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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürbot bis fürbringen (Bd. 4, Sp. 669 bis 670)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürbot, n. vorladung, citatio. mhd. fürbot. Ben. 1, 183a. vgl. DWB für I A 1) a) und bot n. ob man einen fürsten fürlude um spruch, es were von geldschuld, oder um guter, die nicht lehen wären: da mag man ihm das fürbot schicken bey einem grafen, ritter oder knecht, und wan ein fürst also fürgefordert wird ..., so ist man ihm nicht schuldig mehr, dan ein fürbot zu schicken. constitutio electorum ac principum Basileae cum imp. Sigismundo facta, abgedruckt in »Hipp. a Lapide dissert. de ratione status in imp. rom.-germanico« s. 163; ain yeder cleger soll auf den gerichtstag des ersten fürpots sein clag ... in schriften articulirt und gezwifacht ubergeben. Nürnberger reformation v. 1564 25a; er (der tod) ist der büttel, der fürbeuth zum gericht gottes ... was ist sein fürboth, als allein: gehet zum gericht u. s. w. Paracelsus 1, 44b paramirum (l. 1 c. 3). edictum peremptorium, das letst und endtlich fürbott, nach dem so einer nit erscheynet, der richter im rechtshandel fürfart und ein urteil felt oder das recht gon laszt. Frisius (1556) 982b und danach Maaler 146d. vgl. auch fürkündung.
 
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fürbotbrief, m. vorladungsschreiben. Scherz 451.
 
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fürbote, m. ein bote oder gesandter, der die sache eines andern oder anderer führt. mhd. fürbote. Karajan sprachdenkm. 27, 11, dazu s. Ben. 1, 184a.
 
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fürbrächtig, adj. sich stolz hervorhebend, stolz vor andern thuend. vgl. brächtig. er brustet sich und war fürbrächtig, thet sich erfür, war etwas sonderlich für allen. Luther 1, 535b (ausleg. des 37. psalms). briefe 2, 81. auch fürbrechtig.
 
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fürbracht, s. fürbringen.
 
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fürbrechen ,
1) intrans.: hervorbrechen. s. DWB vorbrechen. und er eilt in das haus, wann sein geeder waren bewegt über seinen bruder und die zeher fürbrachen, er gieng in die kammer und weint. bibel von 1483 26b = 1 Mos. 43, 30, in der vulg. et erumpebant lacrimae.
2) trans.: herauskommen machen, gewaltsam herauskommen machen, offenkundig machen. mhd.

nû sol dër keiser hêre
fürbrëchen dur sîn êre
dës lantgrâven missetât.
Walther 105, 14,

sie ans licht ziehen. nhd. scheint diese bedeutung erloschen.
 
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fürbrechtig, s. fürbrächtig.
 
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fürbreislich, adj. vor andern oder vor allen preisenswerth, vorzüglich preisenswerth. also eigentlich fürpreislich zu schreiben. vgl. DWB preislich. Davon das gleichlautende adv.:

der fürst. ir lieben getrewen, sagt wie gfelt
euch unser fürstin ausserwelt?
was hört jhr in dem land von dem?
ist sie dem volck auch augenem?
der erste rath. gnediger fürst fürbreiszlich wol,
wann sie ist aller tugend vol.
H. Sachs I (1590), 92a.


 
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fürbrengen, neben fürbringen, wie bei H. Sachs, Luther öfter brengen neben und für bringen sich findet. s. DWB bringen 2, 384. auch bei Alberus dict. k iija ich breng, porto, neben ich bring k iijb, und noch sagt man wetterauisch, oberhessisch, meisznisch u. s. w. brenge, brengen für bringen.
 
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fürbrengen, n., der inf. des vorigen verbums substantivisch. in folgender stelle in dem sinne von anklage, klage vor gericht, das was man vor gericht gegen den andern zur klage oder überhaupt

[Bd. 4, Sp. 670]


vorbringt: wann nun ein theil dem andern seines fürbrengens nicht geständig. verordnung des hadler. landger. thl. 1 tit. 6. s. fürbringen 7). thl. 1 tit. 2 steht so ausbrengen.
 
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fürbringen , ahd. furipringan, mhd. vürbringen. s. vorbringen.
1) hervorbringen, entstehen machen. mhd.

ër (gott) hât erscheinet (sehen lassen) sîn maht
unde hât ëʒ alleʒ fur brâht.
Karajan sprachdenkm. 26, 21, = geschaffen.


2) zur welt bringen. so schon ahd. furipringan. mhd.

ich (spricht die trächtige hündin) weiʒ niht, war ich kêren sol,
wër mich in sînem hûse dol (dulde),
unz ich vürbringe mîne vrucht.
Boner 12, 7.

nhd. furbracht, geboren, prognatus. Henisch 1292, 52.
3) zum keimen bringen, zum wachsthum bringen, anpflanzend ziehen. so ebenfalls ahd. furipringan. nhd. böum zweyen und fürbringen, arbores creare. Maaler 146d und danach Henisch 1292, 37.
4) sich hervorbewegen machen, aus dem innern hervorbringen, ans licht bringen. mhd. ëʒ ... furbringit die menstrua. Pfeiffer zwei arzneib. s. 18, 29;

ouch hæte si dâ vor genuoc
durch in gedanke vürbrâht.
si hæte vil durch in gedâht. Trist. 19073 (M. 478, 35).

nhd. s. z. b. oben sp. 650 die stelle aus Fischarts Jesuiterhütlein a 8b. bildlich:

es sind viel kluge seelen,
viel geister von vernunfft die ausz der tiefen hölen
der warheit disz herfür zu graben sind bedacht,
wordurch der grawen zeit soll werden fürgebracht,
was jener, der und die und allesampt beginnen.
Opitz 1, 7.


