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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fupsen bis furätze (Bd. 4, Sp. 617 bis 656)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fupsen, livländ., nur in der obscenen bedeutung futuere. Gutzeit 1, 301b. holsteinisch fipsen (Schütze 1, 318) für füpsen, wie pommerisch fippke, täschchen, für füppke (s. füppchen).
abgeleitet von fuppe (s. d.), das hier auf das weibliche glied angewandt sein wird, von welchem tasche wirklich vorkommt:

und als das fewr in dem ofen pran
die maid zu schlafen began
und senckt sich nider in die aschen,
die lies pleen die untern taschen. spiegel mit dem pech 22, Gieszner hs. 24a,

besser in der Münchner hs. nr. 713 bl. 54, nach einer früheren brieflichen mittheilung Schmellers (vgl. auch fastnachtsp. 1176):

sanck für den ofen in die aschen
und liesz plecken ire rawe taschen;
das er solt komen in irn gaden
und mit ir spiln in der taschen.
Rosenblut fahrender schüler 13, Gieszner hs. 19a, = fastnachtsp. 1172.


 
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füpsen, s. DWB fupsen.
 
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fur, m.: Aristippus sagt (zu Diogenes): werstu (wärest du) nit so eygensinnig und ein fur und redtest, was Dionisio gefiel, so dörfftestu nit kraut essen. Frank sprichw. 1, 29b. was ist dieses fur? sollte es in anwendung von schweiz. fuer f., menschenkoth, koth von thieren (Stalder 1, 403), so viel als schmutziger, unflätiger kerl, gemeiner kerl sein, oder einer der gleich dem miste stinkt, ein kaatmann (d. i. kothmann), wie Frisius (1556) 1240b das »miles stercoreus« in des Plautus mil. glor. 2, 1, 12 übersetzte?
 
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für , partikel, die ursprünglich praeposition ist und dann auch adverb wurde, dem aber noch praepositionelle kraft innewohnt. sie erwuchs mit vor, dessen v als nachklang der im mhd. herschenden schreibung geblieben ist und füglich wieder dem früheren f weichen sollte (vgl. 1 vorr. LXII. 3, 1210. 1888 for), auf derselben grundlage, und als diese ist fur, goth. mit der vor r eintretenden brechung faúr, anzunehmen, welches der lautverschiebung und seinem grundbegriffe gemäsz mit gr. πάρος, vorn, vor, sanskr. puras (für paras), ante, zend. para, vor, stimmt (vgl. Curtius griech. etymol. nr. 347) und diesen gegenüber in seinem u manigfaltigkeit des ablautes zeigt, wie sie sich im part. praet. bei goth. baíran, gataíran, ahd. përan, zëran, scëran, suëran bietet. diese grundlage oder grundform nun, dieses fur, entfaltete sich einerseits zu goth. faúra, ahd. fora, vora, mhd. vor, alts. fora, for, mnd. nnd. vor, mnl. nnl. voor, ags. fore, for, mittelengl. engl. for, altfries. fara, altn. dän. for, unserm genannten vor, andererseits, indem goth. faúr blieb, zu ahd. furi, vuri, mit überschlagen des i in a auch fura, mhd. vür, für, alts. furi, nnd. vör, altfries. fori, ostfries. westfries. för, altn. fyri, fyr, schwed. för, unserm nhd. für. hier muste neben ahd. furi das goth. faúr auffallen, das man nicht als die vorhin angegebene grundform betrachten zu können glaubte, und Jacob Grimm fragt gramm. 3, 256 auch »warum nicht faúri?« aber goth. geht nicht eine einzige praep. auf die bildungssilbe -i aus,

[Bd. 4, Sp. 618]


während dem ahd. furi noch die praep. umpi, unser nhd. um (s. d.), zur seite steht. zwar will er gramm. 4, 786 das -i in furi als ein comparativisches ansehen, als wenn diese praep. aus einer von dem nur als untrennbare partikel gebliebenen for erwachsenen comparativform furir (s. DWB fürst), d. i. goth. faúris, abgestumpft sei, wie das altn. fyri neben dem gleichbedeutigen fyrir erscheinen kann, aber wb. 3, 47 wird wieder und wol mit recht, entschieden verneint, dasz in furi, goth. faúr, ein comparativelement liege. es dürfte auch hiernach nicht gefehlt sein, in dem -i von furi nur eine bildungssilbe zu erkennen.
was aber drücken beide neben einander erwachsene formen ihrem ursprunge nach aus und wie unterscheiden sie sich in dieser hinsicht? in goth. faúra, ahd. fora, als praep., liegt die bezeichnung der ruhe, sie steht also auf die frage wo? und regiert demgemäsz den dat.; doch bricht ahd. zweimal auch der acc. durch. s. I A 1) a) und 4) r) α). in goth. faúr, ahd. furi, dagegen liegt die bezeichnung der bewegung, sie steht sonach auf die frage wohin? und regiert den acc. die rection der beiden casus, die sich bei den praepositionen an, auf, bei, hinter, in, über, unter in éinem worte vereinigt, scheidet sich also hier nach den beiden formen. aber namentlich mit dem beginne des nhd. tritt verwirrung dieser formen ein und es wird vor eben so wol mit dem acc. gefügt, wie für mit dem dativ. später suchen dann, wie unten in einem rückblicke besonders dargelegt werden wird, die grammatiker feste regeln aufzustellen, worauf auch der heutige gebrauch von für und vor beruht. doch drangen diese regeln, die für wieder auf die fügung mit dem acc. beschränkten, bei vor aber die mit dem dat. und mit dem acc. festsetzten, erst allmählich durch. alts. fora, for regiert den dat. und den acc., ebenso furi beide casus. in gleicher weise steht nd. vor, aber vör hat blosz den dat. bei sich. ags. fore, for wird, wie jenes alts. fora, for mit dem dat. und mit dem acc. gesetzt, dagegen regiert altfries. fara den dat., fori den acc., altn. fyri, fyr wieder den dat. und den acc., auch schw. för, wiewol in dieser sprache sich dat. und acc. als gleichlautend nicht unterscheiden lassen. dän. för ist nur noch adverb.
Nach der nebeneinanderstellung der beiden formen gemeinschaftlichen ursprunges, die wir nhd. in vor und für haben, ist nun blosz dieses letzte zu betrachten, zunächst, wie bereits das vorausgehende zeigt, als praeposition und dann als adverb.
I. für die praeposition. in ihr liegt ursprünglich, wie oben angegeben wurde, die fügung mit dem acc. und die sinnliche bedeutung »vornhin in beziehung auf, angesichts der vorderseite in beziehung auf«, wovon dann die ferneren abgeleiteten bedeutungen, die unten angegeben werden. aber, wie oben bemerkt, tritt mit dem nhd. auch fügung mit dem dat. ein und das wort, das, indem es den acc. regiert, bewegung ausdrückt, nimmt zugleich die bezeichnung der ruhe an. natürlich ist, dasz die fügung mit dem acc. vorangestellt wird. das wort drückt also aus
A. bewegung und erfordert den accusativ. hier geht es
1) auf den raum und bedeutet
a) vornhin in beziehung auf, angesichts der vorderseite in beziehung auf. ahd. ni sentet iuwara merigroʒʒa furi suîn. T. 39, 7 (Matth. 7, 6); fiel in sîn annuzi furi sînê fuoʒî. 111, 2 (Luc. 17, 16); taʒ liebera (das liebere junge) chêret (nemlich der affe) io fure sih, daʒ ander folgêt imo. N. Boeth. 138 (136 bei Graff);

zît ward thô gireisôt,thaʒ êr giangi furi got:
opphorôn ër scolta.
O. I. 4, 11.

mhd. sî gâhte über jëneʒ vëlt
unde erbeiʒt vür diu gezëlt. Iw. 3108;

ûffen teppech kniete si für in. Parz. 193, 1;

dër wirt was alsô bedâht
daʒ ër wider für in stuont. 560, 25, = vor ihn sich stellte;

leget, mîne vriunde,die schilde für dën fuoʒ. Nib. 1796, 1;

si hieʒen herbërgenfür dën grüenen walt
gên des wildes abeloufedie stolzen jägere balt. 871, 1,

sô sul wir ane vân
dienen schœnen wîbenfür dën palas wît. 554, 7;

ër wîste in schône vür daʒ tor. Mai 211, 10;

dës was dô niht langer rât,
dër wirt muose für daʒ tor. Biterolf 11845;

wir suln im kumen für daʒ tor,
dâ er unser beitet vor. Walberan 971;

dô si kâmen für daʒ tor,
dô sâhen si halten dervor
Walberân und sîne schar. 991;

dô si für die stat kâmen. 945.

nhd. und (Jacob) legt die stebe, die er geschelet hatte, in die trenckrinnen, fur die herde, die da komen musten zu

[Bd. 4, Sp. 619]


trincken. 1 Mos. 30, 38; ewre perlen solt jr nicht fur die sew werffen. Matth. 7, 6; es ist nicht fein, das man den kindern jr brot neme und werff es fur die hunde. 15, 26; für die thür. Alberus dictionar. pp iija; fürn keiser berufen. b 4b; derhalben treib jn die not dahin, dasz er für den hauptmann begert in hoffnung, er solt jm etwas fürsetzen. Wickram rollwagenb. (Kurz) s. 29, 22;

ja herr, da tratt er wider und für
all tag wol dreymal für die thür.
H. Sachs II (1591). 2, 18b;

sammer potz ader!
will ich je für den pfleger nit. 4, 9d, vgl. unten B 1);

und führet sie hinnein für gott. 4, 63c, vgl. unten B 1);

eh jhr bottschaft erreichet Rom
Hanibal für Saguntha kom. 2, 88b;

das (dasz) du (spricht die frau zu ihrem manne) tag und nacht ligst beim wein,
du sichst der hauszins geht herein,
sag, wo wöll wir doch nemen den?
»dein schauben musz fürt lucken (vor die lücke) stehn«
(sprach er) und hönet sie darmit. 1 (1590), 329b,

sprichwörtlich, wie vor den risz stehn, in dem sinne: bei der schuld aushelfen dasz sie getilgt werde oder doch sich nicht vergröszere. s. DWB lücke.

nach dem sie offt mit schmertzen lieff
für die hauszthür, in jammer tieff
jr kind zu sehen. IV. 3, 100d;

für Salomon zw kumen sind.
Schwartzenberg 108, 2;

wann ich ein politicus were, wolt ich das leben aller königen in Juda und Israel für mich nehmen und dasselbe betrachten. Schuppius 10; eben zu der zeit kamen zwo huren für den könig und traten für ihn. 23; entlich aber ... wurd bewilliget, das (dasz) d. Luther eygner person sich zu Wormbs für keyser Carolum und das gantze römische reich einstellen solte. Mathesius Luther (1566) 23a; nach vielfeltigen rathschlegen hat keyser Carl doctor Luthern citiert für seine maie. (majestät) gen Worms. 23b. nach und nach aber erlischt für in dieser bedeutung, von dem in dieselbe eingedrungenen vor verdrängt. nur selten taucht es noch aus der volkssprache auf, in welcher sich für in der hier angegebenen räumlichen bezeichnung erhalten hat. so z. b. in der bairischen mundart, in welcher für den könig kommen oder gehen, für die stadt hinaus gehen, für die thür stellen, für die hunde werfen gehört wird. s. Schmeller 1, 553. andere mundarten, wie die wetterauische, kennen gar kein vor mehr, sondern allein für und setzen dies auch in allen den fällen, in denen im nhd. jenes steht. aus dieser mundart scheint es in folgenden stellen geschöpft, in deren erster es freilich wie ein nachklang aus früherer zeit erscheint: es ist nur zur nachfrage, wenn mir einmal der einfall käm, dasz ich gleich für die rechte schmiede ginge. Göthe 42, 48, dagegen 8, 39 an derselben stelle, nach dem bereits damals geltenden schriftdeutschen, vor; für welchen richterstuhl eigentlich das geheimnisz gehöre, das wollen wir unter uns ausmachen. 23, 20; wir halten zusammen und gehen unsern eignen weg, stoszen so allen schlimmen, mittelmäszigen und guten fürn kopf. derselbe an Merk, in den briefen an Merk 1, 94. es ist dies für den kopf stoszen, wofür auch für den kopf schlagen gesagt wird, übrigens eine besondere redensart, über welche s. DWB kopf II. A. 3) f), wo belege von Luther und Mathesius beigebracht sind, dann eine stelle von Fischart für das seltnere für den kopf schlagen. »für den kopff schlagen, à Germanis dicitur translate, pro rejicere, condemnare, fraudare, inhumanitatem prae se ferre etc.« Alberus dict. pp iija. jetzt setzt man in der schriftsprache auch hier durchweg vor, eben so in der redensart etwas für die hand nehmen (Lokmans fab. 34), anfangen sich mit demselben zu beschäftigen. s. DWB hand und vgl. DWB fürhanden. dasselbe findet statt in der von der sinnlichen bedeutung ausgehenden und dann mehr bildlich wie »darthun, klar darlegen« gebrauchten redensart für die augen stellen. Henisch 1291, 15; einem fürs angesicht führen, für die augen stellen, in aspectum adducere. 1290, 66. ich hätte grossen lusten, solches der welt für augen zustellen. Schuppius 2. desgleichen in der redensart für die augen bringen, die in dem abgeleiteten sinne von »gerade heraus sagen, offen sagen« vorkommt (s. Henisch 1291, 8), so wie in der ebenfalls bildlich stehenden etwas für jemand bringen, es ihm zu wissen thun, es ihm kund thun. und der knabe (Joseph) war bei den kindern Bilha und Silpa seines vaters weibern, und bracht fur jren vater, wo ein böse geschrey wider si war. 1 Mos. 37, 2. einem für augen kommen, sub aspectum cadere. Henisch 1290, 68. aber wie für

[Bd. 4, Sp. 620]


die augen im eigentlichen sinne wird auch überall fürs angesicht gesagt. Stieler 583. in einem falle ist dies schon vorhin bei Henisch ersichtlich gewesen. Jetzt steht, wie bereits bemerkt wurde, schriftdeutsch überall vor, welches in dem heutigen sinne mit acc. schon in ahd. fora dih, ante te (Kero 7), aufzutauchen scneint.
verstärkt allfür, ganz vorne in beziehung auf, recht in die augen fallend an der vorderseite in beziehung auf:

darnach er jn sein gaden ging,
den andern niern (die andere hode) er do hing
alfür sein pette do an die want.
Rosenblut, Gieszener hs. 18b.


b) vorwärts in beziehung auf, vorwärts fort in beziehung auf. in dem sinne steht das wort, wenn der von ihm abhängige acc. der eines persönlichen pronomens ist und es, nemlich für, den ton hat. mhd.

nëmt war wie gar unfuoge für sich dringe. Walth. 24, 8;

dô ër sî vür sich gên sach. Iw. 1701;

dô ër sî vür sich rîten sach. 3604;

und hieʒ in vil balde
dar durch (nemlich den wald) rîten vür sich
nâch dër hant dën rëhten strich. krone 15978;

du solt für dich lërnen gân.
Boner 65, 19;

si begundn ein ander wenden
nëben, für unt hinder sich. Parz. 542, 15;

vür sich sô las si Tristan,
hër wider sô las si Tantris. Trist. (Maszm.) 255, 6

mitteld. und alsô vur sich strîten
mit tugenden zallen zîten. dër sünden widerstrît, Gieszener hs. 3438 (s. 366).


fürsich, antrorsum. vocab. von 1419 bei Schmeller 1, 555. nhd.

ich ging im walde
so für mich hin,
und nichts zu suchen
das war mein sinn.
Göthe 1, 27.

eben so ich ging im felde
so für mich hin. 3, 54,

wo aber auf der folgenden seite als anhang

ich ging im walde
so vor mich hin u. s. w.

kurtze und gute auslegung des heiligen vater unser, für sich und hinder sich. Luther 1, 358b, = vorwärts und rückwärts, vgl. vorhin die stelle aus Tristan;

es schawt Ruggiero erst, für sich, gar steiff und starre.
Werder Ariost 11, 7, 1.

für sich sehen auch: vor die füsze sehen, sehen und aufachten dasz man nicht fällt, aber dann auch bildlich so viel als sich vorsehen, vorsichtig sein. solche kunst können vast alle juden, die da bekennen, dasz sie allzeit den zehenden mann aufopfern müssen, derohalben sehe ein jeder für sich. Tabernaemontanus 863. er (der hirtenhund) trabt fürsich und sicht sich nicht umb. Schuppius 832; so er ohne forcht ist, so hat er sein gang für sich. Forer fischb. 126b;

sonder (der) geh jmmer fürsich hin
den nechsten weg und bleib darinn.
H. Sachs I (1590), 324a.

die sache geht für sich, geht vorwärts, nimmt oder hat guten fortgang, geht nach wunsch, gelingt. diese letzte anwendung von für sich kommt schon im 15. jahrh. vor:

wenn ich (spricht die frau zu dem buhlerischen knechte) dich erman das du nicht prechst
und das du es auch nicht wider sprechst,
so geet für sich dein begirlichs werben.
Rosenblut, Gieszener hs. 14a.

vil schöner ros er (auf dem rossmarkt) feilset und darumb kaufet, doch kein kauf im für sich ginge. Steinhöwel decam. (Keller) 78, 35; im sein sin nicht für sich ginge. 166, 23. procedit, es gehet fürsich. Alberus dict. X ija. noch wetterauisch s gît fírschich, es geht vorwärts, auch bildlich so viel als die sache gewinnt fortgang, hat fortgang.
für sich aber, wie es eigentlich gebraucht und dann angewandt wird, erstarrt selbst zu einem worte, was bereits das aneinanderrücken vorhin in dem vocabular von 1419, dann bei H. Sachs und Schuppius zeigt, eben so fürschich u. s. w. in den mundarten. s. Schmeller 1, 555 und fürsich. wie nun, zumal mundartlich, das blosze sich auch steht, wo wir den acc. des pronomens der ersten oder zweiten person erwarten sollten (s. sich), so haben gleicher weise statt für mich, für dich, für uns, für euch häufig die mundarten, seltener die schriftsprache ein starr gewordenes für sich, zusammengerückt fürsich. wie geläufig ist doch in jenen ich fiel fürsich, geh fürsich, guckt

[Bd. 4, Sp. 621]


fürsich! vgl. gramm. 4, 319. so gedacht die mus: louffest du hindersich, so vahet dich der hund, gast du fürsich so nympt dich der är. buch der beispiele 132, 38—133, 1. vgl. hinter sich unter der praep. hinter. Ein anderes für sich mit dem ton auf sich, also für sích, s. unten unter 4) i).
c) vorwärts weiter als, vorwärts über. mhd.

in wîste für die stecken
dër wirt sëlbe mit dër hant
ûf einen stîc dën ër da vant. Erec 8880;

dô die helde für si jagten. Parz. 125, 18.

nhd. wie mancher ist fürs zil geloffen
da es der gänger basz hett troffen.
Fischart ehzuchtb. 52.


was aber vorwärts über einen gegenstand sich bewegt, das kommt dahin, dasz dieser hinten ist, und so geht die hier angegebene bezeichnung des wortes im grunde genommen aus der unter a) hervor. zugleich musz das, was in jener weise seine bewegung vollbringt, an dem durch den acc. ausgedrückten gegenstande hin oder, was dasselbe sagt, vorbei und so entwickelt sich aus der bezeichnung hier »vorwärts über« die folgende
d) an etwas hin in beziehung auf, vorbei in beziehung auf, vorbei. doch bleibt hierbei nicht immer zweifellos, ob diese bedeutung oder jene vorhergehende gemeint sei. mhd.

junchêrre, sâht ir für iuch varn
zwên ritter die sich niht bewarn
kunnen an ritterlîcher zunft? Parz. 122, 15;

diu ros nach stichen truogendiu rîchen küneges kint
beide für ein andersam si wæte ein wint. Nib. 184, 2;

und lât sulch rede für ôren gân. Laurin (Müllenhoff) 302;

ich bin dîner wîse ein tôre,
mîn sanc gât dir für dîn ôre,
dîner hëlfe ich nie bevant. MS. 1, 60a (H. 154b),

= mein gesang geht dir am ohre vorbei, du beachtest ihn nicht. vgl. DWB ohr und Ben. 2, 1, 442a. nhd.

dar umb losz red für oren gon.
Brant narrensch. 41;

niemantz hatt es alles gethan,
lassend red für oren gan
und habtt vergutt
und achten nit was der niemantz thutt.
Val. Holls hs. 124a;

kan er nit durch die finger sähen und red lassen für oren gon, sonder wils alles mit bachen behouwen und mit wurtzlen und gar uszryssen, dem helff gott. Frank sprichw. 1, 133b; reden msz man lassen red sin unnd für oren gan. 2, 57a;

wer bawet an weg und strassen
musz vil nachredt für oren lassen.
Joh. Siebmachers new wappenb., Nürnb. 1605;

will ich still schwygend für sie gon
und sie lon jnn jr narrheit bliben.
Brant narrensch. 98, 6,

louff, doch nit für din husz. Franck sprichw. 1, 60b. s. Zarncke zu Brants narrensch. s. 377a. am sonntag nach Othmari, was der 8. wintermonats, gieng ein redlicher frommer landmann von Uri, Wilhelm Tell genant, ... zu Altorf etlichmal für den uffgehenkten hut und tett im kein reverentz an. Tschudi chronik 1, 238a.
2) auf die zeit, in den bedeutungen
a) anfangend auf, seitdem in beziehung auf. mhd.

daʒ ër danne vür die zît
sül wëder rîten noch gëbn. Iw. 2810, = von der zeit an;

wand sî lëbten vür dën tac
ân angest unde ân nôt,
dô dër rise gelac tôt. 5080, = von dem tag oder der zeit an;

und dar nâch für die sëlben frist
hât ër ze sîner genist
dehein gedinge mêre. arm. Heinr. 239.

vür daʒ = von da an dasz, von da an als, seit:

after dës ër (Jacob) iemmer hanch,fur daʒ ër mit dëme engele geranch. genesis 48, 16;

unde dâ sult ir iuch alle samt wol behüeten, ir frouwen, für daʒ ir swanger worden sît. Berthold (Pf.) 31, 32; diu dritte spîse hât die kraft, für daʒ ir ir niwan éin mâl enpfindet unde sie iu niwan éin mâl wirt, für baʒ iemer mêr sô habet ir freude âne trûren. 223, 36. vgl. fundgruben 1, 370a und Ben. 3, 377b. nhd. fehlen belege und für in dieser stellung scheint erloschen.
b) weiter als, mehr als: für das mal hin bin ich nit mer über den Urner see gefaren. Th. Platter 44, = über diesmal hinaus nicht mehr, später niemals wieder.
3) auf den raum so wie auf die zeit in den formelhaft aussehenden ausdrücken, in welchen das wort die bedeutung »nach der folge vorne an, folgend auf« hat und das ihm unmittelbar vorausgehende

[Bd. 4, Sp. 622]


subst. noch einmal als abhängiger acc., aber, wo dieser nicht wie der nom. lautet, in der form dieses hier gleichsam verhärtet erscheinenden casus wiederholt wird. solche ausdrücke sind
a) in räumlicher bezeichnung fusz für fusz, blick für blick, mann für mann, schritt für schritt, zug für zug, stufe für stufe, punct für punct, stück für stück u. s. w.:

aber die königin an dem ort
fusz für fusz gieng da in kürtzweyl
etwas fast auff ein viertheilmeyl.
H. Sachs IV, 2, 79b;

gieng fusz für fusz wie ein samrosz. 3, 97c.

