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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürbung bis furchel (Bd. 4, Sp. 673 bis 679)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürbung, f. die reinigung. von fürben (s. d.). furbung oder reinigung, purgamentum, purgatio. voc. theut. 1482 i 6a. von reinigung des menschen: dër hât vil wäʒʒeriger fäuhtin in seim leib und sint im diu pat guot und sämleicheu (ähnliche) fürbung. Megenberg 53, 9.
 
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furch, f., s. DWB furche.
 
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furchbeet, n., s. DWB furchbett.
 
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furchbeetchen, furchbeetlein, n., s. DWB furchbettchen, DWB furchbettlein.
 
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furchbett, n. ein zwischen furchen durch diese aufgestrichenes erdreich, in so fern dasselbe ein beet bildet, lira. s. DWB furchbettlein. das wort klingt in bett alt und volksthümlich, wie man auch heute noch beim volke mistbett und nicht mistbeet hört, aber hochdeutsch würde gegenwärtig furchbeet gesagt werden müssen.
 
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furchbettchen, n. was furchbettlein. hochd. würde heute furchbeetlein gesagt werden. vgl. DWB furchbett.
 
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furchbettlein, n., wie furchbettchen dim. von furchbett, aber Oberdeutschland eigen. so die selben (es sind die zahlreichen zehen des meerknoblauchs gemeint) zertheylt sind, setzt man sie in uffgeworffne fürchlin, da mit sie im winter dester weniger schadens von dem wasser nemen. dise furch bettlin sollen eyn halben schch von eynander ston. Herr ackerwerk Columelle 112b (Col. 11, 3). gegenwärtig würde hochd. furchbeetlein gesagt werden. vgl. DWB furchbett.
 
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furche, f.
1) eine durch das einschneiden des gezogenen pfluges in die erde entstehende sich linienartig erstreckende vertiefung, sulcus, lira. ahd. furuh, furah, furih, furh, mhd. vurch, ags. furh, fur, engl. furrow; goth., alts., altn. nicht nachzuweisen. es entspricht der lautverschiebung gemäsz dem lat. porca, das zwischen zwei furchen in die höhe gestrichene erdreich, welches wort, zunächst das weibliche schwein bezeichnend, das femininum von porcus, männliches schwein, ist. steht dies richtig, dann rührt ähnlicher weise ahd. furuh an farah, farh, männliches schwein, ferkel (s. DWB farch), wie denn auch Jacob Grimm gesch. d. d. spr. 1, 57 furuh nach farah genannt scheint, was übrigens so zu verstehn sein dürfte, dasz beiden ein erloschenes goth. wurzelverbum faírhan praet. sg. farh pl. faúrhun, ahd. fërhan praet. sg. farh pl. furhun, etwa in der bedeutung »wühlen« zu grunde liegen würde, dessen praeteritalformen eben jene beiden entsprossen seien. bestätigung scheint zu geben, dasz das schwein ein erdwühlendes thier ist und, wie es mit seinem rüssel, der pflug mit seiner schar die erde gleichsam gangweise aufwirft. wurde doch ein grund der bei unsern deutschen voreltern vorkommenden heilighaltung des ebers darin gefunden, dasz derselbe die erde aufwühlt und die menschen von ihm das pflügen gelernt haben. s. mythol. 632. auch die serbische thierfabel läszt das schwein mit seinem rüssel das feld aufackern. vgl. Reinhart CCXCI und gesch. d. d. spr. a. a. o. überhaupt aber wird der pflug mehrfach einem thiere verglichen, besonders ein über der erde befindlicher haupttheil, die handhabe, einem gehörnten, denn diese heiszt argauisch geisz f., schwäb. geize f. (Schmid 226), wetterauisch reh n., rehhorn n., und schon mhd. findet sich

swen sî dën pfluoc begrîfent bî dëm horn. MSH. 213b, 9.

