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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürdernis bis fürderungsbrief (Bd. 4, Sp. 720 bis 721)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürdernis, f. n. , von fürdern abgeleitet. vgl. -nis. das wort taucht zuerst im 14. jh. auf und zwar in der form fürdernüs, dann erscheint im 15. jahrh. fürdernus. die bedeutungen sind
1) beihilfe in gedeihlichem fortgang, adjumentum. subsidium, fürdernüss. Mones anz. 4, 236, 59. fürdernis geben, machen dasz gedeihlicher fortgang da ist: wer dann will, der mag hand an sy legen und yhn ein fürdernisz geben. Frank weltb. 13a, = »ihren tod befördern« (Vilmar bei der stelle); die weil ich (spricht der arzt) in gar kurzem jhrer (nemlich kranker) neununndzwentzig zum kirchhof gute fürdernisz gegeben habe. Kirchhof wendunmuth 120a; das gibt aber dem rebman grosse fürdernis, so er yede art (der trauben) sonderlich setzet, dann er kan eyn yedes geschlecht z sonderer zeit schneiden. Herr ackerwerk Columelle 33b. das (dasz) imm disz heilig sacrament ein ringe furdernisz sey zu demm ewigen leben. manuale curatorum 109a. in folgenden stellen lesen wir die form fürdernus: wan sie (die bürger) befliszen sich ... got dem almechtigen sein dienst zu meren mit gotsheusern, clöstern, pfründen und stiftungen und priesterlicher zucht furdernus. chroniken d. d. städte 3, 154, 3; das dem h. evangelio nicht zu hindernisz, sondern zu fürdernusz gerathen sollt. Luther br. 2, 368; er (hat) by kaiserlicher maiestat durch vil ubung unnd treffenlicher grosser fürdernuss ain gebot und mandat erlangt lautend u. s. w. Reuchlin augensp. 1b; dise (die curtisanen) keren allen fleisz an, geben hilf, radt, fürschub und fürdernüsz dar zuo, das teütsch land ye mer und mer, von den Romanisten beraubet und geschunden werde. Ulrich von Hutten klagschrift an alle stände B iijb (W. Wackernagels leseb. 3, 1, 222, 28); ein grosze fürdernusz zum ewigen leben. Frey gartengesellsch. 97;

so bleib nun dein Dominicus
des teuffels rhat und fürdernus.
Fischart v. s. Dominici O 1a.


2) empfehlung, fürsprache: sagt uns sin gnaden och darzuo in gnaden virdernusz zuo thon. Ehingen 16; da ward ich durch frommer leute fürdernusz des D. Oporini provisor. Th. Plater 146. fürdernusz, commendatio. Dentzler 2, 117b.
3) erlaubnis, gestattung. ... (dasz) ain erliche rittervart sin würde, wellt ich mit seiner gnaden virdernusz mich wider herheben und den handlungen nach ziehen. Ehingen 15.
4) bergmännisch: fortschaffung der erze in und aus dem schachte. Scheuchenstuel 87. vgl. förderung 2).
 
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fürdernisbrief, m. was fürderbrief, empfehlungsbrief. commendatitiae literae. auch fürdernusbrief. fürdernusz brieff. Frisius (1556) 257, danach Maaler 147c, woraus dann weiterhin bei Henisch 1298, 64. vgl. fürdernisschreiben.
 
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fürdernisschreiben, n. ein empfehlungsschreiben. fürderniszschreiben, literae commendatoriae. preuszische landordnung von 1577, bei Frisch 1, 285c. auch fürdernusschreiben. vgl. fürdernisbrief.
 
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fürdernus, f. n., s. fürdernis.
 
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fürdernusbrief, m., s. fürdernisbrief.
 
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fürdernusschreiben, n., s. fürdernisschreiben.
 
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fürders, adv. weiter, weiterhin. s. DWB förders. der gen. sg. des masc. oder neutr. des adj. fürder (s. sp. 714). es gieng uns aber wieder, wie es zuvor den andern ergangen war, dasz wir nemlich kein liecht hineinbringen und also auch selbst vor wasser, finsternusz und scharffen felsen nicht fürders kommen konten, ob wir zwar solches offt probirten. Simpliciss. (Keller) 984, 22. auch in rücksicht auf fort mit t fürters: e. gn. unterthänig bittend dieselbe geruhen diese offerirung mit gnädigen augen anzuschawen und fürters mir und den meinigen mit gnaden gewogen zu seyn. Weidner, in Zinkgreffs apophth. 3, 6. auch noch bei Stieler 541 u. 539 fürters wenigstens in hinfürters neben förters, ultra, ulterius, weiter, ferner. mit unrichtigem th fürthers: nu lassent wir die sn Aymonts — unnd sagen euch fürthers von Mayn. Aimon O iij; dornach sprach er fürthers. X.