im reim findet sich hier auch der acc. im pl., was nicht zu billigen ist:

in dem die zart tratt zu mir her
mit leysen tritten fusz für füsz. I (1590), 380b;

der edlen schönheit gaben
fliehn fusz für fusz.
Opitz 2, 200;

spiegle bilder blick für blick.
Göthe 4, 70;

du alter schnurrbart, haar für haar reisz ich dir ihn aus. H. L. Wagner reue nach der that 125;

der vater und des vaters brüder
beschlossen endlich, mann für mann,
dasz, weil er nicht gehorchen wollte,
Johann der trommel folgen sollte.
Gellert lehrged. (1754) s. 107;

kennst du nicht mann für mann,
du bist verloren.
Göthe 3, 163;

wie leicht und gern ich mich hieher gewöhne,
denn ich verstehe mann für mann. 41, 117;

er wies dem alten, schritt für schritt,
hier bald das matte, dort das leere.
Gellert lehrged. (1754) s. 89;

er geht beherzt, denn schritt für schritt ist leicht,
so dasz er fröhlich zweck und ziel erreicht.
Göthe 3, 140;

als die vegetation mir schritt für schritt ihr verfahren vorbildete, konnte ich nicht irren. 50, 50. sie (die processionen) zogen mit angesang und antwort, fahnen flatterten, standarten schwankten, eine grosze und gröszere kerze erhob sich zug für zug. 43, 264; zug für zug. Klinger 10, 12;

tretet heran,
stufe für stufe,
reihet euch ernst.
Göthe 41, 210;

und (es würde) kein horn die neubegier
der geschminkten bleichen docken
haus für haus ans fenster locken.
Göckingk 3, 65;

dann geh und frage
von haus zu haus,
in Hamburg, Danzig,
kurz, stadt für stadt. 2, 78;

wir denken: ort für ort
sind wir im innern.
Göthe 3, 112;

dasz die repräsentanten selbst sich punkt für punkt an ort und stelle aufzuklären und ohne vorurtheil in die natur der sache zu sehen sich bemühen sollten. 31, 37; die ... reinlich näht wie keine, stich für stich wie perlen, wie gestickt. 23, 43; das gift tropfen für tropfen einschlürfen. Klinger 3, 284; er besah alles stück für stück. Wieland 12, 179, vgl s. 271;

nun glaubt ihr wohl, bey der gelegenheit
würd ich die schlitten, stück für stück, beschreiben?
Göckingk 2, 200;

mögt ihr stück für stück bewitzeln,
doch das ganze zieht euch an.
Göthe 41, 24;

rechnung für rechnung ist berichtigt,
die wuchersklauen sind beschwichtigt. 64;

zu dem ende soll meine ganze Ilias, gesang für gesang, in dem journale von und für Deutschland ... als ein aushang erscheinen. Bürger 183b; ich wills ihnen wort für wort vorlesen. H. L. Wagner kindermörderin 80. Evchen Humbrecht 96; blatt für blatt. seite für seite. zeile für zeile. s. DWB fusz, DWB gesang, DWB haus, mann, ort, punct, rechnung, schritt, seite, stadt, stück, stufe, tropfe, wort, zeile, zug.
b) zur bezeichnung einer zeit tag für tag, nacht für nacht, stunde für stunde, jahr für jahr u. s. w.: tag für tag. A. Gryphius 1, 709;

du weiszt, dasz tag für tag dein alter vater keift,
und dennoch sorgst du nicht, ob sich dein vieh verläuft.
Rost schäferged. 111;

je mehr er (der künstler) sich zum fleisze zwingt,
um desto mehr es ihm gelingt.
drum übe dich nun tag für tag,
und du wirst sehn, was das vermag!
Göthe 13, 156;

wenn ich mich tag für tag damit beschäftgen sollte. 160,

ein mädchenherz erforscht ein weiser mann,
mit kaltem blut, kaum, kaum in ganzen jahren,
wenn ers auch tag für tag belauschen kann.
Göckingk 2, 171;

[Bd. 4, Sp. 623]


mein ausgebliebener geleitsmann hatte auf den neuen wagen der von Straszburg kommen sollte, tag für tag, stunde für stunde, wie wir auf ihn geharrt. Göthe 48, 193;

denn wie euch sonst das meer umgürtet,
umgürtet ihr die kühnen wogen:
so nacht für nacht, so tag für tag. 13, 274;

bei mir, der nacht für nacht im traum
ihm vorgekommen war.
Göckingk 2, 144;

wir trinken nektar jahr für jahr.
J. N. Götz, oden Anakr. 73 = ged. 2, 69;

daneben wohnt die fromme pilgerschaar,
sie wechseln gehend, kommend, jahr für jahr.
Göthe 3, 139.

s. DWB jahr, DWB nacht, DWB stunde, tag
Ungewöhnlich ist, wenn gleich dem subst. ein adverb mittelst für sich wiederholt. dies in fort für fort, immerfort. s. DWB fort 3) b).

den stein, den kann man nicht gar wol erheben,
er ruhet fest und unbeweglich dort:
so liegt und bleibt dergleichen fort für fort.
J. Chr. v. Schönborn bei A. Gryphius 2, 502;

du bittrer hertzenschaum, du trüber wehmuthsjäscht!
ergeusz dich fort für fort aus meiner augenhöle,
bisz mir mein lebenslicht dein kalter strom auslöscht.
Lohenstein thränen 125.


Dasz übrigens die ausdrücke formelhaft erscheinen, zeigt das vorsetzen einer andern praep., was nicht statt fände, wenn die verbindung nicht wie ein wort betrachtet würde:

von schritt für schritt wuszt ich mirs zu erörtern.
Göthe 41, 259.


Wie aber für in dem sinne von »vornhin in beziehung auf, vorwärts fort in beziehung auf« durch vor verdrängt worden, so ist auch hier trotz der formelhaften bildung, in der sonst das ursprüngliche wort haftet, mitunter vor eingetreten und zwar kommt dieses bei Göthe in den nemlichen ausdrücken vor, in denen er an andern stellen für hat, ja, was noch auffälliger wird, selbst neben ausdrücken mit für: denn wo tag für tag das bedeutendste vor unsern augen vorgeht wenn wir mit so viel tausenden leiden und fürchten und nur furchtsam hoffen, dann hat die gegenwart ihren entschiedenen werth, und, schritt vor schritt vorgetragen, erneut sie das vergangene, indem sie auf die zukunft hindeutet. Göthe 30, 189; nun aber wiederholte sich das alles, gräulicher und grimmiger, bei dem gebildetsten nachbarvolke, wie vor unsern augen, tag für tag, schritt vor schritt. 275;

so folgt mir streng die sorge, schritt vor schritt,
und deutet mir bedenklich in die weite. 9, 328;

recht langsam, schritt vor schritt, mit viel behutsamkeit,
kroch eine wohl beladne schnecke.
Lichtwer fab. 4, 22;

aber der frau, stück vor stück könnt ich ihr die seel aus dem leibe reissen sehn. H. L. Wagner reue nach der that 116. tag vor tag führt Adelung 2, 361 aus Gottsched an, aber es findet sich auch anderwärts:

traurig, o Luise,
wenn ich einst im lichten paradiese
dich vermiszte, wenn ich tag vor tag
Spiegel fragte: wo dann bleibt Luise,
die, als kind, mit uns so lieblich sprach?
Kl. Schmidt neue poet. br. 67.


Endlich trift man auch nach (s. d.) an in dieser stellung von für, ohne dasz der sinn sich ändert:

körn nach körnchen las der könig
selbst ihn (den weizen) aus Ximenens krause.
Herder Cid 1, 16.


4) auf verschiedene andere verhältnisse, und hat dann die abgeleiteten bedeutungen
a) die stelle einnehmend in beziehung auf, und zwar
α) an der stelle in beziehung auf, an der stelle was betrift, da wo man haben oder erwarten sollte. für steht also hier eben so, wie das den gen. bei sich führende anstatt (s. d.) oder statt (s. d.). ahd. dër fure got dëmo tiefele dienôt unde imo undertân ist. N. ps. 31, 9; sie (die Aegypter) funden aber pluot fure waʒʒir, sanguinem pro aquis. 77, 44. dagegen findet sich in ältester zeit, bei Kero 1 u. 10, fora mit dem dat. mhd.

wan vil waʒʒer in ir lant truoc
für dën grieʒ edel gesteine. Parz. 519, 15;

nu traget für die rôsendiu wâfen an dër hant.
für schappel wol gesteinetdie liehten hëlme guot. Nib. 1791, 2 u. 3.

nhd. und hatt alles das jm wurt sin not,
darff nit an rüffen glück für got.
Brant narrensch. 26, 92.

so wachse mir disteln für weitzen und dornen für gersten. Hiob 31, 40; und wird stanck fur gut geruch sein, und ein

[Bd. 4, Sp. 624]


lose band fur ein gürtel, und eine glatze fur ein kraus har, und fur einen weiten mantel ein enger sack, solchs alles an stat deiner schöne. Jes. 3, 24;

die kindheit der gedancken
die obst für gold erkiest.
Opitz 2, 118;

seh ich gleichwohl allemal
für den stern den donnerstrahl.
Günther 14;

bin ich etwan gar verschieden?
oder giebt ein traumgesicht
mir nur schatten für das licht? ebenda;

man betriegt sich nur allzuleicht in den ursachen: entweder fasset man sie nicht alle, oder man schätzet sie nicht, was sie wehrt sind, oder man nimmt eine für die andere. Bodmer vorr. zu Breitingers crit. dichtkunst 4a; siehst du, Töffel, wenn du nun gleich so gescheut gewesen wärst, so hättest du zweye (es sind mäulchen gemeint) für eins gekriegt: aber nu — nur eins! C. F. Weisze kom. opern 3, 47; geht jetzt und hohlt einen fiaker. »zehn für einen!« H. L. Wagner Evchen Humbrecht 144; auf komplimente weisz ich nichts zu antworten, als dasz ich für den, der sie mir macht, roth werde. Klinger 1, 140; ein schriftsteller soll vor seinen lesern denken, nicht für sie. Fichte über die franz. revolution xvi; nicht lange, so überfiel sie eine art von lähmung der zunge, so dasz sie ein wort fürs andere sprach. Göthe 19, 259. den grammaticalischen schnitzer: zwey helden, für zween helden. Lichtwer fab. (1775) s. vii. 1 für 7 setzen. ein x für ein u machen, X statt V schreiben, mit doppelter kreide schreiben. einen ducaten für einen louisdor nehmen. Adelung.
β) stellvertretend in beziehung auf, stellvertretend was betrift. für jn, an sein statt, pro illo. Maaler 146b. mhd.

dën Rîn havitin si vure diz meri. Annol. 393;

Etzel für Dietrîche sprach. klage 736;

ich wil ê für in stërben. arm. Heinr. 564.

da sey einer komen zu ym und habe sich erboten för jn zu predigen. Luther 6, 100a; du (spricht gott zu Moses) solt zu jhm (Moses bruder Aaron ist gemeint) reden und die wort in seinen mund legen, und ich wil mit deinem und seinem munde sein und euch leren was jr thun solt, und er sol fur dich zum volck reden, er sol dein mund sein und du solt sein got sein. 2 Mos. 4, 16; sintemal wir halten, das (dasz) so einer fur alle (bei Ulfilas áins faúr allans) gestorben ist, so sind sie alle gestorben, und er ist darumb fur sie alle (bei Ulfilas faúr allans) gestorben, auf das die, so da leben, hin fort nicht jnen selbs leben, sondern dem, der fur sie gestorben (bei Ulfilas þamma faúr sik gasviltandin) und aufferstanden ist. 2 Cor. 5, 14. 15; was ich jetzt lebe im fleisch, das lebe ich in dem glauben des sons gottes, der mich geliebet hat und sich selbs fur mich dargegeben. Gal. 2, 20, bei Ulfilas þis ... atgibandins sik silban faúr mik; Christus pro nobis dependit, hat für uns bezalt. Alberus dict. L 4b;

wiszt, euern (der beiden abwesenden freunde) mangel zu ersetzen,
will ich für beyde mich ergetzen:
berausch (so steht da) trink ich des einen wein,
des andern mägdchen schenkt mir ein.
Christlob Mylius verm. schriften (Berlin 1754) s. 590.

klag für einen jungen helden. Weckherlin 468 (od. 2, 15) als überschrift. es ist ein klagelied eines jungen kriegers an seine geliebte, das der dichter in dessen auftrage dichtete.

im lande, wo der Nil
das feld für regen netzt.
Tscherning ged. frühl. 26;

da tritt kein anderer für ihn ein,
auf sich selber steht er da ganz allein.
Schiller 330a.


einmal für allemal: das soll nun nicht seyn, schwager! einmal für allemal musz es nicht nach eurem kopfe gehen! C. F. Weisze kom. opern 3, 114. von der kanzel ein paar eínmal für allemal aufbieten, einmal statt der üblichen dreimal. kürzer nur einmal mal gesetzt ein für allemal: Sie sollen mir nicht lehren geben: ich leide es ein für allemal nicht. C. F. Weisze kom. opern 2, 25; ein für allemal! du muszt, du magst wollen oder nicht! lustsp. 3, 256. auch einmal für alle. s. einmal A 3).
gut sprechen für jemand, bürge sein oder werden für jemand, bürgen für jemand oder etwas, sich für jemand oder etwas verbürgen, haften für jemand oder etwas, stehn für jemand oder etwas. s. DWB gut, DWB bürge, DWB bürgen, verbürgen, haften, stehen: ich wil bürge für jn sein, von meinen handen soltu jn foddern. 1 Mos. 43, 9; ich, dein knecht, bin bürge worden fur den knaben gegen meinem vater. 44, 32; ich habe keinen bürgen für mich, als Ihren onkel. C. F. Weisze 3, 271;

[Bd. 4, Sp. 625]


mich henker, ruft er, erwürget!
da bin ich, für den er gebürget!
Schiller 63a;

zwölf ritter sollen bürgen für dein wort. 467a (j. v. Orl. 3, 2);

sie ist unschuldig — ich verbürge mich,
ich selbst für sie mit meiner fürstenehre! 479b (4, 11);

bürg du für dich und deinen eignen leib! 636a (Tell 3, 3);

ich will gerne für meine frau mit stehen (es ist von der bezahlung einer zeche die rede). C. F. Weisze kom. opern 3, 114.
b) als, wie. eine bedeutung, die aus der vorhergehenden sich entwickelt, da stellvertretung und gleiche geltung an einander reichen.
α) als jemand oder etwas oder solche der oder das oder die man bezeichnet als, als jemand oder etwas oder solche der oder das oder die man der eigenschaft nach nennen kann oder nennt. hier steht das wort, auf welches sich für mit dem acc. bezieht, im nominativ. ahd. furi cast, pro hospite. Kero 61. mhd.

si kômen alle dar für kint,
di nu dâ grôʒe liute sint. Parz. 471, 1.

nhd. ir wollet doch nich zu strite gehen,
sonder wollet nur für kikers (= zuschauer) stehen.
Hildebrand volksl. 104;

ein schmied verliesz sein weib, war aussen manches jahr,
indessen ward der knecht und dieses weib ein paar:
als wieder kam der schmied, da theilten sie die stelle,
für meister arbeit der und jener für geselle.
Logau 2, 218, 41;

er hat zweyen vornehmen fürsten für einen kammerdiener auffgewartet und einem andern vornehmen fürsten hiebevor auch als ein laquey gedienet. Schuppius 61; ich diene aber der stadt Hamburg nicht für einen generalsuperintendenten, sondern für einen pastorn der kirchen zu s. Jacob. 589; er könnte alle augenblicke für einen städter passieren, wenn er einen vornehmen rock anhätte. C. F. Weisze kom. opern 2, 13; wenn er für einen vollen mann gelten soll. Claudius 4, 200, = einen ganzen mann. eben so wol aber könnte für einen vollen mann auch »für einen betrunkenen mann« gesagt werden: er trank überaus viel wein, doch konnte er nicht für einen vollen mann angesehen werden.

wir stehen hier statt einer landsgemeine
und können gelten für ein ganzes volk.
Schiller 528b (Tell 2, 2).

noch heute hört man in Sachsen sie dient für jungemagd, als jungemagd. mit nichts, etwas u. dgl. nach für: dann das leben des fleischs für nichts wirdt geschatzt — also wirt das fleischlich und vergenglich leben unsers leibs fur nichts geschatzt und der todt des leibes fur keinen todt gerechnet. Carlstadt sermon vom stand der christglaubigen seelen a iiijb. er wird hier für nichts geachtet, und ich sollte meinen, er könnte doch, wenn er nur wollte, für etwas gelten.

er, dem für seinen lohn
gehört des himmels cron.
nichts jrrdischem nachstrebet,
und sich selbs uberlebet.
Weckherlin 388.


Durch einflusz des niederdeutschen oder durch verwechselung mit vor findet sich auch dieses, wo für stehn sollte:

wenn sie (die lippe) soll vor eine zierrath gehn
so musz sie derb und rund und wie ein purpur stehn.
Picander ernstscherzh. ged. 388.


β) als. in dieser bedeutung steht für mit dem acc., wenn es sich auf einen acc. bezieht. mhd.

sie enpfie dën wirt vür einen gast. Iw. 8040

swër houbetsünde unt schande tuot
mit sîner wiʒʒende umbe guot,
sol man dën für einen wîsen nennen.
Walther 22, 20;

für wunder sol manʒ immer sagendaʒ sô vil helde wart erslagen
von eines wîbes zorne. klage 159.

nhd. weil sie ... jren heuchelstand und wercke für das vollkomenste leben gerhmet. Luther 4, 400b; einen lewen oder rautenkrantz ... auff die müntze für das geprege schlagen. 418b; er sol den son der feindseligen fur den ersten son erkennen, das er jm zweifeltig gebe, alles das furhanden ist. 5 Mos. 21, 17, vgl. v. 15. 16; Sebul aber sprach zu jm: du sihest die schatten der berge fur leute an. richt. 9, 36; er (Luther) erkenne gegenwertige bücher für die seinigen. Mathesius Luther (1566) 25; für frlon bezalen, pro vectura solvere. Maaler 152a (vergl. DWB fuhrlohn, wo vor der redensart die worte »Auffällig erscheint« zu streichen sind); so bitt ich dich, du wöllest mir die (es ist eine gefangene jungfrau gemeint) für ein schencke (= als ein geschenk) schicken, dieweil ich sie erledigen

[Bd. 4, Sp. 626]


wil. buch d. liebe 228, 1; man liset von ainem der alten väter, der als oft er zu seim siechbett ging, es für hailigtum küsset. Fischart podagram. trostb. (Scheible) s. 687;

sahen kein gute ordnung gern,
und wolten gar nicht für ein herrn
den jungen löwen krönen lassen.
Alberus Esop 67b (1550 s. 89);

wer nur am meisten gsaufen kan
den preist man für ein helden.
Uhland volksl. 611;

die jugendt musz je etwas han,
für kurtzweil dem sie hange an.
H. Sachs III (1588) 3, 37d;

so erschlüg man dich kurtzer stund
für einen doll wütenden hund.
J. Ayrer Machumet 156b;

nichts ....
will ich dir für dein erbthail geben.
Weckherlin 5 (ps. 2, 8);

sich für einen bürger aufführen, pro cive gerere se. Nieremberger Ccc 4c; warum schilt man mich demnach für einen pasquillanten? Liscov 457; da stehe der pfaff, und schelte Ihre fürstliche gnaden für einen ehebrecher und blutschänder, ihren herrn bruder für einen hahnrey! Schuppius 243; ich will ihn nicht für mein ehelich kind annehmen und erkennen. 246; Ajax erscheint nicht, wie er unter den heerden wüthet, und rinder und böcke für menschen fesselt und mordet. Lessing 6, 301; wiszt Ihr was, kommt gegen abend wieder, und zieht Euch für den zauberer an. C. F. Weisze kom. opern 2, 167, = dasz Ihr als der zauberer erscheint, als wenn Ihr der zauberer wäret; es sollte nur einmal eine mit einer solchen haube, wie sie itzt tragen, auf die welt kommen, wer weisz, für was für thiere man sie ansähe! 132; Fysignatus, der den zahnarzt für einen wohlhabenden und dabey sehr hitzigen und eigensinnigen mann kannte. Wieland 20, 15;

so dreh ich dir (ein gefangner vogel ist angeredet) den hals, mein sohn,
und esse dich für einen braten. 18, 375 (326);

es giebt übel gesinnte leute, welche sie (die nachrichten) für eine satire ausrufen würden. 14, 261 (248); dasz er (Araspes) zu den füszen eines weibes schmachtet und die pein, die sie ihm verursacht, noch für glückseligkeit nimmt. 16, 305 (284); für ein verbrechen auslegen. Kant 8, 7; dasz sie (Gretchen) mich für ein kind zu den acten erklärt, nahm ich ganz entsetzlich übel. Göthe 25, 8; lady. aber für was musz ich diesen vorbericht nehmen? Ferdinand. für den einwurf der ehre, wenn Sie lust haben sollten, meine hand zu erzwingen! Schiller 190a (kab. u. liebe 2, 3); sie erkennt es (das tuch) für dasselbe, welches sie dem Eduard vor neun jahren geschenkt. 679a; sich für ein frauenzimmer ankleiden. seit unsrer verlobung sehe ich mich für die deinige an. ich nehme es für scherz auf. scherz für ernst nehmen. er musz sichs für die gröste ehre schätzen, mit dir bekannt zu sein.

ich sah es für was schweres an,
es war auch wirklich schwer.
Gottsched ged. 1, 527,

meine hochgeehrte herren wollen mir vergeben und es nicht für einen vorwitz auszdeuten, dasz ich diese erinnerung thue. Schuppius 331. auch auslassung des vorausgehenden acc. es findet statt, so dasz kein acc. vorhanden ist, sondern dieser durch einen ganzen satz vertreten scheint, auf welchen sich für mit seinem acc. bezieht:

so wil ich für die warheit jehen
das ich kain frawen han nye gesehen. Gieszener hs. nr. 1264 9b.


hierbei läszt sich mhd. mit ëʒ vergleichen:

wan ich sagt ëʒ vür die wârheit:
wand ëʒ was mir vür wâr geseit. Iw. 2979.


