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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
funk bis fünkelei (Bd. 4, Sp. 592 bis 602)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) funk, m., gekürzt aus funke (s. d.), kleinstes feuertheilchen.
 
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funkart, n., s. DWB funkert.
 
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fünkchen, n.
1) ein überaus kleines feuertheilchen, der kleinste feurige punct, scintillula. dim. von funke (s. d.).
a) im eigentlichen sinne. es glimmet noch ein fünkchen in der asche. Adelung. das feuer hat ganz ausgeglommen, es ist auch kein fünkchen mehr da. beim schmieden springen funken und fünkchen vom eisen. vgl. DWB funke 2).
b) bildlich, zumal in beziehung auf solches, dem feuer beigelegt wird:

ein fünkchen gegenglut (der liebe).
Schmidt v. W. ged. 34;

wenn eifersucht ein fünkchen fängt,
springt gleich die ganze mine.
Gotter d. tartar. ges. 18.

[Bd. 4, Sp. 593]



2) aber auch oft genug überhaupt so viel als ein kleinstes theilchen, besonders einer seelen- oder geistesäuszerung, einer thätigkeit. vgl. DWB funke 6). kein äderchen von ihm, kein fünkchen von seinem gefühle. Schiller 112a (räuber 1, 3); ohne ein fünkchen wahren geschmacks, d. i. eigen gefühlter innerer lust und liebe zu dem, worauf es ankommt, woraus und wornach sich alles leicht faszt und bezieht und ordnet. Herder Kalligone 2, 255;

gebt einem matten herzen kraft
ein fünkchen neu vermögen. zerstr. blätter 3, 60;

fiel auf den kauzen nur ein fünkchen von verdacht.
Göthe 7, 102 (mitschuld. 3, 9);

selbst wann, der langen schuld bewuszt,
die freundschaft noch ein fünkchen lust
zur schreiberey in mir erneuet.
Gotter 1, 456.

in dem sich noch ein fünkchen erbarkeit spüren läszt, in quo aliqua virtutis significatio, mica apparet. Weber universalwb. 3, 317a. S. fünklein.
 
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funke, m.
1) ein unsteter, leichtfertiger mensch, ein mensch voller schelmstreiche, ein schelm. um das auslautende e verkürzt, blosz funk. wie schon oben bei dieser form bemerkt wurde, findet hier anwendung von funke für finke, fringilla, statt, nach natur und wesen dieses lebhaften vogels. sagen wir ja auch in ähnlicher weise ein vogel, ein leichtfertiger vogel, selbst ein böser, loser, leichtfertiger, grober finke. s. finke 2). eine lose fincke, puer hilaris, petulans (Steinbach 1, 444). das wort gehört keineswegs unter die seltenen:

und wie es zugieng bei dem trunk.
sagt einer dem andern: du funk!
s gilt flegel, gsegns gott, schlegel. d. kn. wunderhorn (1846) 2, 81;

es ist eine rechte unsinnigkeit in solchen newen alamodetrachten, und sage noch, die oberkeiten solten solche funcken an dem leben abstraffen. Philander 2, 155 (154); ein rechter funck. Simpl. 3, 739;

will man sich hier und da die lange zeit vertreiben,
und spricht aus erbarkeit bey frauenzimmer ein,
so wird man durch die stadt bald eine zeitung schreiben,
das musz mir, sagen sie: der rechte funcke seyn.
will man das lästern nun mit höflichkeit bedecken,
so klingts: der schöne herr geht aller orten lecken.
Picander ernstscherzhafte ged. (1727) 474.

gern mit den adj. durchtrieben, lose verbunden: mein herr hatte einen auszgestochenen essig und durchtriebenen funcken zum page neben mir. Simpl. 1, 97, vgl. essich am schlusse; wollen sie (die creditoren) aber diese durchtriebene funcken (es sind die bauern gemeint) auf eine gute laue (laune?) bringen, so müssen sie ganz sicher und gewisz anstatt tausend hundert und darzu ohne eintzige pension (d. h. zehn procent der schuld, dazu mit verlust der zinsen) nehmen. baurenstands lasterpr. 159; wie wollen nicht die bauren halsstarrige vögel seyn? sie lassen es ja eh auf das äuszerste ankommen und geben sich ehender nicht, es sey dann dasz es seyn müsse und da sie selbst es nicht ändern können. es gemahnen einen diese lose funcken anders nicht, als wie der verfluchte wüterich Pharao, welcher gute worte gab, alldieweil ihm die strafe gottes auf dem halse lag, wann sich aber das übel kehrte, seine vorige schlimme weise wieder an sich nahme. 141. loser funk, homo vafer, astutus, callidus. Nieremberger Ddd 1d, der aber den ausdruck als einen provinziellen bezeichnet. er is ein loser funke. Weber universalwb. 3, 317a, wo zugleich auf schelm und vogel hingewiesen ist, die synonym erscheinen. eigentlich deutsche wörterbücher verschmähten bisher funke in dieser bedeutung aufzunehmen, nur Frisch 1, 307b hat und zwar als volksmäszig funk, homo astutus, vafer, mit dem beisatze den man nicht darf in den zunder lassen. Vgl. auch sparke.
2) ein cölnischer stadtsoldat. beim volke in Cöln am Rhein, der hauptstadt des ehemaligen erzstiftes Cöln, so lange dieselbe eigne soldaten hatte. auf diese geht das cölnische funkenlied, das, neunzehn strophen umfassend, in einer der ersten hälfte des 18. jh. angehörenden, 157 seiten zählenden foliohandschrift der Trierer stadtbibliothek aufbewahrt und selbst heute noch in Cöln gangbar ist; es beginnt

hätt ich gewuszt das funcken leben,
hätt mich frühe darzu begeben!
keiner kan sich bilden ein,
was ein funck in Cölln sei (lies mag sein)!
vivant die funcken!

