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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fünfzollig bis funke (Bd. 4, Sp. 591 bis 593)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fünfzollig, fünfzöllig, adj. fünf zoll im masze haltend, dem masze nach fünf zoll betragend, d. h. fünf zoll lang, breit, hoch oder dick. fünfzollig, quincuncialis. Nieremberger Ccc 4c. Davon das gleichlautende adv.

[Bd. 4, Sp. 592]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fünfzüngig, adj. in fünf verschiedenen zungen d. h. sprachen zusammengestellt; dann auch so viel als fünf verschiedene sprachen redend. fünffzüngig, pentaglottus. Dasypodius 333b. 177b.
 
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fung, für fieng, das praet. von fangen, s. DWB ful. wetterauisch fong.
 
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fungieren, die dienst- oder amtspflicht ausüben. als untersuchungsrichter fungieren. das wort steht bereits bei Sperander 271b mit der erklärung »ein amt verwalten, versehen, ausrichten«, und ist entlehnt aus lat. fungi, etwas verrichten, etwas vollziehen, sich eines geschäftes entledigen.
heute hört man für fungieren häufig functionieren (s. d.).
 
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funk, m. schluck, zug beim trinken:

mit einem trunkin einem funk
tu ich dir nun das gar bringen.
Orlando di Lassus newe teutsche liedlein,

bei Hoffmann von Fallersleben in den deutschen gesellschaftsliedern s. 165 (12 s. 276 nr. 199) nach einem andern drucke, dem von Ant. Scandellus, mit der lesart in einem schlunk;

sein (des liebsten buhlen) nam heist Wein,schenk dapfer ein!
so wird die stimm basz klingen:
ein starken trunkin einem funk
wil ich meim brudern bringen (zubringen).
Uhland volksl. s. 585;

ein kühsuff, dasz nit sitzest nider, man heist dich sonst auff stehn wider, sine ponere. ein katzentrunck, in eim funck, du hast ein stumpff messer, das ausz der schönen westphalischen krausen kein funcken kanst schlagen. Fischart Garg. 99a = (1608) M ijb.
Dasz funk die angegebene bedeutung hat, ergibt sich aus der angeführten lesart schlunk, welches wort, hervorgegangen aus mhd. slunt, wie schlingen, durch die gurgel gierig in sich aufnehmen, aus mhd. slinden, hier nichts anderes als »schluck« ausdrückt. s. DWB schlunk. aber wie ist dieses funk, dem der pl. fünke zukommen musz, abzuleiten? nach der nd. redensart he het enen funken im halse, er hat einen immer brennenden durst, liebt den trunk, scheint zusammenhang zwischen funke, kleinstes feuertheilchen, feuriger punct, scintilla, und funk stattzufinden und dies mit jenem der nemlichen wurzel entsprungen (s. DWB funke). danach würde funk zunächst einen stechenden, empfindlichen brand des durstes bezeichnen, woraus sich dann die bedeutung durstlöschung und sofort die des zuges beim trinken entwickeln konnte.
 
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funk, m. der glanz, das funkeln:

uns zündt ein nüwer sterne,
gar heiter ist sîn funk. Züricher mittheil. 2, 81b.

in der gaunersprache funk m. für flamme. Train 41b. entsprossen dem pl. praet. der schon von Jacob Grimm bei fink, finke angegebenen verlorenen wurzel finken, welcher auch funke angehört. mehr über sie s. bei diesem worte.
 
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funk, m. was finke, fringilla. ach warum hat mich (klagt das aus hanf entstandene octavblatt papier) nicht gleich in meiner jugend (nemlich als hanfsamenkorn) ein funck oder goll aufgefressen und alsobald dreck aus mir gemacht. Simpl. (Keller) 885, 6. goll ist die goldammer (Nemnich 2, 1477), aber auch der blutfink (ebenda 3, 455. vgl. dazu Diefenbach 247b), und unter funk ist offenbar finke zu verstehn. die volksmundart nemlich läszt in manchen wörtern u für i eintreten, wofür Weinhold in seiner dialectforschung 56 f., seiner alemann. gramm. 31 und 96, so wie in seiner bair. gramm. 44 belege gibt und auch z. b. aus der westricher mundart fusch und gefuscht (Schandein 245) für fisch und gefischt anzuführen sind.
angewandt wird das wort dann auf einen menschen der voller schelmstreiche ist, einen schelm, wie man auch sagt ein vogel, ein leichtfertiger vogel, auszerdem auf den cölnischen stadtsoldaten. unverkürzt funke, s. d.
 
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funk, m., gekürzt aus funke (s. d.), kleinstes feuertheilchen.
 
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funkart, n., s. DWB funkert.
 
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fünkchen, n.
1) ein überaus kleines feuertheilchen, der kleinste feurige punct, scintillula. dim. von funke (s. d.).
a) im eigentlichen sinne. es glimmet noch ein fünkchen in der asche. Adelung. das feuer hat ganz ausgeglommen, es ist auch kein fünkchen mehr da. beim schmieden springen funken und fünkchen vom eisen. vgl. DWB funke 2).
b) bildlich, zumal in beziehung auf solches, dem feuer beigelegt wird:

ein fünkchen gegenglut (der liebe).
Schmidt v. W. ged. 34;

wenn eifersucht ein fünkchen fängt,
springt gleich die ganze mine.
Gotter d. tartar. ges. 18.