γ) in gleicher geltung wie, ganz so wie, in der eigenschaft wie. eine bedeutung, die mit der vorigen enge zusammenhängt und sich nur zu oft kaum strenge scheiden läszt.

ich hôrte ie sagen von kindenvür ein waʒʒermære
daʒ ze Gîvers in dëm bërgeein wîteʒ künicrîche erbowen wære. Gudrun 1128, 3.

vgl. gramm. 4, 826. 835 f. nhd. liegt mir in dieser weise kein beispiel vor. aber für mit einem bloszen adj. ist heute noch geläufig. für eigen geben, haben, leben u. s. w., als leibeigen: mhd.

eime sult ir iuwern lîp
gëben für eigen.
Walther 86, 20;

owê sold ich si dicke
sëhen, dër ich mich für eigen gihe! 112, 20;

[Bd. 4, Sp. 627]



ob ich vrîheit ie gewan,
ir sult mich doch für eigen hân. Parz. 523, 28;

dër ich wil für eigen lëben. MS. 1, 36b.

auch nhd. wird noch dieses für eigen gewis sich finden, obgleich ich keinen beleg beizubringen vermag. häufig aber ist noch heute für gut. mhd. vür guot, zusammengerückt mit abschwächung des vür verguot, s. Ben. 1, 589a so wie gut und vergut. für gut nehmen, als gut nehmen, als gut aufnehmen:

minne sol daʒ nëmen für guot.
Walther 58, 12.

mit dieser bedeutung stimmt, wenn eine heute noch beliebte entschuldigungsformel lautet: nichts für ungut, ich bitte, nicht etwas als ungut aufzunehmen. auszerdem hat aber für guot auch die abgeleitete bedeutung: mit etwas zufrieden sein.

daʒ rieten sie under in
daʒ si eʒ næmen wol für guot. Biterolf (Müllenhoffs heldenb.) 12383;

daʒ ërʒ næme für guot.
Stricker 12, 520,

= dasz er damit zufrieden sei. dies auch nhd. in mehrers wil ich hievon nicht schreiben, sondern euch bitten, hiemit für gutt zu nehmen. Butschky kanzl. 154. für gut finden:

sie wehrt sich ganz bequem, bequem wie eine braut,
und findet bald für gut, sich weiter nicht zu wehren.
Gellert fabeln (1748) 121;

der aber fand hierauf für gut
sich weiter umzusehn.
Lichtwer fab. 2, 10;

was er für gut befand, das lobte sie zur stunde. 24.

s. DWB gut. sehr häufig ist auch für übel nehmen: ir nemmen mir gar für übel und machent ein grosze katz, das (dasz) ich mit den sünderen yssz und gemeynschafft mitt jnen hab. es bisset uch. ir solten mir aber das nitt für übel uffnemmen. Keisersberg postill 3, 49b; nu! nu! Sie werden mirs nicht für übel nehmen, gnädiger herr, aber das geschieht in aller welt nicht, dasz ich Dorchen mit fort lasse. C. F. Weisze kom. opern 3, 275. sehr oft auch ohne für: nimm mirs nicht übel. s. DWB übel. für lieb nehmen, für lieb annehmen: so nim doch das jenige für lib an, was u. s. w. Butschky kanzl. 263; dasz ... die zuhörer, wenn sie zum beispiel die Antigone des Sofokles erwarteten, die Erigone des Fysignatus für lieb und gut nehmen muszten. Wieland 19, 244. s. lieb und fürlieb. für wahr:

si sprach, ich hân für wâr erkant
durch waʒ du zu mir bist gesant. Parz. 645, 21;

ir sült gelouben mir für wâr
daʒ ich dës leiches dœne sanc
gar niu. frauend. 422, 16.

nhd. etwas für wahr nehmen, als wahr annehmen.

haben sie von deinen fehlen
immer viel erzählt,
und für wahr sie zu erzählen
vielfach sich gequält.
Göthe 5, 72.

für todt, in der meinung dasz das wesen todt sei: mhd.

dô sluoc ime dër rise einen slac,
daʒ ër dâ gar gestraht lac
vor ûf dëm rosse vür tôt. Iw. 5049;

wand im hëte dër leu benomen
sô gar die kraft unttën sin
daʒ ër vür tôt lac vor in. 6784.

mit der casusendung

sage mîner frouwen Isôten,
man handel mich ver tôten
und si verwundet starke.
Heinr. Tristan 6332,

= man behandle mich wie einen todten, sehe mich an als wenn ich ein todter, als wenn ich todt wäre. eben so nhd. wie ein abte einem genant Ferondo ein pulver ze essen gab, von dem er entschlieffe und für toten begraben wart. Steinhöwel decam. (Keller) 216, 12. dagegen wie einer für ein andern geklaget, peweinet und für tode pegraben ward. 28; wie ein lebendiger und nit toter für tode begraben warde. 29. für todt liegen. aufzeichnung Jacob Grimms; sie wollen sich einer gewissen grube ... dazu bedienen, in die sich Scapin für todt hinlegen soll. Lessing 4, 430, = als wenn er todt wäre;

mit stockendem pulse
für todt zu liegen.
Göthe 11, 132;

er legte sich listig
grade für todt in den weg. 40, 9

(gink he liggen vor dôt Reineke 176);

Reinecke lag für todt auf der heide. 115;

(die bauern) streckten für todt ihn (den wolf) zur erde darnieder. 52;

[Bd. 4, Sp. 628]



nicht wahr, ich bin gestürzt?vergibst du mirs?
für todt hob man mich auf? 9, 260;

der harfner ... war mit nach dem orte geeilt, einen wundarzt aufzusuchen, und seinem für todt zurückgelassenen wohlthäter nach möglichkeit beizuspringen. 19, 41; Mignon fuhr auf einmal mit der linken hand nach dem herzen und indem sie den rechten arm heftig ausstreckte, fiel sie mit einem schrei zu Nataliens füszen für todt nieder. 20, 204. für voll nehmen, als wenn der gegenstand vollständig wäre, ihn als völlig annehmen, ihn durch zustimmung annehmen dasz an ihm nichts fehle. schon mhd.

ëʒ næme der jude Smoyêl
dën gewin wol vür vol,
dër offenlîche gesuochet wol.
Helbling nr. 8, 983.

s. voll und Ben. 3, 362a. noch jetzt ein geldstück für voll nehmen, eins, das zu höherm werthe, als dem gesetzlich bestimmten, umläuft, zu diesem höhern annehmen, oder ein im werthe herabgesetztes zu dem frühern annehmen. preuszisches silbergeld für voll annehmen, in den deutschen ländern, in welchen nach kreuzern und gulden gerechnet wird, das fünfsilbergroschenstück zu 18, den drittelsthaler zu 36 kreuzern und den thaler zu einem gulden und 48 kreuzern annehmen, da doch gesetzlich diese münzen dort nur 17 kreuzer, 35 kreuzer und einen gulden und 45 kreuzer gelten. den halben kronthaler für voll nehmen, ihn zu einem gulden und 21 kreuzern nehmen, während er doch seit 1837 auf einen gulden und 20 kreuzer herabgesetzt ist. Verbindungen mit andern adjectiven: mhd.

mîn alte nôt die klagte ich für niuwe. MF. 133, 15.

nhd. so sante sie etwas guts zu essen oder zu trinken dar und liesz jnen sagen, das (dasz) sie frölich und guter ding sein solten und wenig für vil rechnen. Fischart klag des ehstands (Scheible) s. 633, = mit wenigem fürlieb nehmen; es ist kein mensch in der welt, den man für glückseliger preysen könne, ehe dann er begraben ist. Schuppius 132;

ich glaube für gewisz.
Opitz;

wie freu ich mich, dasz es bey thieren
auch grosze geister giebt, die alles demonstrieren!
mir hats der fuchs für ganz gewisz erzählt.
Gellert fab. u. erz. (1748) 1, 22.

es ist eine verordnung des Lykurg, die ich für löblich fand. deutscher Merkur, bei Campe 2, 200a; ich preise mit besserm rechte für glücklich den, der klug genieszet. Ramler ebenda. für gewöhnlich trinke ich wasser. aber in solchen ausdrücken kann auch für wegbleiben, also blosz die ich löblich fand, ich preise glücklich den, gewöhnlich trinke ich wasser gesagt werden. mit einem als adj. stehenden part., namentlich einem part. praet.: mhd.

daʒ sag ich iu für ungelogen. Parz. 5, 18;

si sagetens in für unbetrogn. 64, 1.

nhd. man möcht mir ainen nennen
für gar pider und verswigen,
das er nie posheit wer gezigen. Gieszener hs. nr. 1264 6a;

meine landschaft will ich durch wasser ziehen und für geendigt abgeben. Göthe an frau v. Stein 1, 69; ich nehme es für geschehen, den guten willen für die that. ich nehme es für empfangen, das wozu man eingeladen ist, eine ehrenerweisung, als empfangen. für erwünscht, früher für gewünscht, vgl. Menantes 1, 26. Hierbei zeigt sich aber auch verwechselung mit vor, die mehr schriftstellern Nord- und Mitteldeutschlands eigen zu sein scheint. schon mitteld.

und nimmer nëmen niht vor gût
swaʒ man sprichet oder dût. dër sünden widerstrît, Gieszener hs. 1112 (s. 305);

nû vernuft und wîsheit
uns habent daʒ vor wâr geseit
daʒ sunde, sunde, zwîvel, wân
uns mit stride wil bestân. 1186 (s. 307).

ëʒ nam dër furste wol vor gut. Ludwigs kreuzf. 6001.

nhd. comœdiæ grossen nutzen habn,
darinn sich uben junge knabn
in lernen, reden und auszsprechn:
vor unnütz kans drumb niemands rechn.
Gilhusius 11.


δ) Besondere beachtung verdienen haben für, halten für mit acc., welche verbindungen die bedeutung haben: nach vorstellung und denken angesehen als. zuerst die ältere ausdrucksweise haben für, welche sich anbahnt in ahd. furi niuwiht habên, parvi pendere (gl. jun. 181), für nichts achten, gering schätzen. eben so ahd mit eigan = habên: taʒ wir diu driu eigên fure ein, ut hacc tria unum esse judicemus. N. Boethius 143 (bei

[Bd. 4, Sp. 629]


Graff s. 130, 141). aber mhd. sind Ben. 1, 597a zahlreiche belege von hân vür, haben vür, in dem heutigen sinne von halten für verzeichnet. nhd. wie wol er (G. Witzel) unterstanden hat sein weib fur ein hur zu haben. Alberus wider Witzeln F 3a; dasz das reich ... nicht ihr körperlich eygenthumb ist, dasz sie für naturrecht haben. Böhme Aurora (1634) s. 122 = (1853) 110. mit einem bloszen adj. nach für: mhd.

dës hân ich in für eigen. Nib. 764, 3;

die jâhen daʒ nie vrouwebesæʒe küneges lant
beʒʒer unde milter:daʒ hëten si für wâr. 1330, 3;

wan enem kan nicht geschaden swër für guot hât swaʒ ër tuot.
Walther 107, 9.

nhd. wend ir mirs nit für übel han
ich heisz si all herinner gân.
Funckelin reicher mann, deutsche dichter des 16. jh. 2, 173, 7;

thet man mirs nit für ubel haben,
so nem ich hie ein frischen trunck.
H. Sachs III (1588). 3, 4d;

ich bitte den könig mit seinen knaben,
er wolte mir nichts für übel haben.
A. Gryphius Peter Squentz s. 26.

s. DWB haben B I 6), wo noch zahlreiche belege gegeben sind und zwar bis auf die gegenwart, in der freilich halten für, durch welches haben für nach und nach zurückgedrängt wurde, bei weitem vorherscht. dieses halten für tauchte mit dem ausgange des mhd. auf und einer der frühesten belege ist

und hielt es für ein mer (eine märe = erdichtung),
samme sy (die frau) unsinnig wer (wäre). ein ritter mit den nüssen, Gieszener hs. 17a,

was aber in der fassung mit dem text in GA. 2, 280, 121 u. 122 nicht stimmt. wir aber hielten jn fur den, der geplagt und von gott geschlagen und gemartert were. Jes. 53, 4; darumb, sihe, wil ich samlen alle deine bulen ... sampt allen, die du fur freunde heltest, zu deinen feinden. Ez. 16, 37; denn sie (das volk ist gemeint) hielten jn (Johannes den täufer) für einen propheten. Matth. 14, 5, vgl. 21, 46 von Jesus; wer weis, wer es sieht, und mich für einen milzsüchtigen hält? Gellert lustsp. (1748) 289; Sie werden es meiner narrheit zu gute halten, wenn ich sage, dasz ich Sie auch nicht für den klügsten mann halte. 282; bei allem dem wurde der oberpriester Stilbon durchgehens für einen wohlgesinnten und friedliebenden mann gehalten. Wieland 20, 206; ein kümmerlich armer teufel, den man an seinem verschabten, graulichbraunen rocke und an seinen übelconditionirten unterkleidern für einen magister, wie sie auf akademien zu vermodern pflegen, hätte halten sollen, stieg aus dem wagen. Göthe 18, 174; ihr gang selbst zeigte so wenig grazie, dasz man vielmehr versucht war, sie für einen verkleideten mann, als für eine männliche frau zu halten. Schiller 795b; wissen Sie denn schon, ob ich das für mein glück halte, was Sie dafür ansehen? Gellert lustsp. 276; Carolinchen. halten Sie denn eine heyrath, ein so genaues band, das zeitlebens dauern soll, für eine kleinigkeit, bey der man sich gar nicht bedenken darf? hr. Damon. nein, ich halte es für etwas sehr wichtiges. 278; ich halte es für eine strafe vom himmel, dasz ich euch eine stunde im hause leiden musz. 297; von den flammen getäuscht, welche diese maschine, gleich den übrigen fahrzeugen, von sich warf, hielt man sie blosz für einen gewöhnlichen brander, der die schiffbrücke anzuzünden bestimmt sei. Schiller 873a. ich halte es für ein glück, dasz er in diesen dienst kommt. er hat es für seine pflicht gehalten, dich zu warnen. das halte ich für ein gutes zeichen. Adelung 2, 357; können sie noch die wahrheit für schmeicheley halten! ebenda.
einen für einen narren halten, glauben dasz er ein narr sei. aber es bedeutet auch: sich an ihm belustigen, indem man ihn durch verstellung u. s. w. täuscht oder zur zielscheibe des witzes macht: das ist ein wettermädchen! sie hält mich nur fürn narren. C. F. Weisze kom. opern 3, 47. auszerdem kann der ausdruck noch so viel sein als: einen zum lustigmacher im dienste haben, und dann fällt die redensart oben unter β).
mit etwas, nichts: wenn wir die tugend für etwas halten. Adelung 2, 357; in allen seinen tücken helt er (der gottlose) gott fur nichts. ps. 10, 4.
mit einem bloszen adj.: weh denen, die bey sich selbs weise sind, und halten sich selbs fur klug. Jes. 5, 21; da sie sich fur weise hielten, sind sie zu narren worden. Röm. 1, 22; und wie sollte ich zu dem glücke kommen, dasz Sie mich für tugendhaft hielten, da Sie in der welt keinen menschen für fromm halten, als Ihre eigene person. Gellert lustsp.

[Bd. 4, Sp. 630]


200; hält er mich denn für so eigennützig, dasz ich ein caffeeschälchen nicht vergessen kann? 201; für so schlimm halte ich ihn nicht. 194; Ihre lebensart, ich wills Ihr kurz sagen, ist unwiedergebohren, versteht Sie mich? hält Sie eine solche lebensart wohl für gut? 199; warum halten Sie mirs denn für übel, dasz ich die freyheit hochschätze. 17; ich halte es ihnen für übel, dasz sie noch so mit mir umgehen. derselbe; warum, gnädigste tante, soll ich denn überhaupt gezwungen werden zu heirathen? überlegen Sie doch, ich bitte, für wie grausam Sie das in Ihrem eigenen falle gehalten haben würden, und wie weit gütiger Ihre eltern gegen Sie waren, dasz sie Ihnen ihre eigene freyheit lieszen. Bode Thomas Jones 6, 251 (buch 17 cap. 8); wie lange hielt ich mich für unzerstörbar, für unverwundlich, und ach! nun seh ich, dasz ein tiefer früher schade nicht wieder auswachsen, sich nicht wieder herstellen kann. Göthe 18, 132; ja das phänomen wurde gewissermaszen für einzig gehalten. 54, 144; sie (die aus fremden ländern kommenden herren) halten die daheim gebliebenen immer nicht für voll. 21, 111, = für vollgültig. das halte ich für unwürdig. fürs beste halten.

ich halts fürs best,
das ich auszfliege nach der speisz.
Burkhard Waldis Esop 2, 4, 6;

der nachsatz ist, dasz ich dieser fehler keines an deinem weibchen gewahret, wol aber, dasz es dich zu lieb hat und dadurch dich verführt, ohne dasz es dies will, das an ihr fürs beste zu halten, was das schlechteste ist. Veit Weber sagen d. v. 32, 165. mit einem participium: so dasz man es also für hinreichend abgeschieden halten könne. Göthe 54, 70. das halte ich für unpassend. ich halte ihn nicht für geneigt, darauf einzugehn. er hält ihn nicht für gelehrt genug zu der forschung.
Dasz da, wo in der verbindung mit einem adj. haben für stehn sollte oder doch zu erwarten wäre, mitunter auch blosz haben ohne die praep. für gesetzt wird, selbst schon mhd., s. DWB haben B I 6). gleiches findet aber auch bei halten statt: sie halten den juristen so arg, als einen verwirrer des staats, einen beutelschneider. Göthe 8, 37, = für so arg; als wir die gegenstände nach und nach (aus den zimmern) verschwinden sahen, die uns von jugend auf unterhalten hatten, und die wir eben so unveränderlich hielten, als das haus und die stadt selbst. 18, 104, = für eben so unveränderlich; weil gerade darin das herrliche und erhebende unserer vaterstadt bestehe, dasz alle bürger sich einander gleich halten dürften. 24, 106, = für einander gleich; die ältesten (es sind söhne gemeint) wurden parlamentsglieder, und ihn (den jüngsten sohn) bestimmte man zur handelschaft, nach art jener zeit, wo man es jüngern söhnen des ersten adels nicht nachtheilig hielt, wenn sie ihr glück auf diesem wege suchen wollten. 37, 325, = nicht für nachtheilig oder für nicht nachtheilig; wollte man aber auch so den vortrefflichen mann nicht genug entschuldigt halten. 54, 106, = für nicht genug entschuldigt;

ob alle deine diener diese that
so unbedeutend halten, zweifl ich fast. 9, 163;

hier in dem angesichte meines königs
und dieses heilgen bischofs reich ich ihr (Johanna)
die hand als meiner fürstlichen gemahlin,
wenn sie mich würdig hält, sie zu empfangen.
Schiller 470a,

= für würdig. in gleicher weise könnte auch in folgender stelle bloszes halten ohne für stehn: hält Sie mich einer niederträchtigkeit für fähig? C. F. Weisze lustsp. 2, 39. s. halten.
Endlich tritt, wie in andern bedeutungen, auch hier zuweilen unter dem einflusse des niederdeutschen oder in mundartlicher verwechselung vor ein, wo für stehn musz. was haben mit für anbelangt, so finden sich mehrere belege unter haben B I 6), und schon mitteld. läszt sich anführen:

dâ bî betrugelîcher wân
dër nîman wil vor nith (= niht) hân. dër sünden widerstrît, Gieszner hs. 1089 (s. 304).

nhd. nach halten:

was ganze völker göttlich nannten,
schien einen einzgen schäfer nichts,
Olint, den sieben heerden kannten,
hielt es (geübten zauber) vor blendwerk des gesichts.
Lichtwer 3, 1.

mehr unter halten.
Statt des fragenden für was bei halten findet sich auch, freilich sehr ungewöhnlich, bloszes was, bei welchem dann das ausgelassene für hinzuzudenken ist:

nun Kunz, was hältst du ihn?
Claudius, erste ausg., 1 u. 2 s. 224,

[Bd. 4, Sp. 631]



ε) wie:

dirne, du wirfst ja für toll. heida! ein puff auf den rücken!
au! der traf mir den fusz! es saust um die ohren wie hagel!
J. H. Voss ged. 1 (1785), 134,

in den idyllen v. 1802 unnöthiger weise völlig geändert in rasende, zähme dich doch! Übrigens läszt sich nicht immer genau scheiden, ob ähnlichkeit, oder gleichheit oder stellvertretung bezeichnet werden soll: dasz man sein (des ferkels) rot leder fur das best kalbsfell solte essen. Fischart bienenk. 229a.
c) als erwiderung, gegenleistung, vergeltung, ausgleichung, die betrift: mhd.

die schilte wurden dar gegëbn
ze nôtpfande vür daʒ lëbn. Iw. 7220;

vür mînen lîp was iuwer lëbn
ûf die wâge gegëbn. 8001.

nhd. als haben sie ihme für den kriegsunkosten Stavenhagen gegeben. Micrälius altes Pommern 3, 317; wenn er mir zeit gelassen hätte, ihn für sein geständnisz, mit einem andern ähnlichen geständnisse zu bezahlen? Lessing 1, 442; ich soll Ihnen für einige hundert pfund ruhe, ehre, glück, alles aufopfern? C. F. Weisze lustsp. 2, 85; marsch mit uns, opfer um opfer! Amalia für die bande. Schiller 142b (räub. 5, 2);

für was für eine wohlthat soll sie ihr lob verschwenden?
Dusch verm. werke 95;

für die versäumnisz kriegt ihr nichts und zu holen ist hier nichts als beulen. Göthe 8, 123. viel geld für waaren ausgeben. einen garten für einen acker eintauschen.
es soll ja keine belohnung für Ihre mühe seyn. Gellert lustsp. 436;

ach! Lotte — geht davon!
ist das, — ist das der lohn
für meine lieb und treu? —
C. F. Weisze kom. opern 1, 79.

seinen lohn für die arbeit empfangen, aber auch seinen lohn für eine unthat erhalten. wie lohnen oft kinder den eltern für die sorge und mühe, die sie auf ihre erziehung gewendet haben!

nun war ein jahr vorbey. herr, sprach der gute bauer (zum informator),
was soll für seine mühe seyn?
Gellert lehrged. (1754) s. 81.

der gram, weil wir nicht bald beredt und fähig sind,
der gütigen natur für unsern leib zu dancken.
Günther 642;

freundlich dank ich dir
für gut gemeinten rath.
J. H. Schlegel Thomsons Sophonisba 20;

das stehe ich vor ihm ... und danke für das grosze geschenk — mich ein paar stunden länger zu quälen! C. F. Weisze lustsp. 2, 26;

dank dir für deinen wink!
Schiller 350b (d. Picc. 3, 9).

keinen dank für seine mühe ernten.
auch geradezu mit dem gegenstande der thätigkeit statt dessen, worauf sie verwandt wird, bei für:

er (der den informator seiner kinder reichlich lohnende bauer)
würde (bei bekanntmachung seines namens) nur verdrusz
vom edelmanne haben,
weil der für sein halb dutzend knaben
mit vielem stolz kaum dreiszig gülden giebt.
Gellert lehrged. 82.