verglich man nun so das hintere ende mit einem gehörnten thiere, das man mit der hand lenkte, so lag gewis nahe, bei der schar an das erdaufwühlende schwein zu denken. abstammung von fahren dagegen, die D. v. Stade in seiner erklärung d. deutschen wörter in Luthers bibelübers. (1737) s. 227 und Adelung für furche annahmen, ist unmöglich, da dieses verbum den ablaut uo, aber nicht u zuläszt. doch sind beide, furche und fahren, in so fern verwandt, als sich für dieses fahren wie für das goth. wurzelverbum faírhan, ahd. fërhan, ein gemeinsames älteres goth. wurzelverbum faíran praet. sg. far pl. fêrun p. p. faúrans, = ahd. fëran praet. sg. far pl. fârun p. p. foran annehmen läszt, welches durchdringen bedeutet haben wird. s. DWB fahren wb. 3, 1247 und vgl. auch DWB furcht.
Die älteste nhd. form ist, wie sich aus dem ahd. und mhd. ergibt, auch der voc. theut. 1482 i 6a, der voc. gemma gemmarum o 5d u. B ijb, Dasypodius 236a u. 334c, Serranus dict. aa 2b, Alberus dict. L ijb, Herr im ackerwerk Columelle 12ab haben, furch,

[Bd. 4, Sp. 674]


