Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
furchtfrei bis fürchtig (Bd. 4, Sp. 707 bis 708)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) furchtfrei, adj., dann auch adv.: frei von furcht. gebildet aus furcht und frei in der verbindung wie furcht frey sein, vacuum esse metu, liberum esse à metu. Henisch 1294, 57. ein furchtfreies herz, in das keine furcht gekommen ist, das keine furcht erfüllt, aber auch aus dem die furcht geschwunden ist.
im 17. jh. auch forchtfrei. vgl. DWB forcht und DWB furcht.

und dan sein stab,
dasz ich forchtfrey zu bleiben
versichrung hab,
kan all mein layd vertreiben.
Weckherlin 100 (ps. 23, 7).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchtgebietend, adj.: die furchtgebietende einheit Deutschlands. die furchtgebietende macht der vereinigten deutschen staaten.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchtgebilde, n. ein im geiste durch die furcht entstehendes oder entstandenes gebilde. vgl. DWB furchtbild, DWB furchterscheinung, DWB furchtgespenst.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchtgefühl, n. das gefühl der furcht, ein durch furcht entstandenes gefühl.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchtgerippe, n. ein mit furcht erfüllendes gerippe. vom tode:

drohend schwang er seine hippe,
drohend sprach das furchtgerippe.
Lessing 1, 64;

die thür ging auf, da trat herein
das furchtgeripp, lord Klapperbein.
Musäus freund Heins erscheinungen 25;

wonne mir, o tod! als furchtgerippe
schaut ich selbst im kindheitstraum dich nie.
Matthisson ged. (58);

wer dich zuerst, tod, freundlicher genius!
zur ungestalt, zum furchtgerippe
dich zu verhäszlichen keine scheu trug.
Haug 2, 62.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchtgespenst, n. ein mit furcht erfüllendes gespenst:

führt sie (Johanna) ins lager. zeiget der armee
das furchtgespenst, vor dem sie so gezittert!
Schiller 482a (j. v. Orl. 5, 5);

[Bd. 4, Sp. 708]



damit ich meinen geist in deinen giesze,
durch meine tapfre zunge diese zweifel
und furchtgespenster aus dem felde schlage,
die dich wegschrecken von dem goldnen reif,
womit das glück dich gern bekrönen möchte. 560a.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchtgestalt, f. eine furcht erweckende gestalt, eine mit furcht erfüllende gestalt:

wer seid ihr furchtgestalten? grause
gerippe, die der tafel grausend nahn.
Kosegarten.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchtgrethe, f. ein furchtsamer mensch, gleichviel ob männlichen oder weiblichen geschlechtes. als schelte in der Schweiz, wo schon mit dem bloszen greth f., der kürzung des frauennamens Margarethe, eine memme männlichen oder weiblichen geschlechtes bezeichnet wird. Stalder 1, 405. 478. furchtgrethe ist hiernach verstärkender ausdruck. man sagt auch fürchtigrethli n. (Stalder 1, 405), zusammengesetzt mit dem von fürchten abgeleiteten gleichbedeutenden schweiz. fürchti m., mit dem man in demselben sinne noch die weitere zusammensetzung fürchtibutz bildet. Stalder ebenda. auch kürzer und hier wol mit fürchten, schweiz. förcha, d. i. förchen, fürchen (Tobler 201a), zusammengesetzt, fürchgrethli, n., = memme die sich fürchtet:

fürchgretli du, warum laufscht alliwil; es gscheht der i dseel recht!
Corrodi de herr professer (Winterthur 1858) s. 141.

s.scheuchbündel. in manchen gegenden Mitteldeutschlands würde man, wenn das dim. da gebraucht würde, furchtgrethel, fürchtgrethel hören. vgl. DWB furchthase, DWB furchthenne.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchthase, m. ein sehr furchtsamer mensch, ein feigling. im volksmunde z. b. der Wetterau, Oberhessens u. s. w. wer wird ein solcher furchthase sein und sich vor jedem hunde fürchten! du scheuest dich, in eine dunkle kammer zu gehn, du bist ein rechter furchthase. vgl. DWB furchthenne, DWB furchtgrethe, DWB fürchtling.
auch von thieren: der hund ist ein furchthase, er fürchtet sich eine katze anzugreifen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
furchthenne, f. ein furchtsamer mensch. in Tirol, wo man aber, das alte forcht für furcht (s. d.) wahrend, forchthenn spricht. Schöpf 147. vgl. DWB furchthase, DWB furchtgrethe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürchtig, adj. , ahd. forhtîc, forhtîg, mhd. vorhtec, thüring. im 15. jahrh. furchtigk (Rothe chron. s. 604). nhd. vorchtig im voc. theut. von 1482 mm 3b, aber auch furchtig ebenda i 6a. förchtig, fürchtig. Henisch 1173, 27. von furcht, forcht. s. forchtig, förchtig, wo für diese formen belege gegeben sind; hier kann nur die form fürchtig in betracht kommen. das wort bedeutet
1) furcht habend, zur furcht geneigt, sich fürchtend, sich leicht fürchtend, timidus, pavidus. hier ahd. forahtag in den gl. jun. 256, richtiger forahtîc. nhd. bei Luther offenbarung 11, 13 in einer reihe von ausgaben des neuen testamentes: und zu derselben stund ward ein gros erdbeben und das zehende teil der stad fiel und wurden ertödtet in der erdbebung sieben tausent namen der menschen, und die andern wurden furchtig und gaben preys dem gott des himels. aber in der vollständigen bibel geändert in die andern erschracken und gaben ehre. andere stellen aus Luthers werken sind: gott wird dir geben ein furchtigs, verzagtes hertz. 1, 409b (grund und ursach); ist aber jemand schwach und fürchtig, der fliehe im namen gottes. 3, 393. als geläufiges wort auch bei andern: reisset er (Christus) sich mit beschwertem und fürchtigem hertzen von jnen eines steinwurffs weit. Mathesius fastenpredigten 22b. s. nachher das adv. fürchtig. noch stehe hier eine stelle zu der form förchtig (s. d.). Thais. bis nit forchtsam myn mensch, ich bitt dich. Chrem. gee hin, solt ich förchtig sin, niemand unter allen menschen lebt, der minder furcht. Terentius deutsch 71b (Eun. 4, 6, 19). noch bair. und tirolisch förchtig. Schmeller 1, 560. Schöpf 147.
2) im bewustsein des geringerseins oder der schwachheit gegenüber einem höhern wesen oder überhaupt höherem in beziehung auf dieses nach pflicht und rücksicht sich bezeigend, timens. so in gottesfürchtig (s. d.), in welchem zusammengesetzten worte fürchtig heute noch in der schriftsprache fortlebt, während es sonst in dieser überall erloschen ist.
3) in furcht setzend, fürchterlich, terribilis. mhd. belege s. Ben. 3, 385b. nhd. noch im 18. jh.: ich fiel demnach in einen sehr tieffen schlaff, in welchem ich aber mit allerhand fürchtigen träumen beschäfftiget war. Pierot 1, 273; es war eben mittag, als wir auf der wahlstatt, da unsere feinde lagen, ankamen. meine gesellen verwunderten sich über die fürchtige creaturen. 2, 347. noch oberpfälzisch förchtig = furchtbar. Schmeller 1, 560. in der schriftsprache trat für fürchtig, das erlosch, fürchterlich ein.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: