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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürdersal bis fürdrucken (Bd. 4, Sp. 721 bis 722)
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[Bd. 4, Sp. 721]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürdersal, n. förderung, beihilfe. eine form, die sich hochdeutsch wol erwarten läszt neben fördersal, welches sich aus vordirsal, vordersal mitteldeutscher urkunden des 13.—14. jh. ergibt: unde umme sîn vordersal unde sîniu (lies sîne) gunst ... schanketin wir ime unse gëlt unde cleinôde und gelobete ouch hër iʒ zû verdienne umme uns. Arnsburger urk. um 1300 in Höfers ausw. der ältesten urkunden deutscher spr. s. 61; auch haid myn gnedige herre von Eysinbach ... mir die gunst, gnade, fruntschaft und fordirsal widir getan. (ungedruckte) verkaufsurkunde von Heinrich Gutil zu Lauterbach vom j. 1372. danach ist die angabe bei Ben. 3, 383b zu berichtigen.
 
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fürdersam, adj. , eins mit fördersam. mit fürdern zusammengesetzt, aber weder ahd. noch mhd. nachzuweisen.
1) zum nutzen gereichend, nutzbringend, nützlich. jm (ihm) nutzes und fürdersams beweisen. Kirchhof discipl. milit. 9; hochnötige und fürdersame berahtschlagung. aus einem reichsabschied, bei Schottelius 378a. doch kann hier das wort auch in der folgenden bedeutung stehn, welche die übliche ist.
2) beschleunigend beeilend. zu vielen guten fürdersam. Kirchhof wendunmuth vorr. im superl.: für das best und fürdersammest erachten. Amadis 322.
3) beschleunigend thätig, unaufschiebend thätig. letzlich sullen sie jhn (spricht der obrist zu den kriegsknechten) einen fürdersamen obersten, der ein landsknecht vatter ersterben will, finden, haben und behalten. Kirchhof milit. discipl. 63.
Von dem adj. kommt dann ein gleichbedeutendes adv.
 
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fürderung, f. , eins mit förderung. mhd. vürderunge (myst. 1, 358, 15), fürdrung (Mones anz. 4, 235, 192); mitteld. vurderunge (Jeroschin 1841, bei Pfeiffer s. 272), doch taucht daneben im 15. jh. mit senkung des u in o forderung (Diefenbach wb. v. j. 1470 sp. 224) auf, wonach sich nhd. dann förderung (s. d.) neben fürderung geltend machte und diese ältere form völlig verdrängte. furderung, promotio. voc. theut. v. 1482 i 6a. fyrderung. voc. gemma-gemmarum 1505 vija. nach Dasypodius, Frisius, Maaler findet sich fürderung selbst noch bei Dentzler, aber Schottelius und Stieler führen es nicht mehr an und nach Dentzler hat es, als in der schriftsprache erloschen, kein wörterbuch mehr. Die bedeutungen sind
1) bewirkung und betreibung des fortganges in einer sache, zuthun dasz es mit ihr vorwärts geht, thätige beihilfe, vorschub, promotio, adjumentum. dies die bedeutung, in der das wort mhd. und mitteld. steht. nhd. es bringt eyn grosse fürderung, es tht vil dar z, magnum adfert momentum. Dasypodius 141d, vgl. 333c. und soll kheins menschen ansehen und autoritet uff erden so grosz geachtet sein, das iemand hoher und mehr da durch zu furderung der schulen bewegt werde. Melanchthon anrichtung der lateinischen schul (Bonn 1543) A 2a. in dieser bedeutung erhielt sich die form am längsten, wie denn auch Dentzler 2, 117 nur »fürderung, promotio« hat.
hierher gehört auch, wenn Frisius (1556) 759 laus und laudatio neben lob durch fürderung erklärt, was danach sich auch bei Maaler 147c findet.
2) hilfe, unterstützung. item sie haben grosz fürderung und zuschutz von allen von Dobneck und sein gesessen umb den hoff. auch haben sie fürderung von den Watstörffern. chroniken d. d. st. 2, 78, 13. 15; (dem markgrafen zu gewähren) keinerley furderung, rat, furschub noch hilffe. 455b;

sein fürsten und landvögten frey
wohnt (es ist von Cyrus, dem sohne des Darius Nothus die rede) bey mit schenck und schmeichlerey
und suchet fürdrung bey jn allen,
von seinem bruder abzufallen.
H. Sachs I (1590), 104d.