und diese findet sich überhaupt noch im 16. jahrh. als die üblichste mit dem pl. fürch, ganz dem ahd. pl. furahî, furihî, furhî, mhd. vürche gemäsz, daneben auch mit dem bereits bei Brant (s. unten die stelle) vorkommenden pl. fürchen, in welchem letzten sich starke und schwache pluralform, ü und n, vereinigen. die höhe des erdtrichs zwischen zweyen fürchen. Dasypodius 118d und danach Serranus dict. n 2b; erhöhet erd zwischen zwo fürchen. Alberus dict. a. a. o. wird mein land wider mich schreien und mit einander seine fürche weinen. Hiob 31, 38; der ochszner soll ... volkommende fürch machen. Herr ackerwerk Columelle 12b; aber im zackern msz man das fürnemlich acht nemen, das man der zwerch des bergs nach die fürch mach. 13b; doch so offt man sie wider zackert, sollen die fürch ettwas mehr übersich, oder mehr undersich gericht werden. ebenda; doch soll man ... als dann on eyn egen in die fürch seen. ebenda; ettlich andre begiessen die fürch mit genantem wasser. 15a (Colum. 2, 9, = sulcos); man soll das auch mit starcken gerten verschen unnd die selben überzwerch durch die fürchen stechen. 13a; in grben oder fürchen. 30a; mit zwerch fürchen. ebenda. dann erscheint im 16. jahrhundert und zwar bei solchen, die furch haben, selbst ein nom. sg. fürch: lira, ein acker fürch. Dasypodius 118d; ich fare nebent ausz, nit nach der rechten fürch. 119a; sulco, ich mach ein fürch. 296a; doch soll man vorhin alle feuchtigkeyt durch ein fürch von dannen fren. Herrs ackerwerk Columelle 15a. sogar in dem nemlichen satze kommt es neben furch vor: der ochszner soll in der fürch herein gehen, und ye eyn furch umb den andern, den pflg uberzwerch halten. 12b. aber dieser sg. fürch verschwand bald wieder und neben dem pl. fürche tauchte bald ohne umlaut furchen auf. colitiae, furchen, dadurch das wasser hinweg fleuszt. Alberus dict. L ijb. sulcatim, lyratim .i. per sulcos, mit furchen. ebenda. kanstu jm (den einhorn) dein joch anknüpffen die furchen zu machen? Hiob 30, 10; du trenckest seine furchen und feuchtest sein gepflügtes. ps. 65, 11; es ist viel speise in den furchen der armen. spr. Sal. 13, 23; solcher rat grnet auff allen furchen im felde. Hos. 10, 4; die machen furchen sex schch breyt, und lassend dann zwischen ie zweyen auch so vil platz, und also ie eyns umb das ander platz und furchen, und graben die furchen drei schch tief. Herr ackerwerk Columelle 30a. dieser pl. nun deutet auf einen nom. sg. furche, der in der ersten hälfte des 16. jh., vielleicht auch, wenn man unten das thüringische forchte vom jahre 1470 vergleicht, in der zweiten hälfte des 15. jahrhunderts als schwache form aus der starken furch hervorgegangen ist. ein mhd. vurhe hat Ben. nicht angeführt und ein ahd. furihhâ, furichâ, furhâ kennt Graff 3, 684 nicht. die form tritt nhd. zuerst bei Luther ps. 129, 3 entgegen: die pflüger haben auff meinem rücken geackert, und jre furche lang gezogen, wo er las und danach übersetzte. sonst zeigt sich diese schwache form, die er aus Mitteldeutschland geschöpft haben mag, fast gleich früh in der Schweiz: sulcus, furhen, ackerfurhen. Frisius (1556) 1265a; ein furhen oder lange grb, weynräben oder böum zepflantzen gemacht. ebenda; sata aequant sulcos, der saamen gadt yetz bisz an die furhen, oder ist der furhe gleych gewachsen. ebenda; sulcatim, der furhen nach. 1265b. wenn aber der pl. furchen den starken pl. fürche sehr bald völlig im hochdeutschen verdrängte, so dauerte doch der nom. sg. furch, freilich nach und nach nur wie ein gekürztes furche angesehen, noch lange zeit fort. so bewahrt die form Henisch 1292 u. 1293, der aber, Frisius folgend, im dat. und acc. furchen hat. auch Schottelius s. 1321, Reyher (1686) 1, Jiiii 3b u. 2, F 2d, Stieler 415, Weismann (1715) 1, 554a u. 2, 138a, Kramer hoch-nd. dict. 77a führen noch furch fort, während Comenius sprachenthür (1639) nr. 391 und im register furche, doch zugleich nr. 392 wasserfurch setzt, Rädlein 312, Kirsch (1723) 1, 1049a u. 2, 124a, Steinbach 1, 529, Frisch 1, 308a nur furche, das dann allein gilt. der Zürcher Dentzler 1, 768b und 2, 117b hielt natürlich an seinem dieses furche ausdrückenden schweiz. nom. sg. furchen fest. furch übrigens mit seinem alten starken pl. fürch blieb nur noch mundartlich in Oberdeutschland erhalten. so bairisch, s. Schmeller 1, 560.
Mit senkung des u zu o bildete sich früh in Mitteldeutschland forch. sulcus, lira, forich. lib. ord. rer. 3b. forich. weisth. 2, 177. lira, eyn vorch, und sulcus, ein forche. voc. ex quo 1469. bei Henisch 1172, 35 ff. noch forch neben furch. jene form forche leitet schon auf unser schwaches furche über und erhält sich bis in das 18. jahrhundert in schriften: dahero musz man das oben beschriebene zeug mit dem hahmen dem winde entgegen

[Bd. 4, Sp. 675]


