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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
funse bis funslig (Bd. 4, Sp. 613 bis 615)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) funse, f. eine kleine, überhaupt eine geringe, eine dunkel, wenigstens nicht gar hell brennende öllampe. braunschw. (Castelli 134), eben so in Schlesien und zwar, wie hier Weinhold 24b genauer angibt, zu Breslau, Reichenbach und Glaz. östr. funzn (Ziska 1, 27. Castelli a. a. o.). im Kuhländchen fons; im hennebergischen fonse, ölfonse, woneben fonsel, ölfonsel (Reinwald 1, 112). in Hessen, der Wetterau, Nassau, am Rhein kennt man das wort nicht, das sonach von dem braunschweigischen über einen theil des östlichen Mitteldeutschlands und von diesem südlich bis über die Donau sich erstreckt, während das von funse abgeleitete funsel vorzugsweise einem groszen theile Norddeutschlands eigen ist und nach Mitteldeutschland stark vordringt. was die herkunft betrifft, so führt funse auf goth. fôn gen. funins, altn. funi, feuer, das, nach GDS 84 (vgl. auch wb. 3, 1581) ein wurzelverbum funan fan fônum, leuchtend sein, brennen, voraussetzt.

[Bd. 4, Sp. 614]


aber für das ableitende s, ursprünglich -as, findet sich durch misverstand auch z geschrieben, da sich nach n beide laute in der aussprache kaum unterscheiden lassen.

du wurdest jederzeit vor andern wohl empfangen,
wir steckten fremden nur die hellerfunzen an:
dir aber muste stets der tisch mit kerzen prangen.
Günther 1100.

in dieser stelle erscheint im gegensatze zu der kerze die funse, ohne dasz es der verstärkung durch die zusammensetzung hellerfunse bedurft hätte, in schlagender weise als geringfügig, wie denn auch überhaupt mit funse eine lampe oft mehr verächtlich benannt wird.
Klein in seinem deutschen provinzialwörterbuch 1, 129 führt als zweite bedeutung an: »auch das ausgebrannte docht vom licht, wenn es noch dunstet«, und bezeichnet dieselbe mit der ersten als schlesisch. aber weder Bernd noch Weinhold verzeichnen sie.
 
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funsel, f. was funse. Frehse 23a. Bernd 68. brem. wb. 1, 468. Schambach 283b. Danneil 59a. henneberg. fonsel, ölfonsel, funsel, neben fonse, ölfonse. Reinwald 1, 112. Frommann 3, 131. ruhlaisch funsel, foinsel, œlfunsel, œlfoinsel, thür. funsel, fonsel, êlfonsel (ölfunsel). Regel Ruhlaer mundart (Weimar 1868) s. 186. vgl. noch thranfunsel. auch so viel als laterne. Schambach a. a. o.
ein durch einen theil Niederdeutschlands, nemlich die fürstenthümer Göttingen und Grubenhagen, das bisthum Hildesheim (wo man funsele hört), die Altmark, Mecklenburg, das groszherzogthum Posen sich hinziehendes wort, das neben funse nach einem groszen theile Mitteldeutschlands vordringt. es ist aus funse (s. d.) fortgebildet und eben so wenig, als dieses, mit z statt s zu schreiben.
 
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funsel, f. liederliches weibsbild. zu Ruhla als schelte. Regel 187. wol von funseln. vgl. DWB fummel 4).
 
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funselei, fünselei,f. was funseln n. altmärkisch fünselî, eine in kleinigkeiten haftende thätigkeit, die nicht merklich vorwärts kommt. Danneil 59a. holstein. funselê, verstohlne handgeberdung. Schütze 1, 340. Unrichtig funzelei, fünzelei.
 
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funselig, fünselig, adj., s.funslig, fünslig.
 
