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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürbietung bis fürbitten (Bd. 4, Sp. 665 bis 668)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürbietung, f. die handlung des fürbietens. von fürbieten. fürbietung oder verkündung, kundtschafft zusagen, denuntiatio testimonii. Henisch 1291, 68.
 
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fürbild, n., s. vorbild. noch bei Nieremberger Ccc 4d.
bei Luther ursprünglicher, ohne abwerfung des auslautenden e, furbilde: wie ich dir ein furbilde der wonunge und alles seines geretes zeigen werde, so solt jrs machen. 2 Mos. 25, 9; sintemal auch Christus gelidden hat fur uns und uns ein furbilde gelassen, das (dasz) jr solt nachfolgen seinen fusstapffen. 1 Petr. 2, 21; niemand verachte deine jugent, sondern sey ein furbilde den gleubigen im wort, im wandel, in der liebe, im geist, im glauben, in der keuscheit. 1 Tim. 4, 12; wie himel und erden, wie zeitlichs und ewiges nicht zuvergleichen ist, also sind auch jene alten wunder nicht zuvergleichen diesen wundern, denn sie sind kaum ein fürbilde oder zeichen gegen diese rechte wunder. werke 5, 211b; ob sie wol nicht mehr denn das zeichen und fürbilde unsers osterfests gehabt. 211b. dann fürbild: ein fürbild oder form, darnach man ein anders macht oder malet. Alberus dictionar. L iija; für Christi geburt aber war der schöne güldene leuchter mit seinen sieben rören (vgl. 2 Mos. 25, 35. 37) und ampeln ein fürbild des heiligen predigampts. Mathesius Sarepta (1562) 62a; nach dem ubersten fürbilde und exemplar richten. Carlstadt von dem sabbat D ija; Jonas der prophet ist auch ein fürbild des menschen sons, wie Christus selber zeugt. Mathesius leichenpred. 18a, vgl. Luc. 11, 29. 30;

wie das Ewsebius beschreibt,
das uns zu einem fürbild bleibt.
H. Sachs IV. 1, 109a;

allen weibern zu eim fürbilt.
Ayrer kön. Edward 395a;

die unart des epheu stellet ein fürbild der undanckbarkeit dar, indehm er dem baum, welcher ihn auf den beinen erhalten, alle nahrung entzeucht. Butschky Patm. 707;

(die ihre häupter senkenden blumen sind) ein fürbild sichrer niedrigkeit.
Brockes 1 (1737), 249.

im sinne vorschwebendes bild, idea. Nieremberger a. a. o.
im pl. fürbilde: werdet furbilde der herde. 1 Petr. 5, 3; selbige sollten sich als fürbilde der heerde auch im wandel aufführen. corpus constitt. brandenb.-culmb. 1, 213. eben so wol fürbilder.
 
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fürbilden ,
1) transitiv.
a) als ein bild vor augen stellen: fürbilden, imaginem reddere, proponere alicujus, ante oculos animumque proponere aliquem. Dentzler 2, 117a, der also zugleich die nächste bedeutung mit verbindet. fürbilden, repraesentare, imaginem rei alicui praesentare. Nieremberger Ccc 4d. im umrisz bilden: fürbilden durch schatten, praeumbrare. ebenda. fürbilden, praeumbrare. Weismann 2, 135a. insbesondere: zum absehen bilden, zur nachbildung bilden.
b) voraus im bilde vor augen oder darstellen, zu einer vorbedeutung im bilde vor augen stellen. mit bloszem acc.: gott hat allweg sein gnade oder zorn durch ettliche zeichen und sonderlich die herschafften wunderlich damit fürgebildet, wie wir sehen Danielis VIII. Melanchthon d. bapst. deutet (Wittenb. 1523) 1; bisz dasz er (der sohn gottes) sichtigklich mit unserm fleisch bekleydet in seinem tempel und lande aufftret und alles erfüllet und auszrichtet, was zuvor im Mose, propheten, psalmen von jm geschrieben, geprediget unnd fürgebildet war. Mathesius leichpred. 2, 25a; wie die epistel zun Hebreern uns den rechten ewigen Aharonem in dem zeytlichen und fürgebildten Aharon deutlich zeiget. Sarepta (1562) 61a. mit acc. der sache und dat. der person: eben dise lehr bezeuget gott unter Mose, unnd bildet seines sones leyden jm für in dem auffgespaltenen felsz unnd der auffgehenckten ehren schlangen, welchs der son gottes bey Nicodemo selber auff sein leyden und sterben deutet. Mathesius leichpred. 1, 17b; in dieser fahrt (Jacobs nach Mesopotamien) bildet uns der sohn gottes erstlich seine person für, darnach sein ampt, oder was er auszgerichtet hat. 2, 25b; disz alles hatt der son gottes im güldenen gnadenkasten unnd bundeslade seinem volck fürbilden und erinnern wöllen. Sarepta (1562) 61b.
c) als beispiel darstellen, exemplo proponere. wie bei der vorigen bedeutung, an welche sich diese eng anschlieszt, mit bloszem acc. oder mit acc. der sache und dat. der person: darumb ist dieser meuchler ein zweiveltiger bösewicht, der solches alles im

