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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürdecken bis fürderen (Bd. 4, Sp. 713 bis 716)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürdecken, durch vorhängen verdecken. fürdecken, ein tch für etwas spannen oder hencken, praevelare. Maaler 147, nach Frisius (1556) 1051b. noch bei Kirsch (1723) 2, 124b, Matthiä 2, 159b, Nieremberger D dd 1a, der auf vordecken, und Moerbeek deutsch-holländ. wb. (1768) s. 116b, der aber auf bedecken verweist. vgl. DWB für I A 1).
 
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fürdeil, m., s. fürtheil.
 
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fürdenken, vorher-, vorausdenken. s. DWB vordenken. ahd. (im Boeth.) fure denchen, providere.
 
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fürdenken, n. das gedenken, die erinnerung, hominum memoria. auch fürgedenken. Schmeller 1, 564.
 
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fürdenklich, adj., s. vordenklich. ebenda.
 
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fürder, m. ein fürmünder, vormund. und sonst alles thun und lassen, das einem getrewen fürder, pfleger oder fürweser zustehet und gebührt. gülich- u. bergische rechtsordnung (Düsseldorf 1696) s. 10. vgl. Frisch 1, 285c und s. fürmünder. wol kürzung von fürderer.
 
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fürder, m. eine im september reife, nicht grosze, aber sehr engbeerige traube mit mittelgroszen, weiszlichen runden beeren und fünftheiligen, etwas runden, oben blassgrünen, unten weiszlichen

[Bd. 4, Sp. 714]


blättern. auch fürterer wein, fürterling. Weber ök. lex. 174a b. der name wol von der frühen reife. s. fürterling.
 
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fürder, ein weder ahd. noch mhd. vorkommendes, erst nhd dem folgenden adv. fürder entnommenes seltenes adj. in dem sinne der adjective weiter, ferner:

sein herz sinnt tag und nacht, wie es
den armen will berücken,
sein maul ist fast des goldkoths voll,
doch schnappet es nach fürderm.
Eschenburg in Ursinus balladen 15,

im englischen texte vet still he gapes for more. mehr im superlativ mit vorhergehender praep.: damit ich e. g. raht nachkomme, auch zu fürderst beider kö. ma. willen nachstrebe. Amadis 320.
 
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fürder , die bereits im 18. jh. weitaus vor- und im gegenwärtigen alleinherschende form des adv. forder, förder, bei welchem bildung wie formen nachzusehen sind. die gewöhnliche mhd. form vürder beruht auf der so häufigen ahd. furdir (einmal furdiri), die, wie die formen furdar, furdur, fordor, nahe der übergangszeit in das mhd. mit abschwächung des vocals der endung in die form furder, vurder ausgeht.
aber neben mhd. vürder findet sich auch, sich enger an mhd. vort nhd. fort anschlieszend, die schreibung fürter (Ben. 3, 382b). die sich, wie nachher stellen zeigen werden, bis ins nhd. forterhält. furter oder vordter, ultra, ulterius. voc. theut. 1482 i 8b, neben furdter, furbasz, i 6a. stellen mit der form im nhd. bieten sich unter 1) und vorzüglich unter 3), und förter kommt noch bei Friedr. Stolberg in einer unter 2) angeführten stelle vor. dagegen zeigt sich in der form füder ausfall des r wie in foder, voder, föder, vöder für forder, vorder, förder, vörder, und diese form füder, fuder begegnet schon mhd.

entriwen du muost in (den sohn) fuder tuon,
ërn zamet bî unsern chinden niht. kindh. Jesu 99, 82 = Feifalik 1590.

andere belege bringt Ben. a. a. o.; aus dem 15. jh. hat ein Tiroler weisthum wellen sy daz nicht füder tüen, so sol mans in den pawmgarten antwurten. weisth. 3, 733. noch tirol. an der Etsch fuder, füder (Schöpf 158), in den 7. u. 13. comuni vudar (Schmeller cimbr. wb. 123a), kärnt. fûder (Lexer 104). dagegen läszt sich in nd. vudder (brem. wb. 1, 461. 438), in der mundart von Jever füdder (Strackerjan bei Frommann 3, 279, 17. 280, 33), assimilation des r annehmen.
Das wort steht
1) von einem fortbewegen im raume in dem sinne
a) vorwärts, weiter fort. ahd. thanân thô furdirganganti gisah (es ist von dem heilande die rede) anderê zuênê bruoder. T. 19, 9 (Matth. 4, 21); friunt arstîg furdir! 110, 3 (Luc. 14, 10), = rücke weiter hinauf! nhd. und er stellet sich, als wolt er fürder gehen. Luc. 24, 28; gingen furter. Aimon B iij; weil unser koch 2 meilen fürder vorausgegangen. Olearius pers. reisebeschr. 1, 4; die Schussz oder Schussach ... laufft für das reyche closter Schussenried und fürter für die abtey Weyngarten. Stumpf Schweizerchron. (1606) 392b;

und nun gingen sie fürder durch waffen und blutige leichen.
Fr. Stolberg Il. 10, 457;

also steurten wir fürder hinweg (προτέρω), schwermütiges herzens.
Voss Odyssee 9, 565;