vgl. auch Hoffmanns von Fallersleben findlinge 74. ein anderes lied ist geradezu überschrieben die cölnischen funken und

[Bd. 4, Sp. 594]


steht in Cölns vorzeit von Ernst Weyden (Cöln am Rh. 1826) s. 236. sein anfang lautet

alärm, alärm en aller welt,
de cölsche zaldaten trecken (ziehen) en et feld u. s. w.

und beigegeben ist die bemerkung, dasz die cölnischen stadtsoldaten, allem anscheine nach wegen ihrer rothen uniform funken genannt würden. die vögel, denen beim volke der name finke zukommt, sind am gefieder, die eine art an dem und die andere an einem anderen theile, in auffallender weise roth. an benennung nach funke in dem folgenden artikel ist hier nicht zu denken.
auch bei Örtel (O. v. Horn) kommt dieses funke vor: so merkte denn auch Hubert nicht, dasz ein mann daher kommt, der die kleidung der kurcölnischen soldaten, funken genannt, trägt. rhein. dorfgesch. (1854) 2, 61; er (der angeworbene) erwachte am andern morgen als kurcölnischer soldat oder funke und wurde eingekleidet. 65.
 
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funke, m. scintilla, strictura, igniculus, pusillum. ahd. funcho ist nur in zwei stellen des Boethius nachweisbar, in welchen es noch dazu in abgeleiteter bedeutung steht; s. hernach 6). geläufiger erscheint mhd. vunke, aber daneben kommt noch ein gleich geläufiges vanke vor. dasz von diesen beiden die Nibelungen, Gudrun, Biterolf, Lohengrin, Wolfram, Ottocar vanke haben, zeigen die von Jacob Grimm unter fanke gebrachten belege, und mit recht schlieszt er, zumal im hinblicke auf die idiotiken, die form scheine mehr bairisch, östreichisch. bei Walther, Hartman, Gotfrid kommt weder die eine noch die andere form vor, sie gebrauchen das wort gar nicht, eben so wenig läszt es sich in dem bis jetzt von Rudolf gedruckten nachweisen. aber der fortsetzer von Gotfrids Tristan, Heinrich von Freiberg, setzt 1797 funke:

sie sluogen flammic fiuwer
einander ûʒ dën hëlmen,
man sach gras und mëlmen
beströuwet mit dën funken (: versunken).

eben so haben es, wie unten angeführte stellen zeigen werden, andere, die Mittel- oder Norddeutschland angehören. doch dringt mit dem beginne des 14. jahrh., wofür stellen meister Eckharts unter 6) zeugen, vanke aus Süddeutschland nach Mitteldeutschland vor, und im 14. jh. erscheint bei einem Baier, Hadamar von Laber, neben vanke, welches Jacob Grimm unter fanke mit einer stelle, der dort zuletzt angeführten, belegt, auch vunke, wie die unten unter 1) beigebrachte sprichwörtliche redensart ersehen läszt. der um 1500 oder in den anfang des 16. jh. fallende, wahrscheinlich aus Franken stammende vocabular. incip. teuton. e 5b bezeichnet diese form neben jener als die volksmäszige: »fancke (ein anderer auf der hofbibliothek zu Darmstadt befindlicher druck hat fancken), scintilla, vulgariter funcken, est minutissima pars ignis«. besonders wichtig aber, was die formen anlangt, ist, dasz mhd. neben vanke und vunke auch noch eine form vinc auftaucht, die wol ebenfalls m. ist:

ër (Wolfdietrich im kampfe mit dem feuerspeienden drachen) mohte niht entwîchendës heiʒen fiures finc,
im erglüeten an dem lîbedie liehten harnaschrinc. Wolfdietrich 745, 3.

in diesen drei formen zusammengenommen nun treten vollständig laut und ablaute der von Jacob Grimm unter fink angenommenen wurzel finken, leuchten, glänzen, vor augen und zeugen für das einstige zweifellose vorhandensein derselben, die goth., nach drigkan nhd. trinken zu schlieszen, figkan fagk fugkun fugkans zu schreiben sein würde. als ältere wurzel aber, von der sie abgeleitet wäre, darf eine von Jacob Grimm GDS. 847 aufgestellte goth. funan fan fônum gelten (s. auch feuer), aus welcher zunächst goth. fôn gen. funins, altn. funi m., feuer, hervorgegangen sind.
Merkwürdig bleiben in der mundart am Chiemsee flank m. und in der am Würmsee flunken m. (Schmeller 1, 589. 590. s. auch flunke wb. 3, 1851) für fanke und funke. sie sind nichts anderes als diese wörter mit eingetretenem l, wie dies z. b. auch bei wetterauisch flitch, d. i. hochd. flittich, für fittich sich zeigt, während in andern mundartlichen wörtern das l nach dem anlaute ausfällt, wofür belege bei Schmeller 1, 589, der zur erklärung dieses vorganges auf kindlichbequeme aussprache hinweist. auch die Dänen haben flunke, blitz, glanz, schimmer, eben so flunk, n.; die formen sind aber, wie dän. funke, aus dem deutschen entlehnt.
Der nom. schwankt heute zwischen funke und funken, doch wiegt jene form noch vor. die andere, deren n, wie in backen, balken, bissen, bogen u. s. w., aus den übrigen casibus des sg. angetreten ist, zeigt sich in der vorhin angeführten stelle aus dem

