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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fünfzahl bis funfzehner (Bd. 4, Sp. 579 bis 581)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fünfzahl, f. die zahl fünf. die fünfzahl hat vor andern zahlen, wie der artikel fünf zeigt, eine besondere bedeutung. da nun schon Hermann in seiner 1711 herausgegebenen masslographia p. 153 die zahl 5 aus mehreren gründen für sehr bedenklich hielt und auch andere über die in den Kimbrischen denkmählern häufig vorkommende fünfzahl untersuchungen anstellten. G. J. Grotefend in Böttigers Amalthea 2, 93; die fünfzahl vereinigt sich mit der dreiecksform auch ... in dem quincunx. ebenda.
die fünfzahl der verse, das zählen derselben nach je fünf verszeilen. in dem sinne »aus fünfen bestehende gesammtheit« von fünf personen:

nun aber, was das reich in seinem ganzen hegt,
sey, mit gewicht und kraft, der fünfzahl (es sind fünf fürsten gemeint) auferlegt.
Göthe 41, 291.


 
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fünfzählig, adj. der zahl nach aus fünfen bestehend. funffzelig, quinarius. voc. incip. teuton. f 3a. quinarius, fünffzälig, fünff inhaltende zaal. Frisius (1556) 1109a und danach bei Maaler 146a, der in fünff zal inhaltende ändert. quinarius, fünffzählig, die fünffte zahl begreiffend. Kirsch cornucop. (1723) 1, 909a. in der botanik sind die gefingerten blätter fünfzählig, quinata, wenn deren fünf auf éinem stiele bei einander stehn, wie dies z. b. bei dem fünffingerkraut (potentilla reptans), dem brombeerstrauch (rubus fruticosus), der wolfsbohne (lupinus albus) der fall ist. Plenk botan. terminol. 49. Davon ein gleichlautendes adv.
 
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fünfzähnig, adj. fünf zähne oder zahnartige spitzen habend. in der botanik heiszt die blütendecke oder der kelch fünfzähnig, quinquedentatum, wenn der rand durch einschnitte, die er von natur hat, fünf zahnartige spitzen zeigt, wie z. b. bei dem kürbisze. der gurke. Davon ein gleichlautendes adv.
 
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funfzehen, fünfzehen, fünf und zehn zusammengenommen, quindecim. zusammengezogen funfzehn, fünfzehn. goth. fimftaíhun, ahd. finfzëhan, vinfzëhan, zusammengezogen finfzên,

[Bd. 4, Sp. 580]


mhd. vünfzëhen, fünfzëhen, auch mit dem diphthong iu (s. DWB fünf sp. 548) fiunfzëhen (Meinauer naturl. 13, wo fiunfzëhin), zusammengezogen fünfzên, alts. fîftein (Heynes altnd. denkm. 2, 114a), die volle form würde fîftëhan sein, nd. foftein, nl. vijftien, ags. fîftene, fîftyne, engl. fifteen, altfr. fîftêne, fîftine, altn. fimtân, schw. femton, dän. femten, von welchen die goth., mhd. und ags. formen flectiert vorkommen, die ahd. flectiert werden könnte, sich aber keine belege vorfinden. nhd. herscht schwanken zwischen fünfzehn und der umlautlosen form funfzehn, welche beiden formen selbst bei einem und demselben schriftsteller sich finden. fünffzehen. Alberus dict. a 1a. fünffzähen. Frisius (1556) 1109a und danach Maaler 146a. fünffzehen. Henisch. Rädlein 311a. fünfftzehen sekel. Mathesius Sarepta (1562) 238a;

ich hab dem frommen gesellen
auff borg geben fünffzehen elen.
H. Sachs II (1591). 2, 27a.