Faust aber reitet fürder durch die nacht
und hat im düstern unmuth nimmer acht
der wunderbar bewegten frühlingsstimmen.
Lenau Faust 95;

den 1. jan. reiseten wir fürder bisz Mokriza. Olearius pers. reisebeschr. 1, 16;

heb auf dein aug und siehe,
dir winkt des schönsten ruhmes glück.
o dringe fürder bis zum ziele
und komm als Ossian zurück.
Kretschmann launen 1, 53;

den 21. zogen wir 4 meilen fürder. Olearius pers. reisebeschr. 1, 3;

wie sie noch ohne grauen
ganz ruhig fürder ziehn,
und nach den blitzen schauen,
die immer näher glühn.
Körner leier u. schwert 33;

einen wegweiser, ohne welchen ein unbekandter nicht wol fürder kann. Olearius pers. reisebeschr. 1, 2;

Barbara. nur von der burg weit weg und flugs!
Heinrich. ich kann nicht fürder.ausgerenkt däucht mir
der fusz.wo ist ein sitz?
Veit Weber Tell 235;

wenn dich die sehnsucht fürder treibet.
Platen 3;

es sehnt sich ewig dieser geist ins weite
und möchte fürder, immer fürder streben. 104;

und wer nicht gerne fürder schaut,
der schaut doch gern zurücke. 17.

[Bd. 4, Sp. 715]


dagegen hat Musäus volksm. 2, 150 noch die in der zweiten hälfte des 18. jh. bereits mehr und mehr verdrängte form förder (s. d.): hielt der wagen, so stund der wandrer, und regte Wipprecht die pferde an, so gieng er auch förder.
b) weg, hinweg. mhd.

sî bœse unkrût dar under (unter guten kräutern),
daʒ brëche ër ûʒ besunder ...
und merke ob sich ein dorn
mit kündekeit dar breite,
daʒ ër dën furder leite
von sîner arebeite.
Walther 103, 26;

uns irret einer hande diet:
dër uns die furder tæte,
sô möhte ein wol gezogener man
ze hove haben die stat. 30;

var vürder, betwungen minne! MSH. 1, 208b, 3;

kan ab ieman vrô belîben
anders iht wan bî dën wîben?
fürder swër dës habe gedingen! 315b, 14, 1;

furder, zage bôse!sprach dô Rûdegêr. Nib. Laszb. 17811, = hin Lachm. 2080, 1;

rûmet ûʒ die schämel und die stüele!
heiʒ die schragen
vürder tragen!
Neidhart 40, 15 (Ben. 33, 2);

Wâte der mære
der hieʒ sunderbære
vürder rûmen ûf dëm sal. Dietrichs flucht (Mart.) 3947.

nhd. weisz ich keinen beleg beizubringen. das wort scheint in diesem sinne erloschen.
2) von dauer in der zeit, von der zukunft, in dem sinne: fortan, weiterhin in der zeit, fernerhin, in zukunft, künftighin. mhd. s. Ben. a. a. o. nhd.

geweiht sei es (das leben) auch fürder dir.
Gerstenberg 2, 252;

berge Gilboa! auf euch fall fürder regen und thau nicht
mehr!
Herder ebr. poesie 2, 306;

o herr, wenn ihr die keller erst gesehn
unter den thürmen! ja wer díe bewohnt,
der wird den hahn nicht fürder krähen hören.
Schiller Tell, erster druck s. 30;

schwinden soll fürder das gut durch schwelgenden schmaus, und niemals
ordnung bestehn, weil jene die hochzeit noch den Achaiern
aufschiebt! fürder auch wollen von tag zu tag wir erwartend
eifern um jener verdienst.
Voss Odyssee (1793) 2, 204. 206 (hier in der ausg. v. j. 1781 künftig);

nun zeige den lanzengeübten,
zeige den muthigen streiter! denn fürder ist kein entrinnen.
Bürger 237b (Il. 22, 268);

ich finde fürder keine ruh
im weichen knabenstand.
Fr. Stolberg 1, 42;

denn fürder hüten wir nicht
der sterblichen geschlecht! dessen Aeschylos 265;

auf dasz ich fürder dort,
dort unten bei dir wohne!
Chr. Stolberg 13, 68 (Soph. El. 1167);

als ob er fürder nicht
zu leben dächte. 14, 97 (Trach. 168);

wenn er lebend ihn noch fürder sehen wolle. 208;

ich will mich fürder hüten, Ilion
und den Atreiden, Pöas sohn, zu nahn. 278 (Philoct. 454);

dem tag groll ich fürder. willkommen, nacht!
Haug ged. 2, 76.

fünf monde barg sie dies der welt, fürder konnte sie es nicht. Veit Weber sagen der vorzeit 1, 398; Hans, ich bin dein waffenbruder fürder nicht mehr. 434;

und dir dort, Theobald, dir geb ich auf
nicht fürder mit der klage zu erscheinen,
bis du kannst bessere beweise bringen.
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbronn 43;

sie antwortete mit erstorbener stimme: ich habe keinen willen, keinen wunsch fürder auf erden. geschehe mit mir, was mein vater will. Chamisso 4, 294;

und die männer schaun beklommen
nach den fernen uferhöhn,
wo sie fürder diesen frommen
nicht mehr bei sich wandeln sehn.
Freiligrath ged. 97.

