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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürbeigehen bis fürbet (Bd. 4, Sp. 662 bis 664)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürbeigehen, heute vorbeigehen (s. d.). fürbeygehen, praeterire. Dentzler 2, 117a. s. vorhin die stelle von Schuppius.
 
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fürben , reinigen, fegen, putzen. ahd. furapjan (Diut. 1, 522b), furpan, furban, mhd. vürben, fürben, fürwen. ein eigentlich hochdeutsches wort, das noch in kärnt. fürbn (Lexer 105), schwäb. fürba (Schmid 209), schweiz. fürba, förba (Stalder 1, 405. Tobler 201a), in den 7 und 13 comuni vörben (Schmeller cimbr. wb. 122a), und in it. forbire, churwelsch furber, provenz. forbir, furbir, franz. fourbir, glätten, putzen, also auch in den romanischen sprachen fortlebt, aus welchen dann ein mittellat. furbire geschöpft wurde. allen germanischen sprachen auszer der hochdeutschen geht das wort ab, nur englisch findet sich furbish, glätten, glänzend machen, aufputzen, aufstutzen, das aber aus dem franz. entlehnt wurde. die wurzel des wortes ist dunkel und man gewinnt nirgends einen rechten anhaltspunct für sie. wol könnte man darauf fallen, dasz dieselbe, da hochd. f der lautverschiebung gemäsz dem lat. p entspricht, mit dem auf sanskr. pû, reinigen, zurückzuführenden lat. purus, rein, sauber, lauter, stimme, von welchem ja auch lat. purgare, reinigen, abgeleitet ist (vergl. DWB fegen), aber dem steht das lange u des lat. adjectivs entgegen. für ein ahd. wurzelverbum fërpan farp furpun forpan, etwa in der bedeutung rein sein, von dessen pl. praet. eben furpan, das, wie ja auch der umlaut in mhd. vürben deutlich zeigt, ursprünglich furpian, furpjan lautete, als factitiv abgeleitet wäre, findet sich weder eine form, noch auszer diesem furpan ein weiteres wort vor, das auf jenes verbum schlieszen liesze.
Man sagt
1) ein schwert fürben, eine lanze fürben, überhaupt waffen fürben, polire ensem, spiculum, arma, sie blank oder glänzend machen. ahd. furban, blank putzen, vom spiesze (glosse zu Virgil. 7, 626. 5, 306), vom schilde (glosse zu Virgil. 7, 626), sicher auch vom schwerte und andern waffen.

mhd. wol gevürbet sint ir këpelîsen (schlechte seitenwaffen für raufhändel?). Neidhart 55, 38.

nhd. und auch mundartlich scheint das wort in diesem gebrauche erloschen. doch vgl. schwertfurbe.
2) ein metall fürben, es durch schmelzen reinigen, von schlacke läutern. ahd. in dem zusammengesetzten irfurban: wanda dû besuohtôst unsih, cluotôsl unsih, alsô man silber tuot, dâr wurden wir irfurbet. N. ps. 65, 10. aber mhd. daʒ fiur hât ôch an im sëlber vier nâtûre: urit, purgat, calefacit, illuminat, daʒ fiur daʒ brennet unde furwet unde machet warm unde erliuhtet swaʒ vinster ist. Grieshabers pred. 1, 34. nhd. ohne beleg.
3) das gehörn fürben, vom hirsch, damhirsch, rehbock: den rauhen bast des neuen völlig ausgewachsenen (in der weidmannssprache verecketen) gehörnes an bäumen abreiben, dieses gehörn von jenem rauhen baste reinigen. solt auch lgen, wo der hirsch gefürbet hat sein gehürn an die bäumlin, unnd geschlagen. Sebiz feldbau 582. danach scheint entnommen: item, du solt sehen, wo der hirsch gefürbet hat sein gehörn an die bäumlein und geschlagen, denn er schläget dick, so er doch gefürbet hat, so ists dir ein gut zeichen und heist geschlagen. Becher, geh. jägercab. 1778 s. 871. von Jacob Grimm ist gehörn fürben mit »36« dieses buches, wol nach der ausgabe v. j. 1701, aufgezeichnet. in den übrigen wörterbüchern der weidmannssprache aus dem 18. jh. und später finde ich das wort