und in eine forche oder fahre legen. Döbel jägerpractica 2, 182a, vgl. DWB fahre; wenn sie (die rebhühner) nun anfangen zu lauffen und in der forche oder accurat auf den hahmen zugehen. ebenda; geschicht es nun, dasz sie nach dem hahmen in der forche zu und fortgehen. 183a.
Eine form durch antritt eines t taucht in der zweiten hälfte des 15. jh. in Mitteldeutschland auf und zieht sich bis in das Elsasz. diese ist die der sprache Mitteldeutschlands entnommene schwache forchte in Diefenbachs wb. von 1470 sp. 264. elsässisch furcht hat starken pl.: eyn jungen stier (ackerstier) soll man nit stupffen, dann es macht jn stettig und widerschlegig, doch mag man jn offtermals mit eyner geysel manen, und das gar nit in mitten der fürcht, sonder am end sollend sie rgen, so werden sie dester hurtiger die gantze furcht auszzufren. man soll aber keyn lengere furcht machen dann hundert und zwentzig schch lang. Herr ackerwerk Columelle 12b (Colum. 2, 2). auch bei Henisch 1293, 39 findet sich furcht (s. nachher die stelle), so wie 1172, 47 der pl. wasserforchten, aber die form mit t steht neben furch, forch so vereinzelt, dasz sie wie ein druckfehler erscheint, zumal da weder Schmeller noch Birlinger aus der augsburgischen volkssprache ein furcht, forcht, für furche anführen. noch wetterauisch forcht f. mit dem eigenthümlichen pl. forcht, d. i. hochd. forchte, und, wenn durch ein beigefügtes zahlwort oder adj. nicht ersichtlich wird, ob der sg. oder pl. gemeint ist, in deutlich hervortretender schwacher flexion forchte, d. i. hochd. forchten. in diesem falle würde der nom. sg. hochdeutsch furchte zu schreiben sein; bei jenem pl. könnte er im hochdeutschen furcht lauten.
umstellung des h, der form furhen bei Frisius gegenüber, zeigt sich oben sp. 426 in fuhre für furche und abfall des h in den ebenda weiter angeführten formen. s. auch DWB fure und vergl. über den abfall noch furcht.
Nun zu der angegebenen eigentlichen bedeutung, die sich spaltet in
a) eine durch den gezogenen eingesetzten pflug entstandene vertiefung als lockerung des bodens zur bestellung desselben, in so fern sich die erde, welche durch jenen aus diesen gleichlaufend linienartig sich erstreckenden vertiefungen aufgeworfen wird, gleich linienartig wider einander legt. mhd.

ëʒ wære ûf wisen od in dër furch,
daʒ ër dâ sanfte stapfte. Will. 83, 28;

ër dunkte sînen ackerbiʒ ër daʒ her brach durch,
mit manigem Kriechen wackerdën ër leite in die furch. Wolfdietrich (Holtzm.) 2019, 4.

mitteld. dâ wart gevollit manic furh
mit dëm blûte al rôt.
Lamprechts Alex. 4552.

nhd. mein eymer (spricht der Jordan), der sich vor ergossen ...,
ja land und furchen schier erträncket.
A. Gryphius 1, 565;

die furchen, die so reinlich und so nett,
als ob man sie zur zier gezogen hätt,
ergetzen das gesicht.
Brockes 1 (1737), 161;

weil mehr die furchen dürsten, die wolken schwerer tragen.
Dusch verm. werke 86;

aus der thauigten furche schwingt sich indessen die lerche
jubilirend herauf und ruft dem kommenden tage.
Zachariä tagesz. (1757) s. 6;

dann arbeite mir schon vor dem tief eindringenden pfluge
keichend der stier, und es blinke die schar in der furche gescheuert.
Voss Virgils landb. 1, 46;

aus dem artigen wird er ein bauer,
furchen nur tönt er beständig und weinland.
Voss Horaz ep. 1, 7, 84;

und die elster dort nur sucht, ob oben
in den furchen noch ein körnchen liegt.
Schmidt v. W. ged. 42;

furchen und striemen ziehn
ihr (der erde) auf dem rücken hin
knechte mit schweiszbemühn.
Göthe 40, 383;

flach bedecket und leicht den goldenen samen die furche,
guter! die tiefere deckt endlich dein ruhend gebein. 2, 127.

furchen machen, das erdtrich braachen, sulcare. Henisch 1293, 9. schon mhd. eine vurch machen:

daʒ si mit einem pfluoge
dën wert zehant begünden ern ...
daʒ von in würde manic furch
dar în gemachet und derdurch. troj. kr. 8177.

eine furche ziehen, vgl. Henisch 1293, 32.

ja, sterbliche, ihr seyd bestimmt, das feld zu bauen! ...
müszt ihr in bangem schweisz hier tieffe furchen ziehn.
v. Creuz oden 2, 187.

eine furche oder furchen pflügen:

der bauer der die furche pflügt
hebt einen goldtopf mit der scholle.
Göthe 12, 268.

