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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürer bis fürfahrt (Bd. 4, Sp. 723 bis 725)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürer, m., s. DWB führer.
 
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fürer, adv. weiter, ferner. schweiz., s. Stalder 1, 405. ahd. furirâ (Graff 3, 622), mhd. vürer, eher, mehr, der adverbialisch gebrauchte acc. sg. neutr. von ahd. furiro, eher, mehr, gröszer, vorzüglicher, dem von dem adv. furi nhd. für (s. DWB für II oben sp. 650) gebildeten comparativ, der wie alle ahd. comparative nur schwach flectieren kann. der superl. ist fürst (s. d.).
schriften, zumal des 15. und 16. jh., bieten reichlich belege:

ich musz fürer fragen dich.
J. Lenz Schwabenkrieg 48a;

das wend wir also lan blyben (lies beliben),
unser disputatz furer triben. 62b;

und das sint die wort mines anfanges: usz welichen worten furer fruchtberlich ze reden vermag ich nit on sunder hulff und gnad des almechtigen gottes. manuale curatorum 69a, vgl. oben sp. 267, wo aber bei furer in der klammer statt »mehr« besser »weiter« zu setzen ist; nu furer umb das ir in stetikeit des gloubens ... bewart syen. 107b. aus Geszler zeichnet Jacob Grimm auf »44a. 61a und oft.« fürer und fürer, fernerhin und ferner, fort und fort: wundet yeman den andern uff den tod, das sol man friden fürer und fürer als es notdürftig ist. geschichtsfreund 7, 144. vgl. DWB für und für sp. 651 ff.
Wie fürbasz und fürder an das vorhergehende anknüpfend zu anfang eines satzes oder abschnittes stehn (s. sp. 660 und 716), so auch fürer: furer so sol uwer yeglichs ledig sin. manuale curatorum 94b.
Mit angehängtem adverbialischen s fürers, s. d.
 
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fürerkantnis, fürerkantnus, f. und n.
1) das vorherwissen. prescientia, furerkantnus, erkantnus die von ewikeyt furgeet, furwyssenheyt. Eychman q ijb.
2) vorgängiges erkenntnis, ein vorbescheid. prejudicium, ein fuererkantnus, ein fuer urteil. Eychman q ijb. fuerkantnis. Diefenbach 454b. s. auch vorerkantnis. heute vorerkenntnis.
 
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fürerkenntnis, f. und n., eins mit furerkantnis.
 
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fürers, adv. weiter, ferner. also was fürer (s. d.), dem hier noch zu mehr adverbialischem aussehen das häufig bei adverbien vorkommende, ursprünglich genitivische s angehängt ist, denn anzunehmen, dasz das wort gen. sg. neutr. oder auch masc. starker form von dem alten adj. sein sollte, das in dem ahd. comp. furiro erscheint, verbietet schon das frühe erlöschen desselben, und bereits mhd. kennt man nur noch das adverbium. hätte sich übrigens das adj. länger erhalten, dann würde sich wol jener gen. nicht bezweifeln lassen, zumal da den comparativen nhd. auch starke flexion zukommt. üblich ist das wort in der Schweiz, wo man z. b. fürers stellen für weiter stellen sagt. Stalder 1, 405. der da ist mir schuldig und hat zahlen sollen und kam nicht, und ich musz auch geld haben, der, dem ich den hof abgekauft, drangsalirt mich, und ich habe darauf gerechnet, das geld nur fürers zlege, mit der einen hand es zu nehmen und mit der andern es weiter zu legen, und wenn der mir nicht an die hand geht, so kann ich es auch nicht halten und komme in verlegenheit. Gotthelf ges. schriften 9, 162.
 
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fürerst, adv.
1) vor allem andern, allem zuvor, vor allen dingen zuerst, primum. eine bildung, die erst im 18. jahrhundert erscheint; doch hat hier zunächst Kramer in seinem hochd.-niederd. wörterbuch vom jahre 1719 s. 254a vor erst mit niederländisch voor eerst, das gleichfalls neuer entstehung ist. s. DWB vorerst. die wörterbücher des 18. jahrh., auch die deutsch - lateinischen, enthalten sich lange der aufnahme beider formen, bis Adelung in dem 1780 erschienenen vierten theile seines wörterbuches sp. 1650 vorerst verzeichnete mit dem bemerken, dasz es sowol eine zusammenziehung, als auch eine figur von der redensart für das erste sein könne und daher auch von einigen fürerst geschrieben werde. dieses selbst läszt er, wie auch später Campe und sogar Heyse, im F unangeführt. Heinsius erwähnt es, wie früher Voigtel, nicht einmal bei vorerst. was zunächst die