[Bd. 4, Sp. 595]


vocabular. incip. teuton., aber sie wird, da sich unten in stellen meister Eckharts neben vanke auch dër vanken findet, wol mit diesem zu gleicher zeit aufgetreten sein. dasz sie eine unorganische ist, ergibt sich deutlich aus der im 15. und 16. jh. häufig genug vorkommenden form funck, die nur kürzung aus funcke, funke sein kann. funck, scintilla. voc. theut. 1482 i 5b. voc. incip. teut. f 3a. vgl. auch Diefenbach 518c. scintilla, eyn funck fuyersz. voc. ex quo von 1469. funck fewrs. Eychman (1483) s 5b. ein funck feurs. voc. gemma gemmar. 1505 z 2b. funck. Alberus dictionar. u ijb. bb 4b. auf dieser kürzung aber scheint zu beruhen, wenn auch, freilich höchst selten, casus starker flexion auftauchen. ohne jene (die primitiven regungen des mitleids) zu verkennen, verweigert er nur dem funke den namen der flamme. Lessing 7, 342 (320) = hamburg. dramat. 2, 189. dieser flexion steht nun zwar appenzellisch in besonderer bedeutung funka m., d. i. die eben angegebene unorganische hochd. form funken (s. d.) mit dem umlautenden, also starken pl. fünka (s. Tobler 207), welches hochd. fünken wäre, zur seite, dennoch bleibt sie verwerflich. die organische flexion ist nom. funke, gen. funken, pl. funken, doch hat sich von dem nom. funken ausgehend ein gen. funkens geltend gemacht, der auch schon in der zweiten hälfte des vorigen jahrh. der bei weitem üblichere wurde.
Dasz das wort mehrmals im geschlecht ausweicht und weiblich gebraucht wird, zeigen die unten aus Dalimil, Otho und, was fanke anlangt, aus den fastnachtsp. nachl. 41, 27 angeführten stellen. überdies sind mnd. vunke (s. unten die stelle aus dem laiendoctrinal), mnl. vonke, nnl. vonk weiblich.
Nun zu den bedeutungen.
1) kleinstes feuertheilchen (vgl. die vorhin angeführte stelle aus dem voc. incip. teuton.), das entstanden oder sich ablösend bis zum anzünden oder verglimmen sich fortbewegen kann. dies die eigentlichste bedeutung. mhd.

von sînen brusten vorne scein
ein trache von golde
sam ûʒ im varen scolde
di funchen fiures flammen. Rolandsl. 117, 3;

glinstirnde sam di vunkin tûnt.
Jeroschin 858.

mnd. se quemen vor Bronswig in dat felt
und röken up (= achteten auf) de funken.
Mones anz. 4, 35, 5.

nhd. die stuben wart vol funken,
alle freud wart ertrunken. meisterl. f. 23 nr. 221.

aus seinem (des leviathans) munde faren fackeln und fewrige funcken schiessen her aus. Hiob 41, 10; die seel nennte er (Geiler von Keisersberg) desz menschen hauptgut, die pestilentz eine schnelle dienerin gottes, sie sey wie ein funck in einer scheur, den könne man anfangs hurtig mit einem fusz ausztretten, wann man aber zu lang warte, bisz ein fewr darausz werde, sey nicht mehr zu wehren. Zinkgreff 1, 157; man lasse das pulver aus der küche, denn wie bald springet ein funcke hinein und zündet das ganze haus an. polit. stockfisch 108, vgl. 163;

ein funk erwacht
bey wenig luft in allgemeinen brand.
C. F. Weisze trauersp. 3, 34;

denn wie ein funke fähig zu entzünden
die kaiserstadt, wenn flammen grimmig wallen,
sich winderzeugend, glühn von eignen winden,
er, schon erloschen, schwand zu sternenhallen.
Göthe 5, 38;

wo das gezwergvolk, nimmer müde,
metall und stein zu funken schlägt. 41, 282,

vgl. unten funken schlagen. der elektrische funke.
in besonderer verbindung und zu bestimmter bezeichnung steht funke mit feuer: ein funke feuer, welches wie feuerfunke (s. d.) zu nehmen ist. dorumb so lösche ein funken füer das kein flam dorusz werd. Keisersberg narrenschif 81b;

du (die schwarze nacht ist angeredet) warst einst all (subst.)! da kam ein funke feuer
und hat den weltschein aufgeweckt!
Herder z. sch. lit. 15, 137.

eben so wol ein funke feuers (s. oben).
verba dagegen, die gern mit funke verbunden werden, sind fahren, fliegen, stieben, springen, sprühen. mhd. (mitteld.) alsô bewîset dër vanken, dër von dëm fiure vert, daʒ dës fiures ruostat dâ ist. Eckhart 246, 19. nhd. die funken fliegen umher. Jacob Grimm; fort solls gehen (beim fahren), dasz die funken hinaus fliegen. Schiller 658b (neffe a. o. 3, 3). mhd.

daʒ ein biderber lieʒ stân gërn
daʒ verbrennent die buoben hiure als vërn
und lânt die funken stieben. teufels netz 8318.

[Bd. 4, Sp. 596]



sie gênt im dës funken stieben
daʒ im dër schëdel tuot klieben. 8347;

dâ wirt in denn ze siur
sîn funken stieben. 8353, vgl. funkenstieben.

nhd. funcken stieben, scintillare. voc. incip. teut. f 3a, aber e 5b ist zu lesen fancken stieben;

und hurre hurre, hop hop hop!
giengs fort in sausendem galopp,
dasz rosz und reiter schnoben
und kies und funken stoben.
Bürger 14b, vgl. 15a;

er sprengte dasz es funken stob
hinunter von dem hofe. 52a.

besonders aber wird mhd. vanken stieben Nib. 185, 3, vunken stieben (Lachmann zu der stelle) gesagt, wenn bei den kämpfen geharnischter durch das aufschlagen der schwerter funken sich zeigen, und diese verstehn sich so von selbst, dasz auch das blosze stieben in dem sinne »funken von sich stieben, funken aus der rüstung sprühen« gesetzt wird:

daʒ vergalt mit ellendër küene spileman
dô sluoc Wolfhartendaʒ ër stieben began. Nib. 2214, 4.