[Bd. 4, Sp. 666]


hertzen wol weis, und gleichwol seine bluthunde uns fürbildet, als die fromen und friedsamen. Luther 5, 309a; und so er trost und besserung befindet, so danck er gott, der seine gte an seinen glaubigen so gewaltig hat erweiset und uns zu trostlichem exempel in der heyligen schrifft lassen furbilden. Rebhuhn klag d. arm. m. 4 (A ijb).
d) im bilde vergleichend darstellen, als bild darstellen, bildlich darstellen. mit bloszem acc.: wem wöllen wir das reich gottes vergleichen? und durch welch gleichnis wöllen wir es furbilden? Marc. 4, 30; dise leibskranckheit der wassersucht fürbildet die kranckheit der seelen. Reiszner Jer. 1, 24b; dieser grne unfruchtbare feigenbaum fürbildet auch das gantze menschliche geschlecht. 115a; Ptolomeus ist so vil als ein krieger und fürbildet den geistlichen krieg. 2, 49b; durch den Assur der satan fürgebildet wird. 1, 6a; wie auch der sohn gottes den babylonischen keyser in einem schönen baume fürbildet, darunter die thierlein im schatten sitzen. Schuppius 831; weil der auctor die weise eines argwitzigen wahlfürstens nach dem leben fürbildet und mit bekwehmen farben pinselt. Butschky Patm. 917; ist von den poeten nachgehendes (folgendes) fürgebildet. 928. mit acc. der sache und dat. der person: alle predigt und lere, die uns nicht fürbringen und fürbilden Jhesum Christum, die sind nicht das tegliche brot und narung unser seelen. Luther 1, 81a; der teufel kan einem hertzen den tod so gewaltig fürbilden. 5, 63a; hie kömpt er nun zum heubt der heyligen christenheit, unnd bildet denselbigen (nemlich Christum) auch zum exempel uns für. 65b; darumb sollen die prediger dem volck diese erste ursach wol fürbilden, das (dasz) sie zusehen und ja gleuben. 189b; und ist eine grosse schande, das (dasz) man uns allererst zur dancksagung mus reitzen, ... auch die wolthaten daher zelen, nennen und fürbilden. 462b; ich wil aber diesen artikel nicht hoch und scharff handeln, wie es zugangen sey, oder was da heisse zur helle faren, sondern bei dem einfeltigsten verstand bleiben, wie diese wort lauten, wie mans kindern und einfeltigen fürbilden mus. 6, 76b; hie fragt sichs: sol man denn nichts lernen, oder nachfolgen guten exempeln der weisen (subst.) und grossen leuten? warumb bildet man uns denn solche exempel für? 141b;

den hauszrath hab ich fürgebildt (= als ein bild dargestellt,
vor augen gestellt)
zu warnung dir und jungen leuten,
in trewen darmit zu bedeuten,
das man fürsichtig hauszhalten soll,
den unkost vor bedencken wol.
H. Sachs I (1590), 331b;

das wird auch hie in diszer stadt
in der figur uns fürgebild
dasz es bedeut dasz unkraut wild. Ganskönig H 5b;

die, so torecht in jhrem wohn
fürbilden eine sonn und mohn
in Rom und Madrit (in dem papst und dem könige von Spanien) diser erden.
Weckherlin 513 (od. 3, 7, 5).