[Bd. 4, Sp. 593]



2) aber auch oft genug überhaupt so viel als ein kleinstes theilchen, besonders einer seelen- oder geistesäuszerung, einer thätigkeit. vgl. DWB funke 6). kein äderchen von ihm, kein fünkchen von seinem gefühle. Schiller 112a (räuber 1, 3); ohne ein fünkchen wahren geschmacks, d. i. eigen gefühlter innerer lust und liebe zu dem, worauf es ankommt, woraus und wornach sich alles leicht faszt und bezieht und ordnet. Herder Kalligone 2, 255;

gebt einem matten herzen kraft
ein fünkchen neu vermögen. zerstr. blätter 3, 60;

fiel auf den kauzen nur ein fünkchen von verdacht.
Göthe 7, 102 (mitschuld. 3, 9);

selbst wann, der langen schuld bewuszt,
die freundschaft noch ein fünkchen lust
zur schreiberey in mir erneuet.
Gotter 1, 456.

in dem sich noch ein fünkchen erbarkeit spüren läszt, in quo aliqua virtutis significatio, mica apparet. Weber universalwb. 3, 317a. S. fünklein.
 
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funke, m.
1) ein unsteter, leichtfertiger mensch, ein mensch voller schelmstreiche, ein schelm. um das auslautende e verkürzt, blosz funk. wie schon oben bei dieser form bemerkt wurde, findet hier anwendung von funke für finke, fringilla, statt, nach natur und wesen dieses lebhaften vogels. sagen wir ja auch in ähnlicher weise ein vogel, ein leichtfertiger vogel, selbst ein böser, loser, leichtfertiger, grober finke. s. finke 2). eine lose fincke, puer hilaris, petulans (Steinbach 1, 444). das wort gehört keineswegs unter die seltenen:

und wie es zugieng bei dem trunk.
sagt einer dem andern: du funk!
s gilt flegel, gsegns gott, schlegel. d. kn. wunderhorn (1846) 2, 81;

es ist eine rechte unsinnigkeit in solchen newen alamodetrachten, und sage noch, die oberkeiten solten solche funcken an dem leben abstraffen. Philander 2, 155 (154); ein rechter funck. Simpl. 3, 739;

will man sich hier und da die lange zeit vertreiben,
und spricht aus erbarkeit bey frauenzimmer ein,
so wird man durch die stadt bald eine zeitung schreiben,
das musz mir, sagen sie: der rechte funcke seyn.
will man das lästern nun mit höflichkeit bedecken,
so klingts: der schöne herr geht aller orten lecken.
Picander ernstscherzhafte ged. (1727) 474.

gern mit den adj. durchtrieben, lose verbunden: mein herr hatte einen auszgestochenen essig und durchtriebenen funcken zum page neben mir. Simpl. 1, 97, vgl. essich am schlusse; wollen sie (die creditoren) aber diese durchtriebene funcken (es sind die bauern gemeint) auf eine gute laue (laune?) bringen, so müssen sie ganz sicher und gewisz anstatt tausend hundert und darzu ohne eintzige pension (d. h. zehn procent der schuld, dazu mit verlust der zinsen) nehmen. baurenstands lasterpr. 159; wie wollen nicht die bauren halsstarrige vögel seyn? sie lassen es ja eh auf das äuszerste ankommen und geben sich ehender nicht, es sey dann dasz es seyn müsse und da sie selbst es nicht ändern können. es gemahnen einen diese lose funcken anders nicht, als wie der verfluchte wüterich Pharao, welcher gute worte gab, alldieweil ihm die strafe gottes auf dem halse lag, wann sich aber das übel kehrte, seine vorige schlimme weise wieder an sich nahme. 141. loser funk, homo vafer, astutus, callidus. Nieremberger Ddd 1d, der aber den ausdruck als einen provinziellen bezeichnet. er is ein loser funke. Weber universalwb. 3, 317a, wo zugleich auf schelm und vogel hingewiesen ist, die synonym erscheinen. eigentlich deutsche wörterbücher verschmähten bisher funke in dieser bedeutung aufzunehmen, nur Frisch 1, 307b hat und zwar als volksmäszig funk, homo astutus, vafer, mit dem beisatze den man nicht darf in den zunder lassen. Vgl. auch sparke.
2) ein cölnischer stadtsoldat. beim volke in Cöln am Rhein, der hauptstadt des ehemaligen erzstiftes Cöln, so lange dieselbe eigne soldaten hatte. auf diese geht das cölnische funkenlied, das, neunzehn strophen umfassend, in einer der ersten hälfte des 18. jh. angehörenden, 157 seiten zählenden foliohandschrift der Trierer stadtbibliothek aufbewahrt und selbst heute noch in Cöln gangbar ist; es beginnt

hätt ich gewuszt das funcken leben,
hätt mich frühe darzu begeben!
keiner kan sich bilden ein,
was ein funck in Cölln sei (lies mag sein)!
vivant die funcken!

vgl. auch Hoffmanns von Fallersleben findlinge 74. ein anderes lied ist geradezu überschrieben die cölnischen funken und

[Bd. 4, Sp. 594]


steht in Cölns vorzeit von Ernst Weyden (Cöln am Rh. 1826) s. 236. sein anfang lautet

alärm, alärm en aller welt,
de cölsche zaldaten trecken (ziehen) en et feld u. s. w.

und beigegeben ist die bemerkung, dasz die cölnischen stadtsoldaten, allem anscheine nach wegen ihrer rothen uniform funken genannt würden. die vögel, denen beim volke der name finke zukommt, sind am gefieder, die eine art an dem und die andere an einem anderen theile, in auffallender weise roth. an benennung nach funke in dem folgenden artikel ist hier nicht zu denken.
auch bei Örtel (O. v. Horn) kommt dieses funke vor: so merkte denn auch Hubert nicht, dasz ein mann daher kommt, der die kleidung der kurcölnischen soldaten, funken genannt, trägt. rhein. dorfgesch. (1854) 2, 61; er (der angeworbene) erwachte am andern morgen als kurcölnischer soldat oder funke und wurde eingekleidet. 65.

 

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