hier läszt sich an den im anfange des 15. jh. erscheinenden ausdruck furchpflg (Mones anz. 6, 223, 87 als glosse zu aratrum

[Bd. 4, Sp. 676]


Luc. 9, 62) denken, d. i. eigentlich pflug mit dem man eine furche oder furchen zieht.
technische ausdrücke sind: auf die furchen säen, auf einen ungeegten acker säen. Weber ökonom. lexicon 175a.
bildlich: wahrlich wenn es (das joch) jener umwunden hat, wie man das joch des pflugochsens umwindet, so geschah es nicht darum, dasz er unsers nackens schone, sondern darum, dasz wir die mühsame furche des lebens ganz durchackern sollten und entkräftet an dem ziele hinsänken. Klinger 3, 287. an diese anwendung des wortes rührt die des mhd. vurch vom tode in

daʒ stucke (des speeres) ër in dën ritter schôʒ
— dâ von wart ër lëbens blôʒ —
vornen în und hinden durch.
ër ier (schnitt mit der pflugschar) durch in dës todes vurch.
Ulrichs Trist. 579, 12.

auch nhd. der angst furch. Weckherlin 64. wie manche süsze stunde der mitternacht, ja ich darf sagen, wie manche tiefe furche der innern cultur habe ich unserm dichter (Balde) zu danken! Herder Terps. 1, s. xi, = fruchtbringenden einflusz;

siehe, voll hoffnung vertraust du der erde den goldenen samen
und erwartest im lenz fröhlich die keimende saat.
nur in die furche der zeit bedenkst du dich thaten zu streuen,
die von der weisheit gesät still für die ewigkeit blühn?
Schiller 82a;

du magst im stillen forschen, erwägen, geist und wort.
und magst das korn der furche der zeiten anvertraun,
vielleicht wird einst dein enkel die goldnen saaten schaun.
Chamisso (1836) 3, 328

obscen: visirn des nachts die maide dar durch
und ackern mer dann einerlei furch. fastnachtsp. 386, 26.


redensarten und sprichwörter. hier hat Henisch 1293, 10 im eigentlichen sinne des wortes eine lätze furchen machen, ausz der furchen fahren mit der erklärenden beifügung »wenn einer äeret oder ackeret und die furchen nicht behaltet, sondern nebendt auszfart uber das erdtrich so zwischen zweyen furchen auffgeworffen ist, delirare«. aber er bemerkt 48 weiter, dasz, wie lat. delirare, ausz der furch fahren durch übertragung auch für irrsinnig sein, verrückt sein gesagt werde. alles dies stimmt zu Brant narrensch. 32, 24, wo, sicher auf sprichwörtlicher grundlage, von einer hübschen frau, die eine närrin ist, gesagt wird:

wer mit der selben eren wil,
der machet krumber fürchen vil.

was dagegen ist unter »wenn einer ausz der furch reisen fehret, oder ungleiche beche macht, per metaphoram transfertur ad vitia montis« zu verstehn, das Henisch 1293, 50 hat? eine sprichwörtliche redensart ebenda 35 ist tieffe furchen machen mit der erklärung tieffe gedancken haben. aber ein noch heute umlaufendes sprichwort lautet gerade furchen sind besser als schlimme gedanken, und als weiter hierher gehörig ist anzuführen gott gibt das korn, wir aber sollen pflügen und furchen machen. Henisch 1293, 37.
b) eine durch das einschneiden des gezogenen pfluges in die erde gemachte bis zum nächsten pflügen bleibende linienartig sich erstreckende vertiefung mit einem aufstriche. so die ackerfurche, d. h. die furche als ackergrenze, die wasserfurche (s. d.). das korn aus den furchen schneiden, damit man zwischen den äckern gehn kann. halte dich in der furche nnd geh nicht auf den besäten acker, damit du nicht gestraft wirst. technischer ausdruck ist hier furchen schoren, den fertig gepflügten acker vorackern, d. h. eine furche um ihn herum ziehen und dann die dadurch verschlossenen beetfurchen öfnen, sie reinigen, um dem wasser hier und sonst freien abzug zu verschaffen. Weber ökonom. lex. 175a. s. schoren.
auch bei grabland nennt man die beim graben mit dem spaten oder der grabschüppe als grenze gemachte vertiefung zwischen den grabländern furche. überhaupt aber kann eine solche vertiefung zur grenze wie zum abflusse des wassers durch graben oder schaufeln gemacht werden. ducere sulcos, furchen graben. Weber universalwb. 2, 761.