e) vorstellen, geistig anschaulich machen, zur geistigen anschauung bringen, im geiste zur anschaulichen kenntnis bringen, im geiste vergegenwärtigen. wie bei den vorigen bedeutungen, zunächst mit bloszem acc.: das (dasz) man in der predigt wol treibe die wort des sacraments, und ein jglich christen sie ins hertz fasse, und sonderlich sie fürbilde und handele, wenn er das sacrament nimpt. Luther 2, 100b; so bleibt denn der glaube fein rein und lauter, weil er nichts fürbildet, kein trotz noch trost suchet, on den herren Christum allein. 6, 42a; der anschlag war nicht ohne fürgebildeten ausschlag. Hofmannswaldau heldenbriefe 49, = hatte den vorgestellten d. h. gehofften erfolg. eben so dann mit acc. der sache und dat. der person: ich kan bey mir selbst nit ermessen, ausz was ursach oder warumb e. ma. (eure majestät) mir diese reden fürhelt, wo nit solches, wie ich glaub, e. may. allein ausz der gnedigen wolgefallen und lust willen, mir fürzubilden gesinnt, der meynung vieleicht mich von meinem begern abzuschrecken. Amadis 50.
2) reflexiv sich einbilden, sich vorstellen: also gute hoffnung bildet sie jhr für. Amadis 25;

sie bilden jhnen selbs nichts für
denn eytelkeit und ungebühr.
Weckherlin 3 (ps. 2, 1);

bilde dir die welt für ohne schuldener, es wird dir nichts als hasz, neid, verwirrung, uneinigkeit fürkommen. Schuppius 702. mit einem satze als object: was hüllfs, das (dasz) du dir

[Bd. 4, Sp. 667]


fürbildest und gleubest, die sünde, der tod, die helle der andern seyn in Christo überwunden. Luther 1, 181a; der von Marais hielt jhn durch bescheydene wort davon ab, jhm fürbildent, man könne solche murmelthier nit besser abfertigen, dann man werff jnen den sack vor die thür und lasz sie stampffen. Fischart Gargantua 145a. oder gehört diese stelle unter 1) e)?
Übrigens sind die bedeutungen nicht selten schwer zu scheiden und spielen in einander über.
S. vorbilden.
 
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fürbilden, n. der inf. fürbilden substantivisch. fürbilden, das, adumbratio. Nieremberger Ccc 4d. vgl. fürbilden 1) a).
 
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fürbilder, m. einer der fürbildet. s. fürbilden und vorbilder.
 
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fürbildung, f. , von fürbilden (s. d.).
1) etwas das als gebilde vor augen gestellt wird oder ist, insbesondere zum ab- oder nachbilden gebildet wird oder ist, auch so viel als umrisz. also wirt Jerusalem in der figur und fürbildung die heilige stadt genannt. Reiszner Jer. 1, 6a. fürbildung, adumbratio. Nieremberger Ccc 4b.
2) etwas das als vorbedeutung erscheint.
3) etwas das als vorbild, als beispiel hin- oder dargestellt ist: darumb mus sie (die demüthigen) gott jm selb vorbehalten zu erkennen und ansehen, und sie für uns bergen mit furbildung und ubungen der geringen dingen, bey welchen wir vergessen uns selb anzusehen. Luther 1, 484b.
4) darstellung durch ein bild, bildliche darstellung: prefiguratio, furbildung. Eychman q ija. wie Xenophons cyropädie nicht für eine wahrhaftige history, sondern als eine fürbildung eines gerechten reiches zu halten. Butschky kanzl. 401. überhaupt: darstellung. eine augenscheinliche fürbildung der personen und händel. Henisch 1292, 2.
5) im geiste entstehendes oder erwecktes bild, eine vorstellung. fürbildung, imaginatio. Nieremberger a. a. o. und zum ersten ein underricht zu geben soll uns ein solch fürbildung seyn, dasz der mensch in jhm selbs nichts ist. Paracelsus op. 2, 66c; und das sind nun die nächtliche träume und fürbildungen im schlaffe. J. Böhme drei principien 126; man belustigt sich beym ausgang des winters, wenn man in einen garten gehet, mit der fürbildung der ausschlagenden, blühenden bäume, welche man nun bald erwartet. Scriver seelenschatz 2, 687. in dem sinne von vorspiegelung führt Haltaus 549 einen beleg an.
Wie bei fürbilden, so sind auch hier die bedeutungen nicht immer zu scheiden, sondern gehn in einander über.
S. vorbildung.
 
