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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürchterlich bis furchtgefühl (Bd. 4, Sp. 706 bis 707)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürchterlich, adv. vom vorigen adj., doch ist oft nicht zu scheiden ob dieses oder jenes gemeint sei.
1) in der bei dem adj. angegebenen ersten bedeutung:

von dem fusze des bergs bis hinauf zu der zinne des tempels
bebete fürchterlicher Maria.
Klopstock Mess. 11, 211;

ich aber lag in grauser kerkernacht
und meine ketten klirrten fürchterlich.
doch fürchterlicher war das angstgebrüll
nach freiheit!
Schubart (1787) 2, 241;

schon naht das verderben sich fürchterlich.
Bürger 36b;

es ist mir sonst nichts fürchterlich,
als dich betrübt zu sehen, dich!
viel sanfter thuts zu sterben.
Lenz an Minna, in Voss musenalm. 1778 s. 47;

die erfahrung lehrt, dasz, je mehr ordnung ... in einem staate ist, desto mehr die verfassung desselben von andern mächten respectiert werde. nicht nur, weil eben dadurch der staat fürchterlicher wird, mehr stärke bekommt, ungerechte angriffe zurückzutreiben u. s. w. Garve anmerk. zu Cic. de off. bd. 3 s. 167; bald wurden sie (es sind tyrannen gemeint) dem friedlichen feldbauer, dem wehrlosen hirten fürchterlich und erpreszten von ihm, was sie wollten. Schiller 1012a;

der knabe
don Carl fängt an mir fürchterlich zu werden. 252b.

mit dem leise oder stärker sich entwickelnden nebenbegriffe: in hohem grade. A. und die da, diese schöne gebietherische nymphe (auf einem gemälde), so fürchterlich lustig ausgeputzt, ist —. B. Omphale. A. behüte — ist die liebe theologie. Lessing 11, 748; deine faust allein kann sie (die feinde) schrecken, denn du bist fürchterlich berühmt im streit. Klinger 1, 21; durch eine stelle Deines briefes hast Du mich fürchterlich erschröckt. J. M. Miller K. v. Burgheim 1, 310; es wird mich fürchterlich erschüttern! 311;

[Bd. 4, Sp. 707]


im fürchterlich verworrenen falle
über einander krachen sie (die stämme) alle.
Göthe 12, 207.


2) in sehr hohem grade: was mir das stück abgeschmackt vorkam, und wie es mir fürchterlich langeweile machte, kann ich nicht sagen. Göthe 27, 128; er hatte sie fürchterlich geliebt. J. Paul Hesp. 1, 31. es ist heute fürchterlich heisz. s. das adj. fürchterlich 2).
vgl. erschrecklich, schrecklich, grausam.
 
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fürchterlichernst, adj. furcht erfüllend ernst, über die maszen ernst. in ihm (einem olympischen gesang Baldes an die heilige jungfrau) herrscht eine fürchterlichernste und glühendzärtliche andacht. Herder Terpsichore 3, 63.
 
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fürchterlichkeit, f. fürchterlichkeit, das furcht einjagt. Moerbeek deutsch-holländ. wb., Leipz. 1768, s. 116b.
 
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fürchterlichwallend, adj. wallend so dasz der, der es sieht, von furcht erfüllt wird:

erstlich ward er (Proteus) ein leu mit fürchterlichwallender mähne.
Voss Odyssee 1781 4, 456 und danach in
Klopstocks gramm. gesprächen (1794) 159.


 
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furchterregung, f. das bewirken dasz furcht entsteht. so wenn bei Campe 1, 52b als zweite bedeutung von abschrecken gegeben ist: durch schrecken, furchterregung von einem andern erlangen. er hat ihm das verweigerte darlehn durch drohungen abgeschreckt.
 
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furchterscheinung, f.
1) eine aus der furcht entstehende oder entstandene einbildung.
2) eine mit furcht erfüllende erscheinung. so sagt Macbeth zu seiner frau nach dem verschwinden von Banquos geist:

du machst mich irr an meinem eignen selbst,
seh ich dasz du dergleichen furchterscheinungen
anschaun und den natürlichen rubin
auf deinen wangen kannst behalten, wenn
die meinen das entsetzen bleicht.
Schiller 571a (Macb. 3, 8);

aber flüchtet aus der sinne schranken
in die freiheit der gedanken,
und die furchterscheinung ist entflohn,
und der ewge abgrund wird sich füllen. 73a.

überhaupt auch ein durch sinnenerregung entstehendes, mit furcht erfüllendes bild.
 
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furchterweckend, adj. und dann auch als adv. verwandt: vorhandensein von furcht bewirkend. licht und finsternisz kämpfften um die oberherrschaft am himmel, das licht machte die finsternisz furchterweckend. Veit Wächter sagen der vorzeit 2 (1790), 315.
 
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furchtfrei, adj., dann auch adv.: frei von furcht. gebildet aus furcht und frei in der verbindung wie furcht frey sein, vacuum esse metu, liberum esse à metu. Henisch 1294, 57. ein furchtfreies herz, in das keine furcht gekommen ist, das keine furcht erfüllt, aber auch aus dem die furcht geschwunden ist.
im 17. jh. auch forchtfrei. vgl. DWB forcht und DWB furcht.

und dan sein stab,
dasz ich forchtfrey zu bleiben
versichrung hab,
kan all mein layd vertreiben.
Weckherlin 100 (ps. 23, 7).


 
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furchtgebietend, adj.: die furchtgebietende einheit Deutschlands. die furchtgebietende macht der vereinigten deutschen staaten.
 
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furchtgebilde, n. ein im geiste durch die furcht entstehendes oder entstandenes gebilde. vgl. DWB furchtbild, DWB furchterscheinung, DWB furchtgespenst.
 
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furchtgefühl, n. das gefühl der furcht, ein durch furcht entstandenes gefühl.

 

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