übrigens fällt die bedeutung mitunter mit der folgenden unter 3) zusammen, so dasz sich beide dann nicht wol scheiden lassen.
Zu den belegstellen bei der form förder (s. d.) mögen noch einige nachgetragen werden: bin also förder daheim mehrentheils gewesen. Schweinichen 1, 50, = »fernerhin« (W. Grimm), fortan; nach solchem hat sie förder nicht mehr viel geredet. 3, 258;

er spielet förder auffs gewisse,
hört nicht was dem und jenem träumt.
Fleming 501.

[Bd. 4, Sp. 716]


die form beginnt im 18. jh. zu veralten, doch führen sie noch Nieremberger A aa 3c, Weber universalwb. 3, 306b, selbst Scheller 983 fort, jene beiden freilich mit verweisung auf weiter. Bauer 1029 und Haas 201a haben förder seyn, vigere, valere, und jener fügt noch bei nicht förder seyn, minus valere. vgl. auch förder gehen am schlusse von 1) a). bei Fr. Stolberg, der seiner zeit gemäsz fürder setzt, läuft einmal förder oder, wie er schreibt, förter mit unter:

Veit vernahm es auch und weilte
förter nicht im vaterland. ged. (1821) 2, 51, 34.


3) überhaupt in dem sinne: weiter, weiterhin, ferner. doch ist diese bedeutung oft nicht von der unter 2) zu scheiden. s. 2). mhd.

wëllestu dan nit genâde an mir begên,
sô lâʒe mich dan fuder stên,
als ich von dëm andern pin gestân,
und lâ mich varn, wâ ich mich bejagen kan. Dietrichs flucht (v. d. H. u. Prim.) 4236,

aber hier ist richtiger mit der Ambraser hs. dâ fuder gên zu lesen oder vielmehr sô lâ mich denn von hinne gên, wie Martins ausgabe 4250 hat. nhd. und (Jacob nach siebenjährigem dienste bei Laban) dienet bey jm fürder die andern sieben jar. 1 Mos. 29, 30; und sie thursten jn fürder nichts mehr fragen. Luc. 20, 40; das (dasz) das volck verfüret were, das (dasz) es nur fürder ein unrechte meinung und verstand vom ablas hette. Luther 1, 142a;

wann (denn) wir mit nichte mugen ertragen
den groszen gewalt furter von in. fastnachtsp. 18, 4;

was beduncket euch fürther zuthn sein. Aimon f; betrachten ... was uns fürter zuthn sei. h iij; was werdent wir fürter begunnen. v; fürter fragte der Türck. Kirchhof wendunmuth 36; enthaltet euch fürter jetziger wort. 112a; was geschicht aber fürter? 289b; ... alles desz jammers und schadens, so hierausz furter erfolgen möchte, unschuldig seye. dessen milit. discipl. 90; wurden eyngedenck, was sie fürter wolten anfahen, dann jhnen lang da zu seyn schädtlich wer. buch der liebe 199, 2;

ha, jägerin! mein liebetrunknes auge ...
vergiszt der spur des wildes, sieht nichts fürder,
als dich, mein mädchen.
Gerstenberg 2, 260;

der schmach gedenk ich fürder nicht.
Tieck 4, 192;

ohne fürder zuzuhören, stürzte da schon der gantze, helle haufe ins kloster. Veit Weber sagen der vorzeit 2 (1790), 296; aber doch hauste noch fürder die trauer in dem gebiethe des (verstorbenen und beweinten) Dachsburgers. 3 (1792), 22; fürder wollte der abt lesen, da sprach Volker: genug für diesmal, Weihenhorst, es ist eine stunde nach mitternacht. 523; alterthümlich kommt auch wol noch förder vor: hört mir förder zu, ritter. 1, 63.
Wie fürbasz oben sp. 660 wird auch fürder zu anfang eines neuen abschnittes oder satzes gestellt, um damit zu bezeichnen, dasz, an das vorhergehende anknüpfend, zu diesem noch anderes hinzugefügt werde. das wort steht demnach, wie wir heute weiter, ferner setzen und bis in dieses jh. das lat. item bei uns geläufig war. Furter will jch ein achteck dreyerley weysz an einander setzen. Dürer messung F iija; fürter sollen, nach auszweyssung der Constantzer chronicken, die graven von Rordorff alda jhren sitz und hof gehalten haben. Stumpf Schweizerchron. (1606) 392b; fürter folget das dorff Trimis. 637a; fürter auff ein meyl wägs under Chur ligt das dorff Zizers. ebenda.
 
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fürderbrief, m., s. fuderbrief.
 
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fürderen, s. fürdern.

 

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