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fünftelsaft bis fünftheil (Bd. 4, Sp. 576 bis 577)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fünftelsaft, m. das feinste, vortreflichste, edelste, geistigste einer sache. zuerst in einem in dem Göttinger musenalm. 1774 s. 164—166 abgedruckten liede von Bürger, der ohne zweifel an quinta pars nectaris bei Horaz od. 1, 13, 16 dachte und danach das wort bildete:

minnesold ist aller freuden,
aller freuden fünftelsaft. s. 165, vgl. werke 118a.

nach Bürger setzt es dann Blumauer, indem er damit quintessenz verdeutscht:

der mensch verschlingt den fünftelsaft der erde
und nützt er so, wie du (das schwein)? ged. 2, 211.

aber später scheint es, das auch nur im hinblick auf jene horazische stelle verständlich ist, von Bürger wieder aufgegeben worden zu sein, da er, wie sich in den sämmtlichen werken 17a zeigt, in aller

[Bd. 4, Sp. 577]


freuden mark und saft änderte, und im 19. jh. ist es nur noch selten gebraucht. der fünftelsaft, buchstäblich genommen, befriedigt durchaus nicht. C. A. Böttiger Amalthea 1, 23, wo der erwähnte horazische ausdruck nicht eben gebilligt und von einer fünfmal höheren süszigkeit, als der nectar ist, verstanden wird.
vgl. unten fünftheil, dann fünftes element und fünftes wesen unter der ordinalzahl fünfte 1).
 
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fünftelthaler, m., s. DWB fünftel.
 
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fünften, in fünf abtheilungen ordnen. so ist das wort mit wahrscheinlichkeit zu verstehn, wenn Luther zu gerüstet 2 Mos. 13, 18 am rande bemerkt ebreisch gefünfftet. was das sey, lassen wir andere suchen. obs sey, das (dasz) sie bey funff hauffen gezogen, oder bey funffen neben ander gangen sind, oder was solch funffe sey. denn von der funfften rieben (rippe), so das harnasch erreicht am leibe (wie die jüden klügeln), verstehen wir nichts.
 
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fünftengeben, n. die pflichtmäszige abgabe des fünften theiles vom naturertrage. durch zehnden-, ja fünfftengeben gesegnete güter. Olearius pers. rosenth. 7, 20. vgl. DWB fünfte 2) d).
 
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fünftens, adv. in aufzählender reihenfolge an fünfter stelle. fünfftens, zum fünfftenmahl, quinto, quintum, quinta vice. Kirsch (1723) 2, 123b. fünftens. Steinbach 1, 528. Frisch 1, 307a (wo durch druckfehler fünftes). Nieremberger Ccc 4c. es ist von fünfte der adverbial gewordene gen. sg. masc. oder neutr. schwacher form mit zugetretenem s wie bei bogens, glaubens, namens, herzens u. s. w.
 
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fünfter, m. quinarius numerus, quinio. Weismann (1715) 2, 135a, während 1, 451a fünffer. hiernach bedeutet das wort
1) die fünf augen auf dem würfel. zweiter spieler. die würfel her. — wer hält dis klümpchen? Faust. ich! zweiter spieler. drei fünfter — paszirt —. Friedr. Müller 2, 83 = Fausts leben 86. auch sagt man der fünfter der karte.
2) die die zahl fünf bezeichnende ziffer.
Nur im gemeinen leben, der Wetterau, der Pfalz u. s. w., aus welcher letzten auch das wort bei Friedr. Müller hergenommen ist, der, ein Kreuznacher, aus der sprache seiner heimat reichlich schöpfte.
Der hochdeutsche ausdruck in beiden fällen ist fünfer, s. DWB fünfer 1) und 2).
 