Im besondern: als werthbetrag betreffend:

man bot zween thaler baares geld
für einen kleinen rest (von modetuch).
Lichtwer fab. (1775) s. 27;

denn für die hoffnung aufzuleben,
möcht ich nicht eine mücke geben,
nein! wieder aufstehn wirst du nie. 4, 29;

Thyrsis bot ihr für ein mäulchen
zwey, drey schäfchen gleich am ort.
Göthe 1, 21.

ist aber der den werth bezeichnende ausdruck von für abhängig, so hat dieses den sinn: in dem werthe betragend, in dem werthe der beträgt. herr Richard ist so gütig gewesen und hat mir versprochen, die neue andrienne seiner frau liebste mir für geld und gute worte zu lassen. Gellert lustsp. 429. er hat das haus für zehntausend thaler gekauft. er erstand das buch für zwanzig silbergroschen.
so schon mhd. und mitteld.: daʒ wir virkauft hân Bërcholde Feiʒten ... eine halbe marg gëldis ûf unseme hûse unde hovestad biz an dën burnen und dër burne dar zû gên dëm wëge, fur iv marg pennege. urk. v. j. 1344 in Baurs Arnsburger urkundenbuch s. 452 nr. 720. die gewöhnliche praep. aber ist mhd. umbe, mitteld. umme, unser nhd. um, das wir ja auch noch hier in demselben sinne wie für gebrauchen. s. um und gramm. 4, 842. goth. steht der kaufpreis bei bugjan, kaufen, und frabugjan, verkaufen, in einem instrumentalisch gesetzten dat.: niu

[Bd. 4, Sp. 632]


tvái sparvans assarjáu bugjanda? Matth. 10, 29. ahd. wird der wirkliche, aber gesunkene instrumentalis noch durch mit verstärkt: choufit man zuênê sparon mit scazzû. T. 44, 21. auch alts. wird mid gesetzt. s. gramm. 4, 711. doch steht bei ahd. fircoufan auch widar, wider, und übereinstimmend bei alts. sellian, gisellian, verkaufen, wider. s. gramm. 4, 842. Luther hat in jener stelle Matth. 10, 29 noch in der im mhd. geläufigen weise um: kaufft man nicht zween sperlinge umb einen pfennig?
Auch hier läuft durch mundartliche einwirkung, wol auch verwechselung vor unter. dies schon mitteld.: wir sprëchin auch, daʒ hër Thîderîch sal gëbin hërn Cûnrâte vor ein phërt, daʒ hë verlôs und vor sînen schaden xii marg peninge. urk. v. j. 1320 in Baurs Arnsburger urkundenbuch s. 340 nr. 511. nhd.

vor einen sanften kusz, holdseelge schäferin,
will ich auf dieser flur für dich die lämmer weiden.
J. N. Götz, oden Anakr. 58,

doch in den von Ramler herausgegebenen ged. 1, 179 für.
d) als zukommend an oder auf: das, liebe Franciska, stecke bey seite; für den ersten blessirten armen soldaten, der uns anspricht. Lessing 1, 535; ich aber behaupte, dasz ein rebhuhn für einen herrntisch und höchstens eine gans für einen bauer gehört. C. F. Weisze kom. opern 1, 112; gab jedem der kinder einen kreuzer, und auch fürs jüngste gab ich ihr einen, ihm einen weck zur suppe mitzubringen, wenn sie in die stadt ginge. Göthe 16, 20; eine genauere erörterung dieser materie gehört für eine andere gelegenheit. Wieland Lucian 4, 348; dann ist es eine polizeisache, eine criminalsache, die gehört für mich, für den gerichtshalter, für die regierung, für den fürsten. Göthe 14, 300, oder hat für hier die bedeutung 1) a)? vgl. oben sp. 619.
e) in beziehung auf, in hinsicht auf, in absicht auf, was betrift: im augst ist der dritt seet und der best für rhetig, rben, nopen, girlin u. s. w. Herr ackerwerk Columelle 112b (Col. 11, 3); aber er (der köl) wechszt gar in kraut und macht keyn stengel für den winter, so er eyn mal abgehawen wird. ebenda;

doch ist mir sicher leid für dich.
H. Sachs I (1590), 401b;

auch ist dirs gar nicht leid
für deine schelmerei.
Lohenstein;

allein diesz wär für ihn betrübt.
Gellert lehrgea. 82;

manche schreyende eule und mancher wahrsagende kibitz
forderten leichen vom dorf, ein süszer gesang für den cantor.
Zachariä der phaeton 3, 30;

der weg, so kurz er war, war für die schnecke weit,
ein zeiger an der uhr kann nicht so sachte gehen.
Lichtwer fab. 4, 21;

nichts aber könnte mich in der welt wohl so vergnügen, als dasz meine töchter so vortrefflich für euch passen. Lessing 1, 395; was für ein labsal für mich, wenn ich Sie seufzen hörte, wenn ich Sie zittern sähe! 1, 441; ich erkenne in diesen worten meine denkungsart: es mögen also gar wohl meine eigenen worte gewesen seyn. aber was daraus für hr. Klotzen? Lessing 8, 190; es ist unsere schuldigkeit, dasz wir mit für unsers herrn vergnügen sorgen, da er für unsere ruhe sorgt. C. F. Weisze kom. op. 3, 12; ich sollte der gute freund einer solchen kreatur sein? nichts für mich! 30; aber ich kann für alles nichts. 31; hieraus ist zu erklären wie jemand für sein alter gesund zu sein sich rühmen darf. Kant 1, 317;

für euch bricht mir mein schwesterliches herz,
für euch thränt unversiegt mein ahnend auge.
Wieland supplem. 4, 203;

vom süszesten der träume kaum erwacht,
schleicht sie zum garten, doch ist für des morgens pracht
ihr schmachtend auge noch zu trübe.
Gotter 1, 15;

genug für den prolog. 198;

helden, könige und göttersöhne stritten
zehn jahre für den schimpf, den Menelas erlitten. 2, 38;

und besuchte er Sie oft? »zu selten für den wunsch meines herzens, aber oft genug um mich zu überzeugen, dasz das seinige nur für mich schlug.« 3, 37; madame Sommer. Sie sind in trauer? postmeisterin. für meinen mann, den ich vor drey monaten verlor. Göthe 10, 131;

dies land ist überall, für den ders in sich hat.
Herder z. l. u. k. 15, 176;

für, was drein geht und nicht drein geht,
ein prächtig wort zu diensten steht. 12, 96;

sorg du mir für ein geschenk für sie. 137;

jammerschade für die schöne kirche! seht nur, wie ihre säulen und pfeiler durch gebüsch und bäume noch so wohl

[Bd. 4, Sp. 633]


erhalten durchsehen, ob sie gleich schon viele hundert jahre in schutt liegt. 21, 13; eine, für damalige zeiten wenigstens, wundersame uhr. 24, 256; nehm Er nur (die börse). es ist für leben und sterben. Schiller 210a (kab. u. liebe 5, 5); ich stehe Ihnen für Ihre ernennung. 542b.

für Görgen ist mir gar nicht bange,
der kömmt gewisz durch seine dummheit fort.
Gellert fabeln 2 (1751), 11;

mir bangte für meine Amalia, die meines schicksals wegen jede minute einen tod würde zu leiden haben. Schiller 127b (räuber 3, 2); mir ist bang für die stadt. 119b (räuber 2, 3); zum glück war mir noch nie für die ausführung eines entwurfes bang, wo ich mich mit einem: es soll so seyn! einstellen konnte. 185b (kab. u. liebe 1, 5); sie hatte keinen begriff, dasz man kaufen könne, ohne zu bezahlen: für nichts war ihr mehr bange, als wenn sie schuldig war. Göthe 20, 95; für meine frau war mir angst, wie ich diese bei dem umstand nehmen würde. Mercks ausgewählte schriften 208;

so hat auch für Hannchen mein herze gezittert.
C. F. Weisze kom. opern 3, 77;

Luise ward bleich und gestand, dasz sie für das leben ihres bräutigams zittere. Göthe 15, 133; man fürchtete für Lottens leben. 16, 192; ich fürchte daher für herrn Forsters system nichts von einem ketzergerichte. Kant 10, 91;

wer für nichts mehr
zu zittern hat, der fürchtet sie (die götter) nicht mehr.
Schiller 512b;

warum hab ich gerechtigkeit geübt,
willkür gehaszt mein leben lang? dasz ich
für diese erste unvermeidliche
gewaltthat selbst die hände mir gefesselt: 438a (M. St. 4, 10);

es mangelte ihr nicht an geist und einem besondern sinn für geschäfte, den sie ihren erzieherinnen abgelernt. 795b; England begann die welt für entdeckungen umsegeln zu lassen. Niebuhr kl. schr. 1, 23; das sicherste für uns ist, ihm (dem abgedrückten pfeile) aus dem weg zu gehn. H. L. Wagner Macbeth 59; schlimm für Sie, wenn Sie nichts mitgebracht haben! C. F. Weisze lustsp. 2, 157; alle edle weichgeschaffene seelen, die für einander gemacht sind. H. L. Wagner reue nach der that 94;

raum ist in der kleinsten hütte
für ein glücklich liebend paar.
Schiller 49b. 642a.b;

gesellschaftszerstreuungen sind der tod für jeden fähigen und thätigen kopf. Heyne briefe an Joh. v. Müller s. 18. das ist für mich zu schwer, zu angreifend.
im besondern in rechtsausdrücken wie für sich und seine erben verkaufen, für sich und seine erben erklären u. s. w.: verbindlich in hinsicht auf, verbindlich was betrift. wir Friderich pfaltzgrave ... bekennen, das wir fur uns und unsern lieben sone herczog Philipps ... und alle unser erben verkaufft haben u. s. w. Baur hess. urk. 4 s. 171, 180.
Tadelhaft ist, wenn hier, sei es durch mundartliche einwirkung oder durch verwechselung, vor gesetzt wird:

es würde sich doch wohl in diesen schönen gründen
noch eine schäferin vor einen Thyrsis finden.
Rost schäferged. 96;

pflückt veilchen, streifet myrthen,
macht sträuszer vor die hirten,
und theilt die schönsten bänder aus. 106;

mich reizt dein witz und deine tugend,
die sind an dir beständig schön.
vor mich mag deines körpers jugend
gleich heute noch verloren gehn. 105;

die käfer sahen sie (die schöne käferin) mit lust.
vor andern einer, schwarz von leibe,
begehrte sie vor sich zum weibe.
Lichtwer fab. (1775) s. 21.


In dem hier angegebenen sinne wird aber oft statt der praep. für mit dem acc. ein bloszer dat. gesetzt: dem geschäfte, das er erwählet, ganz zu leben. Gellert bei Adelung 2, 359, = für das geschäfte;

dir (Hymen ist angeredet) schmückt das fromme mädchen sich
bey seinem morgenliede.
Ramler 1, 69 (1772 s. 107);

dir lebt ich, o herzchen, dir sterb ich mit lust!
Bürger 35b;

schon ist mir das thal gefunden,
wo wir einst zusammen gehn.
Göthe 1, 62.

es ist mir zu schwer. ungewöhnlich jedoch und darum auffallend erscheint der dat. in folgenden stellen:

ein tränkchen und ein pülverchen
ward ihr (der ohnmächtigen) zugleich gegeben!
die Amorn und die grazien
erzittern ihrem leben!
Gleim, im alm. d. deutsch. mus. 1779 s. 256, = für ihr leben;

[Bd. 4, Sp. 634]



grabe, wems behagt, der rinde
der geliebten namen ein:
welcher hirtin ich empfinde
flüstert keine buch im hain!
Boie in Voss musenalm. 1792 s. 83,

= für welche hirtin. vergl. Weinholds Boie 306—308. diese seltne fügung von empfinden mit dem dat. ist wb. 3, 428 nachzutragen.
Der volksmäszigen ausdrucksweise entsprechend findet sich bei volksschriftstellern auch für vor dem inf. mit zu, der so gleichwie ein acc. erscheint, und jenes für bedeutet dann so viel als »in der absicht, zu dem zwecke«: jedes haupthaar (ist) ein sabel. ein solcher sabel läszt sich aus einander ziehen, wie ein perspectiv, für in die nähe zu fechten und in die weite. Hebel (1853) 3, 29; es waren (die scharen Attilas sind gemeint) genug, für alles zu verheeren. 43; jetzt wolle er ins weltsche (es ist die welsche d. h. französische Schweiz gemeint), für weltsch zlere (= französisch zu lernen). Gotthelf 10, 233; aber für grosz zu thun auf ihre weise reute sie kein geld. 237. eben so vor einer andern praep. mit ihrem casus: einem namhaften goldschmied hatten zwei vornehm gekleidete personen für 3000 thaler kostbare kleinode abgekauft für auf die krönung in Ungarn. Hebel 3, 54.
f) zum vortheil in hinsicht oder absicht auf, zu gunsten in hinsicht oder absicht auf, zum besten in hinsicht oder absicht auf, zu guter bestimmung in absicht auf. ahd. scaz, thën thanne nëmmenti gib in furi mih inti thih. T. 93 (Matth. 17, 26). mhd.

wand niemen vür in gërne tobt,
dër sîne bôsheit prîse. Iw. 2500.

sô gêt einer sô rinclîchen hin unde swert einen eit für einen sînen friunt. Berthold (Pfeiffer) 27, 18. vergl. dagegen unten unter o) die beiden stellen aus der genesis und dem Parzival. mitteld. daʒ si daʒ mochte vorgifte (verschenken) fur ir sêle an klôstere, an gotshûs und an alle stede war si geluste. urk. v. jahre 1346 in Baurs Arnsburger urkundenbuch s. 459 nr. 734. nhd. für, oder z, e, et ex. Dasypodius 333b, vgl. 59c. ein guter hirte lesset sein leben fur die schafe. Joh. 10, 12, vgl. v. 15; bittet fur die, so euch beleidigen und verfolgen. Matth. 5, 44; ich bitte aber nicht alleine fur sie, sondern auch fur die, so durch jr wort an mich gleuben werden. Joh. 17, 20;

die räth zum alten fürsten tratten,
und für den jungen fürsten baten.
H. Sachs II (1591). 3, 113d;

er läszt für seine frau in allen kirchen bitten.
Gellert fabeln (1748) 72;

meiner mutter sollst du sagen: dasz sie für ihren sohn beten soll. Göthe 16, 155; schon wünschte er für ihn (den mörder) sprechen zu können, schon drängte sich der lebhafteste vortrag nach seinen lippen. 147; wir wollen Götzen ansprechen, für uns ein gut wort einzulegen. 8, 124; hab ich nicht alles für dich gethan? Fr. Müller 3, 144; so viel mir bekannt ist, hat Meissen das beste recht von andern provinzen Deutschlands zu fodern, dasz sie ihre eigene aussprache und mundart für die seinige verlassen, allermassen es darinnen wahre vorzüge vor allen andern aufweisen kan. ... dennoch wird man den kunstlehrern anderer provinzen vergönnen, die vortheile zu untersuchen, welche solche provinzen, über die Meissen keine angebohrne herrschaft hat, vermögen sollen, ihre aussprache und mundart der meisznischen unterwürffig zu machen. Bodmer vorr. zu Breitingers forts. der crit. dichtkunst, vorrede 4a;

wie pralt der mensch mit der chimere,
was er sieht, sey für ihn hervorgebracht!
für ihn allein dreht sich die sphäre,
die ganze welt ist blosz für ihn gemacht.
Mylius verm. schr. 585;

die für Burgund gefochten. alle sollen
in die versöhnung aufgenommen seyn.
Schiller 467a (j. v. Orl. 3, 2);

gedankt sey allen, die für uns gefochten,
und allen, die uns widerstanden, sey
verziehn. 479a (4, 10);

er hat sein leben zehenmal für dich
gewagt und zürnt, dasz ich mein gold jetzt wage. 454b (1, 4);

sein mund spricht rauhe worte, doch sein herz
ist treu wie gold, es ist derselbe doch,
der warm dich liebt und oft für dich geblutet. 456b (1, 5);

im namen gottes frag ich dich. schweigst du
aus dem gefühl der unschuld oder schuld?
wenn dieses donners stimme für dich zeugt,
so fasse dieses kreuz und gib ein zeichen! 480a (4, 11);

ich, meines landes retterin,
des höchsten gottes kriegerin,
für meines landes feind entbrennen! 474b (4, 1);

[Bd. 4, Sp. 635]



wir waren herzensfreunde, waffenbrüder,
für éine sache hoben wir den arm
und hielten fest in noth und tod zusammen. 466b (3, 1),

rechtschaffner freund! du wolltest mehr als diesz
für meine ruhe thun! 467b (3, 2);

welch ein moment für die feinde, wenn sie es verstanden hätten, ihn zu benutzen! 874a; bring sie was fürs kind mit, es kann kaum mehr schreyn, so matt ists. H. L. Wagner kindermörderin 104. doch in dieser stelle kann auch die bedeutung d) sp. 632 stattfinden.
dann oft: zu vortheil und schutz in hinsicht oder absicht auf, zum schutz und besten in hinsicht oder absicht auf.

o rette dich! o rette deinen sohn!
und sieh, ob ich fürs vaterland, für dich,
für meinen sohn den tod noch werde scheuen:
ob nicht mein herz so warm, so grosz als deines
mir in dem busen klopft?
C. F. Weisze trauersp. 3, 92;

du fühlst, ich bin dir gut,
für meine lieben liesz ich leib und blut.
Göthe 12, 179;

kämpfe
fürs vaterland! du kämpfst für deine liebe!
Schiller 534b.


Dem für entgegen stehn wider und gegen, und nicht selten ist eine von diesen praepositionen mit für zusammengestellt, wenn die gegensätze hervorgehoben werden sollen: wer nicht wider uns (bei Ulfilas viþra izvis) ist, der ist fur uns (bei Ulfilas faúr izvis). Marc. 9, 40; ist got fur uns, wer mag wider uns sein? Röm. 8, 31;

die seele schreyt von stummen bissen (des gewissens)
und kämpft bald für, bald wider sich.
Günther 16;

der verfasser läszt sich in das gesinge und gesumse wider und für die religion gar nicht ein. Claudius erste ausgabe 1 u. 2, 30; die gründe, welche für oder wider eine meinung vorgetragen worden waren, kaltblütig gegen einander abzuwägen. Wieland 20, 201. er ist mir gleichgültig, und ich bin weder für noch wider ihn.

was damals
gerecht war, weil dus für ihn thatst, ists heute
auf einmal schändlich, weil es gegen ihn
gerichtet wird?
Schiller 366b (W. tod 1, 7);

angesichts dieser verclausulirungen darf man billig behaupten, dasz der vorliegende timesartikel sich eben so gut für als gegen eine intervention benutzen liesze. Frankfurter journal 1868 erste beil. zu nr. 334. Vgl. unten II 6).
Wie aber in andern bedeutungen des für an dessen stelle durch einflusz des niederdeutschen sich vor geltend zu machen sucht, so auch hier und zwar bereits im 13. jh. mitteld.:

sëth (= sëht) mit sus getânen siten
hânt gûte lûte vor uns gestriten. dër sünden widerstrît, Gieszener hs. 2851 (s. 350).

dies selbst neben vür, das freilich, wie der anfang der folgenden stelle oben 1) b) zeigt, in anderem sinne steht:

und alsô vur sich strîten
mit tugenden zallen zîten
vor allir lûte selickeit
als unser lîbe hêrre streit. 3441 (s. 366).

anstrich des alterthümlichen aber soll vor geben in

wir stehn vor unser land,
wir stehn vor unsre weiber, unsre kinder!
Schillers Tell, erster druck s. 90.


g) bestimmt betreffend, ausschlieszlich betreffend: und er hat fur eine person gnug gethan. Luther tischr. 1, 3; sie verbargen nicht, dasz beide ungeduldig seyen für ihren theil in der abreise von diesem ort sich gehindert zu sehen. Göthe 23, 164;

in dem glauben für den höchsten, wil man ketzern nichts gestehen:
in dem glauben für den nechsten, läst man alle falschheit gehen.
Logau 3, 41, 9,

wo die überschrift der heilige glaube und weltliche glaube;

doch fürchte nimmer
für meine stärke, für mein festes band
mit Rom, mit Scipio und mit der ehre.
Joh. Heinr. Schlegel Thomsons Sophonisba 20;

unglücklich, wer, bestimmt für kanzeln und altäre,
sich wall und mauer zu erstürmen sehnt.
Gotter 1, 97;

sie aber hatte nie gethan noch einen fall,
als nur (wie jhr jetzt habt gehört) für diesesmal.
Werders Ariost 19, 82, 4;

für dieszmal war es nur ein tropfen fegefeuer.
Göthe 12, 116;

für dieszmal sieh dich immer satt. 124;

für dieszmal kommst du so davon. 127.

[Bd. 4, Sp. 636]


so viel für diesmal beginnt Göthe einen brief vom 21. juni 1781 an maler Müller zu schlieszen (s. neue preusz. zeit. 1869 beil. zu nr. 2). für dasmal konnte er nichts ausrichten. von der zeit: und erklärte den könig Gustav Adolf mit seinen erben in absteigender linie, für gegenwärtige und künftige zeiten, der krone Schwedens verlustig. Beckers weltgeschichte (6. ausg.) 14, 89. für dén tag ist die arbeit gethan. aufgerieben ein groszer theil seines heers, ein anderer verstümmelt und für viele tage unbrauchbar gemacht. Schiller 874a; sie verlangte ein paar couplets von mir für diesen abend. 637a;

wollt ihr, für diese nacht, quartier
mir gastfrey wohl vergönnen hier?
Werner der 24. febr. (Leipz. 1815) s. 63.

auch mit einem bloszen adverb der zeit bei für:

nur für heute, nicht für morgen
sorgt man.
C. F. Weisze kom. opern 2, 125;

lebet für heute wohl. Chamisso (1864) 5, 130; unglück über unglück für immer und immer auf diejenige, die zum ersten male nach mir diese lippen küszt! Göthe 25, 285. für jetzt ists genug. s. füritzt.
Auch hier ist vor verwerflich, kommt aber bisweilen durch einflusz des niederdeutschen oder durch verwechselung vor: und so viel vor diesmal. Lichtwer (1775) s. xiii;

hätt ich die scheere nicht voritzt zur hand genommen,
wir wären noch zuletzt um haus und hof gekommen. fabeln 4, 25.


h) zur bestimmung als: als dann stämpfft man sie (die in wasser zwölf tage zum faulen gelegten misteln) widerumb und thut die hülsen hinweg, und das schleimig behelt man für vogelleim. Lonicerus kräuterb. 88a;

und wiewol deiner tugent ehren ...
uns zwungen dich von hertzen grund
für unsre fürstin zu begehren.
Weckherlin 350.


zur bestimmung in oder an oder auf oder in hinsicht auf u. s. w.: wären sie noch ein rares thier, so fütterte Sie mein herr zu tode und liesz Sie darnach wenigstens für seine kunstkammer ausstopfen. C. F. Weisze lustsp. 2, 157;

als mit lockenden (so steht da) holunder
für den käfich, armes ding (ein vogel ist angeredet),
dich die schlanke ruthe fieng.
Schmidt v. W. in Voss musenalm. 1787 s. 42.

diese neuen geräthschaften sind für das haus. das geld ist für eine wissenschaftliche reise zurückgelegt.
i) mit ausschlusz alles andern zukommend oder gehörend an, sich beschränkend auf. vgl. oben e). für einen bräutigam musz nichts wichtiger seyn, als die angelegenheit seines herzens. C. F. Weisze lustsp. 2, 246;

sie (Daphne) spricht: der straus ist fein, er wird ihr (Galatheen)
artig stehen.
ich sag ihr hundertmal: mein kind, er ist für dich;
sie spricht: das glaub ich nicht, er ist zu schön für mich.
Dusch verm. werke 467;

lebt Kalaf! leben sollt ihr — und für mich!
Schiller 607b;

ich liebe Feodoren,
ich lieb und wanke nie.
sie ward für mich geboren,
geboren ich für sie.
Haug ged. (Leipz. 1827) 2, 145;

darumb soll er (der fürst) auch die zeit im essen nicht ändern, wie Hannibal. erfordert es die hohe noth, das ist für sich. wo nicht so soll man bey der regul bleiben: wol dem land, des fürsten essen zu rechter zeit. Schuppius 104; sie kannten mich nicht, und würden also eben so viel zu ihrer rechtfertigung für sich haben, als Sie in ansehung Ihres sohnes. C. F. Weisze lustsp. 2, 191; ich habe keine geheimnisse für Sie, mein herr, und dieser freund wird bei meiner erzählung nicht zu viel seyn, er ist sattsam von dem unterrichtet was ich Ihnen zu sagen habe. Göthe 10, 67. im engeren sinne bezeichnet hier für mit dem acc. des persönlichen pronomens eine entschiedene beschränkung auf das durch diesen ausgedrückte mit ausschlusz jedes andern. in diesem falle aber ruht der ton auf dem pronomen, während er bei der oben unter A 1) b) angegebenen bezeichnung auf der praep. liegt. schon bei Luther denn fur mich setze ichs in keinen zweifel. briefe 4, 317, = was mich betrifft, indem ich mich mit ausschlusz jedes andern ganz auf mich beschränke;

gewisz, du fängst mich nicht, lasz mich nur ungestöhrt,
und liebe nur für dich, das ist dir unverwehrt.
Rost schäferged. 133;

gehe Sie nur hin: es ist spät. die kerze will ich selbst auslöschen und für mich zu bette gehen. Göthe 17, 128,

