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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
furchterscheinung bis furchthase (Bd. 4, Sp. 707 bis 708)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) furchterscheinung, f.
1) eine aus der furcht entstehende oder entstandene einbildung.
2) eine mit furcht erfüllende erscheinung. so sagt Macbeth zu seiner frau nach dem verschwinden von Banquos geist:

du machst mich irr an meinem eignen selbst,
seh ich dasz du dergleichen furchterscheinungen
anschaun und den natürlichen rubin
auf deinen wangen kannst behalten, wenn
die meinen das entsetzen bleicht.
Schiller 571a (Macb. 3, 8);

aber flüchtet aus der sinne schranken
in die freiheit der gedanken,
und die furchterscheinung ist entflohn,
und der ewge abgrund wird sich füllen. 73a.

überhaupt auch ein durch sinnenerregung entstehendes, mit furcht erfüllendes bild.
 
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furchterweckend, adj. und dann auch als adv. verwandt: vorhandensein von furcht bewirkend. licht und finsternisz kämpfften um die oberherrschaft am himmel, das licht machte die finsternisz furchterweckend. Veit Wächter sagen der vorzeit 2 (1790), 315.
 
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furchtfrei, adj., dann auch adv.: frei von furcht. gebildet aus furcht und frei in der verbindung wie furcht frey sein, vacuum esse metu, liberum esse à metu. Henisch 1294, 57. ein furchtfreies herz, in das keine furcht gekommen ist, das keine furcht erfüllt, aber auch aus dem die furcht geschwunden ist.
im 17. jh. auch forchtfrei. vgl. DWB forcht und DWB furcht.

und dan sein stab,
dasz ich forchtfrey zu bleiben
versichrung hab,
kan all mein layd vertreiben.
Weckherlin 100 (ps. 23, 7).


 
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furchtgebietend, adj.: die furchtgebietende einheit Deutschlands. die furchtgebietende macht der vereinigten deutschen staaten.
 
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furchtgebilde, n. ein im geiste durch die furcht entstehendes oder entstandenes gebilde. vgl. DWB furchtbild, DWB furchterscheinung, DWB furchtgespenst.
 
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furchtgefühl, n. das gefühl der furcht, ein durch furcht entstandenes gefühl.
 
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furchtgerippe, n. ein mit furcht erfüllendes gerippe. vom tode:

drohend schwang er seine hippe,
drohend sprach das furchtgerippe.
Lessing 1, 64;

die thür ging auf, da trat herein
das furchtgeripp, lord Klapperbein.
Musäus freund Heins erscheinungen 25;

wonne mir, o tod! als furchtgerippe
schaut ich selbst im kindheitstraum dich nie.
Matthisson ged. (58);

wer dich zuerst, tod, freundlicher genius!
zur ungestalt, zum furchtgerippe
dich zu verhäszlichen keine scheu trug.
Haug 2, 62.


 
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furchtgespenst, n. ein mit furcht erfüllendes gespenst:

führt sie (Johanna) ins lager. zeiget der armee
das furchtgespenst, vor dem sie so gezittert!
Schiller 482a (j. v. Orl. 5, 5);

[Bd. 4, Sp. 708]



damit ich meinen geist in deinen giesze,
durch meine tapfre zunge diese zweifel
und furchtgespenster aus dem felde schlage,
die dich wegschrecken von dem goldnen reif,
womit das glück dich gern bekrönen möchte. 560a.


 
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furchtgestalt, f. eine furcht erweckende gestalt, eine mit furcht erfüllende gestalt:

wer seid ihr furchtgestalten? grause
gerippe, die der tafel grausend nahn.
Kosegarten.


 
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furchtgrethe, f. ein furchtsamer mensch, gleichviel ob männlichen oder weiblichen geschlechtes. als schelte in der Schweiz, wo schon mit dem bloszen greth f., der kürzung des frauennamens Margarethe, eine memme männlichen oder weiblichen geschlechtes bezeichnet wird. Stalder 1, 405. 478. furchtgrethe ist hiernach verstärkender ausdruck. man sagt auch fürchtigrethli n. (Stalder 1, 405), zusammengesetzt mit dem von fürchten abgeleiteten gleichbedeutenden schweiz. fürchti m., mit dem man in demselben sinne noch die weitere zusammensetzung fürchtibutz bildet. Stalder ebenda. auch kürzer und hier wol mit fürchten, schweiz. förcha, d. i. förchen, fürchen (Tobler 201a), zusammengesetzt, fürchgrethli, n., = memme die sich fürchtet:

fürchgretli du, warum laufscht alliwil; es gscheht der i dseel recht!
Corrodi de herr professer (Winterthur 1858) s. 141.

s.scheuchbündel. in manchen gegenden Mitteldeutschlands würde man, wenn das dim. da gebraucht würde, furchtgrethel, fürchtgrethel hören. vgl. DWB furchthase, DWB furchthenne.
 
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furchthase, m. ein sehr furchtsamer mensch, ein feigling. im volksmunde z. b. der Wetterau, Oberhessens u. s. w. wer wird ein solcher furchthase sein und sich vor jedem hunde fürchten! du scheuest dich, in eine dunkle kammer zu gehn, du bist ein rechter furchthase. vgl. DWB furchthenne, DWB furchtgrethe, DWB fürchtling.
auch von thieren: der hund ist ein furchthase, er fürchtet sich eine katze anzugreifen.

 

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