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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürenthalten bis fürfahne (Bd. 4, Sp. 723 bis 724)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürenthalten, heute schriftdeutsch vorenthalten (s. d.), von dem es in dem begriffe nicht unterschieden ist. vgl. Heynatz antibarb. 1, 434.
 
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fürendig, adv. gar sehr, auf dem Schwarzwald, s. Schmid 165. eigentlich, da dort eben so wol fürendlich gesagt wird, welches mit endlich, endelich, strebend, rüstig, rasch, behend, zusammengesetzt ist, so viel als voraus rasch, rasch vorwärts, überaus rasch, woraus dann jene bedeutung »gar sehr« leicht hervorgieng. vgl. auch Frommann 3, 531, 15. ursprünglich war das wort adj.
 
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fürendlich, adv. was fürendig, s. d.
 
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fürer, m., s. DWB führer.
 
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fürer, adv. weiter, ferner. schweiz., s. Stalder 1, 405. ahd. furirâ (Graff 3, 622), mhd. vürer, eher, mehr, der adverbialisch gebrauchte acc. sg. neutr. von ahd. furiro, eher, mehr, gröszer, vorzüglicher, dem von dem adv. furi nhd. für (s. DWB für II oben sp. 650) gebildeten comparativ, der wie alle ahd. comparative nur schwach flectieren kann. der superl. ist fürst (s. d.).
schriften, zumal des 15. und 16. jh., bieten reichlich belege:

ich musz fürer fragen dich.
J. Lenz Schwabenkrieg 48a;

das wend wir also lan blyben (lies beliben),
unser disputatz furer triben. 62b;

und das sint die wort mines anfanges: usz welichen worten furer fruchtberlich ze reden vermag ich nit on sunder hulff und gnad des almechtigen gottes. manuale curatorum 69a, vgl. oben sp. 267, wo aber bei furer in der klammer statt »mehr« besser »weiter« zu setzen ist; nu furer umb das ir in stetikeit des gloubens ... bewart syen. 107b. aus Geszler zeichnet Jacob Grimm auf »44a. 61a und oft.« fürer und fürer, fernerhin und ferner, fort und fort: wundet yeman den andern uff den tod, das sol man friden fürer und fürer als es notdürftig ist. geschichtsfreund 7, 144. vgl. DWB für und für sp. 651 ff.
Wie fürbasz und fürder an das vorhergehende anknüpfend zu anfang eines satzes oder abschnittes stehn (s. sp. 660 und 716), so auch fürer: furer so sol uwer yeglichs ledig sin. manuale curatorum 94b.
Mit angehängtem adverbialischen s fürers, s. d.
 
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fürerkantnis, fürerkantnus, f. und n.
1) das vorherwissen. prescientia, furerkantnus, erkantnus die von ewikeyt furgeet, furwyssenheyt. Eychman q ijb.
2) vorgängiges erkenntnis, ein vorbescheid. prejudicium, ein fuererkantnus, ein fuer urteil. Eychman q ijb. fuerkantnis. Diefenbach 454b. s. auch vorerkantnis. heute vorerkenntnis.
 
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fürerkenntnis, f. und n., eins mit furerkantnis.
 
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fürers, adv. weiter, ferner. also was fürer (s. d.), dem hier noch zu mehr adverbialischem aussehen das häufig bei adverbien vorkommende, ursprünglich genitivische s angehängt ist, denn anzunehmen, dasz das wort gen. sg. neutr. oder auch masc. starker form von dem alten adj. sein sollte, das in dem ahd. comp. furiro erscheint, verbietet schon das frühe erlöschen desselben, und bereits mhd. kennt man nur noch das adverbium. hätte sich übrigens das adj. länger erhalten, dann würde sich wol jener gen. nicht bezweifeln lassen, zumal da den comparativen nhd. auch starke flexion zukommt. üblich ist das wort in der Schweiz, wo man z. b. fürers stellen für weiter stellen sagt. Stalder 1, 405. der da ist mir schuldig und hat zahlen sollen und kam nicht, und ich musz auch geld haben, der, dem ich den hof abgekauft, drangsalirt mich, und ich habe darauf gerechnet, das geld nur fürers zlege, mit der einen hand es zu nehmen und mit der andern es weiter zu legen, und wenn der mir nicht an die hand geht, so kann ich es auch nicht halten und komme in verlegenheit. Gotthelf ges. schriften 9, 162.
 
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fürerst, adv.
1) vor allem andern, allem zuvor, vor allen dingen zuerst, primum. eine bildung, die erst im 18. jahrhundert erscheint; doch hat hier zunächst Kramer in seinem hochd.-niederd. wörterbuch vom jahre 1719 s. 254a vor erst mit niederländisch voor eerst, das gleichfalls neuer entstehung ist. s. DWB vorerst. die wörterbücher des 18. jahrh., auch die deutsch - lateinischen, enthalten sich lange der aufnahme beider formen, bis Adelung in dem 1780 erschienenen vierten theile seines wörterbuches sp. 1650 vorerst verzeichnete mit dem bemerken, dasz es sowol eine zusammenziehung, als auch eine figur von der redensart für das erste sein könne und daher auch von einigen fürerst geschrieben werde. dieses selbst läszt er, wie auch später Campe und sogar Heyse, im F unangeführt. Heinsius erwähnt es, wie früher Voigtel, nicht einmal bei vorerst. was zunächst die

[Bd. 4, Sp. 724]


entstehung anlangt, so scheint es den ausdrücken mit erst, von erst, zuerst (s. wb. 3, 993 f.) nachgebildet, in welchen erst adv. ist und ohne flexionsendung steht, und diese bildung lag allerdings um so näher, als für das erste vorausgieng. s. DWB erste 12) i) und für I A 4) s). wenn aber Adelung a. a. o. vorerst und natürlich auch damit fürerst am häufigsten »in der vertraulichen sprechart« vorkommen läszt, so stehen dem bei vorerst anzuführende stellen entgegen. man setzt übrigens fürerst wie vorerst, ja jene form ist im grunde die vorzuziehende. Heyne z. b. schreibt in seinen briefen an Johannes von Müller fürerst. so s. 117. 121. 135. 166. andere haben fürerst neben vorerst, z. b. Göthe: dann geht es morgen früh auf der andern seite hinab, fürerst zu einer wunderbaren familie. 21, 11.
2) vor der hand, vorläufig: sonst würde man wohl gar einigen jünglingen anrathen müssen, sich für erst unter dem pöbel aufzuhalten. Klopstock 12, 4; fürerst indesz war ihm darin nur eine vorübende, untergeordnete stelle zugedacht. Varnhagen Blücher 23. fürerst wollen wir über die sache nichts äuszern. vgl. die stelle aus Göthes Tasso 2, 4 unter vorerst.
 
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füressen, n. in der bürgerlichen küchensprache Baierns eine vorspeise nach der suppe. es ist dies nemlich ein nach dieser und vor dem rindfleisch aufgetragenes, gewöhnlich aus zerschnittenen eingeweiden bestehendes gericht. eben so wol voressen (s. d.). Schmeller 1, 554. 119.
 
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fürfahne, f. flitterstaat. augsb., s. Birlinger 171a.

 

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