[Bd. 4, Sp. 663]


nicht mehr, sondern nur das gehörn schlagen, das gehörn fegen. s. das letzte unter fegen 3), so wie schlagen, und vgl. DWB himmelsspur.
4) das haupt fürben, die brust fürben, das blut fürben, den magen fürben, überhaupt den leib fürben, d. h. innerlich reinigen: mhd. sô nim gemalen phëfer unde geriben sëneph unde habe diu zwei in dëm munde: diu furbent dir daʒ houbet. Pfeiffers arzneib. s. 50, 2; wil dû machen ein electuarium dînem guotem friunde, daʒ wol furbet die brust, gip im dar nâh vil zîtigiu wînber, die furbent daʒ pluot von dër lungel. 45, 12; sô im dër mage gefurbet wërde mit dër spîe. fundgr. 1, 322, 31. nhd. des morgens, so der mensch von dem pett aufstet, so sol er den leib fürben von dreierlei bewegung des leibes, daz der mensch zu stul gee und thu seinen prunnen und sol sich reustern. Ortolf arzneibuch (Nürnb. 1477) 45a, bei Schmeller 1, 559 nach der ausgabe vom j. 1488 sich reusplen. s. fürbung.
5) den staub fürben, den mist fürben, den unrath fürben u. s. w. mhd.

ich gedenche wol daʒ du ëʒ bist
dër dën stoup und dën mist
furbte von dës bildes wât
daʒ vor mîner chapëlle stât. jüdel 132, 75.

gib im erzenîe, di di swarzen coleram ûʒ im furbe. Pfeiffers arzneib. s. 324, 28. wenn man ëʒ inwendig nimt, sô fürbt ëʒ dën leib von dër fäuhten, die man flegma haiʒt. Megenberg 355, 3. die leipleichen gaist (lebensgeister) fürwen, s. 183, 8. dës krautes wurzel gesoten und getrunken mit wein ..., daʒ reinigt dën menschen von seiner fäuchten und fürbt die stinkenden überflüʒʒichait auʒ im. 415, 27. aber als object steht auch die benennung dessen, von oder aus dem der staub, der unrath, überhaupt die unreinigkeit entfernt wird. mhd. ër sol ouch elliu sprâchhiuser fürben dâ manʒ bedarf. Augsburger stadtrecht s. 47, = alle abtritte fegen. nhd. wän sü (Maria) offt den tempel fürwet und den estrich, und das gemülle hinusz trug. aus einer legende bei Schmid schwäb. wb. 394. noch heute im Bregenzerwald s zimmer fürbe, das zimmer auskehren. Schmeller cimbr. wb. 122a. schwäb. fürben, schweiz. fürba, förba, mit dem besen reinigen, auskehren, kehren. Schmid 209. Weitzmann auserlesene ged. 165a. Stalder 1, 405. Tobler 201a. so auch wenn fürben intransitiv steht, z. b. in den appenzellischen redensarten vor sinner thör förba, wie man hochd. sagt vor seiner thür kehren, in betreff eigner fehler rein machen, seine eignen fehler ablegen; mit dem besa förba, meister sein. Tobler a. a. o. eben so sprichwörtlich

neu bese förbid wohl
die alta wössid dwinkel (wissen die winkel) wohl,

neues gesinde läszt sich anfangs gewöhnlich gut an im vergleiche zu dem alten. ebenda.
6) die tenne fürben. ahd. dës winda (wurfschaufel) ist an sînero hant unde furbit ër sîn tenne unde samenôt ër dën chërnen (spelz) in sînen spîchare, die hëlewa (spreu) abir die brennit ër in unirloscinimo fiure. N. ps. 49, 3, aus Matth. 3, 12. die frucht fürben, frumenta purgare, die ausgedroschene frucht von staub und unrath sauber machen. so schon ahd. (s. Graff 3, 680) und noch heute in den 7 u. 13 comuni vürben koarn, das korn d. h. das getreide putzen, aber daselbst auch vürben de verzen, den wirszing (krauskohl) reinigen (belesen). Schmeller cimbr. wb. 122. den acker fürben, vom unkraute reinigen. so in der genesis 24, 31:

dorn unt brâmen (brombeersträuche)îlt ër ûʒ prëchen.
dën accher ër furbte,daʒ dëste baʒ dârane wurte
ein iegelîch chorndâ ê stuont hiuffolter (hagebuttenstrauch) unte dorn.