5) vornhin bringen in beziehung auf, angesichts bringen in beziehung auf, vorführen. vgl. DWB für I A 1) a). und hielt des andern tages gerichte und hies den man furbringen. apostelg. 25, 17; dergleichen leut, wann sie dir fürgebracht werden, erkauffe alsbald. Schuppius 716.
6) vorwärts bringen, zum ziele kommen machen: ... ich mein alter betracht habe, dargegen euwer vermügliche jugendt dabey gedacht, wo wir mit einander hinkommen, wir bald dienst haben werden, denn euch mein alter und mich euwer jugendt fürbringen wirdt. buch der liebe 230, 2.
7) darlegen, sei es in mündlichem vortrage oder schriftlich oder durch zeugen. schon ahd. (Graff a. a. o.) und mhd. (Ben. 1, 251a), so wie in der alten rechtssprache, s. Haltaus 549 f. Scherz 451. mit acc.: und solt fur sie kein klage noch gebet furbringen. Jer. 7, 16;

des reichs ständ baten sie zusamen,
sie hetten etwas für zu bringen.
Alberus Esop (1550) 95;

damit sie hören möchten, was k. ma. reden und fürbringen wolt. 321;

wil dan den glücklichen fortgang
ich deiner wercken hoch erklingen,
wil deine weiszheit, mein gesang
soll sie des glicks ursach fürbringen,
als welche, wegend aigentlich
all zeit und ort, belaittet dich.
Weckherlin 374 (od. 1, 7);

alszdan soll meine zung, zu deines namens preysz
mit wunderreicher lehr dein wort und recht fürbringen. 113;

ich weisz nicht was ich fürbringen soll. Stieler 243; lasset die partheyen selbst ihre notthurfft fürbringen. weigert euch auch nicht ihre beschwerden selbst zu hören und zu entscheiden. Schuppius 24; sich von furbrachter klagen zu erledigen. Frankf. reformation 1, 39 § 13. klagen fürbringen, deferre querelas ad aliquem. Kirsch (1723) 2, 124. mit acc. der sache und dat. der person: deswegen sie dem könig solches fürbrachten. Amadis 414;

in tausend ängsten und gefahren
hab ich bald deine hülff erfahren,
wann ich dir mein laid für gebracht.
Weckherlin 10 (ps. 4, 1),

und weil uns kein mensch mehr mit tröstlichem beschaid
kan oder darff des layds und ellends end fürbringen (= aus sprechen). in der ausg. Amsterdam 1641 s. 63.


bereits mhd. auch in dem sinne des vortragens einer mündlichen mittheilung, einer nachricht, einer erzählung:

hêrre, ir komt mich an
mit als unnützen mæren,
daʒ si als wæge (= eben so gut) wæren
verswigen, alse vürbrâht. Trist. 136, 35.

[Bd. 4, Sp. 671]


von musik:

meister, sprach er, ir harphet wol:
die noten sint rëhte vürbrâht. 90, 3.


8) anklagen, verklagen, beschuldigen. mit acc. der person: delator, calumniator, porditor (l. proditor), sathanas, diabolus, der einen fälschlich verklagt oder fürbringt. Alberus dict. c iijb. auch so viel als schmähen: sycophanta .i. (= i. e.) caluminator (l. calumniator), der ein unschüldigen fürbringt. xxija.
im besondern: gerichtlich anklagen, gerichtlich verklagen, bei der obrigkeit verklagen. »defero, ich bring für .i. verklag.« k iijb, wo wahrscheinlich »defero aliquem« gemeint ist. vergl. fürbrengen n.
9) Besonders zu erwähnen ist aus der bergmännischen sprache Österreichs eisen fürbringen, die wahre grenze eines grubenmaszes in der grube bezeichnen, bestimmen ob irgend ein punct derselben noch innerhalb des grubenmaszes liege. Scheuchenstuel 65.
Das part. praet. lautet heute fürgebracht, wie sich auch schon bei Henisch 512, 25 findet: haben vil anderst als ich gesagt fürgebracht. im 16. jh. aber erhielt sich, dem ahd. furiprâht, furebrâht (Williram 2, 3), mhd. vürbrâht (s. vorhin die stellen) gemäsz, ohne bildung mit ge fürbracht, das Henisch in der oben unter 2) angeführten stelle nur noch in dem sinne von »geboren« hat. eben die form ohne ge ist auch völlig gerecht der des part. praet. von dem einfachen bringen, denn noch im 16. jh. galt, namentlich bei Luther, nur bracht, kein gebracht. s. bringen 2, 384.

 

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