[Bd. 4, Sp. 724]


entstehung anlangt, so scheint es den ausdrücken mit erst, von erst, zuerst (s. wb. 3, 993 f.) nachgebildet, in welchen erst adv. ist und ohne flexionsendung steht, und diese bildung lag allerdings um so näher, als für das erste vorausgieng. s. DWB erste 12) i) und für I A 4) s). wenn aber Adelung a. a. o. vorerst und natürlich auch damit fürerst am häufigsten »in der vertraulichen sprechart« vorkommen läszt, so stehen dem bei vorerst anzuführende stellen entgegen. man setzt übrigens fürerst wie vorerst, ja jene form ist im grunde die vorzuziehende. Heyne z. b. schreibt in seinen briefen an Johannes von Müller fürerst. so s. 117. 121. 135. 166. andere haben fürerst neben vorerst, z. b. Göthe: dann geht es morgen früh auf der andern seite hinab, fürerst zu einer wunderbaren familie. 21, 11.
2) vor der hand, vorläufig: sonst würde man wohl gar einigen jünglingen anrathen müssen, sich für erst unter dem pöbel aufzuhalten. Klopstock 12, 4; fürerst indesz war ihm darin nur eine vorübende, untergeordnete stelle zugedacht. Varnhagen Blücher 23. fürerst wollen wir über die sache nichts äuszern. vgl. die stelle aus Göthes Tasso 2, 4 unter vorerst.
 
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füressen, n. in der bürgerlichen küchensprache Baierns eine vorspeise nach der suppe. es ist dies nemlich ein nach dieser und vor dem rindfleisch aufgetragenes, gewöhnlich aus zerschnittenen eingeweiden bestehendes gericht. eben so wol voressen (s. d.). Schmeller 1, 554. 119.
 
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fürfahne, f. flitterstaat. augsb., s. Birlinger 171a.
 
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fürfahren , s. vorfahren. ahd. furifaran, vorbeifanren, vorbeigehn, vorübergehn, hinübergehn, weggehn, fliehen, vergehn, verloren gehn.
1) vorhergehn, voraus da sein, antevenire. ahd., mit acc.: tën (sol) fure fuor, sô ër begonda chomen, ein rôt skîmo (es ist die morgenröthe gemeint). Mart. Cap. 63. hieran schlieszt sich
2) vorherfahren, mit einem fuhrwerke oder einem fahrzeuge voraus sich fortbewegen, indem andere folgen. vgl. DWB fürfahrt 2).
3) vorwärts gehn, sich vorwärts fortbewegen. progrediens, fürfarende. Frisius (1556) 1070a und danach Maaler 147c, der noch den artikel der beisetzt.
4) zum ein- oder aussteigen vornhin fahren und da halten.
5) vorbeifahren, vorüberfahren.

in dem ein pawer ohn gefehr
mit holtz fuhr für.
H. Sachs I (1590), 374c.

mit acc.: wie wir in diesem wellenden mör die siesz dönenden Syrenes für farn. Wirsung Cal. (1520) A ijb. noch in dem zweiten jahrzehent des 18. jh.: fürfahren, fürüber fahren, praetervehi. Dentzler 2, 117b. auch hat Weismann 2, 133b das wort in dem sinne.
6) mit einem fuhrwerke oder einem fahrzeuge an einem andern oder andern vorbeifahren um vornen oder voraus zu sein.
7) wegfahren, sich wegbegeben.
8) fortfahren, weiter fahren, sich weiter fortbewegen. fürfaren, weyter faren und nit eynkeren, praeteragere, transcendere u. s. w., also von jedem weitern sich fortbewegen. Maaler 147c. vgl. 5). nahe bey einem wasser, ... saget sie, da er sich mit seinem hauffen gelägert unnd auff guten wind wartet in Franckreich zu ziehen, unnd ist gantz begierig, ehe er weiter fürfahrt, zu wissen, ob es euch gefellig mit jhm zu reisen. Amadis 89; herr, antwort sie, ich bit euch, lasz uns in diesem weg fürfaren, bisz wir ein hausz ... antreffen. 296. hiervon dann
9) thätig fortfahren, das thun oder die thätigkeit fortsetzen: far für an diner kunkeln. Kaisersberg bilger 55a; dasz ... mittler zeit mit dem rechten nicht still gestanden, sondern fürgefahren werde. reichsabsch. von 1518 s. 7; also ward nütz drusz und zoch ich wider gan Zürich, fur in meinen studiis in groszer armut für. Th. Plater 43; fraindin Lucrecia, für meine augen hast du mir gebracht, dasz so du gesungen hast, far für von meinen wegen, wildu mir wol, so will ich dir helffen. Wirsung Cal. (1520) S iiijb; als das concilium (zu Costnitz) jemerdar verhindert ward und nit kont fürfaren. Tschudi chron. 2, 38b. faren also mit jren schandlichen groben zotten für. Wickram rollwagenb. (Kurz) 8, 11 f.; so soll man denselbigen salben unnd so einer zu guter ruwe kompt, so soll man doch fürfahren. Paracelsus 1, 693a; wyter in eyner sach fürfaren, lengere red halten, progredi longius. Maaler a. a. o.; auff seinem ernsthafften wäsen fürfaren, tenere se intra gravitatem. ebenda; wann es dich dunckte gut seyn, ich wolte ... jhr im andern trunck mit gifft vergeben. Arsace lobet jhren raht und saget, sie solte fürfahren. b. d.