[Bd. 4, Sp. 637]


= ohne alle beihilfe; frauen sollten durchaus mannichfaltig gekleidet gehen ... weil sie bestimmt sind, ihr ganzes leben allein zu stehen und allein zu handeln. »das scheint mir sehr paradox,« versetzte Charlotte, »sind wir doch fast niemals für uns.« 281; für mich, sagte er, wäre ich gar nicht abgeneigt, auch zu deiner fahne zu schwören. 22, 46. für sich, ganz auf die eigne person beschränkt und diese von andern absondernd: alle und ein jegklicher fürsich. Henisch 1305, 22; ein jeder für sich, gott für uns alle. 24. wie oft denke ich mir sie, in der stille für sich sitzend, auf ihren ellenbogen gestützt. Göthe 18, 133. dann zugleich in dem sinne von »still«. mhd.

disen sëgen (dieses gebet) tëte sî vür sich. Iw. 5987.

nhd. do thet der paur fur sich seinen segen.
Rosenbluts fahrender schüler 108,

in der Gieszener hs. do thet der pawer do für sich den segen.

oder hat in diesen stellen für die unter f) angegebene bedeutung? vgl. Benecke wb. zum Iwein 522. hieran schlieszt sich, dasz im dialoge für sich vor worten steht, die sich still auf die eigne person beschränken und andre nicht hören sollen; dem aber, was nach solchen worten wieder an eine andre person oder andre personen gerichtet ist, wird dann häufig laut vorgesetzt: Selicour (für sich) alles geht gut — jetzt diesen Firmin weggeschafft, der mir im weg ist. (laut) werden Sie mir verzeihen, herr von Narbonne? Schiller 640a (parasit 4, 3); Narbonne (für sich). sollte La Roche recht behalten — (laut) und welche geheime ursache hätte ich, ein solches quartier zu suchen. 645a (5, 3). vor sich statt für sich sollte niemals gebraucht werden, kommt aber dennoch vor.

und hört ihm niemand zu, so spielet er vor sich. Rost schäferged. 146.

so haben beim dialoge Lessing, C. F. Weisze, Gotter vor sich, aber auch andere setzen hier dieses vor: Marie (vor sich). er ist sehr krank. Göthe 8, 157; Faust (vor sich). zu wenig, und zu viel in meiner jezigen stellung! Fr. Müller Fausts leben 63; alle (mit lärmendem geschrei). es lebe der hauptmann! Spiegelberg (aufspringend, vor sich). bis ich ihm hinhelfe! Schiller 110b; pater (vor sich, stutzt). ist das das drachennest? 122a. später setzt Schiller für sich. dann hat für sich die bedeutung: aus eignem antriebe, aus freien stücken, wie wir auch sagen von selbst. für sich, sua sponte, ultro. Steinbach 1, 528.
noch bestimmter, als für sich, setzt man, um beschränkung auf einen gegenstand mit ausschlusz jedes andern auszudrücken, für sich selbst: für sich selbst, privatim. Dasypodius 333b. 194a. gaben si (die zur eröffnung der thore aufgeforderten Stargarder) die antwort, der herzog (auf dessen befehl man sich berief) het ir ganz kein macht, sie weren für sich selber. Wilw v. Schaumburg 46; die für sich selbs nit gt sind. Herr ackerw. Colum. 106a; denke ich mir sie, unterschiedliche hölen, entweder für sich selbst, oder mit menschen hand eröffnet. Schuppius 690, = von natur vorhanden, in ihrer bildung ganz auf sich beschränkt; wir wissen dasz unzahlbar viel leut mit treflichen (so steht da) gemüth und tugend gewesen seyn und ohne die geschickligkeit, durch angeborne schier göttliche natur, für sich selbsten, tugendsam und ansehnlich gewesen. 708; biszweilen ... hiengen die patroni in kleinern rechten, welche jetzo für sich selbst, jetzo durch den jenigen fleisz ausz dem ersten entsprungen. 770;

zween triebe sind vom himmel den thieren eingeschrieben,
erst für sich selbst zu sorgen, dann ihr geschlecht zu lieben.
Dusch verm. werke 85.

s. sich und selbst. eben so gebraucht man für sich allein: für sich allein, pro se solum. Henisch 1305, 26;

alsdann bedarf das junge, das schon sein schicksal weisz,
für sich allein zu leben, nicht mehr der ältern fleisz.
Dusch verm. werke 87.


an und für sich, ganz auf sich beschränkt ohne jedes andere, von jedem andern gegenstand abgesondert: für die dichtkunst an und für sich hatte man keinen grundsatz finden können, sie war zu geistig und flüchtig. Göthe 25, 77. den vorfall an und für sich betrachtet konnte er gar nicht anders handeln. an und für sich ist er ein guter mensch. noch mehr verstärkt an und für sich selbst: auf unauflösliche begriffe zu kommen, die es entweder an und für sich selbst oder für uns sein werden. Kant 1, 71.
Aber das blosze für sich heiszt auch so viel als von selbst, ohne zuthun: Bätely. nimm das tuch, du wirst sonst voll blut.

[Bd. 4, Sp. 638]


Jery. es heilt für sich, es heilt geschwinde. Bätely. nein! nein! gleich will ich dir einen umschlag zurechte machen. Göthe 11, 28. Vgl. vorhin die stelle Schuppius 690.
Unrichtig ist es, hier den dat. nach für zu setzen, welcher in folgender stelle bei Scriver neben dem richtigen acc. erscheint: für wem ist der liebe Jesus mit seinen wunden und verdienst, als für die beängstigte herzen? für wem hat der vater brod, als für seine hungrige kinder? für wem gibt die quelle das wasser, als für den gejagten hirsch? u. s. w. Gotthold 962. dieses verwechseln des dat. und acc. eben bei Scriver ist nachher unter n) am schlusse besonders hervorgehoben.
k) mit anwünschung an, mit hingabe an. so in den verwünschungen für den t** oder für den teufel, für den deixel, für den henker. = zum teufel, zum deixel, zum henker. sie will für den t**, dasz man sie selbst vor den gnädigen herrn don Eugenio lassen soll. Wieland 12, 357; mein gnädiger herr don Sylvio behauptet für den deixel, dasz es die fee Karabosse sei. ebenda, s. DWB deixel; aber ich werde doch fürn henker behaupten dürfen, dasz ein silbermannisches clavier ein besseres instrument ist, als eine maultrommel? Lichtenberg 4, 301; ich möchte fürn henker wissen, wer euch dazu bestellt hat. C. F. Weisze, = zum henker, hole mich der henker! s. DWB henker, DWB teufel. mit hingabe was betrifft: für mein leben gern hätte ich ihn kennen mögen! C. F. Weisze lustsp. 3, 198, = ich hätte mein leben hingegeben, um ihn zu kennen! um den preis meines lebens hätte ich ihn kennen mögen!

ein schüler asz, wie viele knaben,
die datteln für sein leben gern.
Pfeffel 2, 117.


Aber auch hier schleicht sich unrichtig vor ein, wo für stehn musz: ich wäre des todes, wenn ich ein gespenst sehen sollte, und höre doch vor mein leben gerne von gespenstern erzählen. C. F. Weisze kom. opern 3, 96.
l) in der richtung auf, bestimmt in der richtung auf: ein dampfer verläszt New Orleans für Havana zweimal monatlich an denselben tagen ... und übergiebt seine passagiere dort an den postdampfer Grenada für Aspinwall. A. Petermanns geogr. mittheilungen 1859 s. 308. es steht hier für demnach gerade so, wie nach mit dem dat. (s. nach).
ähnlich wird für, von der bedeutung 1) a) oben ausgehend, volksmäszig nach dem niederdeutschen zur bezeichnung der richtung auf den oder die angesprochenen gesetzt, wo hochd. zu mit dem dat. zu stehn pflegt. da sagt seine frau für ihn: geh hinaus auf die straszen und gassen. Curtze volksüberlieferungen aus Waldeck (Arolsen 1860) s. 63 = zu ihm; er rief also seinen Johann herein und sagte für den: sieh einmal ... 114; »sie soll wol stehen und weinen«, sagte einer für den andern. 117. in der Wetterau u. s. w. setzt man über mit dem acc. (s. über).
m) gegenüber in der richtung auf. eine bedeutung, in welcher schon im 18. jh. gewöhnlich vor mit dem dat. gesetzt wurde, weshalb uns heute für mit dem acc. auffällt.

ein polyhistor, sprach der schatten
für den die schulen ehrfurcht hatten.
Gellert 1, 216,

heute vor dem; hätte ich nicht zu viel ehrfurcht für den herrn bruder. C. F. Weisze lustsp. 2, 199; wie unsre vorfahren alle ehrfurcht für ihren fürsten gehabt, wenn er sie regiert wie er sollte. Göthe 8, 201; wenn das ist, so habe ich alle ehrfurcht für ihn. C. F. Weisze lustsp. 3, 294; die göttin (Latona ist gemeint) — für die ich übrigens alle ehrfurcht hege, die einer schönen frau und einer göttin gebührt. Wieland 20, 183; ich hingegen gebe meinen traum für — einen traum, d. i. eine feige für eine feige, und das heiszt doch, denke ich, ehrerbietung für seinen leser tragen. 14, 258, = vor seinem leser hegen oder haben; ich verlange, dasz du für deine gouvernante so viel ehrerbietung als für mich haben, sie als mein ander ich ansehen und ihr in allem ohne widerrede gehorchen sollst. Chr. F. Weisze der kinderfreund 1, 196; ich versichere dir (schreibt J. H. Voss an Brückner), dasz ich für Gellerts wahre verdienste eben die hochachtung habe, die du nur immer haben kannst. J. H. Voss briefe 1, 185; er (J. H. Voss) ward unmutig und sagte, wir hätten keine achtung für seine zeit: was begehrt würde, erfordere nachdenken und unterbreche ihn zur unzeit. Ernestine Voss in Voss br. 3, 2, 214; ob es (das angelangte essen und trinken) gleich ... von der achtung, die man für die gäste hatte, kein sonderliches zeugnisz ablegte. Göthe 18, 259; ebenso kann ich für neigung überhaupt ... nicht achtung haben. Kant 4, 18; seine achtung für dieses praktische gesetz. 19;

[Bd. 4, Sp. 639]


allein ihm wehrt, ihr um den hals zu fallen,
die achtung für den ritter von Anglant.
Gries Ariost 23, 65;

der kaiser (Napoleon III.) hätte geantwortet, dasz er die gröszte achtung für den charakter des herzogs (von Montpensier) und die tugenden der herzogin hege Frankfurter journal 1868 zweite beilage zu nr. 271; dazu habe ich viel zu viel achtung für einen officier. Lessing 1, 510; er mag es (nemlich mein bräutigam) werden oder nicht: so verlange ich hochachtung für ihn. C. F. Weisze lustsp. 3, 272.
n) in beziehung auf, in hinsicht auf, so dasz das durch den acc. ausgedrückte gemieden wird. eine seltene bei norddeutschen schriftstellern hier und da vorkommende bedeutung, in welcher man schriftdeutsch sonst stets vor mit dem dat. setzt. s. DWB vor. die fügung findet bei den verben bewahren, fürchten, grauen, hüten u. s. w. statt:

hinführo soll mir nicht so für die liebe grauen,
ich sehe nun, man darf auch keiner mutter trauen.
Rost die gelernte liebe B 8b,

aber in den spätern schäferged. s. 135 geändert in für der liebe. vgl. unten B 3) b). heute würde man sagen vor der liebe. wenn ihr euern beutel selbst nicht flicken könnt: so werden ihn wahrlich alle policeyanstalten nicht für löcher bewahren. Möser patr. phant. 1, 229;

zweimal taugt eine frau — für die mich gott bewahre.
Lessing 1, 197, = vor der;

hüte dich also für mich! Boie an Bürger in Weinholds Boie s. 156, = vor mir.
neben dem ursprünglich richtigen vor mit dem dat. (s. vor): die königin (Maria Stuart) liesz sich vernehmen, sie fürchte sich mehr vor des Johann Knoxen gebet und fasten, als für ein feindliches kriegesheer von 30000 mann. Scriver seelensch. 2, 656; du fürchtest dich mehr für die kanne wein, die du geben sollst, als für den teufel. Lessing 1, 414. doch in den frühern schriften Scrivers, eines Holsteiners, ist bei für, neben, zu u. s. w. das setzen von dat. und acc. ohne bestimmte regel, wenn sich auch eine annäherung an den heutigen sprachgebrauch nicht verkennen läszt.
o) gegen. eigentlich: zur wahrung gegen, zum schutze gegen. mhd.

für daʒ huor swuor ër einen eit
dës gewan ër michil arbeit. Genesis, Milstäter hs. 78, 24;

für dise rede ich dicke swuor
manegen ungestabten eit. Parz. 498, 2;

das was in guot vür dën tôt. Iw. 5395;

doch wolder wësen hêrrefür allen dën gewalt
des in den landen vorhtedër dëgen küene unde balt. Nib. 44, 3;

ir ietwëder schërmenfür starke wunden began. 2155, 4;

wir gâben uns in gotes phlëge
für dës tievels kraft ze wer. Gerhard 2605;

man sagt von hansteinen
swër ir in dën munt nëm einen,
daʒ ër guot vür dën durst sî.
Stricker kl. ged. nr. 11, 159;

darumb sien wir all ... mit gûtem willen lieplich und friuntlich uber ain chomen (übereingekommen) für kunftigen und grôʒʒen schaden. chron. d. d. städte 4, 129, 20; das hûs sol ze vier orten offen sîn und sol für rëgen und fürsunnen gedekt sîn. Mone zeitschr. 9, 361, v. j. 1386. nhd. für das oder wider das beissen der thieren, ad morsus bestiarum. Henisch 1298, 16; etwan henken sie gute wort oder caracter an die hels, das ist für das, das da für, und ist als (alles) gaukelwerck. Keisersberg brösamlin 1, 63a;

so hett der bawer hinterm hausz ...
ein dorenheck bey einem stock,
der schafft er sein zwyfachen rock,
das (dasz) man jn solt der dorenhecken
zu winters zeiten uberdecken
für reyf, kält, regen, wind und schnee.
H. Sachs II (1591). 3, 68d;

auch hast mir für ein windel gschworn. I (1590), 384b.

es ist dies ein vorwurf, den eine frau ihrer magd macht, diese habe ihr geschworen, dasz sie von der windel nichts wisse. vgl. die vorhin angeführten stellen aus der genesis und dem Parz.

für lieb hilfft weder thür noch thor. (1588). 3, 3d;

dem Schwaben wurd dieweil sehr lang ...
da auff den todtenbeynen sasz,
für die lang weil gstohlen nüsz asz. II (1591). 4, 73d;

animi gratia, für die lang weil. Alberus dict. uu 1a;

die herrn generäle und kommandanten ...
»sind nicht für die langweil herbemüht.«
Schiller 320a;

für alles kan ein arzt. das eine fehlt ihm nur,
dasz er für seinen todt weisz selbsten keine kur.
Fleming 221, vgl. vorhin Iw. 5395,

[Bd. 4, Sp. 640]


das wasser (von tausendgüldenkraut) getrunken, ist gut für den ritten oder feber. Lonicerus kräuterb. 148a; (dasselbe wasser) ist gut für das darmgicht oder grimmen im bauch. ebenda; für den fallenden siechtagen (die fallende sucht) einen ring getragen, dabey der eychenmistel sey. 88a; darumb (zum schutz gegen fallsucht) auch etliche dasselbig (nemlich mistel von eichen, haselsträuchen und birnbäumen) mit einem faden, oder in silber gefast, den kindern an halsz hencken, soll also für gespenst helffen. ebenda; sie (die äpfel) seind aber gut für die ohnmacht und stärckens hertz. 25b; (maulbeerwasser) ist auch gut fürn husten. 27a; tussilago valet ad tussim, für den hsten. Alberus dict. dd 1a. er führt, wenn er weit über feld geht, ein stück brot bei sich für den hunger. diesen apfel isz, der ist für den durst. ein rechtschaffner kerl möchte einen eckel für alles trinken bekommen. Lessing 9, 579; allein verdenken kann ichs ihm jetzt nicht, dasz er für alles handwerk einen abscheu bekommen. Möser patr. phant. 2, 286; so ist er für die ungereimtheit der filzigen habsucht gesichert. Kant 10, 19. gott bewahre dich für einen nachbar, der böses thue. Claudius 4, 77, = gegen das zukommen oder das dasein eines nachbars, der u. s. w.; ich weisz nicht, welcher dämon mir eingab, eine hohe tugend auszuüben — gott bewahre mich für hohe tugenden! Caroline Flachsland an Herder, in Herders nachlasz 3, 180. in den fünf letzten stellen wird heute allgemein üblich hochdeutsch vor mit dem dat. gesetzt, und man würde vor allem trinken, vor allem handwerk, vor den ungereimtheiten, vor einem nachbar, vor hohen tugenden sagen.
eigentlich: in absicht auf etwas dasz dieses aufhöre oder nicht entstehe. die bedeutung geht zunächst aus der unter e) hervor.

ach, ach, dasz für die grosse brunst
kein kraut wächst auff der erden.
Opitz 1, 81 (Dafne 5);

o rautenstrauch, der felder zier,
für dem die schlangen fliehen,
der böse lust und schmertzen stillt,
für dessen krafft kein gifft was gilt. 83,

oder ist kraft dativ und bei für hier an die bedeutung B 3) b) zu denken?
Übrigens findet sich auch bereits vor mit dem acc.:

Lau (Stephan Lau) zitterte sich fast zu tode,
doch zittern half nicht vor den frost.
Burmann fabeln 116.


p) über und betreffend:

es (Grethchen) ist ein gar unschuldig ding,
das eben für nichts zur beichte ging.
Göthe 12, 134;

was raub! bin ich für nichts an dieser stelle!
ist dieser schlüssel nicht in meiner hand!
er führte mich, durch graus und wog und welle
der einsamkeiten, her zum festen stand. 41, 91.

mit dieser bedeutung hängt enge zusammen die folgende.
q) über und auf: so fleiszig wie ein deutscher von adel! das hab ich mein lebtag nicht gehört. hätt mir das einer geweissagt wie ich auf schulen war, ich hätt ihn einen lügner geheiszen. man sieht, man musz für nichts schwören. Göthe 42, 42.
r) hinaus über. eine oben von 1) c) abgeleitete, ein übertreffen, einen vorzug anzeigende bedeutung, die sich nach zwei richtungen scheidet. für nemlich drückt hier aus
α) ein »mehr als«: ahd. mit kelîchên dingen habest tu angelos unde homines fure gezucchet (= vorgezogen) fure anderiu tier, ih meino ratione et intellectu. N. Boeth. 150 (148 bei Graff). mhd.

die sëlben vreude ich prîse
vür alle die ich ie gesach. Iw. 689;

für alle mîne vriundegetrouwe ich iu wol. Nib. 853, 4;

wan sist (denn sie ist) im holt für elliu wîp. Parz. 87, 15;

du seitest mir ich wær dir liep vür elliu wîp. MSH. 1, 28a, 4, 2;

ir lîp vröut vür dës meien zît. 93b, 3, 4;

dicke schuʒʒen si dën schaft,
dâ bî wurfen si dën stein.
dô was under in dehein
dër ëʒ tëte für dën gast. Biterolf 3383.

nhd. für andere, mehr dann die anderen frölich, ante alios hilaris. Henisch 1291, 21; für ander höher gehalten oder geschetzt und geachtet, antelatus. 19. sihe wol reich (nemlich an gleiches ausdrückenden sprichwörtern) sind wir Teutschen für all zungen, wann wir nun unser eigen sprach könden reden, schreiben und recht applicieren. Frank sprichw. 2, 11b = Zürich 1545 1, 148a.