ähnlich, wie funken stieben, kommt funken spruhen vor, und es kann hier, was auch bei funken stieben der fall ist, funken im nom. oder im acc. stehn:

die funken sprühn aus halbverbrannten fackeln.
C. F. Weisze trauersp. 3, 219;

da sprühen funken in der nähe,
wie ausgestreuter goldner sand.
Göthe 12, 206;

hoch bäumte sich, wild schnob der rapp
und sprühte feuerfunken.
Bürger 15b (Lenore 31).

die funken springen, fliegen mit schnellem herausfahren in kurzer entfernung niederfallend dahin. verbindungen, in welchen funken der acc. ist: funken von sich geben, funken werfen, funken schlagen. den funken herausschlagen (Jacob Grimm), ihn durch heftiges anschlagen an einen gegenstand diesem entlocken.

jezo entschlug dem kiesel zuerst den funken Achates,
fing in dorrende blätter die glut.
Voss Virgils Aen. 1, 174.

einem die funken ersuchen, s. suchen.
der funke glimmt, zeigt sich leuchtend, hat noch kraft des feuers. hier besonders die redensart der funke glimmt in oder unter der asche, bewahrt unter dieser dauernder die ihm innewohnende kraft des entzündens. es glimmet noch ein funken unter der asche. Adelung 22, 724. in diesem sinne wird sie dann auch bildlich angewandt: der funken glomm lange unter der asche, bis auf éinmal der krieg losbrach.

denn aus glimmender asche
brach wieder der funke des kriegs hervor.
Kretschmann an Kleists grabe 28.

ähnlich vom dauern der kraft:

es bleiben funcken in der asche:
so rostet alte liebe nicht.
Günther 365;

du fühlst nicht, dasz in den menschen ein besserer funke lebt, der, wenn er keine nahrung erhält, wenn er nicht geregt wird, von der asche täglicher bedürfnisse und gleichgültigkeit tiefer bedeckt und doch so spät und fast nie erstickt wird. du fühlst in deiner seele keine kraft ihn aufzublasen. Göthe 18, 81.
andere bildliche ausdrücke berühren sich mit den unten gegebenen bedeutungen und leiten in die unter 6) aufgestellte über, in der das wort durchweg als nur angewandt erscheint: gib her den, der seinen bruder erschlagen hat, das (dasz) wir jn tödten fur die seele seins bruders, den er erwürget hat, und auch den erben vertilgen, und wöllen meinen funcken ausleschen der noch übrig ist, das meinem man kein name und nichts ubrigs bleibe auff erden. 2 Sam. 14, 7; auch wird das liecht der gottlosen verlesschen und der funcke seines fewrs wird nicht leuchten. Hiob 18, 5; wenn der schutz wird sein wie werg und sein thun wie ein funcke und beides miteinander angezundet werde, das niemand lessche. Jes. 1, 31; hüte dich, du mögtest mit deinen werken wie ein werg und gott zu einer funcke werden. Otho 727;

also hast du in kurtzer sum,
von wann viererley art herkum
im wein, so er on masz wird truncken,
wenn er anzünd der thorheit funcken
in der menschen vier qualitet,
nach jedes art, darein er geht.
H. Sachs I (1590), 313c;

doch innerlich sind sie (die christen) aus göttlichem stamme,
die gott durch sein mächtig wort selber gezeugt,
ein funke und flämlein aus göttlicher flamme,
die oben Jerusalem freundlich gesäugt.
Chr. Fr. Richter im liede »es glänzet des christen inwendiges leben«;

[Bd. 4, Sp. 597]



welcn unermeszner reichtum blicket
aus unsers schöpfers majestät!
der funke, den er uns verliehen,
soll uns zu seiner flamme ziehen,
die über erd und himmel geht.
Drollinger 12, vgl. unten unter 6) die stellen myst. 1, 32, 9 ff. und von
Eckhart;

Kreutzner blies den kleinen funken der eifersucht noch mehr an. Miller Siegwart 1, 174. bemerktet ihr nie, wie ein schwaches gemüth allenthalben, bei der leichtesten veranlassung, funken fängt, die es anglühn und bei dem ersten windstosz zur flamme werden. Herder z. sch. lit. 12, 259. nein, es ruht noch ein funke des alten heldenmuthes in meinem busen, er schlage in diesem augenblick zur letzten flamme auf. Göthe 15, 238;

doch die rach ist ein zartes kind
und bedarf noch der amme;
erst wenn zu ihm gelangt der wind,
wird der funke zur flamme.
Rückert morgenl. sagen (1837) 1, 138;

lasz es tagen in den phantasieen
dasz sie wieder neue funken sprühen,
wenn sich mir ein bild der schönheit naht!
Klamer Schmidt elegien 85;

der autor hat funken der leibnitzischen philosophie gesehen, aber das feuer, woraus diese funken losprasseln, ist ihm verborgen. Herder bei Merck 2, 9;

ich hatte mir lange gerieben die stirn,
und es wollte kein funken entstieben dem hirn.
Rückert makamen 136;

lechzend hieng die zung am gaum,
alles öl war ausgetrunken
und des lebens letzter funken
glimmt' am dürren dochte kaum.
Bürger 72b.