[Bd. 4, Sp. 721]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürdersal, n. förderung, beihilfe. eine form, die sich hochdeutsch wol erwarten läszt neben fördersal, welches sich aus vordirsal, vordersal mitteldeutscher urkunden des 13.—14. jh. ergibt: unde umme sîn vordersal unde sîniu (lies sîne) gunst ... schanketin wir ime unse gëlt unde cleinôde und gelobete ouch hër iʒ zû verdienne umme uns. Arnsburger urk. um 1300 in Höfers ausw. der ältesten urkunden deutscher spr. s. 61; auch haid myn gnedige herre von Eysinbach ... mir die gunst, gnade, fruntschaft und fordirsal widir getan. (ungedruckte) verkaufsurkunde von Heinrich Gutil zu Lauterbach vom j. 1372. danach ist die angabe bei Ben. 3, 383b zu berichtigen.
 
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fürdersam, adj. , eins mit fördersam. mit fürdern zusammengesetzt, aber weder ahd. noch mhd. nachzuweisen.
1) zum nutzen gereichend, nutzbringend, nützlich. jm (ihm) nutzes und fürdersams beweisen. Kirchhof discipl. milit. 9; hochnötige und fürdersame berahtschlagung. aus einem reichsabschied, bei Schottelius 378a. doch kann hier das wort auch in der folgenden bedeutung stehn, welche die übliche ist.
2) beschleunigend beeilend. zu vielen guten fürdersam. Kirchhof wendunmuth vorr. im superl.: für das best und fürdersammest erachten. Amadis 322.
3) beschleunigend thätig, unaufschiebend thätig. letzlich sullen sie jhn (spricht der obrist zu den kriegsknechten) einen fürdersamen obersten, der ein landsknecht vatter ersterben will, finden, haben und behalten. Kirchhof milit. discipl. 63.
Von dem adj. kommt dann ein gleichbedeutendes adv.
 
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fürderung, f. , eins mit förderung. mhd. vürderunge (myst. 1, 358, 15), fürdrung (Mones anz. 4, 235, 192); mitteld. vurderunge (Jeroschin 1841, bei Pfeiffer s. 272), doch taucht daneben im 15. jh. mit senkung des u in o forderung (Diefenbach wb. v. j. 1470 sp. 224) auf, wonach sich nhd. dann förderung (s. d.) neben fürderung geltend machte und diese ältere form völlig verdrängte. furderung, promotio. voc. theut. v. 1482 i 6a. fyrderung. voc. gemma-gemmarum 1505 vija. nach Dasypodius, Frisius, Maaler findet sich fürderung selbst noch bei Dentzler, aber Schottelius und Stieler führen es nicht mehr an und nach Dentzler hat es, als in der schriftsprache erloschen, kein wörterbuch mehr. Die bedeutungen sind
1) bewirkung und betreibung des fortganges in einer sache, zuthun dasz es mit ihr vorwärts geht, thätige beihilfe, vorschub, promotio, adjumentum. dies die bedeutung, in der das wort mhd. und mitteld. steht. nhd. es bringt eyn grosse fürderung, es tht vil dar z, magnum adfert momentum. Dasypodius 141d, vgl. 333c. und soll kheins menschen ansehen und autoritet uff erden so grosz geachtet sein, das iemand hoher und mehr da durch zu furderung der schulen bewegt werde. Melanchthon anrichtung der lateinischen schul (Bonn 1543) A 2a. in dieser bedeutung erhielt sich die form am längsten, wie denn auch Dentzler 2, 117 nur »fürderung, promotio« hat.
hierher gehört auch, wenn Frisius (1556) 759 laus und laudatio neben lob durch fürderung erklärt, was danach sich auch bei Maaler 147c findet.
2) hilfe, unterstützung. item sie haben grosz fürderung und zuschutz von allen von Dobneck und sein gesessen umb den hoff. auch haben sie fürderung von den Watstörffern. chroniken d. d. st. 2, 78, 13. 15; (dem markgrafen zu gewähren) keinerley furderung, rat, furschub noch hilffe. 455b;

sein fürsten und landvögten frey
wohnt (es ist von Cyrus, dem sohne des Darius Nothus die rede) bey mit schenck und schmeichlerey
und suchet fürdrung bey jn allen,
von seinem bruder abzufallen.
H. Sachs I (1590), 104d.


3) empfehlung. hat er mich umb fürdrung an eur mt. angeruefft und gebeten ... e. k. mt. welle jn umb meinen willen dermaszen bevolhn haben, damit er dieser meinen fürdrung zugenieszen emphinde. Chmel urk. Maximil. 79; ausz leuten gerings standes werden fürsten und herrn, jrer geschicklichkeit und der grossen fürderung halben. Agricola sprichw. 24a; denn er sich dermassen ... zu halten wuszte, dasz es jm nit geringe fürderung und glauben bey seinem herren erweckete. Kirchhof wendunmuth 94b; reichthumb ein grosz fürderung zu hohen digniteten seye. 158.
 
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fürderungsbrief, m.
1) was fürderbrief, empfehlungsbrief. (des) kunigs fürdrungbrief. chroniken d. d. st. 2, 44b.
2) beglaubigungsschreiben, bittbrief. item 1 furdrungbrief an die von Venedij, und 1 fürdrungbrief an die von Florentz. ebenda 1, 448, 29.

 

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