nhd. findet sich von tenne wie acker kein beleg.
7) den altar fürben, ihn zum opfer zurichten. so ahd., s. Graff a. a. o.
8) einen menschen fürben, ihn äuszerlich oder innerlich reinigen: wëlheu fraw ëʒ trinket ..., die fürbt ëʒ. Megenberg 383, 24. vergleiche oben 4). bildlich: ihn von der sünde reinigen. eine bedeutung, die an die unter 7) rührt. schon ahd. furpan, entsündigen, expiare. mhd. daʒ ist ein michel gnâde unde ein michel zuoversiht daʒ ër alzan (immer) gar (bereit) ist zenphâhen unsir sunti unde uns ze vürben ob si uns geriwent. spec. eccl. 21; swër sich denne besprancte mit dëm waʒʒer, in dëm diu esche dâ lach, dër wart denne gefürwet unde geliutert von aller dër unrainekait diu an im was. Grieshabers pred. 2, 119.

[Bd. 4, Sp. 664]



9) sich fürben, sich von etwas reinigen, insbesondere von einem schieszenden sterne so viel als sich schneuzen, sich putzen. mhd.

dehein stërne ist sô lieht,
ërn fürbe sich ëtswenne (zuweilen). Willeh. 322, 19.

s. deutsche mythol. 685. Ben. 3, 446b.
 
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fürber, m. einer der reinigt oder putzt. eigentlich wie bildlich. mhd. nû sult ir prüeven, daʒ dër êrste stërne, Saturnus, ist ein fürber. ... alsô wirt an dëm himel dër sêle Saturnus dër engelischen reinekeit. Eckhart 212, 36. nhd. mangeln belege, aber das wort kann vorkommen.
 
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fürbereiten, s. vorbereiten.
 
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fürbereiten, n., s. vorbereiten n. ein furgang des furbereitens. Eychman q 1b.
 
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fürbereitung, f., s. vorbereitung. predestinatio, furbereitung. Eychman q 1b. vgl. DWB fürwesung und DWB fürbereiten n.
 
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fürberufen, s. vorberufen. der hertzog hatt sich dermassen wider die jungfraw erzürnet, dasz er willens, sie von stund an in das fewer werffen zulassen, und von deswegen liesz er sie fürberuffen unnd sagt zu jhr, dasz nun hinfort sie an jhr seel seligkeit gedächte. Amadis 187.
 
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fürbescheid, m.
1) ein bescheid, vor dem gericht oder einer richterlichen behörde zu erscheinen, eine vorladung: desthalben sich dan zu beederseith (nemlich einerseits der propst des klosters Bernried und andererseits fischer von den dörfern am Wurmsee, wegen der fischerei auf diesem) auf unsern furbescheidt vor unsern hofmarschallen Alban von Closen zu Haidenburg erbmarschallen in Niderbayern und andern unsern rhäten ... in unser räntstuben allhie erschinen. urk. v. j. 1520 in den monum. boic. 8, 352.
2) ein andern bescheiden vorausgehender bescheid.
s. vorbescheid.
 
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fürbestellen, s. vorbestellen.
 
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fürbestellung, f., s. vorbestellung. provisio, furbestellung, fursichtigkeyt. Eychman q 8a, der also das wort in dem sinne von vorkehrung, fürsorge nimmt.
 
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fürbet, f. das abkehricht, das auskehricht. schweiz. fürbeta, förbeta. Tobler 201a. ahd. furbida, purgamentum (Diut. 1, 267a. Graff 3, 680). von fürben, wie feget f. von fegen.

 

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