Die hierher gehörigen sprichwörter und sprichwörtlichen redensarten sind zahlreich. am ältesten ist aus einem funken wird ein groszes feuer oder wie es Sir. 11, 33 heiszt aus einem funken wird ein gros fewr, aus welcher stelle auch schon früher erflossen scheint: mhd.

so wie cleine de vunke sî,
de urcundet dat grôʒ vûr dâ bî. niederrhein. Marienlieder des 12. jh.,
Haupt 10, 78, 23;

dicke wërdit gar ein grôʒiʒ füre
von eime gar kleinen funkin. ritterspiegel 3733.

mnd. wat kan ût enem vunken klein
ein grôt fr opstân intgemein. Soest. fehde 707.

nhd. es würt offt grosz und ungeheüer
usz kleinen funcken ein grosz feüer.
Murner lutherischer narr (Kurz) s. 64, 1817.

auf das hohe alter des sprichwortes aber weisen stellen römischer schriftsteller wie

quasi ignis
saepe solet scintilla suos se spargere in ignis.
Lucret. 4, 606 (Lachmann).

parva saepe scintilla contempta magnum excitavit incendium. Curt. 6, 3 (bei Zumpt 8). vgl. C. Schulze die bibl. sprichwörter der deutschen sprache (Göttingen 1860) nr. 151. der fassung bei Curtius steht zunächst die deutsche aus einem kleinen funken wird eine grosze brunst, die schon in einem gedichte des 14. jh. durchblickt, wenn es in einem verse heiszt

von kleinen funken sicht man grôʒe brünste.
Laber 439.

an dem sinne des sprichwortes ändert nichts, wenn es mit bezeichnung eines bestimmten gebäudes oder einer ortschaft lautet von einem funken verbrennt oft ein ganz haus (s. Henisch 1288, 2 u. 3) oder ein dorf oder auch eine stadt. so heiszt es mnd.

fan einer funken bërnet dan
ein dorp. so sprikt ein wîs man. laiendoctr. s. 176.

in anderer fassung lautet auch jenes sprichwort ohne änderung seines sinnes ein kleiner funck verbrennt einen gantzen wald oder zündet wol ein gantze statt an. Henisch 1288, 20. das verbrennen einer durch funken angezündeten stadt aber und damit die wahrheit des sprichwortes wird an Oppenheim ausdrücklich nachgewiesen, wenn in einem wieder sprichwörtlich gewordenen reim gesagt ist

Oppenheim gieng von funcken an
dardurch sie that zu boden gahn. 14.

hierher gehört auch: es ist kein funck so klein, wenn gott zürnet und den teuffel will darein blasen lassen, es kan ein fewr darausz werden, dasz die welt verzehret und kein mensch leben kan. dasz ein funke zum brande führen kann, zeigt weiter wer da wil âne schaden pleiben, der lass nit

[Bd. 4, Sp. 598]


einen funcken zu einem kolen werden. Hoffmanns böhm. chron. bei Pez 2, 1058. mit unwesentlicher abweichung früher

di wîsin sprâchin undirstundin:
wër dën schadin nicht wil doln,
dër lâʒ di funkin nicht eine koln
wërdin in dëm haus,
wan dër kol von einer graus
wirt oft czu einer flammen.
Dalimil 34, 27;

wër in dëm haus dën schadin bewart,
dër lêʒt ûs dër funkin nicht ein koln wërn. 60, 20.

andere sprichwörter sind: unrecht gut ist ein funk im kleiderkasten. Schottelius 1113a. ein einziger funke sprengt eine ganze pulverkammer. Wander 1, 1270, 11. wer ein fewer auffbläszt, dem springen die funcken unter die augen. s. Henisch 1288, 34. wer dem fewer zu hofe zu nahe kompt, dem steuben die funcken unter die augen. 32. wer vom feuer bleibet, dem springen die funken nicht ins gesicht, procul a Jove, procul a fulmine. Stieler 582. wo stahel und ein fewrstein sich mit einander schlagen da springen funcken herausz. Henisch 1288, 37. funken schlafen selbst im stein. Wander 1270, 20. der funke glimmt auch unter der todten asche. Simrock 2925. ein funke, der zu tief unter der asche liegt, kann nicht zur flamme werden. Wander 1270, 13, d. h. im bilde: eine gute anlage oder eigenschaft im menschen soll man nicht verborgen und ungepflegt lassen. ein kleiner funck scheint inn der finsternusz. Henisch 1288, 12. ein funke, der ins wasser springt, ist verloren. Wander 1270, 12. nd. he het enen funken im halse, er ist immer durstig, liebt den trunk. brem. wb. 1, 467. ostpreusz. he heft ok e funke em arsch, hochdeutsch er hat einen funken im arsch, ist sehr unruhig (es brennt ihn im hintern), ist betrunken. Frischbier (1865) nr. 124.
2) ein vom hellglühenden metall beim schmieden abspringendes kleines theilchen, das, wenn es erlischt, hammerschlag genannt wird, ein beim schlag abspringendes leuchtendes, aber gleich verglimmendes kleines metalltheilchen, besonders von eisen, stahl, strictura. funcke, so vom glüenden eisen, wenn mans schmidet, springet. Henisch 1287, 39. er schlug mit der schlage auf das aus der esse auf den ambosz gelegte eisen, dasz die funken nach allen seiten stoben.