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fünftest, adj. was fünfte in stärkerer bezeichnung: verfluchten den keiser in die fünftest höll. Fischart bienenk. 1588 141b (2, 10). es soll wol so viel sagen als »in die tiefste hölle«. denn fünftest ist superlativ, freilich ein unerhörter, von der ordinalzahl fünfte, dessen t ohnedies schon superlativische bedeutung hat (vgl. gramm. 3, 640). vgl.funfzehntest.
 
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fünftgeboren, adj. der geburt nach der, die oder das fünfte. Rädlein 311a. der fünftgeborne sohn, der fünfte.
 
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fünfthalerschein, m. ein papiergeldschein, der fünf thaler gilt. ein preuszischer fünfthalerschein. vgl. fünfguldenschein. sprichwörtlich hört man einem einen fünfthalerschein zu wechseln geben. Sandvoss 312, = einem eine ohrfeige geben, die mit fünf thalern bestraft wird. Zu betonen fünfthálerschein.
 
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fünfthalerstück, n. eine goldmünze die fünf thaler gilt oder doch gelten soll. ein preuszisches fünfthalerstück, ein Friedrichsdor, welcher aber im werthe höher als fünf thaler steht. ein braunschweigisches fünfthalerstück, ein Karlsdor. ein französisches fünfthalerstück, ein Louisdor, ein Napoleondor. Zu betonen fünfthálerstück.
 
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fünftheil, n., bei Bauer (1798) 1079 m. n., der fünfte theil eines ganzen. weder läszt sich ein ahd. finfteil, fimfteil noch ein mhd. vünfteil nachweisen. aber nhd. funfftaile, quintale, das funffteile. voc. theut. 1482 i 6a. funffteil, quintale dicitur esse quinta pars alicujus rei. voc. incip. teuton. f 3a. funffteil des gewichtz, quincunx est quinta pars uncie. ebenda. zusammengesetzt mit ausstoszung des te der ordnungszahl wegen des gleichen anlautes in teil aus fünfte teil, mhd. (daʒ) vünfte teil.
darnach erkennen die scheffen, dasz ein ehrw. h. abt hab halbtheil, drittheil, viertheil und fünftheil weingarten. weisth. 2, 302; dieszem liesz er dz (das) fünffteil ab. Keisersberg post. 3, 63b; das fünffteyl am weissen (weizen). 64a; dz (das) fünffteyl am öl. ebenda; das hebreische schock, welches bey den jüden nach dem schweren gewicht zwei pfundt zwei fünfftheyl unnd nach dem geringen gewicht ein pfund und ein fünfftheyl gehalten. Mathesius Sarepta (1562) 238a; wie man etwan ein kreutzer für vier deutsche pfennig gab, so er doch ein fünffteyl mehr gilt nachm gülden gerechent. 240b; fünftheil, quincunx. Nieremberger Ccc 4c; die einnahme die sich doch wenigstens auf ein fünftheil höher belaufen musz.

[Bd. 4, Sp. 578]


J. G. Müller Siegfr. v. Lindenb. (1790) 4, 362. mit abschwächung von teil (theil) später lieber fünftel, s. d.
im besondern wie fünftelsaft (s. d.) in seinen beiden bedeutungen. zuerst, nach des Horaz Od. 1, 13, 16

... dulcia barbare
laedentem oscula, quae Venus
quinta parte sui nectaris imbuit,

bei Lessing 1, 60 (Maltzahn s. 72)

dann fühl ich sie, die süszen küsse,
die ein barbarscher bisz verletzt,
sie, welche Venus, nebst dem bisse,
mit ihres nektars fünftheil netzt.

dann in dem sinne von quintessenz, auch auf das schlimme angewandt, wie denn schon Sperander in seiner à la mode-sprach (Nürnberg 1728) s. 545a hat also sagt man, dieser sey die quintessenz eines redlichen mannes oder eines bösewichts.

ja, lasterhafte zucht (die weiber sind gemeint)! ja, fünftheil alles bösen.
dich schufen gott und die natur
zur stäten qual des mannes nur.
v. Nicolay 1792 5, 174 (1773 3, 150).

 

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