[Bd. 4, Sp. 725]


liebe 215, 4; doch darneben wöllest auch ermahnet seyn, in dieser angefangnen mannheit fürzufahren und meiner eingedencks zu haben. Amadis 103; disz Mabila ersehende, für (lies fur) sie für und sagt. 229; dessen die Oriana wol warname, fuhr derwegen in jhrer redt für und sagt. 307; aber in dem er fürfahren wolt, ferner persuasion sich zugebrauchen. 324; und in dem er also streng fürfur, begegnet er des hertzogen andern mithelffer und traff jn dermassen auff desz helms nagel und rincken, dasz jm derselbige vom kopff fiel. 389. auch hier hat noch Dentzler a. a. o. fürfahren, doch nur mit hinweisung auf fortfahren, pergere. dagegen führt Weismann 2, 135b geradezu an im werck fürfahren, progredi, pergere.
10) übergehn, sich in fortgesetztem thun auf anderes wenden. wir wollend fürfaren auff die abteilung, ad partitionem transeamus. Maaler a. a. o. und danach Henisch 1300, 12.
11) gerichtlich verfahren, gerichtlich fortfahren, procedere. Schmeller 1, 554. so auch der richter darüber auff solche der warsäger angeben weither fürfüre, soll er dem gemarterten kosten u. s. w. abzulegen schuldig sein. Carolina art. 21, = prosequeretur, weiter verführe.
12) gerichtlich vollstrecken: grassari, fürfaren, vollstrecken. Frisius (1556) 610a und danach bei Maaler 147c. exequi supplicia, mit der straaff fürfaren, die straaff vollstrecken. Frisius 1275a und danach wieder Maaler a. a. o.
 
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fürfahrer, m. einer der mit einem fuhrwerk oder fahrzeug vorausfährt. in folgender stelle scheint es den, der an einem fuhrwerk auszen oder auf einem der pferde sitzend diese lenkt, zu bedeuten: man sagt, wie derselbige könig in grosser gefahr gewesen, dasz er schier im wasser ersoffen were, denn er sey auff eim schlitten gefahren auffm eise, da ist der fürfahrer behend unter das eisz kommen und ertruncken, und wenn man den könig nicht erwischt hette, so were er auch umbkommen. Luther tischreden (1576) 343b.
 
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fürfahrt, f. , ahd. (erst später vorkommend) furefart, mhd. vürvart.
1) das vorwärtsgehn. fürfahrt, progressus, transitus. Dentzler 2, 117b, also so viel als das vorwärtsgehn, der fortgang, aber auch das vorübergehn. vgl. 3).
2) eine vorausbewegung, eine fortbewegung vor andern her. ahd. unde tuot sî ofto dia furefart ûfen drâten reiton (raschen wagen). N. Marc. Cap. 83. insbesondere eine solche vorausbewegung mit einem fuhrwerke oder einem fahrzeuge.
3) das vorbeigehn, vorübergehn, die vorbeifahrt. dieses letzte bei Frisch 1, 240, wo eine stelle aus Hunds metrop. salisb. 1, 253. von der bedeutung gehen dann die folgenden aus.
4) das vorbeigehnlassen, das hingehnlassen, die allzugrosze nachsicht und der mangel an thatkraft in beziehung auf etwas. praetermissio, underlassung, fürfart, das hin lassen gon. Frisius (1556) 1050a und danach Maaler 147c so wie nach diesem weiter bei Henisch 1300, 15 fürfart (die).
5) eine abgabe für die erlaubnis, mit einem schiffe an einer bestimmten ortschaft vorüberzufahren. die von Bruck vermainen uns kain mawt noch furfart mer zu geben. Chmel urkunden Max. 265.

 

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