Mulcibers ambos tönt von dem tact geschwungener hämmer,
unter der nervigen faust spritzen die funken des stahls.
Schiller 76a.

sprichwörtlich: wann der schmidt funken schlägt, so fürcht man sich doch nicht. Lehmann 153. schmidts kinder sind der funken gewohnt. ebenda, aber bei Henisch 1288, 28 schmids sohn ist der funcken wolgewohnt, fürchtet sich nicht vor ihnen, befürchtet von ihnen keinen schaden.
3) wie ein abfliegendes kleinstes theilchen schnell dahinfahrendes feuer, auch überhaupt feuer:

ich wolt, er (der Luneten mantel) wer in dem wilden meer versunken
und verprent mit den hellischen funken,
ee es uns ie zu schaden wer kumen. fastnachtsp. 668, 35;

und dicht und rund vom meer umschlungen
läg unsre erde, hätte nicht
Prometheus funke (dazu in einer anmerkung »das feuer«) sie durchdrungen.
Manso verm. schriften 1, 112;

sie (die kraft des feuers) belebt das all, dem seelenlosen
kiesel selbst entspringt der ewige funke!
nimm den funken (= das feuer) aus der sonne, schleunig
sinkt zu moder diese welt zusammen.
Platen (1839) 2, 324b.


besonders wenn das feuer in seiner schnelligkeit schlagende, erschütternde wirkung hat:

und wie des blitzes funke sicher, schnell,
geleitet an der wetterstange, läuft.
Schiller 333b (d. Piccol. 1, 2);

zückt vom himmel nicht der funken,
der den herd in flammen setzt. 49b;

ziehst (der johanniswurm ist angeredet) blitzesfunken und duftest
feuer.
Herder 15, 161;

aus ihrem auge schlug ein blitz in seinen sinn.
er fühlte von dem schlag des funken sich durchzuckt.
Rückert weish. d. brahm. bch. 8 no. 70;

der schlusz, ... dasz in der herübergerückten tiefen wolke (eines gewittergewölkes) ein zufall den schlagenden funken des todes leicht locke, fiel wie eine trauer in seine liebefeste (liebesfeste) ein. J. Paul Titan 3, 23.
4) einem kleinsten feuertheilchen gleich leuchtendes.
a) ein stern:

der millionen von sonnen
in den grenzlosen raum, als stralende funken, geschüttet,
die er aus dem öden chaos allmächtig herausschlug!
Zachariä tagesz. 11;

[Bd. 4, Sp. 599]


die funken, die über mir sich drehen als welten. Friedr. Müller 1, 5 = Adams erstes erw. (Mannheim 1778) 9.
b) metall:

ich bin der kobold, des berges fürst,
mir gehören die glänzenden funken.
Körner 1, 117;

ruhn unter fremden stoffs umschwimmung
zwei funken golds an ihrem ort.
Rückert 225.


c) der johanniswurm, der einem funken gleich leuchtet, cantharis noctiluca. schon im 15. jh.: citendula (d. i. cicindela), eyn fonck. Diefenbach 117b.

da fliegt der leuchtende funke gottes,
der sommerwurm!
kleiner wurm, leuchtender funke! komm,
glänze mir!
Herder z. sch. lit. 15, 161.


d) von andern gegenständen, die leuchten oder glänzen. so z. b. in der folgenden stelle ein stückchen faules holzes, das bekanntlich in der nacht wie feuer leuchtet: gegenüber einem ... gang, den grünes moos auslaubte und dessen länge zerbröckelten funken von faulem holz (es sind die in der nacht leuchtenden stückchen faules holzes gemeint) bezeichneten. J. Paul Titan 2, 116.
5) ein einem kleinsten feuertheilchen gleicher von einem gegenstande ausgehender schwebender, fliegender schimmer, oder auch überhaupt ein jenem feuertheilchen vergleichbarer schwebender, fliegender schimmer oder schimmernder körper:

das von sich newe schleg erhuoben
das yn die funcken ausz den augen stoben. bruder Rausch A ij;

dein (Boies) auge sah
sich brennend um:
wie sprühten da
nicht seine funken
um mich herum!
Göckingk 1, 263;

also erregt ihn (Turnus ist gemeint) der grimm, und ganz von des brennenden antlitz
sprühn die funken umher und den hizigen augen entzuckt glut.
Voss Virgils Aen. 12, 102,

wie sie (die sterne) schimmern, gleich des sommerbaches funken.
Kretschmann werke 2, 115;

wie alle deine rosen funken sprühn.
Rückert 254;

ein herz voll rosenfunken. 345;

funken von wolken hüpften (beim aufgange der sonne) vom goldbarren am horizont empor — endlich wehten die flammen der sonne über die erde herein. J. Paul Hesperus 1, 165.
6) ein kleinstes theilchen von etwas, besonders einer thätigkeit, einer seelen- oder einer geistesäuszerung, igniculus, pusillum. in dieser bedeutung erscheint funke nur angewandt, und die hier angegebenen stellen berühren sich, ja mischen sich selbst zum theil mit den oben unter 1) angeführten, in denen das wort bildlich steht; überhaupt läszt sich genaue scheidung von diesen nur zu oft gar nicht herbeiführen. ahd. ich habo gnuog michelen funchen dînero geniste (deiner gesundheit, wohlfahrt). N. Boeth. 39 (37); etelîh funcho dëro wârheite lôskêt (ist verborgen) târ inne, dër fone dëro anablâsentûn lêro erchicchet wirt. 171 (169). mhd. (mitteld.) das lëben was daʒ licht dër lûte. daʒ meinet, daʒ di sêle einen funken in ir hât, dër ist in gote êwiclîchen gewëst: lëben und licht. und dirre funke ist mit dër sêle geschaffen in allen menschen .... dar umme ist dër funke dër sêle unverleschenlich in helle und in himelrîche. diz licht lûchtet in dëme vinsternisse. diz dinsternisse meinet di sunde und dën sunder. hîr prediget dirre funke stêteclîchen inne, daʒ man di sunde lâʒe und sich dar abe kêre. myst. 1, 32, 9 ff.; diu vierde frâge ist: in welher stat oder kraft in dër sêle daʒ êwig wort wërde aller eigenlîchest geborn? ... die dritten sprëchent: in dëm funken dër sêle, umbe daʒ ër gote aller nêhest ist. Eckhart 480, 24; dër funke dër sêle ist ein lieht götlîcher glîcheit, daʒ sich alle zît ûf got neiget. 32;