[Bd. 4, Sp. 641]


nach gantzem lust han ich mich gesellt
zu einem den han ich mir auserwellt
fur all wellt gemein:
er liebt mir (ist mir lieb) sicherlich allein
fur alles das auf erden mag geleben. fastnachtsp. 3, 1404;

desz wurd Pontus gar stoltz und prechtig,
für ander all am hof zu mechtig.
H. Sachs III (1588). 2, 185b;

du bist mir die liebst auff mein ayd,
für alle andre bawrn mayd,
die in dem gantzen dorffe sein. 3, 5b;

ja für alle mansbilder auff erd
mein hertz allein ewer begert. 38b;

preist jn für ander hauptleut gar. V, 281c,

ach gott wir haben geld und guht
für alles nur begehret.
Rist himl. lieder 21;

du sollst hieraus wohl in acht nehmen, es habe der mensch einen grossen vorzug für alle andere thiere. Scriver seelenschatz 1, 14;

ich seh gestirne kommen dicht gedrängt!
ein stern für viele, herrlich glänzet er!
Göthe 40, 388,

in der ausgabe von 1850 geändert in vor vielen.
Heute ist hier für ungewöhnlich und durch vor mit dem dat. verdrängt (s. vor). diese praep. mit acc. scheint sich schon ahd. in dem sinne in fora alle schînit, prepollet (gl. jun. 244) zu zeigen. nhd. aber steht auch früher für mit dem dat. s. unten B 3) f). ein dürftiger rest jener fügung mit dem acc. ist bei zahlen nach für geblieben: pfiffig indesz, werden manche sagen, sey mein nachbar doch für zehn andre. Lessing 10, 103; sie gesellte sich zu den garten- und feldgenossen, ergriff den spaten und arbeitete für zwey bis drey. Göthe 23, 223. doch setzt man auch hier lieber vor mit dat., oder ein bloszes mehr als: vor andern all, vor zehn anderen, vor zweien bis dreien, oder mehr als die andern all, mehr als zehn andre, mehr als zwei oder drei.
β) ein »lieber als«: mhd.

swaʒ si sagen, ich bin dir holt,
und nim dîn glesîn vingerlîn für einer küneginne golt.
Walther 50, 12;

daʒ müet mich inneclîchen sêre (wir lëbten ie vil wol),
daʒ ich nû für mîn lachen weinen kiesen sol. 124, 29;

doch næme ich sölhen blôʒen lîp
für ëtslîch wol gekleidet wîp. Parz. 257, 32;

ich sihe mîn liep für bluomen schîn,
mîn liep für vogel singen. MS. 1, 59a.

doch bleibt oft unbestimmt, ob diese oder die vorhergehende bedeutung gemeint sei, denn beide lassen sich nicht immer scheiden. nhd. liesze sich z. b. wol sagen er ist mir unter meinen freunden für zwei oder drei, lieber als zwei oder drei, einen beleg aber weisz ich nicht beizubringen.
s) der zahl und ordnung nach als. für das erste, für das zweite, für das dritte u. s. w., gewöhnlich praep. und artikel zusammengezogen fürs erste, fürs zweite, fürs dritte u. s. w. vgl. DWB erste 12) i). meine frau zwar wollte, dasz du solltest eingesteckt werden: aber fürs erste gieng das nicht, fürs zweyte drang ich mit meiner autorität durch. C. F. Weisze kom. opern 2, 228; für das zweite werdet ihr nicht leugnen können ... Lichtenberg 4, 234;

die schöne
Gieremund wollt er (der fuchs) besuchen in doppelter absicht: fürs erste
hofft er von ihr zu erfahren, was eigentlich Isegrim klagte.
zweytens wollte der schalk die alten sünden erneuern.
Göthe 40, 41.

fürs erste ist er ein schelm und fürs zweite ein dieb obendrein. dann hat für das erste, fürs erste auch die abgeleitete bedeutung: zuerst vor allem, vornehmlich. und das solt jr fur das erste wissen, das keine weissagung in der schrifft geschicht aus eigner auslegung. 2 Petr. 1, 20;

fürs erste lerne der, der grosz zu seyn begehret
den innerlichen stand des staates, der ihn nähret.
Haller die verdorb. sitten;

fürs erste kömmst du ungerufen ins zimmer ... und seit wann pflegt man denn meinen sohn anzumelden? Gotter der weise in der that s. 18; fürs erste würde ich mir eine kleine reformation in Ihren sitten ausbitten, wenn Sie mein schwiegersohn werden wollten! C. F. Weisze lustsp. 1, 337; fürs erste, sie nimmt Ihre geschenke an. 2, 102. aber auch zeitlich kommt es vor in dem sinne: jetzt, eben. betrachten mag ich dich fürs erste nicht. Lessing ... Sonst hat dieser, wie er auch vor sich statt für sich setzt: vors erste. lassen Sie sehen, was wir haben werden — der wirth. Sie sollen haben:

[Bd. 4, Sp. 642]


vors erste —. Lessing 1, 539; so haben wir sie doch vors erste. 2, 151 (Em. Gal. 3, 3). eben so bei Göckingk:

vors erste denn, so gern ichs möchte wissen,
gilt beides mir so ziemlich einerley. im Leipziger alm. d. d. musen 1777 s. 169,

dagegen ged. 1, 147 geändert in fürs erste sey mir beides einerley.
t) davon nach umfang oder zahl betragend. eine stellung, in welcher hochd. gewohnlich zu mit seinem dat. gesetzt wird. wir müssen die veränderung, die in einer sprache mit den sylben und buchstaben der wörter unvermercket vorgehet, für einen groszen theil der verzärtelung der organorum zuschreiben. Breitinger forts. der crit. dichtk. 19, = zum groszen theile. doch könnte hier auch die bedeutung e) sp. 632 stattfinden.
u) veranlaszt durch. eine bedeutung die sich nur findet in ahd. in noh thô ni giloubentên inti wuntrôntên furi givëhen, quad. T. 231, 1 (Luc. 24, 41), in der vulgata illis non credentibus et mirantibus prae gaudio, dixit. sonst steht überall fora mit dat., wie auch mhd. nur vor mit dat. vorkommt. nhd. hatte sich neben diesem vor noch für mit dat. geltend gemacht. s. hernach B 3) d).
v) Wenn man hier und da bei dem volk in Sachsen etwas für baar geld bezahlen, dann etwas, das sonst acht groschen kostete, wird jetzt für einen thaler bezahlt hört, so steht hier für baar geld, für einen thaler wie hochd. mit baarem gelde, mit einem thaler. Campe 2, 201a bezeichnet den gebrauch des für hier als unsinnig und verwerflich. das mag zuviel gesagt sein, aber keineswegs läszt sich derselbe empfehlen.
B. ruhe und erfordert den dativ. auch hier geht für
1) auf den raum und bedeutet
a) vorn in der richtung von oder zu, nach der vorderseite von, auf der vorderseite von. als wenn ich den spruch s. Pauli fur mir hab, da gesagt wird ... Luther tischr. 1, 6; und er (Joseph) war dreissig jar alt, da er fur Pharao stund. 1 Mos. 41, 46; da nu Joseph zum hause engieng, brachten sie jm zu hause das gesckencke in jren henden, und fielen fur jm nider zur erden. 43, 26; und neigeten sich, und fielen fur jm nider. 28; las deinen knecht ein wort reden fur deinen ohren, mein herr. 44, 18; und er (Jacob) sandte Juda fur jm hin zu Joseph. 46, 28; die kinder Ammon zogen aus und rüsteten sich zum streit fur der thür des thors. 2 Sam. 10, 8; Joab macht sich erzu mit dem volck das bey jm war, zu streitten wider die Syrer, und sie flohen fur jm. 13; Sobach der feldheubtman Hadad Eser zoch fur jnen her. 16; sie nam das gericht und schüttets fur jm aus. 9; und kam gen Jerusalem, und trat fur die lade des bunds des herrn, und opfferte brandopffer und danckopffer. 1 kön. 3, 15; und bawet eine halle fur den tempel, zwenzig ellen lang, nach der breite des hauses, und zehen ellen breit fur dem hause her. 6, 3; aber das haus des tempels (fur dem chor) war vierzig ellen lang. 17; und zog güldene riegel fur dem chor her. 21; ad fores fenestrae, für den fenstern. Alberus dict. dd 1a; prae me, fur mir. ebenda; extra urbem, für der stat. ebenda; ante ostium, für die thür, oder für der thür. ebenda; liesz er ihn ein weil für der thür stehn. dessen Esop 4 (1550 B 3a);

und siht den wolf stehn für dem hausz. 1550 s. 45;

den keiser will ich unterdrücken,
er soll sich noch gern für mir bücken. 157a;

find wirs (wir sie), wöll wir weger
sie beyd verklagen für dem pfleger.
H. Sachs II (1591). 4, 9d;

als der herr sah den rotzing hauffen
da für jm stehn kreysten und schnauffen. 4, 63c;

ich sach mir für einem walde
ein feins hirschlein stan. Ambraser liederb. 64, 1;

der buhler ligt gefangen
für seiner liebsten thür.
Opitz 2, 85;

dasz sich der elephant, o käyser, für dir neiget,
für dem der ochs erst sich so furchtsam hat erzeiget,
das thut er ohn befehl. 306,

schlägt er ihn heute todt,
so darff er morgen nicht für ihm stehn in der noth,
dasz er sich rechen wird.
Fleming 109;

wer wolte nicht viel lieber
an einen sichtbarn feind, für dem er stehen kan,
und auf gut ritterlich es mit ihm nehmen an. 134;

setze dich zu mir
an den cypressen stock, der für uns stehet hier. 2;

sind dieselbe auch alle für dem feinde geblieben. Micrälius alt. Pommern 2, 202; darmit ich ... mich mit meinen diensten

[Bd. 4, Sp. 643]


für deinen füssen demüthigen können. Olearius pers. rosenth. 5, 16; last sie meinem herrn könig eine dirne, eine jungfrau suchen, die für dem könig stehe und sein pflege. Schuppius 115, aus 1 kön. 1, 2; musz er sich doch offt für einen (lies einem) kahlen dintensieder, für einem schreiber oder stiefelschmierer bücken und den hut so tieff abziehen. 61;

Asträa weiht für dir bereits ihr kleinod ein.
Günther 741;

ich lasse mich nicht wohl für meinem kauffmann blicken.
Picander ernstscherzh. ged. 480,

wo übrigens für auch »in gegenwart von« bedeuten kann. s. nachher b). im 18. jh. erlischt dieses für in der schriftsprache und es tritt überall wieder vor an seine stelle.
Gegensatz ist hinter: anders für dem man denn hinter im reden und handeln. Spalatin bei Luther 5, 35b.
Bei norddeutschen schriftstellern läuft hier verwechselung des dat. mit dem acc. unter, so dasz zuweilen dieser erscheint, wo jener stehn sollte:

wie kan auf solche weis ein freier bürger schweigen,
und für die obrigkeit sich allezeit so neigen?
Rist parnass 60.

umgekehrt findet sich aber auch ebenfalls bei norddeutschen schriftstellern nach für der dat., wo der acc. stehn sollte: die sache gelanget für dem richter. Olearius pers. rosenth. 7, 14, statt für den, heute vor den, s. oben A. 1) a); da stellet sich der götze für dem mann und spricht ... Lokmans fabeln 16, statt für den mann, heute vor den mann. hier wäre für (vor) dem mann nur dann richtig, wenn der götze vor dem manne danieder gelegen und sich in dessen anschauen wieder erhoben hätte.
b) in gegenwart von, in wahrnehmung von d. h. wahrnehmbar von. eine aus der vorhergehenden flieszende, von ihr oft nicht zu scheidende weitere bedeutung (s. vorhin die stelle von Picander). und er gehet für jm über, und gibt jm nicht ein tropflin wasser. Luther 5, 47b; und die fürsten des Pharao sahen sie (Sara), und preiseten sie fur jm. 1 Mos. 12, 15; bey welchem aber du deine götter findest, der sterbe hie fur unsern brüdern. 31, 32; so sage nu fur dem volck, das (dasz) ein jglicher von seinem nehesten und eine jgliche von jrer nehestin silbern und gülden gefesz fordere. 2 Mos. 11, 2; las meine schwester Thamar komen, das sie mich etze und mache fur mir ein essen, das ich zusehe und von jrer hand esse. 2 Sam. 13, 5; aber Abraham bleib stehen fur dem herrn (es ist gott gemeint) und trat zu jm und sprach. 1 Mos. 18, 22; hab ich gnade fur dir (gott ist angeredet) funden, so mach mir ein zeichen, das (dasz) du es seiest der mit mir redet. weiche nicht bis ich zu dir komme und bringe mein speisopffer, das ich fur dir lasse. richt. 6, 17 u. 18; da ists nu fur gott gar umgekehrt. Luther tischr. 1, 9;

darzu ist das ein tugent fein,
dasz er (der löwe) für jhm lest etwas sein
auch ander thier.
Alberus Esop (1550) s. 91;

zerschmättert, sollen sie als scherben
für dir verfallen und verderben.
Weckherlin 5 (ps. 2, 9);

für mir verfünstert und verborgen. 132 (ps. 30, 9);

er hiesz die lahmen gehen,
die lauffen nun für jhm.
Opitz 3, 209;

wie? soll ich mich denn auff für deiner (gottes) hochheit blöhen,
ein pharisäer seyn?
Fleming 553;

wenn schon David die Abisag von Sunem nicht erkant hat, so war sie doch für got sein eheweib. Schuppius 16, vgl. 1 kön. 1, 4. auch hier erlischt für und es tritt wieder allgemein vor ein. wo es noch vorkommt, erscheint es nur wie ein nachklang aus früherer zeit: du könntest gott danken und dich für der welt grosz machen, wenn u. s. w. Göthe 42, 158, dagegen 8, 122 geändert in vor. auch kann für der mundart entnommen sein.
2) auf die zeit in der bedeutung: voraus, in der zeit rückwärts von. ja weil ich besorg, ir werdets nicht finden, hauet dieweil mit strosecken, es gehet für dieser fastnacht wol hin. Luther 1, 372b; alle jre vorfaren für Bonifacio. 8, 224a; 241 jahr fur Christus geburt. tischr. 1, 2;

es ist geschehn für langer zeit.
Alberus Esop (1550) 62, vgl. 157. 216;

für etlich jarn. 82;

Cornelius Celsus floruit paulo ante Quintilianum, eyn kleyne zeyt für dem Quint. dessen dictionar. uu 1a; für des menschen erschöpffung. Mathesius Sarepta 7a (10a); wer für ihnen das land eingehabt, ist insgemein unbekand. Micrälius altes Pommern 1, 2; was sich für zweyen tagen auff der mauwren zugetragen. buch der liebe 213, 3;

[Bd. 4, Sp. 644]


was kan ein herr, ein fürst, ein könig bessers lesen,
als was für uns und jhm geschehen und gewesen.
Opitz 1, 12;

des Ruggiers wird gedacht, von welchem für der zeit
ewr unterherren all und jhr entsprossen seyd.
Werders Ariost 1, 4, 3;

dasz für einem jahr sein juncker ihn wegen einer gesetzpredigt seines dienstes entsetzt hab. Schuppius 88; da ist man insgemein den abend für neun oder zehen uhr nicht zur tafel gesessen. 105. so auch in für tage. mitteld. vur dage. Karl Meinet 239, 40 (s. 364). nhd. es gewehnet sich Cyrus desz morgens für tage auff zu sein. Spangenberg jagteufel 312.
Mit dem superl. längst:

ey was beschwerstu dich, den helm zu lassen hier
den du für längsten schon soltst wieder geben mir.
Werders Ariost 1, 26, 8;

Orlando, der für längst hatt' heftig schon geliebet. 5, 1.

in jener stelle steht der dat. pl., in der letzten der dat. sg. nach für, später zusammengerückt fürlängst. s. fürlängst.
Mit dem gegensatze nach neben sich: wie sich für unnd nach der sündflut die alten bergkherrn und sincher verhalten. Mathesius Sarepta (1562) 8b.
Später überall vor, wie dem ahd. und mhd. gemäsz gesetzt werden sollte und auch Luther in der bibelübersetzung hat: sorge macht alt vor der zeit. Sir. 30, 26.
3) auf verschiedene andere verhältnisse und hat hier die abgeleiteten bedeutungen
a) in beziehung oder hinsicht des ansehens u. s. w. von:

da gürtete daheim der vater seine lenden,
fiel, ohne scham und scheu für dem Justinian,
mit einer scheer, o trotz! das corpus juris an.
Lichtwer fab. 4, 25.


b) in beziehung auf die gegenwart von, in beziehung auf das dasein oder entstehn von, in beziehung auf das zukommen von, in beziehung auf das gegenübersein oder entgegensein von, in beziehung auf das einwirken oder wirken von. bei einem verbum, als: verbergen, sich verstehlen, bewahren, hüten, in acht nehmen, sich fürchten, zittern, beben, erschrecken u. s. w., fliehen, flüchten, laufen, weichen u. s. w., warnen u. s. w. denn du verbirgest dein angesicht fur uns und lessest uns in unser sunden verschmachten. Jes. 64, 7; und wenn sie sich fur meinen augen verbürgen im grunde des meers, so wil ich doch den schlangen befelhen, das sie daselbs stechen sollen. Amos 9, 3;

wie lang verbirget sich für meiner schweren pein,
herr, deiner gnaden süsser schein.
Weckherlin 46 (ps. 13, 1);

verberget für mir nur nicht ewer schön gesicht.
Werders Ariost 11, 8, 7;

es waren da viel ställ umbher, bey dieser höhlen,
dasz für der sonnen sie sich konten nein (hinein) verstehlen. 10, 6;

beware auch deinen knecht fur den stoltzen, das sie nicht uber mich herrschen. ps. 19, 14; wer seinen mund und zungen bewaret, der bewaret seine seele fur angst. spr. Sal. 21, 23; fur einem bösen weib das deine wol (das adv.) bewaren. Sir. 42, 6; der herr ist trew, der wird euch stercken und bewaren fur dem argen. 2 Thess. 3, 3; man mus sich hüten für dem geitz, das er uns nicht heimlich erschleiche und einneme. Luther 5, 410b, vgl. DWB datum, wo die stelle vollständig; hütet euch fur dem geitz, denn niemand lebet davon, das (dasz) er viel güter hat. Luc. 12, 15; so hüte dich fur allem bösen. 5 Mos. 23, 9; hüte dich fur der plage des aussatzs. 24, 8; ich bin on wandel fur jm und hüte mich fur sünden. 2 Sam. 22, 24; ein jglicher hüte sich fur seinem freunde und trawe auch seinem bruder nicht. Jer. 9, 4; Jhesus aber sprach zu jnen: sehet zu und hütet euch fur dem sawerteig der phariseer und saduceer. Matth. 16, 6; für dem, der dir dein lob umbs geld verkaufft, dich hüte. Olearius pers. rosenth. 8, 38; sich für dem giffte fürsichtigst hütten. Butschky Patmos 414;

so pflegt ihr eure gunst wol allen anzubieten,
die mutter sagt ganz recht: man soll sich für euch hüten.
Dusch verm. werke 483;

wenn meine äbtissin guten humors war, pflegte sie zu sagen: hütet euch, ihr kinder, für den mannsleuten überhaupt nicht so sehr, als wenn sie liebhaber oder gar bräutigams geworden sind. Göthe 42, 54; hüte dich ja für der lüderlichkeit. derselbe bei Jahn 208; sich für einem angreifer in acht nehmen. Heilmanns Thucydides 532; so müszte ich mich für ihm als fur dem henker fürchten. Luther tischr. 2, 126; du solt dich fur deinem gott fürchten. 3 Mos. 19, 14; der herr

[Bd. 4, Sp. 645]


aber ist mit uns, fürchtet euch nicht fur jnen. 4 Mos. 14, 9; denn ich furchte mich fur dem zorn und grim, da mit der herr uber euch erzürnet war, das er euch vertilgen wolt. 5 Mos. 9, 19; fürchtet euch nicht fur denen, die den leib tödten und die seele nicht mögen tödten. fürchtet euch aber viel mehr fur dem, der leib und seele verderben mag, in die helle. Matth. 10, 28; förcht dir nicht für desz feuers glut. buch d. l. 217, 1; ich fürchte mich nicht für diesem gifftigen wurm. Olearius Lokmans fab. 4; man müsse sich für ihm fürchten. 13; der sich für dir wird fürchten. dessen pers. rosenth. 1, 10; er wird sich auch nicht recht für ihm fürchten. Schuppius 193; für den festungen dürfen wir uns nicht fürchten. Heilmans Thucyd. 165;

vornehmlich furchte sie sich für der opferzeit.
Rost schäferged. 84, vgl. schäfererz. 58;

ist ein rechter bursch, fürcht sich für hexen. Göthe 42, 258, dagegen 8, 21 an derselben stelle dem schriftdeutschen gemäsz vor; sich für dem tageslichte fürchten. Leisewitz briefe 237;

das lamb erschrack für solcher stimm.
Alberus Esop 23 (1550 13).

man sagt: hunde heulen und zittern auf kreuzwegen für gespenstern, die dem menschen unsichtbar vorbeiziehen. Göthe 42, 86; feiger! wie sehr habe ich mich betrogen! gewohnt an das, was der pöbel frevel nennt, bebst du für diesem? v. Brawe der freigeist 103. für etwas erschrecken. in der Wetterau sagt man von milchwecken, die blasse farbe haben: man meint, die seien für dem tod erschrocken.

man sah
jhr faistes angesicht und hertz als für dem tod
sich krümmen, dörren, schrincken.
Weckherlin 70 (ps. 18, 68).

die jäger ..., für welchen er (der hirsch) flohe. Olearius Lokmans fab. 2; dasz ich für den menschen geflohen. 8; Atreus, der des todes des Chrysippus wegen für seinem vater geflohen. Heilmans Thucyd. 10; denn hätten sie für einer fluth geflüchtet, so ist zu vermuthen, dasz sie eher und mehr und mehr die gipfel der berge gesuchet hätten, als eine höhle, die unter ihnen vom wasser bald erreichet wird. Wille an Merck, in Mercks briefen 2, 225;

kaum sahn die matadors der hölle
die giftgeschwollene Marelle (name einer bösen frau),
so bebten sie bestürzt zurück,
fort brüder, schrie der ganze hauffen,
hier ist es aus mit unserm glück:
der teufel selbst musz für Marellen lauffen!
Burmann fabeln 57;

kein muthiger pygmä ist Schwaben (Joh. Joach. Schwabe) zu vergleichen,
wann für der waffen blitz die kranche schüchtern weichen.
Rost vorsp. 23.

das (dasz) sich der gottlose warnen lasse fur seinem wesen. Ezech. 33, 8; warnestu aber den gottlosen fur seinem wesen, das er sich davon bekere. 9; dasz sie (die übersetzung) einen für gewissen fehlern warnet. Heilmans Thucyd. vorrede s. 15; schreibt ein junges genie von verdienst, so such ich es empor zu heben, nicht zu unterdrücken. aber für dem verfasser der leidenden frau (Klinger, dessen hier gemeintes trauerspiel aber »das leidende weib« heiszt) musz man ehrliche leute warnen. H. L. Wagner die frohe frau 17.
bei einem subst., als: fahr, furcht, angst u. s. w.

wann sie eins pfennings wurden gwar,
der stund für jhn in grosser fahr.
Alberus Esop 34;

aus furcht für dem jäger und für einer kleinen gefahr. Olearius Lokmans fab. 8; die liebe zur wahrheit besieget in mir alle furcht für dem grimm der spötter. Liscow 289; ihre furcht für den Herakliden. Heilmans Thucyd. 10; aus furcht für eurer macht. 40.
bei einem adj., als: sicher, angst, bange u. s. w.

es kundt kein (keine taube) sicher für jhm (dem habicht) sein.
Alberus Esop (1550) 62.

wer das pulver von eychenmisteln abends und morgens braucht in warmem bier, der ist sicher für der pestilentz desselben tags mit gottes hülff. Lonicerus kräuterb. 88a.
Heute überall, wenn nicht alterthümlicher oder mundartlicher ausdruck herscht, wieder vor. vgl. oben A 4) n).
Aus dieser bedeutung aber geht die folgende hervor, welche mitunter schon durchblickt: fur jrer macht halt ich mich zu dir (gott ist angeredet), denn gott ist mein schutz. ps. 59, 10.
c) was gegen mit dem acc., gegen das drohende dasein oder eintreten von:

[Bd. 4, Sp. 646]


sölch brot (das im heiligen abendmahl ist gemeint) das dort dj engel nert,
würt nyeszlich hj der seel beschert ....
stärckt allermaist für tugent schwancken.
Schwartzenberg 155, 1a;

liebes Moab, sey du jr schirm fur dem verstörer. Jes. 16, 4; eine fromme oberkeit, so jhr volck beschirmet für den tyrannen und bösen buben. Alberus Esop s. vii (1550 A ijb);

schirme mich für angst und grauen.
v. Canitz 11;

es war keine stad die sich fur uns schützen kund. 5 Mos. 2, 36; die hültzern ... götzen können sich nicht schützen fur dieben und reubern. Bar. 6, 56.