3) empfehlung. hat er mich umb fürdrung an eur mt. angeruefft und gebeten ... e. k. mt. welle jn umb meinen willen dermaszen bevolhn haben, damit er dieser meinen fürdrung zugenieszen emphinde. Chmel urk. Maximil. 79; ausz leuten gerings standes werden fürsten und herrn, jrer geschicklichkeit und der grossen fürderung halben. Agricola sprichw. 24a; denn er sich dermassen ... zu halten wuszte, dasz es jm nit geringe fürderung und glauben bey seinem herren erweckete. Kirchhof wendunmuth 94b; reichthumb ein grosz fürderung zu hohen digniteten seye. 158.
 
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fürderungsbrief, m.
1) was fürderbrief, empfehlungsbrief. (des) kunigs fürdrungbrief. chroniken d. d. st. 2, 44b.
2) beglaubigungsschreiben, bittbrief. item 1 furdrungbrief an die von Venedij, und 1 fürdrungbrief an die von Florentz. ebenda 1, 448, 29.
 
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fürding, n. was fürgeding 1) —3). Schmeller 1, 554.

[Bd. 4, Sp. 722]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürdinger, m. der vorsitzende der schöffen. vort an andern sachen wysten sie und deilten ... die herschafft von Brunshorn alleyne eynen vurdinger. weisth. 2, 205. sonst vordinger, s. d.
zusammengesetzt mit dinger, welches sowol einen sachwalter, als auch einen der das gericht zu halten hat, bedeutet. letzteres z. b. in so soll man wysen unsers jungherrn von Wynnenbergs voigt vor ein dinger und die andere zwene voigt heischet man swygen voigde. weisth. 2, 207. s. dinger.
 
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fürdraht, m., s. DWB fürgrat.
 
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fürdrängen, s. vordrängen.
 
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fürdrat, m., s. DWB fürgrat.
 
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fürdringen , s. vordringen. weder ahd. noch mhd. nachweisbar, sondern erst im 15. jh. auftauchend, s. unten 5).
1) vornhin dringen.
2) hervordringen, vornhin dringen, vorn hinaus dringen. auch mit dat. der person:

trüngt denen neben ihm mit allen kräften für
und eillt auff seinen feind.
Rompler 127.


3) vorwärts dringen.
4) das übergewicht erlangen, die übermacht erlangen, vorwiegen: stechen sie mich mit weiden, so steche ich sie viel herter mit lieben, las sehen, welchs fürdringe. Luther 1, 277b; di libe und neigung, damit ich euch verwand, hat fürgedrungen und mich beweget, euch unbeantwortet nicht zu lassen. Butschky kanzlei 322. hier mit dem hilfsverbum haben, während wir heute, wenn das wort noch in geltung wäre, sein setzen würden.
5) an stärke vorgehn, an macht und stärke überwiegen. ratio prevalet affectum, furget, furdringet. Eychmann q iiija.
 
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fürdrucken, fürdrücken, s. vordrücken.
1) trans.:
a) vornhin drücken. unsre angeborne pitschaften hierunter fürgedruckt. v. j. 1568 bei Gutzeit 1, 301b.
b) hervordrücken.
c) vorwärts drücken, durch drücken vorwärts bewegen.
2) intrans.: vorwärts drücken, sich mit gewalt vorwärts bewegen. fürgetruckt, weyter gangen, progressus. Maaler 148a, ob aber nicht durch versehen statt fürgeruckt? s. DWB fürrücken. die Blemmier verletzten viel pferdt, durchstachen sie unden durch den bauch, was gesunde pferde waren, die durchdruckten, die kamen den Serern in die hände, dann die Persen wandten sich nicht, druckten für, dann sie kein führer noch hauptmann haben. buch d. liebe 220, 4.

 

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