daneben aber erscheint, wol mundartlich, bei demselben dichter auch ein verkürztes und abgeschwächtes fünfze:

wie ich (Arsinoe spricht) das jetzt erfahr mit schmertz,
das du (Lysimachus) mit fünffze söne mehr,
darzu dein gantz gerüstes heer
sambt dir ligt auff den tag erschlagen. III (1588). 2, 214d;

kein jungfraw ward nie so rein,
ist (iszt) sie drey nespeln, gibt sie von jr fünffzehen stein.
Lonicerus kräuterb. 28a,

eine sprichwörtliche redensart, die daher rührt, dasz die mispel meistentheils fünf steine hat,

seht! fünfzehn jahr schon brennt die kriegesfackel.
Schiller Wallenst. tod 3, 2 (erster dr. s. 127);

es steht der rheingraf nur vier tagemärsche
von hier, mit funfzehn tausend mann. 1, 5 (s. 23);

ein fräulein neben ihr noch kaum von funfzehn jahren.
v. Nicolay (1792) 5, 85;

funfzehn sommer schon zurücke
reichet ihr besinnen zwar. 8, 77.

dieses umlautlose zusammengezogene funfzehn ist heute die überwiegende form, die auch bereits Stieler, Steinbach und Gottsched ohne eine weitere angeben. Luther dagegen schrieb die volle form funffzehen, und Schottelius wie Frisch hielten an funfzehen fest. Adelung, Voigtel und Campe haben beide formen, diese volle wie jene zusammengezogene. alle aber erwähnen nicht einmal die formen mit ü, fünfzehen und fünfzehn, ja Heynatz in seinem orthograph. wb. 270 spricht sich mit verwerfung dieses fünfzehn entschieden für funfzehn aus. wirklich ist süddeutsch wie norddeutsch in der volkssprache hier u herschend und man hört auch mit ausstoszung des n nach u fufzehen, fufzehn, selbst noch weiter in einigen südlichen mundarten mit wechsel von f und ch fuchzehn. s. DWB fufzehen, wo aus verschiedenen gegenden die mundartlichen formen angegeben sind, denen hier noch aus Butzbach und zumal der gegend bei dieser stadt in der Wetterau foffzehe, henneberg. fauchze (Reinwald 2, 18), sonnebergisch fuchza (Schleicher 34) zugefügt werden können. doch die schule wahrt in rücksicht auf fünf nicht ohne pedanterie fünfzehn. Was die flexion anlangt, die in denselben fällen, wie bei fünf (s. spalte 553), stattfinden kann, so flectiert funfzehn, fünfzehn natürlich wie zehn: nom. u. acc. funfzehne, fünfzehne, dat. funfzehnen, fünfzehnen; ein gen. funfzehner, fünfzehner läszt sich nicht nachweisen. überhaupt aber steht das wort fast immer flexionslos. mhd. erscheint der dat. fünfzëhenen: unde teile danne die gotes jâr zuo fiunfzëhinen. Meinauer naturl. 13.
Diese stelle führt auf die besondere bedeutung der zahl funfzehn zunächst als zeitbestimmung, denn es ist in der theilung der jahre die mit 313 n. Chr. geb. beginnende römische indictio, der Römer zinszahl, gemeint, die je fünfzehn jahre umfaszt. bei den Deutschen waren fünfzehn tage gerichtsfrist, die dadurch entstand, dasz der ursprünglichen von vierzehn nächten (s. vierzehen u. Haltaus 1398), die in der zahl der nächte zwischen vollmond und neulicht ihren grund hat, noch der tag, mit dessen eintritt der termin zu ende gieng, zugegeben und dann neben den nächten auch nach eben so viel tagen mit diesem zugabetage gezählt wurde, wodurch sich die formel einen tag und vierzehn nacht in jene fünfzehn tage wandelte. vgl. RA. 221. diese frist verdreifacht, d. h. dreimal vierzehn tage mit drei zugabetagen, also fünfundvierzig tage, ist die sächsische frist. RA. 220. 222. die einfache aber, die auch das franz. quinze jours ausdrückt, wird selbst zur allgemeineren zeitbestimmung. mhd.

sus was ër dâ fünfzëhen tage. Parz. 501, 11.

nhd. findet sich dann auch funfzehn nächte als festgesetzte zeit, freilich alterthümlich: nach funfzehn nächten komm ich, dich