(er) nimbt bald die schauffel her, macht furchen frey zu fliessen
dem wasser uber feld, die wiesen zu begiessen,
so dürr und dürstig stehn.
Opitz 1, 160 (1624 s. 11).


2) die beim durchschneiden des gezogenen pfluges neben der linienartigen vertiefung gleich linienartig aufgestrichene erde, die durch das durchschneiden des gezogenen pfluges neben der linienartigen vertiefung in gleicher linie entstehende oder entstandene erderhöhung. wie Campe 2, 201b bemerkt, bei einigen furche, bei andern erdfurche, im mecklenburgischen balke (s. d.), im bremischen remel m., im oberdeutschen furchenrain (s. d.). mit

[Bd. 4, Sp. 677]


dieser bedeutung stimmt, wenn Weber 709b furche als den vom pfluge beim pflügen jedesmal ergriffenen und umgelegten streifen feldes bezeichnet. nach Schmeller 1, 560 entsteht durch vier furchen, d. i. zweimaliges hin- und zweimaliges herfahren mit der pflugschar, in der Oberpfalz und im bairischen flachlande das schmale beet oder der bifang, durch 4, 6, 8, 10, 12, 14 bis 20 furchen aber im Oberlande das breite beet, dort acker genannt.
3) das umpflügen eines landstückes im vergleiche zu andern pflügungen desselben während eines jahres. s. Weber ökonom. lex. 174b, der daneben auch die formen fuhre, fahre hat. s. DWB fuhre, DWB fahre. auf diese bedeutung gründet sich die bairische redensart in die erste, andere, dritte, vierte furch bauen, einen acker besäen, nachdem er vorher ein-, zwei-, drei-, viermal umgepflügt worden. Schmeller a. a. o. das alter der bedeutung scheint zu erhellen aus mitteld.

nu was ouch meister Clinsor
geladen an die sëlben for. heil. Elisabeth 202,

wo Max Rieger im glossar s. 420 for richtig in dem sinne von pflügen nimmt, das dann bildlich auf den wettkampf angewandt sei. auf das umgepflügte selbst deutet

man ert den weg yetz z der furch.
Brant narrensch. 102, 40, vgl. dazu
Zarncke s. 447a.


4) eine angelegte mehr oder weniger tiefe streifenartige grube zum einsenken von weinreben, zum pflanzen von spargeln u. dgl.: sulcus, eyn furhen oder lange grb, weynräben oder böum zepflantzen gemacht, ein newer eynschlag. Frisius (1556) 1265a und danach Maaler 152c so wie nach diesem Henisch 1298, 3. daz macht man fürchlin da yede drei vierteyl eyns schchs tieff ist und schchs weit von eynander stehen, in die selben furchen trückt man die schwammen (verwachsenen spargelwurzeln, s. spargenschwamm) also hinein, das sie leichtlich durch den grund herausz wachsen mögen. wo es aber an dürren orten ist, musz man die samen am tieffsten der furchen setzen. Herrs ackerwerk Columelle 114a; darnach sol man die furchen all rühren. ebenda, bei Columella (11, 3) deinde sulci omnes consarriendi. ob solche furchen auch in die furchen in einem weinberge bei Ludwig (1745) 675 gemeint sind?
5) eine einer ackerfurche vergleichbare rinne in dem erdboden, mag diese gegraben oder von dem wasser selbst gerissen sein: furcht von wasser gemacht. Henisch 1293, 39.

des baches furchen, himmelblau und klar.
Schmidt v. W. ged. 192.


