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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
furche bis furchenegge (Bd. 4, Sp. 679 bis 681)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) furche, f., s. DWB furke.
 
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furche, fürche, f., für forche, förche, forhe, förhe, forelle, salmo fario. Nemnich 4, 1206. 5, 174. Weber ökonom. lex. 174.
 
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furchel, f., s. DWB furkel.
 
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fürchelchen, n., das dim. von furche sp. 673. gebildet wie bächelchen, sächelchen, krügelchen, bergelchen u. s. w. von bach, sache, krug, berg u. s. w.
s. fürchlein.
 
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furcheln, s. DWB furkeln.
 
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fürcheln, in bair. ausfürcheln, einen bifang (s. d.) völlig zertheilen, so dasz an seiner stelle eine furche entsteht. man nennt dies eben so wol ausfürchen und ausfangen. Schmeller 1, 560.
 
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furchen , ahd. furhan, mit ausgestoszenem h furen (gl. florent. 985a), mhd. mit nicht durchgebrochenem umlaute vurhen (Ben. 3, 447a), dagegen noch jetzt mit umlaut bair. fürchen (Schmeller 1, 560. von furche sp. 673.
1) transitiv: zu einer furche oder zu furchen machen, zu einer furche oder zu furchen gestalten, und zwar
a) eine furche oder furchen machend bearbeiten, pflügen, sulcare. furchen, furchen machen, ziehen, pflugen, sulcare, lirare, ducere sulcos. Henisch 1293, 32.

nach dem gebote der herscherin furchen wir äcker!
Voss Tibull 2, 3, 53 (78);

wann der pflüger rechter hand
pfeift durch schwarzgefurchtes land. dessen lyr. ged. 4, 194.

s.schwarzgefurcht. das werkzeug zum ziehen der furche ist selbstverständlich der pflug, aber auch mit einem andern geräthe, als dem pfluge, kann eine furche oder können furchen gezogen werden:

und sie (Ceres) nimmt die wucht des speeres
aus des jägers rauher hand,
mit dem schaft des mordgewehres
furchet sie den leichten sand,
nimmt von ihres kranzes spitze
einen kern mit kraft gefüllt,
senkt ihn in die zarte ritze,
und der trieb des keimes schwillt.
Schiller 55b.


b) wie mit einer furche oder furchen durchschneiden:

(eins) zauberte mich in segensgefilde,
wo die pflugschaar nur blinkte, kein furchendes schwert.
Klopstock 2, 135,

wo das wort scheinbar intransitiv verwendet ist.
c) wie eine furche oder furchen ziehen oder anlegen, besonders nach einschnitt und linie: zugleich hat man, mit unglaublicher anstrengung und kosten, tiefe canäle in den sumpf gefurcht, damit man, auch zur zeit der ebbe, mit kriegsschiffen an die hauptstellen gelangen könne. Göthe 27, 141.
d) scheidend abtheilen? so ... schüttet (man beim glasschmelzen, um schöne gläser zu bilden) in den ersten hafen sandt, asch unnd saltz, das mssen die schürbben rren und umbwenden, wie man jetzt die ertzt, nach der newen und nützlichen kunst rret, furchet und wendet, wenn man sie brennet und röstet. Mathesius Sarepta 276b.
e) schwimmend einen streif ziehend durchschneiden. von einem vogel, einem wasserfahrzeug, einem fisch. das meer furchen, auf demselben segelnd oder schiffend einen streif ziehen, durch dasselbe schiffen.

bäch und teiche, blank und weit,
hier gefurcht von ent und schwan,
dort vom kleinen fischerkahn.
Voss lyr. ged. 4, 195.

eben so lat. sulcare von dem wasserfahrzeuge, dem schiffe und dessen kiele: arbore sulcamus maria. Plin. hist. nat. 12, 2; sulcavimus aequor. Ovid. Pont. 1, 4, 35; sulcavimus undas. 2, 10, 33; et longae sulcant vada salsa carinae. Virgil. Aen. 5, 158.
schwimmend als einen streifen einschneiden: eine bahn furchen im meer:

[Bd. 4, Sp. 680]


sanftwiegend schwimmt, gleich einem stolzen schwan,
das schiff dahin, zum wunder aller söhne
des ozeans, auf kaum gefurchter bahn.
Wieland Ob. 6, 13;

(gedächtnisbilder) malen mir des kahnes schwanken
den gefurchten pfad (im wasser) entlang.
Platen 5.

mit acc. der sache und dat. der person:

der wallfisch furcht sich eine bahn durchs meer.
Alxinger.


f) in falten ziehen, runzeln. die haut furchen, das gesicht oder angesicht furchen, die stirne furchen, die augenbraunen furchen u. s. w. ähnlich findet sich auch lat. sulcavit cutem rugis bei Ovid. met. 3, 276.