ich traue seiner gnaden,
die mich für allen schaden (pl.),
für allem ubel schützt.
Fleming 287;

für meinen verleumbdern ... vertheidingen. Alberus Esop s. xii (1550 A iijb); verhoffend, es (das tractätlein) werde ... für naseweiser maulaffen unzeitigen (so steht da) urtheil an diesen orten sicher seyn. Schuppius 2; für den feinden sicher sein. Olearius pers. rosenth. 1, 8. 12; ich bin für seinem zorn nicht sicher. 1, 16; für den spilen eine abscheu tragen. Butschky Patmos 668.
Später überall vor.
d) auf grund von, aus veranlassung von, veranlaszt von, aus: ich kann es in dem zimmer für hitze nicht aushalten. des tages verschmacht ich fur hitze und des nachts fur frost und kam kein schlaff in meine augen. 1 Mos. 31, 40; fur hunger sollen sie verschmachten. 5 Mos. 32, 24; so ligen sie fur hunger verschmacht. Jer. 14, 18;

studierte jener itzt noch so,
für lohn, so müszte Salomo
nun freylich wohl für hunger sterben.
Göckingk 2, 125;

und endlich liesz der filz sein weib für hunger sterben,
er that es, o des schimpfs! um menr von ihr zu erben.
Lichtwer fab. 4, 5;

die elenden und armen suchen wasser, und ist nichts da, jre zunge verdürret fur durst. Jes. 41, 17; dem seugling klebt seine zunge an seinem gaumen fur durst. klagl. Jer. 4, 3; der herzog kann für schnuppen nicht schreiben, sagt er. Göthe an frau v. Stein 2, 36. er kann für fieber nicht auf sein. ich bin bald in dem zustande dasz ich für lauter materie nicht mehr schreiben kann. Göthe an Schiller 259; für lauter äuszerlichkeiten hat sich von innen nichts entwickeln können. derselbe in Bettinens briefen 2, 288;

das jahr übt seine heiligende kraft,
was grau für alter ist, das ist ihm göttlich.
Schiller Wallenstein, erster druck 2, 17 (Wall. tod 1, 4),

in spätern drucken, auch in den sämmtlichen werken 362b unbefugt in vor geändert; jr fels wird fur furcht wegzihen. Jes. 31, 9; so hetten sie doch mocht fur furcht vergehen. weish. 17, 9; ... erschracken sie und sprachen: es ist ein gespenst und schrien fur furcht. Matth. 14, 26; die hüter aber erschracken fur furcht und wurden als weren sie tod. 28, 4;

die steuerleute aber wissen sich
für groszer furcht nicht rath.
Schiller Tell, erster druck 162 (4, 1);

und soll ich für furcht eines qualvollen lebens sterben? räuber 4, 5, auch hier später unbefugt vor, sämmtl. werke 135a; welcher für schrecken so bleich und entferbet, dasz jm unmüglich ein einig wort zureden. Amadis 220;

für schrecken glaubte diesz die junge Doris kaum.
Rost schäfererz. 47. schäferged. 72;

da bin ich wieder — wo ist eure mutter?
»da steht sie an der thür und kann nicht weiter,
so zittert sie für schrecken und für freude.«
Schiller Tell, erster druck 228 (5, 2),

später auch hier, sämmtl. werke 550a, unbefugt in vor geändert;

sie (die ratte, welche gift gefressen hatte) kam für angst am hellen tag
der küche zugelaufen,
fiel an den herd und zuckt und lag.
Göthe 7 (1790) 44,

aber 1827 12, 106 geändert in vor angst;

heut ist der vierdte tag,
dasz ich für leide nicht für leute gehen mag.
Fleming 105;

wen disz exempel nicht erschreckt
und sich entsetzt für solcher pein,
der musz ein harter demant sein.
Alberus Esop (1550) 32;

und sie zu bissen (zerbissen) jre zungen fur schmertzen, lesterten gott im himel fur jrem schmertzen und fur jren

[Bd. 4, Sp. 647]


drüsen und theten nicht busse fur jre werck. offenbar. Joh. 16, 10 u. 11; müszt ich nicht für schmerz, für beängstigung untergehen, wenn ihr blut meinen degen färben sollte. Göthe 10, 76;

in den armen liegen sich beide
und weinen für schmerzen und freude.
Schiller im musenalm. 1799 s. 182, dagegen sämmtl. w. 63a unbefugt vor;

ich dachte, er wollte für neid und verdrusz auf der stelle umkommen. Göthe 34, 58; meine mutter starb darüber für gram. Heinse Ardinghello 1, 87;

(der kranke kranich) seufzt für gram und schmerz.
E. v. Kleist neue ged. (Bertin 1758) s. 44;

manch herr professor kriegte schon
für kummer graue haare,
dasz mehr jetzt gilt der Agathon
als facultätenwaare.
Bürger im Göttinger musenalm. 1777 s. 194,

später geändert in vor kummer (s. sämmtl. werke 40a);

ein welkes haupt ...
bewegte sich für schwachheit hin und wieder.
Rost schäfererz. 63. schäferged. 97;

die angst trat häufig ausz,
und bricht für heisser noth zu mund und augen rausz.
Fleming 136

und unterwegs begegnet ihm ein schwarm
von hornissen, die fallen auf sein rosz,
dasz es für marter todt zu boden sinkt.
Schiller Tell, erster druck 191 (4, 3);

ich kanns nicht sagen für weinen und freude. Klinger theater 2, 334; und gieng hin fur freuden uber dem selbigen (dem gefundenen schatze). Matth. 13, 44; da sie aber noch nicht gleubeten fur freuden und sich verwunderten. Luc. 24, 41; ich werde toll für freude. Klinger 2, 333; für freude brach mir der schweisz aus. Claudius 3, 51;

will mich wälzen und für freude schrein. 1 u. 2, 194;

ach! ich bin entzückt für freuden.
Mylius verm. schr. 489;

er kann sich für freude nicht lassen.
Göthe 3, 4;

Maria. da lief das kind nach haus und konnt für freuden nichts reden. Karl. und fiel seiner mutter um den hals und weinte für freuden —. 8, 19. 42, 22;

und er und sie, kurz alle beyde
zerschmelzeten fast für gewiszensfreude.
Rost schäfererz. 62. schäferged. 87;

für lust, die keinem noch von menschen ist bewust.
Fleming 34;

(die schar der kraniche) eilt
mit schnellen flügeln fort und schreyt für lust.
E. v. Kleist neue ged. 44;

für ungefühlter reiner lust
vergasz sie allen schmerz.
Chr. Stolberg 1, 69;

gebötest du, mich wieder einzustellen,
du würdest mich für liebe sterben sehn.
Hagedorn 3, 34;

wenn ich fast für lieb gestorben.
Göthe 2, 254;

im voraus seh ich schon die freude,
im bilde trift mein wunsch schon ein.
ja, Doris, ja ich seh uns beide
für zärtlichkeit entgeistert sein.
Rost schäferged. 35;

ich brenne seit geraumer zeit
für sehnsucht und für zärtlichkeit
so einen nahen freund zu küssen.
Lichtwer fab. 3, 13;

es war hohe zeit, dasz ich mich auf den weg machte, ich wäre für sehnsucht vergangen. Göthe in Mercks briefsamml. 2, 269; wenn du doch balde wieder kommen könntest. da mir auch Fritz fehlt, möcht ich krank werden für sehnsucht. derselbe an frau v. Stein 3, 178; dieses (das volk) weisz niemals für lauter wollen was es will. werke 23, 258. 49, 116; für ungeduld läuft das mädchen fort. 45, 172;

das pferd fieng weidlich an zu treten
für ungedult.
Claudius 1 u. 2, 153;

mag nicht für langer weile schwitzen.
Göthe 47, 35;

geliebtes kind, ich sterbe für betrüben,
wenn nicht dein blut aus liebe für mich wallt.
N. Götz, oden Anakr. 53;

ich schweige für erstaunen, königin,
dasz man dein ohr mit schrecknissen erfüllt.
Schiller 418b (Maria Stuart 2, 3);

sie sank für scham in seinen arm.
Göckingk 3, 107;

ach ich ersticke!
ich sterbe für wuth!
Göthe 11, 22;

für wuth möcht ich mich selbst auffressen. 42, 200; knirschend für wuth. Klinger 3, 159. für zorn bersten.

[Bd. 4, Sp. 648]


wenn deine huld und gunst bey dir ist gantz entschlaffen
und du für zorne brennst.
Fleming 15.


mit dem artikel vor dem subst.: ich wil dir wolthun, und deinen samen machen, wie den sand am meer, den man nicht zelen kan fur der menge. 1 Mos. 32, 12;

sie alle die hand am schwert,
alle kriegesgelehrt,
jeder an der hüfte sein schwert,
fürm graun der nacht.
Herder lieder der liebe 37;

wie freut es mich, dasz Fritz einen flusz mit schiffen, und bäume gesehen hat, die sich für der last der früchte zur erde beugen. Göthe an frau v. Stein 3, 178.
auch mit dem nebenbegriffe, dasz der grund in einem zuviel, oder einer besondern stärke dessen enthalten ist, das der dat. ausdrückt, also in der bedeutung: auf grund eines zuviel von, wegen eines zuviel von:

für jugend kann sie nicht dein zärtlich herz erkennen.
sie sieht dir etwas an und weisz es nicht zu nennen.
Rost schäferged. 129.


Auffällig aber bleibt der acc. statt des dativs nach für und ist wol nur durch verwechselung gesetzt, wie sie in Norddeutschland vorkommt:

(der ritter) stand wie jener da,
den, als ein glücksfall ihm geschah,
der schlag für frohen schreck getroffen.
Thümmel d. heil. Kilian 51.


Heute ist freilich vor üblich. dasz aber für noch bei unsern classischen schriftstellern oft genug gesetzt wird, zeigen die eben angeführten zahlreichen stellen, und es hätte der bei mehreren angegebenen eingetretenen änderungen in vor keineswegs bedurft, zumal da daneben noch für stehn geblieben ist.
e) in vergleichung mit: dabei man einen für den andern kennen und unterscheiden kan. Luther 7, 403b;

schau, der gewinn steht hier,
für welchem dein verlust dir kommt wie keiner für.
Fleming 199;

man wird ein grösser werck bisz in die wolcken führen,
für welchem Babels bau sich wie nicht durffte rühren. 138;

doch diese sängerin musz für Belinden weichen.
Dusch verm. werke 162.

in dieser bedeutung aber blickt mitunter leise oder merklicher die eines vorzugs, eines übertreffens durch, und es entwickelt sich die folgende bestimmtere.
Heute steht durchgehends vor.
f) zuerst in vergleichung mit, am meisten in vergleichung mit. die praep. drückt also einen vorzug, ein übertreffen aus. so sehet für allen dingen, dasz ihr dem herrn, dem ihr dienen werdet, die impression machet, dasz ihr wol wisset das einmal ein, dasz euch sey alle rechnung gemein. Schuppius 30;

gewalt gieng underweiln für recht.
Alberus Esop (1550) 15,

heute im sprichwort gewalt geht vor recht; weyl nun Elia der grossen propheten einer ist, welchen der son gottes mit einem sundern geyst unnd krafft für viel andern begabet. Mathesius Sarepta (1562) 4b;

Leander war ein glückeskind
für mir und meines gleichen.
Fleming 541;

auf! Dangeau, den verdienst und stand für andern ehren.
Canitz 143;

sey nun für andern stoltz, du neu erwehltes hausz!
Günther 640.

für andern, anderm vorgezogen, vor anderm. Mich. Neander bedenken 4.
Heute wird hier überall vor gesetzt.
C. Gleichsam ausnahmsweise hat für auch den gen. bei sich. dies in dem seltenen für dessen = in der der gegenwart vorausgehenden zeit, in früherer zeit: ... welche wohl wusten, dasz er für dessen die wandersleute bisz zum dorffe hinaus verfolget hätte. Justus Gottfried Rabener nützliche lehrged. (Dresden 1691), bei Gellert 1, 32. jetzt vordessen, vordes, s. d. und vergl. auch DWB ehedessen, DWB ehedes. in der Wetterau fir âlersch d. i. für alters; heute hochd. vor alters. s. vor.
Rückblick auf die praep. für.
Sieht man zurück auf dieses für, seine rection und bedeutungen, so ist es im nhd. in die rection des dat. vorgedrungen und damit in die des nahe stehenden vor und dessen bedeutungen, während umgekehrt dieses in die rection des acc. vordrang, damit in die des für und seine bedeutungen. dieses vordringen des vor aber bahnt sich schon im ahd. an, wie oben sp. 620 u 641 gezeigt wurde (s. auch vor), und ist mit jenem

[Bd. 4, Sp. 649]


des für im 16. jahrh. vollendet, weshalb auch Albertus Ölinger in seiner grammatica 168 u. 188 für und vor als mit dem dat. und acc. gefügt angibt. im 17., 18. und 19. jh. bemühten sich dann die grammatiker, festzustellen, wann für und wann vor zu setzen sei. zuerst geschah dies von Johann Rudolph Sattler in seinem zu Basel 1610 gedruckten werke teutsche orthographey und phraseologey s. 24, wo er sagt: bey guten authorn, die noch vor wenig jahren im truck auszgangen, wirdt gefunden, dasz dieser underscheid zwischen dem für und vor gehalten worden: für haben sie gebraucht an statt des lateinischen pro, als für einen schreiben, fürschreiben, fürsprech, fürgehn; so dann das vor, an statt desz lateinischen ante, als er ist vor ihme allhie gewesen, vorgehn, vormahls. dann fügt er noch hinzu: vor kurtzer zeit aber ist es dahin kommen, dasz man ohne underscheid das vor braucht, redt und schreibt, vor einen schreiben, vorschrifft, vorsprech, vorgehn, u. s. w. u. s. w. für einen gehn und vor einem gehn sind ja zweyerley: darumb ich meiner einfalt nach (meniglich ungetadlet) dafür halte, dasz solches viel mehr ausz miszbrauch, weder aber mit guten fundamenten beschehe. s. Reichards historie d. deutschen sprachkunst (Hamburg 1747) s. 60. der um 31 jahre spätere Schottelius s. 771 f. (1641 s. 639) theilt kurz und bestimmt für die bedeutung pro und den acc., vor dagegen die bedeutungen ante, coram, prae und den acc. und ablativ zu, während Gueintz in seiner deutschen rechtschreibung 67 f. vor von einem ort oder einer zeit, von pro oder ante nimmt und für so viel bedeuten läszt als »an eines stelle gleiche verrichtung thun« und prae oder coram, wozu er am ende fügt: jedoch weil diese vorwörter und praepositiones prae, pro und ante ofte für einander im lateinischen gebrauchet werden, so geschicht es auch, das der unterscheid in dem deutschen zwischen vor und für nicht allemal genau beobachtet wird: insonderheit wird man darinnen bey den reimen in den endungen etwas nachzugeben haben. Stieler hochd. sprachk. s. 238 u. 239 läszt für mit dem acc. und vor mit dem dat. und dem acc. gefügt werden, doch findet sich im sprachschatz 583 auch für mit dem dat. in »für augen haben, habere in conspectu«, wie daneben er hat mich vor augen. Frisch 1, 307c hebt, dürftig genug, als hauptsächlich hervor, dasz für allezeit den acc. regiere und so viel als anstatt sei, während vor immer auf einen ort oder eine zeit gehe. mit gröszerer genauigkeit aber führt Freyer 150 bei für, das mit einem acc. construiert werde, die bedeutungen anstatt, zu gute an und faszt es weiter als wort des werthes (z. b. er hat in acht tagen für einen gantzen thaler obst aufgegessen), als beschreibungswort (z. b. ich halte sie für feinde. Röm. 11, 28. für lieb nehmen), als zahlwort (z. b. fürs erste), vor dagegen s. 162 hat nach seiner angabe einen accusativum, wenn es ad locum auf einen ort gehet, und einen ablativum, wenn es in loco, an einem orte, bleibet, oder eine gegenwart, zeit, vorzug, gefahr und ursache bedeutet. das aber ist bereits in den grundzügen ersichtlich bei Sattler, deutlicher niedergelegt bei Schottelius, und im wesentlichen unterscheiden gleicherweise bei vollständigerer angabe der begriffe Gottsched in seiner grundlegung (1748) s. 431 f. u. 439 = sprachk. (1762) s. 512 f. u. 521 f. und Adelung mit ausführlichkeit in seinem lehrgebäude 2, 140—147, kürzer in seinem wb. 22, 362 f., wobei übrigens, wie z. b. in der stelle klagel. Jer. 3, 8, offenbare unrichtigkeiten untergelaufen sind. am ausführlichsten handelt Popowitsch in seinen anfangsgründen der deutschen sprachkunst (Wien 1754) s. 422—442, und auch Karl Philipp Moritz in seinen schriften vom richtigen deutschen ausdruck (2. aufl., Berlin 1796) s. 36—40 und vom unterschiede des acc. und dat. (6. aufl., Berlin 1817) s. 54—57 u. 167—168 läszt sich des breiteren auf diese unterscheidung ein. bei allen aber ist eine tief eingehende historische forschung nicht anzutreffen, und diese war auch für die eben genannten grammatiker nicht möglich. was Adelung höchstens bietet, sind einige leichte blicke auf das ahd., das mhd. ist fast ganz auszer acht gelassen. erst Graffs ahd. praepositionen s. 130—155 enthalten, wenn auch eben nur auf das ahd. beschränkt, eine gründliche untersuchung, und gramm. 4, 785—787 dehnt sich die forschung in bündigster kürze zu gröszerem umfange aus. auf beidem beruhen hauptsächlich die synonymischen unterscheidungen von für und vor in dem wb. d. d. syn. 1, 477—479. hier wird auf solche am füglichsten erst unter vor, nachdem auch dessen bedeutungen dargelegt sind, besondere rücksicht genommen.
Noch ist zu erwähnen die zusammenziehung der praep. für mit dem artikel, zunächst dem bestimmten. in dieser wird, wie in den angeführten belegstellen ersichtlich ist, für das zu fürs,

[Bd. 4, Sp. 650]


für dem zu fürm und für mit dem acc. sing. masc. den zu fürn. ein anderes fürn ist aus für mit dem dat. pl. den:

hastu (spricht der wolf zum lamm) mich nicht einmal verklagt
fürn schäferhunden und gesagt
ich sey ein mörder und ein dieb?
Alberus Esop (1550) 14;

(das vöglein cassita hatte in die frucht) genistet und stundt in der fahr
fürn schnittern. 66.

auszerdem kann, wie für das zu fürs, sich für mit nachfolgendem des ebenfalls zu fürs zusammenziehen:

so behüt euch gott der herre
fürs teuffels trug und listigkeit. neue zeitung 1605, in
Adrians mittheil. 392.

er trat fürs königs thron. doch wird dieses fürs als eine härte in der schriftsprache gemieden. mit dem unbestimmten artikel zusammengezogen kommt nur fürn aus für einen vor. vgl. oben sp. 1629 fürn narren halten und narr.
II. für das adverb. in ihm verbindet sich nicht selten räumliche und zeitliche bezeichnung, so dasz sich beides nicht wol trennen läszt, wie es vorhin bei der praep. stattfand. die bedeutungen sind
1) vorn und angesichts. vgl. oben A 1) a). gegensatz ist hinter: mhd.

gên ich hin für, ich bin doch iemer hinder ir.
Walther MS. 1, 119a (vgl. Lachmann 56, 1 und s. 179).

das wort findet sich aber nhd. nur in der abgeleiteten bedeutung: in der vorbereitung zur that oder zum wirklichwerden, im werke: ich mercke wol das (dasz) etwas für ist und die sachen nicht richtig sein. Heinrich Julius v. Braunschweig Susanna 2, 5. s. fürsein.
2) hervor, heraus, hinaus. gegensatz ist ein (mhd. în), hinein. mhd.

wan daʒ hât dâ ninder stat,
und vil gerûmeclîchen pfat,
zeinem ôren în, zem andern für. Parz. 241, 25.

nhd. in summa, es gebürt dem thier,
welchs ich bracht ausz dem abgrund für.
Fischart Jesuiterhütlein A 8b;

derhalb wer lust zu kempffen hat,
auff den plan für her zu uns tret.
Ayrer könig in Cypern 400a,

trag alles, was du hast in kuch und keller, für.
Fleming 589;

und wenn ein armes knäblein stand bettelnd vor der thür,
reicht er vom schwarzen laiblein ein dünnes stückchen für.
Rückert 212.

s. DWB fürbrechen, DWB fürbringen, DWB fürher, fürreichen, fürtragen u. a. m.
3) vorher. gegensatz ist nach: es schweig aber der pfaff. noch (nach) wie fur, einen weg als den andern. Alberus wider Witzeln G 3b. sonst ist in dieser schrift gewöhnlich vor = vorher gesetzt.
4) vorbei, vorüber. vgl. I A 1) d). mhd. daʒ snit (die ernte) und daʒ wînlësen sint beidiu vür unt ist uns ir beider nicht worden. Leyser pred. 20, 35;

daʒ ich sô dicke unliebe spür,
dës was ich nâch an allen mînen fröiden für. MS. 1, 151b,

deshalb war ich beinahe an allen meinen freuden vorbei, hatte ich beinahe auf sie alle verzichtet. nhd. so die würdtschafft für ist. Frank weltb. 205b;

das sage ich dir,
die halbe mitternacht ist noch nit für. Ambraser liederb. nr. 62, 12.

später durch vorbei, vorüber ausgedrückt. s. DWB fürgehen, DWB fürlaufen, DWB fürreisen, fürreiten, fürsein u. a. m.
noch bedeutet schweiz., bair., tirol., kärnt. das adv. für vorbei, vorüber, dann aus, zu ende. Stalder 1, 405; Tobler 199b. Schmeller 1, 554 f. Schöpf 162. Lexer 105. appenzell. auch er ist för, gestorben. Tobler a. a. o.
5) vorn weiter, vorwärts. in verbindungen mit einem andern adv. durch und.
a) für und wieder, vorwärts und zurück, und wieder und für, zurück und vorwärts: mhd.

dô saher für unde wider
an der clâren meide lîp. Parz. 591, 12;

dô suochter wider unde vür
und ënvant vënster noch tür
dâ ër ûʒ möhte. Iw. 1145;

sus gienc ër wider unde für,
unz ër dën rîchen palas vant. Parz. 588, 26;

ëʒ ist als ein sneller wint
dër wider unde vür wæt. krone 6032.

auch vür noch wider:

done mohte dër gast vür noch wider. Iw. 1126.

