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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fünkeln bis fünkelung (Bd. 4, Sp. 604 bis 607)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fünkeln , wie funkeln von funkel (s. d.), aber mit umlaut, als wenn ihm ein mhd. vünkeln und ahd. funchaljan vorausgienge, die sich jedoch nicht nachweisen lassen. es tritt erst im 16. jh. auf und steht
1) intransitiv. hier bedeutet es
a) was funkeln 1) a). hieb darneben mit einer alten wehr in die stein, das es fünckelt (funken gab). Kirchhof wendunmuth 153b; trugen jeder einen blossen dägen in der faust,

[Bd. 4, Sp. 605]


haweten in die steine dasz es fünckelte. Philander (1650) 1, 426. in funken glimmen: die so im vorbeigehen mit einem hui das licht ausbläst, mags fünkeln und blaken, das ist eine, die sich auf ihr schnelles schaffen was einbildet. Auerbach barfüszle 170.
b) was funkeln 1) b). ich schimmer, fünckel. Alberus dict. Kk iija; radiat, micat, es blinckt, glitzert, fünckelt. Kk iijb. wo aber dagegen dasz töchterlein ..., wenn man jhr ein krump wort saget, das maul rümpffet, die nase spitzet, die augen fünckeln, das zünglein wetzet. Mathesius Sir. 261b; da schöne damen, deren augen fünckelten als ob sie voll feuriger sternen wären. Philander 1, 349; er wird aber fort faren und mehr artikel angreiffen, wie er schon fünckelt mit den augen, das die tauffen, erbsünd, Christus nichts sey. Luther 3, 337b; mein widersacher fünckelt mit seinen augen auff mich. Hiob 16, 9; und wiewohl die unmäszige güte seines göttlichen willens dem alten Adam zu hoch und tief verborgen ist (wie gott selbs) ... so haben wir doch sein heiliges gewisses wort, das uns solchen verborgenen willen anzeiget und in das gleubige hertz fünckelt, da er allenthalben in der schrift uns sagen läszt, es sey nicht zorn, sondern eitel gnade, wenn er die kinder strafet. Luther 6, 350b. briefe 4, 687. der gelbe topazier, welchen jhr in der hand jenes adlers ... als einen plitz fünckeln sehet. Opitz 2 (1645), 267 = Hercynie (Brieg 1630) 30. noch oberlausitzisch der edelstein fünkelt recht. Anton 17, 25. im ungrischen bergland fenkeln. Schröer 52a. Bildlich: sich leuchtend hervorheben, gröszeres ansehen haben. ich reisete neulich durch eine vornehme stadt, da stund ein grosz haus, das fünckelte unter allen herfür, als solte ein fürst darinnen einziehen. Chr. Weise kl. leute 47.
c) funkenartig brennen, wie in vielen kleinen stichen brennen. er schlug ihm auf den backen dasz ihm dieser fünkelte. sie platzte das kind, dasz ihm der hintere noch lange darnach fünkelte. nach der volkssprache finkeln (s. d.). denn z. b. wetterauisch finkele, straszburg. finkle:

so meerkazgesichtre gunn
i schmedder, buffer, schmisz und wott merr dæt si jesze (mit ruthen streichen)
dasz ne dhutt (die haut) finkle dæt.
Arnold pfingstmontag 62.

i für ü ist hier gerade so eingetreten wie in flick (s. d.), flicke für flücke, gimpel für gümpel und andern wörtern.
d) mit feuer spielen. oberlausitzisch, s. Anton 17, 25. die kinder fünkeln oft, bewegen das licht hin und her. ebenda. eigentlich: mit feuer machen dasz funken abfliegen. vgl. DWB fünken.
2) transitiv, in der gaunersprache, in welcher das wort, wie funkeln, für kochen, sieden, braten gesagt wird. gewöhnlich auch hier mit i für ü finkeln. Grolman 20b. Train 38a. Thiele 1, 250b.
 
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fünkeln, n. der inf. fünkeln substantivisch gebraucht. so in hinsicht der letzten glut, die bei funken erscheint:

euch mög es nicht bedünkeln
es sey gemeines fünkeln.
Göthe 5, 93.

in beziehung auf ein glänzend mann, wie er genannt ist:

dem fremden stach das fünkeln
des mannes ins gesicht. knaben wunderh. 1, 267 (238).


scharf und zanger an dem geschmack, räsz und beissend auf der zungen mit einem fünkeln oder brennen. Tabernaemontanus 561.
 
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funkelnagelneu, adj. neu wie ein beim schmieden eben vom feuer oder aus der esse kommender nagel. das wort ist ein verstärktes nagelneu. ganz funkelnagelneu würde diese saubere hypothese wenigstens nicht sein. Schmerfeld in Merks br. 1, 346; die verstorbne frau obristlieutenantinn hatte sie (eine burg) in den letzten jahren ihres lebens von grund auf funkel nagelneu gebauet. J. G. Müller Siegfr. v. L. (1790) 3, 36; in funkelnagelneuen gelben tsischmen (reigerbüschen). 58; Pistorius. eine heirath? Justine. getroffen. ein funkelnagelneuer bräutigam! Gotter erbschleicher 72. straszburgisch:

der bräder (bratenwender mit räderwerk) isch halt gsin ganz funkel naauel neu.
Arnold pfingstmontag 87.

vgl. funkelspaltenneu, funkelneu, feuerneu, spanfunkelneu.
Davon das gleichlautende und gleichbedeutende adv.
 
