei Dentzler 2, 117b fürfallen, begegnen, accidere u. s. w. und auch bei Weismann 2, 135b fürfallen. Hederich teutsch-lat. lex. v. j. 1753 sp. 990 verweist auf vorfallen. heute in dieser bedeutung z. b. wetterauisch fîrfann, d. i. fürfalln. mit ihr hängt dann wieder eng zusammen die folgende.
6) vorkommen, zukommen, als leistung, thätigkeit u. s. w. zu theil werden, als sich begebend begegnen. mit dat. der person: auch was mehr not sein wird zum hause deines gottes, das dir furfelt aus zugeben, das las geben aus der kamer des königes. Esth. 7, 20; meldung fürfelt. Petr. 41b. es sind ihm geschäfte fürgefallen, concursu occupationum oppressus est. Stieler 422, der eben so wol vorfallen setzt.
 
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fürfällig, adj. vorkommend, widerfahrend, zukommend, zufällig zukommend. von fürfallen. wir Johannes sind verpflicht, die scheferey des herrn, so uns befohlen, nicht allein für den gegenwertigen, sondern auch künfftigen und allenthalben zustendigen und fürfelligen fehrligkeiten der seelen zu bewaren. Luther 1, 214a (des bischofs zu Meiszen ausschreiben wider Luthers predigt vom h. sacr.). Davon dann ein gleichlautendes adv.
s. auch vorfällig.
 
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fürfälligkeit, f. das vorkommen, ereignis, zukommen im laufe der dinge. das wort verzeichnet Schottelius 361a unter den bildungen mit keit.
 
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fürfang, m.
1) vorläufige empfangnahme einer an den richter zu zahlenden gebühr durch diesen. Schmeller 1, 554. s. das folgende fürfangen.
2) nachtheil, eintrag. belegstellen bei Haltaus 1991. vornehmlich: beanspruchung und beschlagnahme eines gestohlnen oder abhanden gekommenen gutes ohne richter und richterlichen befehl. Haltaus ebenda. ferner: beschlagnahme eines gestohlnen oder geraubten gutes durch den richter vor der untersuchung des beklagten vor gericht. Westenrieder glossar. 175. aber auch: die gebühr die für diese beschlagnahme an den richter zu entrichten ist. Haltaus a. a. o. in diesen bedeutungen, der der beschlagnahme und der der gebühr ist bereits mhd. vürvanc gebraucht. Ben. 3, 211a. nhd. über wyndt er in (den schädlichen mann) aber mit dem rechttn, so ist er nicht mer schuldig dann zwen und dreyssigk pfennyg ain fürfannck dem landtrichtter, der da pan und acht hat von unsserm genädign herrn von Freysing. weisth. 3, 659. s. auch Birlinger 171a so wie Schmid 210 und vgl. DWB schub.
 
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fürfangen, vorläufig in empfang nehmen. Schmeller 1, 554. bairisch wird stark und schwach conjugiert. ahd. furifâhan, furefâhen, mit starker, furifangôn, bei Notker furefangôn, mit schwacher flexion; dieses bedeutet vorher erfassen, vorher nehmen, zuvorkommen, überholen (Boeth. 270), vorgehn, übertreffen (Boeth. 258), jenes vorwegnehmen, zuvorkommen, anfangen (Mart. Cap. 31).
 
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fürfaren, s. DWB fürfahren.
 
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fürfart, f., s. DWB fürfahrt.
 
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fürfassen, s. vorfassen. in der bedeutung: vorausnehmen, vornehmen, zur betrachtung oder verhandlung vornehmen.

bisz hewt uber acht tag
so kumpt herwider mit ewer clag,
so wirt man ewer sach fürfaszen
zu dem flederwisch in der kerer gaszen.
Rosenblut, in Gottscheds nöth. vorrath 2, 69.

[Bd. 4, Sp. 727]


dann in der bedeutung: im geiste festhaltend sich vorstellen. wilt du den teufel recht abgemalet sehen, so fasse dir für einen bösen gifftigen menschen, der u. s. w. Luther 5, 337a.
 
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fürfechten, heute vorfechten (s. d.). vgl. Heynatz antibarb. 1, 434.
 
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fürfechter, m.
1) einer der »für« einen andern, d. h. an der stelle eines andern und zu dessen gunsten, ficht oder kämpft, ein stellvertretender fechter oder kämpfer: wer der vir magni nominis seye, welcher euch (ein magister Bernhard Schmid ist gemeint) zu dieser ritterthat auffgemuntert und sich viel zu grosz darzu gehalten, dasz er selbst sich in einen streit mit mir einlassen solte, sondern hat euch als seinen fürfechter oder capitain lieutenant gebrauchen wollen. Schuppius 790.
2) einer der beim fechten oder beim kampfe vorn, also der vorderste ist. 3) einer der im fechten vorangeht oder anführt, ein anführer beim fechten. 4) einer der andern zum muster und zur nachahmung ficht oder kämpft, ein fechter der andern die fechtkünste zur nachahmung vormacht, ein musterfechter.
In den drei letzten bedeutungen heute vorfechter (s. d.), was für die vierte Heynatz antibarb. 1, 434 entschieden ausspricht.
 
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fürfell, n.
1) ein schurzfell. mhd. furfël (voc. opt. nr. 11, 21), d. i. vürvël. nhd. »anticorium, fürfel, das die schmid für sich henckend«. vocabular. rerum v. j. 1478 55b; furfel, als die schmid haben. Brack 23b. s. Tobler 201b. furfel oder schurtzfel, antecorium. voc. theut. v. 1482 i 6b. furfäl, schurtz. Henisch 1299, 67. leute, die sonst immer die sonntagskleider anzogen, wenn sie an die gemeinde giengen, kamen jetzt in werktagsröcken und fürfellen. Pestalozzi Lienhart und Gertr. 2, 129 (1831 s. 129 werktagshosen); er nahm das kätzchen lustig ins fürfell. 65; er wuszte nicht, wie er es mit der katze im fürfell anfangen sollte. 68; der murrbär fragte ihn, was er da im fürfell hätte. ebenda; als er mit seiner katze im fürfell wieder heimging. ebenda; ich wollte, ich hätte sie nie ins fürfell genommen. ebenda. s. auch DWB fürleder 2).
2) das leder, das der weber um den bauch bindet, um seine kleider zu schonen. schweiz., wo förfel, förfêl gesprochen wird und beide bedeutungen üblich sind. Tobler a. a. o.

 

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