6) der streifen, den ein wasserfahrzeug, ein schif, ein schwimmvogel beim durchschneiden des wassers in diesem zieht, wie auch lat. sulcus steht:

laszt euch nicht hindern an dem thun,
das auff die haut euch sticht die sunn,
sie will euch manen nur dadurch,
das jr schneid dapfer durch die furch.
Fischart glückh. schif 334;

der stewrman stund fest an den pflug
und schnitt solch furchen inn den Rein,
das das underst zu oberst schein. 385;

das meer ein grossen schaum vorab
von grosser ruderarbeit gab,
sie machten furchen an dem ort,
das wasser sich thet spalten fort,
und von den schiffen gieng entzwey.
Spreng Aeneis 87a (Virg. Aen. 5, 142 sulcos);

macht auff dem meer ein weite furch. 87b;

da sihet man die schiff ...
in nicht wehrende furch den waichen marber spalten.
Weckherlin 227 (ps. 104, 32);

sieh! sagt er, den schwan ...
sieh! er schift
zieht rothe furchen in die fluth.
E. v. Kleist neue ged. (1758) s. 59.


diese bedeutung von furche lag übrigens nahe, zumal da, wie die zweite stelle von Fischart zeigt, das fahrende schif dem pfluge verglichen wird, auch dichter das dem feld vergleichbare meer mit dem schiffe, mit dem kiele des schiffes pflügen lassen:

pflügt denn das meer zum fernen mohrenland,
ihr thoren! eilt, fischt perlen aus dem grunde.
E. v. Kleist ged. (1756) s. 140;

wer das grüne crystallene feld
pflügt mit des schiffes eilendem kiele.
Schiller 497b (br. v. Mess., erster druck s. 52).

gleicherweise lat. arare maris aequor bei Virgil. Aen. 2, 780, arare aequor bei Ovid. trist. 1, 2, 76.
7) ein sich in die länge erstreckender leerer spalt oder theilender streifen, dessen boden sichtbar ist. so in dichterischem schwunge

[Bd. 4, Sp. 678]


von der trocknen bahn im rothen meere zum durchgange der kinder Israel: mitteld.

dîn gewalt dâ ein wunder treib
an dînem volke, daʒ hindurch
wanderte die waʒʒers vurch
mit trugem vûʒe sunder nôt. pass. K. 2, 82.

nhd. du, du hast, als dein volck, gantz trawrig, dich betawret
(verhindrend des meers hindernusz)
gleich wie meergrüne stein der wellen schnellen flusz
zu beeden seitten auffgemawret:
und führend Israel gantz wunderlich dardurch
hast du der drachen stoltz (stehts wider dich erhaben)
mit ihrer macht und pracht, recht mitten in der furch
des meers anlaufs begraben.
Weckherlin 185 (ps. 74, 12).


von einem durch fuszspuren entstandenen streifen im schnee: eine reihe menschen zu sehen, deren einer in des andern tiefe fusztapfen tritt, und wo in der ganzen glatt überzogenen weite nichts in die augen fällt, als die furche, die man gezogen hat. Göthe 16, 287.
auch von einer klaffenden wunde, wobei freilich das bild des durchschneidenden pfluges wirkt: mitteld.

si hëten schiere ab im gezart
hût, vleisch unz ûfeʒ bein ...
si hëten manige leide vurch
an im hër und dar gevarn. pass. K. 122, 78.