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funkelnd , von funkeln das part. praes. als adj.
1) s. DWB funkeln 1) a). der elektrische funkelnde Schoppe konnte das katzenfell, der fuchsschwanz, die glasscheibe sein, die unsern aus leiter und nichtleiter gebauten jüngling volllud, der oberhofmeister konnte als leiter der funkenzieher

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sein, der ihn mit feinen franklinschen spitzen auslud. J. Paul Titan 1, 18. vgl. electrischer funke unter funke 1). bildlich: Gustav hör ich herüber: der hat zum auslader einen flügel und spielt ihn. der flügel wird mir diesen sector sehr erleichtern und mir manchen funkelnden gedanken zuwerfer. unsichtb. loge 3, 74.
2) s. DWB funkeln 1) b). funckelnd, nitens, vibrans, ignicomans. Kirsch (1723) 2, 123b. funkelnd, recens et novus. Nieremberger Ddd 1d. dän. funklende. ein trüb funkelndes licht. die funkelnden sterne. von augen: funkelnde, strahlende, blitzende augen, occhi lucenti, brillanti, lampanti, lampeggianti. Rädlein 310b.

da bleichten die rosichten wangen (Rosettens) zu schnee,
die funkelnden augen verglühten.
Bürger;

aber funkelnd blickte das alte auge (das forschende auge des greisen sternwärtels) unter den sparsamen augenbraunen in den himmel (am abende). J. Paul Tit. 3, 45;

sinnlos starrt mit funkelnden augen
der held die kühnen sprecher an.
Kretschmann klage Rhingulphs 49.

von dingen die glänzen: die funkelnden gläser. die funkelnde berg- und gletscherkette wand sich fest um seinen geist und zog ihn empor zu hohen wesen und hohen gedanken. J. Paul Titan 1, 8; morgenluft! ... führe mich im blütengewölk über funkelnde gärten und über glimmende ströme. dessen Hesp. 1, 149;

sie ... trinken des funkelnden weines.
Voss Odyssee 2, 57.

an diese stelle erinnert die bei Campe angeführte, die er Rost zuschreibt, von welchem sie aber nicht ist. vergl. noch in der Odyssee 9, 360 u. 12, 19.

die füllt ihn (den becher) mit funkelndem wein bis zum rande.
Schiller 63b;

wohlauf! noch getrunken
den funkelnden wein!
Justinus Kerner wanderlied str. 1;

der winter ist nun kommen in seiner zerstörungen ganzer pracht, ich möchte auch mich fürchten vor der funkelnden mit allen ihren weiszen schneen angethanen erde. Chamisso 5, 108 (1864 118);

ihr lacht in das herzchen der junker zu rosz
im funkelnden jägergeschmeide.
Bürger 60b.


 
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funkelneu, adj. funkelnd neu, ganz neu. ein funkelneuer goldner fingerring. ein funkelneuer schmuck. ein funkelneues kleid. kauft Euch eine funkelneue karbatsche und setzt mir das weib da hin bey wasser und brodt. J. G. Müller Siegfr. v. Lindenb. (1790) 3, 106; dann rasselt' ein funkelneuer wagen daher. Klamer Schmidt kom. dicht. 435. von menschen:

der schneider ist noch funkelneu. aus einem volkslied in Pröhles märchen für die jugend s. 235.

vgl. funkerneu, funkelnagelneu, spanfunkelneu. von abstracten dingen gesagt:

mit einem funkelneuen namen.
Wernike 237;

die seit dreiszig bis vierzig jahren entstandenen neuen und funkelneuen wörter. Campe wb. 1, xii.
Davon das gleichlautende und gleichbedeutende adv.:

zu manchem jungen ehepaar,
das funkelneu verbunden war.
Langbein neuere ged. 1, 14.


 
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funkelschein, m. funkelnder schein, durch beweglichkeit und helle sich hervorhebender schein:

durch den wald funkelschein,
sieht in den quell:
kuckt in die fiuth hinein,
macht tausend ströme hell.
Tieck Sternbalds wand. 1, 270.


 
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funkelspaltenneu, adj. was funkelnagelneu. am Neckar. eigentlich so neu wie eine frische hellblinkende spalte. s. DWB spalt.
 
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funkelstein, m. ein funkelnder, schimmernder stein. im besondern eisen- oder schwefelkies, pyrites. eisen, eisenschlaken, funkelstein u. s. w., pyrites. Ryffs spiegel der gesundheit 100 bei Frisch 1, 307b.
 
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funkelthier, n. ein thier mit funkelnden augen. ein solches funhelthier wäre die katze, die eule, deren augen im dunkeln glänzen. Sigurðr antwortete dem von seiner hand sterbenden Fâfnir, der ihn nach seiner herkunft fragte, nach der übersetzung der brüder Grimm in den liedern der alten edda 1, 179 u. 2, 46 funkelthier heisz ich, wobei wol beziehung auf die leuchtenden Völsungenaugen stattfindet. das wort ist hier übersetzung von göfugt dŷr, gaufugt dŷr, hinter welchem namen, den Sigurðr, seinen wahren

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verhehlend, sich beilegt, man etwas ganz besonderes vermuthen zu müssen glaubte. er bedeutet aber nichts anderes als edles thier, edelthier.
 
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funkelung, f. das funkeln, scintillatio. Schottelius 388a. Nieremberger Ddd 1d. in der astrologie und astronomie »scintillatio funckelung und werffung der strahlen, so gemeiniglich von denen fixsternen geschiehet, welche gleichsam strahlen oder funcken, absonderlich bei hartem frost, von sich zu geben scheinen«. Kirsch (1723) 1, 976b; funkelung und werfung der stralen. Weber universalwb. 2, 631b, vgl. 3, 317a.
 
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fünkelung, f. was funkelung. Stieler 583. scintillatio, füncklung. Dentzler 1, 692b.

 

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