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funselkram, m. der kleinigkeitskram, die kleinigkeitskrämerei, schlechtes wesen bei dem kein vorwärtskommen, kein fortgang ist. auch, aber unrichtig, mit z statt s (s. DWB funseln) funzelkram. geschehen war geschehen (spricht eine hurenwirthin zu ihrem manne), wär der herr nur gleich nach meinem rathe nach Holland gegangen und hätte ohne seinen funzelkram von ehrlichkeit geradezu ein spelhuys (spielhaus, d. h. haus zu musik und aufenthalt feiler dirnen) angelegt, so wüszte man wie man dran wäre. Bode übersetzung von Cumberlands Westindien, Hamburg 1775, s. 30.
 
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funseln , ein nd. verbum, das von dem pl. praet. der unter funs aufgestellten wurzel finsan fans funsun funsan abzuleiten ist mit dem grundbegriffe eilfertig thun. danach ergibt sich zunächst, dasz die hier und da vorkommende schreibung funzeln (s. DWB funseln n., funselkram, funslig) mit z für s, welche beiden laute nach n sich in der aussprache nicht wol unterscheiden lassen, unrichtig ist, und diese unrichtigkeit hätte schon dadurch in die augen springen müssen, dasz das nd. kein z besitzt, sondern, diesem hochd. laute gegenüber, das t der frühern lautstufe. die bedeutungen dann, die aus jenem grundbegriffe hervorgehen, sind:
1) mit den händen, einem tuche, wedel u. s. w. leicht über etwas hin- und herfahren. in ditmarscher mundart, s. Müllenhoff im glossar zu Klaus Groths quickborn 291. ostfries.: heimlich und eilig mit den händen etwas thun. Stürenburg 63.
2) verstohlen die hand um oder zu etwas bewegen. diese bedeutung ist allgemeiner nd., s. brem. wb. 1, 468. Schütze 1, 340. hamb. wat funselt he dar? was macht er da, das niemand sehen soll? Richey 67. pommerisch, osnabrückisch: heimlich hin- und hergreifen, heimliche griffe wonach thun. Dähnert 138b. he funselt in der taske, er sucht etwas unvermerkt in der tasche. Strodtmann 63. Daher dann ditmarsch: heimlich, betriegerisch die hand bewegen, insbesondere beim kartenspiel (Müllenhoff a. a. o.). wiederum allgemeiner nd. aber: durch heimliche handbewegung geschwind und unvermerkt entwenden, in welchem sinne zumal wegfunseln gesagt wird, das transitiv steht. osnabrückisch überhaupt so viel als unvermerkt entwenden, was sich namentlich in dem aus funseln in dieser bedeutung und dirk, d. i. hochd. dieterich, nachschlüssel, zusammengesetzten funseldirk, d. i. funseldieterich, zeigt, das in der redensart vorkommt et is funseldirk darunner, es geht nicht recht damit zu, es ist etwas entwandt. Strodtmann a. a. o.

[Bd. 4, Sp. 615]



3) in kleinigkeiten thätig sein und an solchen haften, so dasz sich kein fördern wahrnehmen läszt. vgl. DWB fünslig. auch: unschlüssig sein und bald so bald anders wollen, so dasz keine förderung stattfinden kann. s. DWB funseln n.
4) durch hin- und herfahren mit den händen an einer arbeit, diese stümperhaft machen, eine sache schlecht arbeiten. dies osnabrückisch. he heft so wat to recht funselt, d. i. zusammengestümpert. Strodtmann a. a. o.
 
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funseln, n., der inf. des vorigen verbums substantivisch in allen bedeutungen desselben. in dem sinne »unschlüssigkeit, indem der handelnde bald so bald anders will, so dasz keine förderung stattfindet:« aberst wenn ich das funzeln so länger hätte ansehn können: näh, ich will nicht, näh, ich mag nicht! und das schmeckn und lecken wie die katz um n brey, so konntn Sie auf die ehr (der verbindung mit Sophien) lang gewartt habn. Bode Thomas Jones 6, 481 (bch. 18 kap. 12). über die schreibung funzeln s. den vorigen artikel.
 