[Bd. 4, Sp. 651]



nhd. wenn das geschech das jhr begert
das Plutus wider gesehend wür,
so würd er gehn wider und für,
und denn reich machen jederman.
H. Sachs II (1591). 2, 15d,

ja herr, da tratt er wider und für
all tag wol dreymal für die thür,
fro war er, liesz ich jhn ins hausz. 18b,

(das weib) laufft ein stieg auff, die ander ab,
und schnurrt im hausz wider und für. 4, 8b;

du steigst int gärtn wider und für. III (1588). 3, 6b;

vorausz bey der hindern thür
da niemand geht wider und für. IV. 3, 2c.

dieses wider und für, oder, wie wir heute schreiben würden, wieder und für, erlosch aber bald, indem sich wider und für oder für und wider in einem andern sinne geltend machte. s. unten 6).
wie übrigens für und wieder einander hier entgegengesetzt sind, so finden sich auch, unverbunden durch und, mhd. vür und hinder, doch dieses in der folgenden stelle als praep.:

dô vür dër vatter (ein alter krebs) solte gân,
dën wëg er hinder sich dô nan (nahm).
Boner 65, 37.


b) verstärkungen.
α) für und für, vorwärts und vorwärts, d. h. unaufhörlich weiter in der bewegung, immerfort vorwärts, immerfort. Jacob Grimm in seinen aufzeichnungen vergleicht es fort und fort. s. DWB fort 3) c). für und für, offt und dick, beharrlich, perpetim, subinde, continenter, in perpetuum, assiduè, jugiter. Henisch 1299, 54. wan aber ein geschrei über sie gat, so sünden sie für und für, und meinen, es gelte nun gleich. Keisersberg narrensch. 88b; also wollen sie für und für sünden bis in ir end. seelenparadies 108a; ein mensch musz sich des fleiszen und sich ganz daran gewönen, das er alle seine werck gott zu lob tue für und für. pred. 54b; das sehen wir in dem fliessenden wasser, das da allwegen on underlasz für und für fleuszt. schiff der penitenz 32a; welcher der nechst an dem bret ist an dem herren, der halt sich genow hin an den andern, darnach der nechst an den selbigen, darnach aber nechst an dem bret schmuckt sich an den selben, und also für unnd für, ye einer an den andern, wie ein kethin da ein ring an dem andern hanget. sünden des munds 15a; (der stumme fängt an zu reden) und blieb darnach für und für redend. Pauli schimpf 16b;

das beschicht als umb unser küngin,
die im für unnd für ligt im syn. Theuerdank 95, 106;

derselben künigin gefiel er
für unnd für ye lenger, ye pass. 98, 189;

den fan des creützes nymm z trost, ...
damit genäh dich z der thür,
steyg kägklich, täglich für und für.
Schwarzenberg 153c, vgl. kecklich;

gott wöl solch müh vergelten dir,
die du für und für hast zu mir.
H. Sachs III (1588). 3, 35a;

streng für und für geschossen wardt.
Soltau volksl. 370;

das ers ... mit allem mutwillen imer mehr für und für treiben möchte. Luther 6, 330a; frechlich für und für fahren. br. 2, 113; das ist mein name (spricht gott) ewiglich, da bey man mich nennen sol fur und fur. 2 Mos. 3, 15; und solt sie (die leibeignen knechte und mägde) besitzen und ewre kinder nach euch, zum eigenthum fur und fur. 3 Mos. 25, 46; er hette dein reich bestetiget uber Israel fur und fur. 1 Sam. 13, 13; herr gott, du bist unser zuflucht, fur und fur. ps. 90, 2; dein gedechtnis herr weret fur und fur. 95, 13; dein gott Zion (ist) fur und fur. 146, 10; die krone weret nicht fur und fur. spr. Sal. 27, 24; seine herrschafft wehret fur und fur. Dan. 3, 33; sie lagen einander für und für im haar. Wickram rollw. 23; do hader und zanck für und für ... gewehret. 71; bestunde er für und für auff seinen eylff augen. 93b, vgl. wb. 1, 800; stellebogen, die für und für gespannt waren. Götz v. Berlichingen 68; allda ist für und für hitz, was gegen mittag ligt. Frank weltbuch 17a; Jörg. so handlen sie darnach den gemein nutz. Franz. ja für und für. Schade satiren u. pasquille 2, 54, 28; die fürsten loszent wcherei der geselschaft, beschwerung, bedrug und falschen gewin also für und für geen, dasz man dargegen ire unrechtlich neuw zöl und anschleg, steuwer und schatzung auch nit anfichtet. 57, 13; dann er hat für und für gesagt, ich werd im die pillelen, das ist den neuwen zol, z reiten (zubereiten) oder daran verhindern. 58, 8; also gehet der wucher für und für, gült genant, 78, 36; in das rechte vatterlandt (den himmel),

[Bd. 4, Sp. 652]


darin wir ein gewisz ort und bleiben für und für haben werden. Mathesius Sar. (1562) 296a; dann es der übeltheter im anfang einmal durch bosheit seinen willen erlangt und sich verschempt (schamlos bezeigt) hett, wer kein aufhören do oder besserung zu warten, dann das er durch solch weg für und für gieng. Schöfferlin Livius 17; lang in dem garten auff und abgieng, für unnd für gedanken hatt. Galmy 25; sie auch für und für mahnen zu sterben und den todt mit gedult zu vertragen. 299; die herzogin mit solcher klag für und für ihr zeit vertreiben thet. 304; die pferdt für und für den weitzen abetzten. Frey gartengesellsch. 13b; du schiltest mich für und für. 44; sondern schrei für und für. 95; bleibst doch für und für ein armer mühseliger stumpffer. Kirchhof wendunmuth 131a; die anzahl knechte, so etwa in einer festung für und für, ob es gleich friedt ist, ligen. dessen milit. discipl. 215; ich sag für und für, sagt die alt, du seyest zu weich gegen jhm. buch der liebe 215, 3; zum ersten fluchete die frau und handelte ihn übel aus, der mann sang für und für: adsperges me etc. Henneberger landtafel 483; (die mistel) grünet für und für. Lonicerus kräuterb. 87b; sie fangen an im meien zu blühen und währen für und für in stätiger blüt bis in den winter hinein. Tabernaemontanus 712; für und für. Mich. Neander bedenken 15b. Petr. 76b; ein geschray das für und für gaht, unnd stets wäret, rumor firmus. Henisch 1299, 58, nach Maaler 146b;

deine kürch ...
soll ... für und für seelig wehren.
Weckherlin 203 (ps. 93, 6);

wann du die menschen fleugst (fleuchst), machst noch im leben dir
ausz deinem hausz ein grab und tichtest für und für
auff bücher.
Opitz 1, 58;

dieses ziehl nach welchem dir
stehen musz hertz und gedancken
unverwand und für und für. 2, 67;

soldaten die verlangen
nach blute für und für. 85;

alle vögel in den lüfften
hört man singen für und für. 206;

ich empfinde fast ein grauen
dasz ich, Plato, für und für
bin gesessen uber dir. 311;

so singen für und für
die götter und auch wir.
Fleming 385,

fliest ...
hinfürder für und für.
wie vor, und nun. 528;

er, der fürst der artzeneyen,
sie, das bild der zucht und zier,
für und für,
mögen glück- und frölich freyen. 394;

bisz dasz ihr kummt ins wol, das wol bleibt für und für.
Logau 1, 68 (AA);

so blühe für und für dein haus und stamm!
A. Gryphius 1, 30, = 1663 s. 24;

reine lib herscht für und für. 163 = 1663 s. 165;

dasz seine barmhertzigkeit zwar wehre für und für bey denen die ihn fürchten. Schuppius 193, nach der weiter unten angeführten stelle Luc. 1, 50;

o tummer wahn! der die für weise hält,
die für und für im dunkeln schatten sitzen.
Drollinger 40;

hol ich (schreibt der teufel) ihn (Gottsched ist angeredet) einst, so soll er mir
meinen braten wenden für und für.
Rost der teufel, in Schmidts anthologie 1, 218;

und für und für zum dudeldum der sfären
die grazien tanzen sehn.
Wieland 9, 132;

drob sei auch von nun an leben
und unsterblichkeit gegeben
deinem namen für und für.
Bürger 27b;

mein trautel hält mich für und für
in festen liebesbanden. 29b;

wenn einer sich zu mir kehret:
geh, ruf ich, für und für!
Göthe 3, 201,

= weiter fort; ich bin ein kind des friedens, und will friede halten für und für, mit der ganzen welt, da ich einmal mit mir selbst geschlossen habe. 29, 119; neigung aber und liebe unmittelbar nachbarlich angeschlossen lebender durch so viele zeiten sich erhalten zu sehen, ist das allerhöchste, was dem menschen gewährt sein kann. und so für und für! an frau v. Stein 3, 460;

das mühlrad, von der flut gerafft,
umwälzt sich für und für.
Schiller 68a;

nacht ists und stürme sausen für und für.
Platen 32;

[Bd. 4, Sp. 653]



da Deutschland ruft: kommt wieder!
bleibt bei mir für und für!
Freiligrath an seine tochter str. 8.

alle diese belege, denen noch zahlreiche hinzugefügt werden könnten, zeigen, dasz der ausdruck für und für geläufig war und es bis heute geblieben ist, also keineswegs als veraltet gilt, wie ihn bereits Adelung ansieht. Schweiz. für und für, nach und nach, allmählich. Stalder 1, 405.
Selten tritt hier vor ein: diejenigen, welche dem läger vor und vor mit jhrer kramerey und handthierung nachziehen wöllen. Kirchhof milit. discipl. 95, während an einer anderen, oben angeführten stelle für und für.
Nachdrücklich verstärkend erscheint für und für neben den synonymen immer und stets: seine barmhertzigkeit weret jmer fur und fur, bey denen die jn fürchten. Luc. 1, 50; und lag ein groser schne und schnigt stets für und für. Mone zeitschr. 3, 173. aus dem jahre 1533. jenes würde gleich einem immer fort und fort, das letzte gleich einem stets fort und fort sein.
Wie aber für und für heute noch geläufig ist, so sind die folgenden verbindungen, gleich für und wider oben, erloschen.
β) für und an:

fürwar, fürwar, man hat euch gselln
das wort bey uns nit wol gethan,
wie jr all beyde für und an
uns jungfrawen sehr ubel redt.
H. Sachs III (1588). 3, 38b;

weil man kan einen biderman
am angsicht kennen für und an.
Frischlin Julius redivivus 141.


γ) für und hin, fort und fernerhin, fortwährend:

wiewol er aber für und hin
mich huret, säcket, raufft und schlug.
H. Sachs IV. 3, 10c;

dasz jn reitz mein kleglich geberd ...
und ich bey jm ewiglich bleib,
in lieb verbunden für und hin. V, 265c.


δ) fort und für. s. DWB fort 3) a).
6) zum vortheil, zu gunsten, zum besten. vgl. oben A 4) f). in dieser bedeutung, in der für mit wider verbunden wird, aber in anderem sinne, als vorhin, sticht das adv. als ein praepositionales besonders hervor. bist du für oder wider? bring deine gründe für und wider vor. man gebraucht aber den ausdruck gerne substantivisch und zwar, was das geschlecht anlangt, als neutrum, wie dies bei substantivisch gesetzten partikeln zu geschehen pflegt (vgl. gramm. 3, 539). dasz nicht das für und wider mir aufs neue durch die seele schwankt. Göthe 8, 255; ich habe keinen auftrag, jedes für und wider noch einmal durchzugehen. 265; als endlich ein fall, über den die stadt in bewegung gerieth, eines morgens das für und wider für einige stunden heftig hervorrief. 23, 25; die geistlichkeit sowohl als die laien theilten sich in das für und wider. 24, 62. übrigens ist der der älteren sprache unbekannte ausdruck nicht so substantiviert, dasz er eine casusendung annähm
ähnlich für und wider sagt man auch, doch weniger häufig, für und dagegen: die gründe für und dagegen haben wir wechselsweise vorgebracht. Göthe 17, 13.
7) mehr als erforderlich, übrig. schweiz., s. Stalder 1, 405. Tobler 200a. ich hab das für, das bleibt mir übrig. Stalder a. a. o. s. fürig, fürsein.
8) Besonders zu erwähnen ist was für, dessen bedeutung sich sehr der des pronomens welch nähert, in so fern dieses fragend (vgl. unten die stelle Schuppius 702), verwundernd oder ein anstreben vom ungewissen zum bestimmten in sich schlieszend steht; doch scheint was für mehr auf die beschaffenheit zu deuten. was sind das fur rede, die jr zwischen euch handelt unter wegen, und seid trawrig? Luc. 24, 17;

die gäst sahen mich alle an,
was ich wer für ein göckelmann.
H. Sachs I (1590), 380a;

mein herr ist heut lang in dem rhat,
was man halt für ein handel hat,
ist wol ein stund uber die zeit. V, 274c;

wie wol ich nicht weis, was für schneider
im himel seind, so machen kleider.
Fischart v. s. Dominici L 3b;

was es seyen für fein gesellen. O 1a;

was mst man nur für laugen brauchen,
das man jm möcht die nasen bauchen?
was mst man für starck wasser nemen
das jm den unflat möcht verschwemmen? S 4b;

was sie allerhand für kurtzweil vorhaben die männer zuergötzen. Fischart Gargantua 68a = (1608) H iiija, wo berichtigt

[Bd. 4, Sp. 654]


ist in was sie für allerhand kurtzweil; dasz was euch gleich für übels inn diesem streit begegne, jhnen darüber kein gewalt oder leid zugefügt werde. Amadis 415;

was haben wir indessen (im jahre)
für missethat vergessen
für gutes werck vollbracht.
Opitz 3, 178;

wenn wir nicht wüszten ..., mit was für feinden ihr krieg führet. Olearius Lokmans fab. 11; ein jeglicher kennet am besten, und weisz, was es für eine gelegenheit mit ihm hat. 20; nehme ausz der welt die gläubiger und schuldner, welche, oder was für andere wirst du haben? Schuppius 702;

was würde nicht bey ihm für eine lust entstehn?
Gottsched ged. 1, 486;

was beym zweyten Ferdinand
Opitz sonst für gnade fand. 2, 17;

mein bitten rührt dich nicht, du kannst es nicht ergründen,
was in dem worte: ja! für eine wollust steckt.
Rost schäferged. 5;

himmel was für entsetzlicher pein bin ich aufgehoben! E. C. v. Kleist neue ged. 123; Moloch, Adramelech, Typhon, oder was du sonst für ein böser geist bist. C. F. Weisze lustsp. 1, 35; ah! deine selige mutter, was das für eine frau war! 278; was zum henker für ein gewäsche (geschwätz)? 3, 373; du weiszt nicht, was ich mit Tulpen für absichten habe. 294; was sie für schöne rothe bäckchen hat! kom. opern 3, 108; was ist das für mannsvolk? 224;

was klang dort für gesang und klang?
was flatterten die raben?
Bürger 11b (Lenore str. 21);

was sie sich für mühe gab!
zehnmal wischte sie und rieb es.
Gotter 1, 53;

was für ein irrgeist treibt mich herum? Fr. Müller 3, 44; was für ein anderer unterricht sich sonst noch anschliesze. Göthe 22, 164;

was für ein hirnverrückender planet
verwirrt euch also die gesunden sinne?
Schiller 461b;

was war das für ein placken und schinden
bei Gustav dem Schweden, dem leuteplager? 322a.


da also was für in seinem begriffe mit welch sich enge berührt, so ist das in der umgangssprache oft gebrauchte, im pl. fragende was für welche? nicht zulässig: ich habe meinem freunde einen pack bücher geschickt. »was für welche?« dagegen kann in beziehung auf ein vorausgehendes subst. bloszes was für gesetzt werden, und es braucht jenes nicht wiederholt zu werden: gelehrsamkeit, aber was für? keine ausgebreitete, sondern diffundirte, keine gründliche, sondern velitirende, nicht einmal belesenheit im wahren sinn. Göthe 33, 118.
mit einem gen., wie wenn was allein da stünde, das fragend den gen. häufig bei sich hat (s. DWB was und gramm. 4, 451. 737) und da auch gerne in der bedeutung von was für steht: antwort die jungfrau, dasz diesen rittern, jn und all andere herren disz königreichs, sicherheit und frey gleid gegeben werde, der gestalt, dasz was euch gleich für übels inn diesem streit begegne, jhnen darüber kein gewalt oder leid zugefügt werde. Amadis 415.
Auch hier schleicht sich durch mundartliche verwechselung vor ein, so dasz statt was für ein unzulässiges was vor unterläuft:

was bringt mein alt vor newe mär.
H. Sachs II (1591). 4, 9c;

was sie euch vor einen bescheid geben werden. Ettner hebamme 364; und was das wieder vor umstände sind! das schiebt sich und verschiebt sich. Göthe 23, 21. mit dem vom verbum erforderten acc. hinter vor: so konnte ich nicht sehen was bei der ehrbaren welt und bei mir vor einen dank zu gewarten. Simpliciss. 2, 160.
Auslassung von für scheint hier und da ohne störung des sinnes vorzukommen: ich weisz nicht, was ich anzügliches für die menschen haben musz: es mögen mich ihrer so viele und hängen sich an mich. Göthe 16, 11; auf was weise er den hammer in die fundgrube einwerffen musz. Ettner hebamme 365, vgl. 347; so weisz ich doch nun auch, auf was art sich die teufel danken. Schiller (Gödeke) 3, 506. s. was.
9) Endlich findet sich auch für statt dafür gesetzt: sie mugen im wol sagen, precht er einen oder czwen von den, dy pey der selben nam (= beraubung) weren gewest hy czwischen und lichtmesz, und unser geschollen (= schuldner) weren, oder in eim menet (monat), so wolt man in ausz für lassen und dor zu ein schenck thun. chronik. der deutschen städte 2, 86, 36. in jüngerer zeit kommt das wort nicht mehr in dieser weise vor.

[Bd. 4, Sp. 655]


Zusammensetzungen mit für.
Wenn die praep. für nur in einer einzigen zusammensetzung als letztes wort vorkommt, nemlich in dem oben sp. 620 angeführten allfür, so findet sich dagegen das adv. für als letztes wort mit einem andern adv. zusammengesetzt in dafür, früher darfür, in herfür, mit abfall des anlautes erfür, ferner in hiefür oder hierfür, hinfür, hinterfür, wofür, welche wörter besonders nachzusehen sind. wie aber die unzusammengerückt gebliebene verbindung was für auch getrennt werden kann, dasz zwischen was und für mehr oder minder andere wörter des satzes treten, so kann dies gleicher weise bei dem aus da und für zusammengerückten dafür (s. d.) geschehen:

wie bald verwirret gott, was wir so mühsam richten!
wer weisz, da er für sey, ob diese schöne stadt
der krieg in kurtzer zeit nicht auffgerichtet hat.
Opitz 2, 165;

da sey gott für,
dasz es bis dahin kommen soll!
Schiller 344a (d. Picc. 2, 7);

da sey gott für! Göthe 10, 157. hier ist, um dies zugleich zu bemerken, dafür vollständig richtig und nicht in davor zu ändern, denn es steht nicht statt vor dem, sondern drückt so viel aus als für das = gegen das. vgl. A 4) o). so kann auch davor nicht gebilligt werden in

was kann denn ich davor,
dasz du mit langem ohr
geboren bist, herr esel?
Gleim der esel u. der eseltreiber 1;

kann ich davor, wenn Braun mit blutiger platte
wieder zurückkehrt?
Göthe 40, 60.

s. DWB dafür und DWB davor, so wie vor.
Die mit dem adv. für zusammengesetzten wörter, in welchen dasselbe zuerst steht, sind überaus zahlreich, und hier erscheint es am meisten mit verben zusammengesetzt, doch ist bei diesen bis auf wenige im laufe des 18. jahrhunderts und vollends im gegenwärtigen vor statt für eingetreten, weshalb vorzugsweise die mit vor zusammengesetzten verben nachzusehen sind. hier gilt es hauptsächlich, diese mit für zusammengesetzten verben als vorkommend nur zu belegen. der ton ruht bei ihnen auf für und das part. praet. wird gebildet mit ge- unmittelbar vor dem mit dieser partikel zusammengesetzten verbum. das anschlieszen derselben vornen findet aber eben so, wie in den participien, im inf. und in bedingender rede statt, während sie im imp. und in directer rede los nachfolgt. die zusammensetzung ist also eine uneigentliche. weit weniger häufig, als die zusammensetzungen des für mit einem verbum, waren die mit einem subst., aber die zahl ist, da auch hier an die stelle desselben vor trat, heute bis auf wenige zusammengeschmolzen. in einigen verbindungen mit einem adj., in welchen sich für mit diesem zusammenschob, ruht der ton auf dem letzten, eben so in zusammensetzungen mit einem adv.
Wenn aber bei den zusammenschiebungen des für und eines adj. jenes sich auch zu einem tonlosen ver- abschwächen kann, wie vergut und verlieb statt fürgut und fürlieb zeigen, so steigert sich umgekehrt die untrennbare zusammensetzungspartikel ver mitunter zu für, wie z. b. aus fürhöret, fürnummen in Luthers briefen 5, 671 statt verhöret, vernommen ersichtlich ist.
 
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für, n.
1) das übrigbleibende, das zurückbleibende. s. DWB für II 7). das für, übrig, reliquus, residuus. Dentzler 2, 117a.
2) in für und wider, n., s. oben sp. 653.
 
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fürab, adv. weiter hinab, tiefer hinab, abwärts. schweiz., wo man fürabe, verabe sagt. Stalder 1, 363. 404. zu betonen füráb.
 
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furache, f. eine art wasserfahrzeug. nun dieses schwantzlappen thier ward zu meer in dreyen furachen, und einem jagschiffelin geführt bisz in den anfurthafen zu Olone im Thalmonderland. Fischart Garg. 146b (R 4b. Scheible 269). da das wort nur in dieser stelle vorkommt, so scheint es elsässisch. Sollte es sich vielleicht aus bair. vorachen f. (Schmeller 12, 138) näher bestimmen lassen und ein platteres fahrzeug zum auffangen des auf dem wasser treibenden bedeuten? s. DWB vorache.
 
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füran, adv. , noch bair., wetterauisch, aber hochd. heute voran (s. d.). betont fürán. auch wetterauisch firôn mit dem tone auf dem zweiten worte der zusammensetzung und zugleich stumpfem klange des n; doch bair. fran und zwar als zuruf (s. Schmeller 1, 554), koburgisch fra (Frommann 2, 85, 35).
1) räumlich, eigentlich wie bildlich:

ich gang furan, sech in nit an.
Ambrosius Blaurer ein schön lied wider weltlichen geschmuck str. 10.

s. voran. schweiz. füran, insgemein. Stalder 1, 405.

[Bd. 4, Sp. 656]



2) von der zeit, in folgenden bedeutungen:
a) zuerst. da hat er (st. Benedictus) füran xij clöster gebawen und mit closterleüten besetzt. darnach samlet er vil junger, mit derselben hilff erobert er schier die gantze welt. Frank chron. 466a.
b) von nun an, fortan, von jetzt an, in zukunft. ich trink nun nit füran von disem geschlecht der reben unz an den tag, so ich neu trinke mit euch in dem reich meins vaters. bibel von 1483 483a (Matth. 26, 29); füran werdt ir sehen den sun des menschen sitzend zu der gerechten der kraft gottes, kommend in den wolken des himmels. Keisersberg schif d. penit. 85a (Matth. 26, 64); zum ersten sollen die arch auf der Thunau, nachdem sie dem fischwerch vast schedlich seind, all hin und abgethan und füran nit mer geschlagen oder eingelegt werden. bairische landsordnung von 1553 bch. 5 art. 4 (s. Schmeller 1, 103).
 
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füranhin, adv., ein verstärktes füran in der bedeutung 2) b). betont füranhín. mein geist, der do ist in dir, und meine wort, die ich leget in deinen mund, die scheiden sich nit von deinem mund und von dem mund deines samens, spricht der herr füranhin und ewigklich. bibel von 1483 357b (Jes. 59, 21); wann Daniel ward gross in dem angesicht des volks von dem tag und für anhin. 424a (Dan. 13, 64 = hist. v. d. Susanna 64).
 
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fürarbeiten, in antecessum laborare. Dentzler 2, 117a. heute vorarbeiten, s. d.
 
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furätze, fürätze, f. eine wasserfurche, d. h. eine zum abflieszen des wassers von einem acker auf diesem gezogene furche. elsässisch und schweizerisch. fürätze, wasserfurch, aquarius sulcus, alias elix. Dasypod. 333b. eben so wol furetze, füretze: furetzy (die) furetzinen machen, das sind die tieffen furhinen und gräble so man machet auff dem fäld wenn es schon gesäyt und geegget ist, damit das wasser dardurch geleitet und aufgehan werde, lira, lirae, wasserfurhen. Maaler 152d. bei Frisius findet sich das wort nicht. fur scheint fure, furche (s. DWB fuhre), aber wie ist ätze, etze zu nehmen?

 

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