[Bd. 4, Sp. 581]


heimzusuchen, dann sag ich dir mehr. Veit Weber sagen der vorzeit 2 (1790), 373. vgl. DWB funfzehnte. endlich wird funfzehn noch allgemeiner als bestimmende zahl gesetzt. so wenn fünfzehn, nemlich vierzehen schöffen und ein schultheisz oder stabhalter, ein gericht bilden (RA. 218) und mhd. einem ungetreuen weibe gedroht wird

ich wil dich lërnen fliegen
in dëm luft muostu hangen fünfzên schuo von dër ërden. Morolf 2844,

d. h. so hoch, dasz der wind unter dir her und über dir zusammenschlagen kann. RA. 42. Auch in sprichwörtlichen redensarten tritt die zahl hervor: fünffzehen handwerck, das sechzehend betteln. Henisch 1290, 9, = wer zu vielerlei treibt, kommt an den bettelstab. hatte funfzehen Salomon im munde und einen ganzen schwarm narren im herzen. Luther bei Schottelius 230. er wird seine funfzehn heller schon kriegen. Simrock 2919. funfzehn, halt den sack auf. 2920a. funfzehen batzen für einen gulden. 2920. funfzehn aufs dutzend. Wander 1, 1269, = es kommt auf etwas mehr oder weniger nicht an. eine sehr geläufige redensart ist mit jemand, mit etwas kurze funfzehn machen, mit jemand rasch verfahren, es mit einer sache schnell fertig machen, sie rasch beendigen, womit übereinstimmt lippisch davan willt wi korte fifteggen maken (Wander a. a. o.). endlich sagt man in der Eifler mundart von einem gefallenen mädchen sie hat funfzehn gezählt.
Knüpft sich an diese letzte redensart das substantivisch gesetzte funfzehn, fünfzehn in die alte mutter funfzehn, einem, wie es scheint, dem volksleben norddeutscher gegenden angehörenden ausdrucke? er will erzählen, wie die alte mutter funfzehn gemorfisiret (metamorphosieret) ist. J. G. Müller Siegfr. v. Lindenb. (1790) 2, 326. diese alte mutter funfzehn wird aber vorher s. 312 eine alte schachtel genannt. oder soll der ausdruck verhüllend eine alte, sittlich herabgekommene und verworfene person bezeichnen, die sich für fünfzehn pfennige hingibt, wie es in einem volksliede heiszt:

ihr herz ist wie ein taubenhaus,
fliegt einer nein, der ander fliegt aus,
für funfzehn pfennige. knab. wunderh. (1845) 1, 282.

man hört aber auch die alte mutter funfzig. s. funfzig.
In der folgenden mit funfzehen, fünfzehen beginnenden wörtern, den abgeleiteten wie zusammengesetzten, ist die zusammengezogene form funfzehn als die heute geläufigste eingehalten.
 
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fünfzehig, adj. von natur fünf zehen habend. ein fünfzehiges thier, das an einem fusze fünf zehen hat.
 
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funfzehn, fünfzehn, s. DWB funfzehen.
 
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funfzehnde, fünfzehnde, s. DWB funfzehnte.
 
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funfzehndest, fünfzehndest, s.funfzehntest.
 
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funfzehneck, fünfzehneck, n. ein körper, eine zeichnung, überhaupt eine figur mit fünfzehn ecken. quindecagonum, ein funffzehenecke oder figur, die funffzehen seiten hat. Kirsch cornucop. (1723) 1, 909a.
 
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funfzehnender, fünfzehnender, m. ein hirsch mit einem fünfzehn enden zählenden geweih:

ein strenger hirsch von funfzehn enden,
kampffertig traun! ...
der strenge funfzehnender führte
der waffen gar zu viel, hohnnekte, rennte, stiesz.
Klamer Schmidt poet. br. 59.

weidmännisch heiszt ein solcher hirsch ein ungerader sechzehnender, ein ungerader sechzehner, weil die eine stange des geweihes acht und die andere sieben statt acht enden hat. der enden nemlich sind in der regel an einer stange so viel als an der andern und bei ungleichheit fehlt eins. vgl. scheiden weidmännisch gebraucht.
 