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fünsinger, m. ein alberner, einfältiger mensch, dessen handlungen lachen erregen. funsinger, baburnus .i. (= i. e.) stultus. vocab. incip. teuton. f 3a. offenbar aus einem andern drucke desselben buches bei Lessing, der blosz »vocab. teut.« citiert: funsinger, stultus. s. Lessings leben 3, 153. in andern ausgaben mit i für ü vinsinger, welche form Diefenbach 64b verzeichnet. es ist ursprünglich einer aus dem bei Ebersberg in Oberbaiern gelegenen dorfe Fünsing um 800 und noch um 1060 Funsinga (mon. boica 6, 152. 33), 1358 Funsing (ebenda 348), auch im 12. jh. Funsingen (ebenda 73. 135. 176. 190), Vunsingen (ebenda 67), Funesingen (ebenda 176. 197), heute in amtlicher schreibung mit i für ü Finsing (s. DWB funs), dessen bauern ehedem in demselben rufe standen, wie gegenwärtig die bürger der städte Schilda, Scheppenstädt, Polkwitz. eben Hans Sachs weisz von den Fünsingern mancherlei lächerlich albernes, theils in schwänken (II 1591, 4, 44b. 66c—67b. 93d—94c. 94c—95b. IV, 3, 86c—87a u. V, 382) theils in einem fastnachtspiel vom rossdieb, den die bauern des dorfes, um ihn nicht bis zur hinrichtung verköstigen zu müssen, welche sie um vier wochen, bis nach dem schnitte des auf den äckern am galgen stehenden kornes, aufgeschoben hatten, aus dem thurme entlieszen, indem sie einen eid von ihm nahmen, dasz er sich nach abgelaufener zeit pünctlich wieder einstelle, damit er sich dann hängen lasse (IV, 3, 25a—28b). als schelte hat er Finsinger I, 232b (1590 171c). s. birenbrater. von Fünsing und den Fünsingern aber hebt er an II (1591), 4, 66c:

es ligt ein dorff im Bayerlandt,
dasselbig Fünsing ist genandt,
darinn etwan vor langen jarn
sehr einfeltige bawren warn,
tölpisch, toll, grob und ungeschaffen (unschicklich),
als ob sie weren aus Schlawraffen (Schlaraffenland);

93d

ein bawrnknecht Liend Tötsch genannt
dient zu Fünsing im Bayerlandt,
da denn gar tolle bawren sind,
dergleich man sonst im land nicht find.

ähnlich VI, 3, 86b:

es ligt ein dorf im Bayerland,
dasselbig Fünsing ist genandt,
da sassen leppisch bawren drinn.

dann läszt er IV, 3, 26a den rossdieb sagen:

nun mag ich auff mein warheit jehen,
grösser narrn hab ich nie gesehen.
recht thut man noch, dasz man die bawren
zu Fünsing nennt die thollen lawren. 24a.

Vgl. Schildbürger und s. Schmeller 4, 52.
 
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fünslein, n., dim. von funse und funsel. im letzten falle steht es für fünsellein. unrichtig ist fünzlein.
 
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funslig, fünslig, adj. mit so viel zeitraubenden kleinigkeiten verbunden oder aus so viel kleinen theilchen bestehend, dasz ein vorwärtskommen kaum wahrnehmbar ist. altmärkisch von einer arbeit. so ist die entwirrung verworrenen garnes, feine stickerei, die zusammenstellung kleiner theile zu einem ganzen u. dgl. eine fünzlige arbeit. Danneil 59a. über die unrichtige schreibung mit z s. DWB funseln. man schriebe aber, was den auslaut betrifft, wol richtiger funslich, fünslich, denn das wort scheint aus funsellich, fünsellich, mit aufgehn eines l hervorgegangen und also aus funseln, fünseln und -lich zusammengesetzt zu sein.

 

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