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fürbillen, mit mundartlich vorkommendem ll aus ld für fürbilden, wie bair. beller, feller für bälder, felder (Schmeller mundarten Bayerns s. 90), wetterauisch well, schëalle, für wild, schelten.

was bedeuten dein brillen?
sie sprach: ich thu fürbillen
ein sorg zu aller frist,
vil grösser wenn sie ist.
H. Sachs I (1590), 295b,

der eben so mundartlich finnen für finden setzt (s. finden und vgl. das part. praet. funden, funnen); disz, lieben freunde, hat Moseh seinem volck inn dem gülden stuel und den zweyen güldenen cherubin fürbillen wollen. Mathesius Sarepta (1562) 61b.
 
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fürbinden, s. vorbinden. noch in der zweiten hälfte des 18. jahrh.:

macht sich zum neuen dienste fertig!
bindt eine weisze schürze für.
Wieland 18, 238,

freilich hier im reim auf groszwessir. Nieremberger Ccc 4a führt fürbinden an, verweist aber auf vorbinden.
 
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fürbindig, s. fürbündig.
 
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fürbitte, f.
1) eine bitte zu gunsten oder zum vortheile jemandes oder andrer, selbst eines gegenstandes. vgl. DWB für I A 4) f). intercessio, fürbitt. Alberus dictionar. Tt 4a. intercedo, intervenio, ich th ein fürbitt, verbitt, vertret. ebenda. ambitus, ein ehr nit ehrlich erlangt .i. (i. e.) durch gschenck, gunst, fürbitt, schmeychlerey etc. cc ijb. aber weil Crotus für dich gebetten hat, so soltu seiner furbit geniessen. wider Jörg Witzeln M 6a; und hoffen auff jn, er werde uns auch hinfurt erlösen durch hülffe ewer furbit für uns. 2 Cor. 1, 11; so ermane ich nu, das man fur allen dingen zu erst thue bitte, gebet, furbit und dancksagung fur alle menschen u. s. w. 1 Tim. 2, 1; durch die hertzliche erkentnus und zuversicht auff das verdienst, blut unnd fürbit Jhesu Christi. Mathesius Luther (1566) 95a;

[Bd. 4, Sp. 668]


alles was wir in seines sons namen und auff sein verdienst und fürbitt ... bitten und begeren können. leichpred. 3, 60a; aller fürbitten ungeachtet, steckte ihn der general unter die soldaten. Voss br. 2, 377; noch einmal wiederhole ich meine fürbitte wegen Faust. Schiller an Göthe 1, 195. noch in kirchen: in unser gebet schlieszen wir eine fürbitte ein für einen kranken christlichen mitbruder, eine kranke christliche mitschwester, ein krankes kind. fürbitte thun. fürbitte für jemand einlegen. fürbitte bei einem einlegen. auf eines fürbitte etwas erlangen. einem auf jemandes fürbitte verzeihen.
2) abbitte. fürbitt einer miszhandlung, deprecatio. Henisch 1292, 19.
Auf mundartlichem vor statt für beruht die form vorbitte, die im hochd. gemieden werden sollte, aber dennoch unterläuft. s. unter fürbitter die stelle von Mathesius leichpred. 3, 8b. auch A. Gryphius schreibt vorbitte. dein Töffel hat ein ehrliches herz, wenn er mir gleich vorhin ein bischen hart begegnet ist, da ich ihm meine unschuld vorstellen und um seine vorbitte bey Christeln bitten wollte. Weisze kom. op. 3, 54. s. vorbitte und vgl. auch DWB fürwort.
 
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fürbitten, intransitiv: eine fürbitte für jemand oder andere aussprechen. furbitten, intercedere, intervenire. voc. incip. teuton. f 4a. fürbitten, deprecari, orare. Nieremberger Ccc 4d. fürbitten für einen. fürbitten für eines leben bei einem. fürbitten für einen, dasz er keine schläge bekomme. fürbitten, wenn man etwas zu erlangen sucht, petere alicui beneficium. alle bei Nieremberger ebenda. mit mundartlich an die stelle von für eingedrungenem vor vorbitten (s. d.): sie bitten sehr vor, sonderlich Floretto. Schoch studentenleben L 5.
ein, wie es scheint, wenig gebrauchtes wort.

 

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