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funfzehner, fünfzehner, m.
1) eine münze im werthe von fünfzehn kreuzern, in Baiern von herzog Max Emanuel im jahr 1691 zum erstenmal geprägt. s. Schmeller 1, 538. ein funfzehner, »ein funfzehnkreuzerstück, die auch mit XV gezeichnet. darunter die kayserlichen nun 17 kreuzer gelten«. Frisch 1, 307a. kärnt. fufzinar, fuchzinar. Lexer 104. appenzellisch föfzenner, d. i. hochd. fünfzehner. Tobler 198a. vgl. ort n., ortsgulden.
2) einer von einem aus fünfzehn herrn zusammengesetzten collegium zu amtlichen verrichtungen oder übertragenen obliegenheiten. so übersetzen Kirsch, Matthiae, Weber quindecimviri, die benennung eines collegiums für gewisse amtliche verrichtungen in Rom, durch funfzehner, und Bauer u. Scheller quindecimvir, das einzelne mitglied dieses collegiums, durch den mit jenem pl. gleichlautenden sg. funfzehner. Von ehemaligen deutschen reichsstädten waren in Straszburg die funfzehner ein aus sechs städtemeistern

[Bd. 4, Sp. 582]


und neun abgegangenen rathsherrn zusammengesetztes collegium, welchem die verwaltung der finanzen und der polizei, dann die aufsicht über handel und gewerbe, über alle beamten und regierungsmitglieder, so wie die sorge für aufrechthaltung der verfassung und ausführung der gesetze und verordnungen oblag. vier jener städtemeister durften zugleich in dem collegium der dreizehner sitzen, das alle kriegs-, bau- und auswärtigen angelegenheiten unter sich und den rang vor den fünfzehnern hatte, welches letzte darin begründet sein mochte, dasz diese behörde 1433 errichtet wurde, während die anfänge jener in das 14. jahrh. zurückreichen. ihr ende fanden beide geheime rathscollegien mit der französischen revolution. s. W. Arnold verfassungsgeschichte der deutschen freistädte 2, 383 f. vergl. auch DWB dreizehner. ach werest du ein drytzehener oder ein fünfftzehener, dz (das) wer ein feyn ding, oder möchtest du ein stetmeister werden, oder ein ammeister, und also z hohen eeren kummen und z grossem gewalt. Keisersberg post. 3, 26a; wir können es z wegen bringen durch den zehenten (der zehnte mann ist gemeint) oder zweintzigesten, das (dasz) wir ammeister werden, fünfftzehener oder trytzehener, deszglichen das wir bischoff, probst, dechan, oder pfarrer, diszes oder jhens werden. 4, 27b; will einer ein stedtmeister werden, oder ein ammeister, oder ein fünfftzehener, er mssz den andren allensammen vor und nachgeben und mssz jnen übersehen und durch die finger gucken, uff das sye jm dester geneigter werden und auch jm dister ee stymmen geben, das er vil stimmen hab. 28a; der ander bleygt sich dorumb dz (dasz) er in groszem gewalt ist, und so ist der ein fünfftzehener, und so ist der ein dritzehener, so ist der ein einunzwentziger und ist guckis gackis. 39a. straszburgisch

do sinn si (die kinder) ufgewekt, nit mûderig (wie sich mauszernd) eso
un daiwlicht, lendelamm, usgferbt, schnaikecht (kränklichbleich)
un malzi (gelblich aussehend)
wie bî's fufzehners dert (dort).
Arnold pfingstmontag 86.


3) gebraucht man den pl. funfzehner, fünfzehner von fünfzehn personen, die zu einer commission oder einem ausschusse vereinigt oder zusammengetreten sind.
4) auf dem Harz ein stück tannenes oder fichtenes bauholz, das 30—32 fusz lang und am untern ende 8—10, am obern 5—8 zoll dick ist. schätzte man nach ellen, deren fünfzehn die länge ausmachen, und benannte danach?

 

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