Thêophilô wart gesant
ein funke rëchter rûwe,
sô daʒ dër ungetrûwe
gesach wol offen sînen schaden. Marienleg. nr. 23, 169.

in gleicher weise steht vanke: die sêle heiʒet ouch ein vanken götlîcher oder himlischer nâtûre und daʒ füeget sich wol zuo dën worten, daʒ diu sêle von nâtûre zu dëm himele gehœre. Eckhart 246, 14, vgl. 36 u. 405, 24. nhd. funck der sele oder hochekraft der sele, sinderisis. voc. theut. 1482 i 5b. ein funke der göttlichen kraft und allmacht. Jacob Böhme myster. 251;

götter! seufzt er dann, nur éinen funken,
éinen funken eurer schöpfermacht.
A. W. Schlegel ged. 59;

[Bd. 4, Sp. 600]



bald geh ich mit der furcht im zimmer auf und nieder:
als kämen jetzt bey dir viel alte funcken wieder,
womit ein falsches M. das letzt auch aussen blieb,
den ersten liebeszug dir in das hertze schrieb.
Günther 832,

hier ist der platz, wo jüngst der erste funken
der lieb in meinem (l. meinen) busen sank.
Hölty an eine quelle str. 3, in Schmids anthol. 3, 210;

in männern ist kein funke treuer lieb lebendig. Kotzebue dram. sp. 2, 180; aber niemals hab ich einen funken liebe an ihr wahrgenommen. Miller Siegwart 2, 567; ... alles, was noch einen funken von redlichkeit und vaterlandsliebe in sich fühlte. Wieland 7, 175;

denn meine seele zittert in mir
ob der schlagenden wellen
deines busens, ob der hellen
funken deiner kuszbegier. alm. d. deutsch. mus. 1774, 29;

wer ist so tief in schmerz versunken,
dasz auch nicht éines triebes funken
im innersten der leeren brust,
des hauchs der freundschaft wartend, glimmte?
Gotter 1, 228;

da ist kein funke der sehnsucht mehr, mit der du sonst ihn erwartetest. Schiller in seiner Thalia 1, 32;

ein funke hoffnung glimmt, dasz euer arm
es (das vaterland) retten, der gefahr ich noch entgehen kann,
um dafür noch zu kämpfen.
C. F. Weisze trauersp. 3, 62;

und noch lebt der hoffnung himmelsfunken.
Körner 1, 103;

freude, schöner götterfunken,
tochter aus elisium.
Schiller 19a;

was erstickt der freude funken
im beklommnen busen mir.
Müllner 29. febr. 6;

der starke Görg hat meiner nacht
auch keinen funken trost gebracht.
Lenau Faust 188;

was ist man nicht hinter dem knaben her, dem man einen funken eitelkeit abmerkt! Göthe 16, 202; man kann keinen funken genie haben und gleichwohl viel witz und geschmack besitzen. Lessing hamb. dram. (1769) 2, 220; so schmeicheln sie dem genie ... doch sie verrathen zu sehr, dasz sie nicht einen funken davon in sich spüren. 349; von unsern dichtern ist ihm (Klopstock) keiner widriger als Weisze. er sagt, dasz er keinen funken vom genius hätte und nur ein neuer Hofmannswaldau wäre. Voss briefe 1, 159; der auch nur den funken, die hofnung zu einem genie zu unterdrücken sucht. Boie an Raspe, s. weimar. jahrb. 3, 34; wenn ein funke lyrischen gefühles in ihm ist, wird ihn Jehovah begeistern. Herder ebr. poes. 2, 318; er wollte darin nur steife schulexercitien erkennen, denen es an jedem funken von naturell, wahrheit und begeisterung fehle. 18, 122;

oft eilt' er (Chr. E. v. Kleist) auch, in stillen gründen
die einsam lächelnde natur zu finden,
die ihn, ob gleich der dichtkunst funken in ihm schlief,
zu ihrem barden schon berief.
Kretschmann an Kleists grabe 13;

schon als hüpfender knab, ehe der bardenkunst
funken in mir entglomm.
Hölty hymnus an d. mond 15;

ein kleines röcheln gab dem wütrich, Richard, ein
als möcht ein funke noch vom leben in ihm (dem erdolchten ältesten prinzen) sein.
C. F. Weisze trauersp. 1, 216,

vgl. oben unter 1) die stelle von Bürger 72b. er hat keinen funken wärme (des körpers) mehr. Gotter erbschleicher 181.
Man hört bair. einen funken haben von einer sache, anfangen, ihr auf die spur zu kommen. Schmeller 1, 543. weit verbreiteter ist die redensart es ist kein guter funke in ihm, wie man auch sagt es ist kein gutes haar an ihm, er ist nicht das geringste werth, hat nicht die geringste gute eigenschaft. s. DWB haar III 17) h). im positiven sinne aber kommt auch vor es ist noch éin guter funke in ihm. so z. b. ich würde den menschen aufgeben, aber es ist noch éin guter funke in ihm, er ist die gefälligkeit selbst. früher darzu sind sie (die von der erde hervorgebrachten früchte) gantz grimmig, bitter, sawr, herb, hitzig, kalt, hart und böse und ist kaum ein guter funcke darin, jhr safft und geist ist vermischt mit der hellischen qualitet. Jacob Böhme Aurora (1634) s. 81. es ist mir lieb, dasz auch noch ein guter funken in euch ist! reu und leid über seine sünden ist der anfang zur besserung. Miller Siegwart 1, 59. auf einen tüchtigen schlag ist der ausdruck angewandt mit fanke für funke, was nachträglich einen beleg für jene form im nhd. abgibt sowie dafür dasz sie auch als femininum vorkommt.

gelt du hast ein guote fancken,
du wirst mir wärle nit drumb dancken. fastnachtsp. nachl. s. 41, 27.

