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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
funseln bis funtus (Bd. 4, Sp. 615 bis 616)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) funseln, n., der inf. des vorigen verbums substantivisch in allen bedeutungen desselben. in dem sinne »unschlüssigkeit, indem der handelnde bald so bald anders will, so dasz keine förderung stattfindet:« aberst wenn ich das funzeln so länger hätte ansehn können: näh, ich will nicht, näh, ich mag nicht! und das schmeckn und lecken wie die katz um n brey, so konntn Sie auf die ehr (der verbindung mit Sophien) lang gewartt habn. Bode Thomas Jones 6, 481 (bch. 18 kap. 12). über die schreibung funzeln s. den vorigen artikel.
 
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fünsinger, m. ein alberner, einfältiger mensch, dessen handlungen lachen erregen. funsinger, baburnus .i. (= i. e.) stultus. vocab. incip. teuton. f 3a. offenbar aus einem andern drucke desselben buches bei Lessing, der blosz »vocab. teut.« citiert: funsinger, stultus. s. Lessings leben 3, 153. in andern ausgaben mit i für ü vinsinger, welche form Diefenbach 64b verzeichnet. es ist ursprünglich einer aus dem bei Ebersberg in Oberbaiern gelegenen dorfe Fünsing um 800 und noch um 1060 Funsinga (mon. boica 6, 152. 33), 1358 Funsing (ebenda 348), auch im 12. jh. Funsingen (ebenda 73. 135. 176. 190), Vunsingen (ebenda 67), Funesingen (ebenda 176. 197), heute in amtlicher schreibung mit i für ü Finsing (s. DWB funs), dessen bauern ehedem in demselben rufe standen, wie gegenwärtig die bürger der städte Schilda, Scheppenstädt, Polkwitz. eben Hans Sachs weisz von den Fünsingern mancherlei lächerlich albernes, theils in schwänken (II 1591, 4, 44b. 66c—67b. 93d—94c. 94c—95b. IV, 3, 86c—87a u. V, 382) theils in einem fastnachtspiel vom rossdieb, den die bauern des dorfes, um ihn nicht bis zur hinrichtung verköstigen zu müssen, welche sie um vier wochen, bis nach dem schnitte des auf den äckern am galgen stehenden kornes, aufgeschoben hatten, aus dem thurme entlieszen, indem sie einen eid von ihm nahmen, dasz er sich nach abgelaufener zeit pünctlich wieder einstelle, damit er sich dann hängen lasse (IV, 3, 25a—28b). als schelte hat er Finsinger I, 232b (1590 171c). s. birenbrater. von Fünsing und den Fünsingern aber hebt er an II (1591), 4, 66c:

es ligt ein dorff im Bayerlandt,
dasselbig Fünsing ist genandt,
darinn etwan vor langen jarn
sehr einfeltige bawren warn,
tölpisch, toll, grob und ungeschaffen (unschicklich),
als ob sie weren aus Schlawraffen (Schlaraffenland);

93d

ein bawrnknecht Liend Tötsch genannt
dient zu Fünsing im Bayerlandt,
da denn gar tolle bawren sind,
dergleich man sonst im land nicht find.

ähnlich VI, 3, 86b:

es ligt ein dorf im Bayerland,
dasselbig Fünsing ist genandt,
da sassen leppisch bawren drinn.

dann läszt er IV, 3, 26a den rossdieb sagen:

nun mag ich auff mein warheit jehen,
grösser narrn hab ich nie gesehen.
recht thut man noch, dasz man die bawren
zu Fünsing nennt die thollen lawren. 24a.

Vgl. Schildbürger und s. Schmeller 4, 52.
 
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fünslein, n., dim. von funse und funsel. im letzten falle steht es für fünsellein. unrichtig ist fünzlein.
 
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funslig, fünslig, adj. mit so viel zeitraubenden kleinigkeiten verbunden oder aus so viel kleinen theilchen bestehend, dasz ein vorwärtskommen kaum wahrnehmbar ist. altmärkisch von einer arbeit. so ist die entwirrung verworrenen garnes, feine stickerei, die zusammenstellung kleiner theile zu einem ganzen u. dgl. eine fünzlige arbeit. Danneil 59a. über die unrichtige schreibung mit z s. DWB funseln. man schriebe aber, was den auslaut betrifft, wol richtiger funslich, fünslich, denn das wort scheint aus funsellich, fünsellich, mit aufgehn eines l hervorgegangen und also aus funseln, fünseln und -lich zusammengesetzt zu sein.
 
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funst, f. was faust. es ist, wie aus faunst, faunz (s. d.) für fauns erhellt, oderd. fûst, eben jenes unser nhd. faust, mit eingetretenem n und dadurch kurz gewordenem u, wofür der reim in folgender stelle eines mhd. gedichtes spricht:

diʒ mær ist uns in bœser kunst,
dës wirt mîn hant ein funst. Ls. 1, 372, 50.