8) überhaupt ein mehr oder weniger tiefe habender sich in die länge ziehender streifen, eine einer ackerfurche vergleichbare vertiefung.
a) in der haut: eine falte der haut, besonders eine runzel. ahd. furahî mînô, rugae meae. Diut. 1, 519b (Hiob 16, 9).

ein schöner alter mann,
wiewohl die graue zeit der furchen viel
auf seine breite stirn gegraben.
Wieland 18, 24;

schon entrunzelt sich jedes gesicht: die furchen der mühe,
sorgen und armuth fliehn, glückliche glaubt man zu sehn.
Göthe 1, 361;

wenn gleich keine meilenlange
flur für unsre wünsche blüht:
oft ein glück, das in die wange
nur noch früher furchen zieht!
Tiedge in Klamer Schmidts neuen poet. br. 146;

ist wirklich abgewischt von meinen wangen
die thräne, die so tiefe furchen grub? dessen elegieen 3, 76.

ein blasses todtenähnliches gerippe, alle farbe des lebens aus einem angesicht verschwunden, in welches gram und verzweiflung tiefe furchen gerissen hatten. Schiller 715b. mehr wie in einem von der furche des ackers hergenommenen bilde: dasz über dieses kräftigknochige gesicht, sonst die veste ihrer seelen, die furchen des unkrauts sich krümmten (es sind damit die sich über jenes hinziehenden spuren der sittlichen verdorbenheit gemeint), das zu sehen und zu denken war reiner schmerz. Jean Paul Titan 3, 180.
von den tiefer gewordenen linien der innern handfläche:

nichts ist gemein in meines schicksals wegen,
noch in den furchen meiner hand.
Schiller 400b (Wall. tod 5, 4).


b) in knochen: eine einer engen rinne gleichende vertiefung, sulcus. im besondern heiszt eins der gehörbeine, das, schneckenförmig gekrümmt, immer spitzer zugeht und löcher hat, die durchlöcherte furche, tractus spiralis. auch streifenartige vertiefungen im kleinen gehirn, der leber u. s. w. nennt man furchen.

kannst du (ein arzt ist angeredet) ...
ein tief gewurzelt quälendes bewusztseyn
nicht aus der seele heilend ziehen, nicht
die tiefen furchen des gehirnes glätten.
Schiller 579a (Macb. 5, 5).


c) an der oberfläche von pflanzentheilen: eine gleichförmige schmale rinnenartige vertiefung, die meist der länge nach die oberfläche durchzieht und breiter und stärker als der streifen (s. d.) ist, sulcus. Bischoff wb. der botanik 202. vgl. DWB furchen 1) g). eine solche einzeln vorkommende vertiefung heiszt rinne (s. d.).
d) an flügeln von insecten: eine streifenartige vertiefung. der schwarze erdkäfer mit dem gesäumten herzförmigen halsschild hat keinen gürtel, auf jeden flügel aber zehen furchen herunter. Frisch insecten 13, 26, 27.
e) durch eindruck entstandener rinnenartiger streifen in einem harten gegenstande. furch (dalle) so ein starckes schiffseil in einen stock, winde u. s. w. druckt, (nnl.) kneep, voore, holtestreep. Kramer nd.-hochd. dictionar. 2, 77a. in geschützröhren: ein eindruck oder streifen, welcher durch die einwirkung des geschosses unter dem einflusse des spielraumes entsteht.

[Bd. 4, Sp. 679]



f) was nuth. bei tischlern.
g) die durch ungleichmäsziges auflaufen des garnes auf die spule entstandene unebenheit in jenem auf dieser. s. Campe 2, 201b.
h) der cylinder zum walzen des eisens. auch einschnitt, rinne. technol. wb. 2, 149b. 194b.
Zusammensetzungen, in welchen furche letzter theil ist, sind ackerfurche, bachfurche (was bachfahrt, s. d.), beetfurche (= eine ein beet begrenzende furche, eine furche zwischen zwei beeten), erdfurche, falzenfurche, grenzfurche, mittelfurche, ruhrfurche, saatfurche, scheidefurche, silberfurche, sturzfurche, umfahrtsfurche, wasserfurche, wechselfurche, wellenfurche, wendefurche
 
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furche, f., s. DWB furke.
 
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furche, fürche, f., für forche, förche, forhe, förhe, forelle, salmo fario. Nemnich 4, 1206. 5, 174. Weber ökonom. lex. 174.
 
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furchel, f., s. DWB furkel.

 

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