dem harten schicksal flucht' er (Bardin) mit gebrülle ...,
indesz die hände hart und wild verfahren
mit der gefurchten haut, den greisen haaren.
Gries Ariost 43, 168;

ist diesz Thyest,
der einst an reiz dem jungen Bacchus glich?
wie hat der gram sein angesicht gefurcht!
C. F. Weisze trauersp. 3, 194;

(sie) furchten das gesicht.
zwei löwen gleich an wut.
Rückert Rostem nr. 100;

und Raufbold furchte schon
mit runzeln seine stirn, die tod und schrecken drohn.
vergebens suchen ihn zween herrn zu unterhalten,
er legt die krause stirn in unzufriedne falten.
Zachariä renommist 4, 211;

eifernd droht sie mit den zähnen,
furchet ihre schöne stirne, schilt und sieht ihn feindlich an.
Dusch schoszhund 53;

mögt so gern den bauersmann bespötteln,
ha! und furcht die stirn bei allem gold!
Schmidt v. W. ged. 280;

das alter hat die stirne mir gefurcht.
Gotter 2, 241;

schon viele tage seh ichs schweigend an,
wie finstrer trübsinn deine stirne furcht.
auf deinem herzen drückt ein still gebresten.
Schiller 519a (Tell 1, 2);

doch möcht ich mich den glatten stirnen lieber,
als jenen tiefgefurchten, anvertrauen. 378b (Wall. tod 3, 7);

hat ein andrer schlimme launen,
furcht er wol die augenbraunen.
Rückert ges. ged. (1836) 1, 447.


falten furchen.

pfeilgeschwinde zeit!
schon furchst du mir um die augen falten
und verscheuchst der jugend fröhlichkeit.
Musäus nachgel. schr. 113.


g) Das part. praet. gefurcht wird adjectivisch für »furchen- oder rinnenartig gestaltet, furchen- oder rinnenartig gestreift« gesetzt. so namentlich in der pflanzenkunde, wo ein stengel, der auf seiner oberfläche hohle, der länge nach einen einschnitt bildende linien zeigt, als gefurchet oder gefurcht, sulcatus, bezeichnet wird, eben so ein blumenstiel, so wie ein blatt das auf seiner oberfläche mit tieferen und breiteren streifen durchzogen ist, eine hülse. Plenk botan. terminol. 22. 42. 100. Bischoff wb. d. bot. 202. vgl. DWB furche 8) c). auch bei theilen von thieren wird der ausdruck gebraucht, wenn furchenartige streifen sichtbar sind: der kopf verlängert sich in eine starke oft wulstige oder gefurchte schnauze. Brehm illustriertes thierleben 1, 71. von steinen vgl. DWB furchenstein.
2) reflexiv sich furchen. eigentlich wie bildlich: faltenreich und kleingeädert ist des königs (Friedrich der grosze ist gemeint) gesicht — voller entwürfe — und durcheinander sich furchender anschläge. Lavaters physiogn. fragm. bd. 3, abschnitt 12 fragm. 10 (W. Wackernagels leseb. 3, 2, 522, 37).

ach! unaufhaltsam strebet das schiff mit jedem momente
durch die schäumende fluth weiter und weiter hinaus!
langhin furcht sich die gleise des kiels, worin die delphine
springend folgen.
Göthe 1, 295;

es furchet tief des denkers stirne sich.
Chamisso (1836) 4, 188.


Zusammensetzungen, in welchen furchen zuletzt steht, sind: abfurchen, anfurchen oder anfürchen (bair. ein acker anfürchen, durch jeden bifang desselben die zwei ersten furchen ziehen. Schmeller 1, 560), auffurchen (ein bei Voss beliebtes wort), ausfurchen oder ausfürchen (bair.), befurchen, durchfurchen, einfurchen, entfurchen, hinfurchen, zerfurchen.
 
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furchen, n. der infinitiv des vorigen verbums substantivisch.
 
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fürchen, s. DWB furchen sp. 679.
 
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furchenausstreichen, n. das nach dem besäen des ackers erfolgende festere fahren des pfluges durch die grenz- oder scheidefurche zum völligen räumen derselben und aufstreichen einer seite durch das seitenbret dieses geräthes, damit der eben in die furche gefallene same höher zu liegen komme und besser aufgehe,

[Bd. 4, Sp. 681]


dann in dieser selbst wasser von regen oder schnee im abflusse nicht aufgehalten werde. Zincke ökonom. lex. (1764) 1, 840.
 
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furchenegge, f. in Sachsen ein feldgeräth zur auflockerung und reinigung des kraut- oder kartoffelackers, das einer geieregge (s. d.) ähnlich, aber kleiner ist, hinten sich enger und weiter stellen läszt, auch in kleine füsze unten endigende eisen hat und von einem ochsen gezogen werden kann. Weber ökonom. lex. 1, 175a.

 

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