[Bd. 4, Sp. 616]



do man in (Jesum) an die wangen sluoc,
an sîne zarten backen,
mit fünsten ûf dën nacken.
Mones schausp. d. mittelalters 1, 221, 32,

wo der herausgeber ganz unnöthig viuste ändern zu müssen glaubte. pugnus, eyn faust, funst. Dasypodius 198c. 289a; funst, pugnus. 334a. in einem Schweizer weisthum v. j. 1400: welher einen schlat (schlägt) mit der funst. weisth. 4, 285. in einem andern v. j. 1429: welicher ouch den andern mit der funst schlecht. s. 299. besunder ist zu Wiltha sant Cristoffels zan so grosz als ain mansz funst (eine mannsfaust). geistliche jungfrau, bei Schmid 183 (nach einer mittheilung A. v. Kellers aus Schmids handexemplar ist die citierte geistliche lehrschrift eine veesenmeyerische papierhs. des 15. jh.). auch die von Barack herausgegebene chronik der grafen von Zimmern 2, 344 hat funst. noch heute wird dieses wort in Ulm und der umgegend gehört. Schmid a. a. o. und Keller (brieflich).
Ueber eintritt eines n namentlich nach dem vocale in der stammsilbe bietet belege aus der alemannischen mundart Weinhold in seiner alemann. gramm. s. 170, aus dem bairischen, wo sich n nicht so häufig einschiebt, in seiner bair. gramm. s. 173 f.
 
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fünstig, adj. was faustig, fäustig, also wie faustdick, faustgrosz. von funst (s. d.):

das weger wer (dasz es wahrlich wäre), es schlüeg der hagel,
fünstig stein und yse nagel.
Ruff Etter Heini 2905.


 
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fünstre, f. finsterheit, finsternis. mit ü für i, also für finstre, unverkürzt finstere, mhd. vinster, finster f., ahd. finstarî, finistrî, finstrî, vinistrî, vinstrî.

durch deinen gnadenschein mein fünstre zu erleuchten.
Weckherlin 203 (ps. 102, 3).


Da finstere, finstre kein besonderer artikel gewidmet wurde, so ist hier nachzuholen, dasz es auch, wie lichte f. in der bedeutung »tag«, geradezu statt »nacht« steht: so mag er das pfand inne haben drei liechten oder zwo finstere. weisth. 3, 667, = drei tage und zwei nächte; dasz man solch pfand drei finster und zwo liechten, oder drei liecht und zwo finster, aber nit lenger, behalten mag. ebenda. diese bedeutung fehlt bei Schmeller, ist aber gerade Baiern eigen.
 
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funstern, pfuschen, ungeschickt und schlecht nähen, schlecht schneidern. brem. wb. 1, 468. es scheint von der unter funs aufgestellten wurzel finsan fans funsun funsan abgeleitet zu sein und ursprünglich »rasch (übereilt) und so leichtfertig arbeiten« zu bedeuten.
 
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fünsternus, für finsternis. Adrians mittheil. 331.
 
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funte, fünte, f. ,
1) der taufstein, baptisterium. Henisch 1290, 38. Schottelius 1321. brem. wb. 1, 468. Stürenburg 63 (doch wird, nach Jütting, heute ostfriesisch nur fünte gehört). altfries. font, funt n., taufe, taufstein. Richthofen 750a. mittelnl. vonte, vunte Kilian (1599) s. 636b. nnl. vonte, vont f., taufstein, taufschüssel. engl. font. isländ. fontr m., taufstein, altnorweg. funtr (Fritzner 177b), schwed. funt m. Mit dem christenthum überkommen, aus lat. fons in dem altkirchlichen sinne von fons baptismi, fons baptisterii, wasserbecken, in das die einstiegen, die getauft wurden.
2) die taufe. so ostfries., mittelnl., s. Stürenburg a. a. o. Kilian a. a. o.
übrigens findet sich das wort auch schon in dem ahd. ausdrucke funtdivillôl m., pathenkind (Maszmann kleine sprachdenkm. s. 129), das aus lat. filiolus de fonte entlehnt ist.
 
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funtus, interj. die in der Altmark, in Braunschweig der ausruft, der etwas, sei es gesucht oder zufällig, findet. Danneil 59a. Frommann 6, 476. Funtus, habt dank ihr meine augen, ihr entdecket mir. Hazards lebensbeschr. 152. Auch ins dän. eingedrungen, wo funtus bei Heiberg sich findet, wie eben bei Frommann a. a. o. durch drei belegstellen gezeigt ist.
der ausruf kommt hiernach nur in einem theile Norddeutschlands vor und scheint ein aus der schule in das volk eingedrungenes latinisiertes fund, das nd. sowol die handlung des findens, als auch das gefundene ausdrückt. vgl. DWB fund 1) u. 2).

 

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