[Bd. 4, Sp. 601]


Jacob Grimm zeichnete diese stelle gerade für die verbindung ein gute fanken auf. übrigens erinnert dieser ausdruck in seiner stellung an die redensart einem einen fang geben = einen schlag, fänge kriegen = schläge. vgl. DWB fang 4).
Sinnverwandt mit funke sind gneist und üssel, welche beiden wörter man nachsehe. vgl. auch abmer, ammer, eimer (3, 112).
Zusammensetzungen, in welchen funke als letztes wort steht, sind aschenfunke, augenfunke (Heine buch d. l., 1837, s. 50), blitzesfunke (s. vorhin Herder 15, 161), eisenfunke, feuerfunke, geistesfunke, götterfunke, heldenfunke, irrfunke (vgl. Göthe 41, 283), johannisfunke, jugendfunke, kriegsfunke, lebensfunke, lichtfunke, liebesfunke, loderfunke, neidfunke, rosenfunke, silberfunke, sonnenfunke, stahlfunke, steinesfunke, sternenfunke, tugendfunke, verstandesfunke, wollustfunke, zornfunke u. s. w.
 
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funke, f., s. den vorhergehenden artikel.
 
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funkel, m. , abgeleitet von funke.
1) was funke 1). so mhd. (mitteld.).

ir (der minne) glüenden funkel in dâ müen
begunden und in hërzen glüen:
sîn hërze in glüender minne bran.
H. Trist. 2769.

nhd. es geschicht auch, das (dasz) solche falsche büsser in betrachtung irer sünde widerumb empfinden flammen und funckel der lust voriger sünde. Luther 1, 411a (grund u. ursach).
2) der teufel. diese bedeutung ist anzunehmen nach bair. fankel, der teufel, der böse feind (Schmeller 1, 543), von fanke, funke. s fankel, wo ausführlich über diesen namen des teufels gesprochen ist.
3) qual des gewissens, peinigung der seele, seelenpein. in der kanzelsprache des 15. jahrh., der gemäsz in Eychmans vocabular. predicantium (1483) x iijb: vermis infernalis, funckel der vernunfft, vel der wurm der da negt conscienciam et cor in inferno eternaliter. vergl. Diefenbach 613b. hiernach beruht die bedeutung auf den biblischen worten ire in gehennam, in ignem inextinguibilem, »ubi vermis eorum non moritur et ignis non extinguitur« (Marc. 9, 43. 45. 47 = bei Luther 44. 46. 48), nicht aber, wie es den anschein hat, auf übertragung der vorhergehenden bedeutung »teufel«, in so fern dieser auch als feuer sprühender wurm oder drache erscheint und mhd. deshalb hellewurm (Ben. 3, 826a) genannt wird.
4) schein, licht:

hascha wie ists heut so dunkel,
hetten wir von spähn (spänen) gnueg funckel,
oder wann sich es möcht aushaittern,
wollen wir hollen mehr sturmlaittern. Fadingerlied (1626) in Görres hist. polit. bl. 33, 958;

und ahnend tritt sie in das dunkel
des hochgewölbten domes ein,
und wo die kerzen trüben funkel
vom duftigen altare streun,
da brachte sie im schönern leben
ihr dankgebet dem Jesubild,
da kniet sie hin und thränen beben
vom blauen auge licht und mild.
Uhland die wallfahrtskirche. in Notters Ludw. Uhland (Stuttg. 1863) s. 28.

überhaupt der schimmer, das funkeln:

finster ist die nacht und bange,
nirgends eines sternleins funkel! ged. 193 (191);

in meines kummers dunkel
strahlt mirs, wie sternenfunkel.
geliebter, nimmer, nimmer
vergiszt Luisa dich.
Kosegarten poes. 1, 354.


man könnte bei dieser letzten bedeutung an herleitung von funkeln denken, aber jene entwickelte sich leicht aus der unter 1).
 
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fünkel, n., eins mit fünkele (s. d.) oder fünkle (s. d.). ein dim. von funke, kleinstes feuertheilchen, scintilla. s. DWB funke.

ein fünckel in der aschen
gar sinnlich glunsen thut,
stroh möcht es gern erhaschen
oder holtz dürr und gut.
Procopius, herzenfreud und seelentrost (Passau 1661) s. 750;

ebenda s. 674 als überschrift eines liedes hertzenliebesfünckel. bildlich:

wann du sihst ein blümel an,
seyns narcissen, tolipan,
veyel, nägel, glöckel,
roht und weisse röselein,
die nun tragen in gemein
wurtzeln und die stöckel,
wisse, dasz seyn fünckel klein,
blühend zu dem end allein
dasz du solst gedencken,
wann gott ziert die erd so fein,
was wird nicht im himmel seyn?
und dich dorthin lencken. 387.

[Bd. 4, Sp. 602]



in Nordböhmen finkel, d. i. fünkel, in dem sinne »ein wenig«. Petters bei Frommann 2, 30.
Vgl. auch fünklein.
 
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fünkel, f. in der gaunersprache für küche. von gaunerisch fünkeln, kochen, und, wie dieses auch mit i für ü finkeln, gewöhnlich finkel geschrieben. Grolman 20b. Thiele 1, 250b.
 
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fünkele, n., in der volkssprache Ober- und zum theil Mitteldeutschlands gebrauchtes dim. von funke, das im ahd. funchili lauten würde. mit ausstoszung des ersten e fünkle (s. d.).
 
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fünkelei, f., wie fünkel, in der gaunersprache für küche. gleich diesem von fünkeln, kochen, abgeleitet und mit beiden übereinstimmend gewöhnlich i für ü führend finkelei. Grolman 20b. Train 38a. Anton 35a.

 

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